Farbstifte

Kurz notiert

  • Die drei vor eini­gen Jah­ren hin­zu­ge­kom­me­nen Farb­va­ri­an­ten des Druck­blei­stifts Pilot S20 sind jetzt auch für 0,3-mm-Minen erhält­lich. Damit wer­den Modi­fi­ka­tio­nen wie der S15/0.3 ein­fa­cher und der S20/0.3 unnötig.
  • Die neuen Fein­mi­nen von uni/Mitsubishi sol­len wisch­fes­ter und Text­mar­kern gegen­über wider­stands­fä­hi­ger sein. Sie sind ab März in den Durch­mes­sern 0,3 mm und 0,5 mm sowie den Här­te­gra­den HB, B und 2B erhält­lich; wei­tere Vari­an­ten sol­len folgen.
  • Das kürz­lich ver­öf­fent­lichte Gebrauchs­mus­ter „Mine für Schreib-, Zeichen- und/oder Mal­ge­räte“ von STAEDTLER beschreibt eine Mine mit dem Bin­de­mit­tel Hydro­xy­pro­pyl­cel­lu­lose (HPC). Im Gegen­satz zu ande­ren Cel­lu­lo­se­de­ri­va­ten ermög­licht HPC die Her­stel­lung von Farb- und Gra­phit­mi­nen in nur einem Arbeits­schritt; zudem sind diese Minen was­ser­ver­mal­bar. Kommt jetzt der aqua­rel­lier­bare Noris eco?
  • Wohl schon län­ger online, aber für mich neu: Die Geschichte des Blei­stifts Mitsu­bi­shi Hi-uni.

Kurz notiert

  1. Das gezeigte Exem­plar der „Alvin-Granate“ (gekauft vor gut zehn Jah­ren) trägt im Gegen­satz zu dem hier erhält­li­chen am ver­jüng­ten Ende die Kenn­zeich­nung „GERMANY“.

„Ein paar Buntstifte“

Schreib­wa­ren sind in der ZDF-Sendereihe „Bares für Rares“ nur sel­ten zu sehen, doch Ende August gab es eine Besonderheit.

„Ein paar Buntstifte”

Mit „Ich habe heute ein paar Bunt­stifte dabei“ trat ein Gast zunächst vor den Exper­ten und dann vor die fünf Händ­ler, um ein wohl gut 100 Jahre altes und unbe­nutz­tes Set Kro­kierstifte von Johann Faber anzu­bie­ten. Der Kauf­be­trag lag zum Schluss weit über der Schät­zung des Exper­ten, war aber mei­ner Ansicht nach immer noch recht nied­rig. – Der Aus­schnitt ist hier1 zu sehen.

Danke an den unbe­kann­ten Leser, der mich über das Kon­takt­for­mu­lar dar­auf hin­ge­wie­sen hat!

  1. Der Titel ist jedoch irre­füh­rend.

Graphit und Rot

Neben den Rot-Blau-Stiften gab und gibt es auch Stifte, die eine Graphit- und eine rote Mine kombinieren.

Graphit und Rot

(zum Ver­grö­ßern anklicken)

Mir bekannt sind:

Der Ursprung die­ses Stifts liegt bemer­kens­wert weit zurück, doch dazu und zu einem be­sonderen Ver­wen­dungs­zweck dem­nächst mehr.

Danke an Ste­phen für den Natio­nal Pen­cil Quote Re. № 2, Mat­thias für den Luise Fili Per­fetto № 2, Özgür für den Pensan Dual Pen­cil und Guil­lermo für die Graphit-Rot-Stifte aus Mexiko!

