Markiges Marketing (9)

6. Oktober 2009

„Koh-I-Noor”-Notizstifte von L. & C. Hardtmuth

Mit entspanntem Gesichtsausdruck und offenbar zufrieden führt der vornehme Herr am Stehpult den dicken, langen Bleistift über das Papier. Seine für das Schreiben mit Graphit denkbar ungeeigneten Handkrausen lassen vermuten, dass er nur für eine kurze Notiz am Katheder steht, ansonsten aber schreiben lässt und allenfalls für eine Unterschrift oder zur Erledigung privater Korrespondenz zum Federkiel greift.

„Koh-I-Noor”-Notizstifte von L. & C. Hardtmuth (Ausschnitt)

Das mit schweren, ledergebundenen Folianten gut gefüllte Regal und die weißgepuderte (Staats-?)Perücke des reifen Herrn könnten das auf dieser etwa 58 × 40 mm großen und wahrscheinlich vor 80 oder mehr Jahren ausgegebenen Reklamemarke des österreichischen Unternehmens L. & C. Hardtmuth gezeigte Büro als eines des 18. Jahrhunderts ausweisen; auch die Schreibfeder, deren stählerne Variante um 1800 erfunden wurde, spräche dafür.

Die Angabe von Serien- und Bildnummer zeigt, dass man sich der großen Popularität der Reklamemarke als Sammelobjekt bewusst war und dieses Bedürfnis gezielt steigerte, aber auch befriedigte.

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Schieben und radieren

4. Oktober 2009

Einen weiteren Radierer mit Kunststoff-Schiebehülle schob schickte STAEDTLER bereits im Februar in den Ring. In starkem Kontrast zu seinen populären Sportskollegen, die meist die schlanke Figur eines Minenhalters haben, tritt der stattliche, 85 × 20 × 16 mm große 525 PS1 in der klassischen Blockform gegen den Graphit an; mit seinen 29 g radiert er zudem in einer ganz anderen Gewichtsklasse.

Radierer STAEDTLER 525 PS1

Das in Vereinsfarben weiß-blau gehaltene und mit dem familiären Mars-Konterfei sowie dem Herstellernamen geschmückte Trikot des 525 PS1 umhüllt einen Radierer mit den Maßen 58 × 11 × 19 mm, der, sind seine zehn zunächst herausragenden Millimeter abradiert, mit einem griffigen Schieber in Position gebracht und in dieser zuverlässig arretiert werden kann. Die letzten 13 mm des an den Längskanten abgerundeten Radierers müssen jedoch entnommen und ohne Hülse genutzt werden.

Radierer STAEDTLER 525 PS1

Im rauhen Alltag schlägt sich der 525 PS1 sehr wacker. Die Spuren holzgefasster Tonminen putzt er ebenso souverän weg wie die der Polymerminen von Druckbleistiften, ohne dabei dem Papier erkennbar zuzusetzen, und kann bei seinem Kaliber auch problemlos großflächig aufräumen. Die Sparringspartner waren Druckbleistifte mit den Minen Pentel Ain Hi-Polymer HB und Pilot Eno NeoX 2B sowie die beiden Holzbleistifte STAEDTLER Mars Lumograph HB und California Republic Palomino 2B, wobei er mit letzterem am meisten zu kämpfen hatte. Sein Vereinskollege Mars plastic geht zwar etwas bissiger ran, hinterlässt dafür aber auch mehr und kleinere Krümel, die sich beim 525 PS1 in nur geringem Umfang bilden.

Radierer STAEDTLER 525 PS1

Der STAEDTLER 525 PS1 am Unterwegs-Werkzeugset. – Mit im Bild das Multifunktions-Werkzeug Leatherman squirt P4 und die Klappschere von Fiskars.

Mit seiner Größe findet er in einem Standard-Mäppchen nur schwer Platz, kann aber dank seiner 10 × 3 mm großen Öse z. B. an einem Karabinerhaken auf Tour gehen. – Der 525 PS1 kommt laut sehr leicht ablösbarem Aufkleber aus China und wird noch in vier anderen sportlichen Farbkombinationen für empfohlene 1,95 Euro angeboten, ist aber schon für um die 1,40 Euro erhältlich.

Augen auf!

3. Oktober 2009

Ein offenes Auge und obendrein einen sehr guten Blick beweist Michael Leddy in seinem lesenswerten Blog-Beitrag The Blob and I”, in dem sich über die Kultur der Dinge in der (wie er sie bezeichnet) altbackenen Welt im Film „Angriff aus dem Weltall” (“The Blob”, 1958) Gedanken macht.

