Archiv des Stichworts „Fallmine”

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M+R Minofix

Samstag, 5. November 2016

Schon eine Weile im Programm des Erlanger Herstellers Möbius+Ruppert ist der Minen­spitzer Minofix.

M+R Minofix

Der aus Messing1 gefertigte und bemerkenswert ausführlich gekennzeichnete Spitzer hat die klassische Blockform und zwei gegenüberliegende Messer, mit denen er 2 und 3,2 mm dicke Minen in Form bringt.

M+R Minofix

Die Messer haben das Standardformat, so dass Ersatz leicht zu bekommen ist.

M+R Minofix

Mit dem Koh-I-Noor 5616 (links) und dem neuen STAEDTLER Mars technico 780C

Das Spitzen fällt leicht und das Spitzergebnis sehr gut aus – die Minenführung mit nur minimalem Spiel ist sehr gut, die Oberfläche sauber und die Spitze nadelfein.

M+R Minofix

Für die Detailverliebten: Der Spitzenwinkel beträgt 23° bei 2 mm und 31° bei 3,2 mm. – Der Minofix hat die Artikelnummer 0614; den Ladenpreis reiche ich nach.

Danke an Möbius+Ruppert für das Muster!

  1. Der Minofix ist meines Wissens der einzige Messing-Minenspitzer aus aktueller Produktion.

Kurz notiert

Mittwoch, 20. Mai 2015
  • Ein außergewöhnlicher Fallminenstift ist der minimalistische PENXO, denn er besteht nur aus einem einzigen Teil. Das Kickstarter-Projekt läuft noch bis Mitte Juni, doch bereits jetzt wurde das Zwanzigfache (!) des Finanzierungsziels erreicht. – Danke an Matthias für den Hinweis!
  • Videos zur Bleistiftgeschichte und -herstellung gibt es viele, doch „How pencils are made today” von Derwent in England ist ein besonderes, da es auch einen kurzen Blick auf Keswick und Borrowdale bietet, also auf den Landstrich, wo man vor etwa 450 Jah­ren den erster Graphit gefunden hat. Der Einblick in die Produktion bei Derwent ist ebenfalls interessant. – Danke an Sean für den Hinweis!
  • Auch Faber-Castell hat sich mit der Herstellung eines Verbundwerkstoffs u. a. für Stift­umhüllungen beschäftigt, wie das Patent DE19936002 aus dem Jahr 1999 belegt. Die­ses Patent ist erloschen, doch das spätere europäische EP1072645 ist noch in Kraft1. – Danke an Wowter für den Hinweis!
  • Am 8. April habe ich bedauert, dass mir Brevillier Urban & Sachs nicht auf meine Anfra­ge zur Weymouth-Kiefer des Öko-Schulstift von JOLLY geantwortet hat. Zwei Wochen später kam doch noch eine Antwort, in der mir mitgeteilt wurde, dass die Weymouth-Kiefer für den aktuellen ÖKO-Schulstift und die Kinderfest-Bunstifte Classic und Delta tatsächlich aus dem Odenwald stamme und die Verpackung oder der Beileger dieser Stifte den Hinweis „Heimische Holzart” trage. Neben der Weymouth-Kiefer verarbeite man, so Brevillier Urban & Sachs weiter, auch Linde aus unterschiedlichen Anbaugebie­ten, z. B. aus Russland, den baltischen Staaten oder dem Nordosten Chinas, wo das Klima für die Linde perfekt sei. – Danke an Brevillier Urban & Sachs für diese Details!
  1. Ein älteres Patent für eine „Ummantelung für Farb-, Blei- und Kosmetikminen” (1998), das eine „Ummantelung für Farb-, Blei- und Kosmetikminen” aus biologisch abbaubaren Polymeren be­schreibt und auch die Co-Extrusion erwähnt, ist ebenfalls noch in Kraft.

