Monatsarchiv für Februar 2010

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Markiges Marketing (16)

Freitag, 26. Februar 2010

Inzwischen recht selten anzutreffen sind diese farbenfrohen Reklamemarken, mit denen das traditionsreiche Unternehmen J.S. Staedtler aus Nürnberg vor wohl gut 80 Jahren die Stifte seiner Ende 1900 angemeldeten Marke „MARS” bewarb. Die beiden Stücke weisen zudem zwei Besonderheiten auf, denn ebenso wie die mindestens sechs anderen zu dieser Zeit ausgegebenen waren sie paarweise angelegt, wobei sie das Motiv teilten, und waren obendrein mit etwa 73 × 55 mm ungewöhnlich groß.

Reklamemarke von J.S. Staedtler

Mich überrascht, dass diese Reklamemarken nicht das beworbene Produkt zeigen, sondern eine Schreibmaschine und (so wie ich es erkennen kann) einen Federhalter; Zubehör wie Tintenfass und Löschwalze fehlt. – Die Schrift am unteren Rand der Marken gefällt mir außerordentlich gut (aber das nur nebenbei).

Kleine Anmerkung: Als erste wirklich nutzbare Schreibmaschine Deutschlands gilt das Modell „Kosmopolit”, gebaut ab 1888 von der Hamburger Nähmaschinenfabrik Guhl & Harbeck, die knapp zehn Jahre später die Spitzmaschine „Jupiter” auf den Markt brachte.

Reklamemarke von J.S. Staedtler

Aufmerksamen Beobachtern wird auffallen, dass es auf der einen Marke „seit 1662″ heißt, STAEDTLER aber in diesem Jahr „175 Jahre MADE IN GERMANY” feiert. Wie passt dies zusammen?

Die erste urkundliche Erwähnung des Bleistifts, wie wir ihn heute kennen, findet sich in den Nürnberger Ratserlässen aus dem Jahr 1662. Damals gab es einen Streit zwischen Friedrich Staedtler und der Schreinerzunft, die das Bleistiftmachen, d. h. das Einleimen der Graphitminen in genutetes Zedernholz, für ihr Handwerk beanspruchte. Das Rugsamt, eine sehr strenge Behörde zur Sicherung von Produktion und Handel sowie der städtischen Macht, untersagte zwar zunächst Friedrich Staedtler die Herstellung und den Verkauf von Bleistiften, doch letzterer konnte sich durchsetzen und seinen eigenen Betrieb gründen.

Der Name „Staedtler” tauchte danach erst wieder im Jahr 1835 auf, als Johann Sebastian Staedtler, ein Nachfahre Friedrich Staedtlers, die Genehmigung zur Bleistiftfertigung erhielt, und so missfiel dem Konkurrenten Faber-Castell, der selber nur eine 234-jährige Geschichte hatte, dass sich STAEDTLER 1995 in Werbeprospekten auf eine 333 Jahre alte Tradition berief. Der Rechtsstreit ging zu Gunsten des Klagenden aus, so dass STAEDTLER nun das 175. Jubiläum begeht.

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Suchen und Finden

Mittwoch, 24. Februar 2010

Die in der hier werkelnden Blog-Software WordPress integrierte Suchfunktion lässt leider einiges zu wünschen übrig, und auch viele der als Plugin nachrüstbaren Alternativen wie das empfehlenswerte „Search Everything”, das hier über die „Suchen”-Schaltfläche in der Seitenleiste angestoßen wird, schließen trotz weitaus größeren Funktionsumfangs nicht alle Lücken. Von ganz anderem Kaliber ist da „Advanced Search” von zirona: Neben der Suche nach Wörtern oder Zeichenketten und der Möglichkeit, die Suchbegriffe logisch zu verknüpfen, kann man mit „Advanced Search” die Suche auf bestimmte Kategorien und ein Zeitintervall beschränken sowie die Ergebnisse nach Datum oder Relevanz sortieren lassen.

Zu der erweiterten Suche geht es hier und über den Link unter „Hinter den Kulissen” in der Seitenleiste; Hinweise zum Gebrauch bekommt man dort beim Klick auf „[Hilfe]” neben dem Eingabefeld. – Wer Auffälligkeiten oder gar Fehler findet, möge diese bitte in einem Kommentar zu diesem Beitrag kundtun.

