Monatsarchiv für Mai 2010

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Eberhard Faber Blackwing 602

Sonntag, 30. Mai 2010

Favorit von Berühmtheiten wie John Steinbeck und Nelson Riddle, Objekt der Begierde etlicher Bleistiftliebhaber und inzwischen einzeln teurer als zwei Dutzend anderer: Der Blackwing 602 von Eberhard Faber.

Eberhard Faber Blackwing 602

Es ist nicht leicht, diesen Bleistift unvoreingenommen zu betrachten. Experten schätzen seine inneren Werte, und sein Äußeres vermittelt den Eindruck hoher Qualität. Die Farbe des Prägedrucks im dunklen, matten Lack korrespondiert mit dem Glanz der ungewöhnlich geformten Zwinge, so dass der Blackwing 602 auch eine elegante Erscheinung abgibt.

Eberhard Faber Blackwing 602

Der mittlerweile wohl berühmte Slogan des Blackwing 602 ziert die gegenüberliegende Seite – eine weitere Besonderheit, denn wie oft findet man derartiges? Ja, ich mag so etwas, und freue mich zudem über die gelungene Typografie.

Eberhard Faber Blackwing 602

Für weniger gelungen indes halte ich die Umsetzung der zweifellos pfiffigen Idee mit dem nachfüllbaren Radierer, denn die hervorstehenden Kanten der Klammer sind scharf. Das Gewicht dieser Konstruktion verschiebt den Schwerpunkt des Stiftes auch recht weit nach hinten. – Ausprobiert habe ihn den Radierer nicht, denn er ist hart geworden.

Eberhard Faber Blackwing 602

Es kostet schon Überwindung, einen solch schwer ersetzbaren Bleistift zu spitzen, doch ich bekam ihn geschenkt mit der Vorgabe, ihn zu testen. Der Spitzer meiner Wahl für Fälle wie dieser ist der DX4112 von DUX, der das rötliche Holz dünn und sauber abträgt und die hochgelobte Mine freilegt.

Beim ersten Strich wird der ganze Kult sofort verständlich: Der Blackwing 602 gleitet verblüffend leicht und ein wenig wachsig über das Papier, ohne dabei zu krümeln. Nichts kratzt, schmiert, bröckelt oder bremst: Man könnte meinen, er schwebe. Obendrein lässt er sich perfekt radieren und hat eine gute, aber nicht überragende Schwärzung. – Ich konnte es allerdings nicht übers Herz bringen, seine Bruchfestigkeit zu prüfen.

Der Blackwing 602 gilt zu Recht als einzigartig, und auch ich kenne keinen vergleichbaren Bleistift. Sein Gleiten und die äußerst saubere Abgabe haben mich jedoch an den Black Polymer 999 von Pentel Japan erinnert, der aber leider seit kurzem ebenfalls nicht mehr gefertigt wird.

Vielen Dank an Jürg für den außergewöhnlichen Blackwing 602!

P.S.: 1998 hat Sanford die Produktion dieses Bleistifts wegen geringen kommerziellen Erfolgs eingestellt, und es gibt das Gerücht, CalCedar, der Hersteller des Palomino, wolle einen Nachfolger auf den Markt bringen.

Rührendes Duo

Sonntag, 30. Mai 2010

Rührendes Duo

Punktlandung

Samstag, 29. Mai 2010

Zeugen einer ungewöhnlichen Landung wurden die Leser der Fachzeitschrift „Aviation” im Januar 1943: Die stilisierte, übergroße Spitze des Zeichenbleistifts „VAN DYKE” traf mitten in die ganzseitige Anzeige und die Eberhard Faber Pencil Co. mit dieser sicher auch den Geschmack des an technischen Details interessierten Publikums.

Anzeige der Eberhard Faber Pencil Co. (1943)

Ebenso präzise wie das Landemanöver war die Beschreibung des Bleistifts, die ihn zu einem Hi-Tech-Gerät machte, und wer wollte, konnte Testpilot eines der 18 Modelle werden. – Man beachte die sehr ungewöhnliche Form der Spitze, bei der die Mine zuerst vom Holz befreit und anschließend ähnlich einem Meißel angeschliffen wurde.

