Möller & Breitscheid

W.Z. № 47683

Ein wei­te­res Expo­nat im vir­tu­el­len Museum zum Spit­zer­klas­si­ker „Gra­nate“, und zwar aus Mes­sing, für dicke Stifte mit einem Durch­mes­ser von bis zu 11 mm und mit einer inter­essanten Kennzeichnung.

W.Z. № 47683

Das Stück war in kei­nem guten Zustand, und so musste ich erst einen Früh­jahrs­putz1 vornehmen.

W.Z. № 47683

Die­ses Modell hat die glei­che Form und Größe wie das bereits vor­ge­stellte mit dem 1939 ein­ge­tra­ge­nen Waren­zei­chen 507558 und trägt eben­falls die Prä­gung „GRANATE“. – Das Mes­ser ist stumpf und schar­tig, so dass ich auf einen Funk­ti­ons­test ver­zich­tet habe.

W.Z. № 47683

Hier zu sehen ist jedoch das Waren­zei­chen 47683, das 1900 ange­mel­det und 1901 für Möl­ler & Breit­scheid ein­ge­tra­gen wurde; dar­aus schließe ich, dass der Spit­zer von die­sem Anbie­ter stammt und um die 100 Jahre alt ist. 

W.Z. № 47683

Erst bei die­ser „Gra­nate“ ist mir auf­ge­fal­len, dass sie – ebenso wie die mit dem Waren­zeichen 507558 – nur drei statt vier Rän­de­lun­gen hat; letz­tere hielt ich immer für ein typi­sches Merk­mal die­ses Spit­zers, das über die Jahr­zehnte geblie­ben ist.

Nach­trag vom 9.10.16: Bei der Durch­sicht mei­ner Gra­na­ten konnte ich fest­stel­len, dass alle Vari­an­ten für dickere Stifte drei und nur für nor­male Stifte vier Rän­de­lun­gen haben.

  1. Sehr hilf­reich dabei war das Ein­wei­chen in der Sidol-Metallpolitur und das anschlie­ßende Bear­bei­ten mit einer alten Zahn­bürste; die fest­sit­zende Rän­del­schraube konnte ich mit Caramba Super Plus Vielzweck-Spray (heute Caramba Super Plus Pre­mium Mul­tiöl) lösen.

Granate 1900

Ein wei­te­res Detail aus der Geschichte des Spit­zer­klas­si­kers: Das „Waa­ren­zei­chen­blatt“, he­rausgegeben vom Kai­ser­li­chen Patent­amt, gab in der Aus­gabe vom März 1901 die Anmel­dung und die Ein­tra­gung des Waren­zei­chens „Gra­nate“ für die Schreibwaren-Großhandlung Möl­ler & Breit­scheid in Köln bekannt.

Granate 1900

Möl­ler & Breit­scheid hatte bereits am 27. Januar 1900 den Namen „Gra­nate“ ange­mel­det, musste aber zunächst eine Ableh­nung hin­neh­men, da „das Wort mit­hin eine Angabe über die Beschaf­fen­heit der Waare ent­halte und daher dem Ver­kehr frei­ge­hal­ten wer­den müs­se“1. Erst die Auf­he­bung die­ser Ent­schei­dung am 13. Novem­ber 1900 machte die Eintra­gung mög­lich, die dann am 4. Februar 1901 unter der Num­mer 47683 vor­ge­nom­men wur­de. – Eine wei­tere (erneute?) Ein­tra­gung des Waren­zei­chens „Gra­nate“ fand am 14. Feb­ruar 1939 statt.

Granate 1900

Geht man davon aus, dass sich die dama­lige Gra­nate nicht wesent­lich von der des Jah­res 1913 unter­schei­det, so hat der heute von Möbius+Ruppert unter der Arti­kel­num­mer 604 ange­bo­tene Spit­zer eine min­des­tens 115-jährige Geschichte.

Danke an das DPMA für die Scans!

  1. Quelle: Chemiker-Zeitung vom 18. Mai 1901.

Granate 1901

Ein inter­es­san­tes Detail zur Geschichte des als „Gra­nate“ bekann­ten Blei­stift­spit­zers fin­det sich in der Chemiker-Zeitung vom 18. Mai 1901.

