Archiv des Stichworts „Johann Faber”

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„Faber-Castell since 1761″ (2)

Montag, 7. Oktober 2013

Mit „Faber-Castell since 1761″ gibt es seit kurzem eine umfangreiche Unternehmens- und Familiengeschichte der Bleistiftdynastie. Hier ein paar subjektive Anmerkungen.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Der üppig gestaltete, etwa 24,5 × 29 cm große und 520-seitige Band aus der Collection Rolf Heyne ist fadengeheftet, gebunden und durchgehend vierfarbig. Die Verarbeitungs­qualität des in Italien gedruckten Werkes ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr gut.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Die Gliederung des chronologisch aufgebauten Buchs orientiert sich im wesentlichen an den acht Generationen und bietet über die mit „Wie die Welt aussah” betitelten Rubriken den zeitgeschichtlichen Kontext, was mir gut gefällt. Den Bauwerken ist ein eigenes Kapi­tel gewidmet, und der Anhang enthält u. a. einen Ausschnitt aus den Stammtafeln der Familien Faber und Castell sowie den Familienstammbaum.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Das Buch erfreut mit sehr ästhetischen Darstellungen; hier der Erwerb einer Graphitmine in Südsibirien durch Lothar von Faber im Jahre 1856 und Werbematerial für die Marken ACME und Apollo von Johann Faber.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Sämtliche Produktbereiche von gestern und heute werden präsentiert, darunter – neben Blei- und Farbstiften – Schiefertafeln und -griffel, Tinten und Tuschen, Rechenstäbe, Füll­halter, Zeichengeräte sowie Kosmetik.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Manches hätte ich gerne jedoch etwas ausführlicher gesehen, so z. B. das Sortiment von Eberhard Faber in den USA und die Bleistiftspitzer; vielleicht wäre auch das eine oder an­dere ungewöhnliche und heute fast vergessene Produkt (wie etwa der Flach­minen-Dreh­bleistift TK 9600) eine Erwähnung wert gewesen.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Angesichts des ganzen Know-how hinter den vielfältigen Produkten verwundert mich, wie wenig Technik gezeigt wird – Patentzeichnungen, Werkzeuge, Maschinen, Prototypen, halbfertige Produkte und andere Details zu Entwicklung und Fertigung fehlen fast völlig, was ich sehr schade finde.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Markengeschichte und Imagepflege indes sind ausführlich dokumentiert, und so wirken nicht wenige Seiten wie aus einer Werbebroschüre (und auf mich in einem solchen Buch unangenehm).

„Faber-Castell since 1761” (2)

Dass mich die ausführliche Darstellung der Bauwerke wenig und die zahlreichen privaten Einblicke kaum ansprechen, liegt vermutlich daran, dass ich nicht zur Zielgruppe dieses Buchs gehöre.

„Faber-Castell since 1761” (2)

„Faber-Castell since 1761″ ist sicher reizvoll, würde mir aber erheblich besser gefallen, wenn es weniger Familienfotos und Eigenwerbung und dafür mehr technikgeschichtliche Details enthalten würde; so kann ich das 58 Euro teure Buch leider nur eingeschränkt empfehlen.

Nachtrag vom 20.10.13: Unter „Faber-Castell Since 1761 (3)” bietet Sean von Contra­puntalism einen Blick auf die englische Ausgabe dieses Buches, zu der mir der Verlag Ende September sagte, es gäbe sie nicht.

„Faber-Castell since 1761″

Montag, 23. September 2013

Nach einigen Verschiebungen endlich veröffentlicht: „Faber-Castell since 1761″. – Entge­gen den Angaben auf der Produktseite ist das etwa drei Kilogramm schwere und 58 Euro teure Buch aus dem Verlag Collection Rolf Heyne seit dem 19. September lieferbar.

Nachtrag vom 7.10.13: Hier gibt es eine kurze Besprechung.

Patent Nr. 618308

Samstag, 25. Mai 2013

Wer hatte als erster die Idee zu einem Bleistiftspitzer mit gebogenem Messer1 (wie z. B. dem Faber-Castell Janus 4048) und ließ sie sich patentieren? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, doch das Patent Nr. 618308 für einen „Bleistiftspitzer mit Klingen”, erteilt am 31. August 1932 für Leopold Jacobsohn in Berlin und bekanntgegeben am 22. August 1935, könnte Aufschluss geben.

