Archiv des Stichworts „Museum”

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Doppeldruck

Sonntag, 14. April 2019

Vor einiger Zeit habe ich den Pilot Holder gezeigt und mich später gefragt, woher die Idee zur Doppeldruckmechanik dieses Druckbleistifts stammt. Es sieht so aus1, als ginge diese Me­chanik, die auch in anderen Stiften2 zum Einsatz kam, auf eine Erfindung von Yukio Horie zurück, dem Gründer der Dai Nihon Bungu Kabushiki Kaisha, später Pentel.

Doppeldruck

Das älteste Dokument, das ich finden konnte, stammt aus dem Jahr 1971, verweist auf ein in Japan eingetragenes Patent von 1968 und hat den Titel „Mechanischer Druckstift” (DE1966095A1). In diesem heißt es u. a.:

Mechanischer Druckstift, nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die zweite Feder (16) eine geringere Federspannung als die erste Feder (8) aufweist, so daß das innere Gehäuse (5) zunächst ausserhalb der vorderen Endöffnung der Buchse (3) bewegt wird und dann eine Mine durch das Führungsrohr (2) gedrückt wird.

Doppeldruck

Zwei weitere Patente, nämlich „Mechanical Pencil” (GB1272835) aus dem Jahr 1972 und „Push-Type Mechanical Pencil” (US3713745) von 1973 beziehen sich ebenfalls auf das aus Japan3. Das amerikanische beschreibt:

A pushing force applied to an end cap of a push-type mechanical pencil com­presses initially a first spring to expose a guide tube at the tip of an inner casing to the outside of a barrel. Then, the stronger pushing force applied successively to the end cap compresses a second spring to eject a lead through the guide tube by means of a lead ejecting means.

(Da hier von „guide tube” die Rede ist, dachte ich zunächst, es ginge um ein gleitendes Führungsröhrchen.)

Am selben Tag, nämlich am 29. Mai 1968, wurde ein weiteres Patent von Yukio Horie ein­gereicht, das im Jahr darauf zum Pentel Mechanica führte, doch zu diesem bei anderer Gelegenheit mehr.

  1. Ja, ich bin hier sehr vorsichtig, denn ich habe keine Bestätigung durch einen Hersteller.
  2. Darunter Mitsubishi W-Knock, Pentel PSD5, Schwan Stabilo microtom 3365 und STAEDTLER retro.
  3. Genaugenommen sind es zwei, und zwar JP19680036098 (29.5.1968) und JP19680048681 (11.7.1968).

Pilot Murex

Samstag, 6. April 2019

Pilot Murex

Der Füllhalter Murex (genauer: MYU-REX1) des japanischen Herstellers Pilot kam 1977 als Nachfolger des 1971 eingeführten MYU 7012 auf den Markt. Ebenso wie dieser hatte der Murex eine in das Griffstück integrierte Feder, d. h. Griff und Feder wurden aus demselben Stück Stahl gefertigt3. Sowohl den MYU als auch den Murex gab es in unterschiedlichen Varianten, und 2008 wurde mit dem M90 eine limitierte und leicht veränderte Neuaflage des MYU herausgebracht.

Pilot Murex

Das „Space Age”-Design des Pilot Murex spricht mich sehr an, und so bin ich froh, einen zu haben, und obwohl seine F-Feder4 nicht ganz so leicht gleitet wie die vieler anderer Füller von Pilot, benutze ich ihn gerne. – Mehr unter „The Legendary Pilot Murex”.

  1. Modellbezeichnung MR-500SS.
  2. Modellbezeichnung M-350SS.
  3. Der erste Füllhalter dieser Art war der Parker T-1 von 1970, doch dessen Produktion wurde nach nur einem Jahr eingestellt.
  4. Er war auch mit M-Feder erhältlich.

Kurz notiert

Donnerstag, 3. Januar 2019
  • Kein alltäglicher Fund: Ein alter Katalog von J.S. Staedtler USA bei archive.org, wohl von etwa 1930. – Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis!
  • Neu in der Welt der Schreibgeräte-Blogs ist das Pen Museum, das sich Füllhaltern, Ku­gelschreibern und einigem mehr widmen will und in den ersten Beiträgen detailliert auf ältere Druckbleistifte wie z. B. den Pentel Mechanica eingegangen ist. Ich werde es gespannt verfolgen! – Nicht so gut finde ich jedoch, dass das Foto im ersten Beitrag aus einer Auktion bei Yahoo Japan stammt, aber die Quellenangabe fehlt.
  • Heute wurde die Gebrauchsmusterschrift „Stift” von Faber-Castell veröffentlicht (DPMA, Espacenet). Beschrieben ist die Gestaltung eines Stiftschafts mit noppenförmigen Vor­sprüngen und/oder napfförmigen Vertiefungen, die sich aus mehreren Facettenflächen zusammensetzen, wobei diese Flächen aufgrund ihrer Beschichtung eine höhere Licht­reflexion und/oder -beugung aufweisen als die übrige Schaftfläche. Diese Flächen, die auch konkav oder konvex sein können, lassen sich z. B. mit einem Prägestempel anbrin­gen und erlauben eine Vielzahl optischer Effekte. – Mich erinnert die Beschreibung an den 2013 vorgestellten Bleistift „Sparkle”.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