Granate 1901

(Bil­der zum Ver­grö­ßern anklicken)

Granate 1901

Granate 1901

Granate 1901

Granate 1901

In der Rubrik „Ent­schei­dung in Waa­ren­zei­chen­sa­chen“ heißt es:

II. Beschwerde-Abtheilung I des Patentamtes.
[…]
2. Die Ein­tra­gung des Wor­tes „Gra­nate“ für Blei­stift­spit­zer war von der Abt­hei­lung für Waa­ren­zei­chen abge­lehnt wor­den, weil Blei­stift­spit­zer in Form einer Gra­nate, wenn auch aus­schliess­lich von der Anmel­de­rin her­rüh­rend, seit Jah­ren im Ver­kehr seien, das Wort mit­hin eine Angabe „über die Beschaf­fen­heit“ der Waare ent­halte und daher dem Ver­kehr frei­ge­hal­ten wer­den müsse. Die Beschwerde-Abtheilung I (Entsch. vom 13. Novem­ber 1900) hob diese Ent­schei­dung auf, weil die Form einer Gra­nate keine sach­li­che Bezie­hung zu einem Blei­stift­spit­zer habe, und weil fer­ner die Form einer Gra­nate im freien Ver­kehr nicht all­ge­mein üblich für Blei­stift­spit­zer sei. 

Die „Gra­nate“ war also bereits vor 1900 auf dem Markt1, und schon damals wollte man sich den Namen schüt­zen las­sen; mög­lich wurde das jedoch erst durch die hier erwähnte Auf­hebung der Ent­schei­dung, den Ein­trag abzu­leh­nen. Wer die Anmel­de­rin war, bleibt hier lei­der offen, aber es könn­te die Ver­triebs­firma Möl­ler & Breit­scheid gewe­sen sein, denn diese wurde am 1. Mai 1869 gegrün­det und hat die „Gra­nate“ sehr lange ange­bo­ten2.

Unklar ist, ob dar­auf­hin ein Waren­zei­chen ein­ge­tra­gen wurde, also bereits vor der Regis­trierung für Möl­ler & Breit­scheid im Jahr 1939 ein Schutz bestand, doch ein Ein­trag im Buch „Ger­man Tool and Blade Makers. A guide to manu­fac­tu­rers and dis­tri­bu­tors, their trade­marks and brand names“ von John Wal­ter (Nevill Publi­shing 2012) könnte dafür sprechen:

GRANATE (1901, no. 47683)
Möl­ler & Breit­scheid, Köln a. Rh.
Regis­try class: 9b
Style: block 

Die Quelle für diese Infor­ma­tion kenne ich aller­dings nicht, und auf meine Anfrage beim Autor habe ich bedau­er­li­cher­weise keine Ant­wort erhalten.

  1. Ich gehe davon aus, dass es sich bei dem in der Chemiker-Zeitung genann­ten Spit­zer nicht um einen ande­ren mit zufäl­lig glei­chem Namen han­delt.
  2. Im „Hand­buch für Papier und Büro­be­darf“ von Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert aus dem Jahr 1949 heißt es, die Gra­nate wäre um 1889 auf den Markt gekom­men.

Spurensuche

Nach wie vor unbe­kannt ist mir der Ursprung des unter dem Namen „Gra­nate“ bekann­ten Hand­spit­zers, und so greife ich zu allem, was Auf­schluss geben könnte. Zwei Funde der jüngs­ten Zeit lie­fern inter­es­sante Details.

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Im Bild die aktu­elle „Gra­nate“ von Möbius+Ruppert.

Das „Hand­buch für Papier und Büro­be­darf“ von Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert, einem gut 600-seitigen Fach­buch für den Bürobedarfs- und Papier­wa­ren­han­del aus dem Max Schwa­be Ver­lag, erschie­nen im Jahre 19491, nennt und zeigt die „Gra­nate“ in der Rubrik „Blei­stiftanspitzer“.

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Das hier abge­bil­dete Modell ähnelt sehr der „Gra­nate 5“ von Möl­ler & Breitscheid.