In Kürze

Dienstag, 23. Februar 2010

Außer den drei hier gezeigten Varianten des Bleistift-Klassikers Othello 282 von STABILO gab es noch mindestens eine weitere, und zwar diese 85 mm kurze.

Der STABILO Othello 282 als Kurzbleistift

Was das Alter und den angestrebten Verwendungszweck dieses Stifts angeht, so kann ich nur spekulieren: Ersteres schätze ich auf etwa 70 Jahre, und bei letzterem vermute ich den Gebrauch mit einem Taschenkalender oder Notizbuch.

Zweck und Zentrum

Samstag, 20. Februar 2010

Im Mittelpunkt meiner heutigen Betrachtung steht – besser: liegt und steckt – ein kleines Zeichenzubehör, und zwar die Zentrierzwecke.

Zentrierzwecken Haff Nr. 160 (links) und STAEDTLER Japan (rechts)

Der Zweck des hier in gleich zwei Varianten gezeigten Helferleins ist schnell beschrieben: Das wiederholte Einstechen einer Zirkelspitze an derselben Stelle weitet den Einstichpunkt unnötig aus, was die Zeichengenauigkeit verringert und obendrein das Beschreibmaterial strapaziert; eine Zentrierzwecke hilft da zweifach.

Zentrierzwecke Nr. 160 von Haff

Die metallene, unten mit einer feinen Nadel und oben mit einer ebensolchen Vertiefung versehene Zentrierzwecke (hier die Nr. 160 von Haff, angeboten für 3 Euro „zur Schonung des Mittelpunktes einer Zeichnung”) vermeidet beides – einmal positioniert hält sie den Zirkel zuverlässig am Platz und reduziert zudem die Beanspruchung des Materials.

Die knapp 1,6 mm hohe Zwecke aus Leichtmetall (wohl Aluminium) hat die Form eines Kegelstumpfes, einen Durchmesser von 10 mm und ist an der Unterseite angefast, damit sie sich leichter lösen lässt; eine kleine Hülse hält die 2,4 mm weit hinausstehende und 0,5 mm dicke Nadel mittels Presspassung im Zentrum.

Zentrierzwecke 553G von STAEDTLER Japan

Wo der Einstich nicht erwünscht oder gar unmöglich ist, kommt die zweite Zentrierzwecke zum Einsatz (im Bild oben der Artikel 553G von STAEDTLER Japan, ca. 1,20 Euro). Sie wird durch einen Gummiring an ihrer Unterseite sicher in Position gehalten; ein Fadenkreuz im transparenten Inneren erleichtert die Platzierung.

Das 3,4 mm starke und aus hartem, transparentem Kunststoff gefertigte Utensil mit einem Durchmesser von gut 16 mm verfügt an seiner Oberseite über eine Riffelung, damit die Finger nicht abrutschen, denn im Gegensatz zu der Zwecke von Haff arbeitet diese nicht mit Form-, sondern mit Kraftschluss. Ebenso wie erstere trägt sie keine Kennzeichnung.

Zentrierzwecke des Reißzeugs „Präcision” IX.P von Otto Richter

Obiges Foto zeigt die Zentrierzwecke des Reißzeugs „Präcision” IX.P. von Otto Richter (65 oder mehr Jahre alt), und untenstehende Abbildung habe ich der 20. Ausgabe des Haupt-Katalogs der Gebrüder Wichmann (Berlin) von 1940 entnommen. – Ein dem Produkt von STAEDTLER sehr ähnliche Zwecke findet sich unter der Nummer 52 im Zubehörprogramm der Reißzeugfabrig Seelig GmbH & Co. KG.

Zentrierzwecke Nr. 827 aus dem Lieferprogramm der Gebrüder Wichmann

Mit der DIN 58529 (letzte Fassung vom 1. März 1971, zurückgezogen im November 1996) gab es überdies eine Norm für – so ihr Titel – „Zentrierzwecken und Zentrierscheiben für Reißzeuge” (”Center tacks, horn centres for drawing instruments”; eine englische Fassung hat es nicht gegeben). Die dort spezifizierte Zentrierscheibe mit einem Durchmesser von 16±1 mm besteht aus einem Metallring, der eine glasklare Kunststoffscheibe umschließt und mit drei Nadeln ausgestattet ist. Zu ihr merkt die DIN an:

