Archiv der Kategorie „Technik”

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Spaßmacher

Donnerstag, 8. Juni 2017

Im Jahr 1929 erteilte das Österreichische Patentamt der Firma J.S. Staedtler in Nürnberg ein Patent auf ein „Verfahren zum Mustern von Schreibstiften und verwandten Geräten”1.

Spaßmacher

Bei diesem Verfahren wird der Stift (3) in ein schraubenförmig gewundenes Blechband (1) gesteckt.

Spaßmacher

Mehrere mit dieser Schablone umhüllte Stifte liegen nebeneinander auf einer Vorrichtung und werden quer zur Stiftachse bewegt. Dabei rollen die Ringe (2) an den Stiftenden auf einer Laufbahn (5) ab und drehen die Stifte, die mit Farbe besprüht werden.

Um ein Muster mit gegenläufigen, sich kreuzenden Bändern zu erzielen, wird der Stift erst in einer rechtsgängigen und anschließend in einer linksgängigen Schablone eingefärbt. Dies hat STAEDTLER beim BAJAZZO 6203 gemacht.

Spaßmacher

Der Bajazzo ist der Spaßmacher im italienischen Theater, und so stellen grün, weiß und rot die passende Farbkombination dar.

Spaßmacher

Durch die beiden unterschiedlichen Sprühfarben, der Mischfarbe an den Kreuzungstellen und der Hintergrundfarbe entstand ein vierfarbiges Muster. Ein pfiffiges Verfahren und eine gelungene Gestaltung, wie ich finde!

  1. Es gab auch ein Patent für die Schweiz, aber eines für Deutschland konnte ich nicht finden.

Kurz notiert

Dienstag, 30. Mai 2017
  • Bei Kobo-Q gibt es bemerkenswerte Arbeiten aus Leder zu sehen, darunter einen Spitzenschoner mit integriertem Spitzer und einen Verlängerer, der sich die rechteckige Zwinge des Blackwing 602 auf pfiffige Weise zu Nutze macht. – Danke an Frank für den Hinweis!
  • Vor kurzem wurde ein Patent der Eisen GmbH veröffentlicht. Es beschreibt Stifte, deren Schaft vollständig oder teilweise aus einem wachsartigen Material besteht, und Spitzervarianten für diesen. Durch das weiche Schaftmaterial soll der zum Spitzen nöti­ge Aufwand verringert werden, denn es erfordert weder ein sehr hartes Messer noch eine besonders stabile Spitzvorrichtung. Während das Messer eines herkömmlichen Spitzers mindestens die Härte 60 HRC1 hat, ist für den Stift mit wachsartiger Ummante­lung nur eine Härte von maximal 40 HRC notwendig, so dass ungehärtete Stähle, aber auch Kunststoffe zum Einsatz kommen können und der Spitzer dann sogar einstückig ausgeführt werden kann2. Das Ummantelungsmaterial, dessen Härte unter 60 Shore D3 liegt, kann die Mine zudem vor dem Ausdiffundieren flüchtiger Bestandteile schützen, was vor allem bei Kosmetikstiften interessant ist.
  1. Zum Vergleich: Das Messer eines Spitzers von Möbius+Ruppert hat 65 HRC, die Klinge eines Schweizer Taschenmessers 55 HRC und hochwertige japanische Küchenmesser bringen es auf 65–67 HRC.
  2. In der Patenschrift wird auch auf Schneidkantenbreiten und -radien von Spitzermessern ein­gegangen.
  3. Zum Vergleich: LDPE hat 40–50 Shore D.

STAEDTLER Galileo

Mittwoch, 24. Mai 2017

Vor knapp 20 Jahren im Sortiment von STAEDTLER Deutschland war der Zirkel „Galileo”1.

STAEDTLER Galileo

Zum Größenvergleich ein STAEDTLER Mars Lumograph 100 im damaligen Design2

Der von Christian Leibeck, Helmut Hufnagl und Peter Weiß erdachte „Zirkel mit Einstell­mitteln” (so die Patentschrift) stellte in zweifacher Hinsicht eine Verbesserung gegenüber anderen Zirkeln dar.

