Mai 2023

STAEDTLER STENO 111

Zu den jün­ge­ren1 Blei­stif­ten von STAEDTLER, die man kaum noch antrifft, gehört der STENO 111.

STAEDTLER STENO 111

Wann es ihn gab, kann ich nicht genau sagen, doch die Form des Mar­s­kop­fes lässt dar­auf schlie­ßen, dass er zwi­schen 1973 und 2001 erhält­lich war. In einem Ring­buch mit Pro­dukt­fo­tos, zusam­men­ge­stellt um 1970, sieht man den MARS-STENOFIX 1012 zusam­men mit dem STAEDTLER-STENO 111, der wohl der Vor­gän­ger des STENO 111 war und als güns­tige Alter­na­tive zum MARS-STENOFIX 101 ange­bo­ten wurde.

STAEDTLER STENO 111

Wäh­rend der MARS-STENOFIX 101 in 2B, B und HB ver­füg­bar war, gab es den STAEDTLER-STENO 111 nur in einer – so die Angabe im Ring­buch – „Spe­zi­al­härte“. Auch der STENO 111 trägt kei­nen Här­te­grad; seine Härte ent­spricht etwa der des STAEDTLER MARS Lumo­graph B.

Ein sehr ähn­li­cher Blei­stift war der in den glei­chen Far­ben gehal­tene und in Eng­land3 gefer­tigte STAEDTLER SHORTHAND, der unter „Sta­tio­nery Archeo­logy 3“ zu sehen ist.

  1. Soll hei­ßen: Jün­ger als 50 Jahre.
  2. Der MARS-STENOFIX 101 (spä­ter Mars sten­o­fix 101) war der Nach­fol­ger des 1935 ein­ge­führ­ten MARS-STENOFIX 2884; seine Pro­duk­tion wurde Ende 2011 ein­ge­stellt.
  3. Das Werk in Pon­ty­clun wurde 2008 geschlos­sen.

Reise ins 19. Jahrhundert

Alle bis­her gezeig­ten Vari­an­ten des als „Gra­nate“ bekann­ten Hand­spit­zers wur­den im 20. Jahr­hun­dert gefer­tigt, doch die­ses Exem­plar könnte aus der Zeit vor 1900 stammen.

Reise ins 19. Jahrhundert

Wie ich dar­auf komme? Durch diese Anzeige von Wink­ley Dresser & Co. mit Sitz in Bos­ton, Mas­sa­chu­setts (USA), in „The Ame­ri­can Sta­tio­ner“, Vol. 32, Nr. 8 vom 25. August 18921.

Reise ins 19. Jahrhundert

Die Ähn­lich­kei­ten sind bemer­kens­wert. Ver­hält­nis von Mes­ser­länge zu Spit­zer­länge, Länge und Form des Mes­sers, Kopf und Posi­tion der Schrau­ben: Auch wenn man die Abbil­dung sicher nicht so genau neh­men sollte, so ver­blüf­fen diese Par­al­le­len. – Natür­lich wäre es mög­lich, dass die­ses Modell viele Jahre lang pro­du­ziert und noch zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts ange­bo­ten wurde, doch dage­gen spricht eine Nach­richt aus dem Novem­ber 1892, in der vom Umstieg auf eine Schraube berich­tet wird (aller­dings könn­ten beide Vari­an­ten par­al­lel erhält­lich gewe­sen und auch Kopien ange­bo­ten wor­den sein.)2.

Die Kenn­zeich­nun­gen finde ich sehr interessant.

Reise ins 19. Jahrhundert

Wel­ches Patent ist hier gemeint?

Reise ins 19. Jahrhundert

Wer hat diese „Gra­nate“ paten­tie­ren las­sen und her­ge­stellt?3 Bringt sie uns näher an den Ursprung des Spit­zer­klas­si­kers? Oder ist das viel­leicht sogar die Urform?

  1. Mehr dazu unter „Gra­nate 1891–1892“.
  2. In der Rubrik „Small Pen­cil Shar­pe­ners“ im Early Office Museum fin­det sich das Foto eines fast iden­ti­schen Spit­zers. Dazu heißt es: „Dies ist ein Bei­spiel für die vie­len Blei­stift­spit­zer ohne Kenn­zeich­nung, die in den USA und Europa zu fin­den und dem Ame­ri­can Car­tridge Pen­cil Shar­pe­ner ähn­lich sind.“ Dane­ben geht das Museum auf eine Vari­ante der „Gra­nate“ von Eber­hard Faber aus dem Jahr 1892 ein, aber lei­der gibt es keine Quel­len­an­ga­ben.
  3. Die hel­len Stel­len, an denen sich die Patina löst, las­sen ver­mu­ten, dass der Spit­zer aus Mes­sing gefer­tigt wurde (die Patina werde ich nicht ent­fer­nen).

