Archiv des Stichworts „California Cedar”

So nicht

Montag, 26. März 2012

War die Aktion mit den vorgeblichen Mustern und dem Fragebogen ein cleverer Marketing-Trick, um die erste Version des Palomino Blackwing bekannt zu machen, so ist die Vermark­tung der zweiten, dem Palomino Blackwing 602, nur noch schäbig. Wie Michael Leddy auf Oran­ge Crate Art schreibt, reicht dem Hersteller bereits ein einziges Foto von Duke Elling­ton mit einem originalen Blackwing 602, um den Namen des Musikers zur Wer­bung für die Blackwing-Kopie zu nutzen und zu behaupten, dieser habe mithilfe dieses Bleistifts zeitlose Kunstwerke geschaffen. Eine ziemlich miese Tour, finde ich, und außerdem eine, die Paro­dien* geradezu* provoziert. (* Diese Beiträge wurden mittlerweile entfernt.)

Nachtrag vom 29.3.12: Man hat die Website von „The Blackwing Experience” überar­beitet und dabei nicht nur die seltsamen Behauptungen, sondern auch den Namen Duke Ellingtons entfernt (Screenshots zum Vergrößern anklicken).

So nicht

27. März 2012

So nicht

29. März 2012

Und es wurde weiter ausgedünnt:

So nicht

3. April 2012

Einen Klick weiter kommt jedoch wieder Irreführendes:

So nicht

3. April 2012

Detail

Freitag, 1. Juli 2011

Detail

(zum Vergrößern anklicken)

Die Zwinge des Palomino Blackwing 602 gefällt mir einfach zu gut.

Erster Eindruck

Mittwoch, 22. Juni 2011

Erster Eindruck

(zum Vergrößern anklicken)

Seit zwei Tagen benutze ich den neuen Palomino Blackwing 602. Ich bin sehr angetan von diesem Bleistift, stellt er doch im Vergleich zum Palomino Blackwing eine Verbesserung auf ganzer Linie dar. Eine großartige Leistung von California Cedar!

Nachtrag vom 23.6.11: Eine Leserin meines Weblogs hat zu Recht kritisiert, dass dieser Beitrag zu wenig detailliert ist; hier also ein paar ergänzende Worte.

Hatte der Palomino Blackwing (PB) einen mattschwarzen Lack, auf dem einige Sprengsel des goldfarbenen Aufdrucks zu sehen waren, so ist der glänzend-graue des Palomino Black­wing 602 (PB602) sauber, wesentlich hochwertiger und – auch wegen des Verzichts auf den goldfarbenen Ring – eleganter. Die Mine des PB war zu weich für längeres Schreiben und neigte zum Krümeln, doch die des PB602 hat etwa die Härte B bis 2B und damit diese Nachteile nicht. Zudem ist sie etwas schwärzer als die des Originals, hat aber sehr ähnliche Schreibeigenschaften. Bei meinen Exemplaren wirkt die Zwinge des PB602 geringfügig besser verarbeitet als die des PB, was jedoch durch die Serienstreuung bedingt sein könn­te. Erfreulich ist der Umstand, dass man auf die drei Quetschpunkte des Originals ver­zichtet hat (allerdings weiß ich nicht, ob diese bei allen Generationen zu finden waren). – Der Prägedruck des PB602 könnte ein wenig tiefer und abriebfester sein, doch ich will nicht allzu pingelig sein.

Nachtrag vom 3.4.12: Das Marketing von California Cedar nimmt bizarre Fomen an und bringt mich auf großen Abstand.

Wiedergeburt eines Klassikers

Donnerstag, 26. August 2010

Der legendäre „Blackwing 602″ von Eberhard Faber, inzwischen ein teures Sammlerstück, lebt wieder auf. Die California Cedar Products Company, Hersteller des „Palomino”, hat vor einiger Zeit die Namensrechte erworben und bringt nun den „Palomino Blackwing” auf den Markt. Erste Fotos und Details gibt es bei „The Blackwing Pages” – ich bin sehr gespannt!

28.8.10: Weitere erste Eindrücke gibt es unter „First impression of the new Blackwing pencil” von Mark Frauenfelder und „The new Blackwing pencil” von Michael Leddy.

31.8.10: Seit kurzem ist Pencil Revolution wieder aktiv und hat sich gleich zweimal dem „Palomino Blackwing” gewidmet: „The return of the Blackwing pencil!” und „The New Blackwings Arrive!”.

2.9.10: Frisch eingetroffen:

Wiedergeburt eines Klassikers

Eine Besprechung dieser Vorserienmuster folgt.

12.9.10: Eine exzellente Besprechung des „Palomino Blackwing” gibt es bei pencil talk – hingehen und staunen!

