Archiv der Kategorie „Technik”

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Wundersame Welt der Waren (9)

Sonntag, 24. August 2008

Eigentlich wollte ich ja wieder mal etwas über meinen Fetisch Interessensschwerpunkt schreiben. Themen gäbe es genug: Einen Langkonus-Gehäusespitzer von Tombow, um spitzer weiterzuspitzen, einen Bleistiftverlängerer von STAEDTLER Japan, das Maß aller Verlängerer-Dinge, einige über 50 Jahre alte Schraub-Klemmstifte, ein paar neue Details zu den Landkartenstiften von Eberhard Faber, drei historische, mit Rasierklingen arbeitende Spitzer, die zwar nicht mehr funktionieren, dafür aber bemerkenswert aussehen, diverse japanische Druckbleistifte mit hier gänzlich unüblichen 0,4-mm-Minen und einiges mehr.

Doch was mache ich? Ich suche mir einen Platz, an dem ich mich unbeobachtet fühle, blättere in dem Prospektstapel, mit dem mir gestern den Briefkasten verstopft wurde, und komme aus dem Staunen über die zwei ungewöhnlichen Haustiere, denen eine große Supermarktkette Auslauf verschafft, fast nicht mehr heraus.

Fernbedienbares Insekt

Während mir fernbedienbare Fahr- und Flugzeuge nicht unbekannt sind, hatte ich bisher noch keinen näheren Kontakt mit einem ebenso zu steuernden Insekt und wollte daran eigentlich auch nichts ändern – bis jetzt: Bei der vielversprechenden Aussicht auf eine fernbedienbare Kakerlake werde ich schwach und kann mir nun sehr gut vorstellen, dieses Elektro-Ungeziefer einem gründlichen Praxistest zu unterziehen (erst recht angesichts der Tatsache, dass eine Küchenschabe eigentlich gar nicht fliegen kann).

Der singende Hund

Als Hundeliebhaber blicke ich gerne auf zahlreiche ungewöhnliche Erfahrungen mit den meist lustigen Vierbeinern zurück (auch wenn der lange zurückliegende Biss in die Wade eher unlustig war), und gegen Gesang habe ich im Allgemeinen nichts einzuwenden. Der Gedanke an eine Kombination hingegen – und erst recht der Blick auf die hier abgebildete – macht mich schon ein bisschen unsicher: Singt dieses Ungetüm etwa so falsch wie es schlimm aussieht? (Wenn ja, so wäre die Preisreduktion um gut 27 Prozent mehr als gerechtfertigt.) Warum heißt das übellaunig wirkende Ungeheuer nicht „Singender Hund”, sondern „Der singende Hund”? Sollte es gar mehrere Varianten geben und wir hier das Original, das noch dazu in verschiedenen Modellen angedroht wird erhältlich ist, vor uns haben? Und um welche Art Hundefell handelt es sich bei „Funktionsplüsch”? Im täglichen Einsatz stelle ich mir diesen von Anfang an stubenreinen Moppel jedoch recht praktisch vor – das Gassi-Gehen entfällt, statt Leckerlis gibt’s Batterien und beim Kommando „Gib Laut!” schmettert er los (über sein Repertoire möchte ich hier indes nicht spekulieren).

Wann kommen der fernbedienbare Funktionsplüsch und die singende Kakerlake?

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Wundersame Welt der Waren (7)

Freitag, 8. August 2008

Heute schauen wir auf eine kleine, nichtrepräsentative Auswahl jener Gerätschaften, die so manchen Lebensmitteln beiliegen und den sofortigen Verzehr auch ohne das vertraute Essbesteck ermöglichen. Dabei werden wir sehen, dass es jenseits der allgegenwärtigen Speiseeis-Spatel und Pommes-Pieker Bemerkenswertes zu entdecken gibt.

Hölzener Nordsee-Dreizack

Wir stechen in See mit der schlichten und funktionellen Gabel aus hellem Holz, die der für allerlei schmackhaftes Meeresgetier bekannte Anbieter Nordsee seinen Gästen zum mobilen Genuss der „Fish & Chips” andient (wenn ich dort vor Anker gehe, nehme ich gerne die große Portion mit Remouladensoße, aber das nur nebenbei). Das fast 2 mm dicke und daher ziemlich robuste Essgerät ist mit großzügigen 17 cm etwa so lang die interessant bedruckte Tüte der „Fish & Chips” tief, damit man auch den letzten der leckeren Happen zuverlässig herausangeln kann und erinnert sicher nicht zufällig an Neptuns Dreizack.

Göffel? Label? Gaböffel?