Lab 2

Von Black­wing gibt es den Lab 05.24.23, den hal­ben Blei­stift mit Radie­rer, und von Lexi­ka­li­ker den Lab 2 mit zwei Radie­rern und ohne Blei­stift1.

Lexikaliker Lab 2

Der Lab 2 mit einem wei­ßen Radie­rer für kleine Feh­ler und einem schwar­zen für große ist als limi­tier­tes Set mit zwei wei­ßen und zwei schwar­zen Ersatz­ra­die­rern für nur 20 Euro erhältlich.

  1. Der Lab 1 sollte ein ein­zel­ner Radie­rer ohne Blei­stift wer­den, doch unser For­schungs­team musste nach ein paar Mona­ten über­rascht fest­stel­len, dass es so etwas bereits gibt.

L. Cornelissen & Son 2B/6B

Neu: Der Doppelgrad-Bleistift 2B/6B des eng­li­schen Anbie­ters L. Cor­ne­lis­sen & Son.

L. Cornelissen & Son 2B/6B

Nach dem Viking Verso GS 150 Dou­ble grade von 2018 ist die­ser mei­nes Wis­sens die zweite Umset­zung der erst­mals auf der Welt­aus­stel­lung in Paris 1867 vor­ge­stell­ten Idee, zwei Här­te­grade in einem Blei­stift zu kombinieren.

Der in mei­nen Augen anspre­chend gestal­tete 2B/6B1 trägt außer dem Namen des Anbie­ters und der Här­te­grade keine wei­te­ren Kenn­zeich­nun­gen2. Er wurde offen­bar zunächst voll­stän­dig hell­grün, dann zur Hälfte weiß und abschlie­ßend knapp bis zur Mitte dun­kel­grün lackiert. In mei­nem Dut­zend sind die dabei ent­stan­de­nen wei­ßen Ringe unter­schied­lich breit und die Rän­der nicht immer gerade, was mich ver­mu­ten lässt, dass die­ser Blei­stift in klei­ner Stück­zahl gefer­tigt und viel von Hand gemacht wurde. – Von L. Cor­ne­lis­sen & Son konnte ich erfah­ren, dass der 2B/6B in Por­tu­gal her­ge­stellt wird.

Das Holz (ver­mut­lich Weihrauch-Zeder) und die Minen las­sen sich im Hand­spit­zer gut spit­zen, wobei man für 2B sogar zum M+R Pol­lux grei­fen kann, was für die Qua­li­tät des Blei­stifts spricht (für 6B emp­fiehlt sich ein Spit­zer mit einem kür­ze­ren Konus).

L. Cornelissen & Son 2B/6B

Beide Hälf­ten der 3 mm dicken Mine sind bruch­sta­bil, schwär­zen recht gut, sind ver­gleichs­weise spar­sam und haben eine sau­bere Abgabe; ledig­lich 6B krü­melt beim Auf­set­zen der fri­schen Spitze ein wenig. Beim genauen Blick auf letz­tere erkennt man kleine Poren, die wohl auf Aus­brü­che zurück­zu­füh­ren sind, aber beim Gebrauch keine Rolle spie­len3. – Die Här­te­grade ent­spre­chen etwa den jeweils nächst­här­te­ren Gra­den beim STAEDTLER Mars Lumo­graph 100.

L. Cornelissen & Son 2B/6B

Der Abstrich bei­der Här­te­grade ist nicht beson­ders wisch­fest, was aber wohl haupt­säch­lich daran liegt, dass sie zu den wei­che­ren gehö­ren. Die Minen glei­ten aller­dings weni­ger leicht als man erwar­ten würde4, was mich ver­mu­ten lässt, dass man sie nicht imprä­gniert hat; dafür sind sie sehr gut radier­bar5.

L. Cornelissen & Son 2B/6B

Trotz der klei­nen Schwä­chen gefällt mir der 2B/6B sehr – er ist ein unge­wöhn­li­cher Blei­stift, der mir Freude macht.

Der 2B/6B ist ein­zeln für 2 GBP (ca. 2,30 Euro) im Online-Shop von L. Cor­ne­lis­sen & Son erhältlich.

