Monatsarchiv für Juni 2009

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Zeitreise

Donnerstag, 18. Juni 2009

Einen Rückblick der ganz besonderen Art bietet dieses japanische Blog: Einige prächtige Seiten eines Katalogs von A.W. Faber New York vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigen Bleistifte, Minenhalter, Zeicheninstrumente, Stahlfedern und Tintengläser.

LYRA Cleopatra

Mittwoch, 17. Juni 2009

Die alten Ägypter, damals noch jung, mögen von Cleopatra I bis VII und vor allem von letzterer, nicht jedoch davon geträumt haben, dass einmal ein solch faszinierender Stoff wie der Graphit entdeckt werden und dieser, mit feinstem Ton vermischt, gebrannt und in Holz gehüllt, den Namen ihrer Königin tragen sollte. Wie unzufrieden wären sie wohl damit gewesen, Pinsel und Calamus über den Papyrus zu führen!

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Eingetragen im Jahr 1895 fand der Markenname „CLEOPATRA” auf diesen Bleistift mit der Artikelnummer 3410 des Herstellers LYRA. Nach dessen Angaben führten ihn die Kataloge von 1911 und 1926 in der hier gezeigten Ausführung auf, so dass der Stift aus dieser Zeit stammen könnte.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Neben den üblichen Details findet sich auf dem sechsflächigen, in mattem Rot lackierten Bleistift der Härte 2 – thematisch passend – eine sog. Hieroglyphenkartusche. Diese Form, meist oval und auch als „Königsring” bekannt, umschloss die Namen der ägyptischen Könige und wurde hier als pfiffiges Gestaltungselement eingesetzt.

Die Material- und Verarbeitungsqualität des „CLEOPATRA” ist leider unterdurchschnittlich. Holzoberfläche, Lack und Aufdruck meiner Exemplare sind unregelmäßig, und nicht immer sitzt die (obendrein unterschiedlich dicke) Mine zentrisch im Holz. Für den unsauberen Abtrag des Holzes beim Spitzen selbst in der Kurbelspitzmaschine könnten jedoch das Alter und vielleicht eine unsachgemäße Lagerung des Bleistifts verantwortlich sein. Die Mine ist leicht kratzig und kommt mit ihrer Qualität nicht an die im ähnlich alten „ROBINSON” vom selben Hersteller heran.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Aufgrund seiner Mängel vermag der „CLEOPATRA” heute zwar nicht mehr zu überzeugen, doch mit seiner ungewöhnlichen Gestaltung ist er ein interessantes Stück Geschichte. – Im LYRA-Katalog aus dem Jahr 1963 war der Bleistift nicht mehr zu finden, und 1996 wurde die Marke „CLEOPATRA” gelöscht.

Geblogburtstag

Dienstag, 16. Juni 2009

Dieses Sammelsurium hier feiert heute sein Zweijähriges. Danke an alle, die (ganz gleich in welcher Form) mitgemacht haben und – so hoffe ich – auch weiterhin mitmachen werden!

Markiges Marketing (5)

Dienstag, 16. Juni 2009

Reklamemarke von A.W. Faber

„Dieser hier”, sagte Herr Koch aus der Buchhaltung, der aufgrund seiner – übrigens bemerkenswert häufigen – Aufenthalte in der Eisengießerei Sicherheits-Schuhwerk bevorzugte, „ist mein allerletzter Tintenstift!” und hielt zur Unterstreichung selbigen hoch in die Luft. Bestens gelaunt wie immer und gar nicht überrascht schaute Herr Wagner, dessen beeindruckender Bart genauso bekannt war wie seine ebensolche Sparsamkeit (nicht umsonst fiel die Wahl sofort auf ihn, als es galt, eine neue Leitung für das Magazin zu benennen), durch seine stahlgefasste Brille. Er hatte bereits beim geräuschvollen Erscheinen seines stets befrackten und mit einer sehr großen Kladde bewaffneten Frisur- und Arbeitskollegen dessen Wunsch erahnt, verbrauchte dieser doch beträchtliche Mengen jener nützlichen Schreibgeräte.

Diese Geschichte um die auf der 44 × 59 mm großen Reklamemarke von A.W. Faber abgebildeten Herren ist natürlich blanker Unsinn. Kein Unsinn hingehen ist, dass der Name „CASTELL” zusammen mit den zwei symbolhaft dargestellten, flachliegenden Burgen, die in dieser Anzeige aus dem Jahr 1915 etwas besser zu erkennen sind, bereits 1906 registriert wurde und inzwischen als Faber-Castell (ohne Burg, aber dafür mit Rittern) weltweit be­kannt ist. – Das Alter der Reklamemarke, die zu einer Serie mit mindestens elf weiteren, ähn­lich gestalteten gehörte, schätze ich auf 90 bis 100 Jahre.

