Archiv des Stichworts „Museum”

 Ältere Beiträge Neuere Beiträge 

Spaßmacher

Donnerstag, 8. Juni 2017

Im Jahr 1929 erteilte das Österreichische Patentamt der Firma J.S. Staedtler in Nürnberg ein Patent auf ein „Verfahren zum Mustern von Schreibstiften und verwandten Geräten”1.

Spaßmacher

Bei diesem Verfahren wird der Stift (3) in ein schraubenförmig gewundenes Blechband (1) gesteckt.

Spaßmacher

Mehrere mit dieser Schablone umhüllte Stifte liegen nebeneinander auf einer Vorrichtung und werden quer zur Stiftachse bewegt. Dabei rollen die Ringe (2) an den Stiftenden auf einer Laufbahn (5) ab und drehen die Stifte, die mit Farbe besprüht werden.

Um ein Muster mit gegenläufigen, sich kreuzenden Bändern zu erzielen, wird der Stift erst in einer rechtsgängigen und anschließend in einer linksgängigen Schablone eingefärbt. Dies hat STAEDTLER beim BAJAZZO 6203 gemacht.

Spaßmacher

Der Bajazzo ist der Spaßmacher im italienischen Theater, und so stellen grün, weiß und rot die passende Farbkombination dar.

Spaßmacher

Durch die beiden unterschiedlichen Sprühfarben, der Mischfarbe an den Kreuzungstellen und der Hintergrundfarbe entstand ein vierfarbiges Muster. Ein pfiffiges Verfahren und eine gelungene Gestaltung, wie ich finde!

  1. Es gab auch ein Patent für die Schweiz, aber eines für Deutschland konnte ich nicht finden.

Aus der Modewelt

Dienstag, 6. Juni 2017

Zu den prominenten Nutzern des STAEDTLER Mars Lumograph gehörte der französische Modedesigner Yves Saint Laurent (1936-2008). So überrascht es, dass im Film „Saint Lau­rent” (Frankreich 2014, Regie Bertrand Bonello) nicht dieser Bleistift-Klassiker, sondern ein ande­rer Stift zu sehen ist1.

Aus der Modewelt

Quelle: arte2. – Bilder zum Vergrößern anklicken.

Doch um welchen blauen Stift in dieser Szene, die im Jahr 1969 spielt, handelt es sich? Die goldfarbenen Akzente auf der schwarzen Tauchkappe und der Aufdruck sind eindeutige Hinweise: Es ist der STAEDTLER Mars Duralar 100 30.

Aus der Modewelt

Quelle: arte.

Dieser Spezialstift kam 1959 als Mars-Lumograph Duralar 2830 auf den Markt und war ge­dacht für das Zeichnen auf PET-Folie (bekannt unter den Namen Mylar und Hostaphan). Er wurde in den Härtegraden K1 bis K5 angeboten3, enthielt Ruß als farbgebenden Bestand­teil und hatte als erster holzgefasster Stift dieses Herstellers eine gebrannte Mine mit Po­lymerbindung4. Seine Vorzüge gegenüber einem herkömmlichen Bleistift waren die stärke­re Schwärzung, die bessere Radierbarkeit und die höhere Wischfestigkeit auf Folie. – Den Duralar gab es in einer abwaschbaren („washable”) und einer nicht abwaschbaren Version („washproof”).

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre gab man dem Stift den Namen MARS DURALAR5 und die Artikelnummer 100 30. Zudem änderte man seine Gestaltung: Nutzte man für den alten Prägedruck eine Kombination aus Serifen- und Schreibschrift, kamen beim neuen seri­fenlose Versalien zum Einsatz; kurz darauf kehrte man die Richtung der Beschriftung um (die im Film gezeigte ist die alte, denn sie läuft von der Tauchkappe zur Spitze6). Außer­dem wurde der Ring unter der Tauchkappe nun weiß statt goldfarben ausgeführt. 1973 änderte sich das Design des Mars-Kopfes, und etwas später kam das Zeichen für „Spezial­verleimung” hinzu. – Nachfolger des Duralar 100 30 war der Dynagraph 100 50 in den Gra­den N0 bis N57.

Aus der Modewelt

Zwei STAEDTLER MARS DURALAR5 aus den 1970er Jahren

Aber warum griff man für den Film über Yves Saint Laurent nicht zum Lumograph, sondern zum ungleich schwerer zu beschaffenden Duralar? War es nur ein Fehler der Requisite? Es fällt jedoch angenehm auf, dass der gewählte Stift zeitlich perfekt zur Szene passt.

