Monatsarchiv für Januar 2011

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Maß und Mine

Sonntag, 30. Januar 2011

Eine kleine Kuriosität ist dieser Bleistift mit integriertem Bandmaß, angeboten von der Eagle Pencil Company1 im Jahr 1894.

Maß und Mine

Erhältlich in zwei Härtegraden und auch in einer Variante mit Rückziehfeder und abnehm­barem Radiereraufsatz, der als Spitzenschoner dienen konnte, wandte man sich mit diesem Mehrzweck-Stift wohl in erster Linie an handwerklich Tätige. – Ebenso reizvoll wie das Pro­dukt finde ich die Sprache: „It can be manipulated with ease and simplicity, and can be carried most conve­niently in the pocket” – klasse :-)

Danke an Herbert R. für diesen Scan!

  1. Die Eagle Pencil Company, gegründet 1856 in New York, wurde 1969 zu Berol und ist seit 1995 Teil von Sanford (Quelle: The Pencil Pages).

Happy Anniversary, Dave!

Samstag, 29. Januar 2011

Happy Anniversary, Dave!

Dave's Mechanical Pencils, die erste Adresse für alles rund um den mechanischen Bleistift, feiert fünfjähriges Jubiläum. Vielen Dank an Dave für seinen anhaltenden Einsatz und das Teilen seines umfangreichen Wissens auf so unterhaltsame Weise!

Leuchtstoff

Donnerstag, 27. Januar 2011

Heute ein rascher Blick auf eine weitere Spezialität aus der Welt der holzgefassten Stifte.

Leuchtstoff

Doch was ist an diesem Stift speziell? Die UV-Lampe zeigt es.

Leuchtstoff

Pigmente in seiner Mine absorbieren UV-A-Strahlung und geben sie als sichtbares Licht1 wieder ab. Damit eignet er sich zum (fast) unsichtbaren Kennzeichnen vieler Materialien.

Leuchtstoff

Der dreiflächige, 17,5 cm lange und 9 mm dicke Stift mit Kurznut und schlichtem Äußeren hat eine weiche, etwa 4 mm starke Mine, deren leichtes Krümeln nicht stört. Sowohl das Holz (es könnte Zeder sein) als auch die Mine lassen sich sehr gut spitzen, und so bietet dieser Stift gute Gebrauchseigenschaften und gegenüber den lösungsmittelbasierten Mar­kern obendrein den Vorteil, dass er weder austrocknen noch Ränder hinterlassen kann. – Anbieter dieses interessanten Produkts ist die 1925 gegründete und bei Kassel ansässige Steidl & Becker GmbH, deren umfangreiches Sortiment hauptsächlich Zubehör für die Verarbeitung von Leder und Textilien umfasst. Der Online-Shop führt den UV-Stift für 1,48 Euro pro Stück auf; die Abgabe erfolgt im Dutzend.

Leuchtstoff

Vielen Dank an die Steidl & Becker GmbH für die Muster!

  1. Fachleute, für die der Begriff „Licht” immer den sichtbaren Teil der Strahlung bezeichnet, mögen mir diesen Pleonasmus nachsehen.

Fünf für Glück

Montag, 24. Januar 2011

Fünf für Glück

Weder Photoshop-Trick noch optische Täuschung: Dieser Bleistift ist tatsächlich fünfflächig. Und damit hat es eine besondere Bewandtnis.

Fünf für Glück

Zum Ausfüllen maschinenlesbarer Formulare, wie sie z. B. in Prüfungen verwendet werden, bieten manche japanische Hersteller sog. „Mark Sheet”-Bleistifte an, darunter Tombow und Pentel; einige haben außerdem passende Radierer im Sortiment1.

Fünf für Glück

Das japanische Wort für „Bestehen” (z. B. eine Prüfung) und auch „Erfolg” ist 合格 („gou­kaku”) und das für „Fünfeck” ist 五角 („gokaku”)2. Die sehr ähnliche Aussprache der beiden Wörter verleiht dem Fünfeck eine spezielle Bedeutung, die u. a. hinter dem Brauch steckt, fünfeckige und mit Wünschen beschriftete Täfelchen an Altäre anzubringen. Mit diesem „Mark Sheet”-Bleistift bringt Mitsubishi das positiv konnotierte Vieleck in die Welt des Gra­phits3 und in die Hände nicht nur von Prüfungskandidaten.

