Archiv des Stichworts „LYRA”

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Ausgrabungen

Mittwoch, den 3. März 2010

Ebenso wie sicher noch viele andere, die sich eingehender mit der Geschichte des Bleistifts beschäftigen, ging auch die österreichische Zeitschrift „Der Papierhändler”* in ihrer 58. Ausgabe vom 15. Dezember 1950 davon aus, dass Friedrich Staedtler 1662 erstmalig als Bleistiftmacher erwähnt wurde und damit als der älteste seiner Zunft gilt. Kurz darauf erhielt das Blatt eine Zuschrift mit äußerst bemerkenswerten historischen Details, die diese Annahme widerlegen, und veröffentlichte in der 61. Ausgabe vom 1. Februar 1951 eine Richtigstellung. Dank meines sehr kundigen Lesers Herbert R., der mir freundlicherweise eine Kopie des betreffenden Artikels hat zukommen lassen, kann ich diese interessanten Aspekte mit meinen Lesern teilen. Ich zitiere:

Daß ein gewisser Friedrich Staedtler, der als Vater eines Täuflings im Jahre 1662 im Taufbuch von St. Lorenz in Nürnberg genannt ist, der erste Bleistiftmacher war, ist nicht richtig, denn es findet sich unter dem 7. Februar 1659 im Kirchenbuch von St. Lorenz eine Aufzeichnung, nach der Hans Baumann auf dem Johannis-Friedhof beerdigt wurde, der gelegentlich der Verheiratung seines Sohnes als „Schreiner dann Weißerbeiter und Bleystefftmacher” bezeichnet ist. Auch sein Sohn Hans, geboren 1642, übte den Beruf des Bleystefftmachers aus. Zur Zeit ist somit Hans Baumann d. Ä. der erste in Nürnberg namentlich erwähnte Bleistiftmacher, bei dem es noch dazu durch seine Herkunft aus dem Schreinergewerbe unzweifelhaft ist, dass er Bleistifte mit Holzhülle herstellte.

Der Verfasser der Einwendung hält jedoch auch Hans Baumann nicht für den Erfinder des Bleistifts und vermutet, dass die Erfindung wahrscheinlich viel früher und in einer ganz anderen Gegend gemacht wurde. Dabei verweist er auf einen Kupferstich eines Kölner Straßenhändlers aus dem Jahr 1589, der Bündel von Stiften verkauft; als Quelle nennt er die Historiker Johannes Bischoff und Franz Feldhaus. – Weiterhin heißt es:

Die ununterbrochene Reihenfolge der Vererbung des Bleistiftmachergewerbes von Friedrich Staedtler auf Paulus Staedtler ist historisch nicht nachzuweisen. Die Firma J.S. Staedtler wurde erst 1835 gegründet. Die Behauptung, daß Paulus Staedtler der erste Nürnberger Bleistiftfabrikant gewesen ist, ist insoferne falsch, als viel früher, nämlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die jetzige Firma A.W. Faber-Castell am Rande Nürnbergs gegründet wurde und im Jahre 1806 Johann Froescheis die jetzige Johann Froescheis LYRA-Bleistiftfabrik gründete. Auch die angebliche Erfindung der heutigen Oelkreidestifte durch J.S. Staedtler im Jahre 1834 läßt sich widerlegen.

Einer Bewertung möchte ich mich enthalten, da ich nicht das dazu notwendige Wissen habe. Seit dieser Richtigstellung, deren Autor leider nicht angegeben wurde, sind jedoch fast sechs Jahrzehnte vergangen, und ich weiß nicht, ob es inzwischen neue Erkenntnisse gibt, die sie widerlegen oder bestätigen.

Vielen Dank an Herbert R. für den Artikel!

* „Der Papierhändler” war eine Halbmonatsschrift für die Interessen des österreichischen Papier- und Schreibwarenhandels, herausgegeben von Franz Bondi; gedruckt und verlegt hat sie Johann L. Bondi & Sohn in Wien-Perchtoldsdorf.