Danke an Kai für den Hinweis auf den blauen Stift in „Saint Laurent”!

Nachtrag vom 8.6.17: Weitere Exemplare des Duralar und des Dynagraph gibt es unter „Staedtler Mars Duralar and Dynagraph” bei pencils and other things zu sehen.

  1. Im selben Jahr erschien der Film „Yves Saint Laurent” (Regie Jalil Lespert), doch in diesem wur­de der STAEDTLER Mars Lumograph benutzt.
  2. Ich gehe davon aus, dass die Veröffentlichung der beiden Screenshots des genannten Films als Zitat nach § 51 UrhG gilt, da ich das in den Screenshots Gezeigte im Beitrag thematisiere und die Screenshots als Beleg für meine Ausführungen notwendig sind.
  3. Übrigens schreibt selbst der weichste Duralar (K1) auf Papier nicht allzu gut.
  4. Hier bin ich mich nicht 100%ig sicher.
  5. Hier schreibe ich den Produktnamen korrekt in Versalien; ansonsten wähle ich zu Gunsten der besseren Lesbarkeit die Gemischtschreibung.
  6. Sie ist auch bekannt als „Linkshänderbeschriftung”, da man sie lesen kann, wenn man den Stift in der linken Hand hält.
  7. Mehr zum Dynagraph unter „Staedtler Mars Dynagraph pencils and leads” bei pencil talk.

Klare Ansage

Freitag, 26. Mai 2017

Klare Ansage

„Hälst du was auf schöne Schrift, schreibe nur mit Staedtler-Stift” meinte J.S. Staedtler in dieser nur 46 mm hohen Anzeige, die 1928 in einer österreichischen Publikation1 erschien, und hatte damit natürlich völlig recht.

  1. Monatszeitschrift „Bergland”, Ausgabe 5, 1928, Verlag „Das Bergland-Buch”, Salzburg.

STAEDTLER Galileo

Mittwoch, 24. Mai 2017

Vor knapp 20 Jahren im Sortiment von STAEDTLER Deutschland war der Zirkel „Galileo”1.

STAEDTLER Galileo

Zum Größenvergleich ein STAEDTLER Mars Lumograph 100 im damaligen Design2

Der von Christian Leibeck, Helmut Hufnagl und Peter Weiß erdachte „Zirkel mit Einstell­mitteln” (so die Patentschrift) stellte in zweifacher Hinsicht eine Verbesserung gegenüber anderen Zirkeln dar.

STAEDTLER Galileo

Aus der Patentschrift

Beim Gebrauch eines herkömmlichen Zirkels ist es nötig, ständig den Schwerpunkt zu ver­lagern, um den Kontakt sowohl der Zirkelspitze als auch der Mine zum Beschreibmaterial sicherzustellen. Der „Galileo” indes bietet aufgrund seiner Konstruktion eine verbesserte Schwerpunktlage vor allem beim Zeichnen mittelgroßer Kreise. Ein weiterer Vorteil besteht in der einfachen und schnellen Verstellbarkeit der Zirkelschenkel ohne spezielle Ausstattung oder Hilfsmittel, da durch die Anordnung des Einstellmittels beim „Galileo” das Hebelgesetz ausgenutzt wird und so ein kurzer Einstellweg entlang der Einstellachse einen großen Ver­stellweg der Zirkelspitzen bewirkt. – Am Lehrstuhl für Ergonomie der Universität München bescheinigte man dem „Galileo” eine im Vergleich zu anderen Zirkeln bessere Handhabung bei den in der Schule üblichen Radien.

Das Design des Zirkels stammt von Christian Leibeck, der u. a. die triplus-Reihe, die aufstell­bare STAEDTLER-Box, „The Pencil”, Spitzer und einiges mehr für STAEDTLER gestaltet hat. Der „Geo-Lernzirkel” (so das Etikett) hatte die Artikelnummer 558 40-xx3 und wurde in einer Klappbox mit transparentem Deckel und einem Röhrchen Ersatzminen angeboten.

Leider war dem „Galileo” kein langer Erfolg vergönnt. Durch den in der Schule eher sport­lichen Umgang mit dem Zirkel kam es vor, dass die Schenkel ruckartig geöffnet wurden. Weil man keine Schnellverstellung vorgesehen hatte, fiel dabei das Spindellager he­raus, was zu zahlreichen Reklamationen und schließlich zum Ende des „Galileo” führte. – Das Pa­tent ist inzwischen erloschen.

