Farbstifte
Stiftbrille
Da habe ich aber nicht schlecht gestaunt, als mich kürzlich der kleine D. (6) angestrahlt hat: Auf den Bügeln seiner neuen Brille prangt ein kleiner Stift mit lächelndem Gesicht! Und dabei habe ich auf seine Entscheidung gar keinen Einfluss genommen … ;-)
Bunte Überraschung aus der Rhön
Mit einer interessanten und farbenfrohen Überraschung von der Wasserkuppe in der Rhön wartete heute früh mein vielseitiger und naturverbundener Kollege H. auf: Aus einem der kleinen Läden auf dem Gipfel hatte er mir zwei sehr kräftige Stifte aus unterschiedlichen, gänzlich naturbelassenen Hölzern mit dicken Minen in rot und grün mitgebracht.
Die zwei rustikalen, etwa 15 cm langen Schreiber mit 2 und 2,5 cm Durchmesser bieten Auge und Hand, die beide an sehr gleichmäßig geformte Schreibgeräte gewöhnt sind, eine angenehme Abwechslung. Auch wenn die urigen Stifte nicht zum Gebrauch im Alltag, sondern wohl eher als Dekoration gedacht sind, so macht es doch Spaß, sie zu benutzen.
Der leichte wachsähnliche Glanz der 9 mm dicken Minen täuscht, denn sie sind recht hart und haben eine etwas ungleichmäßige Abgabe; dies passt jedoch ebenso gut zum rauhen Gesamteindruck wie die unregelmäßigen, vom Messer geformten Spitzen. – Auf weitere Tests und damit auch das Anspitzen habe ich verzichtet, da ich die guten Stücke in ihrer schönen Form belassen wollte.
Ich weiß leider nicht, wie die Farbminen in das Holz eingebracht und darin fixiert wurden, denn im Gegensatz zu ihren industriell gefertigten Pendants bestehen diese Stifte nicht aus zwei Hälften, sondern aus einem Stück. Hat man den sehr guten Formschluss eventuell mit Wärme erzielt?
Bei der Bestimmung der verwendeten Hölzer bin ich unsicher: Das dickere könnte Weide sein und das dünnere junge Buche, aber vielleicht auch Haselnuss, wie ich heute noch hören konnte. Kann meine geschätzte Leserschaft vielleicht etwas dazu sagen?
Und ganz nebenbei hat mein Wunsch, diese ungewöhnlichen Farbstifte im passenden Umfeld zu präsentieren, auch noch für einen angenehmen Feierabendspaziergang in einem in die Abendsonne getauchten Waldstück bei Bickenbach an der Bergstraße gesorgt.
Eberhard Faber Landkartenstift (2)
(Bilder zum Vergrößern anklicken)
Noch bevor ich näheren Informationen zu dem hier kürzlich gezeigten Landkartenstift des Herstellers Eberhard Faber finden konnte, hatte ich (sensibilisiert durch diesen Hinweis) das Glück, eine mit „No. 541“ gekennzeichnete farbige Variante dieses ungewöhnlichen Stifts aus der Elektrobucht fischen zu können.
Die flache Blechschachtel, deren Deckel außen und innen beklebt ist, enthält sechs runde Stifte, die 17,5 cm lang sind (bzw. waren), einen Durchmesser von 7,5 mm haben und über 4 mm dicke Minen verfügen. Bis auf einen, der leicht gekrümmt ist, sind alle gut erhalten. Während zwei nahezu unbenutzt wirken, wurden die anderen vier vermutlich mit einem Messer gespitzt. Bemerkenswert ist, dass der in diesem Set enthaltene schwarze Stift die gleiche Nummer trägt wie der vor kurzem besprochene (nämlich 541/29), im Gegensatz zu diesem jedoch lackiert ist. Die Minen dieser beiden schwarzen Stifte ist zudem etwas wachsiger als die der anderen.
Die Stifte schreiben bis auf den schwarzen recht rauh und haben einen vergleichsweise starken Abrieb, sind aber, wie es auf der Schachtel heißt, radierbar (auch wenn dies nur in Grenzen und nicht für alle Farben in gleichem Maße gilt). Die Abwaschbarkeit konnte ich nicht bestätigen; ich vermute, dass diese einen besonderen Zeichen-Untergrund voraussetzt oder sich auf die Haut bezieht.
Radierbarkeit der Landkartenstifte (oben: STAEDTLER Mars plastic, unten: Pilot Foam Eraser)
Gerne hätte ich hier das eine oder andere historische Detail genannt und so etwas Licht in das Dunkel um den Landkartenstift gebracht, doch leider war meine Suche bis jetzt nicht von Erfolg gekrönt. Das Deutsche Historische Museum in Berlin, das diese Stifte in der Rubrik „Alltagskultur“ führt, datiert sie auf 1933 bis 1945, macht aber keine Angaben zum ursprünglichen Verwendungszweck (auf meine Anfrage habe ich bis heute keine Antwort erhalten). So musste ich mich hier auf die reine Darstellung beschränken und hoffe nun auf einen nützlichen Hinweis von meiner geschätzten Leserschaft.
Bei der topografischen Karte im Hintergrund handelt es sich um das Blatt Lauterbach, bearbeitet durch das hessische Katasteramt 1909.
Let’s talk about pencils
Den meisten Liebhabern mechanischer Bleistifte dürfte Dennis B. Smith ein Begriff sein, ist doch sein äußerst attraktives Online-Museum Leadholder mit unzähligen Fotos und Scans eine der reichhaltigsten Quellen zu Kultur und Geschichte besonders der Fallminen-, aber auch der Druckbleistifte.
Seit einiger Zeit bietet er nun mit dem Leadholder Forum allen englischsprechenden Gleichgesinnten unter dem Motto „Let’s talk about pencils“ eine vielseitige Plattform zum Gedanken- und Informationsaustausch. Ob die Präsentation der eigenen Schätze, der Hilferuf bei Reparaturen oder die Suche nach einem raren Stück – bereits jetzt findet man im Forum ein zwar noch kleines, aber sehr aufgeschlossenes Publikum. Ich hoffe, dass sich dort in Kürze zahlreiche Interessierte, Liebhaber und Fachkundige einfinden und sich das Forum rasch zu einer weiteren belebten Anlaufstelle für Dinge rund um den Graphit entwickelt.
Wenn es um Bleistifte geht, dürfen zwei Weblogs von ganz außerordentlicher Qualität und sehr hoher Aktivität keinesfalls unerwähnt bleiben, und zwar Dave’s Mechanical Pencils und pencil talk: In erstem stehen mechanische Bleistifte im Vordergrund und im zweiten ihre hölzernen Pendants.
In diesen Weblogs, die beide seit mehreren Jahren sorgsam gepflegt werden, findet über die Kommentare und Gästebücher ein sehr lebendiger Austausch statt, und nicht nur aus diesem Grund gehören auch sie zu den ersten Adressen, die häufig zu besuchen sich für alle des Englischen mächtigen Bleistift-Interessierten sehr lohnt.
STAEDTLER MARS-REVISOR 2914
Aus einer vergangenen Zeit, lange bevor Buntstifte mit mehr als einer Farbe zur Domäne der Kinder wurden, stammt der „MARS-REVISOR 2914“, den STAEDTLER von 1950 bis 1960 hergestellt hat.

