Archiv des Stichworts „Johann Faber”

Markiges Marketing (17)

Samstag, 12. Juni 2010

Reklamemarke von Johann Faber

Das leichte Gleiten seines „Apollo”-Bleistifts über das Papier bewarb Johann Faber auf dieser wohl gut 90 Jahre alten Reklamemarke mit einem lustigen Vergleich. Ob jedoch die recht unkonventionelle Skistellung der Fortbewegung zuträglich war und der schwarz lackierte Stift dabei als Balancierstange oder zum leichteren Auffinden des Sportlers diente, bleibt unklar.

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Johann Faber 1911

Donnerstag, 25. März 2010

Der prunkvolle Messestand der Bleistiftfabrik von Johann Faber auf der Internationalen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Turin 1911 stand im Mittelpunkt dieses 29 × 22,5 cm² großen Blattes, mit dem das Unternehmen die dort errungene höchste Auszeichnung, den „Grand Prix”, präsentiert und ausführlich über sich informiert hat.

Werbeblatt der Bleistiftfabrik von Johann Faber (1911)

Auf der Rückseite erfuhr der Leser einiges aus der Firmengeschichte, in der man auch auf den gerichtlichen Streit zwischen den Faber-Brüdern und die Entscheidung zu Gunsten Johann Fabers einging. Darüber hinaus fanden die Energieversorgung des Werks sowie die Rohstoffe Erwähnung: Neben dem sibirischen gingen pro Jahr weitere 120 Tonnen Graphit und über 3000 Tonnen Zedernholz aus Nordamerika in die Bleistift-Produktion, die von vier Dampfmaschinen und fünf Elektromotoren 900 PS bezog; eine eigene Lichtzentrale speiste 1500 Glüh- und 20 Bogenlampen.

Werbeblatt der Bleistiftfabrik von Johann Faber (1911, Ausschnitt)

Die auffälligen und dekorativen Säulen des Standes, in dessen luxuriösem Innern sich wohl jeder Bleistift-Freund gerne aufgehalten haben dürfte, stellten überdimensionale Varianten des damals neuen „Apollo”-Polygrades-Bleistifts No. 1250 dar, der in 15 Härten von 6B bis 7H angeboten wurde.

Werbeblatt der Bleistiftfabrik von Johann Faber (1911, Ausschnitt)

Schwarzes Gold

Donnerstag, 4. März 2010

Als der französische Kaufmann Jean-Pierre Alibert Mitte des 19. Jahrhunderts im südlichen Sibirien nach Gold suchte, machte er eine ungewöhnliche Entdeckung. Die Brocken reinen Graphits, die er nahe Irkutsk fand, ließen ihn nach der Quelle suchen; 1847 ortete er diese schließlich auf dem Gipfel des Berges Batugol1 im Sajangebirge, gut 430 km westlich der ursprünglichen Fundstelle.

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1885)

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1885)

Erst nach sieben Jahren des mit unglaublichem Aufwand betriebenen Abbaus stieß er auf eine zweite Lagerstätte, deren Graphit die Alibert-Mine legendär machen sollte, denn in der Qualität stand dieser dem aus Cumberland in nichts nach.

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1888; Ausschnitt)

Den zahlreichen Ehrungen Jean-Pierre Aliberts folgte im Jahr 1856 ein Exklusivvertrag mit der Bleistiftfabrik A.W. Faber, die fünf Jahre später die ersten Stifte mit sibirischem Graphit auf den deutschen Markt brachte; 1865 waren diese auch in Amerika erhältlich.

Anzeige für Bleistifte von Johann Faber mit sibirischem Graphit (USA 1888)

Anzeige für Bleistifte von Johann Faber mit sibirischem Graphit (USA 1888)

Die hohe Qualität des Graphits und dessen Kombination mit bayerischem Ton ermöglichten erstmals die Fertigung von Bleistiften in 16 reproduzierbaren Härtegraden, die unter dem Namen „Polygrades” in den Handel kamen und auf der Londoner Weltausstellung im Jahr 1862 gefeiert wurden.

