Archiv des Stichworts „Kreuzer”

DingsBums

Donnerstag, 23. Juni 2011

Kaum zu glauben: Da findet man nach 36 Jahren einen Stempel wieder, den man als Junge bekommen hat1. Doch es gibt noch mehr Bemerkenswertes.

DingsBums

Kreuzer „DingsBums” (1. Serie, 1975)

1975 begann die Kreuzer Produktion & Vertrieb GmbH2 mit der Herstellung von Stempeln3, bei denen sich die Farbe im Stempelkörper befand. Die erste Zielgruppe waren Kinder, zu denen auch ich damals gehörte, und noch im selben Jahr war ich stolzer Besitzer des ge­zeigten Geräts, das unter dem treffenden Namen „DingsBums” angeboten wurde. Die Mo­tive dienten der Verschönerung von allem, was nicht schnell genug in Sicherheit war, und so habe ich oft und gern Gebrauch von diesem Stempel gemacht (jedoch nicht immer zur uneingeschränkten Freude meiner Mitmenschen).

DingsBums

Im darauffolgenden Jahr brachte Kreuzer die zweite Serie dieses Utensils auf den Markt; hier eine Anzeige für den Verkaufskarton4:

DingsBums

Der Knüller ist, dass dieser Stempel auch nach über dreieinhalb Jahrzehnten noch funktio­niert – die Farbe ist nicht ausgetrocknet, der Gummi hat nur geringe Spuren und die Rück­stellfeder ist in Ordnung.

Nachtrag vom 29.6.11: Die Stempel hießen nur während der ersten Jahre „DingsBums”, danach „Bilderstempel”, was für den Export besser war (dieser Artikel ging auch nach Eng­land). Die Rückstellfeder diente der leichteren Handhabung, denn damit konnte der Stem­pel erst positioniert und dann der Abdruck gemacht werden. Bei der zweiten Mini-Version des Stempels hat man aus Kostengründen auf die Feder verzichtet. – Wie der US-amerika­nische Vorgänger hatte die erste Variante eine 2–3 mm dicke Stempelmasse, auf der das etwa 1 mm hohe Motiv saß. Diese Stempelmasse wurde mit Farbe getränkt und in das Ge­häuse eingeklebt (dieses Prinzip nutzen auch viele aktuelle Stempel). Für die zweite Vari­ante kam eine Mischung aus Kunststoff und Farbe zum Einsatz, die in Formen gegossen und polymerisiert wurde. Diese sog. Mikroverkapselung käme angesichts der heute für die Sicherheit von Spielzeug geltenden Voschriften (wie z. B. die EN 71) bei Kinderstempeln nicht mehr in Frage, wird aber noch bei Stempeln für Erwachsene und nachfüllbaren Stem­pelkissen genutzt. – Vielen Dank an Herrn Oborski für diese Details!

  1. Es ist beruhigend, dass die wichtigsten Dinge nicht verloren gehen.
  2. Bekannt durch den „Blift” und als OEM für Geha.
  3. 1983 erweiterte man das Sortiment um Adress- und Bürostempel.
  4. Mir gefällt der Slogan „Mehr Technik als Preis”.

Der Super-Bleistift

Freitag, 3. Juni 2011

Kurz und stumpf – zwei Nachteile des Bleistifts, die so mancher Unternehmer mit Erfinder­geist anging. Einer davon war Erwin Kreuzer, der mit seinem „BLIFT” (BLeistIFT) 1973 den Bleistiftmarkt beleben wollte1. Kreuzer war jedoch nicht nur unter eigenem Na­men aktiv, sondern auch als OEM, und so kam es zum „Ultra Pen”2 von Geha3.

Der Super-Bleistift

Der „Ultra Pen” wurde ebenso wie der BLIFT im Spritzguß gefertigt und bestand aus fünf Teilen: Gehäuse, Minenführung, Drahtspirale, Mine und Drehknopf.

Der Super-Bleistift

Dieses Muster-Set zeigt die Varianten des nur mit grünem Schaft erhältlichen Stifts. Neben den Härtegraden B, HB, H und 3H mit 0,5 mm dicker Mine und Metall-Minenführungs­röhrchen gab es noch eine einfachere Ausführung in HB mit 0,9-mm-Mine.

Der Super-Bleistift

Der empfohlene Verkaufspreis des „Ultra Pen” lag über dem des BLIFT, der für 60 Pfenni­ge auf den Markt kam.

Der Super-Bleistift

Die Mine wurde durch Drehen des farblich abgesetzten Knopfes transportiert und war nicht nachfüllbar. Drehte man den Knopf gegen den Uhrzeigersinn, ließ sich die Mine wie­der hineindrücken.

Der Super-Bleistift

Zielgruppe des „Ultra Pen”, dessen Prägedruck mich an Normschrift erinnert, waren tech­nisch orientierte Nutzer, was man auch auf dem funktionell gestalteten Etui hervorhob.

Der Super-Bleistift

Gerne hätte ich noch etwas zu den verwendeten Fonts gesagt, aber leider konnte ich sie nicht identifizieren.

