Archiv der Kategorie „Technik”

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Reise in den Stift

Montag, 19. Dezember 2011

Die Mine eines Bleistifts kennt jeder, doch wie sieht es in ihrem Inneren aus? Diese Aufnah­men des Rasterelektronenmikroskops LEO 1530 VP lassen uns in eine verborgene Welt schauen.

Reise in den Stift

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Hier die Mine eines STAEDTLER Mars Lumograph 100 HB in unterschiedlichen Vergröße­rungen.

Reise in den Stift

Die mäandernde Struktur der Graphit-Ton-Matrix ergibt sich durch den Formgebungspro­zess.

Reise in den Stift

Das letzte Bild zeigt eine einzelne Graphitflocke und die schichtenförmige Anordnung der he­xagonalen Graphitplättchen.

Reise in den Stift

Vielen Dank an STAEDTLER und das Zentrum für Werkstoffanalytik Lauf für die Aufnahmen und die Genehmigung zur Veröffentlichung!

Anm.: STAEDTLER möge mir nachsehen, dass ich mich mit „Reise in den Stift” bei dem Titel des her­vorragenden und schon oft gezeigten Exponats bedient habe.

Bewährt

Dienstag, 18. Oktober 2011

Nur selten erfährt der normale Bleischreiber etwas von der Qualitätskontrolle, doch im April 1954 bot die Eagle Pencil Company mit dieser ganzseitigen Anzeige in der „Progressive Architecture” einen Einblick.

Bewährt

Die Kontrolle begann mit der „Eagle Shading Machine”, die den Bleistift unter reproduzier­baren Bedingungen über das Papier führte. Auf letzteres schaute dann ein Reflektometer, das die Schwärzung bestimmte.

Bewährt

Bewährt

Der Testaufwand, der den 17 Härtegraden des Eagle Turquoise zuteil wurde, war offenbar erheblich, vorausgesetzt, man nutzte die Maschinen nicht nur für werbewirksame Auftritte.

Bewährt

Mich würde interessieren, welche anderen Geräte und Verfahren es damals gab und wie man heute prüft.

Bewährt

Unnötig zu sagen, dass ich die Gestaltung der Anzeige einfach klasse finde.

Bewährt

Nachtrag vom 18.10.11: Welche Gerätschaften die Eagle Pencil Company noch präsen­tierte, zeigt diese mit „100 Years of Basic Research” überschriebene Seite aus dem Katalog des Jahres 1956, für deren Scan ich Herbert R. sehr danke. – Bilder zum Vergrößern an­klicken.

„100 Years of Basic Research”

„100 Years of Basic Research”

„100 Years of Basic Research”

„100 Years of Basic Research”

„100 Years of Basic Research”

„100 Years of Basic Research”

„100 Years of Basic Research”

Ein wenig bizarr mutet dieses Instrumentarium schon an, und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man es tatsächlich zielführend eingesetzt hat.

Faber-Castell Thermochrom

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Faber-Castell Thermochrom

Sieht aus wie ein Etui mit Wachsmalkreiden für kleine Hände, ist aber Spezialwerkzeug: Der Temperaturmessstift Thermochrom 2815 von Faber-Castell kam immer dann zum Einsatz, wenn man wissen wollte, wie heiß eine Oberfläche ist.

Faber-Castell Thermochrom

Dazu strich man mit dem Stift auf das Material und wartete kurz auf den Farbumschlag. Glich dieser dem Etikett, war die aufgedruckte Temperatur erreicht.

Faber-Castell Thermochrom

Die sechs 80 mm langen, 8 mm dicken und wachsigen Stifte mit Papierung deckten den Bereich von 75 bis 200 °C ab; weitere Varianten gab es für Temperaturen bis 670 °C.

Faber-Castell Thermochrom

Ich vermute, dass dieses Etui aus den frühen 1960er Jahren stammt.

Faber-Castell Thermochrom

Danke, Herr Opel!

Donnerstag, 18. August 2011

Werter Herr Opel,

als passioniertem Bedienungsanleitungsgernleser war es mir heute früh ein außerordent­liches Vergnügen, mich der Dokumentation Ihres „Infotainment System OPEL CD 70 NAVI / OPEL DVD 90 NAVI” (deutsch/englisch, 01/2005, Art.-Nr. 09 952 841) eingehend wid­men zu dürfen. Das beschriebene Gerät und mein Interesse am bestimmungsgemäßen Ge­brauch desselben rückten jedoch plötzlich in den Hintergrund, als ich auf Seite 13 mit dem mir bis dato unbekannten Begriff der „Verweilseite” bekannt gemacht wurde.

Danke, Herr Opel!

