Archiv des Stichworts „Reklame”

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Tradition und Wandel

Samstag, 30. November 2019

Diese Anzeige von J.S. STAEDTLER aus dem Jahr 1941 hat mich erneut dazu angeregt, ge­nauer auf den Bleistift „Tradition” zu schauen.

Tradition und Wandel

Die Marke „Tradition” wurde 1931 eingetragen und seitdem für Schreibwaren unterschied­lichster Art benutzt, ist aber hier hauptsächlich durch den gleichnamigen Bleistift bekannt. Dessen Gestaltung hat sich in den über 80 Jahren seiner Existenz mehrmals geändert.

Tradition und Wandel

(zum Vergrößern anklicken)

Der immer in schwarz und rot gehaltene Tradition1 hatte zunächst kein Kronenkäppchen (1, 19362), denn dieses kam erst 19383. Danach änderte sich u. a. die Darstellung des Härte­grads mehrmals. Die Kennzeichnung auf allen Seiten und die gewellten Linien (2, 19472) kamen und gingen, und von den Ziffern ging es zu Buchstaben und wieder zurück (3, ca. 1950er Jahre).

In den 1960er Jahren4 kehrte sich die Richtung der Beschriftung um. 19675 führte man ein neues Nummernsystem ein, wodurch 200 durch 110 ersetzt wurde. In der gleichen Zeit ver­schwanden meines Wissens auch der Viertelmond und die Jahreszahl 1662, die man nach einem Rechtsstreit mit Faber-Castell ab 2010 gar nicht mehr nannte.

Im Jahr 19775 wechselte man von der goldfarbenen zur weißen Beschriftung in Helvetica6-Versalien (4, zwischen 1973 und 20017). Zu sehen ist hier auch das Zeichen für „Sicher­heits­verleimung”, bei der man unterschiedliche Leime für Mine-Holz und Holz-Holz einsetzte (dies wurde zum Standard).

20035 wich die Großschreibung der Gemischtschreibung in Frutiger6, und ver­mut­lich bekam der tradition bei dieser Gelegenheit auch den kleinen Anfangsbuchstaben, der ihn heute noch ziert (5). 19905 kam der Strichcode hinzu.

Tradition und Wandel

Über 80 Jahre liegen zwischen diesen Bleistiften

Durch eine Umstellung in der Fertigung ließen sich neun statt bisher acht Stifte aus einem Sandwich fertigen, doch wann das war, kann ich leider nicht sagen. Ebenso wenig weiß ich, wann die Blindprägung hinzu kam und der tradition 112, die Ausführung mit Radiertip, ein­geführt wurde.

Natürlich gab es noch weitere Änderungen. Inzwischen ist der tradition nicht mehr wie frü­her aus Zeder8, sondern aus Kolorado-Tanne9, und im Vergleich der Generationen sind deutliche Qualitätsunterschiede bei den Minen zu spüren. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Minenqualität des tradition 110 wieder sehr gut ist (meine Exemplare mit der Be­schrif­tung in Versalien sind da eher enttäuschend10). Zudem gab es Varianten bei der Her­kunfts­angabe11.

Es wurde aber noch etwas geändert, doch was war das? Wer als erster einen Kommentar mit der richtigen Antwort und einer funktionierenden E-Mail-Adresse hinterlässt, bekommt eine kleine Überraschung.

