Archiv des Stichworts „Reklame”

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J.S. Staedtler 1919 (1)

Freitag, 30. Oktober 2009

J.S. Staedtler 1919 (1)

Dies ist die Vorder- und ein Ausschnitt der Rückseite des Hauskataloges der J.S. Staedtler Mars-Bleistift-Fabrik aus dem Jahr 1919, der auf 108 Seiten mit mehr als 500 Abbildungen über zahlreiche und aus heutiger Sicht zuweilen ungewöhnliche Produkte informiert hat: Telefonstifte, Ballstifte, Bleistiftkappen mit Schreibfeder, Brieftaschen-Stifte mit Scheiben- und Kugelknöpfen, Straßenbahn-Patentstifte, Stifte mit Messing-Gewinde und vieles mehr. Ich freue mich sehr darauf, einiges davon hier in den nächsten Wochen zeigen zu können.

J.S. Staedtler 1919 (1)

Danke an STAEDTLER für die Genehmigung zur Reproduktion!

J.S. Staedtler 1919 | Straßenbahn-Patentstift »

Im Dienst der Ordnung

Dienstag, 27. Oktober 2009

Reklamemarke der Leitz-Ordner-Fabrik

Als der 1848 geborene Handwerker Louis L. Leitz 1871 in Stuttgart-Feuerbach eine kleine Werkstatt gründete und dort mit nur zwei Mitarbeitern die Fertigung von Metallteilen für Ordnungsmittel aufnahm, ahnte er noch nicht, welche Revolution er ein Vierteljahrhundert später auslösen sollte, denn seine Suche nach einer Alternative zur damals üblichen starren Ablage von Schriftstücken führte im Jahr 1896 zur Erfindung des – patentamtlich korrekt formuliert – „Briefordners mit Hebelmechanismus”. Dieser nach wie vor äußerst populäre „Leitz-Ordner” mit den beiden Bügeln und der Klemmspange mit Drücker erlaubte erstmals die flexible Ablage von Papieren, die nun buchähnlich aufbewahrt, sauber umgelegt sowie an beliebiger Stelle eingelegt und entnommen werden konnten. Ab 1901 trug der Rücken der zunächst nur in schwarz-grau angebotenen Ordnungshilfe den Namen seines Schöpfers in der klassischen und inzwischen verschwundenen „Pinselschrift”, und 1911 erfuhr das praktische Büro-Utensil seine wohl größte Änderung: Ein metallgefasstes Griffloch machte fortan die komfortable Entnahme des Leitz-Ordners aus dem Regal möglich. Eine weitere Verbesserung wurde dem Inbild der Ablage durch eine Idee Erich Krauts zuteil, der, seiner Erblindung im Ersten Weltkrieg zum Trotz, die Ordnerfabrik ELBA in Wuppertal aufbaute. Er brachte in den Deckel des Ordners zwei ebenfalls mit Metall eingefasste Löcher ein, durch die die Bügel herausragen konnten und ihn somit kompakter und standfester machten. – Die gezeigte, 60 × 45 mm² große Reklamemarke stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit vor Einführung des Grifflochs.

Markiges Marketing (10)

Freitag, 16. Oktober 2009

Bleistiftschärfmaschine „Jupiter”

Teuflisch gut gewesen sein muss die „Bleistiftschärfmaschine Jupiter”, wenn man dieser 43 × 58 mm² großen Reklamemarke Glauben schenken darf. Die wohl bekannteste deutsche Spitzmaschine, patentiert 1896 und hergestellt von Guhl & Harbeck in Hamburg, brachte Blei- und Farbstifte mittels eines Scheibenfräsers in Form. Angetrieben wurde dieser durch eine Kurbel, die beim ersten Modell, der „Jupiter 0″, noch vorne, ab der „Jupiter 1″ (1905) jedoch an der Seite saß. Wie die hervorragende „Kleine Anspitzer-Fibel” von Leonhard Dingwerth informiert, folgte 1928 die „Jupiter 2″; das Nachfolgemodell „Jupiter 2/51″ war bis Ende der 1960er Jahre auf dem Markt.

Bleistiftschärfmaschine „Jupiter” (Ausschnitt)

Beworben wurde der etwa 3 kg schwere und 35 cm lange Spitz-Gigant vor vielleicht 90 Jahren in gleich sechs Sprachen und zudem grafisch sehr aufwändig. So zeigt der genaue Blick, dass die Schrift von Hand erstellt wurde und manche Stifte im Hintergrund lesbare Kennzeichnungen tragen („Aldebaran”, „Notabene”, „Schwan”); dies verleiht der Marke in meinen Augen einen besonderen Charme. – Weitere bemerkenswerte Details und Fotos der „Jupiter” gibt es hier und dort.

