Monatsarchiv für Mai 2013

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Patent Nr. 618308

Samstag, 25. Mai 2013

Wer hatte als erster die Idee zu einem Bleistiftspitzer mit gebogenem Messer1 (wie z. B. dem Faber-Castell Janus 4048) und ließ sie sich patentieren? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, doch das Patent Nr. 618308 für einen „Bleistiftspitzer mit Klingen”, erteilt am 31. August 1932 für Leopold Jacobsohn in Berlin und bekanntgegeben am 22. August 1935, könnte Aufschluss geben.

Patent Nr. 618308

In der Patentschrift heißt es:

Die Erfindung betrifft Bleistiftspitzer mit Klingen zur Erzeugung einer kurvenför­migen oder gebrochenen Schnittlinie am Holz und Minenteil.

Und weiter:

Es ist bekannt, Klingen so herzustellen, daß sie eine geknickte oder gebogene Schneide aufweisen. Sie müssen infolge dieser Form beim Schleifen mehrmals eingestellt und genau geschliffen werden. Da eine wirkliche Genauigkeit dieser mehrfachen Schleifkanten nicht zu erzielen ist, muß jede Klinge beim Einsetzen in den Spitzer erst eingestellt werden. Dadurch werden derartige Bleistiftspitzer teuer.

Hier dachte ich zunächst, dass man Spitzer mit geschwungenem Messer bereits kannte, doch streng genommen geht dies aus dem Absatz nicht hervor.

Nun die Idee:

Der Erfindungsgegenstand beseitigt diese Nachteile, daß die Klingen geradlinig hergestellt und geschliffen werden. Die geradlinige Klingenschneide wird dann in den Klingenhalter durch eine entsprechend angeordnete und ausgebildete Klingenträgerplatte und durch entsprechend angeordnete und ausgebildete Spannmittel in ungleichmäßig gebogene oder gebrochene Schnittformen gebracht, derart, daß der Holzteil beispielsweise geradlinig und der Minenteil kurvenförmig bzw. aus der Ebene des Holzteils geradlinig abgesetzt geschnitten wird.

Es folgen die Aufzählung der Vorteile eines solchen Spitzers, Details zu zwei Möglichkeiten der Umsetzung und die Patentansprüche.

Patent Nr. 618308

Variante 1

In der ersten Variante wurde eine gerade Klinge (c) mithilfe eines Klingenhalters (a, wohl der Spitzerkorpus) und Spannmitteln (b, d) gebogen. Vermutlich sollte hier der Teil einer gebrauchten Rasierklinge2 verwendet und die Nachteile ihrer geringen Dicke durch das beidseitige und auf der ganzen Länge arbeitende Spannmittel ausgeglichen werden; auch spräche der kleine Biegeradius dafür.

Patent Nr. 618308

Variante 2

Für die zweite Variante3 kam eine 0,8 mm dicke Klinge (e) mit einer 0,6 mm tiefen Aus­sparung (f) zum Einsatz. Zwei Schrauben spannten die Klinge auf die Tragplatte (a), wobei sich die Klinge an der Materialschwächung krümmte.

