Archiv des Stichworts „Museum”

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Spurensuche

Montag, den 1. Juni 2009

Vor gut drei Monaten habe ich hier den „Sirius Bleistift Nr. 2″ der Leipziger Pianofortefabrik gezeigt und gefragt: Wie kommt ein Bleistift in das Lieferprogramm eines Klavierherstellers?

Sirius Bleistift Nr. 2

Der Besuch in der Ludwig-Hupfeld-Straße im Nordwesten von Leipzig, dem Standort der ehemaligen Pianofortefabrik, war ernüchternd, bot er doch nur den Anblick eines großen, vernachlässigten Gebäudes, an dem ein paar neue Beschriftungen angebracht wurden (darunter auch die von Rönisch, dem neuen Eigentümer des Bestands der Leipziger Piano-Union). Die Reste des alten Firmennamens am Turm, die wohl noch bis vor einiger Zeit zu sehen waren, müssen sich in der Zwischenzeit gelöst haben oder verbargen sich hinter dem grünen Netz, das den Turm teilweise umspannte.

Leipzig, ehemalige Pianofortefabrik

Südfassade der ehemaligen Leipziger Pianofortefabrik (kmz-Datei)

Eine Anfrage beim Staatsarchiv Leipzig, Teil des sächsischen Staatsarchivs, das auch online über die ehemalige VEB Deutsche Piano-Union Leipzig im Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg informiert, lieferte jedoch einige interessante Details über die dortige Bleistiftproduktion.

Spurensuche

Die älteste mir vorliegende Aktennotiz stammt vom 2. April 1949. Diese führte einen Posten von 5 Tonnen Naturgraphit einer Firma Binder auf, der im Falle seiner noch zu bestimmenden Eignung für die Bleistiftherstellung freigegeben werden sollte.

Spurensuche

Eine andere Notiz informierte am 1. Oktober 1949 über die Einrichtung der Kostenstelle Nr. 354 für die Bleistiftfabrikation. Um diese Zeit herum muss man auch schon mit der Produktion begonnen haben, denn eine Mitteilung an die Betriebsleitung vom 2. Dezember 1949 erwähnte Probleme beim Ziehen der Minenmasse: Bei den durch die nächtliche Abkühlung ungleichmäßigen Raumtemperaturen war sie brüchig, in den Mittagsstunden jedoch einwandfrei zu bearbeiten.

Spurensuche

Ein früher Hinweis auf das verwendete Holz findet sich in einer Anweisung vom 14. Februar 1950, die zur Vermeidung von unnötigem Transport und Verschnitt des angelieferten Erlenholzes zum sofortigen Aussortieren der ungeeigneten Bohlen aufforderte. In einer Produktionsbesprechung am selben Tag beklagte man den großen Verschnitt dieses Erlenholzes, da dieses gerade für die Bleistiftfertigung sehr schlecht geeignet war.

Spurensuche

Ein Schreiben vom 22. Februar 1950 teilte einem mir unbekannten Empfänger mit: „Auf Veranlassung der damaligen DWK haben wir in unserem Betrieb eine Fertigung von Blei-, Kopier- und Buntstiften eingerichtet, die dazu dienen soll, die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in diesen Artikeln sicherzustellen.” (Anm.: Die Deutsche Wirtschaftskommission war die zentrale deutsche Verwaltungsinstanz in der sowjetischen Besatzungszone vom 4.6.1947 bis 7.10.1949.) Dem Brief als Muster beigefügt war ein „LPF-Bleistift, Härte 2, rund, mit runder Mine, zum Herstellerabgabepreis von DM 0,18 das Stück”, der „naturfarbig und geschliffen ohne Aufschrift” geliefert werden konnte. Darüber hinaus wurden farbige, polierte Stifte mit Aufschrift angekündigt, für die man bereits in wenigen Monaten den dafür notwendigen Fertigungsstand zu haben gedachte. – Für mich belegt dies, dass die Bleistiftherstellung in der Leipziger Pianofortefabrik im Rahmen der sog. Konsumgüterproduktion stattfand.

