Bleistifthölzer (4)

17. Oktober 2020

Bei meinem Bemühen, das Holz des aktuellen Faber-Castell 9000 zu identifizieren, bin ich auf einige bemerkenswerte Details gestoßen.

In „Vom Baum zum Bleistift” stellt Faber-Castell die in Brasilien angebaute Karibische Kiefer (Pinus caribaea hondurensis) vor, und die hat mich an die in Henry Petroskis Buch „Der Blei­stift”1 erwähnte brasilianische Pinie erinnert. Im Kapitel „Findet man einen besseren Bleistift oder macht man ihn?” geht es um den komplizierten Prozess der Bleistiftherstellung im spä­ten 20. Jahrhundert, der ein hochmodernes und weltumspannendes System voraussetzt. Zu Beginn wird auf Vielzahl und Herkunft der Rohstoffe eines deutschen oder amerikani­schen Bleistifts eingegangen:

Der Holzkörper wird sehr wahrscheinlich aus dem Holz der Kalifornischen Flußzeder (Inszentzeder) oder der brasilianischen Pinie gemacht sein, der Ring möglicherweise aus Messing oder Aluminium aus dem amerikanischen Westen, und der Radiergummi ist vielleicht eine Mischung aus südamerikanischem Gummi und italienischem Bimsstein.

Und was steht im Original? In „The Pencil”2 heißt es unter „Does One Find or Make a Bet­ter Pencil?” auf Seite 67:

The wooden case would most likely be made of western incense cedar from California, the ferrule possibly of brass or aluminum from the American West, and the eraser perhaps of a mixture of South African rubber and Italien pumice stone.

Die brasilianische Pinie ist also im Original gar nicht vorhanden, sondern wurde – wie soll ich sagen? – hineinübersetzt3.

Doch was genau ist mit der „brasilianischen Pinie” gemeint? Ist dies vielleicht eine etwas sa­loppe Bezeichnung des in Brasilien angebauten Baums?4. Die weitere Suche hat mich zu einer alten Ausgabe des Warenkundehandbuchs von Faber-Castell (2010) geführt, und darin liest man auf Seite 8 unter „Holz und Brettchen”:

Das qualitativ hochwertigste Holz für Blei- und Farbstifte liefert die kalifornische Zeder und die brasilianische Pinie, die in FABER-CASTELL eigenen Plantagen angebaut wird. Zedernholz ist fast astfrei, langfaserig und hat (aufgrund der geringen jahreszeitlichen Schwankungen in Kalifornien) einen gleichmäßigen Wuchs. Deshalb ist es leicht und sauber spitzbar, was für einen Qualitätsstift wichtig ist.

In diesem Jahr erschien eine neue Ausgabe dieses Warenkundehandbuchs, in dem auf Seite 41 unter „Aus hochwertigem Holz” steht:

Das qualitativ hochwertigste Holz für Blei- und Buntstifte liefert die Kalifornische Zeder.
Zedernholz ist fast astfrei, langfaserig und hat, aufgrund der geringen jahreszeitlichen Schwankungen in Kalifornien, einen gleichmäßigen Wuchs. Deshalb lässt es sich leicht und sauber spitzen, was für einen Qualitätsstift wichtig ist.

Wo ist die brasilianische Pinie geblieben? Und warum nennt man stattdessen nicht die Karibische Kiefer?

Natürlich habe ich Faber-Castell nach dem Holz gefragt, aber leider keine Antwort bekom­men. Doch das Unternehmen kann mehrere Gründe haben, es nicht zu nennen: Es ist ein Firmen­internum, und außerdem ist es so einfacher, ein anderes Holz zu nutzen, falls es Pro­bleme bei der Versorgung geben sollte (z. B. durch einen Brand in der Plantage oder Ver­zögerungen beim Transport). Zudem ist es sicher eine Herausforderung für das Marketing, ein anderes Holz überzeugend zu bewerben, nachdem man jahrzehntelang die Zeder als die beste Wahl verkauft hat und diese weiterhin für andere höherpreisige Produkte nutzt.

