Archiv der Kategorie „Bleistifte”

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Punktlandung

Samstag, den 29. Mai 2010

Zeugen einer ungewöhnlichen Landung wurden die Leser der Fachzeitschrift „Aviation” im Januar 1943: Die stilisierte, übergroße Spitze des Zeichenbleistifts „VAN DYKE” traf mitten in die ganzseitige Anzeige und die Eberhard Faber Pencil Co. mit dieser sicher auch den Geschmack des an technischen Details interessierten Publikums.

Anzeige der Eberhard Faber Pencil Co. (1943)

Ebenso präzise wie das Landemanöver war die Beschreibung des Bleistifts, die ihn zu einem Hi-Tech-Gerät machte, und wer wollte, konnte Testpilot eines der 18 Modelle werden.

Anzeige der Eberhard Faber Pencil Co. (1943)

Eine ausführliche Präsentation der „VAN DYKE”-Flotte gibt es bei Leadholder.

Feinschliff

Freitag, den 21. Mai 2010

Anzeige für den Spitzer „Gem” von F.H. Cook & Co. (1901)

Fast fünf Pfund schwer und 20 Zentimeter hoch war der gusseiserne „Gem”, der mit einer Schleifscheibe Griffel und Bleistifte in Form brachte. Die Mechanik des 1886 patentierten Spitzers drehte dabei auch den Stift, dessen Abrieb die Scheibe zusetzte und sich auf dem Tisch verteilte. Trotz dieses Nachteils wurde der Apparat jedoch über dreißig Jahre lang verkauft. – Diese 70 × 26 mm² große Anzeige stammt aus „Century Illustrated” vom März 1901.

H und B

Samstag, den 15. Mai 2010

Am Anfang war der Graphit. Man nahm ihn in Stücken, später umwickelt oder anderweitig geschützt zur Hand, und erst Ende des 17. Jahrhunderts schnitt man das schwarze Gold, so wie es aus der Grube kam, in Streifen und fasste es in Holz. Als der reine Graphit aus Borrowdale knapp wurde und Exportbeschränkungen die Situation verschärften, war man auf den kontinentaleuropäischen Graphit angewiesen. Dieser musste jedoch gemahlen und gereinigt werden, bevor man ihn verarbeiten konnte, und dabei begann man, ihn zu strecken: Mit Schwefel, Gummi, Schellack und Fischleim, aber auch mit Blei, Silber, Zink, Antimon, Wismut, Zinn und Quecksilber. Die Ergebnisse indes waren enttäuschend.

Erfolg hatte schließlich Nicolas-Jacques Conté im Jahre 1795*. Er mischte den Graphit mit Ton und konnte damit gleichzeitig die Härte steuern. Nach dem Brennen der Mischung dient der Ton als Gerüst für den Graphit, wobei die Mine umso härter ist, je mehr Ton sie enthält (STAEDTLER nennt ein Verhältnis von 1:1 bei 3H). Dies war nicht nur die Geburt des modernen Bleistifts, wie wir ihn heute kennen und schätzen, sondern auch der Beginn einer anhaltenden Verwirrung um den Härtegrad.

Caran d'Ache Technograph 777 und California Republic Palomino

Zwei HB-Bleistifte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Caran d’Ache Technograph 777 HB (Schweiz, hart) und California Republic Palomino HB (Japan, weich)

Warum Verwirrung? Nun, trotz zahlreicher Bemühungen gibt es nach wie vor keinen herstellerunabhängigen Standard, und wer einmal Bleistifte unterschiedlicher Herkunft, aber gleichen Härtegrads verglichen hat, kennt die verblüffend großen Abweichungen; obendrein beeinflussen Fertigungsschritte wie das Paraffin-Tauchbad oder Beimengungen z. B. von Ruß das subjektive Empfinden der Härte. – Doch zurück zur Geschichte.

Conté war es auch, der mit einer Kennzeichnung begann. Sein härtester Bleistift trug die „1″, und je weicher die Mine, desto größer war die Zahl. Die heute übliche Benennung des Härtegrads geht vermutlich auf den englischen Bleistiftmacher Brookman zurück, der im frühen 19. Jahrhundert seine Stifte für Künstler mit „B” (black) und die der technischen Zeichner mit „H” (hard) versah; dies könnte zudem die Asymmetrie erklären. Der schon damals populärste Bleistift hatte eine Härte zwischen H und B, was ihm den Grad HB eintrug. Später folgte noch F (firm) für den Stift mit einer Mine zwischen H und HB.

Katalogseite von J.S. STAEDTLER (1909)

„Bleihärten” im Katalog von J.S. STAEDTLER (1909). – Es fällt auf, dass die Nummerierung der von Conté entgegengesetzt ist.