  1. Warum hat man die­sem Blei­stift eigent­lich kei­nen grif­fi­gen Namen gege­ben?
  2. Die ver­wen­dete Druck­tech­nik kann ich nicht sicher iden­ti­fi­zie­ren (Tam­pon­druck?), aber es ist nicht der bei Blei­stif­ten übli­che Prä­ge­druck.
  3. Frü­her hat man die Minen­masse meist stär­ker ver­dich­tet als heute, wobei auch Agglo­me­rate auf­ge­bro­chen wur­den. Gut mög­lich, dass hier letz­tere vor­lie­gen und beim Spit­zen aus­bre­chen.
  4. Einen nen­nens­wer­ten Anteil Ruß an der 6B-Mine schließe ich aus, denn dann würde sie schlech­ter glei­ten und ihr Abstrich weni­ger stark glän­zen.
  5. Getes­tet mit dem uni Mark Sheet ER-100MX.

Lyra Orlow 6300

Zu den hoch­wer­tigs­ten Blei­stif­ten aus Deutsch­land gehörte der Orlow 6300 des Nürn­ber­ger Her­stel­lers Lyra1. Er kam in den 1920er Jah­ren auf den Markt, wurde etwa sie­ben Jahr­zehnte pro­du­ziert und ist heute nur noch sel­ten anzu­tref­fen. Um ihn vor dem Ver­ges­sen zu bewah­ren, prä­sen­tiere ich in die­sem Bei­trag alles, was ich habe und weiß, auch wenn das nicht allzu viel ist.

Die älteste mir vor­lie­gende Erwäh­nung des Orlow 6300 fin­det sich auf die­sen Kata­log­sei­ten des Jah­res 19292.

Lyra Orlow 6300

Der Kata­log nannte neben dem 6300 noch drei Vari­an­ten mit Spitz­kap­sel3, Ring und Radier­tip und bot eine Über­sicht der 16 Här­te­grade sowie all­ge­meine Infor­ma­tio­nen zu den Blei-, Farb- und Kopier­stif­ten der „Orlow“-Reihe4. – Die Marke „Orlow“ wurde am 6.5.1896 ein­ge­tra­gen und ist damit eine der ältes­ten für Schreib­ge­räte5.

Lyra Orlow 6300

Ver­mut­lich aus den 1930er Jah­ren ist diese Anzeige, denn sie nennt noch die 16 Här­te­grade. – Man beachte die unge­wöhn­li­che Gestal­tung des Schrift­zugs „ORLOW“ (das „O“ ist auch beim Kopier­stift Lyra Direk­tion zu sehen).

Lyra Orlow 6300

Spä­ter wurde die Anzahl der Här­te­grade des Orlow 6300 auf 18 erhöht, wie die Aus­schnitte die­ses Falt­blatts aus den 1940er Jah­ren belegen.

Lyra Orlow 6300

Hier auf­ge­führt wer­den auch der Sten­o­stift Nr. 6331 und der Fall­mi­nen­stift Tech­no­graph Nr. 6316 (spä­ter Techno-Tac 6316) sowie Blei-, Farb- und Kopier­mi­nen für letzteren.

Lyra Orlow 6300

Ein beson­de­res Merk­mal der meis­ten holz­ge­fass­ten Stifte von Lyra war der soge­nannte gerun­dete Gold­ver­schluss, eine kleine Lack­kappe, die das Ende abschloss.

Lyra Orlow 6300

Diese Blech­schach­tel des Orlow 6300 datiere ich auf die spä­ten 1940er oder frü­hen 1950er Jahre.

Lyra Orlow 6300

Aus dem Buch „Mei­len­steine. 150 Jahre Lyra-Orlow“, erschie­nen 1959 im Daco-Verlag, stam­men diese bei­den Sei­ten, die den Orlow 6300, den Tech­no­graph 6316 sowie einige Farb- und Kopier­stifte zei­gen und detail­liert über die Spit­zen­sorte Orlow 6300 informieren.

Lyra Orlow 6300

Da es im Buch kei­nen anders­lau­ten­den Hin­weis gibt, gehe ich davon aus, dass die gezeig­ten Stifte zu den damals aktu­el­len gehörten.

Lyra Orlow 6300

Meine ältes­ten Exem­plare des Orlow 6300 sind diese6, wobei das zweite den Zusatz „1. Qua­li­tät“ trägt, des­sen Bedeu­tung ich nicht kenne.

Lyra Orlow 6300

Das auf dem wohl frü­he­ren Orlow 6300 genannte Patent 746988 stammt aus dem Jahr 1939 und bezieht sich auf ein Ver­fah­ren zur Ver­bes­se­rung der Licht­paus­fä­hig­keit (siehe dazu „Mine und Mischung“).