Joseph Dixon Crucible Co. 1902

Dienstag, den 2. März 2010

Der offiziellen Geschichte der Dixon Ticonderoga Company zufolge hat der amerikanische Erfinder und Produzent Joseph Dixon (1799–1869) im Jahr 1829, also zwei Jahre nach der Gründung seines Unternehmens „The Joseph Dixon Crucible Company”, als erster in den USA den holzgefassten Bleistift ersonnen und später dessen automatische Herstellung entwickelt; 1872 stellte sein Werk 86.000 Bleistifte pro Tag her.

Anzeige der Joseph Dixon Crucible Co. 1902 aus dem Jahr 1902

„Wo die Werte von Dixons Bleistiften geprüft wurden”, warb diese 65 × 100 mm große Anzeige aus dem Jahr 1902, „werden keine anderen verwendet” und hob die höchste Qualität der verwendeten Rohstoffe sowie die konstanten Härtegrade hervor.

Der 1913 markteingeführte Bleistift „Ticonderoga”, benannt nach dem Fort Ticonderoga im Staat New York, lieferte 1982 den zweiten Namensteil für die „Dixon Ticonderoga Company”, die nach dem Zusammenschluss mit der Bryn Mawr Corporation entstand. 2004 wurde Dixon Ticonderoga vom italienischen Hersteller FILA übernommen, zu dem seit 2008 auch LYRA gehört; auf diesem Weg und als „Temagraph” kommt das inzwischen klassische „Ticonderoga”-Design mit gelbem Lack, hellrotem Radierer und grüner, ring-angepresster Zwinge nun auch nach Deutschland.

Paperworld 2010 (2)

Freitag, den 5. Februar 2010

Das seit einiger Zeit zum italienischen Hersteller FILA gehörende Unternehmen LYRA hat die „GROOVE”-Reihe um die dünneren und ebenfalls dreiflächigen „GROOVE slim”-Stifte erweitert.

LYRA „GROOVE slim”

Der „GROOVE slim” hat eine 3,3 mm starke Farbmine und ist in 24 Farben sowie als Bleistift („Graphite”) verfügbar; passende Kunststoffspitzer in mehreren Farben werden als Teil der Sets und separat angeboten.

LYRA „Temagraph”

Bei FILA schon lange im Programm sind die Bleistifte „Temagraph” und „Studium”, die nun unter dem Namen LYRA auch hierzulande erhältlich sein werden. Ersteren wird es in sechs Härtegraden von 2H bis 3B, letzteren in fünf von 2H bis 2B und beide mit Radierer in HB geben, doch während der „Studium” eher schlicht daherkommt, ist der „Temagraph” vergleichsweise aufwändig gestaltet: Angabe des Härtegrads auf allen sechs Seitenflächen und Codierung über eine farbige Tauchkappe, umlaufende, grün-metallische Folienprägung und Radierer mit ring-angepresster Zwinge – solche Details sprechen mich an. – Zu den Stiften von LYRA, die eine Änderung erfahren haben, gehören die Rot-Blau-Stifte. Statt des „Rembrandt” und des dickeren „DUO” gibt es nun letzteren in drei Durchmessern von 6,8 bis 10 mm. Neu ist obendrein der ovale Universalschreiber „All Graphite”.

LYRA „Temagraph”

STAEDTLER wartete auch in diesem Jahr mit interessanten Neuheiten auf.

STAEDTLER „WOPEX” in 2B, HB und 2H

Der auf der letzten Paperworld vorgestellte Bleistift „WOPEX” kommt nun in zwei weiteren Härtegraden, und zwar 2B und 2H, in den Handel. Ich konnte ein Dreier-Set bekommen und hoffe, die neuen hier in Kürze detailliert zeigen zu können. Besonders auf 2B bin ich gespannt! – Bei dieser Gelegenheit weise ich gerne auf die exzellente Besprechung des „WOPEX” bei pencil talk hin.

