Archiv der Kategorie „Kurioses”

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Stück für Stück

Donnerstag, den 11. März 2010

Der Wunsch, möglichst komfortabel zu einer frischen Bleistiftspitze zu kommen, hat bereits zahlreiche findige Köpfe beschäftigt und zu so manch ungewöhnlichem Ergebnis geführt.

Der „Perpetual Pencil” im Katalog von Frothingham & Workman Ltd. (1907)

Aus dem Jahr 1907 und dem „General Hardware”-Katalog des damals in Montreal, Kanada, ansässigen Anbieters Frothingham & Workman Ltd. stammt diese Abbildung des „Perpetual Pencil”, hergestellt von der American Lead Pencil Company. Anstelle einer kompletten Mine enthielt dieser mechanische Stift elf gespitzte Abschnitte; war einer abgeschrieben, so genügte ein Druck, um ihn auszuwerfen und einen neuen in Position zu bringen.

Anzeige für den „Perpetual Pencil” der Americal Pead Pencil Company (1904)

Die „American Lead Pencil Company”, gegründet 1861 von Edward Weissenborn, brachte 1905 ihre Marke „Venus” auf den Markt, die 1956 zur Umbenennung des Unternehmens in die „Venus Pen and Pencil Corporation” führte. 1967 folgte eine weitere Namensänderung zu „Venus-Esterbrook” und 1973 die Übernahme durch Faber-Castell (Quelle: „Der Bleistift” von Henry Petroski).

Für eine Weiterentwicklung des Stifts, der nur aus Spitzen besteht, sorgte im Jahr 1967 das Unternehmen Bensia aus Taiwan mit dem „non-sharpening pencil”. Bei den hierzulande als „Zieh & Steck-Stifte” bezeichneten und im englischsprachigen Raum als „Push-a-Point” sowie „Pop-a-Point” bekannten Schreib- und Malgeräten sitzen die gespitzten Minenstücke auf Hülsen aus Kunststoff. Ist ein Element stumpf, zieht man es vorne heraus und steckt es hinten in den Stift hinein, wodurch ein neues herausgeschoben wird. – Sobald mir ein solcher Stift zwischen die Finger kommt, reiche ich ein Foto nach.

Der Yoropen

Der vor etwa zehn Jahren patentierte Yoropen kombiniert die Steckspitzen mit einem – so der Anspruch der Erfinders Baho-Shen Liu – ergonomisch vorteilhaften Halter, wobei die schützende Kappe des hier gezeigten Modells aus der „Brillant-Serie” einen kleinen Radierer beherbergt und der Schaft als Reservoir für zehn Spitzen dient.

Der Yoropen (Detail)

Pro Spitze stehen knapp 7 mm einer 1 mm dicken HB-Mine zur Verfügung; neben dieser gibt es auch Ersatz im Härtegrad 2B. – Das ungewöhnliche Schreibgerät, von dem noch zahlreiche andere Varianten erhältlich sind, wird in Deutschland durch Ecobra vertrieben.

Vielen Dank an den zonebattler für den Yoropen!

Rätselhafte Leere

Dienstag, den 26. Januar 2010

Manche merkwürdigen Dinge verbergen sich ausgerechnet dort, wo man sie am wenigsten vermutet. So hat mir das praktische, im Betriebssystem „Windows” für den komfortablen Zugriff auf die über die Tastatur nicht ohne weiteres erreichbaren Symbole integrierte und „Zeichentabelle” benannte Hilfsmittel kürzlich ein „Dauerleerzeichen” präsentiert und mich mit diesem äußerst nachdenklich gestimmt.

Windows-Zeichentabelle mit Dauerleerzeichen

Als ein an Typografie sehr Interessierter bin ich mit dem klassischen Leerzeichen recht gut vertraut und schätze seine Vorzüge, trägt es doch – besonders wenn in ausreichender Zahl und fachkundig verteilt – nicht unerheblich zur Lesbarkeit des umgebenden Textes bei. Auch sind mir die Gefahren dieses besonderen Zeichens, das ja strenggenommen keines ist, sondern elegant die Abwesenheit eines solchen verkörpert, durchaus bewusst. So sorgt sein Umfeld gelegentlich dafür, dass es sich in der Breite an dieses anpasst, um seinen Teil zum harmonischen Ganzen beizutragen, und manchmal drängeln sich sogar zwei an dem für ein einzelnes vorgesehenen Platz, was nur durch sehr sorgfältige Kontrolle, per Zufall oder gar nicht (!) entdeckt wird.

