Archiv der Kategorie „Technik”

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Der Bleistift als Wandler

Mittwoch, 6. Januar 2010

Einen Bleistift im Dienste der Elektroakustik zeigt dieses Foto, das ich in dem Buch „275 Jahre Staedtler-Stifte 1662–1937″ finden konnte.

Kohlemikrofon mit Bleistift

In dieser vermutlich zu Demonstrationszwecken gebauten Variante des von David Edward Hughes im Jahr 1878 erdachten Kohlemikrofons leistete ein beidseitig angespitzter Bleistift den bei auftreffendem Schall sich ändernden Widerstand und sorgte damit nicht für die Wandlung von Gedanken in Schrift, sondern von Gesprochenem in Schwankungen der an ihn angelegten Gleichspannung.

Graphitperipherie

Freitag, 4. Dezember 2009

Aus unerfindlichen Gründen steht mir der Sinn zurzeit nach Paraphernalien, und so kommt hier ein gleichermaßen nützlicher wie dekorativer Gegenstand, der mich schon eine ganze Weile täglich sowohl informiert als auch erfreut.

Wand-Thermometer von STAEDTLER

Dieser Artikel, eine 208 × 8 mm² große Halterung mit einem 70 mm langen Thermometer für den Messbereich von –5 bis +40 °C und einer Öse zum Aufhängen, warb in den 1950er Jahren für STAEDTLER im Allgemeinen und die in blau gehaltenen Spitzenprodukte der Reihe MARS LUMOGRAPH, die mit dem holzgefassten Bleistift 2886 und dem Fallminenstift TECHNICO vertreten waren, im Besonderen.

Ein besserer Bleistift

Sonntag, 22. November 2009

Die interessante Geschichte der Schreibgeräte und ihres Gebrauchs aus dem Blickwinkel der digitalen Revolution präsentiert Dennis Baron in seinem Buch „A Better Pencil: Readers, Writers, and the Digital Revolution”, erschienen vor wenigen Wochen bei Oxford University Press.

Parallel zur technischen Entwicklung von den Anfängen der Schrift bis hin zur schriftlichen Kommunikation über das Internet beschreibt Baron auch die Ängste und Widerstände, die jede Neuerung begleitet haben, selbst wenn sie so klein waren wie z. B. der Radiergummi am Ende des Bleistifts. So warnte Plato 500 v. Chr. davor, dass die Verschriftlichung das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt, der als „Unabomber” bekannte Ted Kaczynski sorgte 18 Jahre lang für Terror gegen diejenigen, die er für die von ihm verhasste, technisierte Welt verantwortlich hielt, und der Neo-Luddit Kirkpatrick Sale zertrümmerte 1995 in bester Tradition vor großem Publikum einen Computer. Plato jedoch betrachtete die Schrift nur als Merkhilfe, nicht als Mittel der Verständigung, und Ted Kaczynski ließ sein Manifest durch eine große Zeitung verkünden und bediente sich somit dessen, was er bekämpfte.

Teilnehmer eines Kurses des Autors schrieben in Knetmasse und konnten so die Arbeit derjenigen nachempfinden, die 4000 Jahre zuvor ihre Zeichen in Lehm einbrachten; die dabei auftretenden Probleme sowie die (nicht nur hier angesprochene) Wechselwirkungen zwischen Werkzeug, Form und Inhalt legt Baron ebenso lebendig dar wie die wechselvolle und sehr holprige Entwicklung der computergestützten Textverarbeitung, bei der man erst recht spät an den Nutzer als Schreiber dachte.

Das Kapitel über den Bleistift hält u. a. bemerkenswerte Details über Henry David Thoreau parat, und ein anderes schaut auf unsere Mittel und Wege, erst handschriftlichem, dann gedrucktem und schließlich computergeneriertem Text zu vertrauen. – Die negative, gar apokalyptische Sicht auf E-Mail, Instant Messaging, Facebook und ähnlichem teilt der Autor nicht, ist sich aber der problematischen Aspekte dieser Techniken durchaus bewusst. Der Befürchtung, diese würden das Ende der Sprache, der Kommunikationskünste, der sozialen Beziehungen und damit letztendlich das der Zivilisation bedeuten, hält er Entwicklungen wie solche, die zu einer „Netiquette” führten, entgegen.

Der analytische und humorvolle Stil des sehr kundigen Autors, der immer wieder plausible Argumente gegen den romantisierenden, verklärenden Umgang mit alter Technik anführt, gefällt mir ausgemacht gut, auch wenn ich als zuweilen irrationaler Bleistift-Nutzer, Freund des Transzendenten und latenter Luddit seine Ansichten nicht durchgehend teile.

