Reklame

„Die Staedtler’schen Bleistifte“

Ein­fach schön: Der Titel der Bro­schüre „Die Staedtler’schen Blei­stifte und ihr Entwicklungsgang“.

„Die Staedtler'schen Bleistifte“

Die 22,5 × 28,5 cm große Bro­schüre infor­miert auf zwölf Sei­ten über die Geschichte des Blei­stifts und die Sta­edt­ler­sche Blei­stift­fa­brik; viele Abbil­dun­gen von Blei- und ande­ren Stif­ten sowie Fotos der Her­stel­lung bie­ten inter­es­sante Ein­drü­cke aus der dama­li­gen Zeit. Ich nehme an, dass die Bro­schüre aus den 1910er Jah­ren stammt, denn sie erwähnt Ände­run­gen im Unter­neh­men im Jahr 1912; auch die Dar­stel­lung des STENOGRAPHIE 325 (vor 1908), MARS 1225 (1908) und Noris 278 (1910er Jahre) passt dazu. – Ich werde wohl noch eini­ges dar­aus zeigen.

Vie­len Dank an Chris­tof für diese Broschüre!

„STABILO-Grafitstifte“

Aus einem etwa 80 Jahre alten und 105 × 75 mm klei­nen Falt­blatt von Schwan: Reklame für den Blei­stift Nr. 8000.

„STABILO-Grafitstifte“

Wenn ich rich­tig infor­miert bin, wurde der 8000 um 1960 zum micro 8000, wobei „micro“ die Kurz­form der 1938 ein­ge­tra­ge­nen Marke „micro­tom“ war. Diese und die bereits 1930 ein­ge­tra­gene Marke „mikrof­ein“ gin­gen wohl zurück auf die „mikro­sko­pisch fein ver­mah­lene Spe­zi­al­mine“, wie der Kata­log des Jah­res 1938 schrieb.

Schwan Othello 581

Ein wei­te­rer Notiz­blei­stift von Schwan war der 1930 vor­ge­stellte Othello 581.

Schwan Othello 581

Der Kata­log von 1938 führte ihn gleich zwei­mal auf, und zwar in der Rubrik „Othello“, der 1898 ein­ge­tra­ge­nen Marke, und unter „Spe­zi­al­stifte, Scho­ner­stifte, Notiz­stifte“1. Mit 87 mm war der Othello 581 etwas län­ger als der STABILO 8024, aber mit 4,2 mm2 genauso dick wie die­ser. Als Beson­der­heit hatte er einen gold­far­be­nen Ring und eine Tauchkappe.

Diese Notiz­blei­stifte waren dazu gedacht, in den Rücken von Kalen­dern und Notiz­bü­chern gesteckt zu wer­den; daher ihre geringe Dicke und Länge. Man­che hat­ten eine soge­nannte Tel­ler­kap­sel, die das Durch­rut­schen des ein­ge­steck­ten Stifts ver­hin­derte (siehe „Memo­ran­dum“).

Schwan Othello 581

Der Othello 582, auf den hier ver­wie­sen wurde, war ein 14 cm lan­ger und 6 mm dicker Notiz­blei­stift, der in vier Far­ben (hell­grün, rot, hell­blau und orange) erhält­lich und eben­falls mit Gold­ring und wei­ßer Kappe ver­se­hen war. – Spit­zer für Stifte mit die­sen gerin­gen Durch­mes­sern nannte der Kata­log nicht.

Schwan Othello 581

1940 wurde der Othello 581 wie­der aus dem Sor­ti­ment genommen.

  1. Es fällt auf, dass die Abbil­dun­gen im Kata­log die Kenn­zeich­nung „BAVARIA“ zei­gen, auf dem Blei­stift aber „GERMANY“ steht. Gab es viel­leicht unter­schied­li­che Vari­an­ten?
  2. Die im Kata­log ange­ge­be­nen 3,8 mm bezeich­ne­ten offen­bar die Schlüs­sel­weite.