Ich danke Ihnen recht herzlich für die Bereicherung meines Wortschatzes um diesen wun­derschönen Terminus, der ab sofort fester Bestandteil meines mündlichen und schriftlichen Wortguts sowohl im privaten als auch beruflichen Alltag sein wird.

Hochachtungsvoll,

Ihr Lexikaliker

Batougol

Dienstag, 16. August 2011

Der Batougol1 im Sajangebirge nahe Irkutsk in Südsibirien dürfte jedem Bleistiftinteressier­ten ein Begriff sein, barg dieser Berg doch Graphit, der in seiner Qualität dem Cumberland-Graphit entsprach. Nach einem Zufallsfund des Kaufmanns Jean-Pierre Alibert begann 1847 der Abbau; 1856 sicherte sich A.W. Faber die Exklusivrechte an diesem schwarzen Gold. So erwähnen nicht nur viele Bücher über den Bleistift diese legendäre Grube, sondern auch die Fach­literatur zum Graphit wie z. B. der Titel von Ing. Anfred Haenig. Letzterer ist inzwi­schen gemeinfrei, und so freue ich mich, hier Scans zeigen und zum Download anbie­ten zu können. Beginnen möchte ich mit vier Abbildungen, deren Ästhetik mich anspricht.

Batougol

Berg Batougol und die Straßen vom Meierhof zum Graphitbergwerk

Batougol

Das Graphitbergwerk im Sajanischen Gebirge (Ostsibirien2)

Batougol

Grubeneingang im Graphitbergwerk

Batougol

Hauptschacht des Graphitbergwerkes3

Eine Zip-Datei mit den Abbildungen in 600 dpi gibt es hier (ca. 60 MB). – Die obigen vier sowie zwei weitere Bilder finden sich auch in „La Mine de Graphite Sibérie découverte en 1847 par M. J.-P. Alibert: Comptes-rendus des Académies des Sociétés Savantes et des Journaux” (Imprimerie Poitevin 1865) bei Google Books. Als Quelle ist dort „Impr. de C. Dunzinger, Nuremberg” angegeben.

  1. Auch „Batugol”.
  2. Hier irrt Haenig.
  3. Die Ähnlichkeit zu diesem Bild ist natürlich verblüffend.

Der Graphit

Samstag, 6. August 2011

Immer auf der Suche nach technik- und kulturgeschichtlichen Aspekten des Bleistifts hatte ich kürzlich das Glück, meine kleine Quellensammlung um gleich drei historische Fachbücher über den Graphit erweitern zu können:

  • Donath, Eduard: Der Graphit. Eine chemisch-technische Monographie (Franz Deuticke 1904)
  • Haenig, Alfred: Der Graphit. Eine technische Monographie (A. Hartleben’s Verlag 1910)
  • Ryschkewitsch, Dr. Eugen: Graphit. Charakteristik, Erzeugung, Verarbeitung und Verwendung (S. Hirzel 1926)

Alle drei behandeln auch den Bleistift, doch das für mich interessanteste ist das zweite, aus dem hier der Haupttitel und einige bemer­kenswerte Details wiedergegeben seien.

Der Graphit

So schreibt Haenig zur Alibert-Mine, dass man erst 300 Tonnen mittelmäßigen Graphits ab­bauen musste, bis man an das Lager des „besten und reinsten Graphits” stieß; acht Jahre unermüdliche Arbeit und ein Kapital von einer Million Francs seien dazu nötig gewesen. – Als einzige mir bekannte Quelle nennt Dr. Eugen Ryschkewitsch in „Graphit” den Kosaken­offizier Tscherepanoff als Entdecker und Verkäufer dieser Mine.

Haenig:

Zwar finden wir in den Kirchenbüchern des Dorfes Stein (unweit Nürnberg) bereits im Jahre 1726 bei Gelegenheit der Verehelichungsanzeigen auch „Bleistiftmacher”, etwas später auch „Bleiweißschneider” und „Bleiweiß­schneiderinnen” verzeichnet, doch kam diese damalige Verfertigung von Bleistiften nicht über den Rahmen eines Handwerksbetriebs hinaus und konnte schon deshalb gar nicht daran denken, der englischen Fabrikation erfolgreich Konkurrenz zu machen. Erst als dann die bayerische Regierung auf diesen Industriezweig aufmerksam wurde und, um ihn zu fördern, im Jahre 1766 bereits dem Grafen von Kronsfeld die landesherrliche Bewilligung zur Errichtung einer Bleistiftfabrik verlieh, schien ein wirklicher Anfang für fabriksmäßige Herstellung gemacht zu sein. Indessen blieb doch diese Fabrikation, da es an Material, an Erfahrung und Absatz gebrach, zu unbedeutend, so daß die Bleistiftmacherei in der 1777 erschienenen Technologie von Beckmann zur oberflächlich Erwähnung findet. Die Regierung in Bayern sah sich daher sehr bald wieder veranlaßt, hier fördernd einzugreifen und errichtet im Jahre 1816 eine königliche Bleistiftfabrik in Obernzell (Hafnerzell), in der nunmehr nach dem damals neuen französischen Verfahren gearbeitet wurde, in dem man Ton als Bindemittel des Graphits verwendete.
Sobald diese Fabrik aber in Gang war, suchte die Regierung sie, wie von vornherein auch beabsichtigt, in Privathände übergehen zu lassen. Dieses Etablissement existiert auch heute noch und gehört einem Regensburger Fabrikanten.

