Archiv der Kategorie „Kultur”

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Schwarze Kunst

Samstag, den 6. März 2010

Begonnen hat es mit der „Drawing Hand No. 1″, einer Abformung seiner rechten Hand in Graphit, und nun fertigt der vielseitige Künstler Agelio Batle Tiere und Pflanzen, aber auch Teile davon und vieles mehr aus diesem einzigartigen Werkstoff – eine fantastische Idee!

Palimpsest

Mittwoch, den 17. Februar 2010

Online seit über einem Jahr, doch für mich eine Neuentdeckung: Das äußerst interessante Weblog „Palimpsest – On Writing Instruments” der Schriftstellerin und Historikerin Lito Apostolakou aus England. Ihre Themen sind so vielfältig wie spannend: Anton Tschechow und der zensierende Rotstift, die Umbenennung des „Mikado” nach „Mirado”, ein Bleistift mit versteckter Landkarte für Kriegsgefangene, der gelbe Lack des Koh-I-Noor und mehr – eine lebendige und bereichernde Mischung! Gefunden habe ich das Blog übrigens bei der Suche nach Informationen über die im Jahr 1885 durch den Franzosen Jean-Pierre Alibert entdeckten und von Johann Faber erworbenen Graphitmine im Berg Batugol bei Irkutsk im Süden Sibiriens.

Sehr sympathisch sind auch die Worte von Charles Dickens, die das Weblog zieren:

There is something very comfortable in having plenty of stationery.

Recht hatte er!

Graphit in Öl

Donnerstag, den 14. Januar 2010

„STAEDTLER Mars Lumograph 2B” von Paul Hutchinson

Für mich ein kleines Juwel ist dieses Werk des neuseeländischen Künstlers Paul Hutchinson, das ich vor gut sieben Wochen in Auftrag gegeben und mit großer Vorfreude erwartet habe. Seit gestern nun ziert das in meinen Augen sehr schöne Bild, noch nicht gerahmt und vorerst provisorisch aufgestellt, den Schreibtisch und wird mir täglich Freude bereiten.

Drahtiges Ungeheuer

Montag, den 28. Dezember 2009

Der Drache Nidhögg in Thale (Harz)

Der Drache Nidhögg in Thale (Harz)

Madonna revised

Freitag, den 18. Dezember 2009

Als ich hier vor einiger Zeit den ungewöhnlichen Zweifarb-Stift STAEDTLER MARS-REVISOR 2914 vorgestellt habe, fragte mich der Künstler Giorgio Poppi aus Italien nach einer Quelle. Da dieser Stift jedoch schon lange nicht mehr hergestellt wird, konnte ich ihm leider keine nennen, dafür aber ein Exemplar aus meinem Fundus schicken. Zu meiner sehr großen Überraschung und Freude erhielt ich nur wenig später dieses ganz besondere, etwa 15 × 21 cm² große Werk, das er mit einem „Revisor” gemalt hat:

„Revisor Madonna” von Giorgio Poppi

Vielen Dank an Giorgio Poppi für die „Revisor Madonna”!

Vorfreude

Freitag, den 4. Dezember 2009

Gerade einmal zwei Wochen sind vergangen, seit ich bei dem neuseeländischen Künstler Paul Hutchinson eine Arbeit in Auftrag gegeben habe, und schon gestern erhielt ich einen Vorgeschmack auf das Kunstwerk, das nun trocknend darauf wartet, auf die Reise um den halben Globus geschickt zu werden und dann einen prominenten Platz einzunehmen.

„STAEDTLER Mars Lumograph 2B” von Paul Hutchinson

Vielen Dank an Paul Hutchinson für seine großartige Fähigkeit, kleine Dinge zu sehen und sie auf so besondere Weise zu zeigen!

Ein kleiner Stummel auf großer Reise

Freitag, den 20. November 2009

Der Künstler Paul Hutchinson aus Neuseeland schafft unter anderem kleine Werke von ganz alltäglichen Dingen und zeigt dabei auch solche, die nur selten beachtet werden, wie z. B. abgebrannte Streichhölzer, eine verwelkte Tomatenranke oder Bleistiftstummel. Das gefällt mir, ebenso sein Stil, sie in Öl und Wasserfarben festzuhalten, und als ich in einem sehr netten Kontakt per E-Mail erfahren konnte, dass er auch Aufträge annimmt, musste ich erst gar nicht nachdenken und freue mich nun auf das Kunstpäckchen vom anderen Ende der Welt.

