Archiv des Stichworts „Museum”

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„Bleistiftspitz-Vorrichtungen”

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Der Bleistift braucht eine Spitze, und die machte man lange mit dem Messer. So ersannen findige Köpfe bereits vor 200 Jahren aufwändige „Bleistiftspitz-Vorrichtungen”, die das Spit­zen erleichtern sollten1, und genauso sperrig wie die Bezeichnung muten heute diese Apparate an.

In dem Buch „Bleistifte, Farbstifte, farbige Kreiden und Pastellstifte, Aquarell­farben, Tusche und ihre Herstellung nach bewährten Verfahren”, erschienen 1904 in A. Hartleben's Ver­lag2, beschreibt August Buchwald einige dieser Kontruktionen3. Eine arbeitete mit zwei unterschiedlichen Feilen und einer Federmesserklinge im Holzgehäuse, und in einer anderen drückte eine Feder den Bleistift auf eine Feile, wobei die Federkraft mittels eines über ei­nen Knopf gewickelten Bindfadens geregelt wurde.

„Bleistiftspitz-Vorrichtungen”

Die „Bleistiftschärfmaschine” Jupiter, patentiert 1896 und hergestellt von Guhl & Harbeck in Hamburg, war dem Autor offenbar besonders wichtig, denn ihr widmete er über zwei Sei­ten. – Buchwald erwähnt kurz die damals neuen „hütchenförmigen” Bleistiftspitzer aus Me­tall, bemängelt aber, dass sie ihren Zweck durch die meist ungleichmäßige Bewegung der Hand nicht erfüllen und sich die Schneidfläche des „Messerchens” schnell abnutzen würde.

Der Griff zum allgegenwärtigen Handspitzer aus Messing, Magnesium oder Kunststoff ist schon lange selbstverständlich, und so ist es heute wohl nur schwer vorstellbar, dass man mal mit dem stumpfen Bleistift losgezogen ist und eine dieser Maschinen in Gang gesetzt hat4.

  1. Der kegelförmig gebohrte Spitzer, Urform unserer heutigen Handspitzer, wurde zwar schon 1852 erdacht, doch es sollte noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis er weite Verbreitung fand.
  2. Es gilt als das erste deutschsprachige Buch, dass diese Themen ausführlich behandelte.
  3. Buchwald betont auch die Notwendigkeit einer „feinen, wirklich konischen Spitze” für die Nutzung des Bleistifts mit dem Pantograph.
  4. Das Aufkommen des Handspitzers hatte jedoch nicht zur Folge, dass diese Maschinen ver­schwanden, wie die noch in den 1940er erhältliche IDUNA-2 der Idea-Maschinenfabrik von Hans Michaelis aus Leipzig belegt.

Granate 1892

Dienstag, 26. September 2017

Das US-amerikanische Design-Patent1 Nr. 21864 vom September 1892 beschreibt eine Va­riante des als „Granate” bekannten Handspitzers.

Granate 1892

Hat die „Granate” auch heute noch vier Rändelungen2, damit man sie gut greifen kann, ist der im Patent gezeigte Spitzer mit vier Ringen aus jeweils acht Flächen versehen. Interes­santerweise hebt Stephen A. Davis, der Inhaber des Patents, hervor, dass die Vertiefung für das Messer nicht Bestandteil seines Designs ist. – Offen bleibt, ob dieser Spitzer tat­sächlich produziert wurde oder es bei dem Design-Patent blieb.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf dieses Patent!

  1. Vergleichbar mit dem Geschmacksmuster in Deutschland.
  2. Die Ausführungen für Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm (z. B. diese) haben nur drei Rändelungen.

Stiftablage des Monats

Freitag, 1. September 2017

Die Stiftablage des Monats September finde ich recht ungewöhnlich.

Stiftablage des Monats

Das 35 cm lange, 850 g schwere und aus Keramik gefertigte Utensil hat die Form eines Füllers.

Stiftablage des Monats

Füllung fürs Foto: Pentel Black Polymer 999 H und Pilot 78G.

Mit nur 16 cm ist das längste Fach ziemlich kurz, und so ist dieses Zubehör eher dekorativ als funktionell. War es vielleicht eher für den Laden- als für den Schreibtisch gedacht?

Stiftablage des Monats

Der Clip in Pfeilform verrät die Herkunft, nämlich Parker; gefertigt wurde die Ablage von der Silver Crane Company.

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Feine Feder

Sonntag, 13. August 2017

Als frischgebackener Füllhalter-Nutzer1 bin ich schnell ein Freund feiner Federn geworden. Nicht nur aus diesem Grund fiel mir diese Anzeige für den Pelikano von Pelikan in der Publi­kation „Schrift und Schreiben”, herausgegeben von den Pelikan-Werken in Hannover, auf2.

Feine Feder

Wie fein die EF des Pelikano war, weiß ich nicht, doch ich nehme an, dass sie breiter war als die EF des Pilot Penmanship. Letztere gefällt mir so gut, dass ich sie in den Pilot Prera eingesetzt habe3, denn diesen gibt es nur in F und M.

Feine Feder

Das Schreiben mit dieser Feder ist gewöhnungsbedürftig, da sie nicht nur sehr sensibel auf die Eigenheiten des Papiers reagiert (was einen zudem so manches entdecken lässt), son­dern zum vergleichsweise langsamen Schreiben mit möglichst wenig Druck zwingt. Doch das hat seinen Reiz! – Zurzeit benutze ich im Prera die Aurora Black.