Freitag, 24. August 2018

Der IBM Electrographic ist wohl der bekannteste Bleistift für das maschinenlesbare Markie­ren, aber es gab noch andere1. Einer davon ist der Mars Impulsograph2 108 70 von STAEDTLER.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Er wurde im Juli 1959 unter Artikelnummer 2870 eingeführt und als Spezialstift zum Be­schriften von Lochkarten im Zeichenlochverfahren angeboten. Parallel dazu gab es Minen dieser Art, und zwar im 6er- und im 12er-Set (Art.-Nr. 8390 und 8392). Mit der Einführung des neuen Nummernsystems im Jahr 1967 erhielt der Mars Impulsograph die Nummer 108 70. Er blieb noch bis Ende der 1970er Jahre in den Katalogen und verschwand dann aus dem Sortiment3.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

Der Mars Impulsograph hat den klassischen Mars-blauen Lack und Standardabmessungen, aber eine 2,5 mm dicke Mine. Außer den üblichen Details trägt er die Kennzeichnung „FOR MARKSENSING – FÜR ZEICHENLOCHUNG”; eine Blindprägung kann ich nicht finden. Ein in meinen Augen sehr reizvolles Detail sind die beiden Punkte auf allen sechs Flächen (ich ver­mute, sie beziehen sich auf die Kartenlochung4).

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

Die weißen Käppchen haben feine Risse, und ebenso wie die Schäfte mancher Exemplare zeigen sie leichte und vermutlich durch unsachgemäße Lagerung bedingte Verfärbungen. Bei drei Stiften ist der Lack entlang der Trennlinie dunkel gefärbt; möglicherweise ist der Leim5 ausgetreten und hat mit dem Lack reagiert.

Exkurs: Zeichenlochung

Die erste Maschine, die Bleistift-Markierungen anhand ihrer Leitfähigkeit erkannte, war die IBM 805 Test Scoring Machine aus dem Jahr 1937. Für dieses unter dem Markennamen „Mark Sense” eingetragene Verfahren wurden später Elektrografik-Bleistifte und Elektro­grafik-Tinte für Füllhalter angeboten.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

Markieren und Lesen (Quelle: Automatic Punches General Information Manual; IBM 1959)

Bei der Zeichenlochung wurden die auf der Lochkarte vorgenommenen Markierungen ab­getastet und die dabei entstehenden Ströme verstärkt, um den Lochvorgang auszulösen. Auch dieses Verfahren wurde von IBM er­dacht und erstmals in den 1940er Jahren mit dem IBM 513 Reproducing Punch (Kartendoppler) umgesetzt.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

IBM 513 (Quelle: IBM Electric Punched Card Accounting Machines – Principles Of Operation; IBM 1952)

Die Vorteile der Zeichenlochung bestanden darin, dass die Lochkarte mit den Markierungen zum Originalbeleg wurde und alle weiteren Arbeitsgänge automatisch durchgeführt wer­den konnten; so ließen sich auch Fehler minimieren. Zudem konnten die Lochkarten de­zentral erstellt werden. – Zurück zum Mars Impulsograph.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

Der subjektive Härtegrad der Mine entspricht etwa 3B des STAEDTLER Mars Lumograph6. Sie gleitet jedoch nicht ganz so leicht, was auf einen geringeren Wach­santeil schließen lassen könnte (was nicht verwundern würde, vermindert das Wachs doch die benötigte Leitfähigkeit des Abstrichs). Die Gebrauchseigenschaften des Mars Impulsograph erfreuen: Abgabe, Schwärzung, Radierbarkeit, Wischfestigkeit und Bruchfestigkeit sind gut bis sehr gut, und im Pollux, der gerne die Schwächen eines Bleistifts offenlegt, machen Mine und Zedernholz eine gute Figur.

STAEDTLER Mars Impulsograph 108 70

Mit dem Möbius+Ruppert Pollux

Die Lochkarte ist verschwunden und damit auch die Aufgabe des STAEDTLER Mars Im­pulsograph, doch die Qualitäten dieses Bleistifts beeindrucken heute noch!