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Markiges Marketing (9)

Dienstag, 6. Oktober 2009

„Koh-I-Noor”-Notizstifte von L. & C. Hardtmuth

Mit entspanntem Gesichtsausdruck und offenbar zufrieden führt der vornehme Herr am Stehpult den dicken, langen Bleistift über das Papier. Seine für das Schreiben mit Graphit denkbar ungeeigneten Handkrausen lassen vermuten, dass er nur für eine kurze Notiz am Katheder steht, ansonsten aber schreiben lässt und allenfalls für eine Unterschrift oder zur Erledigung privater Korrespondenz zum Federkiel greift.

„Koh-I-Noor”-Notizstifte von L. & C. Hardtmuth (Ausschnitt)

Das mit schweren, ledergebundenen Folianten gut gefüllte Regal und die weißgepuderte (Staats-?)Perücke des reifen Herrn könnten das auf dieser etwa 58 × 40 mm² großen und wahrscheinlich vor 80 oder mehr Jahren ausgegebenen Reklamemarke des österreichischen Unternehmens L. & C. Hardtmuth gezeigte Büro als eines des 18. Jahrhunderts ausweisen; auch die Schreibfeder, deren stählerne Variante um 1800 erfunden wurde, spräche dafür.

Die Angabe von Serien- und Bildnummer zeigt, dass man sich der großen Popularität der Reklamemarke als Sammelobjekt bewusst war und dieses Bedürfnis gezielt steigerte, aber auch befriedigte.

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Markiges Marketing (8)

Donnerstag, 24. September 2009

„Cullinan”-Bleistifte von Brevillier & Urban

Vom Betrachter ab- und einem gelben Bleistift zugewandt zeigt der reife, untersetzte Herr mit Brille, gerötetem Gesicht und vornehmer, auf die Stifte in seiner Brusttasche farblich abgestimmter Kleidung deutlich seine Prioritäten: Sein Kennerblick durch die runden Gläser gilt nur dem Cullinan-Bleistift von Brevillier & Urban, den er jedem anderen vorzieht.

Die österreichische Schreibwarenfabrik Brevillier & Urban (heute Brevillier Urban & Sachs GmbH & Co. KG, Wien) entstand im Jahr 1925, als die 1800 von Ignaz Urban eröffnete Schmiede und die 1823 durch Carl Wilhelm von Brevillier gegründete Schraubenfabrik die ehemaligen Zeus-Werke in Graz übernahmen. 1983 kam Brevillier-Urban in die Kirchdorfer-Gruppe, die 2006 die Kirchdorfer Schreibwarenholding mit Brevillier-Urban sowie deren Toch­terfirmen Jolly Arts & Crafts (China) und HemusMark (Bulgarien) gründete; 2007 erwarb Koh-I-Noor den Mehrheitsanteil an letzterer. Die bekannteste Marke von Brevillier-Urban, „Jolly” aus dem Jahr 1965, ist seit 2007 Teil von Imarco, zu der auch die Heinrich Sachs KG, die Österreichische Kuvertindustrie und Cretacolor gehören. Brevillier Urban & Sachs fertigt in Graz und Hirm.

Wann es den Bleistift gab, für den diese 34 × 37 mm² große Reklamemarke geworben hat, weiß ich nicht. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist vielleicht noch, dass der größte jemals gefundene Rohdiamant „Cullinan” hieß. War Entscheidung des Herstellers, seine Bleistifte nach diesem zu benennen, vielleicht eine Reaktion auf L. & C. Hardtmuth, deren Produkte den Namen des bekanntesten Diamanten „Koh-I-Noor” trugen?

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Markiges Marketing (7)

Mittwoch, 16. September 2009

Reklamemarke von Koh-I-Noor

Ein in mehrfacher Hinsicht schräges Teil ist diese 46 × 28 mm² große und vielleicht 80 bis 90 Jahre alte Reklamemarke von Koh-I-Noor, denn neben der sehr ungewöhnlichen Form zeigt sie den beworbenen Namen nur als Beschriftung der abgebildeten HB-Bleistifte und verzichtet auf zusätzliche Angaben.

Koh-I-Noor, 1790 in Wien gegründet und heute in České Budějovice (ehem. Budweis, Tschechien) ansässig, hat Bleistiftgeschichte geschrieben. Ende des 18. Jahrhunderts – die Angaben variieren recht stark – entdeckte der Firmengründer Josef Hardtmuth, der zuvor Töpferware und Steingut gefertigt hat, ein Verfahren zur Minenherstellung aus Graphit und Ton. Damit gebührt ihm und seinem französischen Kollegen Nicolas-Jacques Conté, die zudem beide die gezielte Produktion unterschiedlicher Härtegrade möglich machten, der Verdienst, zum Bleistift, wie wir ihn heute kennen, entscheidend beigetragen zu haben*.