Spurensuche

In einer Aktennotiz vom 7. Juni 1950 wurde um geeignete Maßnahmen angesichts des knappen Vorrats an Ceylon-Graphit gebeten, da die letzte Lieferung nicht „mustergetreu ausgeführt” wurde. Eine Besprechung am darauffolgenden Tag erwähnte die geplante Prüfung russischen Graphits auf ihre Verwendbarkeit für die Bleistiftproduktion; es bestand Aussicht, diesen im Rahmen des Handelsabkommens mit der UDSSR für eine größere Menge von in der DDR nicht benötigtem Talkum zu bekommen. Ein Anwesender wies auf die ihm vorliegende Fotokopie eines Schreibens der Firma A. W. Faber an die Kropfmühle hin, in dem A. W. Faber mitteilt, „dass die von dort bezogenen Graphite (bayrische) sehr gut wären und dass die Firma Faber in der Lage ist, ausschließlich aus diesem Graphit Bleistiftminen herzustellen, so dass sie auf die Einfuhr von Ceylon-Graphit verzichten kann.” Die direkte Einfuhr von Ceylon-Graphit lohnte sich nicht, und der Import über England scheiterte daran, dass die Bank von England den für die Bezahlung bestimmten Betrag nicht freigab. Die Lösung dieses Problems sah man schließlich darin, dass 1,5 t Ceylon- und 1 t Korea-Graphit vom westdeutschen Spediteur des Händlers in England übernommen und über den westdeutschen Graphitlieferanten der FEMA nach Leipzig geliefert werden sollten. Der aktuelle Graphit-Engpass schien allerdings überwunden, da man noch 1,8 t Flockengraphit in Aussicht hatte und diesen nur noch feinstmahlen lassen musste. – Anm.: Die VVB FEMA war die 1948 gebildete und 1952 aufgelöste Vereinigung Volkseigener Betriebe der Industrie für feuerfeste Materialien.

Spurensuche

Eine Übersicht vom 20. Juni 1950 nannte Stückzahlen der Bleistift-Produktion für die Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Mai 1950: 794.000 geschliffen, 700.848 lackiert, 55.440 lackiert II. Wahl und 1.550.288 insgesamt.

Spurensuche

Wie eine weitere Aktennotiz am 23. Juni 1950 festhielt, hat man versucht, aus den vorhandenen Rohmaterialien Bleistiftminen zu fertigen, die dem „Mars Lumograph” von J. S. STAEDTLER möglichst ähnlich kommen, und alle Maßnahmen darauf abgestellt. Den zur Verfügung stehenden Steingutton sah man als Minderung des Produkts im Verhältnis zur STAEDTLER-Mine und konzentrierte sich daher auf den von STAEDTLER verwendeten Graphit, einer Mischung aus feinstgemahlenem makro-kristallinem Ceylon-Graphit und eines amorphen Graphits, wie ihn beispielsweise Mexiko lieferte. Man wusste, dass bayerischer Graphit zur Herstellung von Bleistiftminen verwendet wird, und kannte den Qualitätsruf der Graphitwerke Kropfmühl AG. Ob jedoch für die „Castell”-Bleistifte der Firma A. W. Faber tatsächlich nur bayerischer Graphit benutzt wurde, konnte man nicht mit Bestimmtheit sagen.

Spurensuche

Die Versuche, ausschließlich bayerischen Graphit zur Minenherstellung zu nutzen, begannen laut dieser Aktennotiz bereits sehr früh, hatten jedoch nicht den gewünschten Erfolg (zur Demonstration lagen Minen dieses Typs der Notiz bei). Man erwog, statt der geforderten STAEDTLER-Mine auf eine auszuweichen, die dem „Castell”-Stift der Firma A. W. Faber näherkommt und somit hauptsächlich die Verwendung von bayerischen, mikro-kristallinen Graphiten erlaubt. Sollte eine tiefschwarze Mine gefordert werden, so plante man die Verwendung eines böhmischen, amorphen Graphits anstelle des mexikanischen. – Mit zwei weiteren Notizen aus den Monaten Juni und Juli 1950, die sich mit der Auswertung von Zeitaufnahmen des Arbeitsgangs „Brettchen schneiden” in der Abteilung Bleistiftumhüllung beschäftigten sowie einen Prämienzuschlag ankündigten, enden die mir vorliegenden Unterlagen.

Auch wenn diese Details keine Rückschlüsse auf das Alter oder das Material des „Sirius Bleistift Nr. 2″ erlauben, so bieten sie doch einen kleinen Einblick in seine Vorgeschichte und die Bleistiftproduktion an diesem Ort.

