LYRA Orlow Cellugraph Basteln mit dem Lexikaliker (15) 

Janus 1

Ende September letzten Jahres ist bei Prestel das Buch „Schreibwaren. Die Rückkehr von Stift und Papier”1 erschienen. Es geht (so der Verlag) auf die „neue Schreibkultur” und die Rückkehr der „guten alten Schreibgeräte” ein und ist mit seinem eher ungewöhnlichen, aber breiten Spektrum auch für diejenigen interessant, die bereits mit diesem Thema ver­traut sind. Uneingeschränkt empfehlen kann ich es jedoch leider nicht, da manche Dinge meiner Ansicht nach nur oberflächlich abgehandelt werden und einiges auf mich wie Wer­bung wirkt. Die Fülle und die Qualität der Fotos sind allerdings beeindruckend, und auch die Gestaltung ist sehr ansprechend.

Janus 1

Zum Größenvergleich ein Tombow Mono 100.

Ich habe mit einem Kapitel über den als „Granate” bekannten Handspitzer zu diesem Buch beigetragen.

Janus 2

Bei der Lektüre bin ich auf Seite 49 über „Janus 1″ gestolpert.

Janus 3

„Janus 1″ stimmt natürlich nicht, denn der gezeigte Spitzer ist ein Janus 4048. Doch wa­rum hat er eine Torxschraube? Genau, weil es mein Exemplar ist, bei dem ich die originale Schlitzschraube überdreht und durch eine Torxschraube ersetzt habe.

Janus 4

Faber-Castell Janus 4048 und Möbius+Ruppert 604 („Granate”) aus „Top Two (2)”

Das verwendete Foto stammt aus meinem Beitrag „Top Two (2)”. Man hatte es sich we­gen der Granate geben lassen, dann aber nur den Janus 4048 benutzt – allerdings ohne dies anzusprechen, und so habe ich weder auf die Schraube hingewiesen noch ein Foto ei­nes originalen Janus 4048 angeboten (wahrscheinlich hätte dann auch die korrekte Be­zeichnung dieses Spitzers ins Buch gefunden).

Janus 5

Janus 1 (Original und Abbild)2

So können alle Leser dieses Buches meinen persönlichen Janus 4048 bewundern, den ich ab jetzt „Janus 1″ nennen werde3.

Janus 6

Janus 1 und Janus 4048 in trauter Zweisamkeit

Nicht jedem Spitzer wird eine solche Ehre zuteil!

  1. Luca Bendandi, John Z. Komurki: Schreibwaren. Die Rückkehr von Stift und Papier. Prestel 2016, ISBN 978-3-7913-8268-5.
    Luca Bendandi, John Z. Komurki: Stationery Fever. From Pencils to Paper Clips and Everything In Between. Prestel 2016, ISBN 978-3-7913-8272-2.
  2. Das Messer ist ein anderes, weil ich es inzwischen ausgetauscht habe. – Man beachte auch die beiden Spuren an den hinteren hohen Stellen; diese kommen vom Lederetui.
  3. Nein, ich mache mich nicht über diesen Fehler lustig (außerdem wäre er sehr leicht vermeidbar gewesen).

Stichwörter: Bücher, Faber-Castell, Granate, Spitzer

4 Kommentare zu „Janus 1”

  1. Wowter

    This is so extraordinary. There is only one Janus 1 and it is yours. If you check eBay on a regular basis then you will know a Janus 4048 in excellent condition nowadays fetches over 100, even 150 US dollars. One can only feel astonishment over this remarkable rise over the past few years. I think the Janus 1 will exceed this amount by far :). But do not offer for auction. It is way too special! By the way: Taking into account these prices for Janusses the price of the Pollux is fair. I know people complain about its price but they are produced in much smaller quantities and in very precise specification for its dimensions. I agree the price is high. However, speciality has its price. Eventually the price of the Pollux will drop. Or not, if they would stop producing them. These are the rules of trade.

