Archiv des Stichworts „Museum”

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Köpfchens Kumpel

Freitag, 12. November 2010

Das Foto dieser Anzeige, die Ende der 1950er Jahre in der Zeitschrift „Civil Engineering” erschien, dürfte vielen Lesern bekannt sein, stand es doch schon bei einer Familienangele­genheit im Mittelpunkt.

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1950er Jahre)

Warum ich diese ähnliche Anzeige der J.S. Staedtler Inc. präsentiere? Natürlich wegen des spitzenmäßigen Werbespruchs! Aber auch den restlichen Text und die Typografie des Slo­gans finde ich sehr gelungen.

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1950er Jahre, Ausschnitt)

(mit Lupe angucken oder zum Vergrößern anklicken)

Mein Kompliment an den genialen Werbetexter!

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1950er Jahre, Ausschnitt)

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Bleistift mit Biss

Sonntag, 7. November 2010

Die Mine fest im Griff hatte der Fallminenstift „Locktite” von A.W. Faber, wie dieses Mar­kenzeichen in einer Anzeige vom Ende der 1950er Jahre ansprechend illustrierte.

Bleistift mit Biss

Nicht nur als großem Hundefreund gefällt mir das Logo ausgemacht gut, und so musste ich diesem kräftigen Exemplar hier unbedingt Auslauf verschaffen. – Laut Trademarkia war die Marke „Locktite” in den USA von 1946 bis 1994 registriert, und das ist auch schon alles, was ich dazu parat habe.

A. W. Faber-Castell 1958

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Der bekannte Bleistift 9000 und die fast 200-jährige Erfahrung seines Herstellers standen im Mittelpunkt dieser ganzseitigen Anzeige, mit der A. W. Faber-Castell, Newark (New Jersey, USA) im Mai 1958 die Leser der Zeitschrift „Progressive Architecture” ansprach.

A. W. Faber-Castell 1958

Hauptdarsteller dieses Auftritts war ein aus Zeichenutensilien zusammengesetzter Kopf, der mir ausnehmend gut gefällt, nicht zuletzt wegen seiner konzisen Ausdrucksweise.

A. W. Faber-Castell 1958

Passend zu der auch durch die gezeigte Bleistiftspitze charakterisierten Zielgruppe ging man sehr ins technische Detail: „99% pure carbon”, „low index of friction”, „microlet-milling process”, „opaque adhesion” – wer vom Fach wollte sich da nicht angesprochen fühlen? Die Bezeichnung „Black Gold” nutze man übrigens noch in anderen Anzeigen.

A. W. Faber-Castell 1958

A. W. Faber-Castell 1958

Neben dem Bleistift 9000 wurden die Minen 9030 und der Fallminenstift Locktite 9800 Tel-A-Grade beworben; letzterer war wohl der erste seiner Art mit Härtegradindikator.

A. W. Faber-Castell 1958

Beim „Color-Coding” indes habe ich gestutzt, denn bis jetzt ist mir noch kein farbig gekennzeichneter 9000 untergekommen. Der Begriff „rare waxes” lässt mich rätseln: Ich weiß zwar, dass man das Holz durch Druckimprägnierung schnittiger machen kann, kenne jedoch nicht die dafür benutzten Stoffe. – Die vier härtesten Grade sind über die Jahre weggefallen; heute endet die Skala bei 6H.

A. W. Faber-Castell 1958

Wer sich durch die genannten Vorzüge nicht überzeugen ließ, wusste spätestens am Ende der Anzeige, warum er seinen Händler aufsuchen und zum grüngefassten Graphit greifen muss.

A. W. Faber-Castell 1958

Apollo-Mission

Montag, 18. Oktober 2010

Hin und wieder suche ich nach dem Ursprung eines Stifts. Da der Apollo L hier kürzlich eine besondere Rolle spielen konnte, habe ich mich an Houston Faber-Castell gewandt und Details zu diesem erfragt.

Apollo-Mission

Erstmals angeboten wurde die Apollo-0.5-Serie im Warenkatalog von 1983 (siehe oben). Der Katalog von 1992 führte den Apollo L nur noch in Schwarz und Rot auf; 1993 war er nicht mehr im Programm. Als Nachfolger kam im selben Jahr der neugestaltete Apollo, der bis 2000 erhältlich war und mit seinem dunkelgrünen Schaft dem TK fine ähnelte (der damals ebenfalls neue Contura DS hatte die gleiche Form, aber eine Metallspitze).

