Archiv des Stichworts „Museum”

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Markiges Marketing (5)

Dienstag, 16. Juni 2009

Reklamemarke von A.W. Faber

„Dieser hier”, sagte Herr Koch aus der Buchhaltung, der aufgrund seiner – übrigens bemerkenswert häufigen – Aufenthalte in der Eisengießerei Sicherheits-Schuhwerk bevorzugte, „ist mein allerletzter Tintenstift!” und hielt zur Unterstreichung selbigen hoch in die Luft. Bestens gelaunt wie immer und gar nicht überrascht schaute Herr Wagner, dessen beeindruckender Bart genauso bekannt war wie seine ebensolche Sparsamkeit (nicht umsonst fiel die Wahl sofort auf ihn, als es galt, eine neue Leitung für das Magazin zu benennen), durch seine stahlgefasste Brille. Er hatte bereits beim geräuschvollen Erscheinen seines stets befrackten und mit einer sehr großen Kladde bewaffneten Frisur- und Arbeitskollegen dessen Wunsch erahnt, verbrauchte dieser doch beträchtliche Mengen jener nützlichen Schreibgeräte.

Diese Geschichte um die auf der 44 × 59 mm großen Reklamemarke von A.W. Faber abgebildeten Herren ist natürlich blanker Unsinn. Kein Unsinn hingehen ist, dass der Name „CASTELL” zusammen mit den zwei symbolhaft dargestellten, flachliegenden Burgen, die in dieser Anzeige aus dem Jahr 1915 etwas besser zu erkennen sind, bereits 1906 registriert wurde und inzwischen als Faber-Castell (ohne Burg, aber dafür mit Rittern) weltweit be­kannt ist. – Das Alter der Reklamemarke, die zu einer Serie mit mindestens elf weiteren, ähn­lich gestalteten gehörte, schätze ich auf 90 bis 100 Jahre.

Zur Geschichte der Tinten- und Kopierstifte gibt es verschiedene Angaben. Die Publikation „Frühe, nichtphotographische Kopier- und Vervielfältigungstechniken” berichtet von dem Wunsch, mit einem Graphitstift ähnlich unlöschbar zu schreiben wie mit Feder und Tinte, und der Entwicklung der sog. „Tintenstifte”, die dies möglich machten. Später soll deren Eigenschaft, bei kräftigem Farbauftrag Kopien zu erlauben, zur Bezeichnung „Kopierstift” geführt haben. Andere Quellen wie die Wikipedia sehen den Ursprung dieser speziellen Stifte in einer Vorschrift aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von deutschen Kaufleuten verlangte, Duplikate ihrer Korrespondenz vorzuhalten. Nach der Erfindung der Nasskopie knapp hundert Jahre zuvor und der mit den neuen Anilinfarben geschaffenen Möglichkeit, kopiertaugliche Schreibminen zu fertigen, entstanden dann die ersten Kopierstifte.

Zu den Herstellern, die heute noch solche Stifte anbieten, gehören LYRA (Deutschland), Faber-Castell (Deutschland), Cretacolor (Österreich), Viarco (Portugal) und Veritas/Lee Valley Tools (USA). – Interessante Details, Farbmuster und weiterführende Informationen zu Kopierstiften gibt es unter „The hidden life of copying pencils” bei pencil talk.

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Robinson am Freitag

Freitag, 12. Juni 2009

Meine geschätzte Leserschaft möge mir den billigen Kalauer im Titel nachsehen, aber ich konnte ihn mir einfach nicht verkneifen und habe mit diesem Beitrag auch eigens bis zu einem Freitag gewartet ;-)

Robinson am Freitag

LYRA Robinson 2510 HB/2 (von unten): 20er Jahre, 80er Jahre, aktuelles Modell
(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sehr lange im Programm des Nürnberger Unternehmens LYRA ist der Bleistift „Robinson 2510″, dessen Name bereits 1908, also vor gut 100 Jahren, als Warenzeichen eingetragen wurde. Bis zum Ende der 60er Jahre behielt er seine ursprüngliche, schlichte Gestaltung, die den Namen des Stifts in einem dekorativen Font sowie den des Herstellers in für heute ungewohnter, nämlich leicht kursiver Form und in Kapitälchen zeigte.