STAEDTLER „triplus 776”

Zuwachs gab es auch bei den Druckbleistiften, wobei der einfache „triplus 776″ im unteren Preissegment angesiedelt ist. Über einen seitlichen Drücker verfügt der „graphite 762″, und richtig bunt sind die fünf neuen Varianten des „Mars micro”, mit deren Trend-Farben und weißen Griffstücken man sich an das Design der populären Unterhaltungselektronik aus Cupertino, Kalifornien, anlehnt.

STAEDTLER „graphite 762”   STAEDTLER „Mars micro”

STAEDTLER

In neuem Erscheinungsbild zeigten sich die ehemals unter der inzwischen verkauften Marke „Eberhard Faber” geführten Produkte. Den „Tricki Dicki” – ich gebe gerne zu, ein großer Fan dieses Bleistifts zu sein – wird es zukünftig in zwei Ausführungen geben (beim Modell für den internationalen Markt verzichtet man auf den alten Namen).

STAEDTLER Jubiläums-Dosen

Zum 175-jährigen Bestehen des Unternehmens werden dekorative Bleistift-Dosen und passende Radierer angeboten, deren Äußeres die Dampflokomotive „Adler” ziert; diese fuhr im Gründungsjahr von Nürnberg, dem Sitz der Firma, nach Fürth und gilt als erste Eisenbahn Deutschlands. – Schachteln aus Metall hätten mir zwar etwas besser gefallen, aber mich fragt ja keiner ;-) Am Rande: Auch der „Lumograph” (ehemals 2886, heute 100) hat dieses Jahr ein Jubiläum, denn er kam am 1. August 1930, also vor 80 Jahren auf den Markt.

STAEDTLER Digitalstift

Ein sehr bemerkenswertes Produkt, das den Bogen vom Papier zum Computer spannt, ist der neue „Digitalstift”. Er besteht aus einem Stift mit Kugelschreibermine und einem etwa feuerzeuggroßen Empfänger mit Display, der mittels eines Clips an der Schreibunterlage befestigt wird. Dieser Empfänger erfasst die Bewegungen des Stifts und sendet sie per USB-Anschluss an den PC; zudem ist es möglich, bis zu 100 Seiten zwischenzuspeichern. Die so erstellte digitale Notiz liegt dann als Grafikdatei im PC vor, kann aber auch über die mitgelieferte OCR-Software in bearbeitbaren Text umgewandelt werden. Darüber hinaus erlaubt die Software des Digitalstifts seinen Gebrauch als Maus, wozu eine Dummy-, d. h. nicht-schreibende Mine zur Verfügung steht. Eine Erkennung des Drucks, wie es z. B. bei Grafiktabletts üblich ist, bot das gezeigte Modell jedoch (noch?) nicht. – Der hochwertig wirkende Digitalstift nutzt die üblichen Kurzminen und soll ab dem zweiten Quartal für 60 bis 100 Euro erhältlich sein.

Bleistift des Tages

Montag, den 16. November 2009

Der LYRA GROOVE von Luis (8)

Den wachsenden Kenntnissen und Fähigkeiten des kleinen Luis (8) sichtbaren Ausdruck verleiht dieser bereits recht strapazierte LYRA GROOVE, dessen Länge und Spuren von seinem täglichen, durch eine immer sicherer werdende Hand geführten Einsatz in der großen Welt der Zahlen und Buchstaben zeugen.

Mine und Mischung

Sonntag, den 15. November 2009

Der zufällige Fund einer mehr als 60 Jahre alten Patentschrift über die Verringerung der Lichtdurchlässigkeit von Bleistiftminen zur Verbesserung ihrer Lichtpausfähigkeit hat mich neugierig gemacht und zu einer weiteren Suche motiviert.

Bereits während der Lektüre dieses Dokuments kam mir der Werbetext zum Bleistift LYRA ORLOW 6300, zitiert in der Jubiläumsschrift „Meilensteine. 150 Jahre Lyra-Orlow”, und der darin enthaltene Verweis auf das DRP (Deutsches Reichspatent) 746988 in den Sinn; zudem habe ich mich an einige Exemplare des orlow-techno 6300 HB mit dem Aufdruck „ELIOGRAPH”, die noch in meinem Fundus schlummern, erinnert.

