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„Koh-I-Noor“

Koh-I-Noor

Mit die­ser Anzeige im Son­der­heft D der Reihe „Die zeit­ge­mäße Schrift“, erschie­nen 1933 im Ver­lag für Schrift­kunde Heintze & Blanckertz, Ber­lin und Leip­zig, bewarb L&C Hardt­muth den Blei­stift Koh-I-Noor. – Mir gefal­len die Gestal­tung, das unge­wöhn­li­che „M“ und natür­lich die Spitzen.

Vorgestern, ohne Klammern

Dachte ich bis­her, das Hef­ten ohne Klam­mern sei eine ver­gleichs­weise neue Erfin­dung, so haben mich diese bei­den Anzei­gen im Kata­log für Büro-Bedarf von A. Wal­ter Schrei­ber, Leip­zig, aus dem Jahr 1939 eines Bes­se­ren belehrt.

Vorgestern, ohne Klammern

Schon vor über 80 Jah­ren konn­ten der „Mul­ti­fix“ und der „Heftex“ Blät­ter ohne Klam­mern und Draht zusam­men­hal­ten, wobei mich die Schlaufe des letz­te­ren an die erin­nert, die der Hari­n­acs von Kokuyo in das Papier ein­bringt. – Inter­es­sant zu wis­sen wäre natür­lich, wer diese Idee hatte und mit wel­chem Gerät sie erst­mals umge­setzt wurde.

Pentel PG4

Der Pen­tel PG4 ist ein beson­de­rer Druckbleistift.

Pentel PG4

Doch zunächst ein paar his­to­ri­sche Details1. Das japa­ni­sche Unter­neh­men, das 1946 als Dai Nihon Bungu Kabu­s­hiki Kai­sha gegrün­det wurde und sich 1971 den Namen Pen­tel gab, brachte 1960 die Poly­mer­mine2 auf den Markt. Im sel­ben Jahr bot es einen Druck­blei­stift für Minen mit 0,9 mm Durch­mes­ser und spä­ter Modelle für 0,5-mm- und 0,7-mm-Minen an. 1965 kam der Pen­tel Graph auf den Markt, des­sen cha­rak­te­ris­ti­sches Design mit zum Drü­cker hin ver­jüng­tem und ver­schraub­tem End­stück3 1966 mit dem Good Design Award aus­ge­zeich­net wurde. Dem Graph folg­ten erst der Graph II und dann der PG5 im Jahr 1972; letz­te­rer ist heute noch erhält­lich. Zur PG-Reihe gehör­ten auch der PMG (0,3 mm; 1970), der PG7 (0,7 mm; Mitte der 1970er Jahre) und der PG2 (0,2 mm4; 1981)5. 1976 bekam die Reihe unge­wöhn­li­chen Zuwachs: In die­sem Jahr stellte Pen­tel mit dem PG4 den welt­weit ers­ten Druck­blei­stift für 0,4-mm-Minen vor.

Der PG4 ist 14,7 cm lang, 8,5 mm dünn und wiegt gut 9 Gramm; damit gehört er zu den schlan­ken Druck­blei­stif­ten. Neben dem wei­ßen Auf­druck „0.4 mm PG4″6 – hier kurio­ser­weise ohne Her­stel­ler­na­men7 – gibt es zwei 11 × 5 mm große Prä­gun­gen ober­halb der Griff­zone, und zwar „GRAPH PENCIL“ und „PENTEL Japan“; letz­tere ent­hält bei mei­nem Exem­plar zudem die Zahl 14 (wohl ein Pro­duk­ti­ons­code). – Der Schwer­punkt liegt etwa in der Mitte.

Die Gebrauchs­ei­gen­schaf­ten sind sehr gut: Der Pentel-typische Clip sitzt fest8, es klap­pert nichts, die Mine hat im Minen­füh­rungs­röhr­chen kein Spiel und die fei­nen Ringe des 25 mm lan­gen Griff­stücks bie­ten guten Halt. Der Minen­vor­schub ist mit 0,45 mm gering­fü­gig grö­ßer als der Stan­dard (etwa Minen­di­cke bei ein­ma­li­gem Drücken).

Pentel PG4

Der Auf­bau des PG4 (und der ande­ren PG-Modelle) ist bemer­kens­wert auf­wen­dig. Die Mecha­nik mit Minen­re­ser­voir (2) wird durch die auf­ge­schraubte Spitze (3)9 im zwölf­flä­chi­gen Schaft (1) und zusätz­lich durch den ein­ge­schraub­ten Über­wurf (4) gehal­ten. Auf letz­te­rem sitzt die Hülse (5) mit dem Sicht­fens­ter für den Här­te­grad, wobei das ver­schraubte End­stück (7) diese klemmt und den Drü­cker (6) sichert; letz­te­rer hat eine Nadel zum Ent­fer­nen von Minen­res­ten im Minen­füh­rungs­röhr­chen und in der Zwinge. – Das Minen­re­ser­voir hat die ein­ge­prägte Kenn­zeich­nung „5b“ (ver­mut­lich eben­falls ein Produktionscode).