  1. Andere waren der Dixon Sense-A-Mark, der Faber-Castell 9000 E Special und der FILA Electro­graphic 203 (vermutlich gab es noch mehr). – Die neueren Bleistifte für das maschinelle Lesen wie z. B. der General's Test Scoring 580, der Musgrave Test Scoring 100, der Stabilo Exam Grade sowie die „Mark Sheet”-Bleistifte von Mitsubishi und Tombow arbeiten anders, denn ihr Abstrich wird nicht über die Leitfähigkeit, sondern anhand des Reflexionsgrades oder der Licht­durchlässigkeit erkannt (Optical Mark Recognition, OMR).
  2. Eigentlich MARS-IMPULSOGRAPH, aber im Interesse der besseren Lesbarkeit wähle ich hier die Gemischtschreibung und lasse den Bindestrich weg.
  3. Danke an STAEDTLER für diese Details.
  4. Die Löcher in den Lochkarten waren jedoch meist rechteckig.
  5. Bei der hier genutzten Sicherheitsverleimung (gekennzeichnet durch das von zwei Trapezen eingeschlossene „S”) kamen zwei unterschiedliche Leime (Holz/Holz und Holz/Mine) zum Einsatz, was die Bruchfestigkeit der Mine im Holz erheblich verbesserte.
  6. Der Mars Impulsograph ist geringfügig weicher als der IBM Electrographic.

“UNIVERSAL” №2

Dienstag, 21. August 2018

“UNIVERSAL” №2

Ich weiß nicht, woher diese Halbstifte stammen und wie alt sie sind, aber ihr Name gefällt mir einfach zu gut, als dass ich sie in der Schublade verschwinden lasse, ohne sie hier zu zeigen.

Fundstück

Freitag, 27. Juli 2018

Beim Sichten noch unsortierter Dinge fiel mir kürzlich dieses Etui in die Hände.

Fundstück

Es ist 12 × 17 cm groß aus Kunstleder gefertigt.

Fundstück

Neben dem Taschenrechenstab Aristo Rietz 89 mit vierseitiger Anleitung und Hinweisen zu Reinigung und Aufbewahrung enthält es ein Bündel länglicher Notizzettel mit Banderole so­wie den Fallminenstift Faber-Castell TK 9500.

Fundstück

Das Etui trägt keine Kennzeichnungen, doch dem Inhalt nach könnte es von Aristo und aus den späten 1970er Jahren stammen. Gut möglich, dass der Fallminenstift ursprünglich nicht dabei war und vom Vorbesitzer stammt.

Fundstück

Ich vermute, dass man dieses Etui Technikern und Ingenieuren angedient hat.

Nachtrag vom 9.8.18: Aristo hat die Produktion der Rechenschieber 1979 eingestellt (Quelle: Rechnerlexikon: Aristo). Das Etui dürfte damit knapp 40 Jahre oder älter sein.

Stabilograph 8-5C

Dienstag, 24. Juli 2018

Da ich Bedienungsanleitungen und technische Illustrationen mag, heute ein rascher Blick auf den Druckbleistift Stabilograph 8-5C1 von Schwan-STABILO aus den 1970er Jahren und dessen Faltblatt.

Stabilograph 8-5C

Stabilograph 8-5C

Unnötig zu sagen, dass mir das Faltblatt sehr gut gefällt.

Stabilograph 8-5C

Stabilograph 8-5C

Stabilograph 8-5C

Das war's auch schon.

  1. genauer: STABILOGRAPH  8-5C.

Pentel Mechanica Graph

Sonntag, 22. Juli 2018

Pentel Mechanica Graph

Der Druckbleistift Mechanica Graph des japanischen Herstellers Pentel kam um 1970 auf den Markt und war der erste mit einer Kappe zum Schutz des Minenführungsröhrchens.

Pentel Mechanica Graph

Diese Kappe konnte bei Gebrauch des Stifts umgesteckt werden, und da sie an beiden En­den offen war, ließ sich der Drücker auch mit umgestecker Kappe betätigen.

Pentel Mechanica Graph

Die Variante für den japanischen Markt hatte einen roten Härtegradindikator und die für den Export einen goldfarbenen; letztere wurde zudem mit einem dreisprachigen Faltblatt ausgeliefert.

Pentel Mechanica Graph

Faltblatt zum Pentel Mechanica Graph (Ausschnitt)

Die Schutzkappe des Mechanica Graph, der später PMG hieß, geht wohl auf die heraus­drehbare des Pentel Mechanica (ohne „Graph”) von 1968 zurück; zu diesem bei Gelegen­heit mehr. – Der PMG im Katalog des Jahres 1982 von Pentel USA:

Pentel Mechanica Graph

Zu den Druckbleistiften der Serie Mechanica Graph gehörte noch der 1981 eingeführte, aber nur in Japan erhältliche PG2 für 0,2-mm-Minen. – Soweit ich weiß, hat Pentel den PMG vor etwa zehn Jahren aus dem Sortiment genommen.

Nachtrag vom 7.8.18: Vier der fünf PMG-Modelle gab es auch zusammen mit den pas­senden Minen im Pentel Designer System IV (PMDS-4).

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