Im Kühlregal meines Lieblingsdiscounters Plus findet man eine Reihe appetitlicher und verzehrfertiger Salate, zu deren Lieferumfang diese ungewöhnliche Verschmelzung aus Gabel und Löffel gehört. (”Göffel”? „Label”? „Gaböffel”? Hier gäbe es bestimmt noch beträchtliches Marketing-Potential.) Leider sind weder die Zinken dieses 10 cm kurzen Apparates spitz genug noch seine Laffe ausreichend tief, um wirklich praktisch zu sein, und da sich dieses sehr dünne, aus transparentem Kunststoff gefertigte Gerät zudem beim Einsatz recht leicht verbiegt, erfüllt es den angestrebten Verwendungszweck leider nur bedingt.

Plus-Klappspaten

Gut versteckt im hohen, mit knusprigen Flocken gefüllten Deckel der gesunden Joghurt-Müsli-Kombination vom selben Discounter ist ein kleiner klappbarer Löffel aus orange­farbenem Kunststoff, der nicht nur über einen außerordentlichen Gebrauchswert verfügt, sondern auch dem aufmerksamen Betrachter pfiffige Konstruktionsdetails offenbart: Zwei ganz unterschiedlich gestaltete Rastungen arretieren die fast 11 cm lange Schaufel sowohl im ein- als auch im ausgeklappten Zustand, wobei letzterer zusätzlich durch einen kleinen Steg stabilisiert wird – beeindruckend, mit welcher Sorgfalt der Hersteller Polimoon (seit 2007 Promens) bei diesem Produkt, das eigentlich nichts kosten darf, zu Werke ging. – Bedauerlicherweise hat die Plus-Filiale in der Nähe meines Arbeitsplatzes kürzlich alle drei Varianten dieser attraktiven Zwischenmahlzeit ausgelistet und damit auch den raffinierten Löffel verschwinden lassen.

Im Zusammenhang nicht nur mit Klappbarem sei das überaus lesenswerte Buch „Col­lapsibles – Ein Album platzsparender Objekte” von Per Mollerup aus dem Verlag Stiebner lobend erwähnt und allen an derartigen Dingen Interessierten wärmstens empfohlen.

Zackige  Kiwi-Säge von Zespri

Wurde meine Generation noch mit einem einfachen Pausenbrot in die Penne geschickt, so verwöhnt man die Kids von heute bereits vor ìhrem ersten Schultag mit zum Teil fremd­artigen Dingen. Anlässlich der Einschulung in Hessen vor wenigen Tagen gab eine nahr­hafte namhafte Supermarkt-Kette gegen Gutschein Zuckertüten (hier wohl angebrachter: Obsttüten) aus, die unter anderem neuseeländische Kiwis enthielten. Passend zu dieser Vitamin-C-reichen Frucht aus dem fernen Land fand sich im bunten Pappkegel ein hell­grünes Instrument von einem fernen Planeten – so zumindest mutet dieses ausgefallene und äußerst stabile Esswerkzeug an, das zwar Assoziationen an eine sehr grobe Säge weckt, aber zweifellos alle anderen Hilfsmittel zum Verzehr der Kiwi entbehrlich macht. – Notabene: Den zackigen, aus Poylstyrol (Recycling-Code 06) gefertigten Kiwi-Löffel der internationalen Marketing-Organisation Zespri gibt (gab?) es hierzulande in mindestens zwei Varianten.

Mein Favorit? Natürlich der grandiose Klapplöffel.

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Druck und Kunst

Montag, 28. Juli 2008

Einer der Höhepunkte unseres kürzlichen Aufenthalts in Leipzig (siehe u. a. hier, da und dort) war der Besuch des Museums für Druckkunst in der Nonnenstraße im Stadtteil Plag­witz, direkt gegenüber den ehemaligen Buntgarnwerken.

Das 1995 gegründete und 2000 in eine Stiftung überführte Museum präsentiert Druck­maschinen und Handpressen, Holzbuchstaben und Bleilettern für den Handsatz, Schriftma­trizen, Gieß- und Setzmaschinen sowie Stahlstempel, Schriftschablonen und etliche Geräte für die Buchbinderei, wobei ein Großteil der Exponate nur noch dort existiert.

Bei dem hervorragend ausgestatteten Druckkunst-Museum handelt es sich weniger um ein typisches Museum, sondern vielmehr um eine Druckwerkstatt zum Anfassen und Erleben, und so können Interessierte die Maschinen und die Arbeit an ihnen in Kursen praktisch kennen lernen (wir hatten das Glück, die Zeilensetz- und -gießmaschine „Rossia 7 H” im Betrieb durch einen sehr fachkundigen und freundlichen Mitarbeiter bewundern zu können und eine Schriftzeile gegossen zu bekommen). Künstler haben die Möglichkeit, das Mu­seum für eigene Arbeiten zu nutzen, und auch zur Ausbildung und Berufsförderung kommt die Vielzahl der kostbaren Stücke zum Einsatz.