Robinson am Freitag

Robinson am Freitag

Danach wurde das Design des Bleistifts grundlegend verändert, und eine farbige, durch einen weißen Ring vom dunkelblauen Schaft abgesetzte Tauchkappe zur Kennzeichnung des Härtegrads kam hinzu. „Vorne schwarz, hinten bunt” also auch hier, allerdings nur in drei Farben: Grün für H und härter, Gelb für HB sowie Rot für B und weicher. Den Namen und die Kennzeichnungen führte man nun in der Schriftart „Handel Gothic” von 1965 aus.

Robinson am Freitag

Später folgten die 13-stellige EAN und der Strichcode, die gegenüber dem goldfarbenen Prägedruck weiß aufgebracht sind; in dieser Form ist der „Robinson 2510″ heute in elf Härtegraden von 4H bis 6B sowie in HB mit Radierer erhältlich.

Robinson am Freitag

Beim direkten Vergleich der Minen ist ein Qualitätsunterschied erkennbar, wobei die älteste die beste und die aktuelle auf dem Papier leider etwas rauh ist. Das Holz von allen dreien lässt sich sehr gut spitzen, und bei der Qualität von Verarbeitung, Lack und Prägedruck liegt das aktuelle Modell deutlich vorn.

Robinson am Freitag

Von links: aktuelles Modell, 80er Jahre, 20er Jahre

Trotz der kleinen Schwäche ist der laut Hersteller im Ausland aus Zedernholz gefertigte „LYRA Robinson 2510″ ein guter, attraktiver und zudem mit etwa 18 Euro-Cent (Quelle: GoRoTec) äußerst günstiger Alltags-Bleistift.

Robinson am Freitag

Anm.: Bei der Datierung bin ich mir nicht ganz sicher, so dass der alte „Robinson” auch aus den 30er Jahren stammen und der in den 80er Jahren angesiedelte durchaus zehn Jahre älter sein könnte.

Kurz und bunt

Mittwoch, 10. Juni 2009

Dachte ich bisher, Bleistifte mit buntem Äußeren seien erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommen, so haben mich diese vielleicht 70 bis 80 Jahre alten Kurzbleistifte von J.J. Rehbach eines Besseren belehrt.

Kurz und bunt

(zum Vergrößern anklicken)

Das ausgefallene Muster auf den silbergrundigen Stiften mit goldfarbenem Ring und recht langer, schwarzer Tauchkappe ist unregelmäßig und sieht aus wie aufgetupft; der mit dem Ring farblich korrespondierende Prägedruck, der fast die ganze verfügbare Länge einnimmt, zeigt die gekreuzten Schlüssel, das Sinnbild des Herstellers, sowie den Schriftzug „J.J. REHBACH”. Knapp 9 cm lang, 8 mm dick und mit einer Mine etwa der Härte HB waren diese attraktiven Bleistifte wohl als Begleiter für Kalender oder Notizbuch gedacht.

STAEDTLER LUNA 349

Dienstag, 9. Juni 2009

Heute gibt's schon wieder etwas aus dem Museumskeller dieses Weblogs, und zwar den LUNA 349 № 2 von J.S. STAEDTLER.

STAEDTLER LUNA 349

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Dieser sechsflächige, dunkelgrün lackierte Bleistift mit silberfarbenem Aufdruck und den üb­lichen Abmessungen bietet ein paar – wie ich finde – interessante Details.

STAEDTLER LUNA 349

Wie die Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes informiert, wurde die Wort-Bildmarke „LUNA” bereits im Juli 1913 angemeldet und im Januar 1914 auf die J.S. Staedtler GmbH & Co. KG eingetragen. Nach einer Verlängerung der Schutzdauer gehört sie immer noch STAEDTLER, doch das einzige, heute angebotene Produkt mit diesem Markennamen im Programm dieses Herstellers, das ich finden konnte, ist ein Farbstift von STAEDTLER Hong Kong. – Während bei vielen anderen mir bekannten Stiften aus dieser Zeit der Name sehr dekorativ gestaltet wurde, hat man sich hier für die Verwendung einer schlichten, breiten Schreibmaschinenschrift entschieden. War der LUNA 349 vielleicht als einfacher Alltags-Bleistift gedacht?