Danke an Henrik für den Hinweis auf diesen Künstler!

Der Bleistift im Buch

Donnerstag, den 29. Oktober 2009

Bereits seit längerem habe ich eine Literaturliste zu Bleistiften und dem ganzen Drumherum in Arbeit, wobei ich mir die Freiheit genommen habe, letzteres recht weit zu fassen. Nun bin ich in meinem jugendlichen Leichtsinn davon ausgegangen, die einzelnen Titel dieser Liste mit überschaubarem Zeitaufwand detailliert kommentieren zu können, auf dass meine werte Leserschaft möglichst viel von ihr profitiere – doch weit gefehlt: Bis jetzt ist es mir noch nicht einmal gelungen, alle aufgeführten Bücher vollständig zu lesen, so dass an eine Kommentierung, erst recht an eine gründliche, nicht zu denken ist.

Damit diese Aufstellung nicht länger als digitaler Entwurf im Verborgenen ruht, gebe ich sie mit nur knappen und lückenhaften Anmerkungen heraus. Wer Fragen zu den Titeln hat, möge diese in einem Kommentar stellen. – Die Liste werde ich pflegen; über Ergänzungen und Korrekturen freue ich mich.

  • Baron, Dennis: A Better Pencil. Readers, Writers and the Digital Revolution (Oxford University Press 2009)
    Dieses Buch betrachtet den Einfluss der digitalen Revolution auf das Lesen und Schreiben, die Geschichte unseres Gebrauchs von Schreibgeräten und die Rolle des Computers in der Technikgeschichte der Schreibwerkzeuge. Mit einem Kapitel über den Bleistift. – Eine Besprechung findet sich hier.
  • Baynes, Ken; Pugh, Francis: The Art of the Engineer (Lutterworth Press 1981)
    Auch wenn hier nichts über Bleistifte zu lesen ist, so erzählt dieses exzellente Buch doch auch von historischen Zeichenbüros und zeigt unzählige Beispiele. – Eine kurze Besprechung gibt es hier.
  • Bischoff, Johannes: Zur Familiengeschichte Alt-Nürnberger Bleistiftmacher (Gesellschaft für Familienforschung in Franken 1939)
    Erschienen in der Reihe „Familiengeschichtliche Schriften” und gedacht als „Beitrag zur Frühgeschichte der Nürnberger Bleistiftindustrie” bietet diese Büchlein auf über 60 Seiten auch Erklärungen alter Berufsbezeichnungen und ein Ortsregister.
  • Booker, Peter Jeffrey: History of Engineering Drawing (Chatto & Windus 1963)
    Eng verknüpft mit der Geschichte des Bleistifts ist die des Technischen Zeichnens. – Das Werk erschien 1979 in einer zweiten Auflage.
  • Dingwerth, Leonhard: Kleine Anspitzer-Fibel. Von den Anfängen bis 1960 (Verlag Dingwerth 2008)
    Unzählige, oft ausführlich kommentierte Abbildungen von Spitzern, meist aus Anzeigen, illustrieren Geschichte und Vielfalt dieses unverzichtbaren Zubehörs.
  • Emmert-Sinzinger, Ralph; Murko, Matthias: Ein Stift geht um die Welt – Nürnberger Bleistiftgeschichte (Museum Industriekultur Nürnberg 2001)
    Katalog zur gleichnamigen Ausstellung.
  • Eule, Wilhelm: Mit Stift und Feder. Kleine Kulturgeschichte der Schreib- und Zeichenwerkzeuge (Fachbuchverlag Leipzig 1955)
    Besonders beeindruckt hat mich hier die hohe Wertschätzung, mit der der Autor von den Menschen hinter und an den Schreibgeräten spricht.
  • Feldhaus, Franz Maria: Geschichte des Technischen Zeichnens (Stalling-Verlag 1953)
    Wahrscheinlich das einzige deutschsprachige Buch zu diesem Thema.
  • Fererri, Marco (Hg.): Pencils (Mostre Georgetti 1996)
    Grandioser Katalog zu einer Ausstellung, die 1996/1997 in Mailand stattfand, mit einer Fülle an fantastischen Fotos.
  • Ferguson, Eugene S.: Das innere Auge. Von der Kunst des Ingenieurs (Birkhäuser 1993)
    Geht auch auf die Entwicklung des Technischen Zeichnens ein.
  • Franzke, Jürgen (Hg.): Das Bleistiftschloß. Familie und Unternehmen Faber-Castell in Stein (Heinrich Hugendubel Verlag 1986)
    Katalog zur Ausstellung anlässlich des 225-jährigen Bestehens des Unternehmens Faber-Castell.
  • French, Thomas E.: Engineering Drawing (6. Auflage, McGraw-Hill 1941)