  1. Mir ist zu spät aufgefallen, dass ich für die Fotos einen aktuellen tradition ausgesucht habe, bei dem der weiße Lack im Kronenkäppchen etwas dünner ausgefallen ist und den roten Lack daher leicht durchscheinen lässt. Dies ist natürlich eine Ausnahme und nicht die Regel.
  2. Quelle: Kennzeichnung des Stifts aus einer Sammlungsauflösung.
  3. Siehe dazu „J.S. Staedtler Noris 1100 № 2″.
  4. Ich meine, mal von 1963 gehört zu haben.
  5. Quelle: STAEDTLER.
  6. Oder ein sehr ähnlicher Font.
  7. In dieser Zeit nutzte man diese an einen Integralhelm erinnernde Variante des Mars-Kopfes.
  8. Genauer: Kalifornische Bleistiftzeder; siehe dazu „Bleistifthölzer.
  9. Ich meine mich zu erinnern, dass der tradition – ebenso wie der Noris – auch mal (vor etwa zehn Jahren?) aus Jelutong gefertigt wurde.
  10. Gleiches gilt übrigens für den Lumograph 100 und den Noris 120 aus dieser Zeit.
  11. Einen interessanten Blick auf Exemplare des tradition aus Deutschland, England und Australien gibt es unter „Staedtler tradition 110″ bei Bleistift.

„Für Bild und Schrift …

Sonntag, 15. September 2019

… den STAEDTLER-Stift” verkündet diese Papiertüte und hat damit natürlich recht.

Für Bild und Schrift …

Die 12,3 × 18,7 cm große und einseitig bedruckte Tüte ist gut 60 Jahre alt1 und kommt somit etwa aus der gleichen Zeit wie das kürzlich gezeigte Löschblatt. – In den Rahmen am unteren Rand kam vermutlich der Händlerstempel.

Für Bild und Schrift …

Stellvertretend für alle STAEDTLER-Stifte sind hier hier der Bleistift Mars Lumograph 2886 und der Mars Kopierstift 754 zu sehen.

Für Bild und Schrift …

Unnötig zu sagen, dass mir die Gestaltung sehr gut gefällt. – Warum es hier „ANNO 1662″ heißt, obwohl man im Jahr 2010 „175 Jahre STAEDTLER” gefeiert hat, ist hier erläutert.

Für Bild und Schrift …

Das war's auch schon für den heutigen Sonntag.

  1. Datierbar am Mars-Kopf, der in dieser Form von 1952 bis 1957 verwendet wurde.

MARS

Mittwoch, 31. Juli 2019

Aus der ersten Hälfte der 1950er Jahre1 und damit gut 60 Jahre alt ist dieses 15 × 10,5 cm große Löschblatt, das für die Schreibgeräte der MARS-Serie von STAEDTLER warb2.

MARS

Während die saugfähige Rückseite in zartem Rosa gehalten ist, überwiegt auf der werben­den Vorderseite das am 1. August 1930 mit dem Bleistift Lumograph 2886 eingeführte Mars-Blau.

MARS

Beworben werden hier der Farbstift Mars Chroma 2919 (natürlich Blau), der Mars Kopierstift 754, der Bleistift Mars Lumograph 2886 und ein mir unbekannter Füllhalter. Die Falt­schachtel darf ihren „MARS”-Schriftzug zeigen, und die blassgrauen Rehe im Hintergrund sollen ver­mutlich ein Beispiel dafür sein, was man mit dem Lumograph zeichnen kann.

MARS

Selbstverständlich werde ich diesem Löschblatt den bestimmungsgemäßen Gebrauch vor­ent­halten, denn dafür ist es mir zu schade3.

MARS

Weitere Reklame-Löschblätter gibt es hier und da zu sehen.

  1. Datierbar am Mars-Kopf, der in dieser Form von 1952 bis 1957 verwendet wurde.
  2. Warum heißt es hier „ANNO 1662″, obwohl man im Jahr 2010 „175 Jahre STAEDTLER” gefeiert hat? Wie dies zusammenpasst, ist hier erläutert.
  3. Über die Sinnhaftigkeit dessen kann man sicher streiten.

J.S. Staedtler 1919 (12)

Freitag, 26. Juli 2019

Aus dem hier schon mehrfach in Ausschnitten gezeigten und inzwischen 100 Jahre alten Katalog von J.S. Staedtler: Der Bleistift „Normal” (Nr. 17).

J.S. Staedtler 1919 (12)

(zum Vergrößern anklicken)

Der unter „Feine Schreib- und Zeichenstifte” geführte Bleistift war aus Zedern-Ersatzholz und wurde für „bessere Schreibzwecke” angeboten. – Heute würde man wohl kaum ein Produkt „Normal” nennen, suggeriert dieser Name doch Mittelmaß, aber damals sah man das offenbar anders. Ich finde den Namen großartig!

