Monatsarchiv für April 2012

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Herr Zahl

Montag, 30. April 2012

Mir ist ein kleiner Kerl ans Herz gewachsen. Begegnet bin ich ihm auf Seite 72 des Buches „decodeunicode”1, wo er sich zusammen mit seinen Kollegen aus aller Welt präsentierte und mir sofort ins Auge fiel. Er wurde mir schlicht als „POSTAL MARK FACE” vorgestellt (sei­ne Berufsbezeichnung, wie ich später erfuhr), und wenige Seiten später fand ich sein hei­teres Konterfei auf dem ihm zugewiesenen Platz U+3020 im Unicode-Standard.

Herr Zahl

Sein bürgerlicher Name lautet ナンバー 君, denn er kommt aus Japan; übersetzt man die­sen, erhält man „Number-kun” im Englischen und „Herr Zahl”2 im Deutschen. Herr Zahl er­blickte 1968 das Licht der Welt und wurde schlagartig berühmt – so berühmt, dass ihm die japanische Post gleich einige Briefmarken widmete (die im Foto stammen aus der Zeit zwi­schen 1968 und 1973).

Herr Zahl

Doch was war der Grund für seinen Ruhm? Es war die verantwortungsvolle Aufgabe, die er unmittelbar nach seiner Geburt übernahm und die auch seine ungewöhnliche Kopfbede­ckung erklärt.

Bis 1968 gab es in Japan keine Postleitzahlen. Als diese – zunächst dreistellig – eingeführt wurden, brauchte man ein Symbol, das die Postkunden an den Gebrauch der ungewohn­ten Postleitzahlen erinnert. Dazu nahm man das Zeichen 〒3 und ergänzte es zu einem Ge­sicht; damit war Herr Zahl geboren. Er nahm seine Aufgabe 30 Jahre lang wahr und ging dann in den verdienten Ruhestand. Sein Nachfolger im Amt war ポストン, Poston, der 1998 die Umstellung auf die siebenstelligen Postleitzahlen begleitete und an ihre Verwen­dung gemahnte4.

Herr Zahl

Herr Zahl aber nimmt als Stempel auf meinem Schreibtisch weiterhin einen prominenten Platz ein und erfreut mich beim Dekorieren von Briefumschlägen und vielem mehr. – Offen­bar war auch der Verlag Hermann Schmidt5 in Mainz, Herausgeber des erwähnten Titels „decodeunicode”, von Herrn Zahl sehr angetan, denn man hat ihm einen der dazu passen­den Buttons gewidmet.

Herr Zahl

Welch eine Karriere!

Nachtrag vom 20.6.13: Im Juli 1963, also vor 50 Jahren, trat Mr. Zip auf den Plan, um für den Gebrauch der US-amerikanischen Postleitzahlen, der ZIP-Codes, zu werben: „Happy 50th Mr. Zip” (via Brown Studies).

  1. Johannes Bergerhausen, Siri Poarangan: decodeunicode – Die Schriftzeichen der Welt (Verlag Hermann Schmidt 2011).
  2. Die des Japanischen Kundigen mögen mir nachsehen, dass ich hier „-kun” und „-san” gleich­stelle; ich mache dies, weil wir im Deutschen kein Pendant zu „-kun” haben.
  3. Dieses Zeichen basiert auf der Katakana-Silbe テ (te), die sich vom Wort 逓信 (teishin), dt. Kommunikation, ableitet. 〒 (Unicode U+3012) ist das Bildzeichen der japanischen Post und wird zuweilen der Postleitzahl vorangestellt.
  4. Seine Dienstmütze ist jedoch bei weitem nicht so schick, und die Ehre, im Unicode-Standard verewigt zu werden, wurde ihm auch nicht zuteil.
  5. Ein großartiger Verlag, den ich gar nicht oft genug loben kann.