  1. Nicht mehr erhält­lich.

Rot und Blau

Wann kam der Rot-Blau-Stift in die Welt? Im Jahr 1869 schrieb Lothar von Faber rück­blickend in einem Brief an sei­nen Bru­der Eber­hard Faber in New York:

Bei den Farb­stif­ten kam ich auf die Idee, einen Stift her­zu­stel­len, halb mit Zin­no­ber u. halb mit Blau, wie er zuvor von kei­nem ande­ren Fabri­kan­ten gemacht wurde. Du selbst weißt wel­chen Erfolg die­ser Stift in Ame­rica hatte, wohin sie anfangs 100 Groß weise gesandt wur­den u. heute noch allent­hal­ben ver­kauft wer­den.1

Den Rot-Blau-Stift gab es also bereits vor 1869, und Lothar von Faber hatte ihn erdacht. Doch wie sah der Stift aus? Die Doku­men­ta­tion des Sor­ti­ments von A.W. Faber beginnt mit den ers­ten in den 1860er Jah­ren gedruck­ten Waren­ka­ta­lo­gen, und die Rot-Blau-Stifte wur­den erst­mals um 1870 genannt. Aller­dings ent­hiel­ten die dama­li­gen Kata­loge noch kei­ne Abbildungen.

Rot und Blau

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (um 1870)

Unter „Neue Patent-Farbstifte mit beweg­li­cher Farbe“ fin­den sich „1 Dzd. Patent­stifte 6eckig, dop­pelte mit feins­ten Zin­no­ber und Blau, Nr. 12, naturpolirt-Gold, 16 Cen­ti­me­ter lang“ und „1 Dzd. Patent­stifte 6eckig, dop­pelte mit feins­ten Zin­no­ber und Blau, zwei­far­big polirt mit Ring“. Nach die­sen mecha­ni­schen wer­den im sel­ben Kata­log unter „Neue verbes­serte Farb­stifte“ holz­ge­fasste Rot-Blau-Stifte aufgeführt.

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (um 1870)

Neben die­sen, die in drei Qua­li­tä­ten und jeweils zwei Pro­fi­len erhält­lich waren, gab es Rot-Grün- und sogar Rot-Graphit-2 und Blau-Graphit-Stifte3. Alle wur­den auch im Aus­land angeboten.

Rot und Blau

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (um 1874)

Zu den 1881 ange­bo­te­nen Taschen­blei­stif­ten mit Hül­sen aus Nickel gehörte auch der „Spit­zenbewahrer, 2seitig, mit Zin­no­ber und Blau­stift“ (Ordnungs-Nummer 0360).

Rot und Blau

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (1881)

Die Patent-Farbstifte mit beweg­li­cher Farbe wur­den im 1884 gedruck­ten Lon­do­ner Kata­log far­big abge­bil­det4.

Rot und Blau

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (1884)

Neben „mova­ble points“ gab es hier noch „pro­pel­ling and repel­ling action“. War damit ein Dreh­stift gemeint, bei dem die Mine durch Dre­hen der Spitze aus- und ein­ge­fah­ren wer­den konnte? Auch im Kata­log von 1885 waren zwei unter­schied­li­che Minen­hal­ter mit roter und blauer Mine zu sehen.

Rot und Blau

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (1885)

Ab etwa 1885 erschien der holz­ge­fasste Rot-Blau-Stift in wei­te­ren Aus­füh­run­gen, u. a. als Magazin-, Büro- und Post­stift5, doch die­sen wird ein eige­ner Bei­trag gewid­met sein.

Danke an Faber-Castell für die Scans und die Details!

  1. Zitiert nach Eich, Die­ter: Lothar von Faber. Ein Nürn­ber­ger Unter­neh­mer des 19. Jahrhun­derts. Diplom­ar­beit an der Wirtschafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nürn­berg 1969, Anlage I, S. 40.
  2. Die bekann­tes­ten Ver­tre­ter die­ser Gat­tung dürf­ten der Tom­bow LV-KEV, der Caran d’Ache Gra­phi­co­lor und der Caran d’Ache × CWPE „The Edi­tor“ sein, doch es gab (und gibt) noch einige mehr.
  3. Der ein­zige mir bekannte Stift die­ser Art ist der Koh-I-Noor Duo.
  4. Diese Art Minen­hal­ter wur­den spä­ter als „Schraub-Klemm­stifte“ ange­bo­ten und waren einige Jahr­zehnte lang erhält­lich.
  5. Zum Begriff des Post­stifts siehe „Mar­ki­ges Mar­ke­ting (22)“.