Patent Nr. 618308

In der Patentschrift heißt es:

Die Erfindung betrifft Bleistiftspitzer mit Klingen zur Erzeugung einer kurvenför­migen oder gebrochenen Schnittlinie am Holz und Minenteil.

Und weiter:

Es ist bekannt, Klingen so herzustellen, daß sie eine geknickte oder gebogene Schneide aufweisen. Sie müssen infolge dieser Form beim Schleifen mehrmals eingestellt und genau geschliffen werden. Da eine wirkliche Genauigkeit dieser mehrfachen Schleifkanten nicht zu erzielen ist, muß jede Klinge beim Einsetzen in den Spitzer erst eingestellt werden. Dadurch werden derartige Bleistiftspitzer teuer.

Hier dachte ich zunächst, dass man Spitzer mit geschwungenem Messer bereits kannte, doch streng genommen geht dies aus dem Absatz nicht hervor.

Nun die Idee:

Der Erfindungsgegenstand beseitigt diese Nachteile, daß die Klingen geradlinig hergestellt und geschliffen werden. Die geradlinige Klingenschneide wird dann in den Klingenhalter durch eine entsprechend angeordnete und ausgebildete Klingenträgerplatte und durch entsprechend angeordnete und ausgebildete Spannmittel in ungleichmäßig gebogene oder gebrochene Schnittformen gebracht, derart, daß der Holzteil beispielsweise geradlinig und der Minenteil kurvenförmig bzw. aus der Ebene des Holzteils geradlinig abgesetzt geschnitten wird.

Es folgen die Aufzählung der Vorteile eines solchen Spitzers, Details zu zwei Möglichkeiten der Umsetzung und die Patentansprüche.

Patent Nr. 618308

Variante 1

In der ersten Variante wurde eine gerade Klinge (c) mithilfe eines Klingenhalters (a, wohl der Spitzerkorpus) und Spannmitteln (b, d) gebogen. Vermutlich sollte hier der Teil einer gebrauchten Rasierklinge2 verwendet und die Nachteile ihrer geringen Dicke durch das beidseitige und auf der ganzen Länge arbeitende Spannmittel ausgeglichen werden; auch spräche der kleine Biegeradius dafür.

Patent Nr. 618308

Variante 2

Für die zweite Variante3 kam eine 0,8 mm dicke Klinge (e) mit einer 0,6 mm tiefen Aus­sparung (f) zum Einsatz. Zwei Schrauben spannten die Klinge auf die Tragplatte (a), wobei sich die Klinge an der Materialschwächung krümmte.

Mich würde nicht wundern, wenn dieses Patent die Grundlage für die Entwicklung des Ja­nus 4046 von A.W. Faber und des Helios von Johann Faber war, denn beide Spitzer kamen drei Jahre nach der Patenterteilung und im Jahr der Patentveröffentlichung auf den Markt. Bei diesen beiden Spitzern ging die Schraube durch den Spitzer hindurch in ein Gewinde im Messer und zog es an die gekrümmte Auflagefläche; diese Variante würde ich als die dritte bezeichnen. Der nächste Schritt, für mich die vierte Variante, könnte dann der Janus 4048 von Faber-Castell aus dem Jahr 1965 gewesen sein, dessen Messer kein Gewinde, sondern nur noch eine Bohrung aufwies. Durch diese drehte man die Schraube in den Spitzer und brachte so das Messer in die gebogene Form. – In den ersten beiden Varianten hat das Messer einen sehr kleinen Biegeradius, wodurch das Material an der Knickstelle stark stra­paziert wurde. Für einen weiteren Nachteil der (wie es in der Patentschrift heißt) gebro­chenen Schnittform halte ich die höhere Bruchgefahr der resultierenden Spitze auf der Hö­he des kleinen Radius. Bei den späteren Messern war die Biegelast gleichmäßiger verteilt, was nicht nur der Haltbarkeit des Messers, sondern wohl auch der Bruchstabilität der Spitze zugute kam (ein über die ganze Länge des Messers konstanter Biegeradius ist angesichts der Materialschwächung durch das Gewinde (4046/Helios) bzw. die Bohrung (4048) und der Verjüngung durch die Schneide natürlich illusorisch).