Habe ich bei den meisten der in der Zeichentabelle vorrätigen Charaktere überhaupt keine Berührungsängste und würde sie daher bedenkenlos in mein Werk übernehmen (falls es zielführend wäre), so hatte ich nicht den Mut, bei dem mir völlig fremden Dauerleerzeichen beherzt zuzugreifen.

Nimmt es etwa die ihm einmal zugewiesene Position auf Dauer ein und zerteilt später ein an dieselbe Stelle rückendes Wort unaufgefordert, skrupellos und sinnentstellend? Wenn ja, wie bekomme ich es wieder weg? Verbreitet es womöglich dauerhafte Leere? Bei den Texten, für die ich verantwortlich zeichne, könnte ich mir dies nun wirklich nicht erlauben, erst recht dann nicht, wenn dieser kritische Vorgang schleichend und zunächst unbemerkt stattfände. Oder verweilt es nur für eine ganz bestimmte Dauer am Ort, um anschließend, noch nicht mal eine Leerstelle hinterlassend, spurlos zu verschwinden? Dies würde das beträchtliche Risiko bergen, dass zwei bis dahin getrennte Worte plötzlich verschmelzen und mir das Dauerleerzeichen einen unerwünschten Neologismus hinterlässt, was mir selbst bei frei wählbarer Dauer des Verbleibs nicht genehm wäre (allerdings konnte ich bis jetzt nichts einer Zeitsteuerung ähnliches finden). Und: Käme es irgendwann wieder zurück?

Ab und zu probiere ich ja schon gerne etwas Neues, und es hat mir im Finger über der linken Maustaste gejuckt, das Dauerleerzeichen auszuwählen, es unverzagt in meine Arbeit einzubauen und seine Eignung für diese gründlich zu prüfen. In diesem Fall aber habe ich das Wagnis einfach nicht kalkulieren können, so dass ich – wenn auch schweren Herzens – weiterhin mit dem Standard-Leerzeichen vorlieb nehmen und damit wohl vorerst auf die Enträtselung des Dauerleerzeichens verzichten muss.

Wundersame Welt der Waren (14)

Donnerstag, den 17. Dezember 2009

Der geheimnisvollen Verwandlung des Glas-Kaffeeautomaten Krups ProAroma F 309 4C (schwarz) in einen Hygieneartikel der besonderen Art wohnte kürzlich mein aufmerksamer Kollege H. in einer Filiale der auf lärmende Reklame spezialisierten Elektrohandelskette bei.

Hygieneartikel Kaffeemaschine

Diese bemerkenswerte Metamorphose geschah binnen eines sehr kurzen Augenblicks und erhob das profane Haushaltsgerät kraft eines großen roten Stempels zu einem nicht mehr umtauschbaren Utensil für die persönliche Pflege. Der Lauf der Dinge verblüfft mich doch immer wieder aufs Neue!

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Wundersame Welt der Waren (13)

Samstag, den 12. Dezember 2009

Nachdem ich mich lange vergeblich gefragt habe, warum es so viele freudlose Figuren gibt, hat mich nun der Besuch eines Kaufhauses in Mainz überraschend aufgeklärt: Der moderne Mensch lacht nicht mehr selbst, sondern lässt lachen, wobei ihm der Einzelhandel hilfreich und obendrein sensorgestützt unter die Mundwinkel Arme greift.

Lachende Figuren

Das hier durch ein Schild repräsentierte Angebot* beschränkte sich zwar auf die in dieser Jahreszeit bevorzugten Gestalten, doch ich bin mir sicher, dass mit dem Frühjahrssortiment zahlreiche weitere in die Regale kommen, um die Kundschaft von der schweren Last dieser strapaziösen Gefühlsäußerung zu befreien. – Ob das Outsourcing dieser ganz besonderen Art mit der immer populärer werdenden Übellaunigkeit (die sich so manche nicht im Laden erhältliche Figur offenbar zur Kernkompetenz gemacht hat) ursächlich zusammenhängt, konnte ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen. Ebenso unklar ist mir, weshalb sich das orangebemützte Mädchen auf dem Bild Mund und Nase abdeckt. Hat es womöglich aus Versehen persönlich gelacht, anstatt die Hilfe der Figuren in Anspruch zu nehmen?

* Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich die feilgehaltenen Spaßmacher aus ästhetischen Gründen nicht detailliert zeige; zudem hoffe ich, dass der mir bis dato unbekannte „Weihnachtshund” nur lacht und auf das Singen verzichtet.

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Mahlzeit!

Dienstag, den 15. September 2009

Mahlzeit!

Ein kreatives und attraktives Gedeck serviert der für ungewöhnliche Produkte bekannte japanische Hersteller Eyeball allen Graphit-Connaisseuren.

Mahlzeit!

Angerichtet als Essstäbchen in einer für dieses ostasiatische Besteck typischen Papierhülle kommt die doppelte Portion Bleistift auf den Tisch. Die beiden vierflächigen und nicht behandelten Werkzeuge haben die für Stifte üblichen Maße und sind an ihrem Ende mit einem kleinen Klebepunkt verbunden, der jedoch stärker klebt als nötig. Angesichts des geringen Preises von 105 Yen (knapp 0,80 Euro) ist es sicher leicht zu verdauen, dass die Qualität der etwas rauen Mine nicht ganz an die des gut spitzbaren Holzes herankommt.

Mahlzeit!

Die Tauglichkeit dieser Schreibstäbchen als Essgerät konnte ich ihn Ermangelung der dafür notwendigen Fingerfertigkeiten leider nicht prüfen; auch fehlen mir die Kenntnisse zum Entziffern der Zeichen auf Holz und Papier.

Wundersame Welt der Waren (12)

Freitag, den 4. September 2009

Brutto bei Netto

Warum wird mir bei Netto eigentlich der Brutto-Betrag abgeknöpft?

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Saubere Senioren

Sonntag, den 24. Mai 2009

Saubere Senioren

Als Senior in spe, der großen Wert auf eine gepflegte Erscheinung legt, habe ich mich über dieses sehr attaktive und obendrein äußerst günstige Angebot in Grana, knapp 40 km südwestlich von Leipzig, ganz besonders gefreut.

Saubere Senioren

Leider war ich an einem Donnerstag vor Ort und musste daher meine Reise ungewaschen fortsetzen.

Wem die Stunde schlägt

Dienstag, den 17. März 2009

Bemerkenswerte Kombination in Mainz-Kastel

Bemerkenswerte Kombination in Mainz-Kastel

Hochrad

Sonntag, den 1. März 2009

Unkonventionell abgestelltes Fahrrad in Mainz

Kurz und knusprig

Freitag, den 27. Februar 2009

Rüsselsheim, die Heimat des zur Zeit arg gebeutelten Automobilherstellers Opel, hält noch weit mehr bereit als zuverlässige Technik und freundliche Supermärkte. Manches davon hingegen offenbart sich erst bei näherem Blick.

Dieser potthässliche unscheinbare Parkscheinautomat in der Stadtmitte zum Beispiel bietet eine kleine Sensation, und zwar die „Brötchentaste”. Doch was um alles in der Welt ist eine „Brötchentaste”?

Hier wird (wohl unbeabsichtigt) suggeriert, Brötchen- und gelbe seien zwei unterschiedliche Tasten.

Ein Schild klärt auf: Beim Druck erst auf diese und anschließend die „Anforderungstaste” (deren Bezeichnung zweifellos einen eigenen Beitrag wert wäre) spendiert der Automat hungrigen und anderen Kurzparkern einen kostenlosen, 30 Minuten lang gültigen und mit „Gratis” gekennzeichneten Parkschein. Allerdings gibt es weit um diese Maschine herum keinen Bäcker, und wer daraus schließt, sie würde auf Knopfdruck zudem ein Brötchen auftischen, liegt leider völlig falsch.

Der Kohlenhydrateknopf scheint sich großer Beliebtheit zu erfreuen und ist wohl daher bereits ziemlich angeknabbert.

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