Bemer­kens­wert ist der Hin­weis dar­auf, dass die­ser Spit­zer vor etwa 60 Jah­ren, also um 1889 in den Han­del gekom­men sein soll.

Die „Kleine Anspitzer-Fibel“ von Leon­hard Ding­werth nennt als Erfin­der der „Gra­nate“ den Fran­zo­sen de Thierry; das Patent soll er am 14. April 1847 erhal­ten haben. Die Fibel ent­hält zwei Anzei­gen von 1900 und 1925, die mit dem Namen „Gra­nate“ wer­ben, doch die­ser wur­de erst 1939 als Waren­zei­chen für Möl­ler & Breit­scheid ein­ge­tra­gen. War er schon frü­her üblich, aber nicht als Marke regis­triert? Wei­ter heißt es dort, die „Gra­nate“ wäre ab ca. 1847 von Möl­ler & Breit­scheid her­ge­stellt wor­den, was jedoch im Wider­spruch zum „Hand­buch für Papier und Büro­be­darf“ steht. Hinzu kommt, dass Möl­ler & Breit­scheid keine eigene Pro­duk­tion hatte, son­dern nur eine Ver­triebs­firma war.

Mir neue Infor­ma­tio­nen lie­ferte der Arti­kel „Con­stant de Thierry des Estivaux, Mar­quis de Fale­tans – Inven­tor of the Pen­cil Shar­pe­ner“ von Rupert Will­oughby, ver­öf­fent­licht im Juli 2011.

Spurensuche

Con­stant de Thierry des Estivaux (Quelle: Rupert Will­oughby)

Con­stant de Thierry des Estivaux2, gebo­ren 1797 in Paris, erhielt 1839 sein ers­tes Patent. Nach einer wei­te­ren Erfin­dung im Jahr 18463 folgte 1847 das dritte Patent, dies­mal für einen rohr­för­mi­gen Blei­stift­spit­zer mit kegel­för­mi­ger Boh­rung und einem Mes­ser4. Wie die­ser aus­sah, müss­ten die Patent­un­ter­la­gen zei­gen5, doch wer hat die­sen Spit­zer wann und wo erst­mals gefer­tigt? Wie kam das Design6 dann zu Möbius+Ruppert und dem Her­stel­ler, der Möl­ler & Breit­scheid belie­fert hat? Hat viel­leicht Möbius+Ruppert für Möl­ler & Breit­scheid produziert?

Es gibt noch einige Spu­ren zu verfolgen!

Nach­trag vom 23.3.15: Die „Gra­nate“ stammt nicht von Con­stant de Thierry des Esti­vaux; Details zu sei­ner Erfin­dung gibt es hier.

  1. Vor­läu­fer waren das Hand­buch für den Bürobedarfs- und Papier­wa­ren­han­del von Dr. Her­mann Wildt, Arthur Guthke und Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert, erschie­nen 1939 im Max Schwabe Ver­lag (Ber­lin), sowie das Hand­buch des Papier- und Schreib­wa­ren­han­dels, her­aus­ge­ge­ben vom Reichs­bund Deut­scher Papier- und Schreib­wa­ren­händ­ler e.V. und erschie­nen 1928 im Ver­lag Der Papier­händ­ler GmbH (Würz­burg). – Diese drei Bücher unter­schei­den sich deut­lich. Das erste hat im Gegen­satz zum zwei­ten und drit­ten keine Abbil­dun­gen, und nur das dritte zeigt die „Gra­nate“; zudem wurde es über Anzei­gen mit­fi­nan­ziert (z. B. mit die­ser für die Argument- Füll­halt­er­fa­brik).
  2. Der Name Thierry des Estivaux wird auch im Buch „Pot­lo­den & Pun­tens­li­j­pers“ von Paul Dirks und Toon Kes­sels erwähnt. – Als Erfin­der des ers­ten Blei­stift­spit­zers, der unse­rem heu­ti­gen jedoch gar nicht ähn­lich sieht, wird oft der Fran­zose Ber­nard Las­si­monne (auch Las­si­mone) genannt; sein Patent mit der Num­mer 2444 soll aus dem Jahr 1828 stam­men (siehe dazu diese Quelle).
  3. Seine ers­ten bei­den Erfin­dun­gen hat­ten nichts mit Blei­stif­ten und Spit­zern zu tun.
  4. Laut dem Stadt­le­xi­kon des Stadt­ar­chivs Erlan­gen hat Theo­dor Paul Möbius (1868–1953) im Jahr 1908 den kegel­för­mig gebohr­ten Blei­stift­spit­zer erfun­den und noch im sel­ben Jahr mit der indus­tri­el­len Fer­ti­gung begon­nen. Ging es bei sei­ner Erfin­dung viel­leicht eher um die Produk­tionstechnik? Auch hier lohnt sicher ein genauer Blick. – Das Unter­neh­men Möbius+Ruppert wurde 1922 von Alfred Möbius, einem Bru­der von Theo­dor Paul Möbius, und Hein­rich Rup­pert gegrün­det; Theo­dor Paul Möbius‘ Betrieb ging nach finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten 1983 in die Auf­fang­ge­sell­schaft DUX GmbH über.
  5. Diese auf­zu­trei­ben dürfte eine inter­es­sante Her­aus­for­de­rung sein.
  6. Man beachte die Unter­schiede der alten Modelle – die gerän­delte Schraube der älte­ren Vari­ante wurde spä­ter durch eine geschlitzte ersetzt, und auch das Mes­ser bekam eine andere Form.

