Monat: Januar 2010

Markiges Marketing (15)

Reklamemarke für Winckler's Ideal-Bleistift

Bei die­ser ver­gleichs­wei­se schlich­ten Rekla­me­mar­ke kann ich mich sehr kurz fas­sen, denn ich weiß über­haupt nichts über sie und das bewor­be­ne Unter­neh­men. Hat viel­leicht mei­ne geschätz­te Leser­schaft einen sach­dien­li­chen Hin­weis zu dem 37 × 52 mm klei­nen Stück Bleistiftgeschichte?

← vor­he­ri­ge | nächs­te →

Rätselhafte Leere

Man­che merk­wür­di­gen Din­ge ver­ber­gen sich aus­ge­rech­net dort, wo man sie am wenigs­ten ver­mu­tet. So hat mir das prak­ti­sche, im Betriebs­sys­tem „Win­dows“ für den kom­for­ta­blen Zugriff auf die über die Tas­ta­tur nicht ohne wei­te­res erreich­ba­ren Sym­bo­le inte­grier­te und „Zei­chen­ta­bel­le“ benann­te Hilfs­mit­tel kürz­lich ein „Dau­er­leer­zei­chen“ prä­sen­tiert und mich mit die­sem äußerst nach­denk­lich gestimmt.

Windows-Zeichentabelle mit Dauerleerzeichen

Als ein an Typo­gra­fie sehr Inter­es­sier­ter bin ich mit dem klas­si­schen Leer­zei­chen recht gut ver­traut und schät­ze sei­ne Vor­zü­ge, trägt es doch – beson­ders wenn in aus­rei­chen­der Zahl und fach­kun­dig ver­teilt – nicht uner­heb­lich zur Les­bar­keit des umge­ben­den Tex­tes bei. Auch sind mir die Gefah­ren die­ses beson­de­ren Zei­chens, das ja streng­ge­nom­men kei­nes ist, son­dern ele­gant die Abwe­sen­heit eines sol­chen ver­kör­pert, durch­aus bewusst. So sorgt sein Umfeld gele­gent­lich dafür, dass es sich in der Brei­te an die­ses anpasst, um sei­nen Teil zum har­mo­ni­schen Gan­zen bei­zu­tra­gen, und manch­mal drän­geln sich sogar zwei an dem für ein ein­zel­nes vor­ge­se­he­nen Platz, was nur durch sehr sorg­fäl­ti­ge Kon­trol­le, per Zufall oder gar nicht (!) ent­deckt wird.

Habe ich bei den meis­ten der in der Zei­chen­ta­bel­le vor­rä­ti­gen Cha­rak­te­re über­haupt kei­ne Berüh­rungs­ängs­te und wür­de sie daher beden­ken­los in mein Werk über­neh­men (falls es ziel­füh­rend wäre), so hat­te ich nicht den Mut, bei dem mir völ­lig frem­den Dau­er­leer­zei­chen beherzt zuzugreifen.

Nimmt es etwa die ihm ein­mal zuge­wie­se­ne Posi­ti­on auf Dau­er ein und zer­teilt spä­ter ein an die­sel­be Stel­le rücken­des Wort unauf­ge­for­dert, skru­pel­los und sinn­ent­stel­lend? Wenn ja, wie bekom­me ich es wie­der weg? Ver­brei­tet es womög­lich dau­er­haf­te Lee­re? Bei den Tex­ten, für die ich ver­ant­wort­lich zeich­ne, könn­te ich mir dies nun wirk­lich nicht erlau­ben, erst recht dann nicht, wenn die­ser kri­ti­sche Vor­gang schlei­chend und zunächst unbe­merkt statt­fän­de. Oder ver­weilt es nur für eine ganz bestimm­te Dau­er am Ort, um anschlie­ßend, noch nicht mal eine Leer­stel­le hin­ter­las­send, spur­los zu ver­schwin­den? Dies wür­de das beträcht­li­che Risi­ko ber­gen, dass zwei bis dahin getrenn­te Wor­te plötz­lich ver­schmel­zen und mir das Dau­er­leer­zei­chen ein uner­wünsch­tes Kom­po­si­tum hin­ter­lässt, was mir selbst bei frei wähl­ba­rer Dau­er des Ver­bleibs nicht genehm wäre (aller­dings konn­te ich bis jetzt nichts einer Zeit­steue­rung ähn­li­ches fin­den). Und: Käme es irgend­wann wie­der zurück?

Ab und zu pro­bie­re ich ja schon ger­ne etwas Neu­es, und es hat mir im Fin­ger über der lin­ken Maus­tas­te gejuckt, das Dau­er­leer­zei­chen aus­zu­wäh­len, es unver­zagt in mei­ne Arbeit ein­zu­bau­en und sei­ne Eig­nung für die­se gründ­lich zu prü­fen. In die­sem Fall aber habe ich das Wag­nis ein­fach nicht kal­ku­lie­ren kön­nen, so dass ich – wenn auch schwe­ren Her­zens – wei­ter­hin mit dem Standard-Leerzeichen vor­lieb neh­men und damit wohl vor­erst auf die Ent­rät­se­lung des Dau­er­leer­zei­chens ver­zich­ten muss.

