Archiv des Stichworts „Empire”

Der EPCON-Bleistift

Mittwoch, 4. April 2012

Der STAEDTLER WOPEX ist sicher der bisher beste, aber nicht der erste durch Coextrusion gefertigte Bleistift. Bereits 1969 beauftragte der Spielzeughersteller Hasbro, damals Eigen­tümer der Empire Pencil Company1, die Unternehmensberatung Arthur D. Little mit der Entwicklung eines Kunststoff-Bleistifts; 1975 folgten das Patent und die Markteinführung des „EPCON” genannten Schreibgeräts.

Der EPCON-Bleistift

Irv Arons, ehemaliger Mitarbeiter von Arthur D. Little und Entwickler des Schaftmaterials für den EPCON, war so freundlich, mir einige Exemplare zu überlassen, so dass ich diesen historischen Stift unter die Lupe nehmen und zeigen kann. – Der grüne Stift stammt aus der Frühzeit des EPCON und der leuchtend blaue aus dem Jahr 1986; das Alter des grau­blauen kenne ich nicht. Alle haben eine polymergebundene Mine2 von Empire. (Soweit ich weiß, war der EPCON-Bleistift in Deutschland nicht erhältlich3, dafür aber Thema des Arti­kels „Satter Strich” im Spiegel vom 1. Juni 1981.)

Der EPCON-Bleistift

Der EPCON hat Standardmaße, ist aber mit knapp 8 g deutlich schwerer als ein mit Zwinge und Radierer4 ausgestatteter Holzbleistift. Neben den für mich rätselhaften Spuren an drei der ungespitzten Enden fällt auf, dass der EPCON lackiert ist, die äußere Schicht also nicht wie beim WOPEX im Coextrusionsprozess aufgebracht wurde. Der Lack ist glatt und fühlt sich an wie der eines holzgefassten Stifts. Die Angabe des Härtegrads fehlt, doch die Mine dürfte HB sein; der Text auf den Stiften kennzeichnet sie als Sonderauflagen.

Der EPCON-Bleistift

Beim (übrigens sehr leichten) Spitzen zeigen sich die typischen Merkmale des extrudierten Bleistifts, denn im folienähnlichen Span hängen die Materialien von Mine und Schaft zusam­men. Bei meinen Tests war der Span zudem elektrostatisch geladen und zog die Minen­krümel an.

Der EPCON-Bleistift

Das Material ist rötlich und porös, und so ist der EPCON auch nicht ganz so dicht wie der WOPEX und lässt sich im Gegensatz zu diesem im Kurbelspitzer spitzen. – Über die Kompo­nenten des Schafts informieren die Patentdokumente5: 50–75% eines Thermoplasts6, 20–40% faseriger Füllstoff (Holzmehl) und etwa 0,5–10% Metallseife (Aluminiumstearat). Letztere ermöglicht eine niedrigere Prozesstemperatur und erleichtert das Spitzen des Blei­stifts. – Zum Vergleich: Der WOPEX enthält 70% Holz7 im Schaft sowie 4–12% Wachs und (als drucksenkende Extrusionshilfe) 0,5–2% Palmöl in der Mine8.

Der EPCON-Bleistift

Die feine, frische Spitze des EPCON bricht beim ersten Kontakt mit dem Papier ab, doch dann schreibt der Stift gut. Ein Haften der Mine auf dem Papier, wie man es von anderen extrudierten Bleistiften kennt, ist nicht zu bemerken; er gleitet recht leicht (wenn auch nicht so leicht wie der WOPEX) und hat einen sauberen Abstrich. Schwärzung und Wisch­festigkeit sind gut, kommen aber nicht an die des WOPEX heran. Der EPCON ist nur ein­geschränkt radierbar; hier und bei der Bruchfestigkeit ist der WOPEX ebenfalls überlegen.

Der EPCON-Bleistift

Gespitzt (von links): EPCON (Carl Decade DE-100), EPCON (M+R 201), WOPEX (M+R 201)

Mir gefällt die Färbung des Schaftmaterials9, erinnert diese doch an die des Holzbleistifts. Die Poren allerdings machen sich in meinen Augen nicht gut; das Geschlossene des WOPEX sieht besser aus. – Charakteristisch für extrudierte Bleistifte ist dieser Bruch, der Nutzer holzgefasster Bleistifte vermutlich überrascht.