Meine Recherchen zur Geschichte dieses Spitzertyps dauern an. Und es bleiben Fragen: Gab es seit den frühen 70er Jahren, also nach dem Janus 4048, wirklich keinen Spitzer mit gebogenem Messer mehr? Die Schutzdauer des Patents ist längst abgelaufen. Hat denn keiner das Konzept erneut umgesetzt? Und: Wie könnte eine Weiterentwicklung ausse­hen? Ließe sich das Messer so montieren, dass man den Krümmungsradius variie­ren kann? (Dieser Gedanke kam mir beim Blick auf das US-Patent 4506716 von Hirro Hayashi aus dem Jahr 1982.) Könnte man in den Spitzer eine zweite Bohrung einbringen, um an der gegen­überliegenden Schneide 2-mm-Minen zu spitzen?

Danke an Wowter für seinen Hinweis auf dieses Patent!

Nachtrag vom 27.5.13: Bemerkenswertes findet sich im US-Patent Nr. 521744, Henry A. Veazie am 19. Juni 1894 erteilt:

Patent Nr. 521744

Dieses zeigt ein gekrümmtes Messer (hier zum Einstecken) in einem Aufsteckspitzer (!).

  1. Ich benutze hier „Klinge” und „Messer” synonym; letzteren Begriff bevorzuge ich und wähle ersteren daher vorwiegend bei Zitaten.
  2. Spitzer mit Rasierklingen habe ich in schlechter Erinnerung; siehe „Spitzen anno dazumal”.
  3. Hier fiel mir zudem der konkave Schliff auf, den ich nur von alten Spitzermessern kenne.

Johann Faber No. 5837

Montag, 11. März 2013

Heute ein kurzer Blick auf ein besonderes Dutzend1.

Johann Faber No. 5837

Diese flachen und nur 62 mm kurzen Bleistifte von Johann Faber nutzte man mit einem Umsteckschoner (ähnlich diesem), der gleichzeitig als Verlängerer diente. Gedacht waren sie laut „Der Bleistift” von Henry Petroski für die Westentasche.

Johann Faber No. 5837

Johann Faber No. 5837

Sie haben einen 4 × 9 mm großen, abgerundeten Querschnitt und eine runde 2-mm-Mine etwa des Härtegrads H. Gespitzt hat man sie wohl mit dem Messer.

Johann Faber No. 5837

Links ein Mitsubishi Hi-uni HB.

Außer dem ungewöhnlichen und (westen-)taschenfreundlichen Format dieser Bleistifte ge­fällt mir die Kombination aus Maserung, Klarlack und Silberstempel.

Johann Faber No. 5837

Johann Faber No. 5837

  1. Ich weiß, dass es nur elf sind, aber ich sehe das jetzt mal nicht so streng.

Markiges Marketing (21)

Freitag, 8. Februar 2013

Markiges Marketing (21)

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es mehrere zum Teil konkurrierende Stifthersteller mit dem Namen Faber, und an andere konnten sich die Kunden zumindest noch erinnern. So war es für diese Unternehmen besonders wichtig, sich abzusetzen und nicht nur auf ihren Namen (oder wie im Falle von A.W. Faber sogar auf Namensbestandteile), sondern auch auf ihr Markenzeichen hinzuweisen, wie es Johann Faber mit dieser etwa 100 Jahre alten und 5 × 5 cm großen Reklamemarke getan hat. Statt eines Produktbilds stehen hier Schlä­gel und Eisen im Mittelpunkt, die bis ins 17. Jahrhundert hinein die typischen Werkzeuge des Bergmanns waren und auch heute noch als Symbol in Gebrauch sind (es kennzeichnet u. a. den Werktag in Fahrplänen und ist im Unicode-Standard enthalten). Ich vermute, dass Johann Faber dieses (übrigens seitenverkehrte) Zeichen wegen des Graphitbergbaus gewählt hat, und würde mich nicht wundern, wenn man mit dem Bogen auf dieser in mei­nen Augen sehr ansprechenden Reklamemarke einen Stollen hat andeuten wollen. – Apro­pos Marke: Das 1875 in Kraft getretene Markenschutzgesetz geht auf die Petition eines anderen Faber zurück, nämlich auf die des Lothar von (und Bruder des Johann).

