Monat: Juli 2008

Druck und Kunst

Einer der Höhe­punkte unse­res kürz­li­chen Auf­ent­halts in Leip­zig (siehe u. a. hier, da und dort) war der Besuch des Muse­ums für Druck­kunst in der Non­nen­straße im Stadt­teil Plag­witz, direkt gegen­über den ehe­ma­li­gen Buntgarnwerken.

Das 1995 gegrün­dete und 2000 in eine Stif­tung über­führte Museum prä­sen­tiert Druck­maschinen und Hand­pres­sen, Holz­buch­sta­ben und Blei­let­tern für den Hand­satz, Schriftma­trizen, Gieß- und Setz­ma­schi­nen sowie Stahl­s­tem­pel, Schrift­scha­blo­nen und etli­che Geräte für die Buch­bin­de­rei, wobei ein Groß­teil der Expo­nate nur noch dort existiert.

Bei dem her­vor­ra­gend aus­ge­stat­te­ten Druckkunst-Museum han­delt es sich weni­ger um ein typi­sches Museum, son­dern viel­mehr um eine Druck­werk­statt zum Anfas­sen und Erle­ben, und so kön­nen Inter­es­sierte die Maschi­nen und die Arbeit an ihnen in Kur­sen prak­tisch ken­nen ler­nen (wir hat­ten das Glück, die Zeilensetz- und -gieß­ma­schine „Ros­sia 7 H“ im Betrieb durch einen sehr fach­kun­di­gen und freund­li­chen Mit­ar­bei­ter bewun­dern zu kön­nen und eine Schrift­zeile gegos­sen zu bekom­men). Künst­ler haben die Mög­lich­keit, das Mu­seum für eigene Arbei­ten zu nut­zen, und auch zur Aus­bil­dung und Berufs­för­de­rung kommt die Viel­zahl der kost­ba­ren Stü­cke zum Einsatz.

Die fol­gen­den HDR-Bilder wer­den beim Ankli­cken ver­grö­ßert ange­zeigt (mehr dazu unter „Schon gewusst?“).

Museum für Druckkunst Leipzig

Links: Kom­plett­gieß­ma­schine, H. Bert­hold AG, Ber­lin, 1. Hälfte des 20. Jh.; rechts: Kom­plett­gieß­ma­schine, Lenin­gra­der Werk für Poly­gra­phi­sche Maschi­nen, St. Peters­burg, Russ­land, 1967

Museum für Druckkunst Leipzig

Satz­re­gal

Museum für Druckkunst Leipzig

Druck- und Setzmaschinensaal

Museum für Druckkunst Leipzig

Rechts: Stoppzylinder-Druckmaschine, Ver­ei­nigte Maschi­nen­fa­brik Augs­burg und Maschi­nen­ge­sell­schaft Nürn­berg AG, Werk Augs­burg, 1906

Museum für Druckkunst Leipzig

Weni­ger ein Museum als viel­mehr eine Druckwerkstatt

Museum für Druckkunst Leipzig

Zeilensetz- und -gieß­ma­schine „Ros­sia 7 H“, Lenin­gra­der Werk für Poly­gra­phi­sche Maschi­nen, St. Peters­burg, Russ­land, 1967

Museum für Druckkunst Leipzig

„Linotype“-Großkegel-Setzmaschine, Modell 20 „Uni­versa“, Ber­li­ner Maschi­nen­bau AG, Ber­lin, 1969

Museum für Druckkunst Leipzig

Links: Zeilensetz- und -gieß­ma­schine „Inter­type Modell C“, Inter­type Corp., Brook­lyn,
New York, USA, um 1927

Museum für Druckkunst Leipzig

Lochband-Perforator „Lino-Quick-Perforator“, Lino­type GmbH, Ber­lin und Frankfurt/Main, 1966

Zusätz­lich zur stän­di­gen gibt es wech­selnde Aus­stel­lun­gen sowie Vor­träge und Sym­po­sien, und ein klei­ner Laden bie­tet Bücher, Pla­kate, Post­kar­ten, Blei­let­tern und eini­ges mehr an (dar­un­ter auch zahl­rei­che Titel des Ver­la­ges Her­mann Schmidt in Mainz, den ich sehr schätze).

Mein beson­de­rer Dank gilt allen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die mit gro­ßem Ein­satz und hoher Fach­kom­pe­tenz ein außer­ge­wöhn­li­ches und sehr hin­ter­es­san­tes Museum ge­schaffen haben. Ich freue mich dar­auf, bei mei­nem nächs­ten Auf­ent­halt in Leip­zig diese ein­zig­ar­tige Samm­lung erneut bewun­dern zu können!

Museum für Druckkunst
Non­nen­straße 38
04229 Leipzig
Tel. 0341-23162-0
Web­site
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 10–17 Uhr
So. 11–17 Uhr

Wer nicht nach Leip­zig kommt, aber Inter­esse an die­ser The­ma­tik und zudem Darm­stadt in erreich­ba­rer Nähe hat, dem emp­fehle ich einen Besuch der eben­falls sehr sehens­wer­ten Außen­stelle Schrift­guss, Satz & Druck­ver­fah­ren des Hes­si­schen Lan­des­mu­se­ums Darmstadt.