Fünf für Glück

Material und Verarbeitung sind gut, aber nicht – wie bei vielen anderen Produkten dieses Anbieters – sehr gut, denn einige Unregelmäßigkeiten im Lack und beim Aufdruck mancher Exemplare trüben leider den Gesamteindruck. Auch der fehlerhafte Buchstabenabstand lässt die sonst übliche Sorgfalt vermissen.

Fünf für Glück

Doch die 2 mm starke HB-Mine, geringfügig weicher als deutsche Stifte mit dem gleichen Härtegrad, ist bruchstabil, hat eine saubere Abgabe und bleibt lange spitz; trotz der guten Schwärzung ist sie wischfest und lässt sich fast rückstandsfrei radieren4.

Fünf für Glück

Die strenge, auf das Wesentliche reduzierte Gestaltung spricht mich an, vor allem die zwei kontrastierenden Farbenpaare (schwarz/weiß, blau/orange). Sind diese eine Anspielung an den für das maschinelle Lesen so wichtigen Kontrast? – Ungewöhnlich: Der 17,5 cm lange Stift trägt weder Strichcode noch Artikelnummer, und so sind seine Form und sein Name (合格鉛筆, „goukaku empitsu”, salopp übersetzt „Erfolgsbleistift”) die einzigen Kennzei­chen; sogar eine Blindprägung habe ich vergeblich gesucht.

Fünf für Glück

Lässt der Querschnitt eine unergonomische Handhabung befürchten, so kann ich beruhi­gen – auch nach langem Schreiben hat mich keine Kante gestört oder gar gedrückt. Und selbst wenn: Wer würde sich dadurch schon vom Gebrauch eines solch attraktiven Blei­stifts abhalten lassen? (Ich jedenfalls nicht.)

Fünf für Glück

Ein Fünferpack (!) der ungespitzten, 8 mm dicken5 und nur in HB erhältlichen Stifte kostet 525 Yen (zur­zeit knapp 4,70 Euro); gekauft habe ich ihn bei Bundoki. – Drei weitere Blei­stifte für denselben Zweck zeigt „Mark Sheet pencils from Japan” bei pencil talk.

  1. Der einzige hierzulande für diese Anwendung angebotene Bleistift ist der STABILO Micro 288 Exam Grade, den es in HB und 2B sowie mit passendem (und sehr gutem) Radierer gibt. – Ob diese Produkte die Erkennung beim OMR (Optical Mark Recognition) wirklich verbessern, konn­te ich leider nicht herausfinden.
  2. Die der japanischen Sprache Kundigen mögen bitte über eventuelle Ungenauigkeiten hinweg­sehen, mich auf grobe Fehler jedoch hinweisen.
  3. 2008 gab es Derartiges schon einmal; siehe „Goukaku pencil” bei pencil talk.
  4. Getestet mit einem Faber-Castell Dust-Free 187129.
  5. Damit passt der Stift in handelsübliche Verlängerer.

A. W. Faber 1884

Montag, 24. Januar 2011

Dieser beeindruckende Katalog von A.W. Faber aus dem Jahr 1884 erfreut sicher nicht nur Bleistiftliebhaber.

Danke an Henrik für den Hinweis!

„Fortschritt in Ihrer Hand”

Donnerstag, 20. Januar 2011

Mit diesem pfiffigen Slogan und der dazugehörigen Grafik warb Faber-Castell in den 50er und 60er Jahren.

Fortschritt in Ihrer Hand

Das gelungene Motiv war u. a. auf Streichholzbriefchen zu sehen und schmückte die Num­mer 36 der Hauszeitung „Der CASTELL-Brief” vom Juli 1961.

Fortschritt in Ihrer Hand

Wenn ich richtig sehe, zeigt das Wappen zwei stilisierte Bergmänner mit Eisen oder Schlä­gel; zum Ursprung des Zeichens und den Bezug zum Unternehmen kann ich jedoch leider nichts sagen. – Diese Werkzeuge des historischen Bergbaus fanden sich auch im Sinnbild von Johann Faber.