    Die alten Ausgaben dieses klassischen Lehrbuchs sagen einiges zum Gebrauch des Bleistifts für das Technische Zeichnen.
  • Geyer, Dietmar: Collecting Writing Instruments (Schiffer Publishing 1990)
    Auch wenn sich dieser mit Fotos, technischen Darstellungen, Katalogseiten und Anzeigen reich illustrierte Titel hauptsächlich an die Sammler von Tintenschreibgeräten richtet, so enthält er doch auch ansprechend aufbereitete Informationen zur Geschichte und Herstellung des Bleistifts. – Mit Portraits der Firmen Faber-Castell, J.S. Staedtler und Schwan-Stabilo sowie einem Abschnitt zum Bleistift in der Literatur.
  • Hambly, Maya: Drawing Instruments 1580-1980 (Sotheby’s Publications 1988)
    Über 200 Seiten mit zahlreichen, zum Teil farbigen Abbildungen illustrieren die Geschichte der Zeichengeräte, aber auch ihrer Schöpfer, aus vier Jahrhunderten.
  • Henderson, Bill (Hg.): Minutes of the Lead Pencil Club (Pushcart Press 1996)
    Kein Buch über Bleistifte, sondern – so der Untertitel – „Letters, essays, cartoons, and commentary on how and why to live contraption-free in a computer-crazed world”, beigesteuert von Mitgliedern eines Clubs, der sich den Bleistift als Zeichen gegeben hat; etliche Beiträge befassen sich mit diesem Schreibgerät.
  • Huber, Jürg-Peter: Griffel, Feder, Bildschirmstift. Eine Kulturgeschichte der Schreibgeräte (AT Verlag 1985)
    Mit vielen Abbildungen, darunter auch Reproduktionen von Katalogseiten, aber insgesamt recht nüchtern geschrieben.
  • ISZ (Industrieverband Schreiben, Zeichnen, Kreatives Gestalten e.V.): Welchen Spitzer für welchen Stift? (3. Auflage 2006)
    Diese kleine Broschüre informiert über Qualitätskriterien, Geometrie und den richtigen Einsatz von Spitzern für Blei- und Farbstifte.
  • Jensen, Gotthard B.: Schreibgeräte, unter besonderer Berücksichtigung von Schülerschreibgeräten. Historische Entwicklung und kulturethologische Verlaufsformen dieser Entwicklung (aufgezeigt an Kielfeder, Schiefergriffel und -tafel, Bleistift, Stahlfeder mit Halter und Füllfederhalter) (2004)
    Inaugural-Dissertation in der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
  • Klöffler, Dr. Martin: … nie wieder einer lieblichen Hand fähig. Zeichentechnik beim Militär ca. 1750-1820 (PDF)
  • Kreuzer, Dr. Rudolf: Meine Ziele. Ein Unternehmerschicksal in bewegter Zeit (Verlag Moderne Industrie 1967)
    Dr. Rudolf Kreuzer war Mitinhaber und Leiter von STAEDTLER und zog anlässlich seines 80. Geburtstags in diesem Buch eine Bilanz seines Lebens.
  • Lefebure, Molly: Cumberland Heritage (Victor Gollancz 1970)
    Ein Kapitel dieses Buches zur Geschichte dieser Region im Nordwesten Englands widmet sich dem Graphit, der zuerst in der Grube zu Borrowdale bei Keswick in Cumberland gefunden wurde.
  • Linscheid, Friedrich E.: Werkzeuge des Geistes (Carinthia 1994)
    Das Kapitel über den Bleistift ist zwar recht kurz, enthält aber interessante und nicht überall zu findende Details.
  • LYRA (Hg.): Meilensteine. 150 Jahre Lyra-Orlow (Daco-Verlag 1956)
    Inklusive einer Darstellung des kompletten (?) damaligen Sortiments mit vielen Schwarzweiß- und Farbbildern.
  • N.N.: Dr. Rudolf Kreutzer – 75 Jahre Leben und Lernen, 57 Jahre Werken und Wirken (Die Leistung, Heft 95, Jahrgang 12; Daco-Verlag 1962)
    Dr. Rudolf Kreuzer, ab 1905 Mitarbeiter von J.S. STAEDTLER und ab 1911 Teilhaber, wurde am 29. Mai 1962 75 Jahre alt; ihm war diese Ausgabe der Zeitschrift „Die Leistung” gewidmet. Neben seiner Geschichte und der des Unternehmens vermittelt das Heft Einblicke in Entwicklung, Fertigung sowie Vertrieb und stellt ausgewählte Produkte der damaligen Zeit vor.
  • Petroski, Henry: Der Bleistift (Birkhäuser 1995)
    Der Klassiker.
  • Piedmont-Pallatino, Susan C. (Hg.): Tools of the Imagination (Princeton Architectural Press 2007)