Zur Geschichte der Tinten- und Kopierstifte gibt es verschiedene Angaben. Die Publikation „Frühe, nichtphotographische Kopier- und Vervielfältigungstechniken” berichtet von dem Wunsch, mit einem Graphitstift ähnlich unlöschbar zu schreiben wie mit Feder und Tinte, und der Entwicklung der sog. „Tintenstifte”, die dies möglich machten. Später soll deren Eigenschaft, bei kräftigem Farbauftrag Kopien zu erlauben, zur Bezeichnung „Kopierstift” geführt haben. Andere Quellen wie die Wikipedia sehen den Ursprung dieser speziellen Stifte in einer Vorschrift aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von deutschen Kaufleuten verlangte, Duplikate ihrer Korrespondenz vorzuhalten. Nach der Erfindung der Nasskopie knapp hundert Jahre zuvor und der mit den neuen Anilinfarben geschaffenen Möglichkeit, kopiertaugliche Schreibminen zu fertigen, entstanden dann die ersten Kopierstifte.

Zu den Herstellern, die heute noch solche Stifte anbieten, gehören LYRA (Deutschland), Faber-Castell (Deutschland), Cretacolor (Österreich), Viarco (Portugal) und Veritas/Lee Valley Tools (USA). – Interessante Details, Farbmuster und weiterführende Informationen zu Kopierstiften gibt es unter „The hidden life of copying pencils” bei pencil talk.

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LM-KMS

Sonntag, 14. Juni 2009

Hinter dieser kryptischen Bezeichnung verbirgt sich ein nicht alltäglicher Bleistift, und zwar der „MONO MARK SHEET” des japanischen Herstellers Tombow. Nur im Härtegrad HB erhältlich und mit dem Hinweis „Hi-Precision For Mark Sheet” versehen, richtet er sich besonders an diejenigen, die z. B. in Prüfungen maschinell lesbare Bögen ausfüllen.

LM-KMS

Bleistifte für diesen Zweck, meist mit passendem Radierer, gibt es auch von Mitsubishi/uni, Pentel und STABILO, wobei die „Exam Grade”-Reihe von letzterem inzwischen auch hier erhältlich ist. Einige führen sogar Sets mit zwei oder drei Bleistiften, einem Radierer sowie einem Spitzer in einem transparenten Einfachst-Etui. Von Musgrave aus den USA kommt mit dem „Test Scoring 100″ ein Bleistift mit ähnlicher Zielsetzung, und Pentel bietet den 1,3-mm-Druckbleistift „Mark Sheet Sharp” für diese Anwendung an. Je nach Hersteller reichen die angebotenen Härtegrade dabei von HB bis 2B.

Leider weiß ich nicht, ob (und wenn ja, wie) sich diese „Mark Sheet”-Minen von denen gleichharter Bleistifte unterscheiden und welche Anforderungen das maschinelle Lesen an sie stellt. Ich gehe jedoch davon aus, dass eine gleichmäßige Abgabe und damit eine ebensolche Schwärzung von Vorteil ist; möglicherweise spielt auch der Reflexionsgrad eine Rolle.

LM-KMS

Der LM-KMS dürfte aber auch alle anderen Freunde und Nutzer des holzgefassten Graphits ansprechen, vereint er doch hervorragende Qualität, perfekte Verarbeitung und ein (in meinen Augen) pfiffiges Design. Zusammen mit einem guten Radierer wie dem sehr sauber arbeitenden „MONO” aus gleichem Hause, der – je nach Papier – die Spuren dieses Stiftes vollständig entfernt, zeigt er, was ein Bleistift zu leisten vermag.

LM-KMS

Ein Dutzend Tombow LM-KMS, die ungespitzt in den Handel kommen, kosten 1200 Yen (etwa 8,70 Euro).

Robinson am Freitag

Freitag, 12. Juni 2009

Meine geschätzte Leserschaft möge mir den billigen Kalauer im Titel nachsehen, aber ich konnte ihn mir einfach nicht verkneifen und habe mit diesem Beitrag auch eigens bis zu einem Freitag gewartet ;-)

Robinson am Freitag

LYRA Robinson 2510 HB/2 (von unten): 20er Jahre, 80er Jahre, aktuelles Modell
(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sehr lange im Programm des Nürnberger Unternehmens LYRA ist der Bleistift „Robinson 2510″, dessen Name bereits 1908, also vor gut 100 Jahren, als Warenzeichen eingetragen wurde. Bis zum Ende der 60er Jahre behielt er seine ursprüngliche, schlichte Gestaltung, die den Namen des Stifts in einem dekorativen Font sowie den des Herstellers in für heute ungewohnter, nämlich leicht kursiver Form und in Kapitälchen zeigte.

Robinson am Freitag

Robinson am Freitag

Danach wurde das Design des Bleistifts grundlegend verändert, und eine farbige, durch einen weißen Ring vom dunkelblauen Schaft abgesetzte Tauchkappe zur Kennzeichnung des Härtegrads kam hinzu. „Vorne schwarz, hinten bunt” also auch hier, allerdings nur in drei Farben: Grün für H und härter, Gelb für HB sowie Rot für B und weicher. Den Namen und die Kennzeichnungen führte man nun in der Schriftart „Handel Gothic” von 1965 aus.