Puck

Sonntag, 29. April 2012

Die „Granate” war sicher der bekannteste, aber nicht der einzige Spitzer von Möller & Breitscheid aus Köln.

Puck

Schlanker, nicht so martialisch und in verwandter Form kam der „Puck” daher, den es aus Messing und Magnesium gab.

Puck

Gut 21 mm lang und knapp 13 mm dick verschafft er Bleistifte mit einem Durchmesser von bis zu 8 mm einen Standard-Konus von 22° und geht dabei sparsam, nämlich mit einer Span­dicke von durchschnittlich 0,22 mm zu Werke.

Puck

Auch beim „Puck” wird das Messer durch zwei Stifte in Position gehalten, doch statt der von älteren Spitzern bekannten Rändel- hat er bereits eine Schlitzschraube.

Puck

Die Verarbeitungsqualität enttäuscht etwas, denn die Materialstärke am unteren Ende des Messers ist so knapp dimensioniert, dass sich ein Riss zeigt.

Puck

Das Spitzergebnis des „Puck” ist ähnlich ungewöhnlich wie das der „Granate 5″, da ein et­wa 0,6 mm dünnes Stück der Mine stehenbleibt.

Möller & Breitscheid

Der Name Möller & Breitscheid ist heute weitgehend vergessen, doch im Rheinisch-West­fälischen Wirtschaftsarchiv gibt es noch einige Unterlagen. Aus diesen geht hervor, dass die Kaufleute W. Möller und E. Breitscheid ihr Unternehmen am 1. Mai 1869 in Köln ge­gründet haben. Durch ihre Freundschaft mit dem Erfinder der Kugelspitzfeder Diedrich Leonardt1 aus Birmingham bestand ihre erste unternehmerische Tätigkeit in der Einfuhr dieser Federn nach Deutschland; zudem erhielten sie den Alleinvertrieb für Europa.

Ein Fragebogen von 1937, mit dem die Ausfuhr von Bleistiftspitzern und Ersatzmessern in zahlreiche europäische Länder und die USA beantragt wurde, belegt, dass das Unterneh­men als offene Handelsgesellschaft lief und vier kaufmännische Angestellte sowie einen Arbeiter beschäftigte. Er zeigt außerdem, dass Möller & Breitscheid keine eigene Fertigung hatte und sich ausschließlich mit dem Vertrieb von Schreibwaren und Büroartikeln befasste. Ein weiteres Formular, vermutlich aus der Kriegszeit, führt die Firma als Großhandel und er­wähnt sechs Beschäftigte, aber keine Rohmaterialien. Es spricht also einiges dafür, dass die unter den Eigenmarken „Granate” und „Puck” vertriebenen Spitzer von einem anderen Un­ternehmen2 hergestellt und von Möller & Breitscheid exklusiv vertrieben wurden. – In den 1950er Jahren spielten diese beiden Spitzer neben Spitzmaschinen eine Hauptrolle im von Möller & Breitscheid angebotenen Bürobedarf.

Ein Eintrag im Handelsregister vom 13. Januar 1975 belegt die Auflösung des zuletzt in Ro­denkirchen bei Köln ansässigen Unternehmens.

Nachtrag vom 4.5.12: Das Warenzeichenblatt des damaligen Reichspatentamts teilte in der Ausgabe vom 31.3.1939 die Eintragung der Marken „Puck” und „Leonardt's Kugelspitz-Feder” mit:

Warenzeicheneintragung „Puck”

Warenzeicheneintragung „Leonardt's Kugelspitz-Feder”

Danke an das DPMA für die Scans!

Nachtrag vom 10.5.15: Das Buch „German Tool and Blade Makers. A guide to manu­facturers and distributors, their trademarks and brand names” von John Walter (Nevill Pub­lishing 2012) enthält folgenden Eintrag:

PUCK (1900, no. 42154)
Möller & Breitscheid, Köln a. Rh.
Registry class: 9b
Style: block

Gut möglich, dass damit der hier gezeigte Spitzer gemeint ist.

