Archiv des Stichworts „Museum”

 Ältere Beiträge Neuere Beiträge 

W.Z. № 47683

Dienstag, 12. April 2016

Ein weiteres Exponat im virtuellen Museum zum Spitzerklassiker „Granate”, und zwar aus Messing, für dicke Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm und mit einer inter­essanten Kennzeichnung.

W.Z. № 47683

Das Stück war in keinem guten Zustand, und so musste ich erst einen Frühjahrsputz1 vor­nehmen.

W.Z. № 47683

Dieses Modell hat die gleiche Form und Größe wie das bereits vorgestellte mit dem 1939 eingetragenen Warenzeichen 507558 und trägt ebenfalls die Prägung „GRANATE”. – Das Messer ist stumpf und schartig, so dass ich auf einen Funktionstest verzichtet habe.

W.Z. № 47683

Hier zu sehen ist jedoch das Warenzeichen 47683, das 1900 angemeldet und 1901 für Möller & Breitscheid eingetragen wurde; daraus schließe ich, dass der Spitzer von diesem Anbieter stammt und um die 100 Jahre alt ist.

W.Z. № 47683

Erst bei dieser „Granate” ist mir aufgefallen, dass sie – ebenso wie die mit dem Waren­zeichen 507558 – nur drei statt vier Rändelungen hat; letztere hielt ich immer für ein typisches Merkmal dieses Spitzers, das über die Jahrzehnte geblieben ist.

Nachtrag vom 9.10.16: Bei der Durchsicht meiner Granaten konnte ich feststellen, dass alle Varianten für dickere Stifte drei und nur für normale Stifte vier Rändelungen haben.

  1. Sehr hilfreich dabei war das Einweichen in der Sidol-Metallpolitur und das anschließende Bearbeiten mit einer alten Zahnbürste; die festsitzende Rändelschraube konnte ich mit Caramba Super Plus Vielzweck-Spray (heute Caramba Super Plus Premium Multiöl) lösen.

Granate 1903–1908

Mittwoch, 30. März 2016

Auch im Archiv von Faber-Castell findet sich der Handspitzer „Granate”.

Granate 1903–1908

(zum Vergrößern anklicken)

In den Warenkatalogen von A.W. Faber Berlin wurden von 1903 bis 1907 unter dem Pro­duktnamen „Granate” der Bleistiftspitzer No. 1903 und der Farbstiftspitzer No. 1696 sowie Ersatzmesser angeboten. – Der höhere Preis für den Farbstiftspitzer lässt mich vermuten, dass er ähnlich dieser Variante von Möller & Breitscheid für dickere Stifte ausgelegt und da­her größer war.

Granate 1903–1908

(zum Vergrößern anklicken)

1908 bewarb ein französischer Warenkatalog von A.W. Faber auf Seite 232 (!) die „Gra­nate”, diesmal mit der Artikelnummer 4001.

Über den (oder die) Hersteller dieser Spitzer hat das Archiv von Faber-Castell keine Infor­mationen. – Bereits ein paar Mal bin ich auf die 1953 gegründete Fabrik für Feinmechanik und Elektrotechnik Hermann Mellert (heute: Mellert SLT GmbH & Co. KG) aufmerksam geworden. Dieses Unternehmen hat in den 1950er Jahren Messingspitzer gefertigt und könnte daher auch die (spätere) „Granate” hergestellt haben, doch leider gibt es im Unter­nehmen keine Dokumente zur Spitzerfertigung mehr.

Granate 1903–1908

Es fällt übrigens die bemerkenswerte Ähnlichkeit der beiden Abbildungen auf (man be­achte u. a. die Darstellung der Reflexionen auf Rändelschraube und Messer); ich gehe da­von aus, dass beiden Katalogeinträgen dieselbe Illustration zu Grunde lag.

Hier noch die Titel der zitierten Kataloge:

Granate 1903–1908

Granate 1903–1908

Danke an Faber-Castell für die Scans!