Der EPCON-Bleistift

Die Empire Pencil Corporation hat es nicht beim extrudierten Bleistift belassen, sondern ihr Sortiment später um ebensolche Farbstifte erweitert. Wann das war, konnte ich nicht he­rausfinden; die gezeigten Exemplare wurden Ende der 1990er Jahre in Portugal gekauft.

Der EPCON-Bleistift

Die runden Farbstifte sind gut 7 mm dick und haben einen 3 mm dicken Kern sowie ein of­fenes Ende; die ursprüngliche Länge der benutzten Stifte kenne ich nicht. Ihr Schaft wirkt an manchen Stellen etwas feinporiger als der des EPCON, doch das könnte an der Serien­streuung liegen.

Der EPCON-Bleistift

Zusätzlich zur weißen Kennzeichnung mit Produktbezeichnung, Logo und Hersteller gibt es die Blindprägung „® EPCON USA”, aber keine Chargenbezeichnung. – „Pedigree” bezeich­nete offenbar eine ganze Reihe, denn es gab auch Bleistifte dieses Namens.

Der EPCON-Bleistift

Der Pedigree ist bruchstabil und wischfest, aber kaum radier- und nicht wasservermalbar; er krümelt fast nicht und haftet beim Schreiben nur wenig am Papier.

Der EPCON-Bleistift

Diese Farbstifte sind sehr interessant und kämen sicher heute noch gut an.

Der EPCON-Bleistift

Passend zum Thema bot sich eine kleine Exkursion durch Patentunterlagen an, aus denen einige Abbildungen gezeigt seien.

Der EPCON-Bleistift

Pencil making machine (1909)

Der EPCON-Bleistift

Method and apparatus for making pencils (1926)

Der EPCON-Bleistift

Method and apparatus for manufacturing pencils (1952)

Der EPCON-Bleistift

Pencil sheath compositions (eines der drei EPCON-Patente, 1975)

Der EPCON-Bleistift

Pencil sheath compositions (eines der drei EPCON-Patente, 1975)

Der extrudierte Bleistift ist eine bemerkenswerte Erfindung, die mit dem EPCON begonnen und mit dem WOPEX ihren derzeitigen Höhepunkt, aber bestimmt noch nicht das Ende ihrer Entwicklung erreicht hat. Ich bin gespannt auf das, was die Zukunft bringt!

Der EPCON-Bleistift

Vielen Dank an Irv Arons für die EPCON-Bleistifte und Melanie für die Leihgabe der Pedi­gree-Farbstifte!

  1. Empire, gegründet 1900, kaufte 1986 das Unternehmen Berol; 1995 ging Empire-Berol in San­ford auf (Quelle: The Pencil Pages).
  2. „Polymergebunden” heißt nur, dass die Mine keinen Ton enthält, und sagt nichts über das Vorhandensein z. B. von PVC aus; weitere Details zu dieser Mine konnte ich nicht heraus­finden.
  3. Wenn ich richtig informiert bin, wurde die Produktion des EPCON in den frühen 90er Jahren eingestellt. – Ein paar Fotos aus der Fertigung dieses Bleistifts zeigt Doug Martin im Teil 5 seiner Sanford Pencil Factory Tour.
  4. Der Radierer des EPCON ist inzwischen hart und unbenutzbar.
  5. Pencil sheath compositions (3875088, 1975), Pencil sheath compositions, method for making pencils (3983195, 1976) und Pencil comprising a marking core and a porous resin sheath (3993408, 1976).
  6. Am Rande: Sowohl das EPCON- als auch das WOPEX-Patent führen Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) auf. Dieser vielfältig einsetzbare Thermoplast wird u. a. für die LEGO-Steine verwendet. – Anzumerken ist, dass das EPCON-Patent den Schaft und das WOPEX-Patent die Mine be­schreibt.
  7. Bei der Markteinführung sprach man von einheimischer Fichte.
  8. Quelle: Patentschrift DE1020080340146 (2008). – Ich bin kein Chemiker, kann mir aber vor­stellen, dass das die Schwärzung und die Gleitfähigkeit verbessernde Wachs und das Palm­öl für die im Vergleich zur keramikgebundenen Mine etwas schlechtere Radierbarkeit verantwort­lich sind.
  9. Wäre das nicht auch etwas für den WOPEX?

Im Dutzend billiger

Samstag, 22. Oktober 2011

Mit einer ganzseitigen, 261 × 348 mm großen Anzeige und einem Wortspiel bewarb 1953 die Empire Pencil Company (Shelbyville, Tennessee, USA) ihren „Pedigree”-Bleistift im Be­sonderen und den Rest ihres holzgefassten Sortiments im Allgemeinen.

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