Monat: November 2013

Wie meinen?

Wenn man denkt, es geht nicht schlim­mer, kommt einer und macht's. Dies­mal kam einer von der Telekom.
„Hel­fer­line: 11833“ leuch­te­te heu­te ein gro­ßer Flach­bild­schirm in den Kas­sen­be­reich einer ört­li­chen REWE-Filiale1. Doch wer oder was ist „Hel­fer­line“? Gab es bei der Tele­kom etwa den Wett­be­werb, eine Alter­na­ti­ve für den stra­pa­zier­ten Ter­mi­nus „Hot­line“ zu fin­den?2 Betreibt man hier einen fern­münd­li­chen Kum­mer­kas­ten und erwar­tet von den Hilfesuchen­den, dass sie „Hel­fer“ deutsch und „line“ eng­lisch aus­spre­chen, also mit­ten im Wort die Spra­che wech­seln? Will man sich dabei die posi­ti­ve Kon­no­ta­ti­on des ver­sa­ti­len Hel­fer­leins zunut­ze machen? Oder nennt man eine Mit­ar­bei­te­rin am ande­ren Ende der „Line“ Helfer­line? Wären dann nicht „Hel­fi­ne“ (weil kür­zer) oder „Hel­fin­chen“ (mein Favo­rit3) bes­ser gewesen?
Wie auch immer: So hilf­los, dass ich mich frei­wil­lig an die „Hel­fer­line“4 wen­de, wer­de ich hof­fent­lich nie sein.

  1. Die audio­vi­su­el­le Beläs­ti­gung beim War­ten ist ein ande­res Reiz­the­ma.
  2. „Mach ma wat schö­net!” – „Heiß­li­ne!“ – „Nee, det klingt wie Reiß­lei­ne!“ – „Hel­fer­line!“ – „Jut, det nehm wa!“
  3. „Guten Tag, sie spre­chen mit Hel­fin­chen! Wie kann ich ihnen hel­fen?”
  4. Aus dem Fest­netz 1,99 Euro/Minute, Mobil­funk ggf. abwei­chend.

Spitzen fürs Zimmern

Aus dem Sor­ti­ment des nie­der­län­di­schen Anbie­ters Sie­ben & Co. kommt die­ser Spit­zer für Zimmermannsbleistifte.

Spitzen fürs Zimmern

Das 55 mm lan­ge und 26 mm dicke Uten­sil ist aus jeweils zwei Kunststoff- und Metall­tei­len zusam­men­ge­setzt, wobei die für unter­schied­li­che Stift­quer­schnit­te aus­ge­leg­te Stiftaufnah­me dreh­bar ist. Kenn­zeich­nun­gen kann ich nicht erkennen.

Spitzen fürs Zimmern

Sein wohl auf­fäl­ligs­tes Merk­mal ist das gekrümm­te Mes­ser, das an den Faber-Castell Janus 4048 erin­nert, und einem Zim­mer­manns­blei­stift mit ova­lem Quer­schnitt eine beson­de­re Spit­zen­geo­me­trie gibt. – Das Mes­ser ist 0,5 mm dick1, aber trotz­dem noch von Hand bieg­bar. Sicher wird dies durch die Län­ge des Mes­sers2 begüns­tigt, doch es lässt Zwei­fel an der Här­te und damit der Stand­zeit auf­kom­men. – Sie­ben & Co. gibt an, bereits Hunderttau­sende die­ses Spit­zers allein in den Nie­der­lan­den ver­kauft zu haben; dies zu glau­ben fällt mir schwer.

Spitzen fürs Zimmern

Das ordent­lich gefer­tig­te Gerät arbei­tet bemer­kens­wert gut und ver­fügt sogar über einen Spitz­stopp, der auch bei Spit­zern für Stan­dard­blei­stif­te nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Vie­len Dank an Wow­ter für die­sen unge­wöhn­li­chen Spitzer!

  1. Zum Ver­gleich: Das des Janus 4048 ist 0,3 mm und das der Gra­na­te gut 0,5 mm dick.
  2. 30 mm, Gra­na­te 24 mm.

Aufgeschaut

Aufgeschaut

Manch­mal sehe ich ein altes Foto mit neu­en Augen. Hier der Blick in die Kro­ne einer Zeder im Gar­ten des Schlos­ses Rheins­berg, auf­ge­nom­men am frü­hen Nach­mit­tag des 3. August 2012. Damit das, was mir jetzt so gut gefällt – der Kon­trast und die Kon­tu­ren – noch bes­ser her­aus­kommt, habe ich den trü­ben Him­mel weiß gefärbt und die weni­gen Far­ben in Grau­stu­fen umgewandelt.

Wischfestigkeit

Aus heu­ti­ger Sicht etwas unge­wöhn­lich wirkt die­se Anzei­ge von J.S. Sta­edt­ler aus dem Jahr 1940, in der die Wisch­fes­tig­keit des Blei­stifts Mars Lumo­graph 2886 her­vor­ge­ho­ben wird.