„Der Bleistift”

Montag, 15. Februar 2016

„Der Bleistift”

Vom Schmutztitel der Schrift „Der Bleistift” von Franz Maria Feldhaus (1922)

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Donnerstag, 11. Februar 2016

Einer der für mich schönsten Rot-Blau-Stifte ist der Mars Lumochrom 2642 von J.S. Staedtler1.

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Der Farbstift Lumochrom2, den es in 24 Farben und dieser Rot-Blau-Variante gab, kam Mitte der 1950er Jahre auf den Markt und war bis in die 1990er Jahre hinein erhältlich. Mit seiner recht harten Mine wurde er hauptsächlich Technischen Zeichnern angedient, und so gab es ihn nicht nur holzgefasst, sondern auch als 2-mm-Mine.

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Das Alter dieses Lumochrom 2642 schätze ich auf etwa 50 Jahre. Wie andere Stifte von Staedtler aus der damaligen Zeit zieren ihn der goldfarbene Prägedruck mit zum Teil unge­wöhnlich gestalteten Buchstaben (z. B. das A und das M), der Viertelmond3 und das astro­nomische Zeichen für den Mars sowie dessen beide Monde Phobos und Daimos. Auf der abgewandten Seite findet sich die Blindprägung „74″. – Der Blick auf das blaue Ende lässt vermuten, dass der Stift zuerst komplett rot und dann halb blau lackiert wurde.

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Der Farbstift ist 7,6 mm4 und die Mine 2 mm dick. Sie ist bruchstabil, hat eine sehr saubere Abgabe, sättigt gut und bietet eine gute Wischfestigkeit; mit einem hochwertigen Radie­rer5 und etwas Geduld lässt sie sich weitgehend, aber nicht vollständig entfernen. – Es fällt auf, das das Rot ganz leicht ins Violette geht, also einen geringen Blauanteil hat. Dieses wohl 60 Jahre alte Faltblatt6 aus der Frühzeit des Lumochrom belegt, dass man beim 2642 Karminrot (2625) und Blau (2619)7 kombiniert hat:

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Ein feiner Stift!

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Den Ursprung und den erstmaligen Verwendungszweck der Rot-Blau-Stifte kenne ich bis heute nicht, aber ich konnte ein paar Hinweise finden:

  • Im Austellungskatalog „Pencils” schreibt Marco Ferreri, dass italienische Lehrer normale Fehler rot und gravierende Fehler blau markieren.
  • Im 2. Weltkrieg haben deutsche Soldaten auf Karten die feindlichen Truppen in Rot und die eigenen in blau eingetragen.
  • Deutsche Krankenschwestern haben den Blutdruck in Rot und die Körpertemperatur in Blau notiert.

Aber wer weiß – vielleicht dachte mal jemand, dass das eine ansprechende Kombination wäre, und hat einfach einen solchen Stift hergestellt …

  1. Firmen- und Produktname werden eigentlich in Versalien geschrieben, doch zur besseren Les­barkeit wähle ich die Gemischtschreibung.
  2. Der Name war von 1953 bis 2003 geschützt.
  3. Der Viertelmond, angemeldet 1887 beim Amtsgericht Nürnberg, gilt als eines des frühesten Warenzeichen für Bleistifte.
  4. Schlüsselweite 7,2 mm.
  5. Getestet mit dem Plus Tree's Air-in Hard.
  6. Die andere Seite bewarb den Kurbelspitzer 5700 D.
  7. Nach der Umstellung auf neue Artikelnummern im Jahr 1967 hatten diese Farben die Nummern 104-29 und 104-3.

Veranschaulichung

Samstag, 30. Januar 2016

Mit zwei bemerkenswerten Veranschaulichungen wartete Franz Maria Feldhaus in seiner zwölfseitigen Schrift „Der Bleistift” aus dem Jahr 1922 auf.

Veranschaulichung

(zum Vergrößern anklicken)

Acht Züge mit je fünfundzwanzig Waggons, davon vier mit Holz und vier mit Kohle, zeigen den damaligen Jahresverbrauch von J.S. Staedtler für die Bleistiftproduktion. Noch beein­druckender indes ist folgende Abbildung:

Veranschaulichung

Würde man alle damals von Staedtler pro Jahr gefertigten Stifte – etwa 65.000.000 Stück – aneinanderreihen, so käme man auf 11.375.000 Meter (zum Vergleich: Die Erdachse ist 12.712.000 Meter lang).

