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Tatort Büro

Erst Bleistifte, dann Blaustifte, Leim und einiges mehr: In der Firma Hesselbach geht der Büromaterial-Klau um.

Tatort Büro

Die amüsante, über sechzig Jahre alte Folge „Der Kriminalfall” der deutschen Familienserie „Die Firma Hesselbach” gibt einen Einblick in die analoge Organisation von damals und war­tet mit so manchem reizvollen Detail auf.

Tatort Büro

Danke an Kai für den Hinweis auf diese Folge!

Stichwörter: Museum

3 Kommentare zu „Tatort Büro”

  1. Michael Leddy

    Thanks for sharing these images, Gunther. I figured out from the signage that “buro” must share its origin with “bureau.”

    Elaine mentions that when she was living in Austria, her word for glue was “Uhu.” :)

  2. Jörg Wurdack

    Die im Film vorkommenden Büromaterialien, die technische Ausstattung der Büros und so manche der Verfahrensweisen erinnern mich doch sehr an meine erste Berufsausbildung von 1972 – 1974 bei einem bayerischen Amtsgericht.
    Die Schreibmaschinen waren mechanisch (Olympia), es gab eine einzige IBM-Kugelkopfmaschine, die aber nur für wichtige Schriftstücke, wie Urteile hergenommen werden durfte. Im Grundbuchamt waren die Grundbücher noch richtige BÜCHER, Folianten von mindestens 45 cm Höhe. Für die Einträge darin gab es „Tafelschreibmaschinen“, in die man die Bücher einlegen konnte. Weiter waren aber auch noch Grundbücher aus der Zeit vor 1935 vorhanden, die sogar für diese Tafelschreibmaschinen zu groß waren. Darin wurde noch von Hand eingetragen. Für die Einträge war urkundenechte Eisengallus-Tinte vorgeschrieben, die im normalen Füllhalter nicht zu verwenden war, also kamen Stahlfeder und Federhalter zum Einsatz.
    Zu löschende Einträge in diesen Grundbüchern wurden nicht durchgestrichen, sondern rot unterstrichen – „gerötet“. Dafür durften wiederum nur rote Kopierstifte verwendet werden (die galten als urkundenecht) oder rote Kugelschreiber, die einer bestimmten DIN entsprachen.
    Die Protokolle bei Gerichtsverhandlungen wurden noch in Steno aufgenommen, wir mussten dazu eine bestimmte Schreibgeschwindigkeit in einer Prüfung nachweisen. Stenoblocks waren Spiralblocks DIN A 5, leicht gelbliches Papier mit der roten Mittellinie. Die Stenobleistifte waren rund (damit man sie besser zwischen den Fingern drehen kann, wichtig für das Verstärken mancher Zeichen), es gab sie damals noch von Faber-Castell, Staedler und Lyra. Für die Steno-Utensilien gibt es eine schöne Website: https://www.stenografenverein.de/stenografie/die-utensilien-des-stenografen/

    Die Materialausgabe lief ungefähr so wie in dem Film gezeigt. Man bekam als Grundausstattung eine Federschale, drei Stenostifte, zwei blaue und einen roten Kugelschreiber, einen Radiergummi, einen Dosenspitzer, ein 30 cm Lineal und zwei Stenoblöcke, dazu eine Bleistiftverlängerung. Ersatz gab es nur gegen Rückgabe der Reste des verbrauchten Materials.

    Sparsam war man damals auch noch in anderer Hinsicht. Vorladungen als Zeuge oder z.B. für eine Testamentseröffnung wurden noch offen auf Postkarten verschickt, weil das Porto billiger war. Den Begriff „Datenschutz“ kannte man damals noch nicht. Kürzere Mitteilungen waren auf DIN A5-Blätter zu schreiben, weil damit weniger Papier verbraucht wurde.
    Als Kopierer gab es einen Naßkopierer, der nur in Ausnahmefällen genutzt werden durfte. Die dort entstehenden Kopien erforderten ein leicht glänzendes Spezialpapier, sie neigten dazu, an anderen Papieren und vor allem sehr gerne an Klarsichthüllen festzukleben und dort schwarze Spuren zu hinterlassen. Ansonsten wurden Kopien in der Schreibmaschine mit Hilfe von Kohlepapier und speziellem dünnen Durchschlagpapier (30g/qm) hergestellt. Problem waren dann immer die Korrekturen auf den Durchschlägen, hier wurden spezielle Radierstifte für Schreibmaschinenschrift benutzt oder TippEx in Papierform.

    Die Aktenführung war zumindest in Bayern damals schon grundsätzlich auf Karton-Schnellhefter ausgerichtet. Die Gericht im Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe waren dagegen (und sind anscheinend noch) immer noch bei der Heftung der Akten mit Faden bzw. Zwirn geblieben. Die Blätter erhielten oben links eine spezielle Lochung, durch die eine dünne Schnur gefädelt wurde. Damit man weitere Blätter dazu heften konnte, wurde diese Schnur mit einem lösbaren Knoten verbunden, dem „badischen Aktenknoten“. Siehe zu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Aktenheftung

    Insgesamt erinnerte 1972 der ganze Dienstbetrieb doch noch sehr an das „Königlich bayerische Amtsgericht“ der gleichnamigen Fernsehserie.

  3. Lexikaliker

    Michael Leddy: Yes, the German “Büro” has the same origins as “bureau”. – Thank you for that detail! I remember using the brand name “UHU” as a generic term for glue too (it was in the 1970s).

    Jörg Wundrack: Vielen Dank für die zahlreichen spannenden Details! Einiges davon wie z. B. die Tafelschreibmaschine kannte ich noch nicht, und die damalige Sparsamkeit finde ich bemerkens­wert.– Ihr Kommentar ist übrigens einer der längsten in der über 13-jährigen Geschichte dieses Weblogs.

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