Puck

Die „Gra­nate“ war sicher der bekann­teste, aber nicht der ein­zige Spit­zer von Möl­ler & Breit­scheid aus Köln.

Puck

Schlan­ker, nicht so mar­tia­lisch und in ver­wand­ter Form kam der „Puck“ daher, den es aus Mes­sing und Magne­sium gab.

Puck

Gut 21 mm lang und knapp 13 mm dick ver­schafft er Blei­stifte mit einem Durch­mes­ser von bis zu 8 mm einen Standard-Konus von 22° und geht dabei spar­sam, näm­lich mit einer Span­dicke von durch­schnitt­lich 0,22 mm zu Werke.

Puck

Auch beim „Puck“ wird das Mes­ser durch zwei Stifte in Posi­tion gehal­ten, doch statt der von älte­ren Spit­zern bekann­ten Rändel- hat er bereits eine Schlitzschraube.

Puck

Die Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät ent­täuscht etwas, denn die Mate­ri­al­stärke am unte­ren Ende des Mes­sers ist so knapp dimen­sio­niert, dass sich ein Riss zeigt.

Puck

Das Spit­z­er­geb­nis des „Puck“ ist ähn­lich unge­wöhn­lich wie das der „Gra­nate 5“, da ein et­wa 0,6 mm dün­nes Stück der Mine stehenbleibt.

Möller & Breitscheid

Der Name Möl­ler & Breit­scheid ist heute weit­ge­hend ver­ges­sen, doch im Rheinisch-West­fälischen Wirt­schafts­ar­chiv gibt es noch einige Unter­la­gen. Aus die­sen geht her­vor, dass die Kauf­leute W. Möl­ler und E. Breit­scheid ihr Unter­neh­men am 1. Mai 1869 in Köln ge­gründet haben. Durch ihre Freund­schaft mit dem Erfin­der der Kugel­spitz­fe­der Died­rich Leo­nardt1 aus Bir­ming­ham bestand ihre erste unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit in der Ein­fuhr die­ser Federn nach Deutsch­land; zudem erhiel­ten sie den Allein­ver­trieb für Europa.