Paperworld 2015

Montag, 9. Februar 2015

Vor einer Woche ging die Paperworld 2015 in Frankfurt/Main zu Ende; hier ein paar No­tizen.

Paperworld 2015

Schon gewusst? Der Frankfurter Messeturm wird im Volksmund „Bleistift” genannt.

Ich kann nicht verhehlen, dass sich bei mir über die Jahre eine gewisse Sättigung einge­stellt hat. Hinzu kommt eine Verlagerung von der Breite in die Tiefe, d. h. während ich mir früher gerne möglichst viel angesehen habe, schaue ich heute lieber bei ausgewählten Themen genauer hin. So habe ich diesmal eine enge Auswahl getroffen.

Nicht dabei waren u. a. Brunnen, LAMY und Schwan-STABILO, doch letztere werden auf der erstmals im Oktober stattfindenden PBS1-Messe Insights X2 in Nürnberg vertreten sein.

CARL, leider immer noch ohne deutschen Vertrieb, zeigte einen neuen Kurbelspitzer im Design eines kleinen Bahnhofs. Er soll eine konkave Spitze produzieren, doch das kann ich nicht bestätigen. – Tombow bietet in Deutschland nach wie vor nur eine kleine Auswahl des im Heimatland Japan erhältlichen Sortiments an, und im Gespräch hatte ich nicht den Eindruck, als würde sich das in absehbarer Zeit ändern.

Bei Faber-Castell, KUM und LYRA konnte ich keine Neuigkeiten entdecken. Faber-Castell hatte das Buch „Since 1761″ ausliegen, was mich überrascht hat, wurde es doch bisher nicht beworben (auch auf der Website wird es nicht erwähnt). – Am Stand von Schnei­der hat mich der sehr fein, leicht und sauber schreibende Slider Basic F beeindruckt3.

Atoma hat immer noch keinen Vertrieb für Deutschland, aber einzelne Händler bestellen direkt in Belgien und können so eine Auswahl der Produkte anbieten. Die Mitarbeiterin, von der ich das erfahren konnte, hat mir in kürzester Zeit so viel wie möglich mitzuteilen versucht und mich dann mit „Gute Besserung” verabschiedet. Das fand ich bemerkens­wert.

Die meiste Zeit habe ich bei Viarco, Möbius+Ruppert, STAEDTLER und Caran d'Ache verbracht.

Viarco

Der portugiesische Hersteller mit über 100-jähriger Geschichte imponiert mir immer wieder, vor allem durch die Gestaltung seiner Produkte und ihrer Verpackungen.

Paperworld 2015

Am kleinen, aber feinen Stand gab es Ungewöhnliches zu sehen wie z. B. das „Tablet”, eine Lochplatte mit variablen Gummiband, auf dem Schreib- und Werkzeug gehalten wer­den können.

Paperworld 2015

Interessant finde ich die „Artgraf Twins” mit zwei 22 cm langen Bleistiften mit 4 mm dicker Mine, von denen der eine den Härtegrad B hat und der andere wasservermalbar ist. – Mit im Bild der ArtGraf XL.

Paperworld 2015

Für erwähnenswert halte ich auch die Farbstifte mit den Symbolen des ColorAdd-Systems, das Menschen mit Farbsehschwächen die korrekte Identifikation von Farben vorwiegend im öffentlichen Raum ermöglicht. – In der Welt des Bleistifts könnte es gerne noch mehr klei­ne Unternehmen wie Viarco geben, die unkonventionelle Ideen haben und umsetzen!

Möbius+Ruppert

Dem traditionsreichen Unternehmen mit Sitz in Erlangen bin ich schon lange zugeneigt, da mich dessen Produkte immer überzeugt haben.

Paperworld 2015

Zu den Neuigkeiten gehören ein Behälter-Doppelspitzer im ausgefallenen Design und ein Aufsteckspitzer.