Markiges Marketing (4)

Samstag, den 30. Mai 2009

Reklamemarke von LYRA

An dieser 57 × 41 mm² großen und wohl 90 Jahre alten Reklamemarke des in Nürnberg ansässigen traditionsreichen Unternehmens LYRA, das 1806 gegründet wurde, gefällt mir besonders gut, wie Hersteller, Produkt und Werbebotschaft in die Darstellung integriert sind. Während diese Informationen meist losgelöst und an prominenter Stelle positioniert werden, so sind sie hier wichtiger Bestandteil des Bildes. – Ganz nebenbei gibt es in dieser Szene auch noch Dinge zu sehen, die damals alltäglich waren, heute jedoch (sicher zur Freude der meisten) verschwunden sind: Matrosenanzug, Rohrstock und Sütterlin-Schrift.

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Sphinx

Freitag, den 29. Mai 2009

Nach dem „ALLIGATOR” und dem „DRAGON” hier nun ein weiterer, recht ungewöhnlich gestalteter Bleistift, und zwar der „SPHINX” von Johann Faber. Leider weiß ich auch von diesem fast nichts, und so beschränke ich mich auf die Präsentation dieses (wie ich finde) ansprechenden Bleistifts.

Sphinx

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sphinx

Der runde, in einem sehr dunklen Rot und nicht immer ganz gleichmäßig lackierte Bleistift hat Standardmaße. Neben einer Grafik der Sphinx sowie Schlägel und Eisen, dem aus dem historischen Bergbau stammenden Sinnbild des 1876 gegründeten Unternehmens, trägt er die Aufdrucke „JOHANN FABER’S SPHINX” und „MADE IN NÜRNBERG-GERMANY” (die Angabe des Härtegrads fehlt jedoch). Das Alter kann ich nur schätzen: Da die Firma Johann Fabers 1942 von Faber-Castell übernommen wurde, müsste der Bleistift 67 Jahre oder älter sein (vorausgesetzt, der Markenname ist mit der Übernahme verschwunden); von der Gestaltung würde ich allerdings auf die 20er Jahre schließen.

Sphinx

Sphinx

Ein weiterer Schriftzug, ebenfalls im silberfarbenen Prägedruck, überrascht: „THE GLOBE STATIONERY MART, RANGOON.” Wurde dieser Bleistift vielleicht für den Verkauf in einem Geschäft dieses Namens gefertigt und dazu entsprechend bedruckt? Wenn ja, handelt es sich bei „Rangoon” um die Stadt Rangun in Myanmar, dem ehemaligen Birma?

Sphinx

Gespitzt mit dem Handspitzer DUX DX4122

Sphinx

… und der Kurbelspitzmaschine Carl Decade DE-100

Die Verarbeitung meiner Exemplare, die noch völlig gerade sind, ist von hoher Qualität, denn die Holzhälften zeigen keine Anzeichen dafür, dass sie sich trennen, und in allen Stiften sitzt die Mine zentrisch. Bis auf kleine Lagerspuren wie ein paar Abplatzungen des Lacks und Dellen konnten die Jahrzehnte dem „SPHINX” nichts anhaben. Das rötliche, fein gemaserte Holz lässt sich sowohl im Handspitzer als auch in der Kurbelspitzmaschine gut spitzen, und seine Mine, die etwas härter als HB zu sein scheint, hat eine saubere und gleichmäßige Abgabe. Eine Pracht!

Sphinx

Minfix 50/65

Dienstag, den 19. Mai 2009

Ein kleines Relikt aus vergangenen Tagen: Der Doppel-Minenspitzer Minfix 50/65 von Faber-Castell.

Minfix 50/65

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Der gut 25 mm lange und knapp 16 g schwere, aus Messing gefertigte Minfix 50/65 kam 1956 auf den Markt und kostete 65 Pfennig; die „L”-Ausführung im Lederetui wurde für 85 Pfennig angeboten. Seine beiden Spitzöffnungen für Minen mit den Durchmessern 2 und 3,15 mm lagen gegenüber, so dass das beidseitig angeschliffene Messer gewendet und doppelt ausgenutzt werden konnte. – Wie dieser Katalogausschnitt bei Leadholder zeigt, gab es noch zwei weitere Varianten dieses Spitzers: Während beim Minfix 50/61 die Öffnungen versetzt gegenüber lagen, hatte die sog. „Lyra-Form” (50/50) beide am selben Ende.

Minfix 50/65

Der im Jahr 1952 eingeführte Name „Minfix” für die Minenspitzer-Serie verschwand 1978 wieder aus den Katalogen, auch wenn das Modell 50/65 zunächst im Programm blieb; 1985 erhielt es die neue Artikel-Nummer 186500. – Beim aktuell erhältlichen TK-Minenspitzer 186600 von Faber-Castell für Minen mit Durchmessern von 2 und 3,15 mm handelt es sich um eine Behältervariante aus Kunststoff mit transparentem Deckel.