Die Zentrierscheiben dienen dazu, das Zeichenpapier zu schonen, wenn um das gleiche Zentrum viele Kreise mit dem Zirkel gezogen werden sollen. In diesen Fällen wird die Zentrierscheibe so über das zu schützende Zentrum gesetzt, daß dieses gut durch die Scheibe sichtbar ist. Der Zirkel wird dann in die Kunststoffscheibe genau über dem Zentrum eingesetzt.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, bekommt noch eine etymologische Zugabe: „Zwecke”, die weibliche Form von „Zweck”, geht zurück auf das alt- und mittelhochdeutsche „zwec”, das „Nagel”, „Pflock” und vor allem „Pflock in der Mitte der Zielscheibe” bedeutete. Daraus wurde im 15. Jahrhundert „Ziel”, wobei die ursprüngliche Bedeutung als „Zwecke” erhalten blieb. Abgeleitet davon sind u. a. „bezwecken” und „verzwickt”, wobei letzteres also für „vernagelt” steht. (Quelle: Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.)

STAEDTLER WOPEX 2B

Mittwoch, 17. Februar 2010

Nach seiner Vorstellung auf der Paperworld 2009 bekam der aus einem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff coextrudierte und bisher nur in der Härte HB erhältliche Bleistift WOPEX von STAEDTLER in diesem Jahr die Grade 2H und 2B zur Seite; letzteren möchte ich kurz unter die Lupe nehmen und mit dem Mars Lumograph 100 2B aus gleichem Hause, den ich hier als Referenz heranziehe, vergleichen.

STAEDTLER WOPEX 2B

Der hexagonale, in einem dunklen Lachsrot gehaltene Bleistift, dessen Kanten recht stark verrundet sind, hat die gewohnten Maße, mit gut 8 Gramm aber mehr als das doppelte Gewicht seiner holzgefassten Pendants. Der silbern glänzende Prägedruck auf der samtig-griffigen Deckschicht des werkseitig gespitzten Bleistifts nennt Herkunftsland, Hersteller, Produktbezeichnung und Härte, während ein schwarzer Druck auf der gegenüberliegenden Fläche Strichcode, EAN, Artikelnummer, Produktionscode sowie das PEFC-Logo umfasst.

STAEDTLER WOPEX 2B

Ein Griff an die Spitzen der beiden Stifte überrascht, färbt doch die Mine des WOPEX die Finger erheblich weniger als die des Lumograph. Beim ersten Kontakt mit dem Papier und – je nach Kraft des Andrucks – auch noch eine Weile danach gibt die frische Spitze des WOPEX etwas mehr Minenmaterial als nötig und als der Lumograph ab, überzeugt dann aber durch eine sehr saubere und fast krümelfreie Abgabe. Es fällt sofort und positiv auf, dass die Mine des WOPEX ebenso leicht über das Papier gleitet wie die im Lumograph. Ob man das geringfügig Wachsige des WOPEX mag, ist eine Frage persönlicher Vorlieben; dem Schreibkomfort tut es wohl keinen Abbruch.

Beim Schreiben hatte ich den Eindruck, dass der WOPEX sparsamer im Gebrauch ist, ohne dies jedoch quantitativ erfassen zu können. Damit kann ich eine weitere der beworbenen Eigenschaften bestätigen. – Die Spuren des WOPEX sind erfreulich wischfest, womit er sich vom Lumograph abhebt. Die Reflexion des Abstrichs beider Minen ist nahezu gleich, doch bei der Schwärzung liegt der Lumograph deutlich vorne.

STAEDTLER WOPEX 2B

Den größten Unterschied zwischen dem WOPEX und dem Lumograph 2B konnte ich beim Radieren feststellen. Ließ sich die Schrift des Lumograph beinahe vollständig entfernen, so wollte mir dies beim WOPEX 2B auch mit anerkannt guten Radierern (STAEDTLER Mars plastic, Tombow Mono, uni Boxy, Läufer PLAST-0140) nicht gelingen. Natürlich hängt das auch von Andruck und Beschreibmaterial ab, und so fiel das Radierergebnis auf glatten Papier besser aus.