Danke an Wowter für den „Galileo” und Helmut Hufnagl für viele Details!

  1. Die Wort-Bildmarke „Galileo” wurde 1997 eingetragen und 2006 gelöscht.
  2. Diese Form des Mars-Kopfes hatte man von 1973 bis 2001, und 2003 stellte man von Groß­buchstaben auf die noch heute übliche Gemischtschreibung um.
  3. xx war der Farbcode.

Granate 1892

Montag, 15. Mai 2017

Meine Suche nach dem Ursprung des als „Granate” bekannten Handspitzers dauert an. Ein neuer Fund führt in das Jahr 1892 und damit weiter zurück als bisher.

Mit „Equal to the finest imported” bewarben Greenough, Hopkins & Cushing im April 1893 den „Peerless”, was die Vermutung nahelegt, dass dieser Spitzer als Konkurrenz zu Import­ware antrat. Eine Bestätigung dafür findet sich in „The American Stationer”, Ausgabe 31 vom 7. Januar 1892:

Granate 1892

Granate 1892

Die Formulierung „which has heretofore been imported” belegt es – der „Peerless” (oder ein ähnlicher Spitzer) musste also bisher importiert werden, und zwar aus Europa, wie es weiter heißt.

Einer Meldung in „The American Stationer”, Ausgabe 32 vom 3. November 1892, zufolge war das Unternehmen zehn Monate nach dieser Meldung zur Auslieferung des „Peerless” bereit:

Granate 1892

Und auch hier der Hinweis auf importierte Spitzer. Aber welche waren das? Einen kleinen Hinweis könnte diese Anzeige der B. Lawrence Stationery Co., 224, 226 and 228 Centre Street, New York in „The American Stationer”, Ausgabe 31 vom 7. Januar 1892, geben:

Granate 1892

(zum Vergrößern anklicken)

Leider fehlen der Name und eine Angabe zur Herkunft dieses Modells. War es dieses, zu dem der „Peerless” in Konkurrenz trat?

Granate 1892

Geht man davon aus, dass die Darstellung weitgehend korrekt ist, fallen die beiden Schrau­ben auf. Die frühen Versionen der „Granate” von Möbius+Ruppert und Möller & Breitscheid hatten ein Rändelrad und zwei Stifte, um das Messer zu halten, doch der Brinco „Sharpe-Point” nutzte zwei Schrauben. Führt die Spur nach England?

Granate 1893

Dienstag, 9. Mai 2017

Ein weiteres Puzzlestück in der Geschichte des hierzulande als „Granate” bekannten Hand­spitzers: Diese Anzeige in „The American Stationer”, Ausgabe 33 vom 13. April 1893, Seite 821.

Granate 1893

Das ist die älteste mir bekannte Darstellung des „Granate”-Designs1 (zylindrisch, vier Rände­lungen und konische Spitze).

Interessant finde ich die Aussage „Equal to the finest imported”. War der „Peerless” etwa das im Inland gefertige Konkurrenzprodukt für importierte Spitzer, darunter die „Granate”? Wenn ja: Woher kam sie? Wer hat das Design erdacht und sie gefertigt? Welche Firmen haben sie vertrieben und exportiert? Eine weitere Recherche lohnt sicher.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf die Anzeige!

  1. Das Early Office Museum führt in der Rubrik „Small Pencil Sharpeners” einen sehr ähnlichen „American Cartridge Pencil Sharpener” von Eberhard Faber auf und gibt das Jahr 1892 an, doch da eine Quellenangabe fehlt, ist diese Information für mich wertlos. – Siehe auch „Granate 1892–1933″.

Joseph Hardtmuth

Samstag, 6. Mai 2017

Bereits 2015 ehrte die österreichische Post den Erfinder Joseph Hardtmuth mit einer Son­dermarke.

Joseph Hardtmuth

Die Post würdigte damit Hardtmuths größte Erfindung, die keramische Bleistiftmine. Aber wird diese nicht Nicolas-Jacques Conté zugeschrieben? Die Fachliteratur ist sich da nicht ei­nig. Es heißt zwar zuweilen, Hardtmuth habe 1790, also fünf Jahre von Conté, die moder­ne Bleistiftmine erdacht1, doch Henry Petroski vermutet in „Der Bleistift”, dass diese Zahl das Gründungsjahr von Hardtmuths Unternehmen benennt. Petroski schreibt: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode’ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.” Und wenn es tatsächlich Hardtmuths Idee war: Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Erfindung unabhängig von­einander an zwei unterschiedlichen Orten gemacht wurde.