ATLAS

Aus der hier bereits in Aus­schnit­ten gezeig­ten Bro­schüre von J.S. STAEDTLER des Jah­res 1933: Der Schul- und Zei­chen­stift ATLAS.

ATLAS

Die Marke „ATLAS“ wurde 1896 ein­ge­tra­gen, und der gleich­na­mige Blei­stift war bis min­des­tens 2010 erhältlich.

Ich wüsste gerne, warum es den ATLAS in zwei Pro­fi­len gab. Wollte man nur eine grö­ßere Viel­falt anbie­ten oder hatte es kon­krete Gründe?

„Etwas über das Spitzen der Stifte“

Aus einer Bro­schüre von J.S. STAEDTLER des Jah­res 1933: Eine Infor­ma­tion zum Spit­zen und die Reklame für den NORIS-Spezialspitzer 4510 „für alle Stifte mit wei­cher, emp­find­li­cher Mine“.

„Etwas über das Spitzen der Stifte“

Die­ser paten­tierte Spit­zer bot bereits damals einen Spitz­stopp, um eine zu feine Spitze und das unnö­tige Spit­zen zu ver­hin­dern. – Der Vier­tel­mond darf hier natür­lich nicht fehlen.

„Etwas über das Spitzen der Stifte“

Klei­nes Rate­spiel am Rande: Wer ent­deckt den Zwiebelfisch?

STAEDTLER Noris – Die frühen Jahre

Gelb-schwarzes Strei­fen­mus­ter und far­bi­ges Kro­nenkäpp­chen – so kennt man den Blei­stift­klas­si­ker Noris von STAEDTLER, den es seit 120 Jah­ren gibt. Doch er hat nicht immer so aus­ge­se­hen, denn die typi­sche Lackie­rung kam 1934 und das Käpp­chen 19551. Einen Ein­druck davon, wie der Noris davor aus­sah, ver­mit­telt eine Bro­schüre aus dem Jahr 19332; hier ein Ausschnitt.

STAEDTLER Noris – Die frühen Jahre

In obi­gem Scan lei­der nicht zu sehen ist die glän­zende Farbe, die für die Dar­stel­lung des Gold- und Sil­berstem­pels (heute: Prä­ge­druck) genutzt wurde und in der Schräg­an­sicht am bes­ten zur Gel­tung kommt; daher einige Details im Foto.

STAEDTLER Noris – Die frühen Jahre

„Bil­lige Noris-Stifte“ klingt heute natür­lich etwas selt­sam, aber damals stand „bil­lig“ für „preis­wert“ und war posi­tiv konnotiert.

Den Noris gab es nicht nur in vier Här­te­gra­den, son­dern auch in drei Pro­fi­len – rund, sechs­eckig und acht­eckig(!)3 – und in bis zu vier Far­ben, die sich nach dem Här­te­grad rich­te­ten oder im Fall des 2784 in zwei wei­te­ren, die nach Wunsch auf­ge­bracht wer­den konn­ten. – Der Begriff „Poli­tur“ geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spit­zen­blei­stifte einen Schel­lack­über­zug mit Schwermetall-Farben erhiel­ten und von Hand poliert wurden.

Für mich neu ist die Bezeich­nung „Cedrol­holz“. In der Bro­schüre heißt es: „Cedrol ist das von der MARS-Bleistiftfabrik Nürn­berg her­ge­stellte, beson­ders leicht spitz­bare Zedern-Ersatzholz.“5 Dazu wüsste ich gerne mehr!

  1. Wei­tere Details zur Gestal­tung gibt es unter „J.S. STAEDTLER Noris 1100 № 2“.
  2. Der Titel die­ser Bro­schüre ist unter „Der Geist des Gra­phits“ zu sehen.
  3. Mit dem Noris Club maxi gibt (gab?) es heute einen zwölf­sei­ti­gen Noris.
  4. Der Noris 278 wurde in den 1910er Jah­ren ein­ge­führt.
  5. Siehe dazu auch „Blei­stift­höl­zer (6)“.

