Lumograph

80 Jahre Lumograph

Heute vor 80 Jah­ren wurde die Marke „Lumo­graph“ für STAEDTLER eingetragen.

80 Jahre Lumograph

Ange­mel­det wurde die Marke bereits am 20. August 1930. Im sel­ben Jahr begann die Pro­duk­tion des Blei­stifts1, der dann als MARS LUMOGRAPH 2886 auf den Markt kam2 und eine Wei­ter­ent­wick­lung des MARS 1225 dar­stellte. – Die Marke „MARS“ hatte man schon 1919 in den Fir­men­na­men inte­griert, und die hell­blaue Poli­tur3 des MARS 1225 wurde 1925 zum bis heute genutz­ten „Mars­blau“.

Die erste Vari­ante im Bild gibt mir Rät­sel auf, denn ich dachte bis­her, dass mit dem Namen „Lumo­graph“ auch das heute noch typi­sche Design mit schwar­zer Tauch­kappe und wei­ßem Ring kam, doch offen­bar war das nicht der Fall4. 1967 führte man ein neues Num­mern­sys­tem ein und gab dem MARS LUMOGRAPH die Arti­kel­num­mer 100; mei­nes Wis­sens trennte man sich zu die­ser Zeit auch vom Vier­tel­mond und dem astro­no­mi­schen Zei­chen für den Pla­ne­ten Mars5. Wei­tere zehn Jahre spä­ter ging man von der gold­far­be­nen zur wei­ßen Beschrif­tung in Hel­ve­tica6-Ver­sa­lien über. 1990 kam der Strich­code hinzu, und 2003 wich die Groß­schrei­bung der Gemischt­schrei­bung in Fru­ti­ger6; bei die­ser Gestal­tung ist es bis heute geblieben.

  1. Ja, ich hätte das 80-jährige Jubi­läum eigent­lich schon im ver­gan­ge­nen Jahr erwäh­nen kön­nen, aber ich hab’s ver­pennt.
  2. Als Datum der Markt­ein­füh­rung wurde mir mal der 1. August 1930 genannt, doch das konnte ich nicht mehr veri­fi­zie­ren.
  3. Der Begriff „Poli­tur“ geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spit­zen­blei­stifte einen Schel­lack­über­zug mit Schwermetall-Farben erhiel­ten und von Hand poliert wur­den.
  4. Kürz­lich konnte ich von STAEDTLER erfah­ren, dass in einem Pro­dukt­ka­ta­log von 1935 ein Mars Lumo­graph 2886 mit Tauch­kappe, aber ohne Ring zu sehen ist; gut mög­lich, dass sich die Gestal­tung schritt­weise ent­wi­ckelt hat.
  5. Die mir vor­lie­gen­den Anga­ben zu dem Zeit­punkt, an dem die Rich­tung der Beschrif­tung umge­kehrt wurde, sind lei­der wider­sprüch­lich; es muss jedoch in den 1960er Jah­ren gesche­hen sein.
  6. Oder einem ähn­li­chen Font.

„… eine Art Fortsetzung der Hand“

Der Schwei­zer Schrift­stel­ler Tho­mas Hür­li­mann war im Dezem­ber zu Gast in der Sen­dung „Stern­stunde Reli­gion“ im SRF1; mit ihm sprach Oli­via Röllin. Beson­ders inter­es­sant fand ich, dass Tho­mas Hür­li­mann am liebs­ten mit Blei­stift schreibt und wel­che Gründe er dafür nennt2.

„... eine Art Fortsetzung der Hand“

Oli­via Röllin: Und dann schrei­ben sie auch, sie haben das mit­ge­nom­men, mit solch klei­nen Blei­stif­ten, also nicht mit der Maschine. Kön­nen sie bes­ser den­ken mit dem Stift als mit der Maschine?