Apollo-Mission

Danke an Faber-Castell für die Informationen und den Katalog-Scan!

Anm.: Wie die Amtliche Publikations- und Registerdatenbank des Deutschen Patent- und Markenamts informiert, wurde die Wortmarke „Apollo” bereits 1895 registriert.

Spezifischer Spitzer

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Heute bediene ich mich hemmungslos bei dem seit kurzem wieder aktiven Weblog „Pencil Revolution”. In einem Kommentar zur Besprechung des Automatic-Behälterspitzer von KUM wies der Leser Shane auf den kurzen Artikel „Pencil Sharpener Adapted for Draftsmen” in der Zeitschrift „Popular Mechanics” vom März 1924 hin.

Pencil Sharpener Adapted for Draftsmen

Mir gefallen die Idee, die Sprache und vor allem die Zeichnung in diesem Artikel viel zu gut, als dass ich darauf verzichten könnte, ihn hier zu zeigen. Danke an Shane für den Hinweis!

Die Reißzwecke

Donnerstag, 29. Juli 2010

Jeder kennt sie, die Reißzwecke, auch bekannt als Heftzwecke, Reißnagel, Reißbrettstift, Pinne und Wanze, doch wer weiß schon von ihrer Geschichte und den vielen Varianten?

Alois Nedoluha zufolge, dem Autor der „Kulturgeschichte des technischen Zeichnens”, gebührt W. Motz der Verdienst, die erste Reißzwecke in die Welt gebracht zu haben. Der Berliner, so Nedoluha, habe 1880 einen Stift ersonnen, der aus einem ausgestanzten und um 90° abgewinkelten Teil des runden Kopfes bestand, und damit die Urform des spitzen Helfers geschaffen. (Eine weitere Quelle für diese Information konnte ich bis jetzt leider nicht ausfindig machen, ebensowenig den Vornamen des Herrn Motz oder einen Hinweis auf eine kommerzielle Nutzung seiner Erfindung.)

Die Reißzwecke

Bild 1 Reißnägel in ursprünglicher Ausführung (Maped)

Auch nach 130 Jahren kann man die klassische Form noch bekommen; gekennzeichnet mit „FIXO” ist sie u. a. bei Maped im Programm. Der Nachteil des gestanzten Stifts besteht jedoch darin, dass er vergleichsweise dick und somit nur für weiche Untergründe geeignet ist.

1888 begann Heinrich Sachs in Österreich mit der manuellen Herstellung von Reißnägeln. Zwei Jahre später stellte er auf die maschinelle Fabrikation um und war wohl der erste, der Reißnägel komplett in einem Arbeitsgang produzieren konnte; dadurch wurden sie billiger und verbreiteten sich schnell. – Sachs’ Unternehmen mit dem heutigen Namen SAX beansprucht die Erfindung des Reißnagels. Das Detail „aus nur einem Stück Bandstahl” in der Firmenchronik lässt darauf schließen, dass es sich um die alte Form handelte. Nedoluha schreibt, Heinrich Sachs habe 1925 gehärtete und polierte Reißnägel eingeführt.

Die Reißzwecke

Bild 2 Aktuelle genietete Einfachst-Reißzwecken (unbekanntes Fabrikat)

Die ersten genieteten und auch heute noch am häufigsten anzutreffenden Reißzwecken kamen laut Alois Nedoluha um 1890 in Deutschland auf; aktuelle Quellen indes schreiben diese Erfindung dem Uhrmachermeister Johann Kirsten aus Lychen in der Uckermark zu. Reich davon wurde allerdings ein anderer: Der Kaufmann Otto Lindstedt erwarb Kirstens Idee, ließ sich die Heftzwecke 1904 patentieren und wurde zum Millionär. – Am Ortsrand von Lychen erinnert eine Stele aus Stahl mit einer Riesen-Reißzwecke an den Erfinder.

Die Reißzwecke

Bild 3 Heftzwecken-Lieferprogramm der Gebr. Wichmann (Ausschnitt, 1940). – Man beachte die große Auswahl und die köstliche Formulierung „Heftzwecken für Zeichenzwecke”.

Es folgten weitere Veränderungen und Verbesserungen wie Überzüge des Kopfes aus Metall und Kunststoff sowie eine durchstoßfeste Ausführung, die eine Verletzung des drückenden Daumens ausschließt.

