Museum
Kleine Welt
Die Welt in die Tasche zu packen half STAEDTLER mit diesem werbenden Atlas.
Der 76 × 115 mm kleine Taschen-Atlas in Marsblau1 hat 16 Farbseiten und ist vermutlich ein halbes Jahrhundert alt. Drei Umschlagseiten bewarben reimend einen Teil des Sortiments, darunter die Aquarell-Stifte der „Tradition“-Reihe.
Erweckt der Titel des Atlas den Eindruck, als wäre er noch vor dem zweiten Weltkrieg hergestellt oder zumindest gestaltet worden, so identifiziert ihn die Darstellung der Teilung Deutschlands als Nachkriegsprodukt.
Gestaltung und Typografie sprechen mich sehr an, und ich freue mich, hier der Schriftart „Römisch Linkskursiv“ zu begegnen.
Auch die „Tradition“-Bleistifte wurden erwähnt, nicht jedoch das Spitzenprodukt „Lumograph“; dies überrascht mich. Gab es ihn vielleicht nach dem Krieg zunächst nicht? – Die Rückseite war dem Schulfüllfederhalter „NORIS Junior“ gewidmet.
Drei Fonts in drei Zeilen, noch dazu mit Kapitälchen und einer Unterstreichung – das ging nicht nur gut, sondern sieht in meinen Augen sehr ansprechend aus.
Ein kleines, aber feines Stück!
Nachtrag: Von STAEDTLER konnte ich heute erfahren, dass der Taschen-Atlas aus der Zeit zwischen 1952 und 1957 stammt.
- Die nicht ganz korrekte Darstellung der Farben bitte ich nachzusehen; mit dem Versuch der Korrektur bin ich an die Grenzen meiner Bildbearbeitungs-Kenntnisse gestoßen.↩
Ausgetütet
Aufdruck einer etwa 200 × 55 mm kleinen Papiertüte, auf deren Rückseite der STAEDTLER Elastic, der „handfreundliche Kugelschreiber mit der teleskopgefederten IRREMOVO-Mine“, beworben wird. Die jedoch zeige ich nicht, denn Kugelschreiber kommen hier nicht in die virtuelle Blog-Tüte. – Der 754 war ein Kopierstift.
Mikado und Maschine
Einen Blick hinter die Kulissen bot die Eagle Pencil Company in „The Literary Digest“ vom 11. April 1931.

