Basteln mit dem Lexikaliker (10)

16. März 2010

Hier wird gebastelt, was das Zeug hält, und diesmal hält die Bastelei einen (wer hätte das gedacht?) Bleistift. Dem beklagenswerten Umstand, dass kaum noch jemand Zeit hat, trage ich ausnahmsweise mal Rechnung, denn das, was ich heute vorschlage, ist nicht nur billig, nützlich und ziemlich albern, sondern auch blitzfix umgesetzt.

Notizbuch „Kompagnon ” (A6) von Brunnen und Bleistift „Black Polymer 999” von Pentel

Nicht alle Notizbücher, Klemmbretter und andere Hilfsmittel zur handschriftlichen Erfassung von Informationen erlauben das An- oder Einstecken des benötigten Schreibwerkzeugs. Schnelle Abhilfe schafft da ein kleines Stück Heftpflaster (ich bevorzuge Hansaplast Classic), welches wir an geeigneter Stelle so anbringen, dass es unser Schreibgerät zuverlässig hält. Sehr zupass kommen uns hier übrigens das weiche und damit stiftschonende Innere des nichtklebenden Abschnitts, die Dehnbarkeit sowie die hohe Klebekraft des Pflasters.

Notizbuch „Kompagnon ” (A6) von Brunnen und Bleistift „Black Polymer 999” von Pentel in einer Hansaplast „Classic”-Schlaufe

Selbstverständlich sind den Variationsmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt.

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Traditionspflege

16. März 2010

STAEDTLER tradition 110

Der rot-schwarze Bleistift-Klassiker STAEDTLER tradition 110, vertreten durch Exemplare aus Deutschland, Großbritannien und Australien, erfährt eine eingehende Betrachtung mit verdienter Würdigung im Weblog „Bleistift” – hervorragend!

Kleine historische Notiz am Rande: Der Bleistift „Tradition” kam im August 1930 mit der Artikelnummer 200-x auf den Markt; 1967 wurde letztere zu 110-x geändert (x = Härtegrad).

Stück für Stück

11. März 2010

Der Wunsch, möglichst komfortabel zu einer frischen Bleistiftspitze zu kommen, hat bereits zahlreiche findige Köpfe beschäftigt und zu so manch ungewöhnlichem Ergebnis geführt.

Der „Perpetual Pencil” im Katalog von Frothingham & Workman Ltd. (1907)

Aus dem Jahr 1907 und dem „General Hardware”-Katalog des damals in Montreal, Kanada, ansässigen Anbieters Frothingham & Workman Ltd. stammt diese Abbildung des „Perpetual Pencil”, hergestellt von der American Lead Pencil Company. Anstelle einer kompletten Mine enthielt dieser mechanische Stift elf gespitzte Abschnitte; war einer abgeschrieben, so genügte ein Druck, um ihn auszuwerfen und einen neuen in Position zu bringen.

Anzeige für den „Perpetual Pencil” der Americal Pead Pencil Company (1904)

Die „American Lead Pencil Company”, gegründet 1861 von Edward Weissenborn, brachte 1905 ihre Marke „Venus” auf den Markt, die 1956 zur Umbenennung des Unternehmens in die „Venus Pen and Pencil Corporation” führte. 1967 folgte eine weitere Namensänderung zu „Venus-Esterbrook” und 1973 die Übernahme durch Faber-Castell (Quelle: „Der Bleistift” von Henry Petroski).

Für eine Weiterentwicklung des Stifts, der nur aus Spitzen besteht, sorgte im Jahr 1967 das Unternehmen Bensia aus Taiwan mit dem „non-sharpening pencil”. Bei den hierzulande als „Zieh & Steck-Stifte” bezeichneten und im englischsprachigen Raum als „Push-a-Point” sowie „Pop-a-Point” bekannten Schreib- und Malgeräten sitzen die gespitzten Minenstücke auf Hülsen aus Kunststoff. Ist ein Element stumpf, zieht man es vorne heraus und steckt es hinten in den Stift hinein, wodurch ein neues herausgeschoben wird. – Sobald mir ein solcher Stift zwischen die Finger kommt, reiche ich ein Foto nach.