LYRA orlow-techno 6300

Das Deutsche Patent- und Markenamt in München bietet zahlreiche Möglichkeiten der kostenfreien Online-Recherche, so auch nach alten Patenten. Eine Abfrage des DEPATIS-Systems nach dem von LYRA genannten Patent liefert Details zu einem „Verfahren zur Herstellung von gebrannten Schreibkörpern, z. B. Bleistiftminen, Griffeln oder Kreiden, und bezweckt, die Farbkraft und Lichtabsorption dieser Schreibminen zu verbessern”, erdacht von einem Erfinder aus Nürnberg.

Dieser Text bezieht sich auf vorhandene Kenntnisse über die Imprägnierung der Minen mit Farbkörpern sowie mit Stoffen, die ultraviolettes Licht absorbieren, damit jedoch nur die Ergebnisse bestimmter Kopierverfahren verbessern helfen. Man ging davon aus, dass die optisch wirksamen Zusatzstoffe hauptsächlich auf den Oberflächen der inneren Poren und Kapillaren der Mine verteilt sein müssen, um den Glanz des Abstrichs zu verringern und dessen Lichtabsorption zu erhören, und strebte ein Verfahren an, bei dem sich die mittels einer Imprägnierung zugeführten Substanzen durch eine Wärmebehandlung in chemisch andere Stoffe umwandeln. Diese Umsetzungsprodukte sollten sich in äußerst feiner Form in den Hohlräumen gleichmäßig ablagern und so eine optimale optische Wirkung erzielen; zum Einsatz kamen dabei organische Stoffe wie z. B. Kohlenhydrate, die beim Erhitzen unter Sauerstoffabschluss im Mineninneren amorphen Graphit bildeten. Die bloße Beigabe von letzterem zur Minenmasse (etwa in Form von Ruß) macht schon bei wenigen Prozenten die Mine rauher und mindert ihre Gleitfähigkeit, doch das genannte Verfahren bot den Vorteil, die Glätte des kristallinen Graphits und mit dieser die Schreibqualität des Bleistifts zu erhalten, den Abstrich schwärzer sowie matter zu machen und damit Schärfe und Kontrast von Lichtpausen zu steigern.

Unter den fünf entgegengehaltenen (so der Fachbegriff) Patentdokumenten findet sich auch eines von J.S. Staedtler aus dem Jahr 1936, das die Beigabe von lichtdichten Sudan-Farbstoffen beschreibt. Demnach sollen bereits 0,5 bis 1,5% Sudangelb oder Sudanviolett ermöglichen, „die Lichtdichte der Mine so zu steigern, daß sie Minenabstriche von hoher Schwarzwirkung liefert”. Wenige Jahre zuvor ging die Kalle & Co. AG aus Biebrich am Rhein den Übelstand* der lichtdurchlässigen Linien von Tusche- und Stiftzeichnungen durch den Zusatz von im Ultraviolett stark absorbierender Substanzen an.

Konzeptionell ganz anders ist das Patent 1504209 aus den USA, in dem der Erfinder den Ton mit Holzstaub und anderen kohlenstoffhaltigen Materialien mischte. Diese Stoffe sollten beim Brennen der Mine zu Kohle werden und so die Schwärzung des Abstrichs erhöhen; die dabei entstehenden und die Mine brüchig machenden Hohlräume wollte er mit Stearinsäure füllen.

Ob die für den ORLOW 6300 beworbenen Eigenschaften auch für den LYRA orlow-techno 6300 gelten, kann ich nicht sagen; ein schneller Vergleichstest mit aktuellen Bleistiften von STAEDTLER, Tombow, Pentel und STABILO zeigte zwar die hohe Qualität und die gute Schwärzung dieses Bleistifts, nicht aber eine erkennbar geringere Reflexion im für das bloße Auge sichtbaren Spektrum (mit Abstand am mattesten war der Abstrich des STABILO Micro 288). – Die Wortmarke „ELIOGRAPH” auf dem LYRA orlow-techno 6300 wurde 1963 eingetragen und 2003 gelöscht. Ihren Ursprung kenne ich nicht; vielleicht war es eine an „Heliografie” oder die italienische Übersetzung für „Lichtpause”, „eliografica”, angelehnte Wortschöpfung.