  1. Nein, ich werde dem Bleistift nicht untreu.
  2. Eine Jahresangabe konnte ich nicht finden, aber ich tippe auf die frühen 1960er Jahre.
  3. Dies geht problemlos, weil die Federn und die Tintenleiter fast aller günstigen Füller von Pilot kompatibel und gesteckt sind.

Stiftablage des Monats

Dienstag, 1. August 2017

Die Stiftablage des Monats August stammt aus dem Westdeutschland der 1960er Jahre.

Stiftablage des Monats

Füllung fürs Foto: Norica-Büroklammern von HEICO, LaurelClips, Möbius+Ruppert Pollux, Umschlag-Klammern von MAUL, STAEDTLER Mars Lumograph 100 B.

Sie ist 255 × 120 mm groß, 18 mm hoch und aus einem harten, mir fremden Kunststoff gefertigt; Kennzeichen gibt es keine. Ich finde dieses Teil furchtbar langweilig, und so darf es auch nicht auf den Schreibtisch, sondern muss zurück in die Schublade und irgendwann ganz weg.

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„Peligom klebt alles”

Montag, 31. Juli 2017

Zum Monatsende wird noch schnell etwas ins Weblog geklebt, und zwar eine Anzeige für den Alleskleber „Peligom” von Pelikan.

„Peligom klebt alles”

Sie stammt aus „Konfuzius” von Otto Zierer, einer Ausgabe des „Lux-Lesebogens” („Kleine Bibliothek des Wissens”), erschienen im Verlag Sebastian Lux, Murnau/München. Das Heft trägt keine Jahreszahl, aber die Reihe gab es von 1946 bis 1964: ich vermute, es stammt aus der Mitte der 1950er Jahre.

Danke an Ekaterina für den Hinweis auf die Anzeige und die Leihgabe des Hefts!

Conté Indiana № 1073

Freitag, 7. Juli 2017

Heute nur ein Foto, da mir die Gestaltung dieses Bleistifts und seiner Verpackung sehr gut gefällt.

Conté Indiana № 1073

Leider kann ich zum Conté Indiana № 1073 nichts sagen.

Schwan Kartothello

Sonntag, 2. Juli 2017

Aus dem Museumskeller dieses Weblogs: Das Landkartenschreiber-Etui „Kartothello” Nr. 1411 von Schwan im Set mit Zubehör.

Schwan Kartothello

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Im Vergleich zu ähnlichen Sets ist es reichhaltig ausgestattet: Neben fünf Farbstiften ent­hält es einen Spitzer, einen Radiergummi, einen kurzen Bleistift1, einen Verlängerer sowie einen Kilometermesser aus Metall. – Unnötig zu sagen, dass der Radiergummi seine beste Zeit lange hinter sich hat.

Schwan Kartothello

Die runden, werkseitig gespitzen Farbstifte haben offene Enden und 4 mm dicke Minen, die fest und kreidig sind; beim verwendeten Holz tippe ich auf Zeder2. – Man beachte die pfiffige Schreibweise des Firmennamens, der hier als „Schwan” und „Swan” gelesen wer­den kann und damit mehrsprachig wird.

Schwan Kartothello

Der hexagonale Bleistift der Marke „Othello” hat den Härtegrad 1 (= B) und schreibt be­merkenswert leicht und sauber.

Schwan Kartothello

Mit dem Kilometermesser ließen sich für vier verschiedene Kartenmaßstäbe die Strecken von der Karte ablesen und mithilfe der aufgedruckten Umrechungen daraus die Marsch­leistung, d. h. die pro Tag voraussichtlich zurückgelegte Strecke, ermitteln.

Schwan Kartothello

Wie diese Reklame aus dem Jahr 1938 belegt, handelte es sich bei den Produkten der Marke „Kartothello” um „[a]bwischbare Farbkreiden und -Stifte zur militärischen Karten­beschriftung”.

Schwan Kartothello

Es fällt auf, dass die Stifte in dieser Reklame lackiert und anders bedruckt sind. Sollten die­se Abbildungen korrekt sein, so könnten die hier gezeigten unlackierten späteren Datums sein.

Schwan Kartothello

Neben dem Set mit Zubehör gab es noch eines nur mit Farbstiften. Die in meinem Exem­plar sind lackiert und tragen das zudem sog. „Schwan-Auge”3; ihre Minen sind weicher und mit 4,5 mm etwas dicker.

Schwan Kartothello

Die deutschen Etiketten auf dem Deckel und im Inneren wurden mit englischsprachigen überklebt4.

Schwan Kartothello

Für mich ein interessantes Stück Schreibwaren-Geschichte!

Anm.: Bei der topografischen Karte im Hintergrund handelt es sich auch diesmal um das Blatt Lauter­bach, bearbeitet durch das hessische Katasteramt 1909.

  1. Diese kurzen Stifte werden oft als „Halbstifte” bezeichnet.
  2. Genauer: Weihrauch-Zeder.
  3. In Anlehnung an den Namen des Firmengründers Gustav Adam Schwanhäuser wurde der Schwan 1875 als Bildmarke eingetragen.
  4. Die Nummer auf dem Produkt (1411) passt nicht zu der in der Reklame (1412).

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