Die Schrift auf dem Stift
Dienstag, 21. Juni 2011Ein berühmter Aufdruck kommt groß raus: „Evolution of the ‘Blackwing • 602’ Logo”.
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Ein berühmter Aufdruck kommt groß raus: „Evolution of the ‘Blackwing • 602’ Logo”.
An den modernen Geist mit einem Gespür für die Zukunft richtete sich diese Anzeige von Eberhard Faber mit Sitz in Wiles-Barre, Pennsylvania (USA) und Toronto (Kanada).
Aufwändig, attraktiv und mit alliterierendem Aufmacher bewarb man 1958 den verbesserten „Microtomic” in holzgefasster und Minenform sowie die Verpackung letzterer.
Der für den Produktnamen gewählte und mir unbekannte Font ist sehr schwungvoll. Mich würde nicht wundern, wenn man die Zeichen des Schriftzugs individuell gestaltet, aber kein komplettes Alphabet angelegt hätte.
Kaum etwas hat man ausgelassen: Raketen, Monde, Sterne und inmitten des Sonnensystems die Bahnen einiger Elektronen (?), die um die beiden Ausführungen des „Microtomic” kreisen. – Gut möglich, dass die Stimmung in den ins All strebenden USA die Motivwahl beeinflusst hat, denn im Jahr vor dieser Anzeige schickte die Sowjetunion den Satellit „Sputnik 1″ in die Erdumlaufbahn und löste damit den „Space Race” aus.
Der Text steht den Illustrationen in nichts nach …
… und so glaubt man bei der Beschreibung des Minenbehälters, nein, des „One Hand Flip-Top Microtomic Lead Insertor”, ein High-Tech-Produkt vor sich zu haben.
Hier hat in meinen Augen nicht nur die Produktentwicklung Qualität gezeigt, sondern auch die Werbeabteilung.
Wie wird man wohl in 50 Jahren auf die Anzeigen von heute schauen?
Der legendäre „Blackwing 602″ von Eberhard Faber, inzwischen ein teures Sammlerstück, lebt wieder auf. Die California Cedar Products Company, Hersteller des „Palomino”, hat vor einiger Zeit die Namensrechte erworben und bringt nun den „Palomino Blackwing” auf den Markt. Erste Fotos und Details gibt es bei „The Blackwing Pages” – ich bin sehr gespannt!
28.8.10: Weitere erste Eindrücke gibt es unter „First impression of the new Blackwing pencil” von Mark Frauenfelder und „The new Blackwing pencil” von Michael Leddy.
31.8.10: Seit kurzem ist Pencil Revolution wieder aktiv und hat sich gleich zweimal dem „Palomino Blackwing” gewidmet: „The return of the Blackwing pencil!” und „The New Blackwings Arrive!”.
2.9.10: Frisch eingetroffen:
Eine Besprechung dieser Vorserienmuster folgt.
12.9.10: Eine exzellente Besprechung des „Palomino Blackwing” gibt es bei pencil talk – hingehen und staunen!
13.9.10: Und noch eine ausführliche Besprechung, diesmal bei Pencil Revolution: „New Blackwing Pre-Review”.
14.9.10: Mehr zum Hintergrund des „Palomino Blackwing” bietet die Reihe „Reviving the Blackwing” bei Timberlines, beginnend mit „A Labor of Love or Insanity?”. – Im Anflug auf den Online-Shop pencils.com von California Cedar: 875 Dutzend „Palomino Blackwing” aus Japan. (Das überrascht mich allerdings sehr, hat California Cedar doch erst vor kurzem um detailliertes Feedback zu den Vorserienmustern gebeten.)
15.9.10: Wie California Cedar jetzt mitgeteilt hat, waren die Vorserienmuster keine. Ein cleverer Marketing-Trick? – Kritische Bemerkungen dazu gibt es auch in einem Update der Besprechung bei pencil talk und bei Orange Crate Art.
2.10.10: „Pencil pushers excited for new Blackwing – Redesigned version of the Blackwing 602 writes new chapter for graphite lovers” von Alex Beam im Bosten Globe. – Ich möchte mal wissen, wer von denen, die den „Palomino Blackwing” so loben, eine ganze Seite geschrieben und dabei nicht den Härte-, besser Weichegrad dieses Bleistifts bedauert haben. War der alte „Blackwing 602″ hervorragend zum Schreiben geeignet, so ist der neue (zumindest für mich) viel zu weich, um hier auch nur annähernd mithalten zu können. – Kann es sein, dass hier ein unglaublicher Hype stattfindet? Und ich hab’ auch noch mitgemacht …
Favorit von Berühmtheiten wie John Steinbeck und Nelson Riddle, Objekt der Begierde etlicher Bleistiftliebhaber und inzwischen einzeln teurer als zwei Dutzend anderer: Der „Blackwing 602″ von Eberhard Faber.