Fortschritt in Ihrer Hand

Unnötig zu sagen, dass mir die Gestaltung außerordentlich gut gefällt.

Fortschritt in Ihrer Hand

Danke an Faber-Castell für den Scan!

Im Blick des Künstlers

Montag, 17. Januar 2011

Gerührt und sprachlos war ich, als mich mein nicht nur künstlerisch äußerst fähiger Kollege Dominik vor wenigen Tagen mit dieser Zeichnung von mir überraschte:

Im Blick des Künstlers

Und am Tag darauf folgte sogar eine kolorierte Version:

Im Blick des Künstlers

Diese grandiosen Werke sind für mich eine riesige Freude, und in Kürze bekommen sie ge­rahmt einen besonderen Platz. Vielen Dank, Dominik!

Der grüne Bleistift

Sonntag, 16. Januar 2011

Der grüne Bleistift

Für den Schriftsteller Erich Kästner muss der grüne Bleistift eine besondere Bedeutung ge­habt haben, denn im Vorwort zu seinem Kinderroman „Das fliegende Klassenzimmer” aus dem Jahr 1933* hat er ihn gleich mehrmals erwähnt.

Damit war alles entschieden. Ich packte schleunigst meinen Koffer, legte den Tennisschläger, den Badeanzug, den grünen Bleistift und furchtbar viel Schreib­papier hinein und fragte, als wir schwitzend und abgehetzt in der Bahnhofshalle standen: „Und wohin nun?”

Die Frage war verständlich, versuchte er doch im August dem Sommer zu entfliehen, um das passende Umfeld für seine Arbeit an einer Wintergeschichte zu finden. Dem Rat seiner Mutter folgend reiste er an die Zugspitze – und konnte dort im besten Wetter und im Freien ar­beiten. Ein regelmäßiger Besucher an seinem wackeligen Tisch auf einer großen Wiese war Eduard, ein braunes Kalb, das ihn abends abholte.

Schließlich steckte ich meinen grünen Bleistift weg und klopfte Eduard das warme glatte Kalbfell. Und er stupst mich mit den kleinen Hörnern, damit ich endlich aufstehe. Und dann bummeln wir gemeinsam über die schöne bunte Wiese nach Hause.

Noch am selben Tag wollte er weiter schreiben, aber:

Da merkte ich, daß ich meinen grünen Bleistift verloren hatte. Sicher war er
mir auf dem Nachhauseweg aus der Tasche gefallen. Vielleicht hatte ihn auch Eduard, das bildhübsche Kalb, für einen Grashalm gehalten und verschluckt. Jedenfalls saß ich nun in der Gaststube herum und konnte nicht schreiben. Denn es gab im ganzen Hotel, obwohl es ein piekfeines Hotel ist, weit und breit keinen grünen Bleistift, den ich mir hätte borgen können. Toll, was?

Doch die Rettung folgte bereits am Tag darauf:

Ich sitze übrigens, während ich diese beinahe philosophischen Dinge schreibe, wieder auf meiner Holzbank, vor dem Wackeltisch, mitten in der bunten, umfangreichen Wiese. Ich hab mir, gleich am Vormittag, im Kolonialwaren­geschäft einen grünen Bleistift besorgt.

Damit war die Welt wieder in Ordnung und er konnte mit dem Schreiben seiner Erzählung be­ginnen. – Unklar bleibt, um welchen grünen Bleistift es sich gehandelt hat. War es ein Faber-Castell 9000, ein Schwan Othello 282 oder ein Staedtler Luna 349? Aber es wird da­mals wohl noch mehr grüne Bleistifte gegeben haben.

Danke an Kai für den Hinweis auf Erich Kästners grünen Bleistift!

* Die Zitate entstammen der Ausgabe, die 1966 im Kinderbuchverlag Berlin (DDR) erschienen ist.

Anm.: Der Bleistift im Bild ist übrigens der A.W. Faber CASTELL 9000 E SPECIAL.

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