Archiv der Kategorie „Bleistifte”

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Schon gewusst?

Mittwoch, 17. Mai 2017

Wer japanische Radierer benutzt, hat auf einigen sicher schon die rechteckige Kennzeich­nung mit zweistelliger Nummer bemerkt. Doch was bedeutet diese?

Von links: Seed Radar, Hinodewashi Matomaru-kun, Tombow MONO, Pentel Mark Sheet,
Pentel Ain Hi-Polymer.

Sie stammt von der 1943 gegründeten Japanese Eraser Manufacturers Association und ga­rantiert Sicherheit, Qualität und Leistung des Radierers. Der Standard für diese Kennzeich­nung legt Höchstwerte für gesundheitsschädliche Bestandteile fest, macht Vorgaben für die Papier- und Kunststoffverpackung und definiert Verfahren zur Prüfung der Radierfähig­keit, der Härte und der Altersbeständigkeit. Der Japanese Eraser Manufacturers Association haben sich u. a. Seed (01), Hinodewashi (06) und Pentel (13) angeschlossen. Jedem Her­steller ist eine zweistellige Nummer zugewiesen, und so kann man leicht sehen, von wem der betreffende Radierer stammt (dabei hat mich überrascht, dass der Klassiker Tombow MONO von Seed gefertigt wird).

Danke an Sola von pencils an other things für den Hinweis auf diesen Standard!

Granate 1892

Montag, 15. Mai 2017

Meine Suche nach dem Ursprung des als „Granate” bekannten Handspitzers dauert an. Ein neuer Fund führt in das Jahr 1892 und damit weiter zurück als bisher.

Mit „Equal to the finest imported” bewarben Greenough, Hopkins & Cushing im April 1893 den „Peerless”, was die Vermutung nahelegt, dass dieser Spitzer als Konkurrenz zu Import­ware antrat. Eine Bestätigung dafür findet sich in „The American Stationer”, Ausgabe 31 vom 7. Januar 1892:

Granate 1892

Granate 1892

Die Formulierung „which has heretofore been imported” belegt es – der „Peerless” (oder ein ähnlicher Spitzer) musste also bisher importiert werden, und zwar aus Europa, wie es weiter heißt.

Einer Meldung in „The American Stationer”, Ausgabe 32 vom 3. November 1892, zufolge war das Unternehmen zehn Monate nach dieser Meldung zur Auslieferung des „Peerless” bereit:

Granate 1892

Und auch hier der Hinweis auf importierte Spitzer. Aber welche waren das? Einen kleinen Hinweis könnte diese Anzeige der B. Lawrence Stationery Co., 224, 226 and 228 Centre Street, New York in „The American Stationer”, Ausgabe 31 vom 7. Januar 1892, geben:

Granate 1892

(zum Vergrößern anklicken)

Leider fehlen der Name und eine Angabe zur Herkunft dieses Modells. War es dieses, zu dem der „Peerless” in Konkurrenz trat?

Granate 1892

Geht man davon aus, dass die Darstellung weitgehend korrekt ist, fallen die beiden Schrau­ben auf. Die frühen Versionen der „Granate” von Möbius+Ruppert und Möller & Breitscheid hatten ein Rändelrad und zwei Stifte, um das Messer zu halten, doch der Brinco „Sharpe-Point” nutzte zwei Schrauben. Führt die Spur nach England?

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Sonntag, 14. Mai 2017

Mit dem kürzlich angefertigten Lederetui für den Pollux bin ich nicht ganz zufrieden, weil es sehr klobig ist. Heute hatte ich eine Idee, die ich auch gleich umgesetzt habe. Wie immer braucht man nur übliches Material und Werkzeug, das bei Bastlern ohnehin herumliegt.

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Ein kleines Stück Leder, das den Pollux gerade so umschließt (bei einer Dicke von 1,5 mm ist es 5,5 cm lang) und an den Enden jeweils etwa 3 mm übersteht, näht man so zusam­men, dass eine Röhre entsteht.