Ein Fra­ge­bo­gen von 1937, mit dem die Aus­fuhr von Blei­stift­spit­zern und Ersatz­mes­sern in zahl­rei­che euro­päi­sche Län­der und die USA bean­tragt wurde, belegt, dass das Unterneh­men als offene Han­dels­ge­sell­schaft lief und vier kauf­män­ni­sche Ange­stellte sowie einen Arbei­ter beschäf­tigte. Er zeigt außer­dem, dass Möl­ler & Breit­scheid keine eigene Fer­ti­gung hatte und sich aus­schließ­lich mit dem Ver­trieb von Schreib­wa­ren und Büro­ar­ti­keln befasste. Ein wei­te­res For­mu­lar, ver­mut­lich aus der Kriegs­zeit, führt die Firma als Groß­han­del und er­wähnt sechs Beschäf­tigte, aber keine Roh­ma­te­ria­lien. Es spricht also eini­ges dafür, dass die unter den Eigen­mar­ken „Gra­nate“ und „Puck“ ver­trie­be­nen Spit­zer von einem ande­ren Un­ternehmen2 her­ge­stellt und von Möl­ler & Breit­scheid exklu­siv ver­trie­ben wur­den. – In den 1950er Jah­ren spiel­ten diese bei­den Spit­zer neben Spitz­ma­schi­nen eine Haupt­rolle im von Möl­ler & Breit­scheid ange­bo­te­nen Bürobedarf.

Ein Ein­trag im Han­dels­re­gis­ter vom 13. Januar 1975 belegt die Auf­lö­sung des zuletzt in Ro­denkirchen bei Köln ansäs­si­gen Unternehmens.

Nach­trag vom 4.5.12: Das Waren­zei­chen­blatt des dama­li­gen Reichs­pa­tent­amts teilte in der Aus­gabe vom 31.3.1939 die Ein­tra­gung der Mar­ken „Puck“ und „Leonardt’s Kugelspitz-Feder“ mit:

Warenzeicheneintragung „Puck”

Warenzeicheneintragung „Leonardt's Kugelspitz-Feder”

Danke an das DPMA für die Scans!

Nach­trag vom 10.5.15: Das Buch „Ger­man Tool and Blade Makers. A guide to manu­facturers and dis­tri­bu­tors, their trade­marks and brand names“ von John Wal­ter (Nevill Pub­lishing 2012) ent­hält fol­gen­den Eintrag:

PUCK (1900, no. 42154)
Möl­ler & Breit­scheid, Köln a. Rh.
Regis­try class: 9b
Style: block 

Gut mög­lich, dass damit der hier gezeigte Spit­zer gemeint ist.

  1. Hier schei­den sich die Geis­ter, wird doch auch Fried­rich Soen­ne­cken als Erfin­der genannt.
  2. Die­sen Her­stel­ler zu ermit­teln ist natür­lich eine Her­aus­for­de­rung.

Granate 5

Die „Gra­nate 5“ war die mei­nes Wis­sens letzte Ver­sion vor der aktu­el­len und sowohl bei Möl­ler & Breit­scheid als auch bei Möbius+Ruppert1 im Programm.

Granate 5

Links: „Gra­nate 5“ von Möl­ler & Breit­scheid, rechts: „Gra­nate“ (M+R 604) von Möbius+Ruppert

Ange­sichts der Kenn­zeich­nun­gen „W.Z. № 507558“ an der Stift­öff­nung, „MB“ auf dem Mes­ser und „Gra­nate 5“ an der Spitze gehe ich davon aus, dass die­ses Exem­plar von Möl­ler & Breit­scheid2 aus Köln stammt.

Granate 5

Bei der Befes­ti­gung des Mes­sers zei­gen sich die größ­ten kon­struk­ti­ven Unter­schiede. Sorg­ten frü­her zwei kurze Stifte für den Form­schluss, so erle­digt dies heute eine Ver­tie­fung. Oben­drein wurde die Rändel- durch eine Kreuz­schlitz­schraube ersetzt, wobei letz­tere eine grö­ßere Stei­gung hat. Es fällt zudem auf, dass die Stift­öff­nung in der aktu­el­len „Gra­nate“ exzen­trisch sitzt, ver­mut­lich bedingt durch den Wunsch, das (0,5 mm län­gere) Mes­ser kom­plett zu ver­sen­ken und weder auf­sit­zen noch über­ste­hen zu las­sen. Die Länge des Spit­zers wurde von 26,5 mm auf 24,8 mm ver­rin­gert; der Durch­mes­ser blieb bei 15 mm. Es war eine gute Ent­schei­dung, die Rän­de­lun­gen fei­ner und die Ril­len zwi­schen ihnen schma­ler und fla­cher zu machen, denn dadurch wurde der Spit­zer gefäl­li­ger. – Einen Unter­schied im Spit­zen­win­kel konnte ich nicht feststellen.