* Dieses schöne, mir bisher unbekannte Wort musste ich unbedingt aus der Patentschrift übernehmen.

Markiges Marketing (11)

Samstag, den 31. Oktober 2009

LYRA-ORLOW Zeichen- und Copierstifte

„Zeichen- und Copierstifte” des Fabrikats LYRA-ORLOW bewarb diese 42 × 56 mm² große Reklamemarke gut 100 Jahre nach der Gründung des Unternehmens im Jahr 1806. Etwa vier Jahrzehnte zuvor ließ sich der Hersteller die Lyra als Warenzeichen eingetragen, doch warum man sich ausgerechnet für das antike Zupfinstrument als Sinnbild entschieden hat, ist laut der 1956 erschienenen Schrift „Meilensteine – 150 Jahre Lyra-Orlow” nicht ganz klar. Viele Gesangsvereine der damaligen Zeit trugen jedoch ebenfalls diesen Namen, und man nimmt an, dass Mitglieder eines solchen Vereins, die oft auch im gesellschaftlichen Leben ihrer Stadt eine Rolle spielten, zu dieser Entscheidung beigetragen haben. – Die blau gewandete Dame mit Kranz, die das Instrument eindrucksvoll in die Sonne hält, wird flankiert von zwei Stiften mit den Bezeichnungen „HB 2 ORLOW LYRA BLEISTIFT-FABRIK NÜRNBERG” und „LYRA COPYING INK PENCIL Compressed Lead”.

Neben dem Koh-I-Noor und dem Cullinan ist der Orlow ein weiterer berühmter Diamant, dessen Name Schreibgeräte schmückte, und mit den holzgefassten Universalschreibern hat LYRA auch heute noch Artikel dieses Namens im Programm.

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LYRA 664

Montag, den 19. Oktober 2009

Ein in mehrfacher Hinsicht auffälliger und ungewöhnlicher Bleistift ist der „664 STENO” von LYRA, der bis Mitte der 90er Jahre im Programm des fränkischen Herstellers war und noch heute manchmal in Restekisten anzutreffen ist.

LYRA 664

Der in einem dem Leucht-Orange ähnlichen Farbton lackierte, runde und 17,5 cm lange LYRA 664 ist mit 7 mm etwas dünner als ein Standard-Bleistift, hat aber ebenso wie dieser eine 2 mm dicke Mine. Die 2 cm lange Tauchkappe in gebrochenem Weiß deutet darauf hin, dass es sich hier um die erste Variante dieses Bleistifts handelt, denn zwischen 1991 und 1994 fiel sie weg. – Vorläufer des 664 war der bis in die 70er Jahre hinein angebotene LYRATO 665 mit schwarzer Tauchkappe, den es in den Härtegraden HB, B und 2B gab; parallel zum 664 – zumindest von 1973 bis 1995 – führte LYRA den Orlow Stenostift 6331 mit kürzerer, schwarzer Tauchkappe in den Härten HB, B und 2B.

LYRA 664

Der Folienprägedruck in stark kontrastierendem Metallic-Blau macht mit einer Ausnahme nur die notwendigsten Angaben. Neben dem Herstellungsland, der Nummer, dem Namen des Herstellers und dessen Sinnbild findet sich die Funktion des Stifts in Kurzschrift, d. h. in stenografischer Schreibung.

LYRA 664

Die lange Geschichte der Stenografie geht bis ins erste vorchristliche Jahrhundert zurück und brachte 1924 mit der Deutschen Einheitskurzschrift den ersten deutschen Standard hervor; verbunden mit diesem sind Stenografieblock und -bleistift. Zur stenografischen Technik kann ich leider gar nichts sagen, und so beschränke ich mich auf ein paar Beispiele von meinem Vater, der diese faszinierende Kunst auf beneidenswerte Weise beherrscht.