 Bleistiftspitzer | J.S. Staedtler 1919

Viking Farveblyanter

Dienstag, 2. Juli 2019

Aus einem Katalog der 1930er Jahre des dänischen Herstellers Viking: Farbstifte, darunter auch ein Rot-Blau-Stift.

Viking Farveblyanter

Danke an Jens M. Thomsen von Viking für den Scan!

Rot und Blau

Samstag, 22. Juni 2019

Wann kam der Rot-Blau-Stift in die Welt? Im Jahr 1869 schrieb Lothar von Faber rück­blickend in einem Brief an seinen Bruder Eberhard Faber in New York:

Bei den Farbstiften kam ich auf die Idee, einen Stift herzustellen, halb mit Zinnober u. halb mit Blau, wie er zuvor von keinem anderen Fabrikanten gemacht wurde. Du selbst weißt welchen Erfolg dieser Stift in America hatte, wohin sie anfangs 100 Groß weise gesandt wurden u. heute noch allenthalben verkauft werden.1

Den Rot-Blau-Stift gab es also bereits vor 1869, und Lothar von Faber hatte ihn erdacht. Doch wie sah der Stift aus? Die Dokumentation des Sortiments von A.W. Faber beginnt mit den ersten in den 1860er Jahren gedruckten Warenkatalogen, und die Rot-Blau-Stifte wurden erstmals um 1870 genannt. Allerdings enthielten die damaligen Kataloge noch kei­ne Abbil­dungen.

Rot und Blau

Aus einem Warenkatalog von A.W. Faber (um 1870)

Unter „Neue Patent-Farbstifte mit beweglicher Farbe” finden sich „1 Dzd. Patentstifte 6eckig, doppelte mit feinsten Zinnober und Blau, Nr. 12, naturpolirt-Gold, 16 Centimeter lang” und „1 Dzd. Patentstifte 6eckig, doppelte mit feinsten Zinnober und Blau, zweifarbig polirt mit Ring”. Nach diesen mechanischen werden im selben Katalog unter „Neue verbes­serte Farbstifte” holzgefasste Rot-Blau-Stifte aufgeführt.

Aus einem Warenkatalog von A.W. Faber (um 1870)

Neben diesen, die in drei Qualitäten und jeweils zwei Profilen erhältlich waren, gab es Rot-Grün- und sogar Rot-Graphit-2 und Blau-Graphit-Stifte3. Alle wurden auch im Ausland ange­boten.

Rot und Blau

Aus einem Warenkatalog von A.W. Faber (um 1874)

Zu den 1881 angebotenen Taschenbleistiften mit Hülsen aus Nickel gehörte auch der „Spit­zenbewahrer, 2seitig, mit Zinnober und Blaustift” (Ordnungs-Nummer 0360).

Rot und Blau

Aus einem Warenkatalog von A.W. Faber (1881)

Die Patent-Farbstifte mit beweglicher Farbe wurden im 1884 gedruckten Londoner Katalog farbig abgebildet4.

Rot und Blau

Aus einem Warenkatalog von A.W. Faber (1884)

Neben „movable points” gab es hier noch „propelling and repelling action”. War damit ein Dreh­stift gemeint, bei dem die Mine durch Drehen der Spitze aus- und eingefahren wer­den konnte? Auch im Katalog von 1885 waren zwei unterschiedliche Minenhalter mit roter und blauer Mine zu sehen.

Rot und Blau

Aus einem Warenkatalog von A.W. Faber (1885)

Ab etwa 1885 erschien der holzgefasste Rot-Blau-Stift in weiteren Ausführungen, u. a. als Magazin-, Büro- und Poststift5, doch diesen wird ein eigener Beitrag gewidmet sein.

Danke an Faber-Castell für die Scans und die Details!