    Zeichengeräte und -tätigkeit der Architekten aus über 250 Jahren. – Der Essay “The Lead Pencil: Lever of the Architect’s Imagination” von Paul Emmons in diesem Buch befasst sich ausschließlich mit dem Bleistift.
  • Rudolf Renk: Technisch Zeichnen (Faber-Castell/Nathan International 1984)
    Dieses kleine Büchlein zeigt ausschließlich und detalliert Produkte von Faber-Castell.
  • Scott-Scott, Michael: Drawing Instruments (Shire Publications 1986)
    Mehr eine Broschüre als ein Buch, aber trotzdem anschaffens- und lesenswert. – Der Autor ist Sammler.
  • Schwan Bleistift-Fabrik: Chronik der Schwan-Bleistift-Fabrik Schwanhäußer & Co. in Nürnberg und ihrer Tochterwerke in Wien und Weißenburg von ihrer Gründung 1855 an (Eigenverlag 1962)
  • Schwan-STABILO (Hg.): 125 Jahre Schwan-STABILO. Der Weg eines mittelständischen Familienunternehmens (Intensiv-Werbung GmbH 1980)
    Luxuriöse, 32-seitige, reich bebilderte und durchgehend farbige Broschüre mit vielen Ausklappseiten und viersprachigem Text: eingelegt ist eine 24-seitige, illustrierte Firmenchronik in deutscher Sprache und mit geprägtem Titel.
  • Schwanhäußer Industrie Holding (Hg.): Millions of Colours – One World. 150 Years of Schwan-STABILO. Eine Unternehmensgeschichte im Zeichen des Schwans (2005)
    Ein hervorragendes Firmenportrait, dessen Inhalt und Aufmachung von höchster Qualität ist. – Der Titel erschien außer in Deutsch noch in Englisch und Französisch.
  • Schwanhäußer, Dr. Eduard: Die Nürnberger Bleistiftindustrie und ihre Arbeiter in Vergangenheit und Gegenwart (Schrag-Verlag 1895)
    Doktorarbeit des älteren der beiden Söhne des Firmengründers Gustav Adam Schwanhäußer; er und sein Bruder August übernahmen 1908 die Leitung des Unternehmens.
  • J.S. Staedtler (Hg.): 275 Jahre Staedtler-Stifte 1662–1937 (J.S. Staedtler 1937)
    Das erste der beiden Kapitel dieses Buches, „Bleistifte schreiben Weltgeschichte”, behandelt die Geschichte der Schreib- und Zeichengeräte und stammt von Franz Maria Feldhaus; das zweite, verfasst von Wigo Weigand, beschreibt die Entstehung der Bleistifts bei Staedtler. Eine Übersicht der Produktvielfalt und Anwendungsbereiche sowie ein Quellenverzeichnis und ein Register runden das Buch ab. – Mit vielen, zum Teil ungewöhnlichen Abbildungen.
  • Sobtzyk, Gerd; Stöcker, Uwe; Georgi, Heike (Illustrationen): Die Geschichte von Bleistift, Radiergummi und Spitzer (ALWIS-Verlag, 2007)
    Ein Kinderbuch mit sehr schönen Illustrationen, in dem ein Bleistift zusammen mit einem Radiergummi und einem Spitzer die Hauptrolle spielt.
  • J.S. Staedtler MARS-Bleistiftfabrik (Hg.): Der Staedtler-Stift. Seine vielseitige Verwendung, Geschichte und Herstellung (Verlag J.S. Staedtler Nürnberg, 1928)
    50-seitiges Büchlein mit vielen Farb- und Schwarzweiß-Zeichnungen sowie -Fotos.
  • STAEDTLER: Produktkunde Holzgefasste Stifte, Mechanische Stifte, Radierer & Spitzer
    Sehr gute, reich bebilderte Broschüren, die über Geschichte, Materialien, Herstellung und Verwendung informieren.
  • Stationery Magazine Vol. 1 bis 5 (2005-2009)
    Ein jährlich von Herstellern und Händlern in Japan herausgegebenes, prächtiges Magazin. Fast durchgehend in Japanisch, doch die Anschaffung lohnt allein schon wegen der Fotos.
  • Whalley, Joyce Irene: Writing Implements and Accessories. From the Roman Stylus to the Typewriter (David & Charles 1975)
  • 筆箱採集帳 ブング・ジャム (2009)
    Dieser sehr schöne Titel von Kidate Taku, Takabatake Masayuki und Tako Kabeuji zeigt 59 Mäppchen nebst deren Inhalt und ist aufgrund der Fotos auch für die der japanischen Sprache Unkundigen eine lohnende Anschaffung. – Eine englische Besprechung mit ein paar Kostproben gibt es unter „A Collection of Pencil Cases” bei Dave’s Mechanical Pencils.