Die größte Beson­der­heit des PG4 ist natür­lich der unüb­li­che Minen­durch­mes­ser von 0,4 mm. Warum Pen­tel die­sen ein­ge­führt hat (und einige andere Her­stel­ler mit­ge­zo­gen sind), weiß ich nicht. Im Gegen­satz zu 0,3/0,5/0,7 mm für das tech­ni­sche Zeich­nen gab es für 0,4 mm10 wohl kei­nen kon­kre­ten Bedarf, und so denke ich, dass man ein­fach etwas neues anbie­ten und sich von den Mit­be­wer­bern abset­zen wollte11. – Ich nutze die­sen Durch­mes­ser gerne. 0,5 mm ist mir inzwi­schen zu dick und 0,3 mm manch­mal zu dünn, und so emp­finde ich 0,4 mm als sehr prak­tisch (ja, das Zehn­tel bemerkt man). Viel­leicht hat ja der eine oder andere bei Pen­tel ähn­lich gedacht …

Der Pen­tel PG4 wurde bis etwa 1996 her­ge­stellt und kos­tete ca. 1000 Yen (knapp 8 Euro); inzwi­schen erzie­len gut erhal­tene Exem­plare Preise von über 100 Euro.

Pentel PG4

Die PG-Reihe im Kata­log des Jah­res 1982 von Pen­tel USA (der PG2 wurde außer­halb Japans nicht angeboten)

Als kleine Bei­gabe eine Über­sicht der noch erhält­li­chen Druck­blei­stifte für 0,4-mm-Minen.

  1. Wie­der­keh­rende Leser wis­sen, dass ich sie zuwei­len gerne damit stra­pa­ziere.
  2. Mehr zur Poly­mer­mine unter „Pen­tel Black Poly­mer 999“.
  3. Die an einen Pin­sel erin­nernde Gestal­tung war beim Pen­tel Mecha­nica (1968) und beim Pen­tel Accu Graph (1979) noch kon­se­quen­ter, denn bei die­sen ver­jüngte sich nicht nur das End­stück, son­dern der ganze Schaft.
  4. Der PG2 war jedoch nicht der erste Druck­blei­stift für 0,2-mm-Minen; diese Ehre gebührt dem Pen­tel PS1042, der 1973 auf den Markt kam.
  5. Einen PG9 für 0,9-mm-Minen gab es nie.
  6. Es gab den PG4 in min­des­tens zwei Vari­an­ten; eine frü­here (die erste?) trug die Kenn­zeich­nung „0.4 m/m PG4“.
  7. Mög­li­cher­weise gab es Unter­schiede bei den Model­len für den ein­hei­mi­schen Markt und den Export.
  8. Im Gegen­satz zum Pen­tel P200 gibt es beim PG4 keine Aus­spa­rung, so dass der Clip nur durch Kraft­schluss gehal­ten wird. Weil ich den Schaft nicht ver­krat­zen wollte, habe ich den Clip für das Foto des zer­leg­ten Stifts nicht abge­nom­men.
  9. Sie ist übri­gens kom­pa­ti­bel zur Spitze des Pen­tel P200, was zu Son­der­an­fer­ti­gun­gen anregt.
  10. Der japa­ni­sche Industrie-Standard JIS S 6005 (Minen für mecha­ni­sche Stifte) macht auch für 0,4-mm-Minen Anga­ben zu Nenn­durch­mes­ser, Tole­ran­zen und Bie­ge­fes­tig­keit.
  11. Erwäh­nens­wert in die­sem Zusam­men­hang sind die Druck­blei­stifte und Minen mit 0,6 mm, die Tom­bow vor eini­gen Jah­ren für die Tür­kei gefer­tigt hat.
  12. Wer den grauen Schaft nicht mag, son­dern einen schwar­zen bevor­zugt, geht wie hier beschrie­ben vor.
  13. Den Pilot S20 gibt es nicht in 0,4 mm, aber er ist leicht selbst gefer­tigt (siehe hier und hier), ebenso der off­zi­ell nicht erhält­li­che S15.