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Am einen Ende macht man zwei gegenüberliegende Löcher und am anderen zwei Einker­bungen. (Tipp: Letztere lassen sich prima mit einem großen Stanzmesser der Lochzange machen.)

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Durch die Löcher fädelt man ein Stück Elastik-Kordel und knotet es so zusammen, dass sich der Knoten in der Röhre befindet. Die Länge der Kordel hängt davon ab, wie dehnbar sie ist und wie stramm sie sitzen soll.

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Fertig! Pollux nehmen, …

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

… in die Röhre stecken und …

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

… Elastik-Kordel über das andere Ende spannen und in die Einkerbungen legen.

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Ta-taa!

Basteln mit dem Lexikaliker (15)

Das kann man natürlich noch schöner machen, z. B. indem man den Stoß zusätzlich ver­klebt, damit sich kein Spalt bildet, oder man statt des Leders Karton nimmt, der überzogen wird, damit es keinen Spalt gibt, und an den Schmalseiten besser in Form bleibt. Zudem sind die Enden offen; auch das ist nicht so gut.

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Janus 1

Samstag, 13. Mai 2017

Ende September letzten Jahres ist bei Prestel das Buch „Schreibwaren. Die Rückkehr von Stift und Papier”1 erschienen. Es geht (so der Verlag) auf die „neue Schreibkultur” und die Rückkehr der „guten alten Schreibgeräte” ein und ist mit seinem eher ungewöhnlichen, aber breiten Spektrum auch für diejenigen interessant, die bereits mit diesem Thema ver­traut sind. Uneingeschränkt empfehlen kann ich es jedoch leider nicht, da manche Dinge meiner Ansicht nach nur oberflächlich abgehandelt werden und einiges auf mich wie Wer­bung wirkt. Die Fülle und die Qualität der Fotos sind allerdings beeindruckend, und auch die Gestaltung ist sehr ansprechend.

Janus 1

Zum Größenvergleich ein Tombow Mono 100.

Ich habe mit einem Kapitel über den als „Granate” bekannten Handspitzer zu diesem Buch beigetragen.

Janus 2

Bei der Lektüre bin ich auf Seite 49 über „Janus 1″ gestolpert.

Janus 3

„Janus 1″ stimmt natürlich nicht, denn der gezeigte Spitzer ist ein Janus 4048. Doch wa­rum hat er eine Torxschraube? Genau, weil es mein Exemplar ist, bei dem ich die originale Schlitzschraube überdreht und durch eine Torxschraube ersetzt habe.

Janus 4

Faber-Castell Janus 4048 und Möbius+Ruppert 604 („Granate”) aus „Top Two (2)”

Das verwendete Foto stammt aus meinem Beitrag „Top Two (2)”. Man hatte es sich we­gen der Granate geben lassen, dann aber nur den Janus 4048 benutzt – allerdings ohne dies anzusprechen, und so habe ich weder auf die Schraube hingewiesen noch ein Foto ei­nes originalen Janus 4048 angeboten (wahrscheinlich hätte dann auch die korrekte Be­zeichnung dieses Spitzers ins Buch gefunden).

Janus 5

Janus 1 (Original und Abbild)2

So können alle Leser dieses Buches meinen persönlichen Janus 4048 bewundern, den ich ab jetzt „Janus 1″ nennen werde3.

Janus 6

Janus 1 und Janus 4048 in trauter Zweisamkeit

Nicht jedem Spitzer wird eine solche Ehre zuteil!

  1. Luca Bendandi, John Z. Komurki: Schreibwaren. Die Rückkehr von Stift und Papier. Prestel 2016, ISBN 978-3-7913-8268-5.
    Luca Bendandi, John Z. Komurki: Stationery Fever. From Pencils to Paper Clips and Everything In Between. Prestel 2016, ISBN 978-3-7913-8272-2.
  2. Das Messer ist ein anderes, weil ich es inzwischen ausgetauscht habe. – Man beachte auch die beiden Spuren an den hinteren hohen Stellen; diese kommen vom Lederetui.
  3. Nein, ich mache mich nicht über diesen Fehler lustig (außerdem wäre er sehr leicht vermeidbar gewesen).