Das Ende meines Tellerrands

Die im eng­li­schen Ori­gi­nal mit „Dash­board“ bezeich­nete Verwaltungs-Schnittstelle der her­vor­ra­gen­den Blog-Software Wor­d­Press, die auch ich benutze, bekam bei der deut­schen Loka­li­sie­rung den merk­wür­di­gen Namen „Tel­ler­rand“. Ver­stan­den und gemocht habe ich dies nie, da am Tel­ler­rand die eher weni­ger attrak­ti­ven Dinge lan­den (wie z. B. Fisch­grä­ten und Kirsch­kerne) und man – im sprich­wört­li­chen Sinne – nicht nur als Blog­ger gerne über den­sel­ben hinausschaut.

Alt: Lexikalikers Tellerrand

Trotz hef­ti­gen Nach­den­kens konnte ich kei­nen bes­se­ren Begriff fin­den – bis kürz­lich mein krea­ti­ver Kol­lege D. mit der ret­ten­den Lösung kam: Arbeits­platte! Damit hatte er bei mir einen Voll­tref­fer gelan­det, und der schnelle Ein­griff in die deut­sche Sprach­da­tei mit Poe­dit folgte umgehend.

Neu: Lexikalikers Arbeitsplatte

Na also! Das sieht bes­tens aus und hat zudem eine ganz andere Kon­no­ta­tion, wer­den doch auf der Arbeits­platte appe­tit­li­che Dinge zube­rei­tet und andere inter­es­sante Dinge ange­stellt. – Spä­ter fiel mir dann noch Amboss ein, doch das böte sich wohl eher für eine Text­schmiede an oder für ein Web­log, in dem es ins­ge­samt grö­ber zur Sache geht.

Nach­trag vom 28.12.08: Eine wei­tere Alternative:

Noch neuer: Lexikalikers Maschinenraum

Oder in Kom­bi­na­tion mit dem her­vor­ra­gen­den Plugin „Ligh­ter Admin Menu“:

Noch neuer: Lexikalikers Maschinenraum

Bunte Überraschung aus der Rhön

Mit einer inter­es­san­ten und far­ben­fro­hen Über­ra­schung von der Was­ser­kuppe in der Rhön war­tete heute früh mein viel­sei­ti­ger und natur­ver­bun­de­ner Kol­lege H. auf: Aus einem der klei­nen Läden auf dem Gip­fel hatte er mir zwei sehr kräf­tige Stifte aus unter­schied­li­chen, gänz­lich natur­be­las­se­nen Höl­zern mit dicken Minen in rot und grün mitgebracht.

Bunte Überraschung aus der Rhön

Die zwei rus­ti­ka­len, etwa 15 cm lan­gen Schrei­ber mit 2 und 2,5 cm Durch­mes­ser bie­ten Auge und Hand, die beide an sehr gleich­mä­ßig geformte Schreib­ge­räte gewöhnt sind, eine ange­nehme Abwechs­lung. Auch wenn die uri­gen Stifte nicht zum Gebrauch im All­tag, son­dern wohl eher als Deko­ra­tion gedacht sind, so macht es doch Spaß, sie zu benutzen.

Bunte Überraschung aus der Rhön

Der leichte wachs­ähn­li­che Glanz der 9 mm dicken Minen täuscht, denn sie sind recht hart und haben eine etwas ungleich­mä­ßige Abgabe; dies passt jedoch ebenso gut zum rau­hen Gesamt­ein­druck wie die unre­gel­mä­ßi­gen, vom Mes­ser geform­ten Spit­zen. – Auf wei­tere Tests und damit auch das Anspit­zen habe ich ver­zich­tet, da ich die guten Stü­cke in ihrer schö­nen Form belas­sen wollte.

Bunte Überraschung aus der Rhön

Ich weiß lei­der nicht, wie die Farb­mi­nen in das Holz ein­ge­bracht und darin fixiert wur­den, denn im Gegen­satz zu ihren indus­tri­ell gefer­tig­ten Pen­dants bestehen diese Stifte nicht aus zwei Hälf­ten, son­dern aus einem Stück. Hat man den sehr guten Form­schluss even­tu­ell mit Wärme erzielt?

Bunte Überraschung aus der Rhön

Bei der Bestim­mung der ver­wen­de­ten Höl­zer bin ich unsi­cher: Das dickere könnte Weide sein und das dün­nere junge Buche, aber viel­leicht auch Hasel­nuss, wie ich heute noch hören konnte. Kann meine geschätzte Leser­schaft viel­leicht etwas dazu sagen?

Bunte Überraschung aus der Rhön

Und ganz neben­bei hat mein Wunsch, diese unge­wöhn­li­chen Farb­stifte im pas­sen­den Umfeld zu prä­sen­tie­ren, auch noch für einen ange­neh­men Fei­er­abend­spa­zier­gang in einem in die Abend­sonne getauch­ten Wald­stück bei Bicken­bach an der Berg­straße gesorgt.

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