Archiv des Stichworts „Museum”

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J.S. STAEDTLER LUNA 6315

Freitag, 5. Januar 2018

Aus einem Konvolut alter Stifte von J.S. STAEDTLER: Der Bleistift LUNA 63151.

J.S. STAEDTLER LUNA 6315

Das Besondere an diesem Bleistift ist sein wellenförmiges Dekor aus drei breiten und drei schmalen Streifen. Es sieht nicht so aus, als wäre eine Schablone wie z. B. beim Bajazzo verwendet worden; vielmehr machen die Streifen den Eindruck, als hät­te man sie mit einem Pinsel aufgetragen.

J.S. STAEDTLER LUNA 6315

Das genaue Alter des LUNA 6315 kenne ich nicht, aber auf einem Etikett neben diesem Stift in der Vertretermappe, die das Konvolut beherbergt, steht „1948″. – Die Wort-Bild­marke „LUNA” wurde 1914 eingetragen; meines Wissens wird sie nur noch von STAEDT­LER Japan für den Druckbleistift LUNA 7612 und von STAEDTLER Malaysia genutzt.

J.S. STAEDTLER LUNA 6315

Die Jahrzehnte hat der LUNA 6315 gut überstanden. Der Lack und die Tauchkappe sind bis auf kleine, wohl durch die Lagerung bedingte Oberflächenschäden in gutem Zustand und die Verleimung ist intakt. Die Mine ist subjektiv etwa so hart wie die des STAEDTLER Mars Lumograph F und schreibt glatt und sauber.

J.S. STAEDTLER LUNA 6315

Unnötig zu sagen, dass mir dieser Bleistift sehr gut gefällt. Das Dekor, der mit dem Ring korrespondierende goldfarbene Prägedruck, der Viertelmond2, die geschmackvolle Typo­grafie (man beachte den ungewöhnlichen Querstrich des „A”), die lange Tauchkappe – das alles finde ich sehr gelungen.

  1. Im Interesse der besseren Lesbarkeit lasse ich die Anführungszeichen weg. – Ich wüsste zu gerne, warum man damals den Produktnamen oft in Anführungszeichen einge­schlossen hat.
  2. Soweit ich weiß, ist der Viertelmond das älteste Warenzeichen von STAEDTLER, denn es wurde bereits 1887 angemeldet (genutzt hat man es bis in die 1950er Jahre hinein).

„Weit muß die Mine aus dem Holz ragen”

Sonntag, 31. Dezember 2017

Aus „Technisches Zeichnen im Technik-Unterricht” von Ulrich Lange (Verlag Julius Klink­hardt, 1975):

„Weit muß die Mine aus dem Holz ragen”

Diese Anforderung erfülle ich gerne.

„Weit muß die Mine aus dem Holz ragen”

So wird's gemacht

Freitag, 29. Dezember 2017

Aus „A Textbook on Ornamental Design. Geometrical Drawing, Freehand Drawing, Historic Ornament” (1901):

So wird's gemacht

The pencil should be sharpened as shown at A, Fig. 14. Cut the wood away as to leave about ½ or ⅜ of an inch of the lead projecting; then sharpen it flat by rubbing it against a fine file or a piece of fine emery cloth or sandpaper that has been fastened to a flat stick. Grind it to a sharp edge like a knife blade, and round the corners very slightly, as shown in the figure. If sharpened to a round point, as shown in B, the point will wear away very quickly and make broad lines; when so sharpened it is difficult to draw a line exactly through a point. The lead for the compasses should be sharpened in the same manner as the penciil, but should have its width narrower. Be sure that the compass lead is so secured that, when circles are struck in either direction, but one line will be drawn with the same radius and center.

Faber-Castell Magicus

Samstag, 18. November 2017

Kaum bekannt und mit langer Geschichte: Der Magicus von Faber-Castell.

Faber-Castell Magicus

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Mit seinem anthrazitfarbenen Schaft, der dunkelgrauen Tauchkappe und dem silbernen Prägedruck gibt der als Wirtestift angebotene Magicus eine elegante Erscheinung ab, und er passt gut zu der oft in Schwarz, Grau und Weiß gehaltenen Berufsbekleidung der Gas­tronomie.

Faber-Castell Magicus

Seine Kennzeichnung ist schlicht: Neben den üblichen Angaben1 trägt das Zeichen für das Securalverfahren, eine Blindprägung (hier: „h7″2) und „GERMANY”. Letzteres lässt mich vermuten, dass der Magicus nicht in Deutschland gefertigt wird, denn ansonsten würde ich wie beim hierzulande hergestellten Faber-Castell 9000 „Made in Germany” erwarten. – Ab­gesehen von den nicht ganz geraden Kanten der Tauchkappen ist die Verarbeitungs­qualität sehr gut. Farbe und Maserung des Holzes sowie die sehr gute Spitzbarkeit des Magicus sprechen für Weihrauch-Zeder.