Abgesehen von den Produkten für Künstler sind die zahlreichen anderen von Koh-I-Noor zumindest in meiner Gegend kaum noch anzutreffen und warten meist als Restbestände im Regal auf solche Kunden, die viel Zeit zum und Spaß am Wühlen mitbringen.

* Unklar ist, ob Hardtmuth das Verfahren wirklich zeitgleich mit Conté oder gar vor ihm erdacht hat; manche sagen, er habe es von ihm übernommen (siehe dazu auch „H und B”).

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Markiges Marketing (6)

Mittwoch, 2. September 2009

Reklamemarke von J.J. Rehbach

Für die Radiergummis des Herstellers J.J. Rehbach, der von 1821 (damals noch unter dem Namen „Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Rehbach”) bis Mitte der 1970er Jahre in Regensburg ansässig war, warb diese 39 × 60 mm² große und wohl etwa 80 Jahre alte Reklamemarke.

Das Bild des Zeichenbüros (eines Architekten?), das diese Marke vermittelt, ist sicher stark vereinfacht und daher nicht ganz realistisch. Ich hoffe, dass es um die Ergonomie dieser Ar­beitsplätze etwas besser bestellt war als abgebildet, denn die gezeigte Haltung ist alles an­dere als der Gesundheit des Rückens zuträglich.

Wie das hervorragende Buch „Tools of the Imagination: Drawing Tools and Technologies from the Eighteenth Century to the Present” in beeindruckender Weise zeigt, waren die Werkzeuge und Techniken zu der Zeit, als diese Marke entstand, weitaus fortschrittlicher als auf ihr dargestellt (wenn auch nicht überall bekannt und verfügbar). Der 124-seitige Band, herausgegeben von Susan C. Piedmont-Palladino und erschienen 2007 bei Princeton Architectural Press, schließt an eine Ausstellung mit dem gleichen Titel an, die 2005 im Na­tional Building Museum in Washington, D.C. zu sehen war und einen umfangreichen Einblick in die Zeichentätigkeit von Architekten aus über 250 Jahren bot. – NB: Der Essay „The Lead Pencil: Lever of the Architect’s Imagination” von Paul Emmons in diesem Buch befasst sich ausschließlich mit dem Bleistift.

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Mars 1962

Sonntag, 30. August 2009

Stand in den beiden Anzeigen aus dem Jahr 1957 noch das Werk derer im Vordergrund, die mit den beworbenen Produkten arbeiten, so beschränkte sich die J.S. STAEDTLER Inc. in Hackensack, New Jersey (USA), fünf Jahre später in zwei anderen auf die Darstellung eines einzigen Schreibgeräts.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1962)

Als des Fachmanns erste Wahl wurden 1962 die Produkte der „Mars”-Reihe präsentiert, hier vertreten durch den knapp 30 Jahre zuvor eingeführten Bleistift „Lumograph” in dem inzwischen klassischen Design mit blauem Lack, weißem Ring und schwarzer Tauchkappe. Eine linke Hand (die des vielleicht rechtshändigen Künstlers, der mit „Pucci” signiert hat?) hält den Stift so, dass das Auge des Betrachters sofort auf die nicht serienmäßige, sondern mit künstlerischer Freiheit gestaltete und – wie damals üblich – zur Bleistiftspitze laufende Beschriftung „Mars” fällt. Diese expressionistisch angehauchte Illustration in Kombination mit den klaren und in Versalien gesetzten Worten der 29 × 20 cm² großen, ganzseitigen Anzeige hat ihre beeindruckende Wirkung sicher nicht verfehlt!

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1962)

Den letzten Rest eines mit dem Messer gespitzten „Mars Lumograph” (ebenfalls aus Sicht des Künstlers) nebst zwei Spänen in sechsfacher Vergrößerung und fast fotorealistischer Darstellung zeigt eine weitere Anzeige im gleichen Format aus dem selben Jahr. Das Bild unterstreicht damit die Aussage des Textes, dass man sich selbst vom kleinsten Stummel des bevorzugten Zeichengeräts nur schwer trennt. Auch hier: Exzellente Grafik, knapper Text, deutliche Aussage und damit in meinen Augen sehr gelungen.

Ich wüsste gerne, ob diese beiden Anzeigen zu einer Kampagne gehörten und es noch weitere dieser Art gab; wenn ja, so bin ich sicher, dass diese ebenso sehenswert waren und es auch heute noch sind. Es mag vielleicht hoffnungslos altmodisch, ja sogar irrational wirken, aber ich finde es sympatisch und wohltuend, dass damals noch jemand mit der Hand und einfachen, womöglich den beworbenen Gerätschaften für diese sehr reizvollen Anzeigen zu Werke ging – heute wäre dies ein Luxus, den sich kaum noch ein Anbieter leisten könnte und im ungünstigsten Fall nur wenige Leser zu schätzen wüssten.

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