Die Wörter „Steno” und „Stift” in stenografischer Schreibweise

Die Wörter „Steno” und „Stift” in stenografischer Schreibweise

Das Wort „Stenostift” in stenografischer Schreibweise

„Stenostift”

Diesen Schriftzug zeigt auch der Aufdruck des LYRA 664.

LYRA 664

Kleine Notiz am Rande: Warum sind Stenografie-Bleistifte eigentlich rund? Das Profil des hexagonalen Bleistifts wirkt in den haltenden Fingern wie eine Rastung und sorgt damit für bevorzugte Positionen in der Hand. Die in der Stenografie notwendigen Unterschiede in der Strichstärke machen es jedoch erforderlich, dass der Stift geringfügig axial gedreht werden und auch danach noch komfortabel gehalten werden kann. Ein runder Bleistift erfüllt diese Forderung am besten und strapaziert die Hand bei längerem Gebrauch weniger als ein sechsflächiger. Zum leichteren Schreiben der Verstärkungen haben Steno-Bleistifte oft eine etwas weichere Mine, die etwa der Härte B entspricht. – Heute noch erhältliche Steno-Bleistifte sind der STAEDTLER Mars stenofix (HB) und der Faber-Castell 9008 Steno (HB, B und 2B). Daneben gibt es Steno-Füller wie den Pelikan P470, dessen besonders elastische Feder ebenfalls die benötigte Modulation erlaubt.

LYRA 664

Spitzen: links ab Werk, rechts mit dem Carl Decade DE-100 gespitzt

Der Aufdruck des insgesamt gut verarbeiteten LYRA 664 nennt keinen Härtegrad, doch LYRA teilte mir mit, dass es B war. Die Mine ist sehr gut, bruchstabil und hat eine saubere Abgabe; das sie einfassende Holz lässt sich im Handspitzer und mit der Kurbelspitzmaschine gut spitzen.

Das Wort „Bleistift” in stenografischer Schreibweise

„Bleistift”

Mehr zu Steno-Bleistiften gibt es bei pencil talk unter „Steno pencils: pencils with a job” und „Another Steno Pencil – the Hardtmuth Steno 550″.

Danke an LYRA für die Informationen zum STENO 664!

LYRA Cleopatra

Mittwoch, den 17. Juni 2009

Die alten Ägypter, damals noch jung, mögen von Cleopatra I bis VII und vor allem von letzterer, nicht jedoch davon geträumt haben, dass einmal ein solch faszinierender Stoff wie der Graphit entdeckt werden und dieser, mit feinstem Ton vermischt, gebrannt und in Holz gehüllt, den Namen ihrer Königin tragen sollte. Wie unzufrieden wären sie wohl damit gewesen, Pinsel und Calamus über den Papyrus zu führen!

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Eingetragen im Jahr 1895 fand der Markenname „CLEOPATRA” auf diesen Bleistift mit der Artikelnummer 3410 des Herstellers LYRA. Nach dessen Angaben führten ihn die Kataloge von 1911 und 1926 in der hier gezeigten Ausführung auf, so dass der Stift aus dieser Zeit stammen könnte.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Neben den üblichen Details findet sich auf dem sechsflächigen, in mattem Rot lackierten Bleistift der Härte 2 – thematisch passend – eine sog. Hieroglyphenkartusche. Diese Form, meist oval und auch als „Königsring” bekannt, umschloss die Namen der ägyptischen Könige und wurde hier als pfiffiges Gestaltungselement eingesetzt.

Die Material- und Verarbeitungsqualität des „CLEOPATRA” ist leider unterdurchschnittlich. Holzoberfläche, Lack und Aufdruck meiner Exemplare sind unregelmäßig, und nicht immer sitzt die (obendrein unterschiedlich dicke) Mine zentrisch im Holz. Für den unsauberen Abtrag des Holzes beim Spitzen selbst in der Kurbelspitzmaschine könnten jedoch das Alter und vielleicht eine unsachgemäße Lagerung des Bleistifts verantwortlich sein. Die Mine ist leicht kratzig und kommt mit ihrer Qualität nicht an die im ähnlich alten „ROBINSON” vom selben Hersteller heran.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Aufgrund seiner Mängel vermag der „CLEOPATRA” heute zwar nicht mehr zu überzeugen, doch mit seiner ungewöhnlichen Gestaltung ist er ein interessantes Stück Geschichte. – Im LYRA-Katalog aus dem Jahr 1963 war der Bleistift nicht mehr zu finden, und 1996 wurde die Marke „CLEOPATRA” gelöscht.