Mich würde nicht wundern, wenn dieses Patent die Grundlage für die Entwicklung des Ja­nus 4046 von A.W. Faber und des Helios von Johann Faber war, denn beide Spitzer kamen drei Jahre nach der Patenterteilung und im Jahr der Patentveröffentlichung auf den Markt. Bei diesen beiden Spitzern ging die Schraube durch den Spitzer hindurch in ein Gewinde im Messer und zog es an die gekrümmte Auflagefläche; diese Variante würde ich als die dritte bezeichnen. Der nächste Schritt, für mich die vierte Variante, könnte dann der Janus 4048 von Faber-Castell aus dem Jahr 1965 gewesen sein, dessen Messer kein Gewinde, sondern nur noch eine Bohrung aufwies. Durch diese drehte man die Schraube in den Spitzer und brachte so das Messer in die gebogene Form. – In den ersten beiden Varianten hat das Messer einen sehr kleinen Biegeradius, wodurch das Material an der Knickstelle stark stra­paziert wurde. Für einen weiteren Nachteil der (wie es in der Patentschrift heißt) gebro­chenen Schnittform halte ich die höhere Bruchgefahr der resultierenden Spitze auf der Hö­he des kleinen Radius. Bei den späteren Messern war die Biegelast gleichmäßiger verteilt, was nicht nur der Haltbarkeit des Messers, sondern wohl auch der Bruchstabilität der Spitze zugute kam (ein über die ganze Länge des Messers konstanter Biegeradius ist angesichts der Materialschwächung durch das Gewinde (4046/Helios) bzw. die Bohrung (4048) und der Verjüngung durch die Schneide natürlich illusorisch).

Meine Recherchen zur Geschichte dieses Spitzertyps dauern an. Und es bleiben Fragen: Gab es seit den frühen 70er Jahren, also nach dem Janus 4048, wirklich keinen Spitzer mit gebogenem Messer mehr? Die Schutzdauer des Patents ist längst abgelaufen. Hat denn keiner das Konzept erneut umgesetzt? Und: Wie könnte eine Weiterentwicklung ausse­hen? Ließe sich das Messer so montieren, dass man den Krümmungsradius variie­ren kann? (Dieser Gedanke kam mir beim Blick auf das US-Patent 4506716 von Hirro Hayashi aus dem Jahr 1982.) Könnte man in den Spitzer eine zweite Bohrung einbringen, um an der gegen­überliegenden Schneide 2-mm-Minen zu spitzen?

Danke an Wowter für seinen Hinweis auf dieses Patent!

Nachtrag vom 27.5.13: Bemerkenswertes findet sich im US-Patent Nr. 521744, Henry A. Veazie am 19. Juni 1894 erteilt:

Patent Nr. 521744

Dieses zeigt ein gekrümmtes Messer (hier zum Einstecken) in einem Aufsteckspitzer (!).

  1. Ich benutze hier „Klinge” und „Messer” synonym; letzteren Begriff bevorzuge ich und wähle ersteren daher vorwiegend bei Zitaten.
  2. Spitzer mit Rasierklingen habe ich in schlechter Erinnerung; siehe „Spitzen anno dazumal”.
  3. Hier fiel mir zudem der konkave Schliff auf, den ich nur von alten Spitzermessern kenne.

Spitzenprogramm

Mittwoch, 22. Mai 2013

In der „Frankenschau” des Bayerischen Fernsehens vom 5. Mai 2013 gab es einen Beitrag über die Erlanger Spitzerhersteller Möbius+Ruppert und KUM; unter „Europaweit spitze: Bleistiftanspitzer aus Erlangen” kann man ihn noch anschauen.

Nachtrag vom 25.3.14: Auch „Die Sendung mit der Maus” hat sich mit dem Bleistift­spitzer beschäftigt und die Produktion gezeigt. Danke an Wowter für den Hinweis!

Brille und Bleistift

Mittwoch, 22. Mai 2013

Hält den Bleistift an der Brille: Der Grip Clip. Pfiffig!

Top Two (2)

Dienstag, 21. Mai 2013

Manchmal werde ich nach einem guten Handspitzer gefragt. Die Antwort fällt mir leicht, gibt es doch inzwischen nur noch sehr wenige Modelle, die ich für empfehlenswert halte1.

Top Two (2)

Faber-Castell Janus 4048, Möbius+Ruppert 604 („Granate”)

Nein, die „Long Point”2-Modelle von KUM gehören nicht mehr dazu. Warum? Nach einiger Zeit habe ich festgestellt, dass sie (ebenso die mit ähnlichem Spitzenwinkel arbeitenden Spitzer) zuviel abtragen, und nicht nur bei teuren Bleistiften ist ein Span mit zuweilen über 0,4 Millimetern einfach zu dick. Hinzu kommt der Umstand, dass bei einer größeren Span­dicke die radial auf die Mine wirkende Kraft größer ist und so die Mine häufiger bricht3. Eine Bastelei am KUM 400 macht ihn zwar sparsamer, verschlechtert aber die Geometrie. Kurz: Zu diesen Spitzern kann ich nicht länger guten Gewissens raten4.