STAEDTLER Galileo

Aus der Patentschrift

Beim Gebrauch eines herkömmlichen Zirkels ist es nötig, ständig den Schwerpunkt zu ver­lagern, um den Kontakt sowohl der Zirkelspitze als auch der Mine zum Beschreibmaterial sicherzustellen. Der „Galileo” indes bietet aufgrund seiner Konstruktion eine verbesserte Schwerpunktlage vor allem beim Zeichnen mittelgroßer Kreise. Ein weiterer Vorteil besteht in der einfachen und schnellen Verstellbarkeit der Zirkelschenkel ohne spezielle Ausstattung oder Hilfsmittel, da durch die Anordnung des Einstellmittels beim „Galileo” das Hebelgesetz ausgenutzt wird und so ein kurzer Einstellweg entlang der Einstellachse einen großen Ver­stellweg der Zirkelspitzen bewirkt. – Am Lehrstuhl für Ergonomie der Universität München bescheinigte man dem „Galileo” eine im Vergleich zu anderen Zirkeln bessere Handhabung bei den in der Schule üblichen Radien.

Das Design des Zirkels stammt von Christian Leibeck, der u. a. die triplus-Reihe, die aufstell­bare STAEDTLER-Box, „The Pencil”, Spitzer und einiges mehr für STAEDTLER gestaltet hat. Der „Geo-Lernzirkel” (so das Etikett) hatte die Artikelnummer 558 40-xx3 und wurde in einer Klappbox mit transparentem Deckel und einem Röhrchen Ersatzminen angeboten.

Leider war dem „Galileo” kein langer Erfolg vergönnt. Durch den in der Schule eher sport­lichen Umgang mit dem Zirkel kam es vor, dass die Schenkel ruckartig geöffnet wurden. Weil man keine Schnellverstellung vorgesehen hatte, fiel dabei das Spindellager he­raus, was zu zahlreichen Reklamationen und schließlich zum Ende des „Galileo” führte. – Das Pa­tent ist inzwischen erloschen.

Danke an Wowter für den „Galileo” und Helmut Hufnagl für viele Details!

  1. Die Wort-Bildmarke „Galileo” wurde 1997 eingetragen und 2006 gelöscht.
  2. Diese Form des Mars-Kopfes hatte man von 1973 bis 2001, und 2003 stellte man von Groß­buchstaben auf die noch heute übliche Gemischtschreibung um.
  3. xx war der Farbcode.

Kurz notiert

Sonntag, 23. April 2017

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Dienstag, 29. November 2016

Die Broschüre „Die Entstehung des Bleistiftes” von Eberhard Faber, Neumarkt bei Nürn­berg, stellt „Wissenswertes über die Herstellung von Blei-, Kopier- und Farbstiften” in Wort und Bild dar. Ich finde sie nicht nur wegen der Titelseite sehr ansprechend.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

(zum Vergrößern anklicken)

Der zwölfseitige Druck im Format DIN A4 enthält Details, die man als Endkunde auch heute nicht so einfach erfährt; dies und einige Formulierungen sprechen dafür, dass sich Eberhard Faber damit an Händler richtete. Im Mittelpunkt stehen Stifte und Radierer der Marke VAN DYKE, die erstmals 1931 eingetragen wurde1. Angesichts der Gestaltung vermute ich, dass die Broschüre aus den 1940er Jahren stammt.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Bereits die Einleitung ist reizvoll:

Wer sieht es wohl einem Bleistift an, daß zu seiner Herstellung Hunderte von Arbeitsgänge auf sinnreich konstruierten Maschinen und eine unendliche Erfah­rung notwendig sind? Welch große Bedeutung kommt doch diesem unschein­baren Schreibgerät auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu! Für viele Menschen ist der Bleistift unentbehrlicher Freund und ständiger Begleiter.

Auf die Bestandteile geht man gleich zu Beginn ein. So heißt es, dass der in der Bleistiftin­dustrie verwendete Ton aus Unterfranken kommt; ich gehe davon aus, dass man sich hier auf das Tonwerk der Stadt Klingenberg bezieht.

Beim Graphit wird zwischen dem günstigen, amorphem aus Österreich, Korea und Mexiko und dem höherwertigen, kristallinen aus Bayern („in der Nähe von Passau”), Ceylon und Madagaskar unterschieden. – Mit dem bayerischen Graphit ist zweifellos der von Kropfmühl in Hauzenberg gemeint.

Auch beim Holz ist man recht ausführlich. Neben der Florida- oder Rot-Zeder2 und der kali­formischen Zeder führt man Erle, Linde und Föhre auf. (Linde und Nadelhölzer – vor allem die Kolorado-Tanne und die Weymouth-Kiefer – nutzt man immer noch, die Erle wegen ih­rer Härte indes nicht mehr.)