Anzeige der Eberhard Faber Pencil Co. (1943)

Eine ausführliche Präsentation der „VAN DYKE”-Flotte gibt es bei Leadholder.

Schattenspiel

Dienstag, 25. Mai 2010

Schattenspiel

Feinschliff

Freitag, 21. Mai 2010

Anzeige für den Spitzer „Gem” von F.H. Cook & Co. (1901)

Fast fünf Pfund schwer und 20 Zentimeter hoch war der gusseiserne „Gem”, der mit einer Schleifscheibe Griffel und Bleistifte in Form brachte. Die Mechanik des 1886 patentierten Spitzers drehte dabei auch den Stift, dessen Abrieb die Scheibe zusetzte und sich auf dem Tisch verteilte. Trotz dieses Nachteils wurde der Apparat jedoch über dreißig Jahre lang verkauft. – Diese 70 × 26 mm große Anzeige stammt aus „Century Illustrated” vom März 1901.

H und B

Samstag, 15. Mai 2010

Am Anfang war der Graphit. Man nahm ihn in Stücken, später umwickelt oder anderweitig geschützt zur Hand, und erst Ende des 17. Jahrhunderts schnitt man das schwarze Gold, so wie es aus der Grube kam, in Streifen und fasste es in Holz. Als der reine Graphit aus Borrowdale knapp wurde und Exportbeschränkungen die Situation verschärften, war man auf den kontinentaleuropäischen Graphit angewiesen. Dieser musste jedoch gemahlen und gereinigt werden, bevor man ihn verarbeiten konnte, und dabei begann man, ihn zu strecken: Mit Schwefel, Gummi, Schellack und Fischleim, aber auch mit Blei, Silber, Zink, Antimon, Wismut, Zinn und Quecksilber. Die Ergebnisse indes waren enttäuschend.

Erfolg hatte schließlich Nicolas-Jacques Conté im Jahre 17951. Er mischte den Graphit mit Ton und konnte damit gleichzeitig die Härte steuern. Nach dem Brennen der Mischung dient der Ton als Gerüst für den Graphit, wobei die Mine umso härter ist, je mehr Ton sie enthält (STAEDTLER nennt ein Verhältnis von 1:1 bei 3H). Dies war nicht nur die Geburt des modernen Bleistifts, wie wir ihn heute kennen und schätzen, sondern auch der Beginn einer anhaltenden Verwirrung um den Härtegrad.

Caran d'Ache Technograph 777 und California Republic Palomino

Zwei HB-Bleistifte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Caran d'Ache Technograph 777 HB (Schweiz, hart) und California Republic Palomino HB (Japan, weich)

Warum Verwirrung? Nun, trotz zahlreicher Bemühungen gibt es nach wie vor keinen her­stellerunabhängigen Standard, und wer einmal Bleistifte unterschiedlicher Herkunft, aber gleichen Härtegrads verglichen hat, kennt die verblüffend großen Abweichungen; oben­drein beeinflussen Fertigungsschritte wie das Paraffin-Tauchbad oder Beimengungen z. B. von Ruß das subjektive Empfinden der Härte. – Doch zurück zur Geschichte.

Conté war es auch, der mit einer Kennzeichnung begann. Sein härtester Bleistift trug die „1″, und je weicher die Mine, desto größer war die Zahl. Die heute übliche Benennung des Härtegrads geht vermutlich auf den englischen Bleistiftmacher Brookman zurück, der im frühen 19. Jahrhundert seine Stifte für Künstler mit „B” (black) und die der technischen Zeichner mit „H” (hard) versah; dies könnte zudem die Asymmetrie erklären. Der schon damals populärste Bleistift hatte eine Härte zwischen H und B, was ihm den Grad HB eintrug. Später folgte noch F (firm) für den Stift mit einer Mine zwischen H und HB.

Katalogseite von J.S. STAEDTLER (1909)

„Bleihärten” im Katalog von J.S. STAEDTLER (1909). – Es fällt auf, dass die Nummerierung der von Conté entgegengesetzt ist.