Paperworld 2015

Der unscheinbar wirkende Aufsteckspitzer hat es mir angetan. Die beiden sauber verarbei­teten Komponenten des Spitzers sitzen sicher ineinander und lassen sich gut verdrehen; im geschlossenen Zustand rastet das innere Teil ein. Für den Halt auf dem Stift sorgt ein O-Ring, der jedoch drehbar gelagert ist, so dass sich der Stift beim Spitzen leicht drehen lässt. Bei einem schnellen Test hat das eingegossene Messer einen etwa 0,25 mm dicken Span abgenommen.

STAEDTLER

Auch die Produkte von STAEDTLER haben mich nie enttäuscht, und so galt dem Stand dieses Unternehmens ein eingehender Besuch.

Paperworld 2015

Der Radierer Mars plastic feiert in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Passend dazu gibt es bereits seit Januar die Spitzer 510 10 und 510 20 in einer goldfarbenen Ausführung.

Paperworld 2015

Die vor zwei Jahren eingeführte Initium-Kollektion wurde um die Metallum-Schreibgeräte – Füllhalter, Tintenroller, Kugelschreiber und Drehbleistift – mit einem Schaft aus eloxiertem Aluminium erweitert.

Paperworld 2015

Den pigment liner 308 gibt es nun auch in den Strichstärken 1,0 und 1,2 mm sowie mit Keilspitze, wobei ich letztere am interessantesten finde.

Paperworld 2015

Zu dem 2013 vorgestellten dreiflächigen Bleistift mit Stylus-Funktion für Schreibanfänger kam mit dem Noris stylus pencil eine hexagonale Variante mit Standarddurchmesser. Er ist in blau, gelb und schwarz erhältlich.

Paperworld 2015

Seit Januar ist der 2013 gezeigte Noris color verfügbar. Der durch Coextrusion aus WOPEX-Material gefertigte Farbstift, der jetzt „Noris colour”4 heißt, wird in 24 Farben angeboten. – Im Gegensatz zum Noris eco, bei dem drei von sechs Flächen schwarz sind, hat der Noris colour das echte Noris-Design mit zwei gegenüberlie­genden schwarzen Flächen und zwei gegenüberliegenden schwarzen Kantenstrei­fen.

Paperworld 2015

Den Noris colour konnte ich noch vor Ort testen; seine Eigenschaften haben mich sehr beeindruckt.

Caran d'Ache

Der Auftritt von Caran d'Ache stand im Zeichen des 100-jährigen Firmenjubiläums.

Paperworld 2015

Selbstverständlich habe ich gleich meine Gedanken zum Holz der „Les Crayon de la Maison Caran d'Ache”-Sets ausgesprochen. Der Mitarbeiter, mit dem ich sprach, machte den Ein­druck, als wisse er genau, wovon ich spreche, und reagierte sehr diplomatisch. Seiner Ant­wort konnte ich nicht nur entnehmen, dass meine Vermutungen zum Material richtig sind, sondern auch, dass er die Unklarheit etwas bedauert. – Neben dem großen Sortiment, das durch die Farbstifte beherrscht wurde, gab es einige Jubiläums-Sets zu sehen, darunter eines mit dem Bleistift Technograph 777 und ein anderes mit einem Fixpencil.

Paperworld 2015

Das Technograph-Set5 enthält vier Bleistifte in den Härtegraden HB, B, 2B und 3B und ei­nen Einfachst-Magnesiumspitzer von Eisen. Verglichen mit dem alten Technograph hatten die Bleistifte im Set einen vergleichsweise rauhen und ungleichmäßigen Lack; darauf ange­sprochen sagte mir ein Mitarbeiter, dass man auf Wasserlack umgestellt habe. Ebenso wie die Lackierung der Bleistifte finde ich den Magnesiumspitzer des Jubiläums nicht würdig, und da es sich bei dem Inhalt des Sets um reguläre Artikel handelt, halte ich den Preis von 22 Euro für zu hoch6.