LYRA Orlow Cellugraph

Donnerstag, 11. Mai 2017

Das traditionsreiche Unternehmen LYRA, 1806 in Nürnberg gegründet und 2008 von der FILA-Gruppe übernommen, ist auch für sein sehr großes Sortiment an Markier- und Signier­produkten für Industrie und Handwerk bekannt1. Zu diesen gehört der Orlow Cellugraph2.

LYRA Orlow Cellugraph

Zum Größenvergleich: Ein LYRA orlow-techno 6300 mit Standardmaßen.

Mit einer Länge von 24 cm und einer Dicke von 12,5 mm3 wirkt der dreiflächige Cellugraph riesig. Seine Mine ist 4,5 mm dick und soll auf allen Flächen schreiben und leicht entfernbar sein; ihre subjektive Härte entspricht etwa der des STAEDTLER Mars Lumograph 2B. Ein paar schnelle Tests haben gezeigt, dass der Cellugraph auf Metall, Glas, Keramik und Kunst­stoff tatsächlich bemerkenswert gut schreibt4. – Für Papier ist er nicht gedacht, doch auch darauf macht er sich gut; mit sauberer Abgabe und guter Schwärzung kann er sich sehen lassen. Die Radierbarkeit ist indes nicht so gut, was ich auf diese Komponenten der Mine zurückführe (stärkere Imprägnierung mit Paraffin?), die ihn auf anderen Oberflächen gut schreiben lassen.

LYRA Orlow Cellugraph

Auf den abgewandten Seiten tragen die Stifte u. a. einen Barcode und die GTIN5.

2015 wurde der Micro Cellugraph in den Katalog aufgenommen. Zunächst gab es produk­tionstechnische Probleme, die man aber lösen konnte, doch dann hat man sich entschie­den, ihn nicht auf den Markt zu bringen6. Er ist rund und hat die normale Bleistiftlänge von 17,5 cm, ist aber mit 5,6 mm sehr dünn und hat eine 2,7 mm dicke Mine (letztere wirkt auf mich etwas weicher als die des großen Bruders). Der Micro Cellugraph war wie der Pica Dry als Tieflochmarker vorgesehen und lebt im Dixon Reach weiter7.

LYRA Orlow Cellugraph

Der große Cellugraph ist aus Weymouth-Kiefer6, doch das Holz der Micro-Variante kann ich nicht sicher identifizieren (es sieht jedoch sehr nach Weihrauch-Zeder aus).

LYRA Orlow Cellugraph

Beide Stifte sind gut verarbeitet und haben eine werkseitige Spitze. Der große Cellugraph wird wohl meist mit dem Messer gespitzt, doch Spitzer mit großem Stifteinlass (> 13 mm) eignen sich auch.

LYRA Orlow Cellugraph

Kisho begutachtet das Werk eines Spitzers von KUM8 am Cellugraph.

Der LYRA Orlow Cellugraph ist ein nicht alltäglicher Bleistift und interessant für alle, die holz­gefasste Stifte mögen und gerne über den Tellerrand schauen. – Er hat die Artikelnummer 1174/1940 und ist ab 2 Euro zu haben.

Danke an LYRA für den Micro Cellugraph!

  1. Es umfasst auch Ungewöhnliches wie z. B. die Signierpaste LYRA-MARK, die sich sogar auf öliges und rostiges Metall auftragen lässt und Temperaturen bis zu 1000 °C verträgt.
  2. Das hier gezeigte Exemplar ist bereits einige Jahre alt und hat noch das alte Design; das neue ist auf Seite 7 des LYRA Industriekatalogs zu sehen. – Die Marke „Orlow Cellugraph” wurde übrigens am 13.3.1958 eingetragen.
  3. Durchmesser des Umkreises.
  4. Auf rauhen Oberflächen schreibt er auch, doch von diesen lässt er sich natürlich nicht leicht entfernen.
  5. Statt „Made in Germany” findet sich jedoch nur „Gemany”, was Vermutungen über den Produk­tionsstandort nahelegt.
  6. Quelle: LYRA.
  7. Dixon gehört seit 2005 ebenfalls zur FILA-Gruppe.
  8. Art.-Nr. 7301120 bei LYRA.