Der Super-Bleistift

Wie lange es den „Ultra Pen” gab, weiß ich nicht, doch die Produktion des BLIFT wurde 1978 eingestellt. Als Roteck in Düren 1985 die Firma Kreuzer übernahm, gab es den BLIFT für kurze Zeit erneut, bis Pelikan 1987 Kreuzer kaufte und die Marke 1989 aufgab.

Der Super-Bleistift

  1. Ob ihm das tatsächlich gelungen ist, kann ich nicht sagen, doch zumindest mich hat der BLIFT anhaltend belebt.
  2. Warum man sich für „Pen” und nicht korrekterweise für „Pencil” entschieden hat, ist mir unklar. – Die Marke „Geha-Ultra Pen” wurde im September 1973 eingetragen und im Januar 2013 ge­löscht.
  3. Geha war zu dieser Zeit noch selbständig in Hannover tätig; seit 1989 gehört das Unter­nehmen zu Pelikan.

Erinnerungen an den KREUZER BLIFT

Mittwoch, 25. Juli 2007

Dieser Beitrag wird gründlich überarbeitet und irgendwann in erweiterter Form wie­derveröffentlicht.

Mein Interesse an mechanischen Bleistiften setzte Anfang der 70er Jahre ein, als die heute nicht mehr existierende Firma Kreuzer ihren Drehbleistift KREUZER BLIFT auf den Markt brachte und damit bei mir – damals noch ein kleiner Junge – für große Freude sorgte.

Erinnerungen an den KREUZER BLIFT

Der BLIFT wog noch nicht einmal sechs Gramm, war etwas dicker als ein Holzbleistift und mit knapp 16 cm deutlich länger als viele Feinminenstifte von heute. Das Drehen des farblich abgesetzten Endes sorgte für den Vorschub der 1,2 mm dicken Mine, und wie bei den Fallminenstiften gab es weder einen Minenvorratsbehälter noch einen Radierer. Die verpressten Teile des BLIFT machten ein zerstörungsfreies Zerlegen unmöglich.

Ich glaube nicht, daß ich zu dieser Zeit irgendetwas besonders wichtiges zu zeichnen hatte, was den Einsatz eines mechanischen Bleistifts zwingend notwendig gemacht hätte. Der BLIFT war technisch und qualitativ recht einfach ausgeführt und konnte daher kaum mit professionellem Zeichengerät konkurrieren. So musste man die neue Mine durch die Spitze am vorderen Ende einführen, wobei sie abgeschabt wurde und manchmal auch zerbrach. Auch das Versenken der Mine war nicht sonderlich komfortabel, denn dazu drehte man den Knopf in die entgengesetzte Richtung und drückte dann die Mine hinein. Dieses und die nicht immer ganz geschmeidig arbeitende Mechanik reduzierten den Gebrauchswert deutlich, taten meiner Begeisterung jedoch keinen Abbruch.

Erinnerungen an den KREUZER BLIFT

Den ersten BLIFTen, die es auch mit Farbmine gab, folgten zu drückende Varianten mit Minenvorratsbehälter und dem obligatorischen Radierer unter der Kappe. Das Minenführungsröhrchen des Drück-BLIFT erleichterte zudem den Einsatz am Lineal.

Erinnerungen an den KREUZER BLIFT

Separat erhältliche Gummikappen in unterschiedlichen Formen und Farben dienten nicht etwa dem Schutz der Spitze oder als Radierer, sondern lediglich der Dekoration des BLIFT (dem Zeigefinger kann ich einen geringen Gebrauchswert jedoch nicht ganz absprechen).

Erinnerungen an den KREUZER BLIFT

Kreuzer ist verschwunden, und auch das Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes kennt BLIFT nicht mehr. Doch meine Begegnung mit dem BLIFT hatte Folgen: Bis heute ist der mechanische, speziell der Druckbleistift, das Schreibgerät meiner Wahl, das ich täglich für Entwürfe, Skizzen und Notizen benutze. Dabei wechsle ich gerne hin und wieder das Modell, besonders dann, wenn ich auf ungewöhnliche Exemplare wie den Ohto Super Promecha stoße oder – wie kürzlich geschehen – bei einem Abverkauf zu alten Modellen aus dem Hause Rotring kommen kann.

Mit mechanischen Bleistiften beschäftigen sich:
Daves Mechanical Pencils
JL6&39;s Pencil Collection
Pencil Box
Leadholder
The Uncomfortable Chair (in japanisch)
John Johnson's 0.3 mm Mechanical Pencils
Mechanical Pencils (PigPog)
Scripto & Skilcraft Pencil History Page
Vintage Pencils 1850-1935
The Cult Pens Guide to Mechanical Pencils (Cult Pens)
MoonWiki – Mechanical Pencil Database
The quest for the best in mechanical pencils (Ask MetaFilter)

Nachtrag: Bis jetzt konnte ich leider nicht herausfinden, was aus Kreuzer geworden ist; STAEDTLER, Faber-Castell, Eberhard Faber, Läufer-Gutenberg sowie zahlreiche Fachändler in meiner Umgebung konnten mir nicht weiterhelfen. Ich freue mich daher sehr über jeden Hinweis aus meiner Leserschaft!


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