„Der Bleistift ist absolute Spitze”

3. Januar 2020

Der moderne Bleistift feiert heute seinen 225. Geburtstag, denn am 3. Januar 1795 erhielt Nicolas-Jacques Conté das Patent auf seine noch heute genutzte Rezeptur für die Mine aus Graphit und Ton. In der sehr lesenswerten Hommage „Der Bleistift ist absolute Spitze” widmet sich Claudia Mäder der von Krieg und Liebe geprägten Geschichte des Bleistifts. – Danke an Thomas für den Hinweis auf diesen Artikel!

2020

1. Januar 2020

2020

Hobonichi Techo 2019/2020 und Pilot 20201

Allen meinen Lesern viel Glück und Gesundheit im neuen Jahr!

  1. Die Typenbezeichnung hat übrigens nichts mit der Jahreszahl zu tun (siehe „Werkzeug”).

Doppelt verlängern

30. Dezember 2019

Das ausgehende Jahr kann man nicht verlängern, wohl aber einen kürzer werdenden Blei­stift, und mit diesem Verlängerer1 von Kutsuwa aus Japan sogar gleich zwei.

Doppelt verlängern

Doppelt verlängern

Er ist aus Metall, 104 mm lang, an den Griffstücken 11 mm dick und mit gut 10 Gramm sehr leicht. Es liegen zwei selbstklebende Namensetiketten bei, was für Schüler als Ziel­gruppe spricht.

Doppelt verlängern

Der Verlängerer nimmt runde, drei- und sechsflächige Bleistifte mit einem Durchmesser von 6,5 bis 8 mm auf und hält sie mit seiner viergeteilten Klemmung sehr zuverlässig. Er ist sehr praktisch und meines Wissens einzigartig, denn ich kenne keinen weiteren für zwei Stifte.

Doppelt verlängern

Die Material- und Verarbeitungsqualität des in China hergestellten Utensils ist ordentlich, auch wenn die Griffstücke bei den ersten Umdrehungen etwas geknirscht haben.

Doppelt verlängern

Ein Graphit-Rot-Stift aus dem Pentel Black Polymer 999 HB und dem Mitsubishi uni Arterase Color

Der doppelte Verlängerer ist aus der HiLine-Serie, hat die Artikelnummer RH013 und kostet 130 Yen (knapp 1,10 Euro).

Danke an Sola von pencils and other things für diesen Verlängerer!

  1. Spitzfindiger Ausflug: Der deutsche Begriff „Verlängerer” ist eigentlich irreführend, macht er doch den kurzen Bleistift als solchen nicht länger, sondern nur besser handhabbar. So ist die im englischsprachigen Raum und auch auf dieser Verpackung von Kutsuwa anzutreffende Be­zeichnung „pencil holder” zutreffender.

Schützen und verlängern

16. Dezember 2019

Kappen zum Schutz der Spitzen von Blei- und Farbstiften gab und gibt es in etlichen Aus­führungen. Doch viele haben Nachteile: Sie passen nur auf Stifte mit einem bestimmten Durchmesser, sind aus dünnem Metall und verformen sich leicht, eignen sich nicht für lange Spitzen, erinnern an solche für Kosmetikstifte oder sind – bei älteren Exemplaren – nur schwer zu bekommen. Ein Modell des japanischen Anbieters Kutsuwa hat diese Nachteile nicht und bietet obendrein eine Besonderheit.

Schützen und verlängern

Das aus Polycarbonat gefertige Utensil sitzt zuverlässig auf runden, drei- und sechsflächigen Stiften mit gängigen Durchmessern und hat auch Platz für einen langen Konus. Die Form des Querschnitts (dreieckig mit abgerundeten Ecken) und eine Nase verhindern das Weg­rollen.

Schützen und verlängern

Mitsubishi uni Arterase Color (CARL Angel-5), STAEDTLER Noris (M+R Pollux),
Kutsuwa HiLine Orenpitsu (Faber-Castell Janus 4048)

Hinter dem ungewöhnlichen Design verbirgt sich die Besonderheit: Steckt man die Kappen zusammen, erhält man einen Verlängerer, der dank Kraft- und Formschluss bemerkenswert gut funktioniert. Pfiffig!

Schützen und verlängern

Die transparente Ausführung gibt es im Set mit dem Bleistift Orenpitsu und die farbige im Zehnerpack.