  1. Zitiert nach Eich, Dieter: Lothar von Faber. Ein Nürnberger Unternehmer des 19. Jahrhun­derts. Diplomarbeit an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nürnberg 1969, Anlage I, S. 40.
  2. Die bekanntesten Vertreter dieser Gattung dürften der Tombow LV-KEV, der Caran d'Ache Graphicolor und der Caran d'Ache × CWPE „The Editor” sein, doch es gab (und gibt) noch einige mehr.
  3. Der einzige mir bekannte Stift dieser Art ist der Koh-I-Noor Duo.
  4. Diese Art Minenhalter wurden später als „Schraub-Klemm­stifte” angeboten und waren einige Jahrzehnte lang erhältlich.
  5. Zum Begriff des Poststifts siehe „Markiges Marketing (22)”.

Markiges Marketing (22)

Freitag, 21. Juni 2019

Markiges Marketing (22)

Für die Poststifte der Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Rehbach warb diese 39 × 60 mm große und mindestens 85 Jahre alte Reklamemarke. – Die Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Rehbach wurde 1821 gegründet und ging 1934 in Konkurs; danach wurde sie unter dem Namen J.J. Rehbach bis Mitte der 1970er Jahre weitergeführt.

Als „Poststifte” wurden Farbstifte meist größeren Durchmessers bezeichnet, doch mögli­cherweise hatten diese Stifte nur wenig mit der Post zu tun. In einem nie veröffentlichten ABC von Schwan-Stabilo hieß es 1955:

Poststift – eine alte Sortenbezeichnung, die noch heute angewandt wird. Es handelte sich normalerweise um einen farbigen, nicht kopierfähigen Stift, dessen Kern und dessen Fassung gewöhnnlich stärker als normal sind. Er wird zum Beschreiben von Verpackungspapier, Pappe, Aktendeckeln und ähnlichem gebraucht. Oft ist deshalb auch die Rede von Magazinstiften und Bürofarb­stiften.

Auch das Ordbog over det danske sprog (Wörterbuch der dänischen Sprache) führte 1936 „Poststift” als Fachbegriff des Handels und als eine andere Bezeichnung für einen roten und blauen Farbstift auf, der urspünglich mit einem Posthorn gekennzeichnet wurde.

Ich wüsste gerne, woher der Begriff „Poststift” stammt!

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MARS=precision

Mittwoch, 19. Juni 2019

Die Produkte des MARS-Sortiments als Garant für Präzision bewarb STAEDTLER Mitte der 1960er Jahre1 mit diesem ewigen Wandkalender.

MARS=precision

(Fotos zum Vergrößern anklicken)

Alles für das technische Zeichnen ist vertreten: Tuschezeichner Mars-7002, Fallminenstift Mars-Technico 48000, Farbstift Mars-Lumochrom, Bleistift Mars-Lumograph 2886 und ein Zirkel mit Verlängerungsstange3.

MARS=precision

Der von Carl Ph. Schmidt in Kaiserslautern hauptsächlich aus Karton gefertigte Kalender ist 30,5 × 26,5 cm groß, bemerkenswert gut erhalten und schmückt demnächst die Wand an meinem Schreibtisch.

  1. Der hier verwendete Marskopf wurde von 1963 bis 1973 benutzt, und meines Wissens kehrte man 1963 die Richtung der Beschriftung um; 1967 kamen die dreistelligen Artikelnummern. – Mich überrascht jedoch die weiße Prägung auf den holzgefassten Stiften, denn soweit ich weiß, hat diese erst 1977 die goldfarbene abgelöst.
  2. Die hier abgebildete Variante des Tuschezeichners Mars-700 ist die erste, die noch die Kolbenfüller-Mechanik des Vorläufers Mars-500 hatte; 1968 kam die zweite, die mit Patronen arbeitete. Danke an Helmut für diese Details! – Die aktuelle Variante ist der Mars matic 700.
  3. Also genaugenommen nicht alles – es fehlen u. a. Zeichenpapier oder -folie, Radierer und Minenspitzer.
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