So wie J.S. STAEDTLER im Katalog von 1909 (zurzeit als Kopie in Nürnberg zu sehen) verfuhren auch andere – je weicher, desto mehr B, und je härter, desto mehr H. Lediglich Joseph Dixon in den USA entschied sich zunächst für „S” (soft) und „H” (hard), wobei der weichste Bleistift VVS (very, very soft) und der härteste VVVH (very, very, very hard) war. Als die Skala der Härtegrade wuchs, wichen die vielen Buchstaben anderen Benennungen wie z. B. „Extra Extra Black” (erst EX-EXB, dann EEB und EE, dem heutigen 8B). Die einfache Zahl blieb lange im Gebrauch, und daneben etablierte sich die jetzt vertraute Kombination aus Zahl und Buchstabe (xH,xB); zum Ursprung letzterer konnte ich in meinen Quellen allerdings keine Details finden. Manche Hersteller nutzen beides, etwa STAEDTLER beim Noris 120 und STABILO beim Opéra und Othello.

Bruynzeel 1605

Ungewöhnlich: Bruynzeel 1605 1B und 1H

Doch es gibt immer noch Abwechslung – Bruynzeel, seit 1991 Teil von Sakura, hat die Grade 1B und 1H im Sortiment, STABILO übersetzt HB mit und bei den Feinminen von Pentel und Tombow findet man HB in drei Varianten.

Danke an STAEDTLER für den Scan! – Die für den Beitrag am stärksten geplünderte Quelle ist „Der Bleistift” von Henry Petroski (Birkhäuser 1995).

* In der Literatur heißt es oft, der Österreicher Josef Hardtmuth habe bereits 1790 und damit vor Conté die keramische Mine erdacht. Petroski teilt diese Ansicht nicht, sondern vermutet, dass diese Zahl das Gründungsjahr von Hardtmuths Unternehmen benennt. Er schreibt: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode’ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.”

Nachtrag vom 17.5.10: Details zum Gebrauch der kyrillischen Zeichen zur Kennzeichnung des Härtegrads in Russland gibt es hier. Danke an Stephen für diesen Hinweis! – Härtegrad mal anders: Die Firma Elcometer nutzt Bleistifte zur Ritzhärteprüfung von Oberflächen nach ISO 15184, so im Bleistifthärte-Prüfer 501 oder im Motorischen Bleistifthärteprüfer 3086.

LAMY Z 78 plus

Freitag, den 14. Mai 2010

Die zu den Graphitstiften von LAMY gehörenden Radierer haben nun auch in ein Geschäft meiner Umgebung gefunden; hier ein rascher Blick auf einen der beiden.

LAMY Z 78 plus

Der 42 × 19 × 8 mm³ kleine LAMY Z 78 plus ist recht fest und laut Papphülle für Bleistifte der Härtegrade 7B bis 9H sowie Farbstifte geeignet. Bei ein paar schnellen Tests mit Druck- und Holzbleistiften radierte er gründlich, sauber und papierschonend, so dass er nicht nur optisch, sondern auch qualitativ zu den Bleistiften des „plus”-Sortiments passt.

LAMY Z 78 plus

Die Preisempfehlung für den Z 78 plus beträgt 0,70 Euro und die für den Z 79 combiplus 0,80 Euro.

Nuggets

Samstag, den 8. Mai 2010

Immer schnell zur Hand ist der „Nugget” von Läufer & Gutenberg, denn der ungewöhnlich geformte Radierer findet Platz auf dem Bleistift.

Radierer „Nuggets” von Läufer & Gutenberg

Die Radierleistung des recht weichen und nur wenig krümelnden „Nugget” ist gut, kommt aber nicht ganz an die anderer Radierer dieses Herstellers heran (der festere PLAST-0120 gehört zu meinen Favoriten).

Radierer „Nuggets” von Läufer & Gutenberg

Leider sind diese in schwarz und weiß sowie zwei Formen angebotenen Radierer nicht so leicht zu bekommen. – Ein weiterer Aufsteckradierer von Läufer ist das lustige „Köpfchen”, und wer gerne Kappe und Aufsteckradierer kombiniert, könnte am „Pencil Shield” Gefallen finden.

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Dienstag, den 4. Mai 2010

Eine große Attraktion bietet das Unternehmen STAEDTLER im Rahmen seines 175-jährigen Firmenjubiläums mit der Ausstellung „Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER” im Museum Industriekultur in Nürnberg. Im Mittelpunkt stehen unterschiedlichste historische und aktuelle Schreibgeräte sowie ihre Geschichte und Technik; zahlreiche Fotos, Filme und Grafiken lassen die Entwicklung von 1835 bis jetzt lebendig werden. Ich konnte sie mir schon heute ansehen, und so bekommen meine Leser bereits zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung am 6. Mai einen Einblick in diese – wie ich finde – sehr sehenswerte Ausstellung.