Im Mittelpunkt der 58 × 275 mm großen Anzeige stand ein von Eagle erfundenes Gerät, mit dem der beim Schreiben mit einem Bleistift benötigte Druck aufgezeichnet und jede Charge des beworbenen „Mikado” endgeprüft wurde.
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(Miniaturen anklicken, um die Ausschnitte vergrößert anzuzeigen)
Der „Mikado 174“, dessen gelben Lack und roten Ring man in der Schwarzweiß-Anzeige betonte, trug die Bezeichnung des göttlichen Kaisers von Japan, und der gepinselt wirkende Namenszug unterstrich das fernöstliche Image, das man z. B. auch bei L. & C. Hardtmuth mit dem „Koh-I-Noor“ pflegte. Nach dem Angriff der japanischen Streitkräfte auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 wollte man jedoch bei Eagle weg von dieser nun nicht mehr werbewirksamen Konnotation und benannte den Bleistift zu „Mirado“ um. Die neue Marke wurde 1947 angemeldet und ist bis heute in Gebrauch.
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Um Eagles Jubiläumsjahr herum gab es in der Welt der Bleistifte noch mindestens zwei weitere wichtige Ereignisse: 1929 erhielten die Stifte von Schwan die typischen Kantenstreifen und am 1. August 1930 kam der STAEDTLER MARS-LUMOGRAPH 2886 auf den Markt.
DingsBums
Kaum zu glauben: Da findet man nach 36 Jahren einen Stempel wieder, den man als Junge bekommen hat1. Doch es gibt noch mehr Bemerkenswertes.
Kreuzer „DingsBums“ (1. Serie, 1975)
1975 begann die Kreuzer Produktion & Vertrieb GmbH2 mit der Herstellung von Stempeln3, bei denen sich die Farbe im Stempelkörper befand. Die erste Zielgruppe waren Kinder, zu denen auch ich damals gehörte, und noch im selben Jahr war ich stolzer Besitzer des gezeigten Geräts, das unter dem treffenden Namen „DingsBums“ angeboten wurde. Die Motive dienten der Verschönerung von allem, was nicht schnell genug in Sicherheit war, und so habe ich oft und gern Gebrauch von diesem Stempel gemacht (jedoch nicht immer zur uneingeschränkten Freude meiner Mitmenschen).
Im darauffolgenden Jahr brachte Kreuzer die zweite Serie dieses Utensils auf den Markt; hier eine Anzeige für den Verkaufskarton4:
Der Knüller ist, dass dieser Stempel auch nach über dreieinhalb Jahrzehnten noch funktioniert – die Farbe ist nicht ausgetrocknet, der Gummi hat nur geringe Spuren und die Rückstellfeder ist in Ordnung.
Nachtrag vom 29.6.11: Die Stempel hießen nur während der ersten Jahre „DingsBums“, danach „Bilderstempel“, was für den Export besser war (dieser Artikel ging auch nach England). Die Rückstellfeder diente der leichteren Handhabung, denn damit konnte der Stempel erst positioniert und dann der Abdruck gemacht werden. Bei der zweiten Mini-Version des Stempels hat man aus Kostengründen auf die Feder verzichtet. – Wie der US-amerikanische Vorgänger hatte die erste Variante eine 2–3 mm dicke Stempelmasse, auf der das etwa 1 mm hohe Motiv saß. Diese Stempelmasse wurde mit Farbe getränkt und in das Gehäuse eingeklebt (dieses Prinzip nutzen auch viele aktuelle Stempel). Für die zweite Variante kam eine Mischung aus Kunststoff und Farbe zum Einsatz, die in Formen gegossen und polymerisiert wurde. Diese sogenannte Mikroverkapselung käme angesichts der heute für die Sicherheit von Spielzeug geltenden Voschriften (wie z. B. die EN 71) bei Kinderstempeln nicht mehr in Frage, wird aber noch bei Stempeln für Erwachsene und nachfüllbaren Stempelkissen genutzt. – Vielen Dank an Herrn Oborski für diese Details!
- Es ist beruhigend, dass die wichtigsten Dinge nicht verloren gehen.↩
- Bekannt durch den „Blift“ und als OEM für Geha.↩
- 1983 erweiterte man das Sortiment um Adress- und Bürostempel.↩
- Mir gefällt der Slogan „Mehr Technik als Preis“.↩
Die Schrift auf dem Stift
Ein berühmter Aufdruck kommt groß raus: „Evolution of the ‘Blackwing • 602’ Logo“.
SCALA № 1012
Den Härtegrad eines Bleistifts findet man meist auf seinen Seitenflächen. Manche Hersteller ergänzen diese Kennzeichnung durch eine farbige Tauchkappe oder eine graue Fläche, deren Helligkeit mit der Härte korrespondiert; Beispiele dafür sind der Maped Black’Peps und der inzwischen nicht mehr erhältliche Pantone Graphite. Eine andere, mich sehr ansprechende Gestaltung zur raschen Identifikation des Härtegrads wählten L. & C. Hardtmuth beim SCALA № 1012, den diese Anzeige im Jahr 1927 bewarb.

Die Politur in fünf abgestuften Rottönen – zweifellos eine ästhetische Palette – sollte den Griff zum gewünschten Härtegrad erleichtern. Da sie den Bleistift komplett überzog, war dieser in jeder Lage wiedererkennbar.

L. & C. Hardtmuth konnten sich offenbar kaum bremsen, den Nutzen zu betonen. Doch war er wirklich so groß? Ich kann mir vorstellen, dass man einem einzigen Stift nicht sofort die Härte ansehen konnte, sondern nur im Vergleich mit allen anderen, und so auch mal den benachbarten Grad erwischte. Stärker kontrastierende Farben mit vertrauter Bedeutung sind vermutlich praktischer.

Dennoch: Die Idee war gut, und ich bin mir sicher, dass ich ein Set des SCALA № 1012 gekauft hätte.

Danke an Herbert R. für den Scan!
Anm.: Im dritten Bild fällt auf, dass das Attribut „eigenartig“ im Gegensatz zu heute positiv konnotiert war. Oder ist das vielleicht eine österreichische Besonderheit?



