13.9.10: Und noch eine ausführliche Besprechung, diesmal bei Pencil Revolution: „New Blackwing Pre-Review”.

14.9.10: Mehr zum Hintergrund des „Palomino Blackwing” bietet die Reihe „Reviving the Blackwing” bei Timberlines, beginnend mit „A Labor of Love or Insanity?”. – Im Anflug auf den Online-Shop pencils.com von California Cedar: 875 Dutzend „Palomino Blackwing” aus Japan. (Das überrascht mich allerdings sehr, hat California Cedar doch erst vor kurzem um detailliertes Feedback zu den Vorserienmustern gebeten.)

15.9.10: Wie California Cedar jetzt mitgeteilt hat, waren die Vorserienmuster keine. Ein cleverer Marketing-Trick? – Kritische Bemerkungen dazu gibt es auch in einem Update der Besprechung bei pencil talk und bei Orange Crate Art.

2.10.10: „Pencil pushers excited for new Blackwing – Redesigned version of the Blackwing 602 writes new chapter for graphite lovers” von Alex Beam im Bosten Globe. – Ich möchte mal wissen, wer von denen, die den „Palomino Blackwing” so loben, eine ganze Seite geschrieben und dabei nicht den Härte-, besser Weichegrad dieses Bleistifts bedauert haben. War der alte „Blackwing 602″ hervorragend zum Schreiben geeignet, so ist der neue (zumindest für mich) viel zu weich, um hier auch nur annähernd mithalten zu können. – Kann es sein, dass hier ein unglaublicher Hype stattfindet? Und ich hab’ auch noch mitgemacht …

H und B

Samstag, 15. Mai 2010

Am Anfang war der Graphit. Man nahm ihn in Stücken, später umwickelt oder anderweitig geschützt zur Hand, und erst Ende des 17. Jahrhunderts schnitt man das schwarze Gold, so wie es aus der Grube kam, in Streifen und fasste es in Holz. Als der reine Graphit aus Borrowdale knapp wurde und Exportbeschränkungen die Situation verschärften, war man auf den kontinentaleuropäischen Graphit angewiesen. Dieser musste jedoch gemahlen und gereinigt werden, bevor man ihn verarbeiten konnte, und dabei begann man, ihn zu strecken: Mit Schwefel, Gummi, Schellack und Fischleim, aber auch mit Blei, Silber, Zink, Antimon, Wismut, Zinn und Quecksilber. Die Ergebnisse indes waren enttäuschend.

Erfolg hatte schließlich Nicolas-Jacques Conté im Jahre 17951. Er mischte den Graphit mit Ton und konnte damit gleichzeitig die Härte steuern. Nach dem Brennen der Mischung dient der Ton als Gerüst für den Graphit, wobei die Mine umso härter ist, je mehr Ton sie enthält (STAEDTLER nennt ein Verhältnis von 1:1 bei 3H). Dies war nicht nur die Geburt des modernen Bleistifts, wie wir ihn heute kennen und schätzen, sondern auch der Beginn einer anhaltenden Verwirrung um den Härtegrad.

Caran d'Ache Technograph 777 und California Republic Palomino

Zwei HB-Bleistifte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Caran d'Ache Technograph 777 HB (Schweiz, hart) und California Republic Palomino HB (Japan, weich)

Warum Verwirrung? Nun, trotz zahlreicher Bemühungen gibt es nach wie vor keinen her­stellerunabhängigen Standard, und wer einmal Bleistifte unterschiedlicher Herkunft, aber gleichen Härtegrads verglichen hat, kennt die verblüffend großen Abweichungen; oben­drein beeinflussen Fertigungsschritte wie das Paraffin-Tauchbad oder Beimengungen z. B. von Ruß das subjektive Empfinden der Härte. – Doch zurück zur Geschichte.

Conté war es auch, der mit einer Kennzeichnung begann. Sein härtester Bleistift trug die „1″, und je weicher die Mine, desto größer war die Zahl. Die heute übliche Benennung des Härtegrads geht vermutlich auf den englischen Bleistiftmacher Brookman zurück, der im frühen 19. Jahrhundert seine Stifte für Künstler mit „B” (black) und die der technischen Zeichner mit „H” (hard) versah; dies könnte zudem die Asymmetrie erklären. Der schon damals populärste Bleistift hatte eine Härte zwischen H und B, was ihm den Grad HB eintrug. Später folgte noch F (firm) für den Stift mit einer Mine zwischen H und HB.

Katalogseite von J.S. STAEDTLER (1909)

„Bleihärten” im Katalog von J.S. STAEDTLER (1909). – Es fällt auf, dass die Nummerierung der von Conté entgegengesetzt ist.