Paperworld 2015

Von ganz anderem Kaliber ist der mit 45 Euro zwar nicht billige, aber einzigartige Fixpencil, denn diese Variante mit einem Schaft aus gebürstetem Aluminium mit cm- und Inch-Skala ist nur in diesem Jubiläums-Set erhältlich. – Zur Geburtstagskollektion gehören außerdem der Prismalo-Aquarellstift, der Kugelschreiber 849 und der Kugelschreiber Ecridor.

Paperworld 2015

Ansprechend fand ich zudem die Bleistifte der GRAFIK-Serie, die es außer mit den Spielkar­ten-Symbolen auch noch in vier kontrastreichen Farbkombinationen mit unterschiedlich ge­formten Griffnoppen gibt.

Paperworld 2015

Auch Caran d'Ache bietet Luxus-Schreibgeräte an. Die auf 888 Stück limitierte Serie „Year of the Goat” hat einen Schaft mit Chinalack und Silber; der Kugelschreiber kostet 2300 Euro und der Füllhalter 2600 Euro.

Paperworld 2015

Solche Dinge mag und brauche ich nicht. Ich bleibe beim einfachen Bleistift und habe mich daher sehr über die zwei pfiffig gestalteten Jubiläums-Bleistifte gefreut, die wie die Schach­tel in den Schweizer Farben gehalten sind, wobei der weiße ein rotes und der rote ein weißes Käppchen hat. Ein in meinen Augen sehr geschmackvolles Werbegeschenk!7

Paperworld 2015

Das war's für dieses Mal – die nächste Paperworld öffnet am 30. Januar 2016 ihre Tore.

  1. Papier, Büro, Schreibwaren.
  2. Ich würde zu gerne wissen, wie man auf diesen beknackten Namen gekommen ist.
  3. So weit ist es gekommen – ich schaue mir einen Kugelschreiber an und finde den auch noch gut.
  4. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass die aus dem WOPEX-Material gefertigten Blei- und Farbstifte nicht mehr „WOPEX” heißen, sondern unter den Namen „Noris” laufen. Der Begriff „WOPEX” verschwindet von den Bleistiften und tritt nur noch als „WOPEX MATERIAL” mit eigenem Logo in Erscheinung.
  5. In der Beschreibung dieses Sets war bis gestern unter „Eigenschaften der Stifte” die Angabe „zehnschichtig” enthalten (in der englischen Variante hieß es „10 ply”), was mich an Sperrholz (plywood) hat denken lassen. Auf meine Anfrage hat mir Caran d'Ache mitgeteilt, dass „10 ply” die Schichtdicke angibt und „zehnschichtig” eine schlechte Übersetzung wäre (und dass der Technograph aus kalifornischer Zeder gefertigt würde). Heute fehlt dieses Detail, doch in der deutschen Beschreibung des dickeren Grafwood findet sich noch „8 plys” (englisch: „8 ply”).
  6. Der Technograph 777 kostet einzeln knapp 2 Euro.
  7. Wenn ich sehe, was Caran d'Ache zum 100-jährigen Jubiläum aufgefahren hat, wundere ich mich erneut darüber, dass es zum 250-jährigen von Faber-Castell nichts gab.

Hölzerner Halter

Sonntag, 3. März 2013

Auch wenn ich Minenhalter und Fallminenstifte eher selten benutze, so üben sie doch eine große Anziehungskraft auf mich aus. Ich habe daher Gerolf Hering, den Kunsthandwerker hinter www.bleistiftverlaengerung.de, gebeten, mir einen 2-mm-Minenhalter aus Holz nach seinen Vorstellungen zu fertigen (von mir kam nur die Länge1 und der Wunsch, ihn ähnlich dem Verlängerer zu gestalten). Hier das in meinen Augen sehr gelungene Stück aus Buche und Nussbaum:

Hölzerner Halter

Mit im Bild und für die gezeigte Mine benutzt: Der Minenspitzer Faber-Castell Minfix 50/65.