(Warum ich das schreibe, wo es doch schon in Henry Petroskis Klassiker „Der Bleistift”, diversen Broschüren von Faber-Castell und auch unter „Looking for Gold, Finding Graphite: Faber, Alibert and the Siberian Mines” bei Palimpsest steht? Nun, ich konnte den Stich und die Anzeige bekommen und wollte beides nicht ohne Drumherum zeigen.)

Nachtrag vom 5.3.10: Hier noch ein paar Worte zu den Quellen der beiden Dokumente. Der 178 × 118 mm² große Holzstich war bei zwei eBay-Anbietern zu finden, wobei ihn der eine auf 1800–1870 und der andere auf 1885 datiert hat (dabei ist die erste Angabe sicher nicht ganz korrekt, gab es die Mine doch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts). Eine weitere Suche förderte zwei Antiquariate zutage, die diesen Stich ebenfalls führen und die Jahre 1878 und 1888 angeben; eines nennt als Künstler Franz Schreyer.

Signatur auf dem Holzstich (unten links)

Signatur unten links

Die Signaturen auf dem Holzstich (wenn es denn welche sind) haben mir bis jetzt nicht weitergeholfen, ebenso wenig die Angabe „Vol. 11″ in der linken unteren Ecke des Blattes (sie ist in der hier gezeigten Reproduktion nicht zu sehen).

Signatur auf dem Holzstich (unten links)

Signatur unten rechts

Die Anzeige stammt laut eBay-Händler von 1888 und aus „Century Illustrated Monthly Magazine” oder „Harper’s Magazine”.

Nachtrag vom 14.3.10: Erhard Sattmann schreibt in seinem Buch „Vom Faustkeil zum Bleistift” (1953) zu dieser Graphitmine:

  • Das Graphitvorkommen in den Gebirgsschluchten von Irkutsk soll schon vor Jean-Pierre Alibert durch den Kosakenoffizier Tscherepanoff entdeckt, aber nicht ausgewertet worden sein.
  • Bis man auf den hochwertigen Graphit stieß, mussten mehr als 300 Tonnen eines minderwertigen aus dem 2000 Meter über dem Meer liegenden Lager gefördert werden.
  • Der Berg Batugol erhielt später zu Ehren des französischen Kaufmanns den Namen „Alibertberg”.
  • Der sibirische Graphit wurde anfänglich sogar im Naturzustand für Bleistifte verwandt und erst später mit Ton gemischt.

Danke an Herbert R. für den Hinweis auf dieses Buch!

  1. In manchen Quellen findet man auch die Schreibweise „Batougol”.

Eberhard Faber kommt nach Hause

Dienstag, 13. Oktober 2009

1978, also vor 31 Jahren, erwarb STAEDTLER die Markenrechte an „Eberhard Faber” für Europa. Wie eine Pressemitteilung vom 1.10.2009 informiert, wurden die bisher unter der Marke „Eberhard Faber” angebotenen Produkte (darunter die sehr beliebte Modelliermasse FIMO) nun in das Sortiment von STAEDTLER integriert und die Marke mit Wirkung zum 1. Januar 2010 an Faber-Castell verkauft. Damit sind zum ersten Mal alle drei „Faber”-Marken im Besitz des ursprünglichen, im Jahr 1761 gegründeten Unternehmens A.W. Faber, das seit 1898 unter „Faber-Castell” firmiert.

Gestatten, Berthelt!

Mittwoch, 3. Juni 2009

Gestatten, Berthelt!

Guten Tag, wertes Publikum, ich heiße Berthelt. Mit einem Vornamen kann ich leider nicht dienen, denn den gab mir mein Erzeuger, der Johann Faber aus Nürnberg, weiland größter Bleistifthersteller des Landes, nicht mit, nachdem er mich vor, na, vielleicht 90 Jahren im Süden Deutschlands in die Welt gesetzt hat. Ich bekam damals einen eleganten Mantel in kräftigem Rot um, der zu meiner großen Freude mit silberfarbenen Applikationen verziert wurde – darunter auch Schlägel und Eisen, was meine Beziehung zum Bergbau zeigt –, und los ging’s.