Bleistifthölzer (6)

Im Kata­log von J.S. STAEDTLER aus dem Jahr 1919 gibt es einige Hin­weise auf die damals genutz­ten Bleistifthölzer.

Bleistifthölzer (6)

Genannt wer­den hier Weiß­holz, Lin­den­holz, Foh­ren­holz und Zeder­n­er­satz­holz. Mei­nes Wis­sens bezeich­net „Weiß­holz“ das Holz der Gemei­nen Fichte (Picea abies), doch von der Nut­zung die­ses Baums für Blei­stifte habe ich bis­her noch nicht gehört. Lin­den­holz (Tilia) war im 17. Jahr­hun­dert, als sich in Nürn­berg das Blei­stift­ma­cher­ge­werbe ent­wi­ckelte, die wich­tigste Holz­art für Blei­stifte, denn sie ließ sich gut schnit­zen und wuchs vor Ort. Weil sie preis­wert ist und auch unbe­han­delt genutzt wer­den kann, wird sie heute wie­der gern ver­wen­det. Ich gehe davon aus, dass es sich bei „Foh­ren­holz“ um Kie­fern­holz han­delt (ein ande­rer Name ist „Föh­ren­holz“). Da in Europa die Wald­kie­fer (Pinus syl­ves­tris) die am wei­tes­ten ver­brei­tete Kie­fern­art ist, denke ich, dass diese gemeint ist1.

Im Kata­log heißt es:

Zeder­n­er­satz­holz für Blei­stifte wird aus für die­sem Zweck beson­ders geeig­ne­ten ein­hei­mi­schen und aus­län­di­schen Höl­zern durch beson­dere, in lang­jäh­ri­ger Erfah­rung erprobte Fabri­ka­ti­ons­me­tho­den gewonnen.

Durch sorg­fäl­tige Aus­wahl der Höl­zer und sach­ge­mäße Bear­bei­tung wer­den Qua­li­tä­ten erzielt, wel­chem dem ech­ten ame­ri­ka­ni­schen Zedern­holz in Aus­se­hen und Eigen­schaf­ten so nahe kom­men, daß, zumal für den Laien, kaum mehr ein Unter­schied bemerk­bar ist. Frei­lich läßt sich Zedern­holz fast durch­weg schlech­ter spit­zen als ech­tes Zedern­holz. Zum Anspit­zen von Stif­ten aus Zeder­n­er­satz­holz ist daher ein schar­fes, ein wirk­lich guter Blei­stift­spit­zer oder eine zuver­läs­sige Spitz­ma­schine drin­gend erforderlich. 

Leide erlau­ben diese Anga­ben kei­nen Rück­schluss auf kon­krete Holz­ar­ten. Der Hin­weis auf die schlech­tere Spitz­bar­keit könnte jedoch auf här­tere Höl­zer hin­deu­ten, z. B. auf Erle, die wohl auch für den Noris 278 benutzt wurde (der Kata­log gibt für die­sen Blei­stift Zeder­n­er­satz­holz an). Erhard Satt­mann nennt in „Vom Faust­keil zum Blei­stift“ (1949) zudem Espe, Pap­pel und Ahorn, doch zumin­dest die Pap­pel ist deut­lich wei­cher und bes­ser spitz­bar2.

← vor­he­rige | Blei­stift­höl­zer | nächste →

  1. In die­sem Fall wäre der Blei­stift aus Wald­kie­fer im „Swiss Wood“-Set von Caran d’Ache nichts neues, es sei denn, die Neu­heit bestünde in der Behand­lung des Hol­zes zur Ver­bes­se­rung der Spitz­bar­keit. – Infrage käme jedoch auch die Weymouth-Kiefer (Pinus stro­bus) sein, die heute noch genutzt wird.
  2. Sie gilt heute übri­gens als Billig-Bleistiftholz.
Scroll to Top