Nachtrag vom 28.2.13: In der Festschrift „Die Bleistift-Fabrik von Johann Faber in Nürn­berg” von Carl Faber, herausgegeben anlässlich des 70. Geburtstags von Johann Faber und des zehnjährigen Bestehens der Fabrik (Bieling-Dietz 1889), heißt es:

„Alle Bleistift von Johann Faber sind mit dem vollen Namen der Firma: Johann Faber und der Schutzmarke ⚒ (zwei sich kreuzenden Hämmern) gestempelt.”

Den Kopf der Seite 1 ziert diese Grafik:

Markiges Marketing (21)

Somit handelt es sich bei diesem Logo nicht um Schlägel und Eisen, wie ich bisher dachte, sondern um zwei Hämmer.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf diese Festschrift!

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Markiges Marketing (20)

Samstag, 12. Januar 2013

Die Blei- und Kopierstifte der „Apollo”-Reihe bewarb Johann Faber mit dieser Reklame­marke.

Markiges Marketing (20)

Die Darstellung des Stifts wundert mich etwas, erweckt sie doch den Eindruck, als wäre er aus dem Baum heraugeschnitzt worden. Doch wie auch immer – mir gefällt dieses Stück.

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Wer ist das?

Freitag, 11. Januar 2013

Diese Frage (hier in Sütterlin) stellte Johann Faber 1930 in einer Anzeige, die den „Apol­lo”-Bleistift bewarb.

Wer ist das?

Der Text in Sütterlin lautet „Bedingungen in den Fachgeschäften”.

Die offizielle Antwort kenne ich nicht, doch ich denke, das man Maler Klecksel von Wilhelm Busch gemeint hat:

Wer ist das?

Nachdem Klecksel seinen Lehrmeister Quast vorzeitig und in einem bedauernswerten Zu­stand verlassen hat, schreitet der durch die Gulden seines Vaters gestärkte Künstler selbst­bewusst und mit großer Mappe dahin.

Jetzt hat der Kuno Geld in Masse.
Stolz geht er in die Zeichenklasse.
Von allen Schülern, die da sitzen,
Kann keiner so den Bleistift spitzen.
Auch sind nur wenige dazwischen,
Die so wie er mit Gummi wischen.
Und im Schraffieren, was das Schwerste,
Da wird er unbedingt der Erste.
Jedoch zunacht, wenn er sich setzte,
Beim Schimmelwirt, blieb er der Letzte.
Mit Leichtigkeit genießt er hier
So seine ein, zwei, drei Glas Bier.

Das vollständige Werk ist u. a. bei zeno.org zu finden; die Zeichnung und das Zitat stam­men aus dem vierten Kapitel.

Alligator

Donnerstag, 23. August 2012

Man sagt, ein Alligator könne bis zu 70 Jahre alt werden, doch der heute vorzustellende ist sogar mit 118 noch fit und nicht nur deshalb ein besonderer.

Alligator

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

In die Welt kam er 1894 mit der Eintragung der Marke »THE “ALLIGATOR” Made in Nürn­berg (Germany)«1 durch die Bleistiftfabrik Johann Faber in Nürnberg2. Einen sehr frühen Auftritt des Alligators dokumentiert der Katalog des Jahres 1898 von Richard Best, New York: Der dreiflächige Bleistift No. 125 „Alligator” war mit einem Radierer bestückt und in drei Härte­graden erhältlich.

Alligator

Einige Jahrzehnte neuer sind der runde „Alligator” № 2 und diese sechsflächige Variante in BBBB mit Radierer.

Alligator

Das Auffälligste an diesem Stift ist – abgesehen von dem kleinen Tier – der Härtegrad, des­sen Schreibweise hierzulande wohl um 1900 üblich war und später durch 4B abgelöst wur­de. Beim Schreiben überrascht jedoch, dass die Mine deutlich härter ist und eher B oder 2B entspricht.

Alligator

Material- und Verarbeitungsqualität schwanken bei meinen Exemplaren stark. Im besten Fall ist die Lackierung weitgehend glatt und gleichmäßig, der Prägedruck sauber und die Mine homogen; auch wurde die Zwinge sorgfältig angebracht. Manche Stifte haben allerdings deutliche Mängel im Lack und in der Prägung, die Zwinge am falschen Ende und eine Mine, die manchmal leicht kratzt.