Granate 1893

Dienstag, 9. Mai 2017

Ein weiteres Puzzlestück in der Geschichte des hierzulande als „Granate” bekannten Hand­spitzers: Diese Anzeige in „The American Stationer”, Ausgabe 33 vom 13. April 1893, Seite 821.

Granate 1893

Das ist die älteste mir bekannte Darstellung des „Granate”-Designs1 (zylindrisch, vier Rände­lungen und konische Spitze).

Interessant finde ich die Aussage „Equal to the finest imported”. War der „Peerless” etwa das im Inland gefertige Konkurrenzprodukt für importierte Spitzer, darunter die „Granate”? Wenn ja: Woher kam sie? Wer hat das Design erdacht und sie gefertigt? Welche Firmen haben sie vertrieben und exportiert? Eine weitere Recherche lohnt sicher.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf die Anzeige!

  1. Das Early Office Museum führt in der Rubrik „Small Pencil Sharpeners” einen sehr ähnlichen „American Cartridge Pencil Sharpener” von Eberhard Faber auf und gibt das Jahr 1892 an, doch da eine Quellenangabe fehlt, ist diese Information für mich wertlos. – Siehe auch „Granate 1892–1933″.

Basteln mit dem Lexikaliker (14)

Sonntag, 7. Mai 2017

Der großartige Pollux von Möbius+Ruppert verdient ein Lederetui, und so habe ich mir eins gebastelt (angeregt hat mich das für den DUX DX4322). Wie immer sind Material- und Werkzeugeinsatz sowie der Zeitaufwand gering, denn wir brauchen nur ein 16,5 × 3 cm großes Stück Leder, eine Knopfniete und das im gutsortierten Bastelhaushalt ohnehin vor­handene Werkzeug. – Eine Anleitung dürfte kaum nötig sein.

Basteln mit dem Lexikaliker (14)

Das verwendete Leder ist mit 1,5 mm zu dick. Zusammen mit der Knopfniete, die sehr auf­trägt, wird das Etui klobig (ich benutze es trotzdem).

Basteln mit dem Lexikaliker (14)

So weiß ich, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. – Hier noch die Details:

Basteln mit dem Lexikaliker (14)

#2 und #3 beziehen sich auf meine Lochzange und hängen von den Abmessungen der Knopfniete ab.

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Joseph Hardtmuth

Samstag, 6. Mai 2017

Bereits 2015 ehrte die österreichische Post den Erfinder Joseph Hardtmuth mit einer Son­dermarke.

Joseph Hardtmuth

Die Post würdigte damit Hardtmuths größte Erfindung, die keramische Bleistiftmine. Aber wird diese nicht Nicolas-Jacques Conté zugeschrieben? Die Fachliteratur ist sich da nicht ei­nig. Es heißt zwar zuweilen, Hardtmuth habe 1790, also fünf Jahre von Conté, die moder­ne Bleistiftmine erdacht1, doch Henry Petroski vermutet in „Der Bleistift”, dass diese Zahl das Gründungsjahr von Hardtmuths Unternehmen benennt. Petroski schreibt: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode’ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.” Und wenn es tatsächlich Hardtmuths Idee war: Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Erfindung unabhängig von­einander an zwei unterschiedlichen Orten gemacht wurde.

Mich wundert, dass auf der Briefmarke Kopierstifte abgebildet sind, denn diese enthalten Anilinfarben, die erst knapp 40 Jahre nach der Erfindung der keramischen Mine entdeckt wurden. Auch das Millimeterpapier (?) im Hintergrund und die Typografie finde ich etwas seltsam. – Den vollständigen Bogen sieht man im Austria-Forum.

  1. Zum Beispiel in: Nagler, Dr. phil. Josef: Die keramische Bleistiftmine. Zum 200. Geburtstag von Joseph Hardtmuth. In: Blätter für Technikgeschichte, Heft 20, Technisches Museum Wien (Hg.) (Springer 1958).

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