STAEDTLER LUNA 349

Noch älter als die Marke „LUNA” ist der auch auf diesem Stift anzutreffende Viertelmond, das (meines Wissens nach) älteste Markenzeichen von STAEDTLER, das 1887 angemeldet und bis in die 50er Jahre hinein genutzt wurde. Wie schon beim MARS-REVISOR erwähnt, könnte der Viertelmond, dessen Ursprung unbekannt ist, auf eine Verbindung zum Orient hindeuten. Verwandte Markenzeichen waren „Full Moon” und „Camel”, wobei letzteres noch lange im gleichnamigen Bleistift von STAEDTLER Thailand weitergelebt hat.

STAEDTLER LUNA 349

Doch zurück zum LUNA 349 № 2. Dieser Bleistift kam im Oktober 1937 auf den Markt und wurde bis in den Mai 1941 produziert, war also vergleichsweise kurz im Handel; ob es einen Vorgänger und/oder Nachfolger gab, weiß ich nicht. Die Jahre (oder vielleicht auch eine unsachgemäße Lagerung) haben meine Exemplare etwas strapaziert, denn keines ist frei von Schäden. Das gut spitzbare Holz und die kratzfreie Mine mit ihrer sauberen Abgabe sind jedoch sehr hochwertig, so dass man sich auch heute noch am Gebrauch des LUNA 349 № 2 erfreuen kann.

STAEDTLER LUNA 349

STAEDTLER LUNA 349, gespitzt mit dem Carl Decade DE-100 und dem DUX DX4122

Gestatten, Berthelt!

Mittwoch, 3. Juni 2009

Gestatten, Berthelt!

Guten Tag, wertes Publikum, ich heiße Berthelt. Mit einem Vornamen kann ich leider nicht dienen, denn den gab mir mein Erzeuger, der Johann Faber aus Nürnberg, weiland größter Bleistifthersteller des Landes, nicht mit, nachdem er mich vor, na, vielleicht 90 Jahren im Süden Deutschlands in die Welt gesetzt hat. Ich bekam damals einen eleganten Mantel in kräftigem Rot um, der zu meiner großen Freude mit silberfarbenen Applikationen verziert wurde – darunter auch Schlägel und Eisen, was meine Beziehung zum Bergbau zeigt –, und los ging's.

Gestatten, Berthelt!

Aufmerksamen Beobachtern wird es bereits aufgefallen sein: Ziemlich am Ende meines Überziehers prangt – einem Rangabzeichen gleich – „№ 2″, doch Kenner meines Metiers wissen sehr genau, dass die Nummer 2 in unserer Branche eigentlich die Nummer 1 ist. Diesen Sachverhalt den Nicht-Fachleuten unter ihnen zu erklären würde aber den Rahmen meiner kurzen Vorstellung sprengen, und so muss ich leider darauf verzichten.

Auch wenn mein Auftreten auf manche etwas hölzern wirken mag, so kann ich versichern, dass sich in meiner glatten, zweigeteilten Schale ein recht weicher Kern verbirgt und ich mir nicht zu schade bin, mich für meine verantwortungsvolle Tätigkeit aufzureiben. Als man mir damals eine glänzende Karriere ankündigte, hat man nicht zu viel versprochen, denn ich bin tatsächlich universell einsetzbar und mit dem Umgang jedweder Information bestens vertraut, mögen sie aus Zahlen, Buchstaben oder sonstigen Zeichen bestehen, und in der Hand Kunstschaffender vermag ich ebenso zu überzeugen.

Gestatten, Berthelt!

Glänzend sind übrigens auch die grauschwarzen Spuren, die mein traditionsreiches Werk auf dem Papier zu hinterlassen vermag und denen weder Sonne noch Wasser etwas anhaben können. Ganz im Kontrast zu meinem auffälligen Äußeren mische ich mich nicht in die Belange derer ein, die meine Dienste nutzen, sondern halte mich – wie es sich für meinen Stand gehört – vornehm zurück. Wer mich und mein Können in Anspruch nimmt, kann sich also ganz auf die die eigenen kostbaren Gedanken konzentrieren.

Ich glaube sagen zu können, dass ich mich für mein Alter hervorragend gehalten habe – ich bin nicht aus dem Leim gegangen, und so sitzt mein schlichter Mantel auch heute noch wie angegossen. Apropos Mantel: Dieses betagte Kleidungsstück ist von erstaunlich hoher Qualität. Selbst nach den vielen, zum Teil turbulenten Jahrzehnten ist sein Stoff weder eingerissen noch abgegriffen, und auch den attraktiven Aufdrucken sieht man die Jahre nicht an, so dass ich bestimmt nach wie vor eine sehr gepflegte Erscheinung abgebe. Gewandungen dieser Güte findet man heutzutage recht selten, aber das nur nebenbei.