Faber-Castell 9000 3B mit Möbius+Ruppert Pollux

Faber-Castell 9000 3B (aktuelle Variante) mit Möbius+Ruppert Pollux

Ganz gleich, welches Holz das ist: Ich bin geneigt zu sagen, dass es die beste Alternative zur Weihrauch-Zeder ist, die mir bis jetzt untergekommen ist, denn es lässt sich fast eben­so leicht und sauber spitzen5.

  1. Birkhäuser Verlag 1995.
  2. Alfred A. Knopf, 1. Auflage 1989.
  3. Die deutsche Ausgabe dieses Buchs enthält einen Anhang zur Unternehmensgeschichte von Faber-Castell, und auf Seite 355 findet sich in einer Bildunterschrift: „Auf 8000 Hektar ehe­maligem Steppenland zieht Faber-Castell schnellwüchsige Pinien für die Holzversorgung auf.” – Das Buch wurde damals zusammen mit einem Faber-Castell 9000 HB verkauft und den Schutz­umschlag ziert ein ebensolcher (zwar nicht vollständig gekennzeichnet, aber zweifelsfrei iden­tifizierbar).
  4. Es gibt die „Brazilian pine”, aber das ist die Brasilianische Kiefer (auch Brasilianische Araukarie, Araucaria angustifolia) und damit ein ganz anderer Baum. – Die Biologen unter meinen Lesern mögen über kleine Ungenauigkeiten hinwegsehen, mich aber bitte auf grobe Fehler hinwei­sen.
  5. Interessant zu wissen wäre auch, ob (und wenn ja, wie) dieses Holz behandelt wird und wel­chen Einfluss das auf die Spitzbarkeit hat, aber das herauszufinden dürfte weitaus kniffliger sein.

Alt und neu

14. Oktober 2020

Ein Leser meines Weblogs hat mich auf das geänderte Design des Bleistift-Klassikers Faber-Castell 9000 aufmerksam gemacht.

Alt und neu

Oben: alt, unten: neu (zum Vergrößern anklicken)

Bei der neuen Variante ist der linke Teil des Schriftzugs etwas versetzt, der Härtegrad fett und der Tauchring goldfarben1. Mir gefallen diese Änderungen!

Alt und neu

Ich habe bei Faber-Castell angefragt und erfahren, dass es sich bei der neuen um die inter­nationale Variante handelt, die bereits 2018 eingeführt wurde2.

Alt und neu

Bei dieser Gelegenheit habe ich erneut auf das Holz geschaut. Der 9000 ist meines Wissens schon recht lange nicht mehr aus Weihrauch-Zeder – diese ist offenbar den „Graf von Faber-Castell”-Bleistiften vorbehalten –, doch was stattdessen zum Einsatz kommt, weiß ich nicht3.

Linde, Pappel, Gmelina, Weymuth-Kiefer und Kolorado-Tanne schließe ich aus, und das sehr leichte Aroma kann ich nicht einordnen4. Ist es die Karibische Kiefer (Pinus caribaea hondu­rensis), die Faber-Castell in Brasilien anbaut und in „Vom Baum zum Bleistift” prä­sentiert? Interessant ist die Färbung der beiden Stifte im Foto, denn die Karibische Kiefer hat rot­braunes Kernholz und weißgelbes Splintholz. Das Holz lässt sich jedenfalls gut bis sehr gut spitzen5, selbst im Pollux und im Janus 4048, und so hat Faber-Castell meiner Ansicht nach eine gute Alter­native zur Weihrauch-Zeder gewählt6.