STAEDTLER WOPEX 2B

Der für das Spitzen des WOPEX im Handspitzer (hier der einfache und gute Dahle 53455) benötigte Kraftaufwand entspricht etwa dem für Holzbleistifte, doch meine mit einem Fräser arbeitende Kurbelspitzmaschine Carl Decade DE-100 stellte der extrudierte Bleistift arg auf die Probe. Ich vermute, dass sich das dichte und zähe Material des WOPEX leichter schälen als fräsen lässt und rate daher zur Verwendung eines Handspitzers.

Der WOPEX stellt zweifellos eine sehr bedeutende Entwicklung dar und bietet interessante Leistungsmerkmale in hervorragender Verarbeitung, womit er die Welt des Bleischreibens bereichert, doch auch wenn er mir im weichen 2B noch mehr zusagt als in HB, so bringt er mich nicht dazu, dem altmodischen, holzgefassten Bleistift untreu zu werden.

Die neuen Härtegrade des STAEDTLER WOPEX sind ab März/April einzeln und zusammen mit der HB-Variante auf zwei verschiedenen Blisterkarten erhältlich; die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 0,90 Euro für den einzelnen Stift.

Palimpsest

Mittwoch, 17. Februar 2010

Online seit über einem Jahr, doch für mich eine Neuentdeckung: Das äußerst interessante Weblog „Palimpsest – On Writing Instruments” der Schriftstellerin und Historikerin Lito Apostolakou aus England. Ihre Themen sind so vielfältig wie spannend: Anton Tschechow und der zensierende Rotstift, die Umbenennung des „Mikado” nach „Mirado”, ein Bleistift mit versteckter Landkarte für Kriegsgefangene, der gelbe Lack des Koh-I-Noor und mehr – eine lebendige und bereichernde Mischung! Gefunden habe ich das Blog übrigens bei der Suche nach Informationen über die im Jahr 1885 durch den Franzosen Jean-Pierre Alibert entdeckten und von Johann Faber erworbenen Graphitmine im Berg Batugol bei Irkutsk im Süden Sibiriens.

Sehr sympathisch sind auch die Worte von Charles Dickens, die das Weblog zieren:

There is something very comfortable in having plenty of stationery.

Recht hatte er!

Pentel 1968

Montag, 15. Februar 2010

Nach der Anzeige von Yasutomo & Co. aus dem Jahr 1967 hier ein weiteres Dokument aus der Frühzeit des Feinminenstifts, und zwar eine Werbung der Pentel of America Ltd. von 1968*. – Die Herkunft des Ausschnitts kenne ich leider nicht, doch da seine Rückseite Informationen über Türen und Fenster von Caradco zeigt, könnte er aus einem Magazin für Architekten stammen.

Anzeige von Pentel (1968)

In den besten Kreisen anzutreffen waren der „CPA Sharp 5″, zweifellos ein Vorgänger des P200, sowie der „Graph”, den es in leicht veränderter Form auch heute noch gibt; beide wurden mit einem Minendurchmesser von 0,5 mm und mit Minen der Grade HB und härter angeboten. Hier überrascht mich, dass der mit Clip und Radierer besser ausgestattete „Sharp 5″ deutlich günstiger war als der „Graph”. – Den „continuous feed” des letzteren interpretiere ich nicht als automatische Minennachführung, denn diese Technik kam meines Wissens erst Ende der 1970er Jahre mit den „alpha-matic”- und „TK-matic”-Modellen von Faber-Castell auf den Markt.

* Beim Alter muss ich mich auch diesmal auf den Anbieter verlassen, denn der Ausschnitt selber trägt keine Jahreszahl in Klartext.

Nachtrag vom 6.3.10: Der Anbieter dieser Anzeige hat mir mitgeteilt, dass er sie der Zeitschrift „Progressive Architecture” entnommen hat; das Kürzel „PA-1268″ unten rechts könnte demnach für den Dezember 1968 stehen.

Bleistifte und Musik

Sonntag, 14. Februar 2010

Das noch recht neue Weblog mit dem Titel „pencils and music” verwöhnt seine Besucher mit exzellenten Fotos und gehaltvollen Texten in einem stilvollen Layout. Für mich eine wahre Freude und uneingeschränkt empfehlenswert!

Nachtrag vom 18.9.10: Leider hat der Autor das Weblog inzwischen entfernt, doch ich hoffe sehr, dass es irgendwann einmal wiederkommt.

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