Archiv des Stichworts „Museum”

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Zurück in die Zukunft

Samstag, den 22. August 2009

Aus dem Jahr 1957 und damit gut ein halbes Jahrhundert alt sind diese beiden im Original 12 × 26 cm² großen Anzeigen, mit denen die J.S. STAEDTLER Inc. mit Sitz in Hackensack (New Jersey, USA) in der Publikation „Engineering and Science” ihre Produkte zum professionellen Zeichnen und Konstruieren präsentiert hat.

Vier Jahre vor dem ersten bemannten Flug ins Weltall und zwölf Jahre vor der ersten Mondlandung waren heutige Science-Fiction-Klassiker wie „Die Dämonischen”, „Alarm im Weltall” und „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C” auf der Leinwand für die Prägung der Zukunftsfantasien zuständig, und auch die – allerdings eher an praktischen Anforderungen orientierten – Konstruktionen in diesen für mich sehr gelungenen Anzeigen fügen sich gut in das damals populäre Bild zukünftiger Welten ein.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

Die hier beworbenen Zeichengeräte der „Mars”-Produktreihe sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Das 1900 registrierte Wortzeichen fand sich erstmals auf dem Kopierstift „Mars Copier” (1901) und anschließend auf dem Bleistift „Mars 1225″ (1908), dem Vorläufer des in den 30er Jahren eingeführten „Mars Lumograph 2886″; mit letzterem wurde auch die tiefblaue Lackierung eingeführt. Der 2886 war damals in 19 Härtegraden von EXEXB bis 9H verfügbar, während sein Nachfolger, der Lumograph 100, heute nur noch bis 6H gefertigt wird. Auf den Stiften auch zu sehen ist die Darstellung des astronomischen Zeichens für den Planeten Mars in der Variante mit den Monden Phobos und Deimos (ein weiteres Foto davon gibt es hier).

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

(zum Vergrößern anklicken)

Besonders ungewöhnlich für heutige Bleischreiber, aber damals offenbar üblich, ist die Form der Spitzen. Über das dafür verwendete und im Text als „Draftsman’s Pencil Sharpener” genannte Gerät kann ich nur spekulieren; ich vermute, dass zum Freilegen der Mine etwas ähnliches wie der Dreifach-Spitzer M+R 207 zum Einsatz kam. – In dem Ausschnitt erkennt man deutlich, dass die Produktabbildungen gezeichnet sind; dies spricht mich ebenso an wie die Ästhetik und die Typografie dieser Anzeigen.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

Mit im Bild der zu dieser Zeit wohl noch recht neue Fallminenstift Mars Lumograph Technico 1001, für den Minen in 18 Härtegraden von EXB bis 9H angeboten wurden (die im Jahr 1951 eingetragene Marke hat sich bis heute gehalten und findet sich bei den aktuellen Fallminenstiften Mars technico 780 C und technico 788 C). Durch den Erfolg der vom japanischen Hersteller Pentel entwickelten und zuerst 1960 in einer Stärke von 0,9 mm vermarkteten Polymer-Mine ließ die Verbreitung der Fallminenstifte jedoch nach, und so ist die Mine Mars carbon jetzt nur noch in sieben Härten von 4B bis 4H erhältlich. – Der als „Pocket-Technico” bezeichnete Fallminenstift war vermutlich der Vorläufer des in den 70er und 80er Jahren angebotenen „Taschenmodells” Mars technico 782 C.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

(zum Vergrößern anklicken)

Für mich ist es immer wieder beeindruckend, mit welchen aus heutiger Sicht primitiven Zeichenwerkzeugen – die ersten kommerziellen CAD-Anwendungen kamen erst Mitte der 60er Jahre in die Unternehmen – Konstrukteure, Ingenieure und Architekten damals solch großartige Leistungen vollbracht haben.

Danke an STAEDTLER für die Genehmigung zur Reproduktion und Stephen von pencil talk für den Hinweis auf diese Anzeigen!

Alte Anzeigen von STAEDTLER | Mars 1962 »

Alte Schule

Samstag, den 11. Juli 2009

Bereits vor einiger Zeit beim Fischen in der Elektrobucht im Netz hängen geblieben: Der Fallminenstift 612 von Eberhard Faber nebst einigem Zubehör.