Als „Politur”3 wird Zelluloselack genannt, doch von diesem ist man aufgrund gesundheit­licher Risiken bei der Verarbeitung und schwieriger Entsorgung schon vor einiger Zeit abge­kommen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Bemerkenswert sind die Materialien, mit denen die Stifte „gestempelt” wurden: Damals waren es Echtgold-, Goldbronze- und Aluminiumbronzefolien.

Bei der Bearbeitung des Graphits ist von „chemisch zerkleinert” und „chemisch verfeinert” die Rede; was es damit auf sich hat, verrät die Broschüre jedoch nicht.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Auch auf Bestandteile und die Herstellung von Kopier-, Farbkopier- und Farbminen wird eingegangen. Alle enthalten u. a. das pflanzliche Verdickungsmittel Traganth, das heute haupt­sächlich für Lebensmittel verwendet wird.

In der Auflistung der Spezialstifte fielen mir mattschreibende Kopierstifte auf, die bei künst­lichem Licht die Augen schonen sollen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Gegen Ende finden sich Handreichungen zum Verkauf:

Es genügt nicht, dem Kunden kurzerhand einen Stift zu reichen. Zeigen Sie ihm vielmehr alle Muster der auf Lager befindlichen Sorten auf einer hübschen Samt­karte aufgemacht!

Und:

Auch der kleine unscheinbare Bleistift muß mit Lust und Liebe verkauft wer­den, denn jeder Kunde freut sich, wenn er auch bei einem kleinen Einkauf vom Ver­käufer aufmerksam bedient wird.

Natürlich darf der Radierer nicht unerwähnt bleiben, und so erfährt der Leser, dass man „den weltbekannten VAN-DYKE-Radiergummi von Grund auf in eigener Fabrik erzeugt” und dass „Eberhard Faber als erster Bleistifte kombiniert mit Radiergummi herstellte”4.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Eine Übersicht der Härtegrade und der „Werdegang des Bleistifts” schließen die Broschüre ab.

Für mich ein schönes Stück Bleistiftgeschichte!

  1. So ganz klar sind mir die Einträge des DPMA nicht, denn es gibt sowohl „Van Dyke” (mit Anfüh­rungszeichen und in Gemischtschreibung, eingetragen am 9.3.26) als auch VAN DYKE (ohne Anführungszeichen und in Versalien, eingetragen 5.11.1940).
  2. Die Erwähnung der Rot-Zeder überrascht mich, denn ich dachte bisher, dass diese bereits vor etwa 100 Jahren durch die kalifornische Zeder (Weihrauch-Zeder) abgelöst wurde.
  3. Der Begriff „Politur” geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spitzenbleistifte einen Schellack­überzug mit Schwermetall-Farben erhielten und von Hand poliert wurden.
  4. Das in diesem Zusammenhang oft genannte Patent von Hyman Lipman aus dem Jahr 1858 beschrieb einen Bleistift, der auf etwa einem Drittel der Länge statt der Graphitmine einen Ra­dierkern enthielt. Dieses Patent wurde später jedoch für ungültig erklärt mit der Begründung, dass Bleistift und Radierer bereits vorher existiert hätten und durch die Kombination von bei­dem nichts Neues entstanden sei. Am 11.8.1891 erhielt Eberhard Faber das Patent auf die Befestigung eines Radierers an einen Bleistift mithilfe einer Zwinge.

Wundersame Welt der Waren (34)

Sonntag, 30. Oktober 2016

Als Bedienungsanleitungsgernleser finde ich immer wieder Bemerkenswertes, so auch kürz­lich in den Sicherheitshinweisen zu einem Gerät, das noch nicht genannt sein soll.

Verbote

(zum Vergrößern anklicken)

Neben der Empfehlung, während des Gebrauchs nicht einzuschlafen, gefällt mir die Formu­lierung „abweichende Situationen”, die vermutlich durch eine abweichende Situation bei der Übersetzung entstand.

Wer rät, zu welchem Gerät diese Hinweise gehören?

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Herstellung eines Bleistiftspitzers

Samstag, 26. März 2016

Bereits 2014 war das Team von „How It's Made” bei Möbius+Ruppert in Erlangen und hat die Fertigung eines Bleistiftspitzers1 dokumentiert.

Herstellung eines Bleistiftspitzers

Den gut dreiminütigen Film gibt es hier zu sehen.

  1. Genauer: Eines 200.

Achsen-Lineal Nr. 798

Freitag, 22. Januar 2016

Achsen-Lineal Nr. 798

(zum Vergrößern anklicken)

Achsen-Lineal Nr. 798

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