Tho­mas Hür­li­mann: Das Blei­stift, das ist ja so eine Art Fort­set­zung der Hand, der Fin­ger, und es ist eben so, wenn ich mit die­sen Blei­stif­ten schreibe und nach­her ein Blatt vor mir habe, dann kann ich mich an die­ses Blatt sehr gut erin­nern. Also da habe ich ein ande­res Gedächt­nis als bei einer PC-Seite, die dann viel zu sau­ber ist. Da mache ich manch­mal auch, wenn’s mir lang­wei­lig ist, eine kleine Zeich­nung oder ich notiere etwas, was ich mir mer­ken muss. Wenn ich dann spä­ter mich frage, wo […] habe ich dann nicht noch etwas, einen Satz in die­ser oder jener Rich­tung, dann kann ich mich an diese Blät­ter gut erin­nern. Das könnte ich so mit einem com­pu­ter­be­schrie­be­nen Blatt eben nicht.

„... eine Art Fortsetzung der Hand“

Oli­via Röllin: Also das hat rein prak­ti­sche Gründe, dass sie das bes­ser memo­rie­ren können.

Tho­mas Hür­li­mann: Einer­seits das, und zwei­tens denke ich, dass der Bezug zwi­schen dem Schrei­ben­den, also zwi­schen der Hand und dem Blatt Papier, ist intensiver.

„... eine Art Fortsetzung der Hand“

Oli­via Röllin: Weil das eben eine Fort­set­zung ist?

Tho­mas Hür­li­mann: Ja. […] Also ich bin wahr­schein­lich eben auch in der Holz­zeit ver­blie­ben, bin nie ganz in der Elek­tro­nik gelan­det. Ich benutze die gern dann für ein sau­be­res Manu­skript. Eigent­lich bin ich ein alter Holz­ar­bei­ter mit einem Blei­stift und einem Papier.

Das gefällt mir sehr gut, und ich finde es bemer­kens­wert, dass er den Mars Lumo­graph in 4B nutzt.

Danke an Chris­tof für den Hin­weis auf diese Sendung!

  1. Ich gehe davon aus, dass die Ver­öf­fent­li­chung der Screen­shots der genann­ten Sen­dung als Zitat nach § 51 UrhG gilt, da ich das in den Screen­shots Gezeigte im Bei­trag the­ma­ti­siere und die Screen­shots als Beleg für meine Aus­füh­run­gen not­wen­dig sind.
  2. Der Text ist ein Tran­skript des Gesprächs von 2:12 bis 4:00.

MARS

Aus der ers­ten Hälfte der 1950er Jahre1 und damit gut 60 Jahre alt ist die­ses 15 × 10,5 cm große Lösch­blatt, das für die Schreib­ge­räte der MARS-Serie von STAEDTLER warb2.

MARS

Wäh­rend die saug­fä­hige Rück­seite in zar­tem Rosa gehal­ten ist, über­wiegt auf der werben­den Vor­der­seite das am 1. August 1930 mit dem Blei­stift Lumo­graph 2886 ein­ge­führte Mars-Blau.

MARS

Bewor­ben wer­den hier der Farb­stift Mars Chroma 2919 (natür­lich Blau), der Mars Kopier­stift 754, der Blei­stift Mars Lumo­graph 2886 und ein mir unbe­kann­ter Füll­hal­ter. Die Falt­schachtel darf ihren „MARS“-Schriftzug zei­gen, und die blass­grauen Rehe im Hin­ter­grund sol­len ver­mutlich ein Bei­spiel dafür sein, was man mit dem Lumo­graph zeich­nen kann.

MARS

Selbst­ver­ständ­lich werde ich die­sem Lösch­blatt den bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch vor­ent­halten, denn dafür ist es mir zu schade3.

MARS

Wei­tere Reklame-Löschblätter gibt es hier und da zu sehen.

  1. Datier­bar am Marskopf, der in die­ser Form von 1952 bis 1957 ver­wen­det wurde.
  2. Warum heißt es hier „ANNO 1662“, obwohl man im Jahr 2010 „175 Jahre STAEDTLER“ gefei­ert hat? Wie dies zusam­men­passt, ist hier erläu­tert.
  3. Über die Sinn­haf­tig­keit des­sen kann man sicher strei­ten.

STAEDTLER Mars Lumograph jumbo

Im Okto­ber ver­gan­ge­nen Jah­res auf der Insights-X in Nürn­berg vor­ge­stellt und seit eini­ger Zeit im Han­del: Der STAEDTLER Mars Lumo­graph jumbo.

STAEDTLER Mars Lumograph jumbo

Der in den Här­te­gra­den HB, 2B, 4B, 6B und 8B erhält­li­che Lumo­graph jumbo hat einen Durch­mes­ser von 11 mm1 und die übli­che Länge von 17,5 cm.