Das gebundene Buch enthält zahlreiche, z. T. ungewöhnliche Schwarzweiß-Abbildungen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein Register und kostet knapp 18 Euro.

Danke an Viola für den Hinweis auf „A Better Pencil”!

Innenansicht

Freitag, 20. November 2009

Nach einem kurzen virtuellen Abstecher zu einer Quelle des Graphits, ein paar Worten zu seiner Verarbeitung und den in einer Auswahl historischer Patente genannten Zusätzen zur Verbesserung bestimmter Eigenschaften der fertigen Bleistiftmine heute ein kleiner Blick in das Innere dieses faszinierenden Stoffes.

Gemahlener Naturgraphit unter dem Rasterelektronenmikroskop

Das mit dem Rasterelektronenmikroskop LEO 1525 aufgenommene Bild von gemahlenem Naturgraphit zeigt einen Bereich von etwa 22 × 16 µm², also 0,022 × 0,016 mm² (zum Vergleich: ein menschliches Haar ist ungefähr 0,1 mm dick). Deutlich sichtbar ist hier die Plättchenstruktur, die dem Graphit die hohe Gleitfähigkeit verleiht.

Vielen Dank an Faber-Castell für diese Aufnahme und die Genehmigung zur Reproduktion!

Mine und Mischung

Sonntag, 15. November 2009

Der zufällige Fund einer mehr als 60 Jahre alten Patentschrift über die Verringerung der Lichtdurchlässigkeit von Bleistiftminen zur Verbesserung ihrer Lichtpausfähigkeit hat mich neugierig gemacht und zu einer weiteren Suche motiviert.

Bereits während der Lektüre dieses Dokuments kam mir der Werbetext zum Bleistift LYRA ORLOW 6300, zitiert in der Jubiläumsschrift „Meilensteine. 150 Jahre Lyra-Orlow”, und der darin enthaltene Verweis auf das DRP (Deutsches Reichspatent) 746988 in den Sinn; zudem habe ich mich an einige Exemplare des orlow-techno 6300 HB mit dem Aufdruck „ELIOGRAPH”, die noch in meinem Fundus schlummern, erinnert.

Mine und Mischung

Das Deutsche Patent- und Markenamt in München bietet zahlreiche Möglichkeiten der kostenfreien Online-Recherche, so auch nach alten Patenten. Eine Abfrage des DEPATIS-Systems nach dem von LYRA genannten Patent liefert Details zu einem „Verfahren zur Herstellung von gebrannten Schreibkörpern, z. B. Bleistiftminen, Griffeln oder Kreiden, und bezweckt, die Farbkraft und Lichtabsorption dieser Schreibminen zu verbessern”, erdacht von einem Erfinder aus Nürnberg.

Dieser Text bezieht sich auf vorhandene Kenntnisse über die Imprägnierung der Minen mit Farbkörpern sowie mit Stoffen, die ultraviolettes Licht absorbieren, damit jedoch nur die Ergebnisse bestimmter Kopierverfahren verbessern helfen. Man ging davon aus, dass die optisch wirksamen Zusatzstoffe hauptsächlich auf den Oberflächen der inneren Poren und Kapillaren der Mine verteilt sein müssen, um den Glanz des Abstrichs zu verringern und dessen Lichtabsorption zu erhören, und strebte ein Verfahren an, bei dem sich die mittels einer Imprägnierung zugeführten Substanzen durch eine Wärmebehandlung in chemisch andere Stoffe umwandeln. Diese Umsetzungsprodukte sollten sich in äußerst feiner Form in den Hohlräumen gleichmäßig ablagern und so eine optimale optische Wirkung erzielen; zum Einsatz kamen dabei organische Stoffe wie z. B. Kohlenhydrate, die beim Erhitzen unter Sauerstoffabschluss im Mineninneren amorphen Graphit bildeten. Die bloße Beigabe von letzterem zur Minenmasse (etwa in Form von Ruß) macht schon bei wenigen Prozenten die Mine rauher und mindert ihre Gleitfähigkeit, doch das genannte Verfahren bot den Vorteil, die Glätte des kristallinen Graphits und mit dieser die Schreibqualität des Bleistifts zu erhalten, den Abstrich schwärzer sowie matter zu machen und damit Schärfe und Kontrast von Lichtpausen zu steigern.

Unter den fünf entgegengehaltenen (so der Fachbegriff) Patentdokumenten findet sich auch eines von J.S. Staedtler aus dem Jahr 1936, das die Beigabe von lichtdichten Sudan-Farbstoffen beschreibt. Demnach sollen bereits 0,5 bis 1,5% Sudangelb oder Sudanviolett ermöglichen, „die Lichtdichte der Mine so zu steigern, daß sie Minenabstriche von hoher Schwarzwirkung liefert”. Wenige Jahre zuvor ging die Kalle & Co. AG aus Biebrich am Rhein den Übelstand* der lichtdurchlässigen Linien von Tusche- und Stiftzeichnungen durch den Zusatz von im Ultraviolett stark absorbierender Substanzen an.