Alte Schule

Fallminenstift Eberhard Faber 612, Kunststoffbox Eberhard Faber No. 0369 „Dem braven Kinde”

Der aus goldgelb glänzendem Leichtmetall gefertigte Fallminenstift mit dem sehr geringen Gewicht von noch nicht einmal 7 Gramm, den üblichen Maßen und der bewährten Technik kam in einer Kunststoffbox mit transparentem Deckel, die den Eindruck macht, als würde sie eine Belohnung beherbergen, denn neben „EBERHARD FABER No. 0369″ trägt sie den Schriftzug „Dem braven Kinde”. – Ob Box und Stift zusammen verkauft wurden, habe ich noch nicht herausfinden können, ebenso wenig das genaue Alter, das ich auf 40 bis 45 Jahre schätze.

Alte Schule

Mit dabei war auch der Kunststoff-Minenspitzer 233 in ebenso grüner wie schlichter, heute noch üblicher Ausführung vom gleichen Hersteller. Das Logo des Herstellers, eine Raute mit fünfzackigem Stern, findet sich aber weder auf dem Spitzer noch auf der Box, sondern nur auf dem Stift.

Alte Schule

Minenspitzer Eberhard Faber 233, Fallminenstift Eberhard Faber 612

Zu der Zusammenstellung gehörte außerdem ein Röhrchen mit einem Dutzend Griffelminen Eberhard Faber 3025 in zwei Härtegraden, 2 mm dick und 100 mm lang. Die weichere der beiden Sorten ist jedoch immer noch härter als die Minen im „Milchgriffel 1/34″ von Rheita und im „Heft & Tafel 1133″ von Faber-Castell, zwei holzgefassten Stiften mit ähnlicher Zielsetzung.

Alte Schule

Griffelminen Eberhard Faber 3025

Die klassische, holzgerahmte Schiefertafel, die hier als Hintergrund und im letzten Bild auch ihrem eigentlichen Zweck als wiederverwendbares Beschreibmaterial dient, ist zwar aus der Schule verschwunden, erfreut sich aber in anderen Bereichen wie z. B. in der Gastronomie recht großer Beliebtheit und hat in der Kulturgeschichte der Schreibwerkzeuge zweifellos einen festen Platz.

Alte Schule

Nachtrag vom 14.7.09:: Ein Mitarbeiter von Eberhard Faber hat mir freundlicherweise mitgeteilt, dass der Fallminenstift und die Griffelminen mindestens 45 Jahre alt sind und der Minenspitzer bis etwa 1990 in verschiedenen Farben angeboten wurde.

Rank und schlank

Mittwoch, den 1. Juli 2009

Aus einem alten Sortimentskarton des Herstellers J.J. Rehbach: Einige runde, sehr dünne Bleistifte mit ungewöhnlichen Kapseln.

Rank und schlank

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Mit Längen zwischen 12 und gut 15 cm und Durchmessern von 3,5 bis 4,6 mm teilen sie mit den Bleistiften aktueller Produktion lediglich die Dicke der Mine.

Rank und schlank

Zum Größenvergleich: Ein aktueller STAEDTLER Mars Lumograph

Keines der Stücke ist gekennzeichnet, und die Qualität von Material sowie Verarbeitung streut stark.

Rank und schlank

Meine Informationen zu diesen Bleistiften sind noch dünner als die Stifte selber, denn ich kenne weder ihr Alter noch ihren Zweck. Die Öse lässt vermuten, dass diese Bleistifte dazu gedacht waren, irgendwo angebracht zu werden. Handelt es sich möglicherweise um die im englischsprachigen Raum als „dance card pencils” bekannten Stifte? Exemplare wie dieses sprächen dafür. – Eine offizielle deutschsprachige Bezeichnung für diese speziellen Schreiber habe ich leider nicht parat (”Tanzkartenbleistifte” läge da wohl nahe).

Rank und schlank

Kann vielleicht meine geschätzte Leserschaft etwas zu diesen unüblich proportionierten Stiften sagen?

