Archiv der Kategorie „Kultur”

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Toller Tiegel

Mittwoch, 27. Juli 2011

Was könnte sich besser zur dekorativen Aufbewahrung von Bleistiften eignen als ein Behäl­ter, der nicht nur eine frühe wichtige Verwendung des Graphits zeigt, sondern auch fast zur Hälfte aus dem schwarzen Gold besteht?

Toller Tiegel

Diesen 82 mm hohen Tiegel des letzten deutschen Herstellers für Schmelztiegel aus Gra­phittonkeramik, der Aug. Gundlach KG im hessischen Großalmerode1, habe ich im Museum der Graphit Kropfmühl AG erstanden.

Toller Tiegel

Der „Mars-Tiegel” setzt sich zusammen aus 46% Graphit, jeweils 14% SiC/Si und Al2O3 und 26% SiO2. Er eignet sich für Betriebstemperaturen bis 1450 °C2 und ist daher auf meinem Schreibtisch unterfordert.

Die Belege für den Gebrauch von Graphit als Beimischung für Ton reichen zurück bis 3000 v. Chr.; auch die Kelten (ca. 500 v. Chr.) nutzten ihn für die Fertigung besonders feuer­fester Tonwaren. Mit dem Beginn unserer Zeitrechung enden die Funde von Graphitton­keramik3.

Toller Tiegel

Schmelztiegel aus Graphittonkeramik (Keramikmuseum im Schloß Obernzell bei Passau)

Erste urkundliche Hinweise auf Schmelztiegel aus einem Graphit-Ton-Gemisch datieren auf etwa 1500. Als Ursprungsort gilt das heutige Obernzell im Bayerischen Wald4. – Die Bei­mengung von Graphit macht die Keramik widerstandsfähig gegen hohe Temperaturen und starke Temperaturschwankungen, wie sie in der Metallverarbeitung üblich sind, sowie ge­genüber aggressiven Chemikalien. Darüber hinaus dichtet der Graphit den Behälter ab, so dass auf eine Glasur verzichtet werden kann, und glättet die Wandung, wodurch das voll­ständige Ausgießen des Inhalts ermöglicht wird. Auch für Kochgeschirr und Öfen wurde der Graphitton genutzt. – Die Graphittiegel kamen zum Teil ungebrannt in den Handel und hielten nur begrenzte Zeit, weil bei jedem Schmelzvorgang ein Teil des Graphits ver­brannte und der Tiegel dünnwandig wurde.

Toller Tiegel

Geschirr aus Graphittonkeramik (Keramikmuseum im Schloß Obernzell bei Passau)

Toller Tiegel

Öfen aus Graphittonkeramik (Keramikmuseum im Schloß Obernzell bei Passau)

Die Produktion dieses sog. Schwarzgeschirrs in Obernzell endete mit der Schließung der Firma Oswald & Co. im Jahre 19405.

  1. Archäologische Funde aus dem 12. Jahrhundert belegen das Aufkommen von Keramik-Schmelztiegeln in dieser Umgebung. – Viele dieser sog. hessischen Tiegel sind durch eine dreieckige Öffnung gekennzeichnet.
  2. Zum Vergleich ein paar Schmelzpunkte: Silber 960 °C, Gold 1063 °C, Eisen 1525 °C.
  3. Helm, Winfried; Ortmeier, Martin (Hg.): »Millionenbauern« Bäuerlicher Graphitbergbau im Bayerischen Wald (Freilichtmuseum Finsterau, 2. Aufl. 2011)
  4. Martinón-Torres, M; Rehren, Th.: Post Medieval Crucible Production and Distribution: A Study of Materials and Materialities, Archaeometry 51, 1 (2009) 49–74 (PDF)
  5. Handbuch und Führer zum Keramikmuseum im Schloß Obernzell (München, 2. Aufl. 1984)

Altes Holz

Montag, 25. Juli 2011

Fassaden im Museumsdorf Bayerischer Wald bei Tittlingen.

Altes Holz

Altes Holz

Altes Holz

Altes Holz

Altes Holz

Altes Holz

Altes Holz

Altes Holz

Kleine Hand

Samstag, 9. Juli 2011

Christian Morgenstern sagte einmal:

Du lebst so lange nur, als du entdeckst.

Ginge es danach, so würde ich gründlich und lange leben, selbst wenn die Dinge, die ich entdecke, manchmal nicht nur einige hundert Jahre alt, sondern auch vielen schon be­kannt sind. Startpunkt der Entdeckungsreise war diesmal „CopyPasteCharacter” bei Orange Crate Art (Thank you, Michael!).