Faber-Castell Magicus

Die Mine ist 3,2 mm dick und hat eine subjektive Härte, die der des STAEDTLER Mars Lumograph 3B entspricht. Sie schreibt etwas wachsig und gleitet dadurch nicht ganz so leicht, doch ihre Abgabe ist sauber. Der Magicus wird damit beworben, dass er auf fast allen glatten und auch nassen Oberflächen schreibt, und das kann ich nach ein paar schnel­len Tests bestätigen.

Faber-Castell Magicus

Die Schwärzung des Magicus auf Papier ist etwa wie bei einem Bleistift in HB bis B, doch sein Strich glänzt weniger, ist wischfester und lässt sich schlechter radieren. Die Mine ist allerdings nicht allzu bruchfest und schreibt sich auf nassem Papier schnell ab.

Faber-Castell Magicus

Die ältesten Belege zum damals „Schwarzstift unverwischlich” genannten Spezialstift finden sich in einem Rezeptbuch von A.W. Faber aus der Zeit von 1881–1890, das auch Wahlblei­stifte für London aufführt. 1921 wurde die Marke „Magicus” eingetragen, und im Waren­katalog3 dieses Jahres präsentierte man den verbesserten „Magicus”-Schwarzstift.

Faber-Castell Magicus

Warenkatalog von A.W. Faber (1921)

Der in drei Versionen und sechs Härtegraden erhältliche Magicus wurde als „Ersatz für Tinte und Feder als Schreibstift und auch als Durchschreibstift für Briefe, Listen, Tabellen, No­tizbücher, Unterschriften, sowie als Markierstift z. B. für Straßenbahn-Fahrscheine” bewor­ben. Besonders hervorgehoben wurde seine Glanzlosigkeit, die seinen Strich selbst unter schwierigen Lichtverhältnissen, z. B. bei Lampenlicht im Bahnpostwagen, gut lesbar macht. Auch für das Schreiben auf glattem Papier, glänzenden Karton, Holz, Leder und Textilien war er geeignet.

Faber-Castell Magicus

Warenkatalog von A.W. Faber (1921)

Im Warenkatalog von 1927–30 fällt auf, dass der Magicus in Portefeuillestärke nicht mehr angeboten und der dicke Magicus 2858 mit einer Mine mit quadratischem Querschnitt dar­gestellt wird. Mit Gärtnern wird eine weitere Nutzergruppe genannt; Wirte sind noch nicht dabei.

Faber-Castell Magicus

Prospekt von A.W. Faber (1927–30)

Ende der 1950er Jahre wurde das Magicus-Sortiment um einen Fallminenstift erweitert; der holzgefasste Magicus hatte schon davor eine andere Gestaltung erhalten.

Faber-Castell Magicus

Warenkatalog von Faber-Castell (um 1960)

Mit dem CASTELL 9120 gab es jetzt nur noch einen Magicus-Bleistift. Die 3,15 mm dicken Minen für den Fallminenstift TK 9400 Magicus waren in Schwarz, Rot, Blau und Gelb erhält­lich und schrieben auf Papier, Glas, Porzellan, Metall und Kunststoff. 1961 wurde zudem ein Magicus-Kugelschreiber zum Schreiben auf glatten, nicht fetthaltigen Flächen angeboten, und Ende der 1960er Jahre kamen rote Magicus-Kreiden mit Papierummantelung auf den Markt.

1979 wurde erstmals die Gastronomie erwähnt, doch die Bezeichnung „Gaststättenstift” war nur auf der Verpackung des etwa 20 Jahre zuvor eingeführten 9120 zu finden und nicht auf dem Stift.

Faber-Castell Magicus

Warenkatalog von Faber-Castell (1979)

Wann der Magicus erneut umgestaltet und zum Wirtestift wurde, konnte ich noch nicht herausfinden. – Auf den Magicus bin ich durch Zufall aufmerksam geworden; für sechs Stifte habe ich bei Papiertiger Berlin knapp 10 Euro bezahlt.

Danke an Faber-Castell für die Details zur Geschichte des Magicus und die Scans!

Nachtrag vom 1.12.17: Ein Leser hat mir mitgeteilt, dass es auf der Kartonverpackung des Magicus „Made in Germany” heißt, der Stift also in Deutschland hergestellt wird.

  1. In der GTIN enthalten: Die Faber-Castell-Artikelnummer 215100.
  2. August 2017?
  3. In der Ich-Form schreibt hier Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen, später Alexander Graf von Faber-Castell, der damals das Unternehmen A.W. Faber leitete und 1905 den Bleistift Faber-Castell 9000 herausgebracht hat. – Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hin­weis!

„Bleistiftspitz-Vorrichtungen”

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Der Bleistift braucht eine Spitze, und die machte man lange mit dem Messer. So ersannen findige Köpfe bereits vor 200 Jahren aufwändige „Bleistiftspitz-Vorrichtungen”, die das Spit­zen erleichtern sollten1, und genauso sperrig wie die Bezeichnung muten heute diese Apparate an.