Granate 1939

Wenn es um den als „Gra­nate“ bekann­ten Hand­spit­zer geht, nehme ich alles mit, was ich bekom­men kann. Die­ser Ein­trag im Kata­log für Büro-Bedarf von A. Wal­ter Schrei­ber, Leip­zig, aus dem Jahr 1939 lie­fert zwar keine neuen Erkennt­nisse, sei aber trotz­dem gezeigt.

Granate 1939

Das war’s auch schon für heute. – Der Kata­log ist übri­gens recht unge­wöhn­lich, führt er doch u. a. Aschen­be­cher, Apo­the­ken­schränke und Toi­let­ten­pa­pier­hal­ter (!) auf und damit weit mehr als der Titel ver­mu­ten lässt. Aber diese Dinge gehö­ren ja auch irgend­wie zur Bürotätigkeit.

Der Marskopf

Eines der ältes­ten und bekann­tes­ten Mar­ken­zei­chen für Schreib­wa­ren ist der Marskopf des Nürn­ber­ger Her­stel­lers STAEDTLER. Doch wie kam er auf den Stift?

Der Marskopf

Vier Genera­tio­nen des Marskopfs

Die Geschichte der Mar­ken­zei­chen für Blei­stifte reicht bis zum Anfang des 18. Jahr­hun­derts zurück. Zu die­ser Zeit legte das Rug­samt, die dama­lige Hand­werks­auf­sichts­be­hörde, fest, mit wel­chen Schau­zei­chen die Nürn­ber­ger Blei­stift­ma­cher ihre Pro­dukte ver­se­hen muss­ten. Über diese Schau­zei­chen durf­ten nur die auto­ri­sier­ten Meis­ter ver­fü­gen, und die ord­nungs­ge­mäße Ver­wen­dung wurde über­wacht; so garan­tier­ten die Schau­zei­chen Nürn­ber­ger Qualität.

1874 reichte Lothar von Faber eine Peti­tion zum Schutz des Mar­ken­ar­ti­kels beim Deut­schen Reichs­tag ein, und ein Jahr spä­ter trat ein Gesetz zum Mar­ken­schutz in Kraft. Auch das Unter­neh­men J.S. Staedtler mel­dete sein Waren­zei­chen, den Vier­tel­mond, 1887 beim Amts­ge­richt Nürn­berg an (er stand aber nicht mit den alten Schau­zei­chen in Ver­bin­dung, und woher er kam, ist heute nicht mehr bekannt). 1901 folgte die Ein­tra­gung der Marke „MARS“, die das Unter­neh­men für seine Spit­zen­pro­dukte nutzte. Die Aus­rich­tung an der Spit­zen­marke führte zum Namen STAEDTLER-MARS, doch zu die­sem passte der Halb­mond nicht mehr. Das neue Mar­ken­zei­chen war aller­dings schon da, wenn auch nur zur Zierde.

1908 trug ein Kata­log von J.S. Staedtler einen Kopf mit Helm als schmü­cken­des Ele­ment, und 1912 wurde ein römi­scher Krie­ger­kopf für ähn­li­che Zwe­cke genutzt. 1925 erschien ein Kopf, der wie eine Kom­bi­na­tion der bei­den ers­ten aus­sah und auch als Mar­ken­zei­chen genutzt wurde. Durch sein Auf­tre­ten zusam­men mit der Marke „MARS“ erhielt er den Namen „Marskopf“.

Der Marskopf

Der Marskopf von 1908 bis heute

Nach dem Krieg hatte man große Beden­ken, einen Kriegs­kopf als Mar­ken­zei­chen zu ver­wen­den, doch man ent­schloss sich dazu, ihn bei­zu­be­hal­ten und ihn in den Fir­men­schrift­zug zu integrieren.

Der Nürn­ber­ger Gra­fi­ker Man­fred Wutke schuf 1963 die erste stark ver­ein­fachte und gut ein­präg­same Form des Marskop­fes, der jetzt nur in Kom­bi­na­tion mit dem Namen STAEDTLER erschien und die­sem vor­an­ge­stellt war; 1965 machte man das neue Mar­ken­bild mit einer Image­wer­bung bekannt. Wenig spä­ter ent­schied man, „MARS“ und den Marskopf aus­schließ­lich für die Pro­dukte des tech­ni­schen Zeich­nens zu nut­zen. 1973 erfuhr der Marskopf eine wei­tere Über­ar­bei­tung, eben­falls durch Man­fred Wutke, und 2001 bekam er seine noch heute genutzte Gestalt.

Danke an STAEDTLER für die Über­sicht der Marskopf-Varianten und die Details!

100 Jahre DIN 476

Heute vor 100 Jah­ren wurde die DIN 476 ver­öf­fent­licht und damit die Grund­lage für unser Papierformat-System geschaffen.

