Graphit-Blau-Stifte

Holz­ge­fasste und mecha­ni­sche Stifte, die eine Graphit- und eine blaue Farb­mine vereinen

Jolly Mathestift

Bei der Suche nach Details zur Ver­wen­dung von Farb­stif­ten im Mathe­ma­tik­un­ter­richt – ange­regt durch den STAEDTLER FIBLOGRAPH – bin ich auf den Mathe­stift von Jolly1 gestoßen.

Jolly Mathestift

Er hat jeweils zur Hälfte eine Graphit- und eine Farb­mine in Rot, Blau und Grün. Wäh­rend man Graphit/​Rot immer wie­der mal antrifft, ist Graphit/​Blau recht sel­ten und Graphit/​Grün mir hier zum ers­ten Mal begegnet.

Aus der Produktbeschreibung:

Die Gra­phit­mine wird für die 1er-​Stellen ver­wen­det und die Farb­mi­nen für 10er-, 100er- und 1000er- Stel­len sowie für die Rechenzeichen.
Durch ein­fa­ches Umdre­hen des Stif­tes bleibt der Schreib­fluss auf­recht und die Kon­zen­tra­tion erhalten.

Die Ver­ar­bei­tung des Mathe­stifts ist ordent­lich und der sil­ber­far­bene Prä­ge­druck sau­ber. Außer dem Mar­ken­na­men und der Pro­dukt­be­zeich­nung in Deutsch und Eng­lisch („The Maths Pen­cil“)2 umfasst die Kenn­zeich­nung den Här­te­grad, den Strich­code, die GTIN, das „Qua­lity Aus­tria“-Güte­zei­chen und eine Zahl (viel­leicht der Farb­code). Eine Blind­prä­gung konnte ich nicht finden.

Jolly Mathestift

Mit 3,8 mm ist die Mine des Mathe­stifts fast dop­pelt so dick wie die übli­cher Blei- und Farb­stifte. Die Gra­phit­mine hat etwa die Härte des STAEDTLER Mars Lumo­graph HB und ist sehr gut radier­bar, aber sie schwärzt und glei­tet lei­der nicht so gut. Die Farb­mi­nen haben eine hohe Pig­men­tie­rung, eine ange­nehme Schreib­härte und ebenso wie die Gra­phit­mine eine sau­bere Abgabe. Alle Minen sind bemer­kens­wert bruch­sta­bil (Jolly hat dafür die schöne Bezeich­nung „kin­der­fest“).

Jolly Mathestift

Der Gra­phit­teil lässt sich sogar im M+R Pol­lux gut spit­zen, was für eine hohe Qua­li­tät von Mine, Holz und Ver­lei­mung spricht, doch für den Farb­teil greift man bes­ser zu einem nor­ma­len Hand- oder einen Kur­bel­spit­zer. Das Holz kann ich nicht sicher iden­ti­fi­zie­ren; es könnte Pap­pel sein.

Jolly Mathestift

Moti­va­tion für den Kauf war – neben mei­ner übli­chen Neu­gier – der Graphit-​Blau-, aber noch mehr der Graphit-​Grün-​Stift, und es wäre schön, wenn die­ser auch ein­zeln ange­bo­ten würde.

Den Mathe­stift gibt es im Drei­er­pack für etwa 6,50 Euro und in der Rund­dose mit 27 Stück.

  1. Jolly ist eine Marke des öster­rei­chi­schen Her­stel­lers Bre­viel­lier Urban & Sachs, unter der seit 1965 Pro­dukte zum Zeich­nen, Malen und Schrei­ben für Kin­der ange­bo­ten wer­den. Wei­tere Mar­ken von Bre­villier sind Creta­co­lor (Künst­ler­ma­te­rial) und SAX (Büro­be­darf). – „SAX“ geht zurück auf Hein­rich Sachs, der 1888 in Öster­reich mit der Her­stel­lung von Reiß­zwe­cken begann.
  2. Der Text auf der Rück­seite der Blis­ter­pa­ckung ist sogar in sechs Spra­chen ver­fasst (Deutsch, Eng­lisch, Slove­nisch, Ita­lie­nisch, Spa­nisch und Fran­zö­sisch).

Rot und Blau (3)

Wann und durch wen kam der Rot-​Blau-​Stift in die Welt? Im Jahr 1869 schrieb Lothar von Faber – er hatte 30 Jahre zuvor die 1761 gegrün­dete Blei­stift­fa­brik A.W. Faber über­nom­men – rück­bli­ckend in einem Brief an sei­nen Bru­der Eber­hard Faber in New York:

Bei den Farb­stif­ten kam ich auf die Idee, einen Stift her­zu­stel­len, halb mit Zin­no­ber u. halb mit Blau, wie er zuvor von kei­nem ande­ren Fabri­kan­ten gemacht wurde. Du selbst weißt wel­chen Erfolg die­ser Stift in Ame­rica hatte, wohin sie anfangs 100 Groß weise gesandt wur­den u. heute noch allent­hal­ben ver­kauft wer­den.1

Den Rot-​Blau-​Stift gab es also bereits vor 1869, und Lothar von Faber hatte ihn erdacht. Doch wie sah der Stift aus? Die Doku­men­ta­tion des Sor­ti­ments von A.W. Faber beginnt mit den ers­ten in den 1860er Jah­ren gedruck­ten Waren­ka­ta­lo­gen, und die Rot-​Blau-​Stifte wur­den erst­mals um 1870 genannt. Aller­dings ent­hiel­ten die dama­li­gen Kata­loge noch keine Abbildungen.