So wie J.S. STAEDTLER im Katalog von 1909 (zurzeit als Kopie in Nürnberg zu sehen) verfuhren auch andere – je weicher, desto mehr B, und je härter, desto mehr H. Lediglich Joseph Dixon in den USA entschied sich zunächst für „S” (soft) und „H” (hard), wobei der weichste Bleistift VVS (very, very soft) und der härteste VVVH (very, very, very hard) war. Als die Skala der Härtegrade wuchs, wichen die vielen Buchstaben anderen Benennungen wie z. B. „Extra Extra Black” (erst EX-EXB, dann EEB und EE, dem heutigen 8B). Die einfache Zahl blieb lange im Gebrauch, und daneben etablierte sich die jetzt vertraute Kombination aus Zahl und Buchstabe (xH,xB); zum Ursprung letzterer konnte ich in meinen Quellen allerdings keine Details finden. Manche Hersteller nutzen beides, etwa STAEDTLER beim Noris 120 und STABILO beim Opéra und Othello.

Bruynzeel 1605

Ungewöhnlich: Bruynzeel 1605 1B und 1H

Doch es gibt immer noch Abwechslung – Bruynzeel, seit 1991 Teil von Sakura, hat die Grade 1B und 1H im Sortiment, STABILO übersetzt HB mit und bei den Feinminen von Pentel und Tombow findet man HB in drei Varianten.

Danke an STAEDTLER für den Scan! – Die für den Beitrag am stärksten geplünderte Quelle ist „Der Bleistift” von Henry Petroski (Birkhäuser 1995).

Nachtrag vom 17.5.10: Details zum Gebrauch der kyrillischen Zeichen zur Kennzeichnung des Härtegrads in Russland gibt es hier. Danke an Stephen für diesen Hinweis! – Härtegrad mal anders: Die Firma Elcometer nutzt Bleistifte zur Ritzhärteprüfung von Oberflächen nach ISO 15184, so im Bleistifthärte-Prüfer 501 oder im Motorischen Bleistifthärte-Prüfer 3086.

Nachtrag vom 4.2.11: Auch B++ gibt es, wie hier beim Zoom Super Dark von DOMS:

DOMS Zoom Super Dark B++

Nachtrag vom 1.8.11: Dr. Eugen Ryschkewitsch schreibt in seinem Buch „Graphit – Charakteristik, Erzeugung, Verarbeitung und Verwendung” (S. Hirzel 1926):

Die härtesten Bleistifte enthalten nur etwa 20 Proz. Graphit, sehr weiche ent­halten bis etwa 90 Prozent Graphitsubstanz und mehr. Besonders weiche Stifte bestehen aus reinem Graphit, wie z. B. solche aus dem Batugol- (sogenannten „Alibert”-) Graphit. Hier ist der Graphit so homogen, weich und farbkräftig, daß seine weitere Behandlung sich erübrigt. Man braucht nur aus einem Block die Stifte herauszuschneiden.

Nachtrag vom 25.8.12: Der Конструктор (Konstrukteur) in den Härtegraden 2M (2B) bis 2T (2H):

Конструктор 2M–2T

  1. In der Literatur heißt es oft, der Österreicher Josef Hardtmuth habe bereits 1790 und damit vor Conté die keramische Mine erdacht. Petroski teilt diese Ansicht nicht, sondern vermutet, dass diese Zahl das Gründungsjahr von Hardtmuths Unternehmen benennt. Er schreibt: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode’ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.”

Basteln mit dem Lexikaliker (2)

Sonntag, 3. Februar 2008

Als sehr großer Freund von Bleistiften und praktischen Dingen möchte ich heute beides nutzbringend kombinieren. Wie schon beim USB-Nilpferd sind auch hier weder spezielles Werkzeug noch besonderes Fachwissen erforderlich, und die benötigten Teile – eine hölzerne Wäscheklammer und ein holzgefasster Bleistift – sollten sich in jedem Haushalt finden lassen. Für dieses Beispiel verwende ich einen Palomino HB von California Republic, den ich mit einem Langkonus-Spitzer von KUM in Form gebracht habe.

Teile für den Wäscheklammer-Bleistift

Die benötigten Teile

Die Umsetzung ist wieder schnell und einfach: Wir entfernen die eine Hälfte der Klammer und stecken an deren Position den Bleistift – fertig. Tipp: Kleine Kerben im Bleistift an den Stellen, wo ihn die Feder hält, verbessern seinen Sitz.

Fertiger Wäscheklammer-Bleistift

Der fertige Wäscheklammer-Bleistift

Dieser Wäscheklammer-Bleistift lässt sich bequem an der Brusttasche anbringen, ohne dass er das Innere der Tasche zersticht oder beim Bücken herausfällt, und hält ebenso sicher an einem Notizblock.

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