100 Jahre DIN 476

Die Grund­sätze nach DIN 476: Benach­barte For­mate gehen durch Hal­bie­ren oder Ver­dop­peln aus­ein­an­der her­vor (links) und alle For­mate haben das glei­che Sei­ten­ver­hält­nis (1:√2, rechts); das Aus­gangs­for­mat der A-Reihe (A0) hat eine Flä­che von 1 m2.

Die Geschichte der Papier­for­mate (nicht nur nach DIN) wurde schon sehr oft behan­delt, so dass ich dies nicht auch noch tun möchte. Statt­des­sen emp­fehle ich zwei Bücher:

Als kleine his­to­ri­sche Bei­gabe gibt’s eine Über­sicht der Anwen­dun­gen der A-Reihe aus dem „Hand­buch für Papier und Büro­be­darf“ von Dipl.-Hdl. F. K. Reckert, erschie­nen 1949 im Max Schwabe Verlag.

100 Jahre DIN 476

Mit der ISO 216 vom Juni 1975 wur­den die For­mat­rei­hen A und B der DIN 476 zum inter­na­tio­na­len Stan­dard; ledig­lich in den USA und in Kanada1 wer­den sie nicht verwendet.

  1. Hier bin ich mir nicht sicher, da ich wider­sprüch­li­che Infor­ma­tio­nen gefun­den habe.

Kurz notiert

  • Unter dem Titel „Gra­pho­gra­phy“ ist bereits im März 2020 ein sehr anspre­chen­des Web­log an den Start gegan­gen, das sich haupt­säch­lich mit his­to­ri­schen Zei­chen­ge­rä­ten befasst. Dar­auf auf­merk­sam gewor­den bin ich durch den Bei­trag zum STAEDTLER Gali­leo, in dem auf meine Vor­stel­lung die­ses Zir­kels ver­wie­sen wurde. Ich werde die­ses Web­log gespannt verfolgen!
  • Was man aus einem Blei­stift auch machen kann, zeigt die­ses Video. – Danke an Wow­ter für den Hinweis!
  • Auf die stra­pa­ziöse Arbeits­welt Japans spie­len die von dem japa­ni­schen Desi­gner Ishi­kawa Kazuya gestal­te­ten Radie­rer an. Ist die Haar­pracht der Radier­fi­gu­ren zu Beginn noch voll­stän­dig, so ver­schwin­det sie mit zuneh­men­dem Ein­satz, bis ledig­lich ein Haar­kranz übrig bleibt. Die Radie­rer sind in der Ent­wurfs­phase und noch nicht erhältlich.
  • The Pen Addict hat den neuen Blei­stift Mitsu­bi­shi 9800VB vor­ge­stellt, der sich durch einen anti­mi­kro­biel­len Lack auszeichnet.
  • Auf Red­dit ver­weist KovarD auf einen Tweet von 50&Co., in dem es hieß, Rot­ring hätte beim Druck­blei­stift 800 von Mes­sing auf Alu­mi­nium umge­stellt. Ein mög­li­cher Grund könnte die RoHS-Richtlinie sein, denn Mes­sing ent­hält zur bes­se­ren Bear­beit­bar­keit eine kleine Menge Blei; viel­leicht war die­ser Anteil bei dem im Rot­ring 800 ver­wen­de­ten Mes­sing grö­ßer als zuläs­sig. Eine Bestä­ti­gung dafür konnte ich jedoch noch nicht finden.
  • Eine unschätz­bare Hilfe bei der Iden­ti­fi­zie­rung und Datie­rung von Druck­blei­stif­ten des japa­ni­schen Her­stel­lers Pen­tel ist das „Pen­tel Pen­cils Iden­ti­fi­ca­tion Book“ auf Nimrodd’s Blog, das auf weit über 400 Sei­ten unzäh­lige Abbil­dun­gen, tech­ni­sche Infor­ma­tio­nen, Datums­an­ga­ben und wei­tere inter­es­sante Details bie­tet und sicher nicht nur für Samm­ler inter­es­sant ist. Danke an Jimmy Simp­son für die­ses Buch!

Nach­trag vom 25.7.22:

  • Jona­than A. Veley, Samm­ler von mecha­ni­schen Blei­stif­ten US-amerikanischer Her­stel­ler und Autor meh­re­rer Bücher, hat das auf­ge­kauft, was vom tra­di­ti­ons­rei­chen Unter­neh­men Auto­point noch übrig war. Unter „So, my dad owns a pen­cil com­pany now“ erzählt seine Toch­ter Hea­ther Veley, wie es dazu kam, und lie­fert wei­tere bemer­kens­werte Details.
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