Es ist nicht leicht, diesen Bleistift unvoreingenommen zu betrachten. Experten schätzen seine inneren Werte, und sein Äußeres vermittelt den Eindruck hoher Qualität. Die Farbe des Prägedrucks im dunklen, matten Lack korrespondiert mit dem Glanz der ungewöhnlich geformten Zwinge, so dass der „Blackwing 602″ auch eine elegante Erscheinung abgibt.
Der mittlerweile wohl berühmte Slogan des „Blackwing 602″ ziert die gegenüberliegende Seite – eine weitere Besonderheit, denn wie oft findet man derartiges? Ja, ich mag so etwas, und freue mich zudem über die gelungene Typografie.
Für weniger gelungen indes halte ich die Umsetzung der zweifellos pfiffigen Idee mit dem nachfüllbaren Radierer, denn die hervorstehenden Kanten der Klammer sind scharf. Das Gewicht dieser Konstruktion verschiebt den Schwerpunkt des Stiftes auch recht weit nach hinten. – Ausprobiert habe ihn den Radierer nicht, denn er ist hart geworden.
Es kostet schon Überwindung, einen solch schwer ersetzbaren Bleistift zu spitzen, doch ich bekam ihn geschenkt mit der Vorgabe, ihn zu testen. Der Spitzer meiner Wahl für Fälle wie dieser ist der DX4112 von DUX, der das rötliche Holz dünn und sauber abträgt und die hochgelobte Mine freilegt.
Beim ersten Strich wird der ganze Kult sofort verständlich: Der „Blackwing 602″ gleitet verblüffend leicht und ein wenig wachsig über das Papier, ohne dabei zu krümeln. Nichts kratzt, schmiert, bröckelt oder bremst: Man könnte meinen, er schwebe. Obendrein lässt er sich perfekt radieren und hat eine gute, aber nicht überragende Schwärzung. – Ich konnte es allerdings nicht übers Herz bringen, seine Bruchfestigkeit zu prüfen.
Der „Blackwing 602″ gilt zu Recht als einzigartig, und auch ich kenne keinen vergleichbaren Bleistift. Sein Gleiten und die äußerst saubere Abgabe haben mich jedoch an den „Black Polymer 999″ von Pentel Japan erinnert, der aber leider seit kurzem ebenfalls nicht mehr gefertigt wird.
Vielen Dank an Jürg für den außergewöhnlichen „Blackwing 602″!
P.S.: 1998 hat Sanford die Produktion dieses Bleistifts wegen geringen kommerziellen Erfolgs eingestellt, und es gibt das Gerücht, CalCedar, der Hersteller des „Palmino”, wolle einen Nachfolger auf den Markt bringen.
Zeugen einer ungewöhnlichen Landung wurden die Leser der Fachzeitschrift „Aviation” im Januar 1943: Die stilisierte, übergroße Spitze des Zeichenbleistifts „VAN DYKE” traf mitten in die ganzseitige Anzeige und die Eberhard Faber Pencil Co. mit dieser sicher auch den Geschmack des an technischen Details interessierten Publikums.
Ebenso präzise wie das Landemanöver war die Beschreibung des Bleistifts, die ihn zu einem Hi-Tech-Gerät machte, und wer wollte, konnte Testpilot eines der 18 Modelle werden. – Man beachte die sehr ungewöhnliche Form der Spitze, bei der die Mine zuerst vom Holz befreit und anschließend ähnlich einem Meißel angeschliffen wurde.
Eine ausführliche Präsentation der „VAN DYKE”-Flotte gibt es bei Leadholder.
Am Dienstag schloss die diesjährige „Paperworld” in Frankfurt/Main ihre Pforten; hier ein paar kurze und selbstverständlich sehr subjektive Notizen zu einigen der Eindrücke, die ich bei meinem Besuch sammeln konnte. – Die Kürze meines zweiteiligen Berichts bitte ich zu entschuldigen; mir fehlt zur Zeit die Muße für detalliertere Ausführungen.
Diesmal nicht vertreten waren Pentel, Mitsubishi/uniball und Schwan-STABILO – drei Unternehmen, deren aktuelle Palette ich mir gerne angeschaut hätte (bei letzterem wären sicher die 1,4-mm-Varianten des EASYergo zu sehen gewesen).