Robinson am Freitag

Freitag, den 12. Juni 2009

Meine geschätzte Leserschaft möge mir den billigen Kalauer im Titel nachsehen, aber ich konnte ihn mir einfach nicht verkneifen und habe mit diesem Beitrag auch eigens bis zu einem Freitag gewartet ;-)

Robinson am Freitag

LYRA Robinson 2510 HB/2 (von unten): 20er Jahre, 80er Jahre, aktuelles Modell
(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sehr lange im Programm des Nürnberger Unternehmens LYRA ist der Bleistift „Robinson 2510″, dessen Name bereits 1908, also vor gut 100 Jahren, als Warenzeichen eingetragen wurde. Bis zum Ende der 60er Jahre behielt er seine ursprüngliche, schlichte Gestaltung, die den Namen des Stifts in einem dekorativen Font sowie den des Herstellers in für heute ungewohnter, nämlich leicht kursiver Form und in Kapitälchen zeigte.

Robinson am Freitag

Robinson am Freitag

Danach wurde das Design des Bleistifts grundlegend verändert, und eine farbige, durch einen weißen Ring vom dunkelblauen Schaft abgesetzte Tauchkappe zur Kennzeichnung des Härtegrads kam hinzu. „Vorne schwarz, hinten bunt” also auch hier, allerdings nur in drei Farben: Grün für H und härter, Gelb für HB sowie Rot für B und weicher. Den Namen und die Kennzeichnungen führte man nun in der Schriftart „Handel Gothic” von 1965 aus.

Robinson am Freitag

Später folgten die 13-stellige EAN und der Strichcode, die gegenüber dem goldfarbenen Prägedruck weiß aufgebracht sind; in dieser Form ist der „Robinson 2510″ heute in elf Härtegraden von 4H bis 6B sowie in HB mit Radierer erhältlich.

Robinson am Freitag

Beim direkten Vergleich der Minen ist ein Qualitätsunterschied erkennbar, wobei die älteste die beste und die aktuelle auf dem Papier leider etwas rauh ist. Das Holz von allen dreien lässt sich sehr gut spitzen, und bei der Qualität von Verarbeitung, Lack und Prägedruck liegt das aktuelle Modell deutlich vorn.

Robinson am Freitag

Von links: aktuelles Modell, 80er Jahre, 20er Jahre

Trotz der kleinen Schwäche ist der laut Hersteller im Ausland aus Zedernholz gefertigte „LYRA Robinson 2510″ ein guter, attraktiver und zudem mit etwa 18 Euro-Cent (Quelle: GoRoTec) äußerst günstiger Alltags-Bleistift.

Robinson am Freitag

Anm.: Bei der Datierung bin ich mir nicht ganz sicher, so dass der alte „Robinson” auch aus den 30er Jahren stammen und der in den 80er Jahren angesiedelte durchaus zehn Jahre älter sein könnte.

Markiges Marketing (4)

Samstag, den 30. Mai 2009

Reklamemarke von LYRA

An dieser 57 × 41 mm² großen und wohl 90 Jahre alten Reklamemarke des in Nürnberg ansässigen traditionsreichen Unternehmens LYRA, das 1806 gegründet wurde, gefällt mir besonders gut, wie Hersteller, Produkt und Werbebotschaft in die Darstellung integriert sind. Während diese Informationen meist losgelöst und an prominenter Stelle positioniert werden, so sind sie hier wichtiger Bestandteil des Bildes. – Ganz nebenbei gibt es in dieser Szene auch noch Dinge zu sehen, die damals alltäglich waren, heute jedoch (sicher zur Freude der meisten) verschwunden sind: Matrosenanzug, Rohrstock und Sütterlin-Schrift.

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