Aber welchen dann? Ganz einfach – meine Favoriten sind der Faber-Castell Janus 4048 und der Mö­bius+Ruppert 604, bekannt als „Granate”. Kleiner Wermutstropfen: Wie schon bei meinen Top Two der Bleistifte wird nur noch einer von beiden produziert, nämlich die „Granate”.

Top Two (2)

Spitzen: Faber-Castell Janus 4048, Möbius+Ruppert 604

Die „Granate”, deren Geschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht, ist ein Klassiker und sicher den meisten Bleistiftnutzern vertraut. Hervorragend in Gestaltung, Ver­arbeitung und Handhabung lässt dieser Spitzer keine Wünsche offen. Sein Messer mit der Rockwell-Härte 655 ist austauschbar6, hält aber sehr lange und bringt nach meinen Erfah­rungen auch Farbstifte zuverlässig in Form. Die aus Messing gefertigte „Granate” kostet um die 2 Euro und ist jeden Cent wert.

Top Two (2)

Den Janus 4048 von Faber-Castell habe ich erst spät entdeckt. Er geht zurück auf den Ja­nus 4046, den A.W. Faber 1935 auf den Markt gebracht hat, und war bis in die frühen 70er Jahre erhältlich (manche Händler hatten ihn sogar Anfang der 90er Jahre noch im Sortiment). Die Besonderheit des Janus ist sein gebogenes Messer, durch das die Spitze mit einem Spitzenwinkel von etwa 24° beginnt und bei einem 8 mm dicken Bleistift nach 25 mm in einer ungefähr 0,6 mm dicken Mine endet; ist die Mine 2 mm stark, so wird diese auf gut 8 mm freigelegt. Doch diese beeindruckende Spitzenform hat auch Nachteile: Ist das Messer nicht mehr scharf genug, setzt es dem Bleistift arg zu, was soweit gehen kann, dass die Spitze bei weichen oder nicht gut verleimten Minen oft abbricht. Das Schärfen des Messers ist problematisch, da es dadurch schmaler und die Geometrie ungünstig verändert wird; bei einem Abtrag von mehr zwei Zehnteln in der Breite wird der Spitzer sogar un­brauchbar7. Obendrein macht die im Messer u. U. verbleibende Krümmung das Schärfen knif­flig8. Trotzdem lohnt es sich, nach einem gut erhaltenen Janus zu schauen, auch wenn für die Messing-Variante nicht selten inakzeptable Preise verlangt werden (das Magnesium-Modell ist meist günstiger). – Eine Neuauflage des Janus wäre natürlich toll, aber das dürfte ein Traum bleiben.

Nachtrag vom 22.2.14: Der KUM 400-5L wurde überarbeitet – zumindest mein neues Exemplar spitzt verlässlich und mit einem dünneren Span.