Eine Überraschung gab es bei LAMY, denn der für hochwertiges Schreibgerät bekannte Hersteller hat ab Mitte April auch holzgefasste Farb- und Bleistifte im Sortiment. Die für Kinder ab 3 Jahren gedachte Serie „3plus” hat einen quadratischen Querschnitt, eine 10 mm dicke Mine und wird in sechs Farben erhältlich sein, während es die dreiflächigen Stifte der Serie „4plus” in zwölf Farben und 6,25 mm starker Mine geben soll; die Serie „plus” umfasst 24 Farben sowie – ebenso wie „4plus” – einen Bleistift. Der matte Lack der in meinen Augen geschmackvoll gestalteten Stifte fühlt sich angenehm an, und bei einem schnellen Test vor Ort machten sowohl die Minen als auch die Verarbeitung einen sehr guten Eindruck.
Bei Carl fiel mir Kurbelspitzmaschine CP-100 auf; sie ist baugleich zur DE-100, wird aber in sechs verschiedenen Farben angeboten. Interessant ist, dass Carl die Produkte auch direkt verkauft und weltweit verschickt.
Jetzt noch mehr Bleistiftzubehör bietet Standardgraph an, darunter farbenfrohe, weiche Griffe und zwei Ausführungen eines Verlängerers. – Weitere Utensilien zeigte der Anbieter KUM, der mit dem „PenCut”, einer Schere im Stift-Format, ein weiteres Produkt von Raymay vertreibt (im letzten Jahr wurde der Zirkel „PenPass” präsentiert). Hinzu kamen außerdem „Scribble”, eine Kappe mit integriertem und verschließbarem Spitzer, und der ergonomisch geformte „Sattler Grip”.
Seine pfiffige Idee, eine 85 × 80 mm² große Karte mit abtrennbarem Bleistift, präsentierte der Erfinder Karl-Heinz Bosch. Im unteren Teil seiner „snap-note” befindet sich eine knapp 1,5 mm lange und 0,9 mm dicke Mine, die sich durch den gefalteten Karton recht gut halten und für eine kurze Notiz nutzen lässt.
Faber-Castell stellte radierbare und in zwei Durchmessern erhältliche Farbkreiden im „Grip”-Design vor, bot aber bedauerlicherweise keine Testmöglichkeit. Eberhard Faber, seit 1. Januar Teil von Faber-Castell, kündigte die „WINNER”-Reihe an, zu denen neben Farbstiften auch der dicke „Tri-Winner” gehört; dieser ist einer der Nachfolger des „Tricki Dicki”.
Im zweiten Teil gibt es Neuigkeiten von STAEDTLER und LYRA.
In Anbetracht des geringen Deltas zum Wochenende heute ein schneller Blick auf einen älteren Bleistift mit dem dazu passenden Namen.
Der in Deutschland gefertigte Eberhard Faber 1240 DELTA, dessen Alter ich auf etwa 40 Jahre schätze, hat die üblichen Maße und fällt durch seine metallic-grüne Lackierung sowie die vergleichsweise aufwändige Bedruckung auf, zu der auch eine dekorative Einfassung des Härtegrads gehört. Der Lack für die Tauchkappe wurde bei meinen Exemplaren des DELTA jedoch ziemlich großzügig aufgetragen, was sich als Verdickung zeigt. – Es ist deutlich zu erkennen, dass vor dem abschließenden ein orange-brauner Lack aufgebracht wurde.
Wirkt das Holz des werkseitig gespitzten Stifts zunächst etwas grob gemasert, so sorgt die Spitzmaschine Carl Decade DE-100 für eine sehr glatte Schnittfläche und legt dabei eine Mine frei, die zwar eine recht saubere Abgabe mit sehr guter Schwärzung hat, aber auch eine leichte Rauhigkeit aufweist; doch trotz letzterer ist der DELTA ein guter Alltagsbleistift mit ansprechendem Äußeren.
Nachtrag vom 20.3.10: Wie ich erfahren konnte, wurde der DELTA wohl erstmals 1954 produziert (der Katalog des Jahres 1951 nennt ihn noch nicht). Zu Beginn gab es ihn nur im Härtegrad 2 und ab ca. 1959 in drei Härtegraden, wobei die Härte 1 grün und die Härte 3 rot poliert war; die Härte 2 gab es in grün, blau und rot. Zur gleichen Zeit war passend zum Namen auch eine dreiflächige Variante im Härtegrad 2 erhältlich. – Danke an Herbert R. für diese Details!
1978, also vor 31 Jahren, erwarb STAEDTLER die Markenrechte an „Eberhard Faber” für Europa. Wie eine Pressemitteilung vom 1.10.2009 informiert, wurden die bisher unter der Marke „Eberhard Faber” angebotenen Produkte (darunter die sehr beliebte Modelliermasse FIMO) nun in das Sortiment von STAEDTLER integriert und die Marke mit Wirkung zum 1. Januar 2010 an Faber-Castell verkauft. Damit sind zum ersten Mal alle drei „Faber”-Marken im Besitz des ursprünglichen, im Jahr 1761 gegründeten Unternehmens A.W. Faber, das seit 1898 unter „Faber-Castell” firmiert.