Alligator

Spitze (ab Werk, Kurbelspitzer Carl Decade DE-100, Handspitzer M+R „Granate”)

Das Zedernholz lässt sich im Hand- und im Kurbelspitzer gut spitzen und die Mine recht gut radieren, doch durch die Streuung der Qualität und den über die Jahre hart gewordenen Radierer eignet sich dieser Bleistift nur noch bedingt für den täglichen Gebrauch. – Interes­sant ist ein Kommentar meines kundigen Lesers Herbert R. zum „Alligator”:

Erstaunlicherweise finde ich den Alligator in keinem J. Faber Katalog zwischen 1910 und 1929. Nur auf einem Radiergummi von 1910. Dafür taucht der Stift bei A.W. Faber in Auslandskatalogen ab 1951 auf. Als Bleistift HB oder 2 poliert in „dark, red, black or natural”, als Bleistift BBBB mit Gummikapsel, als Kopierstift mit gelber Politur in 2 Härten und als Farb-Kopierstift mit gelber Politur und vio­letter Mine. Immer mit dem aufgeprägten Alligator.

Kurz nach dem Fund des alten „Alligator” erhielt ich den Hinweis auf einen weiteren und konnte mir den Kauf nicht verkneifen.

Alligator

Auch diese Ausführung hat einen sehr dunklen, rotbraunen Lack, einen hellen Radierer in champagnerfarbener Zwinge und die Härtegrad-Kennzeichnung BBBB; ein Teil des Präge­drucks ist in Arabisch.

Alligator

Von Faber-Castell konnte ich erfahren, dass die Marke „Alligator” 19433 auf A.W. Faber-Castell umgeschrieben und in den 1950er Jahren auf Löschpapierkarten und farbenfrohen Blechetuis beworben wurde. Dieser Bleistift mit den arabischen Schriftzeichen, so Faber-Castell weiter, ist die aktuelle Version des „Alligator”-Stifts und seit gut zehn Jahren im Markt. Er wird in Stein produziert und seit über 50 Jahren ausschließlich in Saudi-Arabien vermarktet; zurzeit werden jährlich etwa 20 Millionen „Alligator”-Bleistifte gefertigt. – Der arabische Text kam vor ungefähr zehn Jahren aufgrund der zahlreichen Plagiate hinzu und besagt in etwa „Alligatorstift hergestellt in Deutschland” (entsprechende Hinweise finden sich zudem auf der Verpackung).

Alligator

Spitze (ab Werk, Kurbelspitzer Carl Decade DE-100, Handspitzer M+R „Granate”)

Der Lack ist im Vergleich zum älteren „Alligator” rauher und dünner, und statt des Zedern­holzes wird Jelutong4 verwendet. Die Mine schwärzt zwar etwas weniger stark, schreibt sich aber wesentlich glatter und lässt sich besser radieren. Der festsitzende Radierer erfüllt seine Aufgabe sehr gut.

Alligator

Die Mine des neueren „Alligator” ist ebenfalls spürbar härter als 4B. Faber-Castell klärt auf: Er hatte früher eine 4B-Mine, doch dann wurde die Spezifikation geändert; heute befindet sich eine B-Mine im Stift. Die Bedruckung hat man jedoch beibehalten, um den Verbrau­cher nicht zu irritieren.

Alligator

Löschpapierkarte aus den 1950er Jahren

Bemerkenswert finde ich übrigens, wie sich der Alligator über die Zeit gewandelt hat. Wirk­te er anfänglich ziemlich aggressiv, so war er später entspannt, und die auch heute noch genutzte Ausführung macht einen beinahe milden Eindruck.

Alligator

Danke an Faber-Castell für die Scans und die Informationen!

  1. Auch wenn die Marke als „ALLIGATOR”, also in Versalien eingetragen ist und auch so verwen­det wird, benutze ich hier die Gemischtschreibung.
  2. Er ist jedoch nicht die älteste Bleistiftmarke, die noch im Gebrauch ist, denn „SCHWAN” wurde meines Wissens bereits 1875 angemeldet.
  3. Georg Büttners Bleistiftseiten zufolge ging Johann Faber, der sein Unternehmen 1876 grün­dete, im Jahr 1932 eine Zusammenarbeit mit A.W. Faber-Castell ein und wurde zehn Jahre später von diesem übernommen.
  4. Ganz sicher bin ich mir hier nicht; die Poren sprechen für Jelutong, nicht aber die Färbung.
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