Tradition und Wandel

30. November 2019

Diese Anzeige von J.S. STAEDTLER aus dem Jahr 1941 hat mich erneut dazu angeregt, ge­nauer auf den Bleistift „Tradition” zu schauen.

Tradition und Wandel

Die Marke „Tradition” wurde 1931 eingetragen und seitdem für Schreibwaren unterschied­lichster Art benutzt, ist aber hier hauptsächlich durch den gleichnamigen Bleistift bekannt. Dessen Gestaltung hat sich in den über 80 Jahren seiner Existenz mehrmals geändert.

Tradition und Wandel

(zum Vergrößern anklicken)

Der immer in schwarz und rot gehaltene Tradition1 hatte zunächst kein Kronenkäppchen (1, 19362), denn dieses kam erst 19383. Danach änderte sich u. a. die Darstellung des Härte­grads mehrmals. Die Kennzeichnung auf allen Seiten und die gewellten Linien (2, 19472) kamen und gingen, und von den Ziffern ging es zu Buchstaben und wieder zurück (3, ca. 1950er Jahre).

In den 1960er Jahren4 kehrte sich die Richtung der Beschriftung um. 19675 führte man ein neues Nummernsystem ein, wodurch 200 durch 110 ersetzt wurde. In der gleichen Zeit ver­schwanden meines Wissens auch der Viertelmond und die Jahreszahl 1662, die man nach einem Rechtsstreit mit Faber-Castell ab 2010 gar nicht mehr nannte.

Im Jahr 19775 wechselte man von der goldfarbenen zur weißen Beschriftung in Helvetica6-Versalien (4, zwischen 1973 und 20017). Zu sehen ist hier auch das Zeichen für „Sicher­heits­verleimung”, bei der man unterschiedliche Leime für Mine-Holz und Holz-Holz einsetzte (dies wurde zum Standard).

20035 wich die Großschreibung der Gemischtschreibung in Frutiger6, und ver­mut­lich bekam der tradition bei dieser Gelegenheit auch den kleinen Anfangsbuchstaben, der ihn heute noch ziert (5). 19905 kam der Strichcode hinzu.

Tradition und Wandel

Über 80 Jahre liegen zwischen diesen Bleistiften

Durch eine Umstellung in der Fertigung ließen sich neun statt bisher acht Stifte aus einem Sandwich fertigen, doch wann das war, kann ich leider nicht sagen. Ebenso wenig weiß ich, wann die Blindprägung hinzu kam und der tradition 112, die Ausführung mit Radiertip, ein­geführt wurde.

Natürlich gab es noch weitere Änderungen. Inzwischen ist der tradition nicht mehr wie frü­her aus Zeder8, sondern aus Kolorado-Tanne9, und im Vergleich der Generationen sind deutliche Qualitätsunterschiede bei den Minen zu spüren. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Minenqualität des tradition 110 wieder sehr gut ist (meine Exemplare mit der Be­schrif­tung in Versalien sind da eher enttäuschend10). Zudem gab es Varianten bei der Her­kunfts­angabe11.

Es wurde aber noch etwas geändert, doch was war das? Wer als erster einen Kommentar mit der richtigen Antwort und einer funktionierenden E-Mail-Adresse hinterlässt, bekommt eine kleine Überraschung.

  1. Mir ist zu spät aufgefallen, dass ich für die Fotos einen aktuellen tradition ausgesucht habe, bei dem der weiße Lack im Kronenkäppchen etwas dünner ausgefallen ist und den roten Lack daher leicht durchscheinen lässt. Dies ist natürlich eine Ausnahme und nicht die Regel.
  2. Quelle: Kennzeichnung des Stifts aus einer Sammlungsauflösung.
  3. Siehe dazu „J.S. Staedtler Noris 1100 № 2″.
  4. Ich meine, mal von 1963 gehört zu haben.
  5. Quelle: STAEDTLER.
  6. Oder ein sehr ähnlicher Font.
  7. In dieser Zeit nutzte man diese an einen Integralhelm erinnernde Variante des Mars-Kopfes.
  8. Genauer: Kalifornische Bleistiftzeder; siehe dazu „Bleistifthölzer.
  9. Ich meine mich zu erinnern, dass der tradition – ebenso wie der Noris – auch mal (vor etwa zehn Jahren?) aus Jelutong gefertigt wurde.
  10. Gleiches gilt übrigens für den Lumograph 100 und den Noris 120 aus dieser Zeit.
  11. Einen interessanten Blick auf Exemplare des tradition aus Deutschland, England und Australien gibt es unter „Staedtler tradition 110″ bei Bleistift.