STAEDTLER Mars Lumograph jumbo

Seine Gestal­tung ent­spricht fast der des regu­lä­ren Lumo­graph; ledig­lich die Angabe des Här­te­grads auf der schwar­zen Tauch­kappe ist bei ihm nicht vorhanden.

STAEDTLER Mars Lumograph jumbo

Links: regulär/jumbo 2B, rechts: regulär/jumbo 4B

Die Mine des werk­sei­tig gespit­zen Lumo­graph jumbo ist beein­dru­ckende 5,3 mm dick2, wodurch er sich vor allem für das groß­flä­chige Arbei­ten eignet.

STAEDTLER Mars Lumograph jumbo

Die Material- und Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät des aus Zeder gefer­tig­ten Lumo­graph jumbo würde ich als sehr gut bezeich­nen; auch aus die­sem Grund macht es mir Freude, ihn zu benutzen.

STAEDTLER Mars Lumograph jumbo

Mit dem Möbius+Ruppert 602

Der Lumo­graph jumbo wird ein­zeln und im Set mit allen fünf Här­te­gra­den angeboten.

Danke an STAEDTLER für die Mus­ter des Lumo­graph jumbo!

  1. Schlüs­sel­weite 10 mm.
  2. Regu­lä­rer Lumo­graph: 2 mm (10H–2B); 2,5 mm (3B–5B); 3,6 mm (6B–11B); 4,5 mm (12B).

Ein Bleistift verschwindet

Ende 2015 hat STAEDTLER die Sor­ti­ments­er­wei­te­rung des Bleistift-Klassikers Mars Lumo­graph vor­ge­stellt. Mit 7H, 8H, 9H und 9B kamen vier Här­te­grade hinzu, und die Här­te­grade 7B und 8B ent­hal­ten nun kei­nen Ruß mehr. Neu sind der Lumo­graph Black in 2B, 4B, 6B und 8B mit hohem Ruß­an­teil. Damit ver­schwin­det der alte Lumo­graph 7B.

Ein Bleistift verschwindet

Man­che Händ­ler haben noch Rest­be­stände, und so trifft man ihn zuwei­len zusam­men mit dem neuen 7B an. Wäh­rend die Mine des alten auf­grund des Ruß­an­teils matt­schwarz ist, lässt der hohe Gra­phit­an­teil des neuen die Mine grau glänzen.

Ein Bleistift verschwindet

Wer gerne den alten 7B benutzt hat, sollte sich jetzt noch Rest­be­stände sichern. – In­teressant zu wis­sen wäre, ob die Mine des neuen Black 8B der des alten 8B ent­spricht; falls nicht, würde letz­te­rer eben­falls verschwinden.

Anmer­kung: Die Grade 7B und 8B des Lumo­graph, der am 1. August 1930 ein­ge­führt wurde, kamen als EXB und EX-EXB auf den Markt. Spä­ter änderte man die Bezeich­nun­gen zu EB und EE und in der zwei­ten Hälfte der 1990er Jahre zu 7B und 8B. In Thai­land war der Lumo­graph EE jedoch so beliebt, dass man den Namen dort noch eine ganze Weile behal­ten hat. Es gibt immer wie­der Dis­kus­sio­nen dar­über, ob nicht nur die Bezeich­nung, son­dern auch die Rezep­tur die­ser bei­den Grade geän­dert wurde (siehe dazu auch „The hunt for the EE grade pen­cil“ bei pen­cil talk).

Aus der Modewelt

Zu den pro­mi­nen­ten Nut­zern des STAEDTLER Mars Lumo­graph gehörte der fran­zö­si­sche Mode­de­si­gner Yves Saint Lau­rent (1936-2008). So über­rascht es, dass im Film „Saint Lau­rent“ (Frank­reich 2014, Regie Bert­rand Bonello) nicht die­ser Bleistift-Klassiker, son­dern ein ande­rer Stift zu sehen ist1.

Aus der Modewelt

Quelle: arte2. – Bil­der zum Ver­grö­ßern anklicken.