Rank und schlank

Zeitreise

Donnerstag, den 18. Juni 2009

Einen Rückblick der ganz besonderen Art bietet dieses japanische Blog: Einige prächtige Seiten eines Katalogs von A.W. Faber New York vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigen Bleistifte, Minenhalter, Zeicheninstrumente, Stahlfedern und Tintengläser.

LYRA Cleopatra

Mittwoch, den 17. Juni 2009

Die alten Ägypter, damals noch jung, mögen von Cleopatra I bis VII und vor allem von letzterer, nicht jedoch davon geträumt haben, dass einmal ein solch faszinierender Stoff wie der Graphit entdeckt werden und dieser, mit feinstem Ton vermischt, gebrannt und in Holz gehüllt, den Namen ihrer Königin tragen sollte. Wie unzufrieden wären sie wohl damit gewesen, Pinsel und Calamus über den Papyrus zu führen!

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Eingetragen im Jahr 1895 fand der Markenname „CLEOPATRA” auf diesen Bleistift mit der Artikelnummer 3410 des Herstellers LYRA. Nach dessen Angaben führten ihn die Kataloge von 1911 und 1926 in der hier gezeigten Ausführung auf, so dass der Stift aus dieser Zeit stammen könnte.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Neben den üblichen Details findet sich auf dem sechsflächigen, in mattem Rot lackierten Bleistift der Härte 2 – thematisch passend – eine sog. Hieroglyphenkartusche. Diese Form, meist oval und auch als „Königsring” bekannt, umschloss die Namen der ägyptischen Könige und wurde hier als pfiffiges Gestaltungselement eingesetzt.

Die Material- und Verarbeitungsqualität des „CLEOPATRA” ist leider unterdurchschnittlich. Holzoberfläche, Lack und Aufdruck meiner Exemplare sind unregelmäßig, und nicht immer sitzt die (obendrein unterschiedlich dicke) Mine zentrisch im Holz. Für den unsauberen Abtrag des Holzes beim Spitzen selbst in der Kurbelspitzmaschine könnten jedoch das Alter und vielleicht eine unsachgemäße Lagerung des Bleistifts verantwortlich sein. Die Mine ist leicht kratzig und kommt mit ihrer Qualität nicht an die im ähnlich alten „ROBINSON” vom selben Hersteller heran.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Aufgrund seiner Mängel vermag der „CLEOPATRA” heute zwar nicht mehr zu überzeugen, doch mit seiner ungewöhnlichen Gestaltung ist er ein interessantes Stück Geschichte. – Im LYRA-Katalog aus dem Jahr 1963 war der Bleistift nicht mehr zu finden, und 1996 wurde die Marke „CLEOPATRA” gelöscht.

Markiges Marketing (5)

Dienstag, den 16. Juni 2009

Reklamemarke von A.W. Faber

„Dieser hier”, sagte Herr Koch aus der Buchhaltung, der aufgrund seiner – übrigens bemerkenswert häufigen – Aufenthalte in der Eisengießerei Sicherheits-Schuhwerk bevorzugte, „ist mein allerletzter Tintenstift!” und hielt zur Unterstreichung selbigen hoch in die Luft. Bestens gelaunt wie immer und gar nicht überrascht schaute Herr Wagner, dessen beeindruckender Bart genauso bekannt war wie seine ebensolche Sparsamkeit (nicht umsonst fiel die Wahl sofort auf ihn, als es galt, eine neue Leitung für das Magazin zu benennen), durch seine stahlgefasste Brille. Er hatte bereits beim geräuschvollen Erscheinen seines stets befrackten und mit einer sehr großen Kladde bewaffneten Frisur- und Arbeitskollegen dessen Wunsch erahnt, verbrauchte dieser doch beträchtliche Mengen jener nützlichen Schreibgeräte.

Diese Geschichte um die auf der 44 × 59 mm² großen Reklamemarke von A.W. Faber abgebildeten Herren ist natürlich blanker Unsinn. Kein Unsinn hingehen ist, dass der Name „CASTELL” zusammen mit den zwei symbolhaft dargestellten, flachliegenden Burgen, die in dieser Anzeige aus dem Jahr 1915 etwas besser zu erkennen sind, bereits 1906 registriert wurde und inzwischen als Faber-Castell (ohne Burg, aber dafür mit Rittern) weltweit bekannt ist. – Das Alter der Reklamemarke, die zu einer Serie mit mindestens elf weiteren, ähnlich gestalteten gehörte, schätze ich auf 90 bis 100 Jahre.