Kleine Hand

Motiv des Stempels „DingsBums” von Kreuzer (1975)

Ich hätte nicht gedacht, dass die Hand mit Manschette und ausgestrecktem Zeigefinger bereits im 12. Jahrhundert aufkam, in etlichen Varianten von Schreibern, Druckern und Le­sern in Manuskripten und Büchern zur Kennzeichnung benutzt wurde und heute in sechs Uni­code-Zeichen weiterlebt.

Kleine Hand

Unicode-Zeichen „Weißer Zeigefinger nach rechts”
(U+261E; hier das Exemplar aus dem Font Zapf Dingbats)

Kleine Hand

Dreidimensionale Ausführung als Aufstecker für den
Drehbleistift Kreuzer Blift (ca. 1974)

Die Ästhetik der zeigenden Hand hat mich immer angesprochen, was soweit ging, dass ich eine Variante aus einem Handbuch der 1970er Jahre als Stempel umgesetzt habe (natür­lich hat der als Bleistift ausgeführte Finger eine wichtige Rolle gespielt).

Kleine Hand

Stempel nach einem Symbol aus der Anleitung zum Taschenrechner TI-59

Ganz anders, nämlich wissenschaftlich hat sich William H. Sherman in „Toward a History of the Manicule” (PDF) mit diesem Zeichen befasst. Darin zitiert er Heather Wolfe, eine Kura­torin der Folger Shakespeare Library, die dem Ding einen Namen gab: „manicule”, von „manicula”, dem lateinischen Wort für „kleine Hand”.

Kleine Hand

22 × 17 Pixel: Mein Windows-Mauszeiger über einem Link

Die englische Bezeichnung hat es bis jetzt nicht in die großen Wörterbücher geschafft, und ich bin sicher, dass ich vor einem deutschen Begriff1 noch einige geschichtliche Details zu der kleinen Hand finde.

  1. Ich schicke „Manikel” ins Rennen.

A

Donnerstag, 7. Juli 2011

78 Varianten des Buchstabens „A” aus Beiträgen von 2007 bis heute (der Klick auf ein Bild führt zum Beitrag).

LYRA 2801 Sanfter Riese Graphit und Gravitation Alligator Die Kunst des Ingenieurs LYRA COLORSTRIPE
Markiges Marketing (2) The „Dragon” Pencil EX-EXB Indien – Frankfurt Saubere Senioren Frischer Freitag
LYRA Cleopatra Namen mit Schall und Rauch Büro-Besonderheiten LM-KMS Mars 1962 Rostige Reste
STABILO pencil 88 Markiges Marketing (6) Hallo-it Markiges Marketing (8) Ein Dutzend STAEDTLER Mars Lumograph B Sammel-Laster
Rüssel und Radierer (2) LYRA 664 Markiges Marketing (9) Mitsubishi uni Arterase Color Bleistift des Tages Delta
Ein kleines Kamel Danke! STAEDTLER LUNA 349 Licht und Farbe (1) Elephanten Neues vom Mars
Zeitzeuge Punktlandung Markiges Marketing (12) Graphitperipherie Madonna revised Kunstvolle Kommunikation
Markiges Marketing (14) Graphitperipherie Markiges Marketing (17) Wundersame Welt der Waren (14) Markiges Marketing (15) Spitzenspiel
Markiges Marketing (16) Eberhard Faber Landkartenstift (2) Pentel 1968 „Fortschritt in Ihrer Hand” Yasutomo & Co. 1967 Stück für Stück
Markiges Marketing (11) Extrablatt Feuer und Flamme Auf- statt untergehen Quartett Römisch Linkskursiv
(Beein-)Druckend Filou Lob d. Abk. Ausgetütet Zukunft gestern Johann Faber 1911
Der neue Mars Artena Nr. 64 Ausgepact Stoffstift Verpackungskunst Mikado und Maschine
A. W. Faber 1915 Zufallsfund SCALA № 1012 Alte Schachtel Kleine Welt Made in Great Britain

(Nein, das ist nicht der Auftakt eines kompletten Alphabets.)

Kunst und Technik

Samstag, 2. Juli 2011

Kunst und Technik

Fassadengestaltung der 1950er Jahre in Rüsselsheim (für eine Gesamtansicht anklicken)

Zufallsfund

Dienstag, 28. Juni 2011

„Sie suchten nichts Besonderes, doch sie fanden einiges”, hieß es 1557 in „Die Reise der drei Prinzen von Serendip”. Zweihundert Jahre später führte diese Geschichte zum eng­lischen Wort „serendipity” und dieses dann zum deutschen „Serendipität”, dem Begriff für den zufälligen Fund von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem.