Von Graphit Kropfmühl konnte ich kürzlich erfahren, dass lediglich 5% des Graphits in Blei­stiften landet. Haenig nennt die gleiche Größenordnung:

Wie gering aber dieser Materialverbrauch trotz der heutigen Massenfabrikation von Bleistiften sich tatsächlich stellt, geht daraus hervor, daß noch nicht 4% der gesamten Graphitproduktion für die Bleistiftfabrikation verbraucht werden.

Auch zum Holz hat Haenig ein weniger bekanntes Detail:

Inzwischen hat aber die Firma A.W. Faber Versuche angestellt, diesen virgini­schen Wacholder auch in Deutschland anzubauen und ist es ihr auch geglückt, aus Samen, die sie direkt aus Florida, von woher bekanntlich alles Zedernholz bisher für die Bleistiftfabrikation bezogen wurde, kommen ließ, auf ihrem Mustergut 5000 Pflanzen zu ziehen und auszupflanzen.

Bei dieser Gelegenheit sei Erhard Sattman aus seinem Buch „Vom Faustkeil zum Bleistift” (1953) zitiert:

Interessant ist auch der Versuch, der in der Mitte der Siebziger Jahre von Lothar von Faber vorgenommen wurde, die Juniperus virginiana L. als Waldbaum in Deutschland heimisch zu machen. Zwischen Stein und Nürnberg wurde ein ca. 6 ha großer Acker angepflanzt. Die Pflanzen, die aus amerikanischem Samen gezogen wurden, überstanden sogar die außergewöhnlich strengen Winter 1879/1880 und 1880/81 überraschend gut, trotzdem in der Umgebung an anderen Bäumen und Pflanzen großer Schaden angerichtet wurde. Nachdem dieser Zedernwald, der übrigens der einzige seiner Art nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt war – da der Baum selbst in seiner Heimat nur vereinzelt auftritt –, fast 70 Jahre allen Witterungseinflüssen standgehalten und sich gut entwickelt hatte, fiel er im Jahre 1946 der Brennstoffknappheit zum Opfer. Die in der Umgebung ansässige Bevölkerung hatte den Wald bis auf ein Drittel seines ursprünglichen Bestandes abgeholzt. Der Rest wurde eingeschla­gen und fand für die Bleistiftherstellung Verwendung. Es zeigte sich aber, daß dieses Holz infolge seines langsamen Wuchses zu dicht und dadurch viel zu fest war und dem fremdländischen Zedernholz an Qualität nicht gleich kam.

Es gibt immer noch etwas zu entdecken!

Nachtrag vom 8.8.11: Mehr Details zum und Bilder vom Zedernwald gibt es in „Schwan­berg and the Pencil Cedar” im Weblog „Bleistift”.

Toller Tiegel

Mittwoch, 27. Juli 2011

Was könnte sich besser zur dekorativen Aufbewahrung von Bleistiften eignen als ein Behäl­ter, der nicht nur eine frühe wichtige Verwendung des Graphits zeigt, sondern auch fast zur Hälfte aus dem schwarzen Gold besteht?

Toller Tiegel

Diesen 82 mm hohen Tiegel des letzten deutschen Herstellers für Schmelztiegel aus Gra­phittonkeramik, der Aug. Gundlach KG im hessischen Großalmerode1, habe ich im Museum der Graphit Kropfmühl AG erstanden.

Toller Tiegel

Der „Mars-Tiegel” setzt sich zusammen aus 46% Graphit, jeweils 14% SiC/Si und Al2O3 und 26% SiO2. Er eignet sich für Betriebstemperaturen bis 1450 °C2 und ist daher auf meinem Schreibtisch unterfordert.

Die Belege für den Gebrauch von Graphit als Beimischung für Ton reichen zurück bis 3000 v. Chr.; auch die Kelten (ca. 500 v. Chr.) nutzten ihn für die Fertigung besonders feuer­fester Tonwaren. Mit dem Beginn unserer Zeitrechung enden die Funde von Graphitton­keramik3.