Gestatten, Berthelt!

Der naheliegende Eindruck, bei meinem anstrengenden Tagewerk würde ich auf Dauer abstumpfen, täuscht sehr, denn falls nötig, bringt mich dieser komische Kauz, in dessen merkwürdigem Potpourri ich mich hier präsentieren darf, wieder schnell in Form. Doch wie es eine Lebensaufgabe so an sich hat, zehrt auch die meine an mir, so dass ich irgendwann fast gänzlich verschwunden sein werde. Aber wer weiß – möglicherweise hat ja einer der geschätzten Anwesenden mitgeschrieben, was ich hier erzählt habe, und bewahrt es damit für die Nachwelt.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit und empfehle mich.

Spurensuche

Montag, 1. Juni 2009

Vor gut drei Monaten habe ich hier den „Sirius Bleistift Nr. 2″ der Leipziger Pianofortefabrik gezeigt und gefragt: Wie kommt ein Bleistift in das Lieferprogramm eines Klavierherstellers?

Sirius Bleistift Nr. 2

Der Besuch in der Ludwig-Hupfeld-Straße im Nordwesten von Leipzig, dem Standort der ehemaligen Pianofortefabrik, war ernüchternd, bot er doch nur den Anblick eines großen, vernachlässigten Gebäudes, an dem ein paar neue Beschriftungen angebracht wurden (darunter auch die von Rönisch, dem neuen Eigentümer des Bestands der Leipziger Piano-Union). Die Reste des alten Firmennamens am Turm, die wohl noch bis vor einiger Zeit zu sehen waren, müssen sich in der Zwischenzeit gelöst haben oder verbargen sich hinter dem grünen Netz, das den Turm teilweise umspannte.

Leipzig, ehemalige Pianofortefabrik

Südfassade der ehemaligen Leipziger Pianofortefabrik (kmz-Datei)

Eine Anfrage beim Staatsarchiv Leipzig, Teil des sächsischen Staatsarchivs, das auch online über die ehemalige VEB Deutsche Piano-Union Leipzig im Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg informiert, lieferte jedoch einige interessante Details über die dortige Bleistiftproduktion.

Spurensuche

Die älteste mir vorliegende Aktennotiz stammt vom 2. April 1949. Diese führte einen Posten von 5 Tonnen Naturgraphit einer Firma Binder auf, der im Falle seiner noch zu bestimmenden Eignung für die Bleistiftherstellung freigegeben werden sollte.

Spurensuche

Eine andere Notiz informierte am 1. Oktober 1949 über die Einrichtung der Kostenstelle Nr. 354 für die Bleistiftfabrikation. Um diese Zeit herum muss man auch schon mit der Produktion begonnen haben, denn eine Mitteilung an die Betriebsleitung vom 2. Dezember 1949 erwähnte Probleme beim Ziehen der Minenmasse: Bei den durch die nächtliche Abkühlung ungleichmäßigen Raumtemperaturen war sie brüchig, in den Mittagsstunden jedoch einwandfrei zu bearbeiten.

Spurensuche

Ein früher Hinweis auf das verwendete Holz findet sich in einer Anweisung vom 14. Februar 1950, die zur Vermeidung von unnötigem Transport und Verschnitt des angelieferten Erlenholzes zum sofortigen Aussortieren der ungeeigneten Bohlen aufforderte. In einer Produktionsbesprechung am selben Tag beklagte man den großen Verschnitt dieses Erlenholzes, da dieses gerade für die Bleistiftfertigung sehr schlecht geeignet war.