Die folgenden HDR-Bilder werden beim Anklicken vergrößert angezeigt (mehr dazu unter „Schon gewusst?”).

Museum für Druckkunst Leipzig

Links: Komplettgießmaschine, H. Berthold AG, Berlin, 1. Hälfte des 20. Jh.;
rechts: Komplettgießmaschine, Leningrader Werk für Polygraphische Maschinen, St. Petersburg, Russland, 1967

Museum für Druckkunst Leipzig

Satzregal

Museum für Druckkunst Leipzig

Druck- und Setzmaschinensaal

Museum für Druckkunst Leipzig

Rechts: Stoppzylinder-Druckmaschine, Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinengesellschaft Nürnberg AG, Werk Augsburg, 1906

Museum für Druckkunst Leipzig

Weniger ein Museum als vielmehr eine Druckwerkstatt

Museum für Druckkunst Leipzig

Zeilensetz- und -gießmaschine „Rossia 7 H”, Leningrader Werk für Polygraphische Maschinen,
St. Petersburg, Russland, 1967

Museum für Druckkunst Leipzig

„Linotype”-Großkegel-Setzmaschine, Modell 20 „Universa”, Berliner Maschinenbau AG, Berlin, 1969

Museum für Druckkunst Leipzig

Links: Zeilensetz- und -gießmaschine „Intertype Modell C”, Intertype Corp., Brooklyn,
New York, USA, um 1927

Museum für Druckkunst Leipzig

Lochband-Perforator „Lino-Quick-Perforator”, Linotype GmbH, Berlin und Frankfurt/Main, 1966

Zusätzlich zur ständigen gibt es wechselnde Ausstellungen sowie Vorträge und Symposien, und ein kleiner Laden bietet Bücher, Plakate, Postkarten, Bleilettern und einiges mehr an (darunter auch zahlreiche Titel des Verlages Hermann Schmidt in Mainz, den ich sehr schät­ze).

Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit großem Einsatz und hoher Fachkompetenz ein außergewöhnliches und sehr hinteressantes Museum ge­schaffen haben. Ich freue mich darauf, bei meinem nächsten Aufenthalt in Leipzig diese einzigartige Sammlung erneut bewundern zu können!

Museum für Druckkunst
Nonnenstraße 38
04229 Leipzig
Tel. 0341-23162-0
Website
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 10–17 Uhr
So. 11–17 Uhr

Wer nicht nach Leipzig kommt, aber Interesse an dieser Thematik und zudem Darm­stadt in erreichbarer Nähe hat, dem empfehle ich einen Besuch der ebenfalls sehr sehenswerten Außenstelle Schriftguss, Satz & Druckverfahren des Hessischen Landesmuseums Darmstadt.

Dienstagsding

Dienstag, 22. Juli 2008

Dienstagsding

Diesmal ist’s recht einfach: Welcher früher alltägliche und zuweilen auch heute noch genutzte Gebrauchsgegenstand ist hier im Detail zu sehen? (Zum genaueren Hingucken Bild anklicken.) Wer als erster einen Kommentar mit der richtigen Lösung und einer funktionierenden E-Mail-Adresse hinterlässt, bekommt zwei Lexikaliker-Bleistifte in noch zu bestimmenden Farben frei Haus. – In drei Tagen, also am Freitag um die gleiche Zeit, gibt es die Lösung.

Leipzig, Gasometer

Mittwoch, 9. Juli 2008

Leipzig, Gasometer

Leipzig, Gasometer

Das erste Leipziger Gaswerk, erbaut in nur einem Jahr und 1838 in Betrieb genommen. Der Begriff „Gasometer” bezeichnet strenggenommen nur das außen angebrachte Messgerät, welches den Füllstand und damit auch den Druck im Gasbehälter anzeigt.

Stielaugen

Dienstag, 8. Juli 2008

Überwachungskameras an der Autobahnraststätte Eichelborn-Süd

Sparautomat für Butterbrotpapier

Montag, 23. Juni 2008

Mit einem Automaten der nicht alltäglichen, nämlich der sparenden Art überraschte mich vor wenigen Tagen mein vielseitiger und ungewöhnlichen Dingen gegenüber sehr aufgeschlossener Kollege D. Während er den „Sparautomat für Butterbrotpapier” zur prak­tischen Aufbewahrung seiner Mal- und Zeichengeräte nutzt, offerierte ihn (den Spar­automaten, nicht den Kollegen) der Hersteller Melitta vor mehr als 30 Jahren für die sichere und kontrollierte Teilung jenes Papiers, das die schmackhaften Stärkungen für unterwegs schützt.