  1. Hier nicht gezeigt: Die Schriften auf der Seite mit dem Hinweis auf den Wasserlack und die GTIN auf der anderen haben jetzt eine etwas größere Laufweite und sind dadurch besser lesbar; zudem ist der URI durchgehend klein geschrieben.
  2. Die Version aus Indonesien hatte schon früher einen goldfarbenen Ring, wie man unter „Wanted Down Under: the Castell 9000″ bei Bleistift sehen kann.
  3. Ich wüsste zu gerne, wann dieser Umstieg stattgefunden hat.
  4. Ich kann außerdem nicht sicher sagen, dass das Aroma nur vom Holz und nicht etwa von anderen Materialien des Bleistifts stammt.
  5. Getestet an einem aktuellen 9000 der Härte 2B. – Natürlich gibt es immer wieder Unterschiede bei den Holz-Chargen.
  6. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Eintrag für Faber-Castell in der Datenbank des FSC, der für Bleistiftbrettchen (Produkttyp W5.9) Rotbuche, Kadam, Karibische Kiefer und Kiefer allgemein aufführt.

Stille Beobachter (51)

26. September 2020

Sie sind wieder da – nein, sie waren nie weg.

Stille Beobachter (51)

Mein Hefter guckt ziemlich genervt, was mich angesichts seiner Aufgabe auch nicht wun­dert. Und dann muss er ständig diesen steifen grauen Anzug tragen. Eine Zumutung ist das.

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Sieben

21. September 2020

Sieben

Kisho ist heute sieben! Und bevor die Party steigt, gibt es einen ausgedehnten Spazier­gang durch die herbstliche Morgensonne.

Kurz notiert

20. September 2020
  • Bereits im April hat der japanische Hersteller Tomoegawa den Herstellungsprozess sei­nes Papiers Tomoe River geändert. Bei den Nutzern, die dieses hervorragende Papier vor allem für den Gebrauch mit Tinte schätzen, hat dies für einige Unruhe gesorgt. Mehr in der offiziellen Ankündigung auf Facebook, der Diskussion im Fountain Pen Network und im ausführlichen Vergleich bei Macchiato Man.
  • Von Tombow Japan gibt es seit kurzem ein 16-seitiges Büchlein zum beliebten Mono mit einem Etui in Gestalt dieses klassischen Radierers.
  • In Zusammenarbeit von 590&Co. und Tombow Japan enstand ein Halbstift mit der Mine des Tombow Mono 2B. Die Gestaltung und die Verpackung sprechen mich sehr an!
  • Zu dem Noris digital von STAEDTER kam schon vor ein paar Monaten der Noris digital jumbo. Dessen Innenleben stammt von Wacom, doch im Gegensatz zur schlanken Vari­ante hat der 35 mm kürzere jumbo einen intergierten Radierer.
  • Mitsubishi/uni bietet jetzt auch einen digitalen Eingabestift an. Die Technik des Stifts im Hi-uni-Design stammt ebenfalls von Wacom, und in Kombination mit der Illustrations­software Clip Studio Paint von CELSYS soll es möglich sein, alle 22 Härtegrade des holz­gefassten Bleistifts Hi-uni digital nachzuempfinden.

13 Jahre

16. Juni 2020

13 Jahre

Dieses bunte Durcheinander feiert heute sein dreizehnjähriges Bestehen. Vielen Dank an meine Leser für ihr anhaltendes Interesse, die zahlreichen Anregungen und ihre Teilnahme per Kom­mentar und E-Mail auch dann, wenn hier mal – so wie in den letzten Monaten – fast nichts los it.