Der Yoropen

Der vor etwa zehn Jahren patentierte Yoropen kombiniert die Steckspitzen mit einem – so der Anspruch der Erfinders Baho-Shen Liu – ergonomisch vorteilhaften Halter, wobei die schützende Kappe des hier gezeigten Modells aus der „Brillant-Serie” einen kleinen Radierer beherbergt und der Schaft als Reservoir für zehn Spitzen dient.

Der Yoropen (Detail)

Pro Spitze stehen knapp 7 mm einer 1 mm dicken HB-Mine zur Verfügung; neben dieser gibt es auch Ersatz im Härtegrad 2B. – Das ungewöhnliche Schreibgerät, von dem noch zahlreiche andere Varianten erhältlich sind, wird in Deutschland durch Ecobra vertrieben.

Vielen Dank an den zonebattler für den Yoropen!

Fotokopie

11. März 2010

Heute mach’ ich mal den Multiplikator und verweise auf einen Beitrag bei „The Leaky Pen”, in dem auf Anleitungen für das Fotografieren von Schreibgeräten verwiesen wird, denn die dort zusammengestellten Informationen halte ich (soweit ich sie bis jetzt gelesen habe) für wissens- und umsetzenswert. Wer – so wie ich – beim Fotografieren kleiner Gegenstände mit lästigen Schatten, unerwünschten Reflexionen und anderen Widrigkeiten kämpft oder einfach nur ein paar Anregungen sucht, findet in den unter „Pen Photography” verlinkten Quellen sicher einige nützliche Tipps.

Farbenfroh verlängern

11. März 2010

Wer mit der doch recht kargen Auswahl an Bleistiftverlängerern hierzulande nicht zufrieden ist, dem seien die Modelle der Marke „Rosetta” im iPenStore empfohlen.

Bleistiftverlängerer von Rosetta

Das aus Metall sowie Kunstharz gefertigte und in 15 Varianten erhältliche Zubehör ist gut 100 mm lang, hat ein 20 mm langes, angenehm gerändeltes Griffstück, wiegt knapp 13 Gramm und ist durchgehend 12 mm dick. – 95 mm des Stifts finden Platz im Innern, doch bereits zehn Millimeter reichen für den sicheren Halt.

Bleistiftverlängerer von Rosetta

Ein genauer Blick zeigt die gute Verarbeitung: Die Oberflächen sind glatt, der Übergang zwischen Metall und Schaft ist sauber und die sechsgeteilte Klemmung arbeitet zuverlässig.

Bleistiftverlängerer von Rosetta

Der Verlängerer von Rosetta, dessen Gebrauchseigenschaften ich für hervorragend halte, kostet etwa 9,60 Euro und wird auch im eBay-Shop von StreetFair angeboten.

… mit einem Lächeln!

9. März 2010

Für das „Schreiben und Zeichnen mit einem Lächeln” diente Gilbert & Blanzy-Poure im Jahr 1959 mit dieser etwa 24 × 32 cm² großen Anzeige seine mechanischen und Holzbleistifte, Kugelschreiber und Bleistiftminen der Marke „Criterium” an.

Anzeige von Gilbert & Blanzy-Poure (1959)

Wie die hervorragende Website Leadholder informiert, brachte die französische Gilbert Pencil Co. 1939 automatischen Bleistift „Criterium” auf den Markt und hatte damit solch großen Erfolg, dass „Criterium” in Frankreich zum Synonym für den mechanischen Bleistift wurde. – Gilbert schloss sich 1945 mit dem Schreibgerätehersteller Blanzy-Poure zu Gilbert & Blanzy-Poure und 1960 mit Conté zu Conté-Gilbert zusammen; 1979 kaufte BIC das Unternehmen.

Anzeige von Gilbert & Blanzy-Poure (1959, Ausschnitt)

BIC hat auch heute noch Bleistifte im Sortiment, darunter die holzgefassten Gilbert 33 und Critérium 550, deren Namen an die Geschichte der Firma erinnern, sowie den klassischen 2,0-mm-Fallminenstift Criterium 2603, den es in Metall- und Kunststoffausführung gibt. – Für Besprechungen dieser Stifte verweise ich gerne auf pencil talk.

