Monat: Dezember 2013

Der moderne Spitzer

„Pen­cil Shar­pe­ners for the Modern Age“, manu­ell und elek­trisch, hat IDRAW ent­wi­ckelt. Der Auf­wand war enorm, denn anstatt ver­füg­bare Kom­po­nen­ten neu zu kom­bi­nie­ren, hat man alles neu ent­wor­fen, bis hin zu Elek­tro­nik und Motor des über USB auf­lad­ba­ren elek­trischen Modells. Mit umfang­rei­chen Tests hat man u. a. den opti­ma­len Konus gesucht und den geeig­ne­ten Mes­ser­hal­ter kon­stru­iert. Ein Gehäuse aus Alu­mi­nium unter­streicht die hoch­wer­tige Tech­nik im Innern. 

Der moderne Spitzer

Nun suchen Matt Mar­rocco und Daniel Schau­mann von IDRAW über Kick­star­ter Unterstüt­zer für ihr Pro­jekt. Sollte es erfolg­reich sein, kommt man mit 25 USD (etwa 18 Euro) an das manu­elle und mit 65 USD (gut 47 Euro) an das elek­tri­sche Modell – ange­sichts des be­trächtlichen Auf­wands ein ver­tret­ba­rer Preis. Ich unter­stütze das Pro­jekt gerne und wün­sche Matt Mar­rocco und Daniel Schau­mann viel Erfolg!

Der moderne Spitzer

Danke an Matt Mar­rocco für die Fotos und Andreas zum Win­kel für den Hin­weis auf die­ses Projekt!

Der Geist des Graphits

Aus der Rubrik „Die Geis­ter, die ich nicht rief“: Eine Erschei­nung auf dem Titel des Schul­stift-Prospekts P. 699 der J.S. STAEDTLER Mars-Bleistiftfabrik in Nürn­berg, ver­mut­lich aus den frü­hen 1930er Jah­ren1.

Der Geist des Graphits

Ein biss­chen gru­se­lig wirkt er ja schon, der schmale Herr in weiß, mit stram­mem Frack, stei­fem Hut, gro­ßem Stift und mah­nen­dem Zei­ge­fin­ger. Und sehe ich da auch noch eingefal­lene Wangen?

Der Geist des Graphits

Er tritt wie durch einen Tun­nel in die Szene und dient der über­rasch­ten, aber bemerkens­wert gefass­ten Schü­le­rin (oder ist’s ein Schü­ler?) den Blei­stift „Noris“ an.

Der Geist des Graphits

Wer möchte da nicht sofort beken­nen, etwas auf schöne Schrift und zu die­sem Zweck den Staedtler-Stift in der Hand zu halten?

Der Geist des Graphits

Ange­sichts die­ser beein­dru­cken­den Über­zeu­gungs­ar­beit kann der Vier­tel­mond natür­lich nur schmunzeln.

Der Geist des Graphits

Bei mir aber hätte der Herr offene Türen ein­ge­rannt, lege ich doch schon lange Wert so­wohl auf schöne Schrift als auch auf den Staedtler-Stift.

Der Geist des Graphits

  1. Grund für diese Annahme ist der Umstand, dass der Bro­schüre eine auf den Juni 1934 datierte Preis­liste bei­lag.

Hobonichi Techo

Kalen­der? Tage­buch? Notiz­buch? Alles in einem! Aber der Reihe nach.

Hobonichi Techo

Im Hin­ter­gund ein Tenu­gui.

Der japa­ni­sche Autor und Gestal­ter Shi­ge­sato Itoi1, Betrei­ber der Web­site Hobo Nik­kan Itoi Shin­bun (kurz „Hobo­ni­chi“), hat 2001 zum ers­ten Mal den von ihm ent­wor­fe­nen Pla­ner Ho­bonichi Techo („Techo”, 手帳 auf dem Cover, heißt hier „Notiz­buch“) ange­bo­ten. Nach dem gro­ßen Erfolg2 des Techo in Japan erschien 2013 zusam­men mit Arts & Sci­ence die erste eng­li­sche Aus­gabe; bei der zwei­ten für das Jahr 2014 habe ich zugegriffen.

Hobonichi Techo

Der Techo ist zwar nur 14 mm dick, hat aber 464 Sei­ten, was durch die Ver­wen­dung des sehr hoch­wer­ti­gen „Tomoe River“-Papiers3 mit nur 52 g/m² mög­lich wurde. So gibt es nicht nur für jeden Tag des Jah­res eine ganze Seite, son­dern auch noch zwei wei­tere Kalen­da­rien, Notiz- und einige infor­ma­tive Sei­ten. Wer nun denkt, man könne die­ses Papier auf­grund sei­ner gerin­gen Dicke nur ein­ge­schränkt nut­zen, liegt falsch – gerade die­je­ni­gen, die mit Füll­fe­der­hal­ter schrei­ben4, sind vom Tomoe River begeis­tert, und auch mit Bleistif­ten5 und Tin­ten­rol­lern6 har­mo­niert es her­vor­ra­gend (ledig­lich ein star­ker Schreib­druck ist ungüns­tig, wirkt er sich doch gleich auf meh­rere Sei­ten aus7). Dank des leich­ten Papiers und der Faden­hef­tung liegt der Techo zudem flach, was sei­nen Gebrauch sehr ange­nehm macht.

Hobonichi Techo

Hier mit dem Druck­blei­stift Pen­tel Graph­Gear 500.

Aus der Viel­zahl der Schutz­hül­len habe ich das Stan­dard­co­ver aus Poly­es­ter gewählt (das aus Leder wäre mir lie­ber gewe­sen, doch die­ses ist erst wie­der im Februar 2014 erhält­lich). Mit zahl­rei­chen Taschen auf den Innen­sei­ten und einer auf der Rück­seite bie­tet es Platz für fla­che Dinge. Ein trans­pa­ren­tes „Cover on Cover“ gab es gra­tis; man kann es darüber­ziehen und mit Deko­ra­ti­vem befül­len. – Der Ver­schluss und die bei­den Lese­bänd­chen sind schlicht und funktionell.