Minfix 50/65

Links: Koh-I-Noor Versatil 5205, rechts: Koh-I-Noor 5219

Markiges Marketing (3)

Dienstag, den 12. Mai 2009

Reklamemarke von Schwan

Mit einer in mehrfacher Hinsicht riesigen Sensation wartete der traditionsreiche Hersteller Schwan 1906 auf der Bayerischen Landesaustellung in Nürnberg auf: Ein 30 Meter großer Bleistift, der hochwertigen Sorte „Aldebaran” nachgebildet, überragte das Messegelände und diente gleichzeitig als Messestand; in den kleineren Bleistiften um ihn herum waren Schwan-Produkte zu sehen. – Die auf der 52 × 32 mm² großen Reklamemarke genannte „Goldene Medaille” ist die, mit der das Unternehmen als einziges seiner Branche auf der ersten Landesaustellung im Jahr 1882 ausgezeichnet wurde.

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Triothello

Montag, den 11. Mai 2009

Drei Fotos mit drei Details von drei Varianten des Schwan-STABILO Othello 282 HB und ein albernes Wortspiel – mehr gibt es hier an diesem frühen Montagmorgen nicht zu sehen.

Triothello

Triothello

Triothello

Die gespitzt ausgelieferte Variante mit roter Kappe ist das aktuelle Modell; die anderen beiden stammen aus der Zeit zwischen 1930 und 1940.

The „Dragon” Pencil

Mittwoch, den 29. April 2009

Ein historischer und ungewöhnlicher Bleistift: „The ‚Dragon’ Pencil” aus dem Hause der „Key Pencil Co. Bavaria”.

The „Dragon” Pencil

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Der in einem warmen, sehr dunklen und glänzenden Rot lackierte, hexagonale Bleistift hat mit 17,5 cm Länge und 8 mm Durchmesser Standardmaße; seine Mine ist jedoch mit 2,7 mm recht dick. Neben der Nummer 4481 zeigt der silberfarbene Prägedruck einen kleinen Drachen, die Bezeichnung des Bleistifts, den Hersteller „Key Pencil Co. Bavaria” sowie den Härtegrad BB (wohl 2B).

The „Dragon” Pencil

The „Dragon” Pencil

Doch um wen handelt es sich bei der “Key Pencil Co. Bavaria”? Diese vermutlich 90 bis 100 Jahre alte Reklamemarke verrät es:

The „Dragon” Pencil

Die “Key Pencil Co.” war die 1821 gegründete Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Rehbach in Regensburg, die sich – und da kann ich nur mutmaßen – für den Auftritt auf ausländischen Märkten einen weiteren, nämlich die englische Übersetzung ihres ursprünglichen Namens zugelegt hat. Die aufwändige und in meinen Augen sehr ästhetische Reklamemarke bietet neben deutschsprachigen Details und dem englischen Namen zudem Informationen in Französisch, darunter auch „Ratisbone”, die in Frankreich auch heute noch übliche und an das keltische „Ratisbona” angelehnte Bezeichnung der Stadt. Ebenso vertreten sind die beiden gekreuzten Schlüssel, die nicht nur das Sinnbild der Firma J.J. Rehbach darstellten, sondern auch im Regensburger Wappen zu finden sind.

The „Dragon” Pencil

Warum der Name dieses Bleistifts so hervorgehoben wurde, ist mir ein Rätsel. Hatte er einen besonderen Status? War er als Marke bereits eingeführt und genoss einen guten Ruf? Die Gestaltung lässt jedoch vermuten, dass ihm spezielle Beachtung zuteil wurde.

The „Dragon” Pencil

Mine, Holz und Verarbeitung des „Dragon” sind von hoher Qualität. Die weiche Mine hat eine hervorragende Abgabe und sitzt fest im dunklen Holz (Zeder?). Der Lack und der Prägedruck mit geschmackvoller Typografie wurden sorgfältig aufgebracht und sind gut erhalten. Ein hochwertiger Handspitzer wie z. B. der M+R 604 (im Bild) schneidet Holz und Mine sauber, und auch im Tischspitzer Carl Decade DE-100 macht der Bleistift eine gute Figur.