Die Reißzwecke

Bild 4 Aktuelle Reißnägel. Von links: unbekanntes Fabrikat mit Kunststoffüberzug, Soennecken (Deutschland), SHF (Schweden).

Seit etwa 1930 bekannt ist der sog. Zeichenmaschinenstift, der über zwei Löcher im Kopf verfügt. In diese greift ein Schlüssel, der das Entfernen des Stifts aus dem Zeichentisch erleichtert.

Die Reißzwecke

Bild 5 Spezial-Reißzwecke für Zeichenmaschinen von Kuhlmann (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Die Reißzwecke

Bild 6 Reißnägel mit zwei Löchern und Löser (ALCO)

Im Jahr 1949 wurde der Reißnagel mit drei Spitzen patentiert. Dieser bietet den Vorteil, dass bereits ein einzelner das Blatt gegen Verdrehen sichert.

Die Reißzwecke

Bild 7 Reißzwecken mit drei Spitzen. Links: Maped, rechts: Delta (mit Löser, Österreich).

Eine andere Variante ist der Architektennagel mit dickerem Kopf aus Metall oder Kunststoff und feiner, spitzer Nadel, die besonders gut in festem Material hält und nur geringe Spuren hinterlässt. Interessant beim roten Stift: Der Absatz schafft eine Nut zwischen Untergrund und Kopf.

Die Reißzwecke

Bild 8 Architektenstifte. Links: mit Kunststoffkopf (Brause), rechts: mit Messingkopfplatte und geschliffener Stahlspitze (Hch. Hummel).

Über die Verwendung der Nut des roten Architektenstifts kann ich nur mutmaßen, doch bei der Heftzwecke für Planungsarbeiten informierte der Anbieter sehr detailliert über die Nutzung des Wulstes.

Die Reißzwecke

Bild 9 Heftzwecke für Planarbeiten (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Die Reißzwecke

Bild 10 Heftzweckenheber und Eindrücker (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Die den Zwecken beigefügten Schlüssel waren nicht die einzigen Hilfsmittel zum Schutz von Fingernagel und Messerspitze. Neben separat erhältlichen Einfachst-Hebern gab es von WEDO den „Reißnagel-Fix”, eine griffige Kombination aus Drücker und Löser, dessen hohler Korpus Reißzwecken aufnahm und sogar noch Platz für eine Anleitung bot.

Die Reißzwecke

Bild 11 Heftzwecken-Helfer. Links: Löser (unbekanntes Fabrikat), oben: „Reißnagel-Fix” (WEDO).

Zum Schluss sei noch ein recht ungewöhnliches Zwecken-Zubehör genannt, und zwar die Dornenscheibe, die, zwischen Papier und Zwecke gesetzt, ein Zerreißen des Papiers an der Einstichstelle verhindern sollte.

Die Reißzwecke

Bild 12 Dornenscheibe (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Etymologische Zugabe: Woher kommt das „Reiß” an der Zwecke? „Reißen” geht zurück auf das althochdeutsche „rizan” und das angelsächsische „writan” (von letzterem stammt „write”). Auch wenn man nicht ganz sicher ist, so geht man doch von der Schreibtechnik der Runen und damit von der Bedeutung „schreiben” und „zeichnen” aus; dieses „Reißen” lebt weiter u. a. im Grundriss, dem Reißbrett, dem Anreißen und eben der Reißzwecke, die das Beschreibmaterial auf dem Reißbrett hält. (Quelle: Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.) – Zur Etymologie von „Zwecke” siehe „Zweck und Zentrum”.

Kunst und Konstruktion

Samstag, 10. Juli 2010

Die Ästhetik der technischen Zeichnung begeistert mich mindestens ebenso wie die früher dafür benutzten Utensilien, und so greife ich mir jedes Buch zur Geschichte dieser Kunst, das ich bekommen kann. Nach „The Art of the Engineer” fielen mir kürzlich zwei weitere in die Hände, und zwar „Zirkel und Lineal. Kulturgeschichte des konstruktiven Zeichnens” von Jörg Sellenriek (1987) sowie „Kulturgeschichte des technischen Zeichnens” von Alois Nedoluha (1960).