  1. Nicht berücksichtigt sind hier die Behälterspitzer sowie solche, die gut mit dem WOPEX zusam­menarbeiten, denn diese müssen einen etwas dickeren Span abnehmen. – Übrigens kann man beim Testen so einiges erleben: Kürzlich hatte ich ein Modell, das beim Spitzen Quietschgeräu­sche von sich gab.
  2. „Long Point” deswegen, weil der Winkel des resultierenden Konus mit 18° kleiner und die Spitze länger ist als beim Standardwinkel von 22°. – In manchen Kreisen spricht man jedoch bereits bei 22° von „Langkonus” und bei Spitzern für Farb- und Kosmetikstifte von „Kurzkonus”.
  3. Meine Anfrage bei KUM nach einer eventuellen Überarbeitung des 400 ist bis heute leider unbeantwortet.
  4. Nie angetan war ich vom KUM Long Point Automatic, da es mir nur selten gelungen ist, mit diesem ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.
  5. Zum Vergleich: Die Klinge eines Schweizer Taschenmessers hat 55 HRC, und hochwertige japanische Küchenmesser bringen es auf 65–67 HRC.
  6. Für die „Granate” gibt es eigene Messer, denn die für Standardspitzer sind zu breit und passen nicht.
  7. Sollte das Gewinde beschädigt sein, kann man das Messer mit einer M2-Schraube befestigen.
  8. Ersatzmesser gibt es nicht mehr, und ein kompatibles konnte ich bis jetzt nicht finden.

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

Samstag, 18. Mai 2013

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

Die Zwinge: Hexagonal und sauber auf den bearbeiteten Bleistift aufgebracht. Klasse!

J.S. Staedtler Mars-Lumograph 2390 HB

Vielen Dank an Sean von Contrapuntalism für den Lumograph 2390!

Janus

Donnerstag, 16. Mai 2013

Janus, römischer Gott des Anfangs und des Endes sowie Namensgeber eines Spitzers von Faber-Castell, wurde gern mit Doppelgesicht dargestellt. Hier meine Variation des Themas:

Janus

Schreibzeugkritiker

Mittwoch, 15. Mai 2013

Über einen Referrer entdeckt: Das japanische Blog アフィリエイトの文具評論家ブログ実装版.

Schreibzeugkritiker

Der Schwerpunkt des seit knapp fünf Jahren betriebenen Weblogs liegt auf Fallminen­stif­ten und deren Zubehör, doch darüber hinaus gibt es holzgefasste und Druckbleistifte, Füller und Tinte sowie Zeichengeräte und Büroutensilien zu sehen. Auch wer (so wie ich) den Text nicht lesen kann, findet sicher Gefallen an den detallierten Fotos.

Hingeschaut

Mittwoch, 8. Mai 2013

Die Plakate der aktuellen Werbekampagne des Verlags Bastei-Lübbe zeigen einen Bleistift und einen Radierer – Grund für mich, genauer hinzuschauen, auch wenn ich mich nicht zur Zielgruppe zähle.

Hingeschaut

Nicht im Bild: Das beworbene Buch (links) und die Slogans „60 Jahre erste Sätze”
sowie „60 Jahre große Geschichten” (unten)

Sieht das Gezeigte zunächst aus wie die Arbeit an einem Manuskript, so spricht die Makel­losigkeit eine andere Sprache. Der offenbar mit dem Messer gespitzte Bleistift1 trägt kaum Gebrauchsspuren und der Radierer gar keine; zudem scheinen beide zu schweben. Beim Text, wohl aus dem beworbenen Roman „Der stille Sammler”, fallen gleich mehrere Dinge auf: Er wirkt auf den ersten Blick wie handgeschrieben, ist es aber nicht, was man an der fehlenden Varianz der Buchstaben erkennen kann. Korrekturen und andere Merkmale eines Entwurfs fehlen; seltsam auch der Umstand, dass die Schrift nicht nach Bleistift, sondern eher nach Faserschreiber aussieht (immerhin hat man ihr ein paar Unregelmäßigkeiten ge­geben und diese im Gegensatz zu denen auf dem Bleistift etwas gestreut, aber sie passen nicht so recht zu der Struktur des mit dem Hintergrund identischen Beschreibmaterials). Das inzwischen abgenutzte „Route 66″-Emblem verkommt hier – ebenso wie Bleistift und Radierer – zur Staffage.

Für mich ist diese Werbung gedankenlos zusammengestoppelt und ohne Authentizität – genau so, wie ein Roman eigentlich nicht sein sollte.

  1. Einige Varianten des Plakats zeigen ihn mit werkseitiger Spitze.
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