LUNA

Samstag, 23. Januar 2016

LUNA

Die Marke „LUNA” wurde im Januar 1914 auf die J.S. Staedtler GmbH & Co. KG eingetra­gen und dann für Blei- und Farbstifte benutzt; das aktuellste Produkt mit diesem Namen ist der dreiflächige Druckbleistift LUNA 7612 von STAEDTLER Japan. – Siehe auch diese Grafik.

Danke an Herrn Grosse für diese Blechschachtel!

Stiftebecher des Monats

Donnerstag, 14. Januar 2016

Die Reihe „Pencil Pot Of The Month” bei Bleistift gefällt mir, und so hänge ich mich gerne dran.

Der Henkelbecher ist von Waechtersbach und etwa 40 Jahre alt.

Anm.: Der Stoff im Hintergrund ist ein sog. Tenugui, ein traditionelles japanisches Hand­tuch; es stammt vom Hamamonyo.

„Normal – Color – Steno”

Sonntag, 10. Januar 2016

Gut 40 Jahre alt ist dieser Dreifach-Behälterspitzer von Möbius+Ruppert1.

„Normal – Color – Steno”

„Normal – Color – Steno”

Er ist etwa 50 × 35 × 20 mm groß und aus Kunststoff gefertigt; sein Magnesium-Einsatz­spitzer wird durch Presspassung gehalten. Die drei Stifteinlässe haben einen Durchmesser von 8 mm. – Der transparente Deckel sitzt nicht mehr fest, doch das führe ich auf das Alter des Spitzers zurück, und so empfinde ich die Verarbeitungs- und die Materialqualität als sehr gut.

„Normal – Color – Steno”

Die Kennzeichnung ist knapp. Neben „NORMAL”, „COLOR” und „STENO” sowie den drei Pfeilen trägt der Spitzer das bis 1992 genutzte Logo von Möbius+Ruppert. Es hatte zwi­schen M und R zwei Geodreiecke und ein Spitzloch, wobei letzteres oft für ein „O” gehal­ten wurde und das Logo dann als „MOR” erschien.

„Normal – Color – Steno”

Es ist eine Freude, diesen Spitzer zu benutzen. Die Messer schneiden sehr gut und die Schnittflächen sind sauber; von anderem Spitzern bekannte Auffälligkeiten wie das Wa­ckeln des Einsatzspitzers oder ein Quietschen konnte ich nicht feststellen. Die Spitzen sind bei meinen zahlreichen Tests mit Exemplaren des STAEDTLER Noris 120 aus den 1990er Jahren (Zeder) nicht abgebrochen. Die Spandicke liegt bei durchschnittlich 0,25 mm2, wo­mit der Spitzer noch als sparsam durchgeht

„Normal – Color – Steno”

Von links: Normal, Color, Steno

Die Spitzenwinkel betragen 22° (Normal), 33° (Color) und 21° (Steno). Letzterer lässt sich nicht eindeutig bestimmen, da sich an der Spitze ein kleiner und sicher ungewollter Zapfen bildet. – Zum Vergleich: Der M+R 604 („Granate”) schneidet einen Winkel von 22° und der Kurbelspitzer CARL Decade DE-100 einen von 18° (auch dieser gilt nur näherungsweise, da die Spitze leicht konkav ist).

„Normal – Color – Steno”

Von links: M+R 604, CARL Decade DE-100, M+R 3-fach Steno

Danke an Möbius+Ruppert für die Leihgabe!

  1. Die Typenbezeichnung reiche ich nach.
  2. Normal: 0,20 mm; Color: 0,30 mm; Steno: 0,26 mm.

Diese Website nutzt Cookies. Wenn Sie weiter auf dieser Seite bleiben, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie zu, diese Cookies zu verwenden. Mehr Informationen erhalten Sie im Datenschutzhinweis.
OK