Zeitzeuge

Völ­lig platt war ich beim Blick in das Paket, das mir Michael Leddy von Orange Crate Art kürz­lich geschickt hat: Eine Kost­bar­keit neben der ande­ren, dar­un­ter zwei A.W. Faber CASTELL 9000 aus US-amerikanischer Nachkriegs-Produktion mit deut­scher Mine.

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Die Blei­stifte im ver­trau­ten, aber damals noch hel­le­ren Grün haben kei­nen Abschluss und fal­len auch durch die ecki­gen Zif­fern auf, doch das Beson­dere ist ihr Auf­druck „LEADS IM­PORTED FROM AMERICAN ZONE, GERMANY“. (Ich ver­mute, dass der Gra­phit von der Firma Kropf­mühl in Hau­zen­berg nahe Pas­sau im Baye­ri­schen Wald kam und die Minen in Stein bei Nürn­berg her­ge­stellt wur­den.) – Die ame­ri­ka­ni­sche Besat­zungs­zone exis­tierte von Juli 1945 bis Dezem­ber 1946, so dass das Alter die­ser Blei­stifte bei rund 65 Jah­ren lie­gen dürfte (es sei denn, man hat die Minen in gro­ßen Men­gen ein­ge­führt und noch lange Zeit danach in Holz gefasst).

Zeitzeuge

Vie­len Dank an Michael Leddy für diese und die ande­ren außer­ge­wöhn­li­chen Stücke!

Nach­trag vom 9.9.11: Zum 100. Geburts­tag des CASTELL 9000 hat Michael Leddy unter „Happy Bir­th­day, Faber-Castell 9000“ einen bebil­der­ten Bei­trag zu die­sem his­to­ri­schen Blei­stift veröffentlicht.

6 Kommentare zu „Zeitzeuge“

  1. I read in Petroski’s book that one of the con­di­ti­ons (cheap) impor­ted pen­cils suf­fe­red in the U.S. was that the coun­try of ori­gin not only nee­ded to be prin­ted on the bar­rel (to indi­cate they weren’t made in the U.S.), but also more toward the cen­ter. This was because some of those buy­ing impor­ted pen­cils were con­ce­aling that fact by shar­pe­ning them past the point where the country’s name was imprin­ted on the bar­rel (they were often found right at the end of the pen­cil). Importers and re-sellers were bypas­sing cer­tain taxes and tariffs.

    Loo­king at this pen­cil, I won­der if the pla­ce­ment of that text – regar­ding the source of the lead – was pla­ced in the cen­ter in an attempt to gua­ran­tee the mes­sage wouldn’t or couldn’t be alte­red, or other­wise remo­ved. Not that it has anything to do with the sce­n­a­rio I men­tio­ned above — it’s just the text seems con­spi­cuously centered.

    Congrats! I’ve been loo­king for examp­les of these pen­cils for some years now.

  2. Michael Leddy: Thank you again :-)

    Sean: Thank you for men­tio­ning that detail – I haven’t remem­be­red that from Petroski’s book. You’re right: the posi­tion of that addi­tio­nal print is unusual. I will try to get more infor­ma­tion from Faber-Castell Germany.

    Mat­thias: Die Neun ist so unge­wöhn­lich, dass sie nur schwer les­bar ist, und ich frage mich, ob es einen kon­kre­ten Grund für diese Form gab. – Hier noch ein Detailfoto:

    Zeitzeuge

  3. Wenn ich mir das noch­mal ansehe erin­nert es mich doch stark an Runen­schrift, die wohl gerade zu dem dama­li­gen Zeit­punkt keine posi­ti­ven Asso­zia­tio­nen geweckt hat. Das macht die Wahl die­ser Schrift noch ungewoehnlicher…

  4. Das ist ein bemer­kens­wer­ter Aspekt. – Ich dachte zunächst, dass man viel­leicht technisch-eckig auf­tre­ten wollte, habe aber die­sen Gedan­ken schnell wie­der verworfen.

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