Robinson am Freitag

Später folgten die 13-stellige EAN und der Strichcode, die gegenüber dem goldfarbenen Prägedruck weiß aufgebracht sind; in dieser Form ist der „Robinson 2510″ heute in elf Härtegraden von 4H bis 6B sowie in HB mit Radierer erhältlich.

Robinson am Freitag

Beim direkten Vergleich der Minen ist ein Qualitätsunterschied erkennbar, wobei die älteste die beste und die aktuelle auf dem Papier leider etwas rauh ist. Das Holz von allen dreien lässt sich sehr gut spitzen, und bei der Qualität von Verarbeitung, Lack und Prägedruck liegt das aktuelle Modell deutlich vorn.

Robinson am Freitag

Von links: aktuelles Modell, 80er Jahre, 20er Jahre

Trotz der kleinen Schwäche ist der laut Hersteller im Ausland aus Zedernholz gefertigte „LYRA Robinson 2510″ ein guter, attraktiver und zudem mit etwa 18 Euro-Cent (Quelle: GoRoTec) äußerst günstiger Alltags-Bleistift.

Robinson am Freitag

Anm.: Bei der Datierung bin ich mir nicht ganz sicher, so dass der alte „Robinson” auch aus den 30er Jahren stammen und der in den 80er Jahren angesiedelte durchaus zehn Jahre älter sein könnte.

Kurz und bunt

Mittwoch, 10. Juni 2009

Dachte ich bisher, Bleistifte mit buntem Äußeren seien erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommen, so haben mich diese vielleicht 70 bis 80 Jahre alten Kurzbleistifte von J.J. Rehbach eines Besseren belehrt.

Kurz und bunt

(zum Vergrößern anklicken)

Das ausgefallene Muster auf den silbergrundigen Stiften mit goldfarbenem Ring und recht langer, schwarzer Tauchkappe ist unregelmäßig und sieht aus wie aufgetupft; der mit dem Ring farblich korrespondierende Prägedruck, der fast die ganze verfügbare Länge einnimmt, zeigt die gekreuzten Schlüssel, das Sinnbild des Herstellers, sowie den Schriftzug „J.J. REHBACH”. Knapp 9 cm lang, 8 mm dick und mit einer Mine etwa der Härte HB waren diese attraktiven Bleistifte wohl als Begleiter für Kalender oder Notizbuch gedacht.

J.S. STAEDTLER LUNA 349

Dienstag, 9. Juni 2009

Heute gibt's schon wieder etwas aus dem Museumskeller dieses Weblogs, und zwar den LUNA 349 № 2 von J.S. STAEDTLER.

J.S. STAEDTLER LUNA 349

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Dieser sechsflächige, dunkelgrün lackierte Bleistift mit silberfarbenem Aufdruck und den üb­lichen Abmessungen bietet ein paar – wie ich finde – interessante Details.

J.S. STAEDTLER LUNA 349

Wie die Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes informiert, wurde die Wort-Bildmarke „LUNA” bereits im Juli 1913 angemeldet und im Januar 1914 auf die J.S. Staedtler GmbH & Co. KG eingetragen. Nach einer Verlängerung der Schutzdauer gehört sie immer noch STAEDTLER, doch das einzige, heute angebotene Produkt mit diesem Markennamen im Programm dieses Herstellers, das ich finden konnte, ist ein Farbstift von STAEDTLER Hong Kong. – Während bei vielen anderen mir bekannten Stiften aus dieser Zeit der Name sehr dekorativ gestaltet wurde, hat man sich hier für die Verwendung einer schlichten, breiten Schreibmaschinenschrift entschieden. War der LUNA 349 vielleicht als einfacher Alltags-Bleistift gedacht?

J.S. STAEDTLER LUNA 349

Noch älter als die Marke „LUNA” ist der auch auf diesem Stift anzutreffende Viertelmond, das (meines Wissens nach) älteste Markenzeichen von STAEDTLER, das 1887 angemeldet und bis in die 50er Jahre hinein genutzt wurde. Wie schon beim MARS-REVISOR erwähnt, könnte der Viertelmond, dessen Ursprung unbekannt ist, auf eine Verbindung zum Orient hindeuten. Verwandte Markenzeichen waren „Full Moon” und „Camel”, wobei letzteres noch lange im gleichnamigen Bleistift von STAEDTLER Thailand weitergelebt hat.

J.S. STAEDTLER LUNA 349

Doch zurück zum LUNA 349 № 2. Dieser Bleistift kam im Oktober 1937 auf den Markt und wurde bis in den Mai 1941 produziert, war also vergleichsweise kurz im Handel; ob es einen Vorgänger und/oder Nachfolger gab, weiß ich nicht. Die Jahre (oder vielleicht auch eine unsachgemäße Lagerung) haben meine Exemplare etwas strapaziert, denn keines ist frei von Schäden. Das gut spitzbare Holz und die kratzfreie Mine mit ihrer sauberen Abgabe sind jedoch sehr hochwertig, so dass man sich auch heute noch am Gebrauch des LUNA 349 № 2 erfreuen kann.

J.S. STAEDTLER LUNA 349

STAEDTLER LUNA 349, gespitzt mit dem Carl Decade DE-100 und dem DUX DX4122


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