  2. Lexikaliker

    Thank you for your comment, Wowter! The current prices for the Janus 4048 are incredible (even for used ones), and I am suprised to see that some Januses (Jani?) are sold nevertheless. – No, I won't offer my Janus 1 :-) Thank you for looking at the price of the Pollux differently. Many com­pare it to the Granate but I don't think that this is fair. You're right – smaller quantities, precise specifications and a very high utility value must have an impact on the price. Of course I hope that the Pollux will be produced for a long time!

  3. Winfried

    Hab von dem Buch hier gelesen und siehe da, unsere Bibliothek hatte es schon, also gleich mal ausgeliehen. Bin da auch zwiespältig bei diesem Buch. So einiges erscheint mir oberflächlich, fehlerhaft und nicht gut recherchiert.

    Da wird z.B. auf Seite 18 behauptet, als gäbe es eine feste Beziehung zwischen Tonbandkassette und Bleistift, den nur noch die Generation 40+ kennt. Mit dem Bleistift soll man angeblich die Spulen gut wickeln können. Das stimmt aber nicht, der Autor hätte es mal ausprobieren sollen. Dafür ist ein Bleistift schlicht zu dünn, weshalb wir damals eher Kugelschreiber oder Filzstifte verwendeten. Auf dem dazugefügten Bild ist dann auch kein Bleistift zu sehen, sondern ein Stabilo All 8046, also ein schwarzer Spezial-Buntstift. Nicht weiter tragisch, aber das zeigt mir auch hier die Oberflächlichkeit.

    Auf S. 169 liest man, dass der Geruch von PVC-Kleber uns in glückliche Kindheitstage zurückversetzt. PVC-Kleber (Tangit) war sicher kein Massenprodukt, was in jedem Kinderzimmer rumstand. Eher war es der Uhu-Kleber oder meinetwegen auch Pattex.

    Das Thema Füllhalter findet überhaupt keinen gebührenden Raum. Da wird gerade mal der Parker 51 etwas näher beleuchtet.

    Die ganzen Präsentationen von Geschäften sind mal ganz nett anzuschauen, aber insgesamt nimmt das doch viel Raum ein und wirkt damit wie eine große Werbeveranstaltung für diese Shops.

    Auf Seite 8 ein großes Bild mit Bleistiften. Da hätte ich mir eine gute Auswahl gängiger hochwertiger Bleistifte gewünscht und nicht so teilweise abgeknabberte und schlecht gespitzte Stifte. Ein Castell 9000, ein Lumograph, ein Tombow Mono 100 hätten für mich dazugehört. Wurde der japanische Markt überhaupt gebührend erwähnt? Ich glaube nicht.

    Das Thema Kurbelspitzer ist auch sehr schlecht abgedeckt. Und ob unter dem „Janus 1″ unbedingt so ein Billigst-Plastikspitzer mit gleich zwei Fotos den Platz füllen sollte… In mir weckt das eher unangenehme Gefühle einer Wegwerfgesellschaft, die so viel Müll produziert. Das passt überhaupt nicht zu so wertigen und langlebigen Dingen, wie dem Janus-Spitzer aus Messing.

    Dein Artikel über Die Granate ist da ein echtes Sahnestückchen im Buch. Gut recherchiert und fundiert.

  4. Lexikaliker

    Danke für Deinen ausführlichen Kommentar! Deine Kritik kann ich bestätigen. Auf der einen Seite ist es zwar schön, dass es mit „Stationer Fever” ein weiteres Buch zu diesem Thema gibt, doch auf der anderen Seite sind die Oberflächlichkeiten und Fehler sehr schade, so dass eigentlich eine Chance vertan wurde. Ich habe den Eindruck, dass es sehr schnell gehen musste und die Ver­antwortlichen hinter dem Buch vielleicht doch nicht so leidenschaftlich sind, wie es das Buch sugge­rieren soll. (Ich habe kürzlich nach Rezensionen dieses Buchs geschaut und war überrascht, dass es in den wenigen, die ich finden konnte, weitgehend unkritisch gelobt wird und nicht die Schwä­chen angesprochen werden.) – Danke auch für Deine Worte zu meinem Beitrag!

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Ich versuche, auf alle Kommentare einzugehen, und sei es auch nur, um Danke zu sagen.


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