Hobonichi Techo

Alle Kalen­da­rien haben das in Deutsch­land unüb­li­che 4-mm-Raster mit gepunk­te­ten Linien, das mir gut gefällt.

Hobonichi Techo

Jedem Monat ist eine nütz­li­che „Com­ing Up!“-Seite vor­an­ge­stellt (gut mög­lich, dass diese eine der Kun­den­ideen war, die über die Jahre in den Techo ein­ge­ar­bei­tet wurden).

Hobonichi Techo

Am unte­ren Rand der Dop­pel­sei­ten des Haupt­ka­len­da­ri­ums fin­den sich Zitate8, von denen mir jedoch nur wenige zugäng­lich sind.

Hobonichi Techo

Die Ver­ar­bei­tung ist hoch­wer­tig, und die Gestal­tung – vor allem die Typo­gra­fie – finde ich geschmack­voll. – Der infor­ma­tive Teil ent­hält auch einen „Guide to Sushi“.

Hobonichi Techo

Man beachte die Zei­ge­hand oben rechts.

Für die wei­te­ren Details des Techo ver­weise ich auf die Über­sicht unter „Hobo­ni­chi Plan­ner Fea­tures“ (eine so aus­führ­li­che Beschrei­bung eines Kalen­ders oder Notiz­buchs habe ich übri­gens noch nie gesehen).

Hobonichi Techo

Der Techo kos­tet 2500 Yen, das Stan­dard­co­ver 1500 Yen und für den Ver­sand fie­len 1800 Yen an; so kam ich auf ins­ge­samt 41 Euro. Von der Bestel­lung bis zum Ein­tref­fen ver­gin­gen fünf Tage, und da der Dezem­ber 2013 mit zwei Tagen pro Seite ver­tre­ten ist, kam der Techo sofort zum Einsatz.

Hobonichi Techo

Hat sich der Kauf gelohnt? Ich denke ja. Für eine abschlie­ßende Bewer­tung ist es zwar noch zu früh, doch die Qua­li­tät, die Gestal­tung und das Papier las­sen mich den Hobo­ni­chi Techo mit Freude nutzen.

  1. Ein Inter­view mit Shi­ge­sato Itoi gibt es im Ping­Mag. – Eini­ges mehr erfährt man unter „Shi­ge­sato Itoi shares lots of ‘deli­cious life’“.
  2. Viele Bei­spiele der krea­ti­ven und oft ver­spiel­ten Ver­wen­dung des Techo zeigt das Tumblr-Weblog Hobo­ni­chi Love.
  3. Das „Tomoe River“ der Tomo­e­gawa Co., Ltd. (Tokyo), erhält­lich in Gram­ma­tu­ren von 33 bis 85 g/m², wurde für den Druck u. a. von Kata­lo­gen ent­wi­ckelt, um Ver­sand­kos­ten zu spa­ren; ich habe es über die sehr guten Notiz­bü­cher von Design.Y, in denen es eben­falls steckt, ken­nen­ge­lernt. – Eine aus­führ­li­che Bespre­chung des Papiers gibt es unter „Tomoe River Paper Review“.
  4. Ich schreibe nicht mit Fül­ler, ver­su­che mich aber ab und zu mit dem Pilot Par­al­lel Pen in Kalli­grafie. Die­ser gibt die Tinte sehr groß­zü­gig ab, was natür­lich auch an der Breite der Feder liegt, doch selbst mit die­sem gibt es auf dem Tomoe River kein Aus­fa­sern oder Durchschla­gen.
  5. Getes­tet mit den holz­ge­fass­ten Blei­stif­ten STAEDTLER Mars Lumo­graph 100 B und Pen­tel Black Poly­mer 999 HB, den Druck­blei­stift­mi­nen Pilot Eno NeoX B und 2B sowie den Radie­rern Tree’s Air-in Soft von Plus, Faber-Castell Dust Free und Tom­bow Mono Zero.
  6. Getes­tet mit dem Mitsu­bi­shi uni-ball eye fine. – Auch der STAEDTLER pig­ment liner macht sich mit die­sem Papier sehr gut.
  7. Wer manch­mal fes­ter auf­drü­cken will oder muss und den Kauf des Pen­cil Board scheut, schnei­det sich ein Stück stei­fer Kunst­stoff­fo­lie zurecht, legt diese beim Schrei­ben unter das Blatt und ver­staut sie bei Nicht­ge­brauch in einer der hin­te­ren Taschen des Covers.
  8. Die erste eng­li­sche Aus­gabe des Hobo­ni­chi Techo ent­hielt aus­schließ­lich Zitate von der Hobo­nichi-Website und von Sonya Park, der Inha­be­rin von Arts & Sci­ence; dies ist nun nicht mehr der Fall.

Zitat

Leben bringt Leben her­vor. Ener­gie schafft Ener­gie. Indem man sich ver­schenkt, wird man reich.

— Sarah Bern­hardt, franz. Schau­spie­le­rin (1844–1923)

Pause

Pause

Henry Ward Bee­cher (1813–87) nannte den Hund den „Gott der Aus­ge­las­sen­heit“ (und hatte damit natür­lich voll­kom­men recht). Kisho1, unser gut zehn Wochen jun­ger und sehr aus­gelassener Shiba-Rüde, zeigt hier, dass er auch ganz ent­spannt sein kann.

  1. Genauer: „Kishō“ als latei­ni­sche Tran­skrip­tion von 紀 章.
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