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier (geschlossen)

Butterbrotpapier, Folie und anderes gerolltes Verpackungsmaterial für den Haushalt kam zur damaligen Zeit meist ohne integrierte Abreißhilfe in den Handel, so dass der Ver­braucher entweder zur Schere greifen oder die benötigten Stücke z. B. an einer Tisch­kante abtrennen musste. Misslang letzteres – riss also das Material schräg ein oder trennte man gar zuviel ab –, ging etwas verloren. Hier setzte der Sparautomat an; wir wollen nun schauen, ob er hält, was sein Name verspricht.

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier (geöffnet)

Der rollenförmige, in den für den Hersteller auch heute noch typischen Farben Rot und Grün gehaltene Sparautomat besteht aus einem harten, splitteranfälligen Kunststoff mit einer Stärke von etwas über 2,5 Millimetern an den dicksten Stellen. Er ist 26 Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von knapp 7 Zentimetern und wiegt gut 100 Gramm; zwei Rastungen halten Ober- und Unterseite zusammen. Die heute üblichen und zuweilen inflationär eingesetzten Kennzeichnungen für Materialart, Entsorgung, Lebensmitteltaug­lichkeit usw. fehlen beim Sparautomaten völlig, und so ist die fast über die ganze Länge gehende Bezeichnung neben dem Namenszug des Herstellers die einzige Aufschrift des Automaten.

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier (Detail)

Bei der Suche nach dem für den Test notwendigen Butterbrotpapier war ich überrascht darüber, dass einige Hersteller dieses auch heute noch in einer lediglich mit einer Banderole verpacken Rolle anbieten – der Sparautomat hätte also nach wie vor seine Berechtigung.

Zum Test des Sparautomaten habe ich mich für das Butterbrotpapier aus der Reihe „Fresh-Line” (Art.-Nr. 14305) des hauptsächlich durch Einweg-Geschirr bekannten Her­stellers Pap*Star entschieden. Der Pergament-Ersatz mit einer Materialstärke von 40g/m2 misst 18 m × 25 cm, ist fettdicht und (für mich eigentlich unnötig) chlorfrei gebleicht. Die fast übereinstimmenden Maße von altem Sparautomat und neuer Rolle lassen auf einen Standard schließen.

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier mit Butterbrotpapier „Fresh-Line” von Pap*Star

Das Befüllen des Sparautomaten mit dem Butterbrotpapier ging erwartungsgemäß pro­blemlos, und gleich beim Schließen fiel mir ein weiteres Leistungsmerkmal sehr positiv auf: Drückt man beide Hälften des Sparautomaten zusammen, wird das Papier eingeklemmt, so dass es beim Abreißen nicht weiter herausrutscht.

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier mit eingelegter Butterbrotpapier-Rolle

Nun konnte es losgehen, doch gleich der erste Test missglückte, da ich das Papier zu behutsam abriss:

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier (missglückter Abriss)

Zum Greifen des Endes musste ich den Automaten leicht öffnen, was zwar etwas lästig, aber wohl nicht zu vermeiden ist, wird doch das Butterbrotpapier direkt an der Kante abgerissen und schaut dann nicht mehr heraus. Bei den nächsten Versuchen konnte der Sparautomat seine Stärken zeigen: Riss ich das Papier mit etwas Schwung und mehr in Richtung des Oberteils ab, lieferte er sauber getrennte Abschnitte jeder Größe.

Melitta Sparautomat für Butterbrotpapier (geglückter Abriss)

Ich bezweifle, dass sich die Ausgabe für den Sparautomaten (dessen damaligen Preis ich leider nicht kenne) allein im Hinblick auf den Verlust durch ungünstig abgerissenes Papier lohnte, zumal auch er nicht verhindern konnte, dass man aufgrund unzulänglichen Augen­maßes ein zu großes Stück abtrenn. Doch da er Handhabung und Aufbewahrung des Butterbrotpapiers erheblich vereinfachte, hätte ich die Anschaffung dieses pfiffigen Küchenhelfers uneingeschränkt empfohlen.

Ich danke meinem Kollegen D. für die freundliche Leihgabe des Sparautomaten.

Lexikalikers ludditische Launen (1)

Mittwoch, 18. Juni 2008

Lexikalikers ludditische Launen (1)