Toller Tiegel

Schmelztiegel aus Graphittonkeramik (Keramikmuseum im Schloß Obernzell bei Passau)

Erste urkundliche Hinweise auf Schmelztiegel aus einem Graphit-Ton-Gemisch datieren auf etwa 1500. Als Ursprungsort gilt das heutige Obernzell im Bayerischen Wald4. – Die Bei­mengung von Graphit macht die Keramik widerstandsfähig gegen hohe Temperaturen und starke Temperaturschwankungen, wie sie in der Metallverarbeitung üblich sind, sowie ge­genüber aggressiven Chemikalien. Darüber hinaus dichtet der Graphit den Behälter ab, so dass auf eine Glasur verzichtet werden kann, und glättet die Wandung, wodurch das voll­ständige Ausgießen des Inhalts ermöglicht wird. Auch für Kochgeschirr und Öfen wurde der Graphitton genutzt. – Die Graphittiegel kamen zum Teil ungebrannt in den Handel und hielten nur begrenzte Zeit, weil bei jedem Schmelzvorgang ein Teil des Graphits ver­brannte und der Tiegel dünnwandig wurde.

Toller Tiegel

Geschirr aus Graphittonkeramik (Keramikmuseum im Schloß Obernzell bei Passau)

Toller Tiegel

Öfen aus Graphittonkeramik (Keramikmuseum im Schloß Obernzell bei Passau)

Die Produktion dieses sog. Schwarzgeschirrs in Obernzell endete mit der Schließung der Firma Oswald & Co. im Jahre 19405.

  1. Archäologische Funde aus dem 12. Jahrhundert belegen das Aufkommen von Keramik-Schmelztiegeln in dieser Umgebung. – Viele dieser sog. hessischen Tiegel sind durch eine dreieckige Öffnung gekennzeichnet.
  2. Zum Vergleich ein paar Schmelzpunkte: Silber 960 °C, Gold 1063 °C, Eisen 1525 °C.
  3. Helm, Winfried; Ortmeier, Martin (Hg.): »Millionenbauern« Bäuerlicher Graphitbergbau im Bayerischen Wald (Freilichtmuseum Finsterau, 2. Aufl. 2011)
  4. Martinón-Torres, M; Rehren, Th.: Post Medieval Crucible Production and Distribution: A Study of Materials and Materialities, Archaeometry 51, 1 (2009) 49–74 (PDF)
  5. Handbuch und Führer zum Keramikmuseum im Schloß Obernzell (München, 2. Aufl. 1984)

Kunst und Technik

Samstag, 2. Juli 2011

Kunst und Technik

Fassadengestaltung der 1950er Jahre in Rüsselsheim (für eine Gesamtansicht anklicken)

Mikado und Maschine

Samstag, 25. Juni 2011

Einen Blick hinter die Kulissen bot die Eagle Pencil Company in „The Literary Digest” vom 11. April 1931.

Mikado und Maschine

Im Mittelpunkt der 58 × 275 mm² großen Anzeige stand ein von Eagle erfundenes Gerät, mit dem der beim Schreiben mit einem Bleistift benötigte Druck aufgezeichnet und jede Charge des beworbenen „Mikado” endgeprüft wurde.

Mikado und Maschine Mikado und Maschine

(Miniaturen anklicken, um die Ausschnitte vergrößert anzuzeigen)

Der „Mikado 174″, dessen gelben Lack und roten Ring man in der Schwarzweiß-Anzeige betonte, trug die Bezeichnung des göttlichen Kaisers von Japan, und der gepinselt wirken­de Namenszug unterstrich das fernöstliche Image, das man z. B. auch bei L. & C. Hardt­muth mit dem „Koh-I-Noor” pflegte. Nach dem Angriff der japanischen Streitkräfte auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 wollte man jedoch bei Eagle weg von dieser nun nicht mehr werbewirksamen Konnotation und benannte den Bleistift zu „Mirado” um. Die neue Marke wurde 1947 angemeldet und ist bis heute in Gebrauch.

Mikado und Maschine Mikado und Maschine
Mikado und Maschine Mikado und Maschine

Um Eagles Jubiläumsjahr herum gab es in der Welt der Bleistifte noch mindestens zwei wei­tere wichtige Ereignisse: 1929 erhielten die Stifte von Schwan die typischen Kantenstrei­fen und am 1. August 1930 kam der STAEDTLER Mars Lumograph 2886 auf den Markt.

Ausgepact

Mittwoch, 15. Juni 2011

Ausgepact

Was beim Entrümpeln so alles auftaucht! Und dabei hatte ich nie eine Atari-Konsole …

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