So wie J.S. STAEDTLER im Katalog von 1909 (zurzeit als Kopie in Nürnberg zu sehen) verfuhren auch andere – je weicher, desto mehr B, und je härter, desto mehr H. Lediglich Joseph Dixon in den USA entschied sich zunächst für „S” (soft) und „H” (hard), wobei der weichste Bleistift VVS (very, very soft) und der härteste VVVH (very, very, very hard) war. Als die Skala der Härtegrade wuchs, wichen die vielen Buchstaben anderen Benennungen wie z. B. „Extra Extra Black” (erst EX-EXB, dann EEB und EE, dem heutigen 8B). Die einfache Zahl blieb lange im Gebrauch, und daneben etablierte sich die jetzt vertraute Kombination aus Zahl und Buchstabe (xH,xB); zum Ursprung letzterer konnte ich in meinen Quellen allerdings keine Details finden. Manche Hersteller nutzen beides, etwa STAEDTLER beim Noris 120 und STABILO beim Opéra und Othello.

Bruynzeel 1605

Ungewöhnlich: Bruynzeel 1605 1B und 1H

Doch es gibt immer noch Abwechslung – Bruynzeel, seit 1991 Teil von Sakura, hat die Grade 1B und 1H im Sortiment, STABILO übersetzt HB mit und bei den Feinminen von Pentel und Tombow findet man HB in drei Varianten.

Danke an STAEDTLER für den Scan! – Die für den Beitrag am stärksten geplünderte Quelle ist „Der Bleistift” von Henry Petroski (Birkhäuser 1995).

Nachtrag vom 17.5.10: Details zum Gebrauch der kyrillischen Zeichen zur Kennzeichnung des Härtegrads in Russland gibt es hier. Danke an Stephen für diesen Hinweis! – Härtegrad mal anders: Die Firma Elcometer nutzt Bleistifte zur Ritzhärteprüfung von Oberflächen nach ISO 15184, so im Bleistifthärte-Prüfer 501 oder im Motorischen Bleistifthärte-Prüfer 3086.

Nachtrag vom 4.2.11: Auch B++ gibt es, wie hier beim Zoom Super Dark von DOMS:

DOMS Zoom Super Dark B++

Nachtrag vom 1.8.11: Dr. Eugen Ryschkewitsch schreibt in seinem Buch „Graphit – Charakteristik, Erzeugung, Verarbeitung und Verwendung” (S. Hirzel 1926):

Die härtesten Bleistifte enthalten nur etwa 20 Proz. Graphit, sehr weiche ent­halten bis etwa 90 Prozent Graphitsubstanz und mehr. Besonders weiche Stifte bestehen aus reinem Graphit, wie z. B. solche aus dem Batugol- (sogenannten „Alibert”-) Graphit. Hier ist der Graphit so homogen, weich und farbkräftig, daß seine weitere Behandlung sich erübrigt. Man braucht nur aus einem Block die Stifte herauszuschneiden.

Nachtrag vom 25.8.12: Der Конструктор (Konstrukteur) in den Härtegraden 2M (2B) bis 2T (2H):

Конструктор 2M–2T

  1. In der Literatur heißt es oft, der Österreicher Josef Hardtmuth habe bereits 1790 und damit vor Conté die keramische Mine erdacht. Petroski teilt diese Ansicht nicht, sondern vermutet, dass diese Zahl das Gründungsjahr von Hardtmuths Unternehmen benennt. Er schreibt: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode’ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.”

LAMY Z 78 plus

Freitag, 14. Mai 2010

Die zu den Graphitstiften von LAMY gehörenden Radierer haben nun auch in ein Geschäft meiner Umgebung gefunden; hier ein rascher Blick auf einen der beiden.

LAMY Z 78 plus

Der 42 × 19 × 8 mm kleine LAMY Z 78 plus ist recht fest und laut Papphülle für Bleistifte der Härtegrade 7B bis 9H sowie Farbstifte geeignet. Bei ein paar schnellen Tests mit Druck- und Holzbleistiften radierte er gründlich, sauber und papierschonend, so dass er nicht nur optisch, sondern auch qualitativ zu den Bleistiften des „plus”-Sortiments passt.

LAMY Z 78 plus

Die Preisempfehlung für den Z 78 plus beträgt 0,70 Euro und die für den Z 79 combiplus 0,80 Euro.

Wahlverwandtschaft (2)

Dienstag, 11. Mai 2010

Banane

Banane

Delphin

Delphin (Urh.: Berthold Werner, liz. unter CC-BY-SA-3.0)

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