Neben der Modellnummer, dem Namen des Herstellers J.S. (Johann Sebastian) STAEDTLER, der Bezeichnung und dem Herkunftsland zeigt der Stift zwei Zeichen. Das eine davon ist der Viertelmond, das (meines Wissens nach) älteste Markenzeichen von STAEDTLER; er wurde 1887 beim Nürnberger Amtsgericht angemeldet. Die Herkunft des Viertelmondes ist unklar, doch es könnte eine Verbindung zum Export in den Orient bestehen.


Im anderen Zeichen, das gleich zweimal vorkommt, finden sich zwei Mondsicheln und das astronomische Symbol für den Planeten Mars; es stellt vereinfacht Schild und Speer dar. Umgeben ist es von den stilisierten Mars-Monden Phobos und Deimos.
|
Mit einer Länge von gut 17 cm und einem Durchmesser von knapp 8 mm hat der runde Stift Standardmaße, doch in seinem Inneren verbirgt sich etwas Besonderes. Die aus zwei Farben zusammengesetzte und etwa 4 mm dicke Mine des Stifts, dessen Lackierung mit den Minenfarben korrespondiert, schreibt unregelmäßig wechselnd rot, grün und (gemischt) orange. Der Katalog von 1952 preist den MARS-REVISOR 2914 wie folgt an:
Rund, normales Modell mit mehrfarbiger Mine, rot-grün oder rot-schwarz gestreift. Schreibt gleichzeitig rot, grün und orange und gibt dadurch der Unterschrift eine persönliche Note. Der Originalstrich ist sehr schwer nachzuahmen.


Ebenso wie der Landkartenstift hat auch der MARS-REVISOR die Jahrzehnte bestens überstanden – er ist gerade, man kann ihn sauber spitzen und die Mine bricht nicht ab. Wie schon die Katalogbeschreibung vermuten lässt, ist der Strich dieses Stiftes nicht restlos ausradierbar.


Der erste Stift mit dem Namen „REVISOR“ hatte die Nummer 2915 und wurde von Juni 1931 bis Juni 1941 produziert. Nachfolger des gezeigten war der Stift 108 14, der 1961 bis Mitte der 70er Jahre im Programm war und dann von Stiften mit dokumentenechter Mine abgelöst wurde.
Eberhard Faber Landkartenstift

Einen Fund der ungewöhnlichen Art machte ich kürzlich beim Durchsehen von Blei- und Farbstiften, die aus einem Feuer gerettet werden konnten. Die meisten Stücke wurden entweder teilweise oder weitgehend beschädigt, doch ein paar Landkartenstifte von Eberhard Faber blieben unversehrt.

