Jahr: 2013

Der moderne Spitzer

„Pen­cil Shar­pe­ners for the Modern Age“, manu­ell und elek­trisch, hat IDRAW ent­wi­ckelt. Der Auf­wand war enorm, denn anstatt ver­füg­bare Kom­po­nen­ten neu zu kom­bi­nie­ren, hat man alles neu ent­wor­fen, bis hin zu Elek­tro­nik und Motor des über USB auf­lad­ba­ren elek­trischen Modells. Mit umfang­rei­chen Tests hat man u. a. den opti­ma­len Konus gesucht und den geeig­ne­ten Mes­ser­hal­ter kon­stru­iert. Ein Gehäuse aus Alu­mi­nium unter­streicht die hoch­wer­tige Tech­nik im Innern. 

Der moderne Spitzer

Nun suchen Matt Mar­rocco und Daniel Schau­mann von IDRAW über Kick­star­ter Unterstüt­zer für ihr Pro­jekt. Sollte es erfolg­reich sein, kommt man mit 25 USD (etwa 18 Euro) an das manu­elle und mit 65 USD (gut 47 Euro) an das elek­tri­sche Modell – ange­sichts des be­trächtlichen Auf­wands ein ver­tret­ba­rer Preis. Ich unter­stütze das Pro­jekt gerne und wün­sche Matt Mar­rocco und Daniel Schau­mann viel Erfolg!

Der moderne Spitzer

Danke an Matt Mar­rocco für die Fotos und Andreas zum Win­kel für den Hin­weis auf die­ses Projekt!

Der Geist des Graphits

Aus der Rubrik „Die Geis­ter, die ich nicht rief“: Eine Erschei­nung auf dem Titel des Schul­stift-Prospekts P. 699 der J.S. STAEDTLER Mars-Bleistiftfabrik in Nürn­berg, ver­mut­lich aus den frü­hen 1930er Jah­ren1.

Der Geist des Graphits

Ein biss­chen gru­se­lig wirkt er ja schon, der schmale Herr in weiß, mit stram­mem Frack, stei­fem Hut, gro­ßem Stift und mah­nen­dem Zei­ge­fin­ger. Und sehe ich da auch noch eingefal­lene Wangen?

Der Geist des Graphits

Er tritt wie durch einen Tun­nel in die Szene und dient der über­rasch­ten, aber bemerkens­wert gefass­ten Schü­le­rin (oder ist’s ein Schü­ler?) den Blei­stift „Noris“ an.

Der Geist des Graphits

Wer möchte da nicht sofort beken­nen, etwas auf schöne Schrift und zu die­sem Zweck den Staedtler-Stift in der Hand zu halten?

Der Geist des Graphits

Ange­sichts die­ser beein­dru­cken­den Über­zeu­gungs­ar­beit kann der Vier­tel­mond natür­lich nur schmunzeln.

Der Geist des Graphits

Bei mir aber hätte der Herr offene Türen ein­ge­rannt, lege ich doch schon lange Wert so­wohl auf schöne Schrift als auch auf den Staedtler-Stift.

Der Geist des Graphits

  1. Grund für diese Annahme ist der Umstand, dass der Bro­schüre eine auf den Juni 1934 datierte Preis­liste bei­lag.

Hobonichi Techo

Kalen­der? Tage­buch? Notiz­buch? Alles in einem! Aber der Reihe nach.

Hobonichi Techo

Im Hin­ter­gund ein Tenu­gui.

Der japa­ni­sche Autor und Gestal­ter Shi­ge­sato Itoi1, Betrei­ber der Web­site Hobo Nik­kan Itoi Shin­bun (kurz „Hobo­ni­chi“), hat 2001 zum ers­ten Mal den von ihm ent­wor­fe­nen Pla­ner Ho­bonichi Techo („Techo”, 手帳 auf dem Cover, heißt hier „Notiz­buch“) ange­bo­ten. Nach dem gro­ßen Erfolg2 des Techo in Japan erschien 2013 zusam­men mit Arts & Sci­ence die erste eng­li­sche Aus­gabe; bei der zwei­ten für das Jahr 2014 habe ich zugegriffen.