Kurz notiert

19. November 2019
  • Unter dem Titel „Die Macht des Bleistifts in der digitalen Welt” widmet sich das Baye­rische Fernsehen am heutigen 19.11. um 22.30 Uhr der Zeichnung und ihrer zuneh­menden Be­deutung und begleitet dazu (so der Sender) „Zeichnerinnen und Zeichner, Künstler und Laien, in Deutschland und der Welt”. – Danke an Matthias für den Hinweis!
  • Für den Bleistift Single Barrel 106 hat die Musgrave Pencil Company aus Shelbyville, Ten­nessee (USA) alte Zeder-Brettchen genutzt, die Ende der 1930er Jahre vom letzten Holz­export nach Europa übrig geblieben sind und viele Jahre später in einem eingestürzten Lagerhaus entdeckt wurden. Die Gestaltung des Stifts, seine Verpa­ckung und natürlich die Geschichte gefallen mir sehr gut, und so bedaure ich, dass Musgrave keinen Versand nach Deutschland anbietet. – Danke an Stephen von pencil talk für den Hinweis!
  • Mit dem bruchstabilen Radierer Tough erweitert der japanische Hersteller am 28.11. Tombow seine MONO-Reihe.
  • Neu von Mitsubishi/uni, ab 22.11. im japanischen Handel und an Kinder gerichtet: Der Bleistift Hatatoco sowie weitere Farben der Bleistift-Serie Palette.
  • Wohl schon eine Weile auf dem Markt, aber für mich neu: Der Radierer Zi-Keshi von Kutsuwa mit Tiermotiven, darunter auch ein Shiba Inu.

Nachtrag vom 20.11.19: Heute hat Tombow die Pressemitteilung zum Radierer Tough veröffentlicht.

„Ein paar Buntstifte”

11. November 2019

Schreibwaren sind in der ZDF-Sendereihe „Bares für Rares” nur selten zu sehen, doch Ende August gab es eine Besonderheit.

„Ein paar Buntstifte”

Mit „Ich habe heute ein paar Buntstifte dabei” trat ein Gast zunächst vor den Experten und dann vor die fünf Händler, um ein wohl gut 100 Jahre altes und unbenutztes Set Krokierstifte von Johann Faber anzubieten. Der Kaufbetrag lag zum Schluss weit über der Schätzung des Experten, war aber meiner Ansicht nach immer noch recht niedrig. – Der Ausschnitt ist hier1 zu sehen.

Danke an den unbekannten Leser, der mich über das Kontaktformular darauf hingewiesen hat!

  1. Der Titel ist jedoch irreführend.

Kurz notiert

4. November 2019
  • Das Radiokolleg „Über das Schreiben” im ersten Hörfunkprogramm des Österreichischen Rundfunks beschäftigt sich mit den – so der Sender – „Facetten einer elementaren Kultur­technik”. Alle vier Folgen (1, 2, 3 und 4) sind online nachzuhören. – Danke an T.B. für den Hinweis!
  • Wer die Mechanik des Druckbleistifts Pentel P200 mag, nicht aber dessen Kunststoff­schaft, wird beim Kickstarter-Projekt „Number 9 pencil” von Lindsay Wilson fündig. Die hexagona­len Schäfte werden in drei Materialien (Aluminium, Messing und Edelstahl) und mit sechs unterschiedlichen Griffvarianten erhältlich sein. Das Projekt hat bereits jetzt das Finanzie­rungsziel erreicht.
  • Ich habe einen Beitrag erweitert: Der zum Gelschreiber uni-ball Signo Needle enthält jetzt einen weiteren kurzen Vergleich des Needle mit dem uni-ball Signo DX 0.38.
  • Das kürzlich veröffentlichte Patent „Mechanical Pencil” von Pilot Japan beschreibt einen Druckbleistift, bei dem man von außen sieht, ob noch Minen im Vorratsbehälter sind und wie viel von der letzten Mine noch übrig ist. Dazu folgt der letzten Mine ein längs der Stift­achse verschiebbares Teil, dessen Position durch ein Fenster im Schaft erkenn­bar ist. – Etwas ähnliches gab es übrigens schon beim Pentel P154 Injecto, der ein Fenster hatte, durch das man sehen konnte, wenn man die letzte Mine benutzte (eine weitere Besonder­heit dieses Druckbleistifts war dessen Befüllung durch eine Kartu­sche).

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