Gestatten, Berthelt!

Aufmerksamen Beobachtern wird es bereits aufgefallen sein: Ziemlich am Ende meines Über­ziehers prangt – einem Rangabzeichen gleich – „№ 2″, doch Kenner meines Metiers wissen sehr genau, dass die Nummer 2 in unserer Branche eigentlich die Nummer 1 ist. Diesen Sachverhalt den Nicht-Fachleuten unter ihnen zu erklären würde aber den Rahmen meiner kurzen Vorstellung sprengen, und so muss ich leider darauf verzichten.

Auch wenn mein Auftreten auf manche etwas hölzern wirken mag, so kann ich versichern, dass sich in meiner glatten, zweigeteilten Schale ein recht weicher Kern verbirgt und ich mir nicht zu schade bin, mich für meine verantwortungsvolle Tätigkeit aufzureiben. Als man mir damals eine glänzende Karriere ankündigte, hat man nicht zu viel versprochen, denn ich bin tatsächlich universell einsetzbar und mit dem Umgang jedweder Information bestens vertraut, mögen sie aus Zahlen, Buchstaben oder sonstigen Zeichen bestehen, und in der Hand Kunstschaffender vermag ich ebenso zu überzeugen.

Gestatten, Berthelt!

Glänzend sind übrigens auch die grauschwarzen Spuren, die mein traditionsreiches Werk auf dem Papier zu hinterlassen vermag und denen weder Sonne noch Wasser etwas anhaben können. Ganz im Kontrast zu meinem auffälligen Äußeren mische ich mich nicht in die Belange derer ein, die meine Dienste nutzen, sondern halte mich – wie es sich für meinen Stand gehört – vornehm zurück. Wer mich und mein Können in Anspruch nimmt, kann sich also ganz auf die die eigenen kostbaren Gedanken konzentrieren.

Ich glaube sagen zu können, dass ich mich für mein Alter hervorragend gehalten habe – ich bin nicht aus dem Leim gegangen, und so sitzt mein schlichter Mantel auch heute noch wie angegossen. Apropos Mantel: Dieses betagte Kleidungsstück ist von erstaunlich hoher Qualität. Selbst nach den vielen, zum Teil turbulenten Jahrzehnten ist sein Stoff weder eingerissen noch abgegriffen, und auch den attraktiven Aufdrucken sieht man die Jahre nicht an, so dass ich bestimmt nach wie vor eine sehr gepflegte Erscheinung abgebe. Gewandungen dieser Güte findet man heutzutage recht selten, aber das nur nebenbei.

Gestatten, Berthelt!

Der naheliegende Eindruck, bei meinem anstrengenden Tagewerk würde ich auf Dauer abstumpfen, täuscht sehr, denn falls nötig, bringt mich dieser komische Kauz, in dessen merkwürdigem Potpourri ich mich hier präsentieren darf, wieder schnell in Form. Doch wie es eine Lebensaufgabe so an sich hat, zehrt auch die meine an mir, so dass ich irgendwann fast gänzlich verschwunden sein werde. Aber wer weiß – möglicherweise hat ja einer der geschätzten Anwesenden mitgeschrieben, was ich hier erzählt habe, und bewahrt es damit für die Nachwelt.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit und empfehle mich.

Sphinx

Freitag, 29. Mai 2009

Nach dem „ALLIGATOR” und dem „DRAGON” hier nun ein weiterer, recht ungewöhnlich gestalteter Bleistift, und zwar der „SPHINX” von Johann Faber. Leider weiß ich auch von diesem fast nichts, und so beschränke ich mich auf die Präsentation dieses (wie ich finde) ansprechenden Bleistifts.