Kurz notiert

1. Juni 2020
  • Wer jemals einen nichtrunden Bleistift (z. B. einen Zimmermannsbleistift) in einem für normale Bleistifte gedachten Spitzer angespitzt hat, weiß vom unbefriedigenden Ergebnis: An der Seite mit dem größten Radius reicht das Holz zu weit an die Spitze. Möbius+Ruppert aus Erlangen geht dieses Problem mit dem – so die kürzlich veröffent­lichte Gebrauchs­musterschrift – „Spitzer für Bleistifte mit einem Querschnitt, der in orthogonalen Raum­richtungen unterschiedliche Abmessungen aufweist” an. In diesem werden Bleistifte mit ovalem oder rechteckigem Querschnitt über eine Zwangs­führungseinrichtung an einer definierten exzentrischen Bewegungsbahn am Messer entlang geführt, so dass eine an den Querschnitt des Stifts angepasste Spitzenform entsteht. Mit Adaptern kann der Spitzer auch für Stifte mit anderen Querschnitten genutzt werden.
  • Das Patent „Erasing Tool” des japanischen Herstellers Mitsubishi Pencil Co. beschreibt einen Radierer, der keine Radierspäne produzieren und die Pigmente von radierbaren Farbstiften absorbieren soll. Wenn ich die Beschreibung richtig verstehe, ist der Ra­dierer lichtdurchlässig und verfärbt sich durch den Gebrauch, indem er die Farbe des radierten Stifts aufnimmt.
  • Das Gebrauchsmuster „Vorrichtung zum Spitzen von Stiften mit spitzbarer Umhüllung, Minen und Kreiden” von Faber-Castell stellt einen Spitzer vor, der sich mit plattenför­migen Reduzierelementen an Stifte unterschiedlicher Durchmesser anpassen lässt. Die Reduzier­elemente sind dreh- oder klappbar ausgeführt und können mit dem Spitzer verbunden und zusätzlich mit einem Verschluss ausgestattet sein.
  • In einer erneuten Zusammenarbeit von UNIQLO und Tombow Japan entstand ein T-Shirt zum Klassiker Tombow 8900. Ich find's schick!
  • Und nochmal Mitsubishi: Der Ende vergangenen Jahres vorgestellte Kugelschreiber Jetstream Edge, der eine Spitze von nur 0,28 mm hat, ist ab Mitte Juni in drei weiteren limitierten Schaftfarben erhältlich.

In Szene gesetzt

22. März 2020

Wenn im Film ein Schreibtisch zu sehen ist, schaue ich noch genauer hin. So auch beim Tatort „Mein Revier” aus dem Jahr 2012, der kürzlich wiederholt wurde.

In Szene gesetzt

Quelle: Tatort „Mein Revier” (ARD, 2012)1, ca. 13:52. – Bilder zm Vergrößern anklicken.

In gleich vier Einstellungen konnte man einen STAEDTLER Mars stenofix erspähen, sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe.

In Szene gesetzt

Quelle: Tatort „Mein Revier” (ARD, 2012), ca. 14:022.

Die Marke „STENOFIX” wurde 1929 eingetragen, und 1935 kam der erste MARS STENOFIX unter der Artikelnummer 2884 auf den Markt. Als 1967 das neue Nummernsystem ein­geführt wurde, erhielt er die Nummer 101; bis in die 80er Jahre hinein war er außer in HB noch in B und 2B er­hältlich3. Ende 2011 hat man die Produktion eingestellt und Mitte 2019 die Marke gelöscht.

In Szene gesetzt

STAEDTLER Mars stenofix 101 HB (letzte Variante)4

Diese „Tatort”-Folge fand ich übrigens geschmacklos; nach 20 Minuten habe ich abge­schaltet. Der Auftritt des Mars stenofix war indes erfreulich!

  1. Ich gehe davon aus, dass die Veröffentlichung der Screenshots des genannten Films als Zitat nach § 51 UrhG gilt, da ich das in den Screenshots Gezeigte im Beitrag thematisiere und die Screenshots als Beleg für meine Ausführungen notwendig sind.
  2. Bei dem Radierer im Hintergrund könnte es sich um den Pelikan RW 40 handeln.
  3. In den 1960er/1970er Jahren hatte STAEDTLER mit dem rosafarbenen STENO 111 einen wei­teren Stenografie-Bleistift im Programm, zu dem ich jedoch bis heute keine weiteren Details finden konnte.
  4. 2003 wurde „STENOFIX” zu „stenofix”.
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