Konzeptionell ganz anders ist das Patent 1504209 aus den USA, in dem der Erfinder den Ton mit Holzstaub und anderen kohlenstoffhaltigen Materialien mischte. Diese Stoffe sollten beim Brennen der Mine zu Kohle werden und so die Schwärzung des Abstrichs erhöhen; die dabei entstehenden und die Mine brüchig machenden Hohlräume wollte er mit Stearinsäure füllen.

Ob die für den ORLOW 6300 beworbenen Eigenschaften auch für den LYRA orlow-techno 6300 gelten, kann ich nicht sagen; ein schneller Vergleichstest mit aktuellen Bleistiften von STAEDTLER, Tombow, Pentel und STABILO zeigte zwar die hohe Qualität und die gute Schwärzung dieses Bleistifts, nicht aber eine erkennbar geringere Reflexion im für das bloße Auge sichtbaren Spektrum (mit Abstand am mattesten war der Abstrich des STABILO Micro 288). – Die Wortmarke „ELIOGRAPH” auf dem LYRA orlow-techno 6300 wurde 1963 eingetragen und 2003 gelöscht. Ihren Ursprung kenne ich nicht; vielleicht war es eine an „Heliografie” oder die italienische Übersetzung für „Lichtpause”, „eliografica”, angelehnte Wortschöpfung.

* Dieses schöne, mir bisher unbekannte Wort musste ich unbedingt aus der Patentschrift übernehmen.

Der Bleistift in der Hauptrolle

Sonntag, 15. November 2009

Bei STAEDTLER Australia gibt es einen gut fünfminütigen Film über die Herstellung eines holzgefassten Bleistifts zu sehen.

Masse für Klasse

Donnerstag, 12. November 2009

Minenmasse für Bleistifte von STAEDTLER

So sieht sie aus, die durch Mischen und Verkneten der gemahlenen Rohstoffe Graphit und Ton sowie Wasser entstandene Minenmasse. Der daraus gepresste Minenstrang wird in bleistiftlange Stücke geschnitten und diese dann vorgetrocknet, gebrannt und mit Wachs imprägniert; damit sind die Minen fertig und für das Einleimen in die genuteten Brettchen bereit.

Lineal + 2

Montag, 9. November 2009

Nach allerlei Historischem und grenzwertig Albernem heute ein genauer Blick auf die zweite Lineal-Neuheit neben dem „Snap-it”, mit der Brunnen allen vielseitig Aktiven gleich drei nützliche Geräte in einem anbietet.

Acryl-Lineal mit Stahlkante von Brunnen

Das 310 mm lange und gut 50 g leichte Lineal mit millimetergeteilter 30-cm-Skala nutzt seine Breite von 45 mm für ein durchgehendes 5-mm-Raster mit vier weiteren Millimeter-Skalen und erleichtert damit wie ein Geodreieck das Zeichnen paralleler Geraden. Hier fällt positiv auf, dass die Skalen und das Raster auf der Unterseite angebracht sind und somit ein parallaxefreies Ablesen möglich ist.

Acryl-Lineal mit Stahlkante von Brunnen

Doch nicht nur zum Zeichnen eignet sich dieses 3 mm dicke Lineal, denn in die der Facette gegenüberliegende Kante wurde eine 1 mm breite Stahlschiene eingelassen und das Zubehör so für die Nutzung mit einem Messer tauglich gemacht. Pfiffig: Das Metall steht einen halben Millimeter hervor, so dass ein Verkanten der Klinge nicht zur Beschädigung des Lineals führt.

Acryl-Lineal mit Stahlkante von Brunnen

Drei 70 mm lange Silikonstreifen halten das Lineal beim Zeichnen und Schneiden zuverlässig in Position, und ihre schwarzen Abdeckungen auf der Oberseite tragen zum attraktiven Äußeren bei.

Acryl-Lineal mit Stahlkante von Brunnen

Die Verarbeitung des aus Acryl gefertigten Lineals, das der Hersteller unter der Artikel-Nummer 10-49 780 im Produktkatalog für Schüler listet, ist sehr gut – die Kanten sind sauber, der Rutschstopp sowie die Metallkante sorgfältig befestigt und der Aufdruck ist einwandfrei. Mein Fazit: Ein praktisches, hochwertiges und mit 8,50 Euro vergleichsweise günstiges Produkt für den Schreib- und Basteltisch nicht nur des Schülers.