Spurensuche

Ein Schreiben vom 22. Februar 1950 teilte einem mir unbekannten Empfänger mit: „Auf Veranlassung der damaligen DWK haben wir in unserem Betrieb eine Fertigung von Blei-, Kopier- und Buntstiften eingerichtet, die dazu dienen soll, die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in diesen Artikeln sicherzustellen.” (Anm.: Die Deutsche Wirtschaftskommission war die zentrale deutsche Verwaltungsinstanz in der sowjetischen Besatzungszone vom 4.6.1947 bis 7.10.1949.) Dem Brief als Muster beigefügt war ein „LPF-Bleistift, Härte 2, rund, mit runder Mine, zum Herstellerabgabepreis von DM 0,18 das Stück”, der „naturfarbig und geschliffen ohne Aufschrift” geliefert werden konnte. Darüber hinaus wurden farbige, polierte Stifte mit Aufschrift angekündigt, für die man bereits in wenigen Monaten den dafür notwendigen Fertigungsstand zu haben gedachte. – Für mich belegt dies, dass die Bleistiftherstellung in der Leipziger Pianofortefabrik im Rahmen der sog. Konsumgüterproduktion stattfand.

Spurensuche

In einer Aktennotiz vom 7. Juni 1950 wurde um geeignete Maßnahmen angesichts des knappen Vorrats an Ceylon-Graphit gebeten, da die letzte Lieferung nicht „mustergetreu ausgeführt” wurde. Eine Besprechung am darauffolgenden Tag erwähnte die geplante Prüfung russischen Graphits auf ihre Verwendbarkeit für die Bleistiftproduktion; es bestand Aussicht, diesen im Rahmen des Handelsabkommens mit der UDSSR für eine größere Menge von in der DDR nicht benötigtem Talkum zu bekommen. Ein Anwesender wies auf die ihm vorliegende Fotokopie eines Schreibens der Firma A. W. Faber an die Kropfmühle hin, in dem A. W. Faber mitteilt, „dass die von dort bezogenen Graphite (bayrische) sehr gut wären und dass die Firma Faber in der Lage ist, ausschließlich aus diesem Graphit Bleistiftminen herzustellen, so dass sie auf die Einfuhr von Ceylon-Graphit verzichten kann.” Die direkte Einfuhr von Ceylon-Graphit lohnte sich nicht, und der Import über England scheiterte daran, dass die Bank von England den für die Bezahlung bestimmten Betrag nicht freigab. Die Lösung dieses Problems sah man schließlich darin, dass 1,5 t Ceylon- und 1 t Korea-Graphit vom westdeutschen Spediteur des Händlers in England übernommen und über den westdeutschen Graphitlieferanten der FEMA nach Leipzig geliefert werden sollten. Der aktuelle Graphit-Engpass schien allerdings überwunden, da man noch 1,8 t Flockengraphit in Aussicht hatte und diesen nur noch feinstmahlen lassen musste. – Anm.: Die VVB FEMA war die 1948 gebildete und 1952 aufgelöste Vereinigung Volkseigener Betriebe der Industrie für feuerfeste Materialien.

Spurensuche

Eine Übersicht vom 20. Juni 1950 nannte Stückzahlen der Bleistift-Produktion für die Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Mai 1950: 794.000 geschliffen, 700.848 lackiert, 55.440 lackiert II. Wahl und 1.550.288 insgesamt.

Spurensuche

Wie eine weitere Aktennotiz am 23. Juni 1950 festhielt, hat man versucht, aus den vorhandenen Rohmaterialien Bleistiftminen zu fertigen, die dem „Mars Lumograph” von J. S. STAEDTLER möglichst ähnlich kommen, und alle Maßnahmen darauf abgestellt. Den zur Verfügung stehenden Steingutton sah man als Minderung des Produkts im Verhältnis zur STAEDTLER-Mine und konzentrierte sich daher auf den von STAEDTLER verwendeten Graphit, einer Mischung aus feinstgemahlenem makro-kristallinem Ceylon-Graphit und eines amorphen Graphits, wie ihn beispielsweise Mexiko lieferte. Man wusste, dass bayerischer Graphit zur Herstellung von Bleistiftminen verwendet wird, und kannte den Qualitätsruf der Graphitwerke Kropfmühl AG. Ob jedoch für die „Castell”-Bleistifte der Firma A. W. Faber tatsächlich nur bayerischer Graphit benutzt wurde, konnte man nicht mit Bestimmtheit sagen.