Stand: 27.1.10

Im Dienst der Ordnung

Dienstag, den 27. Oktober 2009

Reklamemarke der Leitz-Ordner-Fabrik

Als der 1848 geborene Handwerker Louis L. Leitz 1871 in Stuttgart-Feuerbach eine kleine Werkstatt gründete und dort mit nur zwei Mitarbeitern die Fertigung von Metallteilen für Ordnungsmittel aufnahm, ahnte er noch nicht, welche Revolution er ein Vierteljahrhundert später auslösen sollte, denn seine Suche nach einer Alternative zur damals üblichen starren Ablage von Schriftstücken führte im Jahr 1896 zur Erfindung des – patentamtlich korrekt formuliert – „Briefordners mit Hebelmechanismus”. Dieser nach wie vor äußerst populäre „Leitz-Ordner” mit den beiden Bügeln und der Klemmspange mit Drücker erlaubte erstmals die flexible Ablage von Papieren, die nun buchähnlich aufbewahrt, sauber umgelegt sowie an beliebiger Stelle eingelegt und entnommen werden konnten. Ab 1901 trug der Rücken der zunächst nur in schwarz-grau angebotenen Ordnungshilfe den Namen seines Schöpfers in der klassischen und inzwischen verschwundenen „Pinselschrift”, und 1911 erfuhr das praktische Büro-Utensil seine wohl größte Änderung: Ein metallgefasstes Griffloch machte fortan die komfortable Entnahme des Leitz-Ordners aus dem Regal möglich. Eine weitere Verbesserung wurde dem Inbild der Ablage durch eine Idee Erich Krauts zuteil, der, seiner Erblindung im Ersten Weltkrieg zum Trotz, die Ordnerfabrik ELBA in Wuppertal aufbaute. Er brachte in den Deckel des Ordners zwei ebenfalls mit Metall eingefasste Löcher ein, durch die die Bügel herausragen konnten und ihn somit kompakter und standfester machten. – Die gezeigte, 60 × 45 mm² große Reklamemarke stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit vor Einführung des Grifflochs.