Mich wundert, dass auf der Briefmarke Kopierstifte abgebildet sind, denn diese enthalten Anilinfarben, die erst knapp 40 Jahre nach der Erfindung der keramischen Mine entdeckt wurden. Auch das Millimeterpapier (?) im Hintergrund und die Typografie finde ich etwas seltsam. – Den vollständigen Bogen sieht man im Austria-Forum.

  1. Zum Beispiel in: Nagler, Dr. phil. Josef: Die keramische Bleistiftmine. Zum 200. Geburtstag von Joseph Hardtmuth. In: Blätter für Technikgeschichte, Heft 20, Technisches Museum Wien (Hg.) (Springer 1958).

„Dieser kleine niedliche Apparat”

Samstag, 18. Februar 2017

Schon einmal habe ich vermutet, dass die Erfindung des kegelförmig gebohrten Bleistift­spitzers dem Londoner Ableger der französischen Firma A. Marion & Co. gebührt, konnte aber keine verlässlichen Informationen finden – bis heute, als ich im Polytechnischen Jour­nal gestöbert und einen Beitrag aus dem Schweizerischen Gewerbeblatt des Jahres 1852 gefunden habe: „Vorrichtung zum Spitzen von Bleistiften, von Marion in London.”

Dieser kleine niedliche Apparat, für England registrirt, ist, wie mehrmonatlicher Gebrauch beweist, sehr gut geeignet, um eine immer gleichmäßige Zuschärfung des Holzes und Graphitstiftes, eine feine runde Spitze des letztern zu erhalten, und sehr angenehm im Gebrauch, weil die Finger von anhängendem Graphit­staub nicht beschmutzt werden.

„Dieser kleine niedliche Apparat”

a ist ein kurzer Elfenbeingriff mit Messingzwinge und an der Spitze mit Schraube zum Einsetzen und Abnehmen von b;

b ein massives Stück Messing, am vordern Theil höher und breiter als hinten. Darin ist c eine conisch zulaufende Höhlung angebracht. Diese hat einen Schlitz gegen die Seite d ihrer ganzen Länge nach;

d, d ein Stahlplättchen mit einer Schneide, die in dem hohlen Conus c liegt und wie ein Hobeleisen dienen muß. Dieses linealartige Stahlstück wird auf dem Messingstück b und zwar auf der rechten schrägen Seite f desselben mit der Schraube e, welche durch einen Schlitz in d geht, festgehalten, so daß aber der Schlitz verschiedene Stellungen von d, ein tieferes oder weniger tiefes Eingreifen in den Conus c möglich macht.

g, g sind zwei kleine Schräubchen, durch zwei Ansätze von b hindurchgehend, und dazu bestimmt, das Lineal d mehr am weitern oder am engern Theil des Kegels c einzuschieben, um es mehr auf den Stift oder das Holz wirken zu lassen.

h eine gegenüberliegende Schraube, welche das in b an einem durchbohrten Ansatz eingeschobene Stäbchen i festzuhalten bestimmt ist. An i sind die Flügel k, k, die verschiedene Stellungen zulassen, und dazu dienen, die Achse des Bleistiftes centrisch gegen den Conus zu stellen. Beim Gebrauch wird, wie es sich von selbst versteht, der Bleistift durch k in c eingeschoben, in der Richtung des Pfeiles mit der einen Hand gedreht, während die andere das Stäbchen a faßt.1

Damit dürfte belegt sein, dass die Urform des heutigen Handspitzers vor 165 Jahren in die Welt kam.

Und wie steht es dann um die oft anzutreffende Behauptung, Theo­dor Paul Möbius habe 1908 den kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzer erfunden? Was zunächst wie ein Wider­spruch zu Obigem klingt, muss keiner sein, denn in der Beschreibung der Erfindung von A. Marion & Co. ist zwar von einem Konus, nicht aber von Bohren die Rede. Es kann auch möglich sein, dass sich Möbius' Erfindung auf die industrielle Fertigung der Spitzer bezog (Marions Apparat wurde wohl nicht in Serie hergestellt). Doch das sind nur Vermutungen, und so sind weitere Recherchen sicher spannend!

  1. Textquelle: Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (CC-BY-NC-SA 3.0), Bildquelle: SLUB Dresden (CC-BY-NC-ND 3.0).

Diese Website nutzt Cookies. Wenn Sie weiter auf dieser Seite bleiben, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie zu, diese Cookies zu verwenden. Mehr Informationen erhalten Sie im Datenschutzhinweis.
OK