Rüssel und Radierer (3)

Inha­ber einer Dau­er­kar­te für die­sen Zir­kus sind mit mei­nen alber­nen Anwand­lun­gen bes­tens ver­traut und wer­den daher nicht über­rascht sein, die unter­halt­sa­me Ver­qui­ckung von gro­ßem Tier und klei­nem Gum­mi ein drit­tes Mal prä­sen­tiert zu bekom­men. Mane­ge frei!

Aufsteckbarer Radierer aus Hong Kong

Der Büs­te eines Pro­mi­nen­ten gleich thront die­ser Ver­tre­ter der selt­sa­men Spe­zi­es auf dem der schwar­zen Spit­ze abge­wand­ten Ende des Blei­stifts und ist somit immer im Blick sowie zur Hand, wenn ein Feh­ler des Schrei­ben­den die fach­kun­di­ge Behand­lung durch einen fä­higen Kopf erfor­dert. Details zur Iden­ti­tät des impo­san­ten Wesens und sei­nes Schöp­fers sucht man jedoch ver­geb­lich, so dass bei­de unbe­kannt blei­ben; ledig­lich der Schrift­zug „Hong Kong“ ver­rät etwas über die Her­kunft des gel­ben Hauptes.

Reklamemarke von Ferd. Marx & Co. aus Hannover

Auf den nur 32 × 47 Qua­drat­mil­li­me­tern einer his­to­ri­schen Rekla­me­mar­ke ziem­lich groß mach­te sich das für den wei­chen Gum­mi des hier bereits genann­ten Her­stel­lers Ferd. Marx & Co. aus Han­no­ver auf­tre­ten­de Schwer­ge­wicht und ver­fehl­te dank sei­nes Kali­bers wohl kaum die gewünsch­te und wer­ben­de Wirkung.

Radierer aus China

Weni­ger Ele- als viel­mehr Mikro­fant ist die­ser win­zi­ge Kerl aus dem fer­nen Osten Asi­ens, der einen recht schüch­ter­nen und zurück­hal­ten­den Ein­druck macht, bei­na­he so, als trau­te er sich noch nicht ein­mal das Ent­fer­nen einer klei­nen Men­ge Gra­phit zu. Sei­ne Beden­ken indes sind unnö­tig, hat er doch in mir einen ver­ständ­nis­vol­len Hal­ter, der ihn – wenn auch nicht ganz art­ge­recht – vor auf­rei­ben­den Ein­sät­zen bewahrt und statt­des­sen sei­ne kräf­tigeren Kol­le­gen vorschickt.

← vor­he­ri­ge | Rüs­sel und Radie­rer | nächs­te →

Graphit in Öl

„STAEDTLER Mars Lumograph 2B” von Paul Hutchinson

Für mich ein klei­nes Juwel ist die­ses Werk des neu­see­län­di­schen Künst­lers Paul Hut­chin­son, das ich vor gut sie­ben Wochen in Auf­trag gege­ben und mit gro­ßer Vor­freu­de erwar­tet habe. Seit ges­tern nun ziert das in mei­nen Augen sehr schö­ne Bild, noch nicht gerahmt und vor­erst pro­vi­so­risch auf­ge­stellt, den Schreib­tisch und wird mir täg­lich Freu­de bereiten.

J.S. Staedtler 1919 (5)

Als Abhil­fe für den Schwund der von meh­re­ren Per­so­nen genutz­ten Schreib­ge­rä­te dien­te J.S. Sta­edt­ler im Kata­log des Jah­res 1919 sei­nen Kun­den den „Tele­phon­stift“ an.

Telephonstift

Aus­ge­stat­tet mit einer Ring­kap­sel ließ sich der in zwei Aus­füh­run­gen und dem Här­te­grad 2 erhält­li­che Blei­stift an einer Schnur oder Ket­te befes­ti­gen und so zumin­dest gegen das ver­se­hent­li­che Mit­neh­men sichern.

Telephonstift

Klei­ne Anmer­kung am Ran­de: Der Ein­druck, als hand­le es sich hier um eine frü­he Form der heu­te gras­sie­ren­den Apo­stro­phi­tis, täuscht, denn nach mei­nem Wis­sen kam der Genetiv-Apostroph Anfang des 17. Jahr­hun­derts im Deut­schen auf und blieb bis ins ver­gan­ge­ne hin­ein üblich.

Telephonstift

Auch wenn man damals mit der nicht nur in die­sem Kata­log zu fin­den­den Pro­dukt­viel­falt wohl zuwei­len über das Ziel hin­aus­schoss und damit viel­leicht man­che Kun­den ver­wirrt hat, so spricht sie mich doch auf­grund der zahl­rei­chen und sorg­fäl­tig aus­ge­führ­ten Details, die zudem meist einen prak­ti­schen Nut­zen hat­ten, sehr an.

Telephonstift

← Umsteck-Schoner | J.S. Sta­edt­ler 1919 | Krokier-Stifte →

Kulturtechnik

Der stets scharf­sich­ti­ge zonebatt­ler beweist erneut ein waches Auge für nütz­li­che Tech­nik mit außer­or­dent­lich hohem Gebrauchs­wert und prä­sen­tiert allen Freun­den des gedruck­ten Wor­tes eine über­aus kom­for­ta­ble Lösung zur raschen Abar­bei­tung des Sta­pels teil- und nicht gele­se­ner Lek­tü­re. Sensationell!

Scroll to Top