Der runde, ungespitzte und unlackierte Stift ist 17,5 cm lang und hat einen Durchmesser von gut 8 mm. Neben der Bezeichnung „Landkartenstift“ in einer der Rundgotisch ähnlichen Schriftart trägt er das Logo und den Namen des Herstellers Eberhard Faber; daneben findet sich ein sechzackiger Stern sowie die Bezeichnung „0541/29“. Die Oberfläche des Holzes und die Aufdrucke sind unregelmäßig, könnten es aber auch erst über die Jahre hinweg geworden sein.

Der Landkartenstift hat nicht nur das Feuer, sondern auch die (wie ich schätze) sechs bis sieben Jahrzehnte davor gut überstanden – kein Exemplar ist krumm, und das Holz lässt sich gut spitzen. Die tiefschwarze, etwa 4,5 mm dicke Mine, die bei meinen Exemplaren nie wirklich mittig sitzt, ist deutlich weicher als z. B. die des STAEDTLER Mars Lumograph 100 8B. Bei meiner Suche nach etwas Vergleichbarem wurde ich im STABILO All 8046 fündig.


Ebenso wie der STABILO All 8046 ist der Landkartenstift gut verwisch- und auch etwas wasservermalbar, doch im Gegensatz zu diesem schreibt er nicht auf Glas und anderen glatten Flächen.

a. Landkartenstift, b. STABILO All 8046
Meine Suche nach Informationen zu Alter und Verwendungszweck des Landkartenstifts war nahezu erfolglos – selbst der Hersteller kannte ihn nicht mehr. Ein Kartograph vermutete, dass dieser Stift ursprünglich zur sogenannten Schummerung benutzt wurde. Diese flächige Schattierung, die sich an den Höhenunterschieden orientiert, erzeugt einen räumlichen Eindruck im Kartenmaterial. Bis in die 60er Jahre geschah dies mit einfachen Malwerkzeugen und danach häufig mit Airbrush; heute wird die Schummerung meist automatisch auf der Basis von Geodaten vorgenommen.
Nachtrag vom 21.6.08: Es gab auch eine farbige Variante des Landkartenstifts; Details dazu hier.
Buntbüro
Wenn auch nicht knallbunt, so doch wenigstens zweifarbig – und das zudem in stark kontrastierendem Rot und Blau – geht es zu, wenn der Bürofarbstift von Koh-I-Noor Hardtmuth zum Einsatz kommt.

Der zweigeteilte Stift mit hexagonalem Querschnitt, einer Länge von 175 mm und einer Dicke von 7 mm (also den für Blei- und Buntstifte typischen Abmessungen) trägt die Aufschrift »KOH-I-NOOR HARDTMUTH AG „Bürofarbstift“ 62 SM« und in einer Art Logo »Austria«. Die für die Bezeichnung des Stifts genutzte fette Serifenschrift erinnert dabei an alte Tage, was durch den goldfarbenen Folienprägedruck noch verstärkt wird. Warum der Name des Stifts in Anführungszeichen gesetzt wurde, wird wohl ein Geheimnis des Herstellers bleiben. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass man sich damit auf die alltagssprachliche Bezeichnung bezog oder eine solche schaffen wollte.

Die stabilen Minen des Bürofarbstifts, die auch bei etwas stärkerem Druck nicht abbrechen, gleiten ohne zu kratzen über das Papier. Seine gut aufeinander abgestimmten Farben, die hier nicht ganz korrekt wiedergegeben werden, empfinde ich als ansprechend. Sie lassen sich auch vergleichsweise ordentlich radieren, und so hinterlassen gute Radierer wie z. B. der Schaumradierer von Pilot und der Läufer PLAST-0140 nur äußerst geringe Spuren.
![]() |
![]() |
Das Holz des Stifts ist von hoher Qualität – ein hochwertiger Spitzer (hier: die „Granate“ von Möbius+Ruppert) trägt das Material sehr sauber ab und hinterlässt eine glatte Schnittfläche. Bei genauem Blick auf das blaue Ende nach dem Spitzen erkennt man eine dünne rote Schicht unter der blauen, was vermuten lässt, dass der Stift zunächst komplett rot und danach halb blau lackiert wurde.

Für den täglichen Gebrauch bevorzuge ich zwar Druckfarbstifte wie die Color Eno von Pilot oder die noch etwas besseren von Mitsubishi/uni, doch der Griff zum Bürofarbstift ist eine angenehme Abwechslung.
Er ist offiziell nicht mehr im Handel erhältlich, da sein österreichischer Hersteller von gut zehn Jahren in Konkurs ging; der neue Anbieter hat jedoch unter der Art.-Nr. 3423 einen ähnlichen Artikel im Programm (siehe Seite B22 im aktuellen Katalog). Restbestände des Bürofarbstifts sind aber hier und da noch anzutreffen.


