Spurensuche

Die Versuche, ausschließlich bayerischen Graphit zur Minenherstellung zu nutzen, begannen laut dieser Aktennotiz bereits sehr früh, hatten jedoch nicht den gewünschten Erfolg (zur Demonstration lagen Minen dieses Typs der Notiz bei). Man erwog, statt der geforderten STAEDTLER-Mine auf eine auszuweichen, die dem „Castell”-Stift der Firma A. W. Faber näherkommt und somit hauptsächlich die Verwendung von bayerischen, mikro-kristallinen Graphiten erlaubt. Sollte eine tiefschwarze Mine gefordert werden, so plante man die Verwendung eines böhmischen, amorphen Graphits anstelle des mexikanischen. – Mit zwei weiteren Notizen aus den Monaten Juni und Juli 1950, die sich mit der Auswertung von Zeitaufnahmen des Arbeitsgangs „Brettchen schneiden” in der Abteilung Bleistiftumhüllung beschäftigten sowie einen Prämienzuschlag ankündigten, enden die mir vorliegenden Unterlagen.

Auch wenn diese Details keine verlässlichen Rückschlüsse auf das Alter oder das Material des „Sirius Bleistift Nr. 2″ erlauben, so bieten sie doch einen kleinen Einblick in seine Vor­geschichte und die Bleistiftproduktion an diesem Ort.

Markiges Marketing (4)

Samstag, 30. Mai 2009

Reklamemarke von LYRA

An dieser 57 × 41 mm großen und wohl 90 Jahre alten Reklamemarke des in Nürnberg an­sässigen traditionsreichen Unternehmens LYRA, das 1806 gegründet wurde, gefällt mir be­sonders gut, wie Hersteller, Produkt und Werbebotschaft in die Darstellung integriert sind. Während diese Informationen meist losgelöst und an prominenter Stelle positioniert wer­den, so sind sie hier wichtiger Bestandteil des Bildes. – Ganz nebenbei gibt es in dieser Szene auch noch Dinge zu sehen, die damals alltäglich waren, heute jedoch (sicher zur Freude der meisten) verschwunden sind: Matrosenanzug, Rohrstock und Sütterlin-Schrift.

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Sphinx

Freitag, 29. Mai 2009

Nach dem „ALLIGATOR” und dem „DRAGON” hier nun ein weiterer, recht ungewöhnlich gestalteter Bleistift, und zwar der „SPHINX” von Johann Faber. Leider weiß ich auch von diesem fast nichts, und so beschränke ich mich auf die Präsentation dieses (wie ich finde) ansprechenden Bleistifts.

Sphinx

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sphinx

Der runde, in einem sehr dunklen Rot und nicht immer ganz gleichmäßig lackierte Bleistift hat Standardmaße. Neben einer Grafik der Sphinx sowie Schlägel und Eisen, dem aus dem historischen Bergbau stammenden Sinnbild des 1876 gegründeten Unternehmens, trägt er die Aufdrucke „JOHANN FABER’S SPHINX” und „MADE IN NÜRNBERG-GERMANY” (die An­gabe des Härtegrads fehlt jedoch). Das Alter kann ich nur schätzen: Da die Firma Johann Fabers 1942 von Faber-Castell übernommen wurde, müsste der Bleistift 67 Jahre oder älter sein (vorausgesetzt, der Markenname ist mit der Übernahme verschwunden); von der Ge­staltung würde ich allerdings auf die 20er Jahre schließen.

Sphinx

Sphinx

Ein weiterer Schriftzug, ebenfalls im silberfarbenen Prägedruck, überrascht: „THE GLOBE STATIONERY MART, RANGOON.” Wurde dieser Bleistift vielleicht für den Verkauf in einem Geschäft dieses Namens gefertigt und dazu entsprechend bedruckt? Wenn ja, handelt es sich bei „Rangoon” um die Stadt Rangun in Myanmar, dem ehemaligen Birma?

Sphinx

Gespitzt mit dem Handspitzer DUX DX4122

Sphinx

… und der Kurbelspitzmaschine Carl Decade DE-100

Die Verarbeitung meiner Exemplare, die noch völlig gerade sind, ist von hoher Qualität, denn die Holzhälften zeigen keine Anzeichen dafür, dass sie sich trennen, und in allen Stiften sitzt die Mine zentrisch. Bis auf kleine Lagerspuren wie ein paar Abplatzungen des Lacks und Dellen konnten die Jahrzehnte dem „SPHINX” nichts anhaben. Das rötliche, fein gemaserte Holz lässt sich sowohl im Handspitzer als auch in der Kurbelspitzmaschine gut spitzen, und seine Mine, die etwas härter als HB zu sein scheint, hat eine saubere und gleichmäßige Abgabe. Eine Pracht!

Sphinx


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