Sphinx

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sphinx

Der runde, in einem sehr dunklen Rot und nicht immer ganz gleichmäßig lackierte Bleistift hat Standardmaße. Neben einer Grafik der Sphinx sowie Schlägel und Eisen, dem aus dem historischen Bergbau stammenden Sinnbild des 1876 gegründeten Unternehmens, trägt er die Aufdrucke „JOHANN FABER’S SPHINX” und „MADE IN NÜRNBERG-GERMANY” (die Angabe des Härtegrads fehlt jedoch). Das Alter kann ich nur schätzen: Da die Firma Johann Fabers 1942 von Faber-Castell übernommen wurde, müsste der Bleistift 67 Jahre oder älter sein (vorausgesetzt, der Markenname ist mit der Übernahme verschwunden); von der Gestaltung würde ich allerdings auf die 20er Jahre schließen.

Sphinx

Sphinx

Ein weiterer Schriftzug, ebenfalls im silberfarbenen Prägedruck, überrascht: „THE GLOBE STATIONERY MART, RANGOON.” Wurde dieser Bleistift vielleicht für den Verkauf in einem Geschäft dieses Namens gefertigt und dazu entsprechend bedruckt? Wenn ja, handelt es sich bei „Rangoon” um die Stadt Rangun in Myanmar, dem ehemaligen Birma?

Sphinx

Gespitzt mit dem Handspitzer DUX DX4122

Sphinx

… und der Kurbelspitzmaschine Carl Decade DE-100

Die Verarbeitung meiner Exemplare, die noch völlig gerade sind, ist von hoher Qualität, denn die Holzhälften zeigen keine Anzeichen dafür, dass sie sich trennen, und in allen Stiften sitzt die Mine zentrisch. Bis auf kleine Lagerspuren wie ein paar Abplatzungen des Lacks und Dellen konnten die Jahrzehnte dem „SPHINX” nichts anhaben. Das rötliche, fein gemaserte Holz lässt sich sowohl im Handspitzer als auch in der Kurbelspitzmaschine gut spitzen, und seine Mine, die etwas härter als HB zu sein scheint, hat eine saubere und gleichmäßige Abgabe. Eine Pracht!

Sphinx

Markiges Marketing (2)

Montag, 30. März 2009

Reklamemarke von Johann Faber

Ebenso wie LYRA haben noch andere Schreibgeräte-Hersteller mit Reklamemarken für sich geworben, darunter auch Johann Faber aus Nürnberg, dessen „ACME”-Bleistiftspitzer hier auf 54 × 54 mm² grafisch durchaus reizvoll angepriesen wird. – Die erste Variante dieses aus drei Teilen (Korpus, zweiseitig geschliffenes Messer und Rändelschraube) bestehenden Spitzers kam laut Leonhard Dingwerths „Kleiner Anspitzer-Fibel” um 1905 auf den Markt; der Gebrauch des englisches Wortes „acme” auf dem deutschen Markt der damaligen Zeit überrascht mich jedoch.

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Alligator

Mittwoch, 11. März 2009

Viel zu schön, um nicht detailliert gezeigt zu werden: Das kleine Krokodil auf dem runden, schwarz lackierten Bleistift „ALLIGATOR” No. 2 von Johann Faber. (NB: Georg Büttners Bleistiftseiten zufolge ging Johann Faber, der sein Unternehmen 1876 gründete, im Jahr 1932 eine Zusammenarbeit mit Faber-Castell ein und wurde zehn Jahre später von diesem übernommen.)

Alligator

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Leider weiß ich überhaupt nichts über die Geschichte dieses wohl sehr alten Bleistifts, aber laut Bob Truby’s Brand Name Pencils muss es zumindest noch einen Kopierstift dieses Namens, jedoch ohne Grafik gegeben haben. – Neben dem Schwan auf den Stiften von STABILO, der bereits 1875 als Markenzeichen eingeführt wurde, gibt es heute noch die Libelle bei Tombow. Darüber hinaus kenne ich nur einen weiteren Bleistift mit Tier, nämlich den „Kiddi Black Elefant” von STAEDTLER, doch dieser ist seit geraumer Zeit nicht mehr erhältlich.

Alligator

Da das Krokodil in der westlichen Kulturgeschichte eine eher untergeordnete Rolle spielt, vermute ich, dass es hier lediglich der Dekoration dient, doch diese Aufgabe erfüllt es in meinen Augen auf eine sehr nette und attraktive Weise.