Markiges Marketing (22)

Markiges Marketing (22)

Für die Post­stifte der Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Reh­bach warb diese 39 × 60 mm große und min­des­tens 85 Jahre alte Rekla­me­marke. – Die Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Reh­bach wurde 1821 gegrün­det und ging 1934 in Kon­kurs; danach wurde sie unter dem Namen J.J. Reh­bach bis Mitte der 1970er Jahre weitergeführt.

Als „Post­stifte“ wur­den Farb­stifte meist grö­ße­ren Durch­mes­sers bezeich­net, doch mögli­cherweise hat­ten diese Stifte nur wenig mit der Post zu tun. In einem nie ver­öf­fent­lich­ten ABC von Schwan-Stabilo hieß es 1955:

Post­stift – eine alte Sor­ten­be­zeich­nung, die noch heute ange­wandt wird. Es han­delte sich nor­ma­ler­weise um einen far­bi­gen, nicht kopier­fä­hi­gen Stift, des­sen Kern und des­sen Fas­sung gewöhnn­lich stär­ker als nor­mal sind. Er wird zum Beschrei­ben von Ver­pa­ckungs­pa­pier, Pappe, Akten­de­ckeln und ähn­li­chem gebraucht. Oft ist des­halb auch die Rede von Maga­zin­stif­ten und Bürofarbstiften.

Auch das Ord­bog over det danske sprog (Wör­ter­buch der däni­schen Spra­che) führte 1936 „Post­stift“ als Fach­be­griff des Han­dels und als eine andere Bezeich­nung für einen roten und blauen Farb­stift auf, der urspüng­lich mit einem Post­horn gekenn­zeich­net wurde.

Ich wüsste gerne, woher der Begriff „Post­stift“ stammt!

← vor­he­rige | Mar­ki­ges Marketing

Rot und Blau

Meine Recher­che zum Rot-Blau-Stift geht lang­sam voran. Das Museum für Kom­mu­ni­ka­tion (ehe­mals Post­mu­seum) in Frankfurt/Main hat in sei­nem Archiv zahl­rei­che alte Dienstanwei­sungen der Post, die auch Anga­ben zur Ver­wen­dung des Rot-Blau-Stifts ent­hal­ten könn­ten. Ich habe die Mög­lich­keit eines Recher­che­auf­trags genutzt und bin auf das Ergeb­nis gespannt.

Rot und Blau

In der Arti­kel­be­schrei­bung zum Rot-Blau-Stift Koh-I-Noor Blue Star schreibt der Anbie­ter Manu­fac­tum:

Der Koh-i-Noor Blue Star wurde ursprüng­lich – und das seit 1909 – als „Post­stift“ angeboten.

Ich habe bei Manu­fac­tum nach der Quelle für diese Jah­res­zahl ange­fragt; eine Ant­wort steht noch aus.

Rot und Blau

In dem sehr inter­es­san­ten Buch „Ich hör‘ dich schrei­ben. Eine lite­ra­ri­sche Geschichte der Schreib­ge­räte“ von Eve­lyne Polt-Heinzl, erschie­nen 2007 bei Son­der­zahl, heißt es:

Farb­ver­wandt mit dem alten Schul­ra­die­rer ist der Rot-Blau-Stift, der 1909 als „Post­stift“ das Licht der Welt erblickte und sich offen­bar rasch euro­pa­weit verbreitete.

Ich habe die Autorin bereits vor einer Weile ange­schrie­ben und eben­falls nach der Quelle für diese Angabe gefragt, aber lei­der noch keine Ant­wort bekommen.

Rot und Blau

1909? Nein – den ers­ten Rot-Blau-Stift gab es schon viel frü­her. Dem­nächst mehr!1

Nach­trag vom 27.6.19: Von Dr. Eve­lyne Polt-Heinzl konnte ich erfah­ren, dass sie die Jah­reszahl 1909 einer Fest­schrift der Fa. Hardt­muth ent­nom­men hat.

Nach­trag vom 18.7.19: Manu­fac­tum hat mir mit­ge­teilt, dass man das Jahr 1909 vom Lie­feranten Koh-I-Noor genannt bekom­men habe.

  1. Der erste Cliff­han­ger in zwölf Jah­ren.
Scroll to Top