The „Dragon” Pencil

Mit seiner Gestaltung und seiner Qualität ist der „Dragon”-Bleistift, der wahrscheinlich für den Export gefertigt wurde, für mich eine kleine Kostbarkeit.

The „Dragon” Pencil

Wenn der Poststift zweimal kringelt

Samstag, den 25. April 2009

Farbstift „Postblau No. 856”

Farbstift „Postblau No. 856″ unbekannter Herkunft im Einsatz (zum Vergrößern anklicken)

Markiges Marketing (2)

Montag, den 30. März 2009

Reklamemarke von Johann Faber

Ebenso wie LYRA haben noch andere Schreibgeräte-Hersteller mit Reklamemarken für sich geworben, darunter auch Johann Faber aus Nürnberg, dessen „ACME”-Bleistiftspitzer hier auf 54 × 54 mm² grafisch durchaus reizvoll angepriesen wird. – Die erste Variante dieses aus drei Teilen (Korpus, zweiseitig geschliffenes Messer und Rändelschraube) bestehenden Spitzers kam laut Leonhard Dingwerths „Kleiner Anspitzer-Fibel” um 1905 auf den Markt; der Gebrauch des englisches Wortes „acme” auf dem deutschen Markt der damaligen Zeit überrascht mich jedoch.

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Memorandum

Mittwoch, den 18. März 2009

Zwei recht dünne, kurze Bleistifte mit ungewöhnlicher und heute nicht mehr üblicher Metallkappe: Der „MEMORANDUM” von J.J. Rehbach sowie der „J.D.F.” GRANTHA DIARY.

Memorandum

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Die in Deutschland hergestellten Stifte sind knapp 5,5 mm dick und haben eine etwa 2,5 mm starke Mine. Sie sind 9,5 bzw. 13 cm lang, und da sie so aussehen, als wären sie nach der Herstellung noch nie gespitzt worden, kamen sie offenbar auch so kurz in den Handel.

Memorandum

Ihr auffälligstes Merkmal ist jedoch die vergleichsweise lange, aufgepresste Metallkappe, die beide Stifte ziert und eine scheibenförmige Verdickung aufweist. Letztere ist 1 mm bzw. 0,5 mm dick und hat einen Durchmesser von etwa 9 mm.

Memorandum

Laut Georg Büttners Bleistiftseiten wurde das zuvor als „Schlüssel-Bleistiftfabrik” bekannte im Regensburg ansässige Unternehmen (daher das auch hier noch genutzte Logo mit den gekreuzten Schlüsseln) 1934 durch Pensel & Sohn übernommen und unter dem Namen „J.J. Rehbach” weitergeführt; wenige Jahre nach einer weiteren Übernahme Mitte der 1970er Jahre durch Haubold stellte man die Bleistiftproduktion ein. Das Alter des „Memorandum” schätze ich auf 60 bis 70 Jahre.

Memorandum

Zum vielleicht ebenso alten „GRANTHA DIARY” kann ich leider gar nichts sagen; auch ist mir das Kürzel „J.D.F.” fremd. Der Wikipedia-Eintrag zur sog. „Grantha-Schrift” gibt für das Sanskrit-Wort „grantha” die Übersetzungen „Buch” sowie „Manuskript” an, was gewollt sein und angesichts des Zusatzes „DIARY” einen Hinweis auf die Verwendung dieses Stifts geben könnte.

Memorandum

Der „GRANTHA DIARY” schreibt sehr hart und lässt sich nicht so gut radieren, während der „MEMORANDUM” einem Bleistift der Härte HB nahekommt. – Ich vermute, dass diese Stifte für den Gebrauch mit einem Notiz- oder Tagebuch gedacht waren und die besondere Form der Metallkappe ein Herausrutschen aus einer am Buch angebrachten Schlaufe oder Lasche verhindern sollte.

Nachtrag vom 28.3.09: Ein Kenner der Materie teilte mir gestern mit, dass es sich bei diesen Stiften um Taschenbleistifte und bei den Metallteilen um sog. Tellerkapseln handelt. Diese Taschenbleistifte waren für den Gebrauch mit und den Transport im Rücken von Kalendern und Notizbüchern vorgesehen (daher auch ihre geringe Länge); die Tellerkapsel verhinderte dabei das Durchrutschen des eingesteckten Stiftes. Das Kürzel „J.D.F.” könnte für den Hersteller stehen, der diesen Bleistift zusammen mit seinen Produkten angeboten hat. – Vielen Dank an G. B. für diese interessante Information!

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