Schwarze Kunst

6. März 2010

Begonnen hat es mit der „Drawing Hand No. 1″, einer Abformung seiner rechten Hand in Graphit, und nun fertigt der vielseitige Künstler Agelio Batle Tiere und Pflanzen, aber auch Teile davon und vieles mehr aus diesem einzigartigen Werkstoff – eine fantastische Idee!

Schwarzes Gold

4. März 2010

Als der französische Kaufmann Jean-Pierre Alibert Mitte des 19. Jahrhunderts im südlichen Sibirien nach Gold suchte, machte er eine ungewöhnliche Entdeckung. Die Brocken reinen Graphits, die er nahe Irkutsk fand, ließen ihn nach der Quelle suchen; 1947 ortete er diese schließlich auf dem Gipfel des Berges Batugol im Sajangebirge, gut 430 km westlich der ursprünglichen Fundstelle.

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1885)

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1885)

Erst nach sieben Jahren des mit unglaublichem Aufwand betriebenen Abbaus stieß er auf eine zweite Lagerstätte, deren Graphit die Alibert-Mine legendär machen sollte, denn in der Qualität stand dieser dem aus Cumberland in nichts nach.

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1888; Ausschnitt)

Den zahlreichen Ehrungen Jean-Pierre Aliberts folgte im Jahr 1856 ein Exklusivvertrag mit der Bleistiftfabrik A.W. Faber, die fünf Jahre später die ersten Stifte mit sibirischem Graphit auf den deutschen Markt brachte; 1865 waren diese auch in Amerika erhältlich.

Anzeige für Bleistifte von Johann Faber mit sibirischem Graphit (USA 1888)

Anzeige für Bleistifte von Johann Faber mit sibirischem Graphit (USA 1888)

Die hohe Qualität des Graphits und dessen Kombination mit bayerischem Ton ermöglichten erstmals die Fertigung von Bleistiften in 16 reproduzierbaren Härtegraden, die unter dem Namen „Polygrades” in den Handel kamen und auf der Londoner Weltausstellung im Jahr 1862 gefeiert wurden.

(Warum ich das schreibe, wo es doch schon in Henry Petroskis Klassiker „Der Bleistift”, diversen Broschüren von Faber-Castell und auch unter „Looking for Gold, Finding Graphite: Faber, Alibert and the Siberian Mines” bei Palimpsest steht? Nun, ich konnte den Stich und die Anzeige bekommen und wollte beides nicht ohne Drumherum zeigen.)

Nachtrag vom 5.3.10: Hier noch ein paar Worte zu den Quellen der beiden Dokumente. Der 178 × 118 mm² große Holzstich war bei zwei eBay-Anbietern zu finden, wobei ihn der eine auf 1800–1870 und der andere auf 1885 datiert hat (dabei ist die erste Angabe sicher nicht ganz korrekt, gab es die Mine doch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts). Eine weitere Suche förderte zwei Antiquariate zutage, die diesen Stich ebenfalls führen und die Jahre 1878 und 1888 angeben; eines nennt als Künstler Franz Schreyer.

Signatur auf dem Holzstich (unten links)

Signatur unten links

Die Signaturen auf dem Holzstich (wenn es denn welche sind) haben mir bis jetzt nicht weitergeholfen, ebenso wenig die Angabe „Vol. 11″ in der linken unteren Ecke des Blattes (sie ist in der hier gezeigten Reproduktion nicht zu sehen).

Signatur auf dem Holzstich (unten links)

Signatur unten rechts

Die Anzeige stammt laut eBay-Händler von 1888 und aus „Century Illustrated Monthly Magazine” oder „Harper’s Magazine”.

Nachtrag vom 14.3.10: Erhard Sattmann schreibt in seinem Buch „Vom Faustkeil zum Bleistift” (1953) zu dieser Graphitmine:

  • Das Graphitvorkommen in den Gebirgsschluchten von Irkutsk soll schon vor Jean-Pierre Alibert durch den Kosakenoffizier Tscherepanoff entdeckt, aber nicht ausgewertet worden sein.
  • Bis man auf den hochwertigen Graphit stieß, mussten mehr als 300 Tonnen eines minderwertigen aus dem 2000 Meter über dem Meer liegenden Lager gefördert werden.
  • Der Berg Batugol erhielt später zu Ehren des französischen Kaufmanns den Namen „Alibertberg”.
  • Der sibirische Graphit wurde anfänglich sogar im Naturzustand für Bleistifte verwandt und erst später mit Ton gemischt.