Doch wie wird die Mine gehalten? Ebenso einfach wie pfiffig:

Hölzerner Halter

Die Mine sitzt fest, aber noch verschiebbar in der geschlitzten Spitze. Steckt man die Spit­ze in den Schaft, sorgt ihr konisches Ende dafür, dass sie zusammengedrückt und die Mine geklemmt wird. (Der Schaft ist übrigens bis auf fünf Millimeter am abgerundeten Ende aus­gehöhlt und kann so Ersatzminen aufnehmen.) – Der Halter ist 15 cm lang, gut 9 mm dick und hat 10,50 Euro gekostet.

  1. Ich habe mich allerdings später umentschieden und den Halter gekürzt.

Rückseite

Sonntag, 13. Januar 2013

Rückseite

Etikett auf der Rückseite eines Kunststoffbehälters mit einem Dutzend Minen
Staedtler Mars Lumograph № 1904 3B (vermutl. späte 1960er)

Resteverwertung

Samstag, 3. November 2012

Bei Recherchen zu einem Beitrag fallen immer Informationen an, die zwar interessant sind, dann aber doch nicht in den Beitrag kommen. Manche davon finde ich jedoch zu schön, um sie nicht zu zeigen, so auch einige Patente für Spitzer, auf die ich bei der Recherche zum Gedess-Minenspitzer gestoßen bin; fünf davon aus den USA seien hier unkommentiert zusammengestellt. – Der Klick auf die Patentnummer führt zum kompletten Dokument bei Google Patents.

Resteverwertung

„Pencil Sharpener” von R.C. Uecke (US710822, 7.10.1902)

Resteverwertung

„Sharpener for Compass Leads and Pencil Leads” von Colin W. McMillan (US4761885, 9.8.1988)

Resteverwertung

„Pencil Pointer Cup” von Remigius J. Slattery (US2653576, 29.9.1953)

Resteverwertung

„Pencil Sharpening Device” von Herman Lobel und Louis Dispalatro (US2123511, 12.7.1938)

Resteverwertung

„Sharpener for Leads of Pencils or the Like” von William H. Behrens (US2914030, 24.11.1959)

Gedess

Sonntag, 28. Oktober 2012

Wer schon einmal die Bleistiftmine an einem Stück Schleifpapier gespitzt hat, kennt die da­mit verbundenen Probleme. Da die Mine keine bestimmte Lage in Bezug auf die Reibfläche einnimmt, muss man die Mine während des Spitzens drehen, um eine gleichmäßige, d. h. konische Spitze zu erhalten. Dabei besteht die Gefahr, die Mine durch zu hohen Anpress­druck abzubrechen oder gar mit den Minenhalter auf die Reibfläche zu kommen und ihn zu beschädigen; hinzu kommt, dass der Abrieb Hände, Zeichnung und Arbeitsplatz verschmut­zen kann. Georges Dessonnaz aus Freiburg in der Schweiz hatte eine Idee, diese Probleme zu beseitigen, und reichte am 8. April 1939 seine Patentanmeldung beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum in Bern ein. Am 15. Mai 1940 wurde ihm das Patent № 2098701 für seinen „Schärfer für Bleistiftminen” erteilt.

Gedess

Der Anspruch aus dem deutschen Patent:

Schärfer für Bleistiftminen, bestehend aus einem im Querschnitt kreisrunden Behälter, in dessen oberer Wandung ein diametral durchbohrtes Kugelgelenk für die Aufnahme eines Bleistifts oder Minenhalters angeordnet ist und der in sei­nem Innern eine kegelige Reibfläche aufweist, deren Längsachse durch den Mittelpunkt des Kugelgelenks hindurchgeht, dadurch gekennzeichnet, daß er an dem Kugelgelenk (16) eine in das Innere des Behälters ragende, an ihrem freien Ende entsprechend der Bleistiftspitze kegelige, zum Führen des Stiftes dienen­de Hülse (15) und unten im Behälter einen in Richtung der Längsachse der kegeligen Reibfläche verlaufenden, fingerhutartigen, zum Führen des Stiftes während des Schärfens dienenden Kegel (12) aufweist2.