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Im Hintergrund u. a. der Film zur Bleistiftherstellung bei STAEDTLER im Jahr 1950

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Eine Zeitreise mit den wichtigsten Stationen der Firmengeschichte …

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

… wie z. B. dem Beginn der Feinminen- und Druckbleistiftfertigung (1967 und 1969)

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Nicht nur für Sammler interessant: frühere und z. T. ungewöhnliche Produkte

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Ein überdimensionaler MARS-Bleistift von 1925 (vorne eine als Brieföffner nutzbare Metallkappe)

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Technische Details: Düsen zum Pressen von Minensträngen

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Die Werkstatt eines „Bleystefftmachers”, wie sie damals ausgesehen haben könnte

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Fotos des alten STAEDTLER-Werks aus einem Buch für Ludwig Kreuzer zum 25. Dienstjubiläum (1905)

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Katalog von 1909

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Titelseiten historischer Kataloge (ganz links der von 1919)

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Ausschnitt aus einer alten Werbung für das Inland …

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

… und für das Ausland. – Man beachte den Härtegrad „BBBBBB” auf dem Stift ganz rechts.

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Neue Technik zum Anfassen, Ausprobieren und Vergleichen

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Eine spannende Reise in das Innere eines Bleistifts mit Aufnahmen eines Rasterelektronenmikroskops

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER

Bruchgeschützt durch Bionik: Der Farbstift mit A.B.S.

Meine Empfehlung: Hingehen, anschauen und staunen!

Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER
Ausstellung mit reichhaltigem Begleitprogramm vom 6. Mai bis 3. Oktober 2010
Museum Industriekultur
Äußere Sulzbacher Straße 60–62
90491 Nürnberg

Fliegender Fisch

Sonntag, den 2. Mai 2010

„Flying-Fish” Pencil

Fisch und Bleistift bringt man ja nicht sofort zusammen, doch dieses historische Stück aus Pakistan vereint beide.

„Flying-Fish” Pencil

Der dunkel-grünblau lackierte „Flying-Fish” Pencil ist sechsflächig, silberfarben bedruckt und trägt seinen Namen in einem Schreibmaschinen-Font (ich weiß, dass man all das sieht, aber ich wollte wenigstens etwas zu dem Stift sagen). – Der kleine Fisch gefällt mir natürlich am besten.

„Flying-Fish” Pencil

Vielen Dank an Herbert R. für diesen besonderen Bleistift!

„Flying-Fish” Pencil

Fünfhundert

Samstag, den 1. Mai 2010

Dieser Beitrag ist der 500., und zu diesem Anlass gibt’s Geschenke! Ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, um meine geschätzte Leserschaft zu erfreuen, und kann nun den neuen Lexikaliker-Bleistift verteilen. (Selbstverständlich ist er nicht im Handel, sondern nur hier erhältlich.)

Der neue Lexikaliker-Bleistift

Die ersten sieben, die diesen Beitrag kommentieren und dabei eine funktionierende E-Mail-Adresse hinterlassen, bekommen zwei der neuen Lexikaliker-Bleistifte inklusive weltweitem Versand – also ran an die Tasten!

Wau!

Freitag, den 30. April 2010

Sofort an die Leine gelegt habe ich diese flotte Variante des Scottish Terrier, die mich bei einem Spaziergang auf Etsy ansprang.

Spitzer aus Bakelit

Ein knuffiger Gebrauchshund mit glattem, pflegeleichtem Fell und angenehmem Wesen – was will man mehr? Im übrigen begegnet man dieser Rasse heute ja nicht mehr allzu oft.

Spitzer aus Bakelit

Er hört zwar überhaupt nicht auf mich und ist auch noch nicht stubenrein, aber als großer Hundefreund sehe ich gerne darüber hinweg.

Graziler Graphit

Donnerstag, den 29. April 2010

Gerade einmal drei Millimeter dünn sind diese winzigen Stücke, die Schwan in den 30er Jahren seinen Kunden als Notizbleistifte andiente. Der 1930 eingeführte Othello 581 hatte einen goldfarbenen Lackring sowie eine Tauchkappe und der ab 1931 angebotene Othello 578 sogar eine Zwinge mit Radierer (zum Vergleich der STABILO GREENgraph 6003).

STABILO GREENgraph 6003, Schwan Othello 587 und Schwan Othello 581

Kaum zu glauben: Der Radierer des 587 ist kleiner als der Kopf eines Streichholzes. – 1940 wurden diese Bleistifte wieder aus dem Programm genommen.

Schwan Othello 578

Vielen Dank an Herbert R. für diese Kostbarkeiten!