Sein analytischer Blick streift über einen Schreibtisch im Film, dessen Ausstattung er mit der seines in Verbindung bringt; die gut gefüllte Schublade ist für ihn ein Indiz dafür, dass diese und viele andere Szenen nicht im Studio, sondern vor Ort gedreht wurden. Kleine Details der Wanddekoration und den Zustand der Einrichtung nimmt er ebenso sorgfältig wahr.

Alte Karteikarten-Register

Im fast vier Jahre alten Beitrag „The dowdy world on film” beschreibt er seine Freude, sich Filme zuweilen allein wegen dieser vergangenen Alltagskultur „in ihrer ganzen Schwarzweiß-Pracht” anzuschauen. Mich spricht das sehr an, denn auch ich finde immer mehr Gefallen an alten Alltagsdingen und schaue gerne ganz genau hin (bei einer dieser Gelegenheiten fielen mir Bleistifte auf, die spitzer gespitzt waren als die hierzulande). Zudem denke ich, dass man eigentlich gar nicht aufmerksam genug sein kann – auch außerhalb von Filmen und auch dann, wenn es nicht um Bleistifte geht.

Flotter Feger

1. Oktober 2009

Wer viel mit Bleistift arbeitet, weiß vom leidigen Problem mit den Resten des Radierers und den äußerst unangenehmen Folgen des unbedachten Wegwischens mit der Hand – nur allzu schnell ist das Werk verdorben und die Freude daran ebenso. Zeichnet man gar auf Transparent, kann dieses durch die Hand fettig werden und danach die Tusche abweisen.

Schon sehr lange gehört daher der Zeichenbesen zur Standardausrüstung aller mit Bleistift Tätigen, die mit ihm Radierspäne und Graphitstaub komfortabel und sicher entfernen. Der Computer indes hat das hiesige Angebot auf wenige und zudem nicht sonderlich attraktive Exemplare zusammenschrumpfen lassen, die obendrein den Eindruck erwecken, als dienten sie primär der Sortimentsabrundung.

Zeichenbesen von Uchida

Die Rettung kommt – wie so oft bei der Suche nach Hochwertigem für den Schreibtisch – aus Japan, und zwar vom mit Zeichengeräten und -zubehör erfahrenen Hersteller Uchida. Dessen etwa 30 cm langer und sehr gut verarbeiteter Besen mit Holzgriff und der Katalog-Nummer 1-825-0301 hat nicht nur einen sehr eleganten Korpus, sondern im Gegensatz zu seinen fegenden Kollegen gleich zwei unterschiedliche Besätze: Zusätzlich zum üblichen findet sich auf dem Rücken des Uchida-Besens ein festerer zweiter Besatz mit sehr kurzen Borsten, der sich hervorragend zum Reinigen des Arbeitstisches eignet und damit einen echten Zusatznutzen bietet. – Der Besen von Uchida kostet 1470 Yen (gut 11 Euro) und ist u. a. bei Bundoki erhältlich.

NB: Es empfiehlt sich, die Borsten eines Zeichenbesen einmal im Monat einer gründlichen Reinigung in lauwarmer Seifenlage zu unterziehen.

Merkur

30. September 2009

Am heutigen Mittwoch, dem bei den alten Römern nach deren Gott Merkur „dies Mercurii” („Tag des Merkur”) genannten Wochentag, ein schneller Blick auf einen Radiergummi, der ebenfalls den Namen des Götterboten trägt.

Radierer Mercur Record 60

Den gelbweißen, 30 × 19 × 6 mm kleinen und 9 g leichten Radierer mit blauem Aufdruck schmückt außer dem Namen der mythologischen Gestalt deren Konterfei inklusive des typischen, geflügelten Helms in einer vereinfachten und für mich reizvollen Form. Darunter finden sich die Schriftzüge „RECORD” und „BRAZIL” sowie die Zahl „60″.

Radierer Mercur Record 60

Weniger reizvoll hingegen ist seine Radierleistung. Trotz der schmirgelnden Beimengung (wohl Glas- oder Bimsmehl), mit der er ziemlich abreibend zu Werke geht, vermag er den Graphit von einfachem Standard-Papier nicht vollständig zu entfernen, hinterlässt jedoch beachtliche Radierreste und geht so eher als Krümelkönig durch.

Radierer Mercur Record 60

Die Produktseite des brasilianischen Herstellers zeigt den „Record 60″ in anderem Design; ich vermute daher, dass es sich bei oben gezeigtem Stück, das ich in einem kleinen Ort an der niederländischen Nordseeküste erstanden habe, um ein Restexemplar gehandelt hat.