Danke an Herbert R. für den Hinweis auf dieses Buch!

Ausgrabungen

3. März 2010

Ebenso wie sicher noch viele andere, die sich eingehender mit der Geschichte des Bleistifts beschäftigen, ging auch die österreichische Zeitschrift „Der Papierhändler”* in ihrer 58. Ausgabe vom 15. Dezember 1950 davon aus, dass Friedrich Staedtler 1662 erstmalig als Bleistiftmacher erwähnt wurde und damit als der älteste seiner Zunft gilt. Kurz darauf erhielt das Blatt eine Zuschrift mit äußerst bemerkenswerten historischen Details, die diese Annahme widerlegen, und veröffentlichte in der 61. Ausgabe vom 1. Februar 1951 eine Richtigstellung. Dank meines sehr kundigen Lesers Herbert R., der mir freundlicherweise eine Kopie des betreffenden Artikels hat zukommen lassen, kann ich diese interessanten Aspekte mit meinen Lesern teilen. Ich zitiere:

Daß ein gewisser Friedrich Staedtler, der als Vater eines Täuflings im Jahre 1662 im Taufbuch von St. Lorenz in Nürnberg genannt ist, der erste Bleistiftmacher war, ist nicht richtig, denn es findet sich unter dem 7. Februar 1659 im Kirchenbuch von St. Lorenz eine Aufzeichnung, nach der Hans Baumann auf dem Johannis-Friedhof beerdigt wurde, der gelegentlich der Verheiratung seines Sohnes als „Schreiner dann Weißerbeiter und Bleystefftmacher” bezeichnet ist. Auch sein Sohn Hans, geboren 1642, übte den Beruf des Bleystefftmachers aus. Zur Zeit ist somit Hans Baumann d. Ä. der erste in Nürnberg namentlich erwähnte Bleistiftmacher, bei dem es noch dazu durch seine Herkunft aus dem Schreinergewerbe unzweifelhaft ist, dass er Bleistifte mit Holzhülle herstellte.

Der Verfasser der Einwendung hält jedoch auch Hans Baumann nicht für den Erfinder des Bleistifts und vermutet, dass die Erfindung wahrscheinlich viel früher und in einer ganz anderen Gegend gemacht wurde. Dabei verweist er auf einen Kupferstich eines Kölner Straßenhändlers aus dem Jahr 1589, der Bündel von Stiften verkauft; als Quelle nennt er die Historiker Johannes Bischoff und Franz Feldhaus. – Weiterhin heißt es:

Die ununterbrochene Reihenfolge der Vererbung des Bleistiftmachergewerbes von Friedrich Staedtler auf Paulus Staedtler ist historisch nicht nachzuweisen. Die Firma J.S. Staedtler wurde erst 1835 gegründet. Die Behauptung, daß Paulus Staedtler der erste Nürnberger Bleistiftfabrikant gewesen ist, ist insoferne falsch, als viel früher, nämlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die jetzige Firma A.W. Faber-Castell am Rande Nürnbergs gegründet wurde und im Jahre 1806 Johann Froescheis die jetzige Johann Froescheis LYRA-Bleistiftfabrik gründete. Auch die angebliche Erfindung der heutigen Oelkreidestifte durch J.S. Staedtler im Jahre 1834 läßt sich widerlegen.

Einer Bewertung möchte ich mich enthalten, da ich nicht das dazu notwendige Wissen habe. Seit dieser Richtigstellung, deren Autor leider nicht angegeben wurde, sind jedoch fast sechs Jahrzehnte vergangen, und ich weiß nicht, ob es inzwischen neue Erkenntnisse gibt, die sie widerlegen oder bestätigen.

Vielen Dank an Herbert R. für den Artikel!

* „Der Papierhändler” war eine Halbmonatsschrift für die Interessen des österreichischen Papier- und Schreibwarenhandels, herausgegeben von Franz Bondi; gedruckt und verlegt hat sie Johann L. Bondi & Sohn in Wien-Perchtoldsdorf.

Bemusterung

3. März 2010

Spätwinterlicher Schmuck an einem Briefkasten

Spätwinterlicher Schmuck an einem Briefkasten

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