In dem Buch „Bleistifte, Farbstifte, farbige Kreiden und Pastellstifte, Aquarell­farben, Tusche und ihre Herstellung nach bewährten Verfahren”, erschienen 1904 in A. Hartleben's Ver­lag2, beschreibt August Buchwald einige dieser Kontruktionen3. Eine arbeitete mit zwei unterschiedlichen Feilen und einer Federmesserklinge im Holzgehäuse, und in einer anderen drückte eine Feder den Bleistift auf eine Feile, wobei die Federkraft mittels eines über ei­nen Knopf gewickelten Bindfadens geregelt wurde.

„Bleistiftspitz-Vorrichtungen”

Die „Bleistiftschärfmaschine” Jupiter, patentiert 1896 und hergestellt von Guhl & Harbeck in Hamburg, war dem Autor offenbar besonders wichtig, denn ihr widmete er über zwei Sei­ten. – Buchwald erwähnt kurz die damals neuen „hütchenförmigen” Bleistiftspitzer aus Me­tall, bemängelt aber, dass sie ihren Zweck durch die meist ungleichmäßige Bewegung der Hand nicht erfüllen und sich die Schneidfläche des „Messerchens” schnell abnutzen würde.

Der Griff zum allgegenwärtigen Handspitzer aus Messing, Magnesium oder Kunststoff ist schon lange selbstverständlich, und so ist es heute wohl nur schwer vorstellbar, dass man mal mit dem stumpfen Bleistift losgezogen ist und eine dieser Maschinen in Gang gesetzt hat4.

  1. Der kegelförmig gebohrte Spitzer, Urform unserer heutigen Handspitzer, wurde zwar schon 1852 erdacht, doch es sollte noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis er weite Verbreitung fand.
  2. Es gilt als das erste deutschsprachige Buch, dass diese Themen ausführlich behandelte.
  3. Buchwald betont auch die Notwendigkeit einer „feinen, wirklich konischen Spitze” für die Nutzung des Bleistifts mit dem Pantograph.
  4. Das Aufkommen des Handspitzers hatte jedoch nicht zur Folge, dass diese Maschinen ver­schwanden, wie die noch in den 1940er erhältliche IDUNA-2 der Idea-Maschinenfabrik von Hans Michaelis aus Leipzig belegt.

Granate 1892

Dienstag, 26. September 2017

Das US-amerikanische Design-Patent1 Nr. 21864 vom September 1892 beschreibt eine Va­riante des als „Granate” bekannten Handspitzers.

Granate 1892

Hat die „Granate” auch heute noch vier Rändelungen2, damit man sie gut greifen kann, ist der im Patent gezeigte Spitzer mit vier Ringen aus jeweils acht Flächen versehen. Interes­santerweise hebt Stephen A. Davis, der Inhaber des Patents, hervor, dass die Vertiefung für das Messer nicht Bestandteil seines Designs ist. – Offen bleibt, ob dieser Spitzer tat­sächlich produziert wurde oder es bei dem Design-Patent blieb.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf dieses Patent!

  1. Vergleichbar mit dem Geschmacksmuster in Deutschland.
  2. Die Ausführungen für Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm (z. B. diese) haben nur drei Rändelungen.

Stiftablage des Monats

Freitag, 1. September 2017

Die Stiftablage des Monats September finde ich recht ungewöhnlich.

Stiftablage des Monats

Das 35 cm lange, 850 g schwere und aus Keramik gefertigte Utensil hat die Form eines Füllers.

Stiftablage des Monats

Füllung fürs Foto: Pentel Black Polymer 999 H und Pilot 78G.

Mit nur 16 cm ist das längste Fach ziemlich kurz, und so ist dieses Zubehör eher dekorativ als funktionell. War es vielleicht eher für den Laden- als für den Schreibtisch gedacht?

Stiftablage des Monats

Der Clip in Pfeilform verrät die Herkunft, nämlich Parker; gefertigt wurde die Ablage von der Silver Crane Company.

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Feine Feder

Sonntag, 13. August 2017

Als frischgebackener Füllhalter-Nutzer1 bin ich schnell ein Freund feiner Federn geworden. Nicht nur aus diesem Grund fiel mir diese Anzeige für den Pelikano von Pelikan in der Publi­kation „Schrift und Schreiben”, herausgegeben von den Pelikan-Werken in Hannover, auf2.

Feine Feder

Wie fein die EF des Pelikano war, weiß ich nicht, doch ich nehme an, dass sie breiter war als die EF des Pilot Penmanship. Letztere gefällt mir so gut, dass ich sie in den Pilot Prera eingesetzt habe3, denn diesen gibt es nur in F und M.

Feine Feder

Das Schreiben mit dieser Feder ist gewöhnungsbedürftig, da sie nicht nur sehr sensibel auf die Eigenheiten des Papiers reagiert (was einen zudem so manches entdecken lässt), son­dern zum vergleichsweise langsamen Schreiben mit möglichst wenig Druck zwingt. Doch das hat seinen Reiz! – Zurzeit benutze ich im Prera die Aurora Black.

  1. Nein, ich werde dem Bleistift nicht untreu.
  2. Eine Jahresangabe konnte ich nicht finden, aber ich tippe auf die frühen 1960er Jahre.
  3. Dies geht problemlos, weil die Federn und die Tintenleiter fast aller günstigen Füller von Pilot kompatibel und gesteckt sind.

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