Gedess

Beide Ausführungsbeispiele der Patenschrift verdeutlichen die pfiffige Konstruktion: Die Stifthalterung (15) mit dem Kugelgelenk (16) wird bei abgeschraubtem Bodenstück (9) in das Oberteil (4) eingesetzt. Schraubt man das Bodenstück an, zwingt dessen Kegel (12) die Stifthalterung in eine Schräglage; in dieser Position verhindert die Auskragung (17) das Herausfallen der Stifthalterung. Zudem ist der Kegel so ausgeführt, dass er nur noch eine Kreisbewegung der Stifthalterung zulässt und damit die Mine am konischen Schleifring (13) entlangführt. Der Abrieb verbleibt dabei im Innern des Geräts.

Gedess

Die Zürcher Büroartikel-Handelsfirma Hermann Kuhn erwarb das Patent 1944, ließ den Mi­nenschärfer zunächst mit dunkelrotem, später mit grauem Oberteil herstellen3 und vertrieb ihn unter dem Namen „Gedess” (Georges Dessonnaz) weltweit. – Diese Ausführung war jedoch bereits eine vereinfachte, hatte sie doch nicht mehr den in der Patentzeichnung dargestellten Spitzer im Sockel, der die Mine des Bleistiftes vom Holz befreien sollte4.

Gedess

Das Gehäuse des Gedess von Kuhn besteht aus Polystyrol und das Bodenstück sowie die Stifthalterung aus Acrylnitrilbutadienstyrol (ABS). Der ebenso wie die Kunststoffteile im Spritzgussverfahren hergestellte eiserne Schleifring hat auf der Innenseite eine etwa 0,5 mm dicke, abrasive Schicht. – Die Herstellung der Kunststoffteile, des Ringes und der Be­schichtung besorgte je eine Firma; Kuhn übernahm die Montage, die Verpackung und den Versand.

Gedess

Die nur vier Teile sind so gestaltet, dass sie nur durch ein Gewinde zusammengehalten werden; dies sowie die Form- und Farbgebung machen den Gedess zu einem minimalis­tischen Utensil.

Gedess

Auch seine Kennzeichnung ist sehr zurückhaltend (der Schleifring und die Stifthalterung tra­gen keine).

Gedess

Der Gedess ist 65 mm hoch, hat unten einen Durchmesser von 62 mm und wiegt knapp 70 Gramm. Er eignet sich für Minen mit 2 mm und 3,15 mm Durchmesser und Minenhaltern bis 9 mm Dicke.

Gedess

Sein Gebrauch ist denkbar einfach und in der beiliegenden viersprachigen Gebrauchsanwei­sung beschrieben5. Auch auf das Zerlegen und den Einsatz des Gedess mit einem Holz­bleistift sowie auf die separate Verfügbarkeit aller Teile geht das Faltblatt ein.

Gedess

Hier mit dem Uchida 1-848-5100.

Das Gerät lässt sich leicht handhaben und bringt die Mine rasch in Form (das Spiel des Stifts in der Halterung gibt mir allerdings kein gutes Gefühl). Und wie ist das Spitzergebnis?

Gedess

Das ist eher ernüchternd, zeigen sich doch die Spuren der abrasiven Schicht des Schleif­rings sehr deutlich; auch ist eine Asymmetrie erkennbar6. Zum Vergleich das Spitzergebnis des Möbius+Ruppert 970:

Gedess

(Der Vergleich ist natürlich nicht ganz fair, arbeitet doch im M+R 970 ein Fräser aus einer Speziallegierung mit einer Vickershärte von über 9007; zudem bietet der 970 durch seine Bauform einen Spitzstopp und dem Stift durch die Aufnahmen für verschiedene Durch­messer einen besseren Halt.) Der Blick auf den Schleifring des Gedess liefert die Erklärung für die Spuren an der Minenspitze:

Gedess

Ich halte es für möglich, dass man bewusst eine gröbere Körnung gewählt hat, da sich diese nicht oder zumindest nicht so schnell zusetzt und vielleicht auch etwas langlebiger ist.