Gedanken zu Graphit

29. September 2009

Johann Wolfgang Goethe (1749–1832), der immer Notizbuch und Bleistift mit sich führte, schrieb in „Dichtung und Wahrheit” (1821–1831):

Ich war so gewohnt, mir ein Liedchen vorzusagen, ohne es wieder zusammen finden zu können, daß ich einigemal an den Pult rannte und mir nicht die Zeit nahm, einen quer liegenden Bogen zurecht zu rücken, sondern das Gedicht von Anfang bis zu Ende, ohne mich von der Stelle zu rühren, in der Diagonale herunterschrieb. In eben diesem Sinne griff ich weit lieber zu dem Bleistift, welcher williger die Züge hergab: denn es war mir einigemal begegnet, daß das Schnarren und Spritzen der Feder mich aus meinem nachtwandlerischen Dichten aufweckte, mich zerstreute und ein kleines Produkt in der Geburt erstickte.

Die Feder gibt es heute nicht mehr, doch ihr lästiges „Schnarren und Spritzen” hat in den Widrigkeiten der Textverarbeitung ein modernes Pendant: Unerwünschte Automatismen und andere ungebetene Helfer drängeln sich rabiat zwischen Papier und Gedanken, und die Notwendigkeit, häufig aus einer nicht selten unüberschaubaren Vielfalt an Optionen wählen zu müssen, zerstückelt die Aufmerksamkeit.

Zahlreiche Ablenkungen nicht nur in Form textgestalterischer Möglichkeiten, die jederzeit verfügbar und nie vollständig vom eigentlichen Inhalt getrennt sind, stellen die Disziplin der Schreibenden arg auf die Probe. Hinzu kommt die technisch perfekte Repräsentation selbst roher Texte und Bilder, die bereits am Bildschirm für den Eindruck des Fertigen sorgt und auf dem Papier beim Einsatz des korrigierenden Rotstifts hemmt.

Der angenehm zurückhaltende Bleistift ist ganz bestimmt keine Alternative zur digitalen Feder, aber frei von den oben aufgeführten Störungen, Zerstreuungen und Täuschungen und damit für mich eine wohltuende Abwechslung und Ergänzung. Die Beschränkungen dieses schlichten Schreibwerkzeugs empfinde ich nicht als solche, sondern als befreiend und zielführend, sorgen sie doch dafür, dass es kaum an unseren Gedanken arbeitet*. Und so greife ich immer wieder sehr gern zum Bleistift, der in den mehr als dreihundert Jahren seiner Geschichte schon einige Aufzeichnungssysteme hat kommen und gehen sehen.

Schwan-STABILO Opera 285

* Bereits Friedrich Nietzsche wusste: „Die Werkzeuge arbeiten mit an unseren Gedanken”.

Rahmenhandlung

28. September 2009

Manche Dinge des täglichen Gebrauchs sind (zumindest in meinen Augen) viel zu schön, um sie im Gewühl auf dem Schreibtisch untergehen zu lassen oder gar in einer Schublade zu verstecken. Nutzt man sie jedoch zur Dekoration, entzieht man sie meist gleichzeitig der Nutzung.

Doch das muss nicht sein. Im Falle des Zeichendreiecks aus der Griffit-Serie von 3L (hier in der transparent-gelben Ausführung) reichen bereits wenige Teile und Handgriffe, um dem attraktiven Werkzeug einen Platz zu verschaffen, an dem es nicht nur gut aufgehoben ist, sondern auch ansprechend präsentiert wird.

Das Zeichendreieck aus der Griffit-Serie von 3L dekorativ aufbewahrt

Dazu benötigt man einen Bilderrahmen, dessen Glas man durch einen Karton ersetzt. Ein kurzes Stück Rundholz oder ein kleiner, ggf. beklebter Neodym-Magnet mit geeignetem Gegenstück auf der Rückseite des Rahmens hält das gute Stück in Position und für den nächsten Einsatz griffbereit. Alternativ dazu kann man ein Stück Blech hinter den Karton legen und auch einen größeren Rahmen verwenden, um so mehrere Dinge gemeinsam unterbringen zu können.

Wahlsonntag

27. September 2009

Deutschland hatte die Wahl, und unsere galt auch dem Naturschutzgebiet Mönchbruch. Nach den Kreuzchen (selbstverständlich an den richtigen Stellen) durchkreuzten wir die prächtige, von der Herbstsonne durchflutete Landschaft – ein echter Lichtblick!

Naturschutzgebiet Mönchbruch

Naturschutzgebiet Mönchbruch

Naturschutzgebiet Mönchbruch