Lyra Orlow 6300

Beide sind jedoch schon mit der Marke „ELIOGRAPH“ aus dem Jahr 1963 gekenn­zeich­net. Ich ver­mute, dass diese eine an „Helio­gra­fie“ oder die ita­lie­ni­sche Über­set­zung für „Licht­pause“, „elio­gra­fica“, ange­lehnte Wort­schöp­fung war.

Am 24.5.1984 ließ Lyra die Marke „orlow-techno“ ein­tra­gen und änderte den Namen und die Gestal­tung des 63002.

Lyra Orlow 6300

Mitte der 1990er Jahre wurde die Pro­duk­tion des orlow-techno 6300 ein­ge­stellt2.

  1. Lyra wurde 2008 von FILA über­nom­men.
  2. Quelle: Lyra.
  3. Lei­der weiß ich nicht, was mit Spitz­kap­sel gemeint war.
  4. Mit „Orlow“ hat sich Lyra natür­lich auf den berühm­ten Dia­man­ten bezo­gen, ebenso wie L. & C. Hardt­muth mit „Koh-I-Noor“ und Bre­villier & Urban mit „Cul­linan“.
  5. Lyra datiert die Ent­ste­hung des Orlow-Stifts in sei­ner Unter­neh­mens­ge­schichte auf 1885. – Der Schutz besteht noch, aber mei­nes Wis­sens wird die Marke nicht mehr genutzt.
  6. Blind­prä­gun­gen (von oben): 4442, 2171, 4727.

A.W. Faber Cartor

Aus dem Jahr 19371: Ein Falt­blatt, mit dem A.W. Faber die holz­ge­fass­ten und mecha­ni­schen Land­kar­ten­stifte der Serie „Car­tor“2 bewarb.

A.W. Faber Cartor

Wie die meis­ten ande­ren Land­kar­ten­stifte war auch der Car­tor haupt­säch­lich für die mili­tä­ri­sche Nut­zung gedacht, und so ent­hielt das Zei­chen­be­steck Nr. 37/60 neben einem Plan­zei­ger einen Ent­fer­nungs­mes­ser zur Ermitt­lung der Marsch­leis­tung. – Die Land­kar­ten­stifte, die ich bis jetzt kenne, haben einen krei­di­gen Abstrich3; ich will nicht aus­schlie­ßen, dass es sich meist um Künst­ler­stifte in ande­rer Gestal­tung und Ver­pa­ckung gehan­delt hat.

A.W. Faber Cartor

Mich wun­dert, dass auf der Titel­seite des Falt­blatts nicht etwa die Gegend um Stein in Mit­tel­fran­ken, dem Sitz des Her­stel­lers, son­dern ein Teil des gut 250 km ent­fer­nen Süd­hes­sen abge­bil­det ist4.

  1. Angabe des Anbie­ters.
  2. Den „Cartor“-Schriftzug auf der Titel­seite finde ich klasse. Das stark nach links geneigte „o“ fiel mir zunächst nicht auf, doch jetzt muss ich stän­dig hin­schauen. Spe­zi­ell ist zudem der weit unter der Mit­tel­höhe sit­zende Quer­strich des „t“, der den Ein­druck macht, als wolle er vor dem zu ihm kip­pen­den „o“ in Deckung gehen.
  3. Getes­tet u. a. mit einem holz­ge­fass­ten Car­tor, der jedoch eine andere Kenn­zeich­nung hat und ver­mut­lich neuer ist (siehe „Eber­hard Faber Car­to­graph 541“).
  4. Mein Wohn­ort liegt nur wenige Kilo­me­ter nörd­lich und hat es daher nur ganz knapp nicht mehr auf diese Karte geschafft.

Ein besonderer Lumograph

STAEDTLER fei­erte 1985 das 150-jährige Fir­men­ju­bi­läum und brachte zu die­sem Anlass eine beson­dere Vari­ante des Mars Lumo­graph 1001 heraus.

Ein besonderer Lumograph

Mit gold­far­be­nem Prä­ge­druck auf drei Sei­ten und einem eben­sol­chen Zier­ring ist die­ser Lumo­graph auf­wän­dig und auf­fäl­lig gestaltet.

Ein besonderer Lumograph

Ich wüsste gerne, ob es noch andere Jubi­lä­ums­ar­ti­kel gab.

Ein besonderer Lumograph

Das war’s auch schon für heute.

  1. Damals „MARS-LUMOGRAPH“; siehe „90 Jahre Lumo­graph“.
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