Zufallsfund

Ebenfalls auf der Suche und überraschter als die drei Prinzen zusammen war ich, als mir auf Seite 297 des Buches „Christian Morgensterns Leben und Werk” von Michael Bauer1 der Spitzname auffiel, den mir ein guter Freund, der zonebattler aus Fürth, vor Jahren gege­ben hat.

Zufallsfund

Ich mag sowohl den zonebattler als auch den Morgenstern und ihrer beider Neologismen und finde es klasse, dass beide auf die gleiche Wortschöpfung kamen! Welchen Gedanken jedoch Morgenstern dabei hatte, wird wohl für immer verborgen bleiben, ebenso der hin­ter „Der bleistiftwachsende Westentasche” – eine sonderbare Formulierung, die den Blei­stift vorwegnehmend in die Nähe des Lexikalikers rückt. Sachen gibt’s …

  1. Verlag R. Piper & Co., 2. Auflage 1937

DingsBums

Donnerstag, 23. Juni 2011

Kaum zu glauben: Da findet man nach 36 Jahren einen Stempel wieder, den man als Junge bekommen hat1. Doch es gibt noch mehr Bemerkenswertes.

DingsBums

Kreuzer „DingsBums” (1. Serie, 1975)

1975 begann die Kreuzer Produktion & Vertrieb GmbH2 mit der Herstellung von Stempeln3, bei denen sich die Farbe im Stempelkörper befand. Die erste Zielgruppe waren Kinder, zu denen auch ich damals gehörte, und noch im selben Jahr war ich stolzer Besitzer des gezeigten Geräts, das unter dem treffenden Namen „DingsBums” angeboten wurde. Die Motive dienten der Verschönerung von allem, was nicht schnell genug in Sicherheit war, und so habe ich oft und gern Gebrauch von diesem Stempel gemacht (jedoch nicht im­mer zur uneingeschränkten Freude meiner Mitmenschen).

DingsBums

Im darauffolgenden Jahr brachte Kreuzer die zweite Serie dieses Utensils auf den Markt; hier eine Anzeige für den Verkaufskarton4:

DingsBums

Der Knüller ist, dass dieser Stempel auch nach über dreieinhalb Jahrzehnten noch funktio­niert – die Farbe ist nicht ausgetrocknet, der Gummi hat nur geringe Spuren und die Rück­stellfeder ist in Ordnung.

Nachtrag vom 29.6.11: Die Stempel hießen nur während der ersten Jahre „DingsBums”, danach „Bilderstempel”, was für den Export besser war (dieser Artikel ging auch nach Eng­land). Die Rückstellfeder diente der leichteren Handhabung, denn damit konnte der Stem­pel erst positioniert und dann der Abdruck gemacht werden. Bei der zweiten Mini-Version des Stempels hat man aus Kostengründen auf die Feder verzichtet. – Wie der US-amerika­nische Vorgänger hatte die erste Variante eine 2–3 mm dicke Stempelmasse, auf der das etwa 1 mm hohe Motiv saß. Diese Stempelmasse wurde mit Farbe getränkt und in das Ge­häuse eingeklebt (dieses Prinzip nutzen auch viele aktuelle Stempel). Für die zweite Vari­ante kam eine Mischung aus Kunststoff und Farbe zum Einsatz, die in Formen gegossen und polymerisiert wurde. Diese sog. Mikroverkapselung käme angesichts der heute für die Sicherheit von Spielzeug geltenden Voschriften (wie z. B. die EN 71) bei Kinderstempeln nicht mehr in Frage, wird aber noch bei Stempeln für Erwachsene und nachfüllbaren Stem­pelkissen genutzt. – Vielen Dank an Herrn Oborski für diese Details!

  1. Es ist beruhigend, dass die wichtigsten Dinge nicht verloren gehen.
  2. Bekannt durch den „Blift” und als OEM für Geha.
  3. 1983 erweiterte man das Sortiment um Adress- und Bürostempel.
  4. Mir gefällt der Slogan „Mehr Technik als Preis”.

Ausgepact

Mittwoch, 15. Juni 2011

Ausgepact

Was beim Entrümpeln so alles auftaucht! Und dabei hatte ich nie eine Atari-Konsole …