Für einen ganz besonderen Zweck diente STAEDTLER seinen Kunden vor gut einem halben Jahrhundert den Farbstift FIBLOGRAPH an.

Der FIBLOGRAPH war gedacht für die Arbeit mit der Rechenfibel „Welt der Zahl“, einem Mathematikbuch für Grundschüler. Es gab ihn in den Farben Rot, Blau und Gelb zusammen mit einem Kunststoffspitzer und einem einfachen Verlängerer aus Pappe in einer Schiebeschachtel.

Der FIBLOGRAPH ist gut 11 cm lang und 7,6 mm dick. Seine Kennzeichnung umfasst den Viertelmond, der bis in die 1960er Jahre hinein genutzt wurde, sowie das astronomische Zeichen für den Planeten Mars (Speer und Schild) und seine beiden Monde Phobos und Deimos. Die Lücke in den Artikelnummern (7310, 7311 und 7313) lässt vermuten, dass es diesen Farbstift auch noch in anderen Zusammenstellungen gab. – Die Variante des Marskopfes auf der Schachtel wurde 1963 eingeführt.
Sein Abstrich ist sauber und leicht kreidig, aber auch bei leichtem Schreibdruck nicht gut radierbar. Die Farben sind kräftig, wobei das Blau ganz leicht in Richtung Violett geht.

Ich habe mich an STAEDTLER gewandt und folgendes erfahren:
Der Fiblograph 7310H ist in den uns vorliegenden Katalogen nur im Jahr 1961 zu finden. Dort werden die Fiblograph-Stifte unter der Rubrik „Für die Schule“ geführt: „Diese Stifte sind speziell für das Arbeiten mit der Rechenfibel ‚Die Welt der Zahl‘ entwickelt worden.“ Sie waren in den Minenfarben rot, blau und gelb erhältlich. Als Besonderheit wurde erwähnt, dass sie „abwaschbar auf glatten Flächen und Folien“ schreiben.
Fiblograph-Stifte werden in den Preislisten von 1963 bis 1965 aufgeführt. Bei der Umstellung der Artikelnummern 1966 scheinen sie keine neue Artikelnummer erhalten zu haben. Da sie ab 1966 auch nicht mehr in den Preislisten zu finden sind, ist anzunehmen, dass sie seitdem nicht weiter produziert wurden.
Kurz nachdem ich das obige Set gefunden hatte, stieß ich auf ein weiteres.

Die Stifte in diesem Set haben die neue Artikelnummer und den goldfarbenen Prägedruck in Versalien, der meines Wissens zeitgleich eingführt wurde. Der Rest ist identisch, und angesichts der sogenannten Linkshändbeschriftung vermute ich, dass dieses neuere Set aus den späten 1960er Jahren stammt.
Der FIBLOGRAPH ist verschwunden, doch der Einsatz von Farbstiften für den Mathematikunterricht ist geblieben. So schreiben Rechenanfänger in deutschen Grundschulen die Zehner mit Rot und die Einer mit Blau und nutzen dafür gerne einen Rot-Blau-Stift. Ein interessantes Produkt ist auch der Mathestift des österreichischen Herstellers JOLLY, der die Farben Rot, Blau und Grün und eine Bleistiftmine vereint.
Danke an STAEDTLER für die Details!