Kunst und Konstruktion

Beide Bücher sind sehr interessant aufgemacht und versprechen eine spannende Lektüre zu werden. Bereits ihre äußere Gestaltung erfreut mich: Die Konstruktion einer Sonnenuhr von Albrecht Dürer aus „Underweysung der Messung, mit dem Zirckel und Richtscheyt” (1525) schmückt den Leineneinband des ersten Titels und die stilisierte Darstellung eines Zeichenkopfes nebst dessen Führung den des zweiten.

Kunst und Konstruktion

Solche Details finde ich einfach klasse.

Nachtrag vom 17.10.10: Ein Ausschnitt des Leineneinbands von „The Art of Mechanical Drawing – A Practical Course for Drafting and Design” (William F. Willard, Popular Mechanics 1912, Neuauflage Hearst Books 2009).

Kunst und Konstruktion

Zeitreise

Sonntag, 4. Juli 2010

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. in „Civil Engineering” (April 1960)

Vor gut 50 Jahren warben diese Anzeigen der J.S. Staedtler Inc. für die Qualitäten des Mars Duralar, dem Vorgänger des Dynagraph, beim Zeichnen auf Mylar und heute sollen sie aufmerksam machen auf den hervorragenden Beitrag „Staedtler Mars Dynagraph pencils and leads” bei pencil talk, in dem uns der sehr kundige Autor auf einen Ausflug in die Vergangenheit des technischen Zeichnens mitnimmt. Hingehen und staunen!

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. in „Civil Engineering” (April 1960)

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Extrablatt

Mittwoch, 16. Juni 2010

Die rasante Fortbewegung des frühen 20. Jahrhunderts in grafisch reizvoller Form illustriert dieses 18 × 18 cm² große Blatt, mit dem die Glocken-Bleistiftfabrik die Schauverpackung ihres Kopierstifts „Reporter № 5961″ schmückte.

Extrablatt

Der für die Präsentation im Laden gedachte Verkaufskasten mit Klappdeckel enthielt einige Dutzend Stifte und sah vermutlich so aus:

Extrablatt

(Ich weiß, dass die Proportionen nicht ganz stimmen, aber als Nicht-Grafiker muss ich mit solchen und anderen Unzulänglichkeiten beim Freihandzeichnen leben.) – Ein kurzes und beherztes Wühlen im Warenlager brachte den Kopierstift „Reporter 5958″ vom selben Hersteller ans Kunstlicht und vor die Linse.

Extrablatt

Der runde, dunkelgrün lackierte und goldfarben bedruckte Stift beherbergt eine metallisch glänzende Mine, die schwarz schreibt und violett kopiert.

Extrablatt

Notiz am Rande: Heute ist der dritte Jahrestag dieses bunten Durcheinanders.

Familienangelegenheit

Montag, 14. Juni 2010

Die hier schon mehrfach genannte J.S. Staedtler Inc. präsentierte im Januar 1959 allen Lesern der Zeitschrift „Civil Engineering” den Zuwachs ihrer MARS-Familie.

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1959)

Der in Deutschland gefertigte MARS Lumograph Duralar 2830, erhältlich in den Härten K1 bis K5, war gedacht für das Zeichnen auf PET-Folie (bekannt unter den Marken „Mylar” sowie „Hostaphan”) und verfügte als bis heute einziger holzgefasster Graphit-Stift dieses Herstellers über eine ungebrannte Mine mit Polymerbindung.

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1959, Ausschnitt)

Im Text der ganzseitigen Anzeige genannt und auf dem Familienfoto vertreten waren viele bekannte Produkte, darunter der Farbstift Lumochrom und der Fallminenstift Technico, für den es auch Duralar-Minen gab. – Nachfolger des Duralar 2830 war übrigens der Dynagraph 100.

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1959, Ausschnitt)

Die isometrische Darstellung der Dinge finde ich sehr ansprechend, und mich würde nicht wundern, wenn man sie im Hinblick auf die Sehgewohnheiten der technisch orientierten Kunden gewählt hätte.

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1959, Ausschnitt)

Ja, hin und wieder greift der Erbsenzähler zum Fadenzähler und dreht taucht ab …

Anzeige der J.S. Staedtler Inc. (1959, Ausschnitt)

Passend dazu: Eine attraktive ½-Gros-Packung Mars Duralar gibt es bei pencil talk zu bestaunen, und Leadholder hält weitere Details zu den Stiften und Minen des Duralar-Sortiments bereit. – Wie das Deutsche Patent- und Markenamt informiert, wurde die Marke „Duralar” im Februar 1958 angemeldet und im Februar 2000 gelöscht.

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