Granate 5

Bei Gebrauch der „Gra­nate 5“ über­ra­schen zwei Dinge: Zum einem stauen sich die Späne3 hin­ter der Rän­del­schraube und zum andern ist die Geo­me­trie nicht opti­mal – eine 0,6 mm dünne Minen­spitze ver­lässt den Spit­zer mit einem spri­al­för­mi­gen Mus­ter. Da diese Spitze selbst bei einem här­te­ren Blei­stift sofort abbricht, gehe ich davon aus, dass dies nicht be­absichtigt war.

Granate 5

Test mit einem STAEDTLER Noris 120 (Zeder, alt)

Trotz die­ser Eigen­hei­ten ist die „Gra­nate 5“ im Gegen­satz zu manch ande­rem his­to­ri­schen Spit­zer auch heute noch zu gebrauchen.

Zur „Gra­nate“ siehe auch:

  1. Siehe das Modell 14/I von 1938 und die Prä­sen­ta­tion auf der Paper­world 2012, die eine weit­gehend ähn­li­che Form (wenn auch mit ande­rer Schraube) zeigt.
  2. Wann die­ses Unter­neh­men exis­tiert hat und wie alt die­ses Exem­plar sein könnte, weiß ich nicht; bis jetzt konnte ich nur her­aus­fin­den, dass der Her­stel­ler bis 1975 ein­ge­tra­gen war.
  3. Ein kur­zer Test an einem STAEDTLER Noris 120 (Jel­utong) hat gezeigt, dass der Span mit durch­schnitt­lich 0,19 mm außer­ge­wöhn­lich dünn, die „Gra­nate 5“ also sehr spar­sam ist.

W.Z. № 507558

Noch ein­mal die „Gra­nate“, dies­mal in einer alten, gro­ßen Aus­füh­rung für dickere Stifte und aus Magnesium.

W.Z. № 507558

Rechts die aktu­elle „Gra­nate“ M+R 604

Die­ses Modell ist 27 mm lang und 18 mm dick; es nimmt Stifte mit einem Durch­mes­ser von bis zu 11 mm auf.

W.Z. № 507558

Zur Kenn­zeich­nung „W.Z. № 507558“ konnte ich nur wenig her­aus­fin­den. „W.Z.“ steht für „Waren­zei­chen“ und geht zurück auf das 1936 ein­ge­führte Waren­zei­chen­ge­setz. Letz­te­res wurde 1995 durch das Mar­ken­ge­setz und so der Begriff des Waren­zei­chens durch den der Marke abge­löst; dabei ist auch die Nr. 507558 erloschen.

W.Z. № 507558

Diese WZ-Nummer fin­det sich jedoch auch in der „Klei­nen Anspitzer-Fibel“ von Leon­hardt Ding­werth und dort in einer Anzeige aus dem Jahr 1940, mit der Möl­ler & Breit­scheid in Köln für den „Präzisions-Bleistiftspitzer Gra­nate“ war­ben. Es ist also sehr wahr­schein­lich, dass der hier gezeigte Spit­zer von die­sem Anbie­ter stammt.

W.Z. № 507558

Im Gegen­satz zur heute übli­chen Befes­ti­gung mit einer Kreuz­schlitz­schraube sitzt hier das Mes­ser auf zwei Stif­ten und wird von einer Rän­del­schraube gehal­ten. – Bei genauem Hin­schauen fällt übri­gens auf, dass das Mes­ser einen ganz leich­ten Hohl­schliff hat (in den Fo­tos ist das lei­der nicht zu erkennen).

W.Z. № 507558

Ein kur­zer Test an einem LYRA Super FERBY DUO zeigt, dass das Mes­ser zwar recht stumpf ist, aber immer noch eini­ger­ma­ßen gut schneidet.

W.Z. № 507558

Ein inter­es­san­ter Spit­zer, zu dem es sicher noch mehr her­aus­zu­fin­den gibt!

Zur „Gra­nate“ siehe auch:

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