Zur Geschichte der Tinten- und Kopierstifte gibt es verschiedene Angaben. Die Publikation „Frühe, nichtphotographische Kopier- und Vervielfältigungstechniken” berichtet von dem Wunsch, mit einem Graphitstift ähnlich unlöschbar zu schreiben wie mit Feder und Tinte, und der Entwicklung der sog. „Tintenstifte”, die dies möglich machten. Später soll deren Eigenschaft, bei kräftigem Farbauftrag Kopien zu erlauben, zur Bezeichnung „Kopierstift” geführt haben. Andere Quellen wie die Wikipedia sehen den Ursprung dieser speziellen Stifte in einer Vorschrift aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von deutschen Kaufleuten verlangte, Duplikate ihrer Korrespondenz vorzuhalten. Nach der Erfindung der Nasskopie knapp hundert Jahre zuvor und der mit den neuen Anilinfarben geschaffenen Möglichkeit, kopiertaugliche Schreibminen zu fertigen, entstanden dann die ersten Kopierstifte.

Zu den Herstellern, die heute noch solche Stifte anbieten, gehören LYRA (Deutschland), Faber-Castell (Deutschland), Cretacolor (Österreich), Viarco (Portugal) und Veritas/Lee Valley Tools (USA). – Interessante Details, Farbmuster und weiterführende Informationen zu Kopierstiften gibt es unter „The hidden life of copying pencils” bei pencil talk.

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Robinson am Freitag

Freitag, den 12. Juni 2009

Meine geschätzte Leserschaft möge mir den billigen Kalauer im Titel nachsehen, aber ich konnte ihn mir einfach nicht verkneifen und habe mit diesem Beitrag auch eigens bis zu einem Freitag gewartet ;-)

Robinson am Freitag

LYRA Robinson 2510 HB/2 (von unten): 20er Jahre, 80er Jahre, aktuelles Modell
(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sehr lange im Programm des Nürnberger Unternehmens LYRA ist der Bleistift „Robinson 2510″, dessen Name bereits 1908, also vor gut 100 Jahren, als Warenzeichen eingetragen wurde. Bis zum Ende der 60er Jahre behielt er seine ursprüngliche, schlichte Gestaltung, die den Namen des Stifts in einem dekorativen Font sowie den des Herstellers in für heute ungewohnter, nämlich leicht kursiver Form und in Kapitälchen zeigte.

Robinson am Freitag

Robinson am Freitag

Danach wurde das Design des Bleistifts grundlegend verändert, und eine farbige, durch einen weißen Ring vom dunkelblauen Schaft abgesetzte Tauchkappe zur Kennzeichnung des Härtegrads kam hinzu. „Vorne schwarz, hinten bunt” also auch hier, allerdings nur in drei Farben: Grün für H und härter, Gelb für HB sowie Rot für B und weicher. Den Namen und die Kennzeichnungen führte man nun in der Schriftart „Handel Gothic” von 1965 aus.

Robinson am Freitag

Später folgten die 13-stellige EAN und der Strichcode, die gegenüber dem goldfarbenen Prägedruck weiß aufgebracht sind; in dieser Form ist der „Robinson 2510″ heute in elf Härtegraden von 4H bis 6B sowie in HB mit Radierer erhältlich.

Robinson am Freitag

Beim direkten Vergleich der Minen ist ein Qualitätsunterschied erkennbar, wobei die älteste die beste und die aktuelle auf dem Papier leider etwas rauh ist. Das Holz von allen dreien lässt sich sehr gut spitzen, und bei der Qualität von Verarbeitung, Lack und Prägedruck liegt das aktuelle Modell deutlich vorn.

Robinson am Freitag

Von links: aktuelles Modell, 80er Jahre, 20er Jahre

Trotz der kleinen Schwäche ist der laut Hersteller im Ausland aus Zedernholz gefertigte „LYRA Robinson 2510″ ein guter, attraktiver und zudem mit etwa 18 Euro-Cent (Quelle: GoRoTec) äußerst günstiger Alltags-Bleistift.