2011 hat die Standardgraph Zeichentechnik GmbH in Geretsried die Rechte am Gedess so­wie dessen Herstellung und Vertrieb übernommen8. Ich war neugierig und habe mir für gut 18 Euro9 ein aktuelles Modell gekauft.

Gedess

Mein erster Blick galt dem Schleifring, denn ich hoffte auf eine feinere Körnung. Beim Auf­schrauben überraschte mich jedoch zuerst ein schmirgelndes Geräusch.

Gedess

Im Gegensatz zum alten Schleifring ist der neue auf allen Seiten mit Schleifpartikeln be­deckt und kratzt daher auch am Bodenstück. Erschreckt hat mich allerdings die Verdickung am unteren Rand, von der ich befürchte, dass sie die Minenspitze abreißt, sollte die Mine soweit in das Gerät ragen.

Gedess

Dass der Schleifring meines Exemplars nur ungleichmäßig beschichtet ist und sich die Parti­kel teilweise ablösen, spielt dann auch keine Rolle mehr, denn ich werde das Gerät zurück­schicken. (Natürlich könnte es sich um einen Produktionsfehler handeln, aber ich möchte keinen zweiten Versuch wagen.)

Eine traurige Entwicklung von einer sehr guten Idee zu einem meiner Ansicht nach wenig überzeugenden Produkt. Umso kostbarer ist mir nun mein alter Gedess!

Gedess

  1. Deutschland: Nr. 723038, Frankreich: № 864506, USA: No. 2242458. – Alle Patente lassen sich beim Europäischen Patentamt einsehen.
  2. Ja, das ist wirklich nur ein einziger Satz.
  3. Quelle: Unbekannt – Vertraut. „Anonymes” Design im Schweizer Gebrauchsgerät seit 1920 (Ausstellungskatalog, Museum für Gestaltung Zürich, 1987) – Dieses Buch erwähnt auch, dass der Gedess durch seine an eine Raumkapsel erinnernde Form in den USA den Spitznamen „Apollo” hatte.
  4. Ob es die Variante mit integriertem Spitzer jemals im Handel gab, konnte ich nicht heraus­finden.
  5. Übrigens ist in dieser vom „Füllstift” die Rede; vermutlich ist das die im Deutschen der Schweiz übliche Bezeichnung für den Fallminenstift.
  6. Wie sagte eine Kollege so schön? „Ein Biber hätte es nicht besser machen können.”
  7. Zum Vergleich: Zahnschmelz – gut 500, Feldspat – etwa 800, Quarz – gut 1100.
  8. Neben der grauen Variante mit rotem Bodenstück und Stifthalterung (Art.-Nr. DX3260), die es bereits von Kuhn gab, hat man auf der Paperworld 2012 eine transparente Ausführung (Art.-Nr. DX3260T) gezeigt.
  9. Zum Vergleich: Der alte Gedess hat mich vor wenigen Jahren im Fachhandel 8 Euro gekostet.

Spitzenreklame

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Von Praktikern für Praktiker: Ein Flyer für die Minenspitzdose 9601 von Möbius+Ruppert aus den 80er Jahren.

Spitzenreklame

Mir gefallen die Illustration und die schnörkellose Sprache, die den Nutzen des Geräts her­ausstellt und ganz ohne die heute oft lästigen Worthülsen auskommt.

Spitzenreklame

Danke an Herrn Fischer von Möbius+Ruppert für den Scan!

  1. Der 960 war der Vorgänger des 970 und deutlich größer als dieser.
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