Doch um wel­chen blauen Stift in die­ser Szene, die im Jahr 1969 spielt, han­delt es sich? Die gold­far­be­nen Akzente auf der schwar­zen Tauch­kappe und der Auf­druck sind ein­deu­tige Hin­weise: Es ist der STAEDTLER Mars Dura­lar 100 30.

Aus der Modewelt

Quelle: arte.

Die­ser Spe­zi­al­stift kam 1959 als Mars-Lumograph Dura­lar 2830 auf den Markt und war ge­dacht für das Zeich­nen auf PET-Folie (bekannt unter den Namen Mylar und Host­a­phan). Er wurde in den Här­te­gra­den K1 bis K5 ange­bo­ten3, ent­hielt Ruß als farb­ge­ben­den Bestand­teil und hatte als ers­ter holz­ge­fass­ter Stift die­ses Her­stel­lers eine gebrannte Mine mit Po­lymerbindung4. Seine Vor­züge gegen­über einem her­kömm­li­chen Blei­stift waren die stärke­re Schwärzung, die bes­sere Radier­bar­keit und die höhere Wisch­fes­tig­keit auf Folie. – Den Dura­lar gab es in einer abwasch­ba­ren („was­ha­ble”) und einer nicht abwasch­ba­ren Ver­sion („wash­proof”).

In der zwei­ten Hälfte der 1960er Jahre gab man dem Stift den Namen MARS DURALAR5 und die Arti­kel­num­mer 100 30. Zudem änderte man seine Gestal­tung: Nutzte man für den alten Prä­ge­druck eine Kom­bi­na­tion aus Serifen- und Schreib­schrift, kamen beim neuen seri­fenlose Ver­sa­lien zum Ein­satz; kurz dar­auf kehrte man die Rich­tung der Beschrif­tung um (die im Film gezeigte ist die alte, denn sie läuft von der Tauch­kappe zur Spitze6). Außer­dem wurde der Ring unter der Tauch­kappe nun weiß statt gold­far­ben aus­ge­führt. 1973 änderte sich das Design des Marskop­fes, und etwas spä­ter kam das Zei­chen für „Spezial­verleimung“ hinzu. – Nach­fol­ger des Dura­lar 100 30 war der Dyna­graph 100 50 in den Gra­den N0 bis N57.

Aus der Modewelt

Zwei STAEDTLER MARS DURALAR5 aus den 1970er Jahren

Aber warum griff man für den Film über Yves Saint Lau­rent nicht zum Lumo­graph, son­dern zum ungleich schwe­rer zu beschaf­fen­den Dura­lar? War es nur ein Feh­ler der Requi­site? Es fällt jedoch ange­nehm auf, dass der gewählte Stift zeit­lich per­fekt zur Szene passt.

Danke an Kai für den Hin­weis auf den blauen Stift in „Saint Laurent“!

Nach­trag vom 8.6.17: Wei­tere Exem­plare des Dura­lar und des Dyna­graph gibt es unter „Staedtler Mars Dura­lar and Dyna­graph“ bei pen­cils and other things zu sehen.

  1. Im sel­ben Jahr erschien der Film „Yves Saint Lau­rent“ (Regie Jalil Lespert), doch in die­sem wur­de der STAEDTLER Mars Lumo­graph benutzt.
  2. Ich gehe davon aus, dass die Ver­öf­fent­li­chung der bei­den Screen­shots des genann­ten Films als Zitat nach § 51 UrhG gilt, da ich das in den Screen­shots Gezeigte im Bei­trag the­ma­ti­siere und die Screen­shots als Beleg für meine Aus­füh­run­gen not­wen­dig sind.
  3. Übri­gens schreibt selbst der weichste Dura­lar (K1) auf Papier nicht allzu gut.
  4. Hier bin ich mich nicht 100%ig sicher.
  5. Hier schreibe ich den Pro­dukt­na­men kor­rekt in Ver­sa­lien; ansons­ten wähle ich zu Guns­ten der bes­se­ren Les­bar­keit die Gemischt­schrei­bung.
  6. Sie ist auch bekannt als „Links­hän­der­be­schrif­tung“, da man sie lesen kann, wenn man den Stift in der lin­ken Hand hält.
  7. Mehr zum Dyna­graph unter „Staedtler Mars Dyna­graph pen­cils and leads“ bei pen­cil talk.
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