Robinson am Freitag

Anm.: Bei der Datierung bin ich mir nicht ganz sicher, so dass der alte „Robinson” auch aus den 30er Jahren stammen und der in den 80er Jahren angesiedelte durchaus zehn Jahre älter sein könnte.

Kurz und bunt

Mittwoch, den 10. Juni 2009

Dachte ich bisher, Bleistifte mit buntem Äußeren seien erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommen, so haben mich diese vielleicht 70 bis 80 Jahre alten Kurzbleistifte von J.J. Rehbach eines Besseren belehrt.

Kurz und bunt

(zum Vergrößern anklicken)

Das ausgefallene Muster auf den silbergrundigen Stiften mit goldfarbenem Ring und recht langer, schwarzer Tauchkappe ist unregelmäßig und sieht aus wie aufgetupft; der mit dem Ring farblich korrespondierende Prägedruck, der fast die ganze verfügbare Länge einnimmt, zeigt die gekreuzten Schlüssel, das Sinnbild des Herstellers, sowie den Schriftzug „J.J. REHBACH”. Knapp 9 cm lang, 8 mm dick und mit einer Mine etwa der Härte HB waren diese attraktiven Bleistifte wohl als Begleiter für Kalender oder Notizbuch gedacht.

STAEDTLER LUNA 349

Dienstag, den 9. Juni 2009

Heute gibt’s schon wieder etwas aus dem Museumskeller dieses Weblogs, und zwar den „LUNA 349 № 2″ von J.S. STAEDTLER.

STAEDTLER LUNA 349

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Dieser sechsflächige, dunkelgrün lackierte Bleistift mit silberfarbenem Aufdruck und den üblichen Abmessungen bietet ein paar – wie ich finde – interessante Details.

STAEDTLER LUNA 349

Wie die Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes informiert, wurde die Wort-Bildmarke „LUNA” bereits im Juli 1913 angemeldet und im Januar 1914 auf die J.S. Staedtler GmbH & Co. KG eingetragen. Nach einer Verlängerung der Schutzdauer gehört sie immer noch STAEDTLER, doch das einzige, heute angebotene Produkt mit diesem Markennamen im Programm dieses Herstellers, das ich finden konnte, ist ein Farbstift von STAEDTLER Hong Kong. – Während bei vielen anderen mir bekannten Stiften aus dieser Zeit der Name sehr dekorativ gestaltet wurde, hat man sich hier für die Verwendung einer schlichten, breiten Schreibmaschinenschrift entschieden. War der „LUNA 349″ vielleicht als einfacher Alltags-Bleistift gedacht?

STAEDTLER LUNA 349

Noch älter als die Marke „LUNA” ist der auch auf diesem Stift anzutreffende Viertelmond, das (meines Wissens nach) älteste Markenzeichen von STAEDTLER, das 1887 angemeldet und bis in die 50er Jahre hinein genutzt wurde. Wie schon beim MARS-REVISOR erwähnt, könnte der Viertelmond, dessen Ursprung unbekannt ist, auf eine Verbindung zum Orient hindeuten. Verwandte Markenzeichen waren „Full Moon” und „Camel”, wobei letzteres im gleichnamigen Bleistift von STAEDTLER Thailand weitertrabt weiterlebt.

STAEDTLER LUNA 349

Doch zurück zum „LUNA 349″. Dieser Bleistift kam im Oktober 1937 auf den Markt und wurde bis in den Mai 1941 produziert, war also vergleichsweise kurz im Handel; ob es einen Vorgänger und/oder Nachfolger gab, weiß ich nicht. Die Jahre (oder vielleicht auch eine unsachgemäße Lagerung) haben meine Exemplare etwas strapaziert, denn keines ist frei von Schäden. Das gut spitzbare Holz und die kratzfreie Mine mit ihrer sauberen Abgabe sind jedoch sehr hochwertig, so dass man sich auch heute noch am Gebrauch des „LUNA 349 № 2″ erfreuen kann.