Hobonichi Techo

Der Techo ist zwar nur 14 mm dick, hat aber 464 Sei­ten, was durch die Ver­wen­dung des sehr hoch­wer­ti­gen „Tomoe River“-Papiers3 mit nur 52 g/m² mög­lich wurde. So gibt es nicht nur für jeden Tag des Jah­res eine ganze Seite, son­dern auch noch zwei wei­tere Kalen­da­rien, Notiz- und einige infor­ma­tive Sei­ten. Wer nun denkt, man könne die­ses Papier auf­grund sei­ner gerin­gen Dicke nur ein­ge­schränkt nut­zen, liegt falsch – gerade die­je­ni­gen, die mit Füll­fe­der­hal­ter schrei­ben4, sind vom Tomoe River begeis­tert, und auch mit Bleistif­ten5 und Tin­ten­rol­lern6 har­mo­niert es her­vor­ra­gend (ledig­lich ein star­ker Schreib­druck ist ungüns­tig, wirkt er sich doch gleich auf meh­rere Sei­ten aus7). Dank des leich­ten Papiers und der Faden­hef­tung liegt der Techo zudem flach, was sei­nen Gebrauch sehr ange­nehm macht.

Hobonichi Techo

Hier mit dem Druck­blei­stift Pen­tel Graph­Gear 500.

Aus der Viel­zahl der Schutz­hül­len habe ich das Stan­dard­co­ver aus Poly­es­ter gewählt (das aus Leder wäre mir lie­ber gewe­sen, doch die­ses ist erst wie­der im Februar 2014 erhält­lich). Mit zahl­rei­chen Taschen auf den Innen­sei­ten und einer auf der Rück­seite bie­tet es Platz für fla­che Dinge. Ein trans­pa­ren­tes „Cover on Cover“ gab es gra­tis; man kann es darüber­ziehen und mit Deko­ra­ti­vem befül­len. – Der Ver­schluss und die bei­den Lese­bänd­chen sind schlicht und funktionell.

Hobonichi Techo

Alle Kalen­da­rien haben das in Deutsch­land unüb­li­che 4-mm-Raster mit gepunk­te­ten Linien, das mir gut gefällt.

Hobonichi Techo

Jedem Monat ist eine nütz­li­che „Com­ing Up!“-Seite vor­an­ge­stellt (gut mög­lich, dass diese eine der Kun­den­ideen war, die über die Jahre in den Techo ein­ge­ar­bei­tet wurden).

Hobonichi Techo

Am unte­ren Rand der Dop­pel­sei­ten des Haupt­ka­len­da­ri­ums fin­den sich Zitate8, von denen mir jedoch nur wenige zugäng­lich sind.

Hobonichi Techo

Die Ver­ar­bei­tung ist hoch­wer­tig, und die Gestal­tung – vor allem die Typo­gra­fie – finde ich geschmack­voll. – Der infor­ma­tive Teil ent­hält auch einen „Guide to Sushi“.

Hobonichi Techo

Man beachte die Zei­ge­hand oben rechts.

Für die wei­te­ren Details des Techo ver­weise ich auf die Über­sicht unter „Hobo­ni­chi Plan­ner Fea­tures“ (eine so aus­führ­li­che Beschrei­bung eines Kalen­ders oder Notiz­buchs habe ich übri­gens noch nie gesehen).

Hobonichi Techo

Der Techo kos­tet 2500 Yen, das Stan­dard­co­ver 1500 Yen und für den Ver­sand fie­len 1800 Yen an; so kam ich auf ins­ge­samt 41 Euro. Von der Bestel­lung bis zum Ein­tref­fen ver­gin­gen fünf Tage, und da der Dezem­ber 2013 mit zwei Tagen pro Seite ver­tre­ten ist, kam der Techo sofort zum Einsatz.

Hobonichi Techo

Hat sich der Kauf gelohnt? Ich denke ja. Für eine abschlie­ßende Bewer­tung ist es zwar noch zu früh, doch die Qua­li­tät, die Gestal­tung und das Papier las­sen mich den Hobo­ni­chi Techo mit Freude nutzen.