  1. Hier scheiden sich die Geister, wird doch auch Friedrich Soennecken als Erfinder genannt.
  2. Diesen Hersteller zu ermitteln ist natürlich eine Herausforderung.

28

Samstag, 28. April 2012

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Spitzenschmuck

Samstag, 28. April 2012

Noch ein interessantes Konzept für einen Spitzer: Der Sharpener Ring von Ignacio Pilotto.

Falten und spitzen

Freitag, 27. April 2012

Ein bemerkenswertes Konzept: Der Origami Sharpener.

Danke an Ebi für den Hinweis!

Granate 5

Sonntag, 22. April 2012

Die „Granate 5″ war die meines Wissens letzte Version vor der aktuellen und sowohl bei Möller & Breitscheid als auch bei Möbius+Ruppert1 im Programm.

Granate 5

Links: „Granate 5″ von Möller & Breitscheid, rechts: „Granate” (M+R 604) von Möbius+Ruppert

Angesichts der Kennzeichnungen „W.Z. № 507558″ an der Stiftöffnung, „MB” auf dem Messer und „Granate 5″ an der Spitze gehe ich davon aus, dass dieses Exemplar von Möller & Breitscheid2 aus Köln stammt.

Granate 5

Bei der Befestigung des Messers zeigen sich die größten konstruktiven Unterschiede. Sorg­ten früher zwei kurze Stifte für den Formschluss, so erledigt dies heute eine Vertiefung. Obendrein wurde die Rändel- durch eine Kreuzschlitzschraube ersetzt, wobei letztere eine größere Steigung hat. Es fällt zudem auf, dass die Stiftöffnung in der aktuellen „Granate” exzentrisch sitzt, vermutlich bedingt durch den Wunsch, das (0,5 mm längere) Messer kom­plett zu versenken und weder aufsitzen noch überstehen zu lassen. Die Länge des Spitzers wurde von 26,5 mm auf 24,8 mm verringert; der Durchmesser blieb bei 15 mm. Es war eine gute Entscheidung, die Rändelungen feiner und die Rillen zwischen ihnen schma­ler und flacher zu machen, denn dadurch wurde der Spitzer gefälliger. – Einen Unterschied im Spitzenwinkel konnte ich nicht feststellen.

Granate 5

Bei Gebrauch der „Granate 5″ überraschen zwei Dinge: Zum einem stauen sich die Späne3 hinter der Rändelschraube und zum andern ist die Geometrie nicht optimal – eine 0,6 mm dünne Minenspitze verlässt den Spitzer mit einem sprialförmigen Muster. Da diese Spitze selbst bei einem härteren Bleistift sofort abbricht, gehe ich davon aus, dass dies nicht be­absichtigt war.

Granate 5

Test mit einem STAEDTLER Noris 120 (Zeder, alt)

Trotz dieser Eigenheiten ist die „Granate 5″ im Gegensatz zu manch anderem historischen Spitzer auch heute noch zu gebrauchen.

Zur „Granate” siehe auch:

  1. Siehe das Modell 14/I von 1938 und die Präsentation auf der Paperworld 2012, die eine weit­gehend ähnliche Form (wenn auch mit anderer Schraube) zeigt.
  2. Wann dieses Unternehmen existiert hat und wie alt dieses Exemplar sein könnte, weiß ich nicht; bis jetzt konnte ich nur herausfinden, dass der Hersteller bis 1975 eingetragen war.
  3. Ein kurzer Test an einem STAEDTLER Noris 120 (Jelutong) hat gezeigt, dass der Span mit durchschnittlich 0,19 mm außergewöhnlich dünn, die „Granate 5″ also sehr sparsam ist.

Sans

Freitag, 20. April 2012

Sans

Fachliteratur

Donnerstag, 19. April 2012

Fachliteratur

Kürzlich erschienen: „How To Sharpen Pencils” von David Rees.

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