STAEDTLER LUNA 349

STAEDTLER LUNA 349, gespitzt mit dem Carl Decade DE-100 und dem DUX DX4122

Nachtrag vom 29.10.09: Der Markenname „LUNA” wird auch noch für Farbstifte von STAEDTLER Japan genutzt.

Gestatten, Berthelt!

Mittwoch, den 3. Juni 2009

Gestatten, Berthelt!

Guten Tag, wertes Publikum, ich heiße Berthelt. Mit einem Vornamen kann ich leider nicht dienen, denn den gab mir mein Erzeuger, der Johann Faber aus Nürnberg, weiland größter Bleistifthersteller des Landes, nicht mit, nachdem er mich vor, na, vielleicht 90 Jahren im Süden Deutschlands in die Welt gesetzt hat. Ich bekam damals einen eleganten Mantel in kräftigem Rot um, der zu meiner großen Freude mit silberfarbenen Applikationen verziert wurde – darunter auch Schlägel und Eisen, was meine Beziehung zum Bergbau zeigt –, und los ging’s.

Gestatten, Berthelt!

Aufmerksamen Beobachtern wird es bereits aufgefallen sein: Ziemlich am Ende meines Überziehers prangt – einem Rangabzeichen gleich – „№ 2″, doch Kenner meines Metiers wissen sehr genau, dass die Nummer 2 in unserer Branche eigentlich die Nummer 1 ist. Diesen Sachverhalt den Nicht-Fachleuten unter ihnen zu erklären würde aber den Rahmen meiner kurzen Vorstellung sprengen, und so muss ich leider darauf verzichten.

Auch wenn mein Auftreten auf manche etwas hölzern wirken mag, so kann ich versichern, dass sich in meiner glatten, zweigeteilten Schale ein recht weicher Kern verbirgt und ich mir nicht zu schade bin, mich für meine verantwortungsvolle Tätigkeit aufzureiben. Als man mir damals eine glänzende Karriere ankündigte, hat man nicht zu viel versprochen, denn ich bin tatsächlich universell einsetzbar und mit dem Umgang jedweder Information bestens vertraut, mögen sie aus Zahlen, Buchstaben oder sonstigen Zeichen bestehen, und in der Hand Kunstschaffender vermag ich ebenso zu überzeugen.

Gestatten, Berthelt!

Glänzend sind übrigens auch die grauschwarzen Spuren, die mein traditionsreiches Werk auf dem Papier zu hinterlassen vermag und denen weder Sonne noch Wasser etwas anhaben können. Ganz im Kontrast zu meinem auffälligen Äußeren mische ich mich nicht in die Belange derer ein, die meine Dienste nutzen, sondern halte mich – wie es sich für meinen Stand gehört – vornehm zurück. Wer mich und mein Können in Anspruch nimmt, kann sich also ganz auf die die eigenen kostbaren Gedanken konzentrieren.

Ich glaube sagen zu können, dass ich mich für mein Alter hervorragend gehalten habe – ich bin nicht aus dem Leim gegangen, und so sitzt mein schlichter Mantel auch heute noch wie angegossen. Apropos Mantel: Dieses betagte Kleidungsstück ist von erstaunlich hoher Qualität. Selbst nach den vielen, zum Teil turbulenten Jahrzehnten ist sein Stoff weder eingerissen noch abgegriffen, und auch den attraktiven Aufdrucken sieht man die Jahre nicht an, so dass ich bestimmt nach wie vor eine sehr gepflegte Erscheinung abgebe. Gewandungen dieser Güte findet man heutzutage recht selten, aber das nur nebenbei.

Gestatten, Berthelt!

Der naheliegende Eindruck, bei meinem anstrengenden Tagewerk würde ich auf Dauer abstumpfen, täuscht sehr, denn falls nötig, bringt mich dieser komische Kauz, in dessen merkwürdigem Potpourri ich mich hier präsentieren darf, wieder schnell in Form. Doch wie es eine Lebensaufgabe so an sich hat, zehrt auch die meine an mir, so dass ich irgendwann fast gänzlich verschwunden sein werde. Aber wer weiß – möglicherweise hat ja einer der geschätzten Anwesenden mitgeschrieben, was ich hier erzählt habe, und bewahrt es damit für die Nachwelt.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit und empfehle mich.

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