  1. Ein Inter­view mit Shi­ge­sato Itoi gibt es im Ping­Mag. – Eini­ges mehr erfährt man unter „Shi­ge­sato Itoi shares lots of ‘deli­cious life’“.
  2. Viele Bei­spiele der krea­ti­ven und oft ver­spiel­ten Ver­wen­dung des Techo zeigt das Tumblr-Weblog Hobo­ni­chi Love.
  3. Das „Tomoe River“ der Tomo­e­gawa Co., Ltd. (Tokyo), erhält­lich in Gram­ma­tu­ren von 33 bis 85 g/m², wurde für den Druck u. a. von Kata­lo­gen ent­wi­ckelt, um Ver­sand­kos­ten zu spa­ren; ich habe es über die sehr guten Notiz­bü­cher von Design.Y, in denen es eben­falls steckt, ken­nen­ge­lernt. – Eine aus­führ­li­che Bespre­chung des Papiers gibt es unter „Tomoe River Paper Review“.
  4. Ich schreibe nicht mit Fül­ler, ver­su­che mich aber ab und zu mit dem Pilot Par­al­lel Pen in Kalli­grafie. Die­ser gibt die Tinte sehr groß­zü­gig ab, was natür­lich auch an der Breite der Feder liegt, doch selbst mit die­sem gibt es auf dem Tomoe River kein Aus­fa­sern oder Durchschla­gen.
  5. Getes­tet mit den holz­ge­fass­ten Blei­stif­ten STAEDTLER Mars Lumo­graph 100 B und Pen­tel Black Poly­mer 999 HB, den Druck­blei­stift­mi­nen Pilot Eno NeoX B und 2B sowie den Radie­rern Tree’s Air-in Soft von Plus, Faber-Castell Dust Free und Tom­bow Mono Zero.
  6. Getes­tet mit dem Mitsu­bi­shi uni-ball eye fine. – Auch der STAEDTLER pig­ment liner macht sich mit die­sem Papier sehr gut.
  7. Wer manch­mal fes­ter auf­drü­cken will oder muss und den Kauf des Pen­cil Board scheut, schnei­det sich ein Stück stei­fer Kunst­stoff­fo­lie zurecht, legt diese beim Schrei­ben unter das Blatt und ver­staut sie bei Nicht­ge­brauch in einer der hin­te­ren Taschen des Covers.
  8. Die erste eng­li­sche Aus­gabe des Hobo­ni­chi Techo ent­hielt aus­schließ­lich Zitate von der Hobo­nichi-Website und von Sonya Park, der Inha­be­rin von Arts & Sci­ence; dies ist nun nicht mehr der Fall.

„A drawing pencil you know you can trust“

Stamm­le­ser die­ses Web­logs wis­sen von mei­ner Freude am Zer­le­gen alter Anzei­gen. Heute geht es an eine aus der „Pro­gres­sive Archi­tec­ture“ vom April 1953, mit der J.S. STAEDTLER USA für den Mars Lumo­graph 2886 warb (selbst­ver­ständ­lich rücke ich nur dem Scan zu Lei­be, nicht dem papier­nen Original).

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

„A drawing pencil you know you can trust”

Zitat

Leben bringt Leben her­vor. Ener­gie schafft Ener­gie. Indem man sich ver­schenkt, wird man reich.

— Sarah Bern­hardt, franz. Schau­spie­le­rin (1844–1923)

Pause

Pause

Henry Ward Bee­cher (1813–87) nannte den Hund den „Gott der Aus­ge­las­sen­heit“ (und hatte damit natür­lich voll­kom­men recht). Kisho1, unser gut zehn Wochen jun­ger und sehr aus­gelassener Shiba-Rüde, zeigt hier, dass er auch ganz ent­spannt sein kann.

  1. Genauer: „Kishō“ als latei­ni­sche Tran­skrip­tion von 紀 章.

Wie meinen?

Wenn man denkt, es geht nicht schlim­mer, kommt einer und macht’s. Dies­mal kam einer von der Telekom.
„Hel­fer­line: 11833“ leuch­tete heute ein gro­ßer Flach­bild­schirm in den Kas­sen­be­reich einer ört­li­chen REWE-Filiale1. Doch wer oder was ist „Hel­fer­line“? Gab es bei der Tele­kom etwa den Wett­be­werb, eine Alter­na­tive für den stra­pa­zier­ten Ter­mi­nus „Hot­line“ zu fin­den?2 Betreibt man hier einen fern­münd­li­chen Kum­mer­kas­ten und erwar­tet von den Hilfesuchen­den, dass sie „Hel­fer“ deutsch und „line“ eng­lisch aus­spre­chen, also mit­ten im Wort die Spra­che wech­seln? Will man sich dabei die posi­tive Kon­no­ta­tion des ver­sa­ti­len Hel­fer­leins zunutze machen? Oder nennt man eine Mit­ar­bei­te­rin am ande­ren Ende der „Line“ Helfer­line? Wären dann nicht „Hel­fine“ (weil kür­zer) oder „Hel­fin­chen“ (mein Favo­rit3) bes­ser gewesen?
Wie auch immer: So hilf­los, dass ich mich frei­wil­lig an die „Hel­fer­line“4 wende, werde ich hof­fent­lich nie sein.

  1. Die audio­vi­su­elle Beläs­ti­gung beim War­ten ist ein ande­res Reiz­thema.
  2. „Mach ma wat schö­net!” – „Heiß­line!“ – „Nee, det klingt wie Reiß­leine!“ – „Hel­fer­line!“ – „Jut, det nehm wa!“
  3. „Guten Tag, sie spre­chen mit Hel­fin­chen! Wie kann ich ihnen hel­fen?”
  4. Aus dem Fest­netz 1,99 Euro/Minute, Mobil­funk ggf. abwei­chend.
Scroll to Top