Die Kunst des Ingenieurs

Samstag, den 10. Oktober 2009

Zurück in eine Zeit, in der sich Kunst und Technik vielleicht etwas näher waren als heute, führt das exzellente Buch „The Art of the Engineer” von Ken Baynes und Francis Pugh, erschienen 1981 bei Lutterworth Press.

Die Kunst des Ingenieurs

„The Art of the Engineer” mit älterem STAEDTLER Mars Lumograph und Mitutoyo-Messschieber

Entstanden nach einer vom Arts Council of Wales organisierten Ausstellung in den Jahren 1978 und 1979 präsentiert dieser 240 Seiten umfassende und 23 × 34 cm² große Band zahlreiche, Skizzen, Zeichnungen und Studien, aber auch kolorierte Lithografien und vieles mehr aus der Zeit vom Ende des 16. bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Die hervorragende Kombination aus sorgfältig recherchiertem, detailliertem Text und einer Fülle an Bildmaterial zeigt in äußerst beeindruckender Weise die enge Beziehung zwischen der Zeichen- und der Ingenieurskunst, wie sie sich von der ausgehenden Renaissance über die industrielle Revolution bis in die 1950er Jahre hinein entwickelt hat.

Die Kunst des Ingenieurs

Zeichnung aus einer Wartungsanleitung für einen Flugzeugmotor (1929)

Ausführlich kommentierte Zeichnungen von Schiffen, Eisenbahnen, Autos und Flugzeugen aus Europa und den USA, die zu einem großen Teil bisher nur sehr wenigen zugängig waren, veranschaulichen die wachsenden Fähigkeiten der Ingenieure und Zeichner sowie die zunehmenden Anforderungen, die an sie gestellt wurden. Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Entwicklung fällt dabei besonders auf: Gab es vorher selbst bei komplexeren Maschinen nur vergleichsweise wenige Zeichnungen, die zudem teilweise erst nach dem Zusammenbau erstellt wurden, so sorgten in der industriellen Revolution die Spezialisierung, die Arbeitsteilung und die sich damit ändernde Kommunikation für eine starke Zunahme sowohl der Anzahl der Zeichnungen als auch der dargestellten Details. Darüber hinaus macht das prächtige Buch die außerordentlich hohe künstlerische Qualität und die eigene Ästhetik dieses nicht nur für die Technik so wichtigen Mediums deutlich.

Die Kunst des Ingenieurs

Kolorierte Lithografie des Dampfschiffs „Great Eastern” (1860)

Die sehr große Vielfalt des Anschauungsmaterials umfasst auch Fotos von Zeichenbüros, Fabrikhallen und Werften, Portraits von Ingenieuren, Konstrukteuren und Zeichnern sowie Teile aus alten Lehrbüchern und anderen Fachpublikationen. – Das Buch „The Art of the Engineer” halte ich für uneingeschränkt empfehlenswert und angesichts der überragenden Qualität und Informationsfülle mit 46,25 £ (knapp 50 Euro) obendrein für vergleichsweise günstig.

Danke an Lutterworth Press für die Genehmigung zur Reproduktion der Ausschnitte! – Der Verlag ist übrigens auch auf der Frankfurter Buchmesse 2009 vertreten und dort an Stand K975 in Halle 8.0 zu finden.

Verwandte Bücher zum Thema:

  • Peter Jeffrey Booker: A History of Engineering Drawing (Chatto & Windus 1963)
  • Denis Diderot: A Diderot Pictorial Encyclopedia of Trades and Industry Vol. 1 & 2 (Dover Publications 1993)
  • Franz Maria Feldhaus: Geschichte des Technischen Zeichnens (Stalling Verlag 1953)
  • Wolfgang Lefèvre (Hg.): Picturing Machines 1400–1700 (MIT Press 2004)
  • Agostino Ramelli: Various and Ingenious Machines of Agostino Ramelli (Dover Publications 1994)

NB: Bei dem im ersten Bild dieses Beitrags gezeigten STAEDTLER Mars Lumograph handelt es sich um eine ältere, geringfügig dickere Variante ohne Strichcode und mit Beschriftung in Versalien.

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