Rot und Blau (3)

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (um 1870)

Unter „Neue Patent-​Farbstifte mit beweg­li­cher Farbe“ fin­den sich „1 Dzd. Patent­stifte 6eckig, dop­pelte mit feins­ten Zin­no­ber und Blau, Nr. 12, naturpolirt-​Gold, 16 Cen­ti­me­ter lang“ und „1 Dzd. Patent­stifte 6eckig, dop­pelte mit feins­ten Zin­no­ber und Blau, zwei­far­big polirt mit Ring“. Nach die­sen mecha­ni­schen wer­den im sel­ben Kata­log unter „Neue ver­bes­serte Farb­stifte“ holz­ge­fasste Rot-​Blau-​Stifte aufgeführt.

Rot und Blau (3)

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (um 1870)

Neben die­sen, die in drei Qua­li­tä­ten und jeweils zwei Pro­fi­len erhält­lich waren, gab es Rot-​Grün- und sogar Rot-​Graphit-2 und Blau-​Graphit-​Stifte3. Alle wur­den auch im Aus­land angeboten.

Rot und Blau (3)

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (um 1874)

Zu den 1881 ange­bo­te­nen Taschen­blei­stif­ten mit Hül­sen aus Nickel gehörte auch der „Spit­zen­be­wah­rer, 2seitig, mit Zin­no­ber und Blau­stift“ (Ordnungs-​Nummer 0360).

Rot und Blau (3)

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (1881)

Die Patent-​Farbstifte mit beweg­li­cher Farbe wur­den im 1884 gedruck­ten Lon­do­ner Kata­log far­big abge­bil­det4.

Rot und Blau (3)

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (1884)

Neben „mova­ble points“ gab es hier noch „pro­pel­ling and repel­ling action“. War damit ein Dreh­stift gemeint, bei dem die Mine durch Dre­hen der Spitze aus- und ein­ge­fah­ren wer­den konnte? Auch im Kata­log von 1885 waren zwei unter­schied­li­che Minen­hal­ter mit roter und blauer Mine zu sehen.

Rot und Blau (3)

Aus einem Waren­ka­ta­log von A.W. Faber (1885)

Ab etwa 1885 erschien der holz­ge­fasste Rot-​Blau-​Stift in wei­te­ren Aus­füh­run­gen, u. a. als Magazin-, Büro- und Post­stift5, doch die­sen wird ein eige­ner Bei­trag gewid­met sein.

Danke an Faber-​Castell für die Scans und die Details!

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  1. Zitiert nach Eich, Die­ter: Lothar von Faber. Ein Nürn­ber­ger Unter­neh­mer des 19. Jahr­hun­derts. Diplom­ar­beit an der Wirtschafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Friedrich-​Alexander-​Universität Erlangen-​Nürnberg. Nürn­berg 1969, Anlage I, S. 40.
  2. Die bekann­tes­ten Ver­tre­ter die­ser Gat­tung dürf­ten der Tom­bow LV-​KEV, der Caran d’Ache GRAPHICOLOR und der Caran d’Ache × CWPE „The Edi­tor“ sein, doch es gab (und gibt) noch einige mehr.
  3. Der ein­zige mir bekannte und noch erhält­li­che Stift die­ser Art ist der Koh-​I-​Noor Duo.
  4. Diese Art Minen­hal­ter wur­den spä­ter als „Schraub-​Klemm­stifte“ ange­bo­ten und waren einige Jahr­zehnte lang erhält­lich.
  5. Zum Begriff des Post­stifts siehe „Mar­ki­ges Mar­ke­ting (22)“.

Koh-​I-​Noor Duo

Ein beson­de­res Exem­plar des zwei­far­bi­gen holz­ge­fass­ten Stifts ist der Duo von Koh-​I-​Noor aus Tschechien.

Koh-I-Noor Duo

Den als Zim­mer­mans­stift aus­ge­führ­ten Duo gibt es in Graphit/​Rot und Graphit/​Blau; beide Vari­an­ten wer­den zusam­men im Set ange­bo­ten1. Er ist 17,5 cm lang, hat einen Quer­schnitt von 8 × 12 mm2 mit abge­run­de­ten Breit­sei­ten und eine 2 × 5 mm dicke Mine. Außer den hier zu sehen­den gibt es keine wei­te­ren Kennzeichnungen.

Koh-I-Noor Duo

Die Gra­phit­mine macht 60% der Länge aus und hat eine etwa dem STAEDTLER Mars Lumo­graph 2B ent­spre­chende Härte, schreibt aber rau­her und nicht so sau­ber. Beide Farb­mi­nen sind ver­gleichs­weise fest und ein wenig krei­dig. – Farbe, Mase­rung und Aroma des Hol­zes las­sen mich auf Weymouth-​Kiefer schließen.

Koh-I-Noor Duo

Die Ver­ar­bei­tung des Duo ist mit­tel­mä­ßig, denn im dün­nen Lack gibt es einige Unre­gel­mä­ßig­kei­ten und zwi­schen den Holz­hälf­ten einen fei­nen Spalt. Der Prä­ge­druck indes ist bemer­kens­wert gleich­mä­ßig und konturenscharf.

Koh-I-Noor Duo

Der Koh-​I-​Noor Duo hat die Arti­kel­num­mer 1536; für das Set habe ich auf eBay 4,30 Euro bezahlt.

  1. Mei­nes Wis­sens sind sie nicht ein­zeln erhält­lich.
  2. Maße des kon­tur­um­schlie­ßen­den Recht­ecks.
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