Wischfestigkeit

Den „Universal-Zeichen- und Licht­paus­stift“ Lumo­graph, der am 1. August 1930 auf den Markt kam, dien­te Sta­edt­ler haupt­säch­lich sol­chen Nut­zern an, die ihre Zeich­nun­gen per Licht­pau­se ver­viel­fäl­ti­gen woll­ten. War es bis dahin üblich, Zeich­nun­gen mit Tusche aus­zuziehen, um die not­wen­di­ge Licht­un­durch­läs­sig­keit zu erhal­ten, so ver­sprach der Lumo­graph, einen aus­rei­chend opa­ken Abstrich zu lie­fern und so die­sen Schritt über­flüs­sig zu machen1.

Wischfestigkeit

Damit lagen die Ori­gi­na­le nur in Blei­stift vor, so dass die Wisch­fes­tig­keit noch wich­ti­ger wur­de. Doch was macht eigent­lich den Abstrich eines Blei­stifts wisch­fest? Jeder Blei­stift­nut­zer, der dar­auf ach­tet, kennt die zum Teil erheb­li­chen Unterschiede.

Wischfestigkeit

Um es vor­weg­zu­neh­men: Ich weiß es nicht, möch­te aber ein paar Details auf­füh­ren, von denen ich den­ke, dass sie von Bedeu­tung sind2. Zwei Aspek­te ent­zie­hen sich dem Ein­fluss des Minen­her­stel­lers, näm­lich die Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit des Beschreib­ma­te­ri­als und der Anpress­druck des Schrei­ben­den. Rau­es Papier und hoher Druck schaf­fen zwar eine fes­tere Ver­bin­dung zwi­schen Papier3 und Mine4, sor­gen aber auch für eine stär­ke­re Abga­be; ers­te­re ver­bes­sert die Wisch­fes­tig­keit und letz­te­re ver­schlech­tert sie. 

Wischfestigkeit

Die Korn­grö­ße des Gra­phits spielt sicher eben­falls eine Rol­le – ist der Gra­phit fein, kriecht er bes­ser in die Papier­po­ren und lässt sich schlech­ter ver­wi­schen. Eine wei­te­re Vor­aus­set­zung für gute Wisch­fes­tig­keit ist eine sau­be­re Abga­be, die u. a. durch eine homo­ge­ne Minen­masse und eine hohe Dich­te erreicht wird. Auch die Wahl des Wach­ses, mit dem die Minen nach dem Bren­nen imprä­gniert wer­den, beein­flusst die Bin­dung von Minen­ma­te­ri­al und Pa­pier: Ein hydro­phi­les (was­ser­lie­ben­des) Wachs schafft eine bes­se­re Ver­bin­dung mit dem Papier als ein hydro­pho­bes (was­ser­mei­den­des)5.

Wischfestigkeit

Es fällt auf, dass vie­les von dem, was die Wisch­fes­tig­keit ver­bes­sert, die Radier­fä­hig­keit ver­schlechtert, und so liegt es in der Kunst des Her­stel­lers, einen guten Mit­tel­weg zu finden.

Wischfestigkeit

  1. Sie­he dazu auch „Patent­schrift Nr. 74853“ sowie „Mine und Mischung“.
  2. Ich möch­te also – im posi­ti­ven Sinn – dilet­tie­ren.
  3. Die im tech­ni­schen Zeich­nen belieb­ten Poly­es­ter­fo­li­en, die unter den Mar­ken­na­men Mylar und Host­a­phan ange­bo­ten wur­den, kamen ers­te Mit­te der 1950er Jah­re auf den Markt. Für die­se Foli­en gab es dann auch spe­zi­el­le Blei­stif­te wie z. B. den Dura­lar und den Dyna­graph (bei­de von Sta­edt­ler), deren Minen anders zusam­men­ge­setzt waren.
  4. Ich betrach­te hier nur den Blei­stift mit kera­misch gebun­de­ner Mine, also die Mine mit Ton, nicht jedoch die unge­brann­te Poly­mer­mi­ne (Sta­edt­ler WOPEX, EPCON, Con­té Evo­lu­ti­on) und die ge­brannte Poly­mer­mi­ne (Pen­tel Black Poly­mer 999, Fein­mi­nen für Druck­blei­stif­te).
  5. Ich hof­fe, bald mehr zu der Bedeu­tung des Wach­ses sagen zu kön­nen.

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The Noun Pro­ject hat sich vor­ge­nom­men, die Kom­mu­ni­ka­ti­on durch Sym­bo­le zu verein­fachen. Die Idee ist nicht neu, doch das Vor­ha­ben des Pro­jekts ehr­gei­zig: Man möch­te die visu­el­le Spra­che der gan­zen Welt in einer ein­zi­gen Daten­bank zusam­men­stel­len, organisie­ren und frei ver­füg­bar machen. Sehr beeindruckend!

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Der Blei­stift im Noun Project

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