Gespenst

7. Juli 2014

Gespenst

Einige Steine

2. Juli 2014

Schon vor ein paar Jahren bin ich durch Orange Crate Art auf den US-amerikanischen Zeichner Ernie Bushmiller (1905–1982)1 aufmerksam geworden2. Bushmillers wohl bekann­teste Comic-Serie „Nancy” besticht durch ihren Minimalismus, zu dem auch „some rocks” gehören, einige Steine, die immer wieder auftauchen.

Einige Steine

Hier sind sie unten links:

Einige Steine

(Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.) Doch warum ausgerechnet drei? Der Comic­zeichner und -theoretiker Scott McCloud schreibt dazu:

Ernie Bushmiller didn't draw A tree, A house, A car. Oh, no. Ernie Bushmiller drew THE tree, THE house, THE car. Much has been made of the “three rocks.” Art Spiegelman explains how a drawing of three rocks in a background scene was Ernie's way of showing us there were some rocks in the back­ground. It was always three. Why? Because two rocks wouldn't be “some rocks.” Two rocks would be a pair of rocks. And four rocks was unacceptable because four rocks would indicate “some rocks” but it would be one rock more than was necessary to convey the idea of “some rocks.”

Diese drei Steine finde ich grandios, und so halte ich oft Ausschau nach einer solchen For­mation. Während ich sie in meinem Umfeld noch nicht finden konnte, ist sie mir kürzlich in einem gut 450 Jahre alten Holzschnitt aufgefallen.

Einige Steine

Diese Abbildung3 zweier Schaftbelüftungenen stammt aus dem 1556 veröffentlichten Buch „De re metallica”, das sich mit dem Bergbau, der Metallveredelung und der Verhüttung be­fasst. Wie in vielen anderen Holzschnitten dieses Buchs gibt es hier zahlreiche Steine zu sehen, mit denen die Landschaft angedeutet wird. Unnötig zu sagen, dass mich die drei Steine am linken Rand etwa auf halber Höhe an die von Ernie Bushmiller erinnern (auch wenn es bei Agricola nicht bei diesem Trio bleibt).

Einige Steine

So, jetzt gehe ich mit Kisho spazieren – vielleicht sehe ich ja heute „some rocks” …

  1. Einen sehr lesenswerten Artikel über Ernie Bushmiller gibt es unter „The Lawrence Welk of Cartoonists: Ernie, Nancy, and the Bushmiller Society”.
  2. Sein „No” begeistert mich noch heute, und so habe ich es mir auf ein T-Shirt drucken lassen.
  3. Der hier gezeigte Scan stammt aus der Wiederveröffentlichung der ersten englische Fassung von 1912, erschienen bei Dover Publi­cations, New York.

Halbzeit

30. Juni 2014

Halbzeit

Nein, nicht irgendwo in Brasilien, sondern im Hobonichi Techo, von dem ich auch nach sechs Monaten noch so angetan bin wie zu Beginn. – In der Stiftschlaufe ein leicht modi­fizierter Pilot S20.

Abgetaucht

27. Juni 2014

Na, wer versteckt sich hier im Gerstenfeld?

Abgetaucht

Das ist natürlich unser Kisho. – Die Grannen der Gerste sind jedoch für Hunde nicht unge­fährlich, denn sie können z. B. in das Ohr gelangen oder sich zwischen den Zehen fest­setzen und Entzündungen hervorrufen; Spritzmittel sind eine weitere Gefahr nicht nur auf Gersten-, sondern allen Getreidefeldern. Am besten lässt man den Hund erst gar nicht ins Feld (was sicher auch der Bauer besser findet), doch manchmal springt Kisho hinein und wie ein Reh hindurch. Jetzt allerdings, wo die Gerste reifer ist und die Grannen noch härter sind, müssen wir ihm diese Freude leider streng verweigern und überlassen das Feld den Wildschweinen und dem jungen Fuchs, der hier kürzlich gesichtet wurde. – Das Foto ist von Ende Mai.

Neue Kurbelspitzer von CARL

26. Juni 2014

Wenn ich die Abbildungen in der 10. Ausgabe des Stationery Magazine und die Ausgaben des elektrischen Übersetzers im Internet richtig verstehe1, hat der japanische Anbieter CARL mit dem Angel-5 Premium und dem Angel-5 Royal zwei neue Kurbelspitzer im Sor­timent. Beide basieren auf dem Angel-5, haben aber gummigepolsterte Griffbacken; der Royal bietet zusätzlich eine Spitzeneinstellung. Die neuen Modelle werden in Japan herge­stellt und kos­ten gut 18 Euro (Premium) bzw. knapp 22 Euro (Royal), sind aber zurzeit wohl nur dort erhältlich.

Neue Kurbelspitzer von CARL

Ob Decade DE-100, Bungu Ryodo BR-05, CC-2000 oder Angel-5: Mit Kurbelspitzern von CARL habe ich bisher nur sehr gute Erfahrungen2 gemacht, und so gehe ich davon aus, dass auch die beiden neuen Modelle hochwertig sind. – Links unten drei historische Spitzer und rechts unten der elektrische CES-100.

Nachtrag vom 14.7.14: Wie ich gerade festgestellt habe, sind beide Kurbelspitzer schon seit mindestens einem Jahr auf dem Markt. Eine Kurzbesprechung des Premium-Modells gibt es unter „Guest Review By Kevin Of The Carl Angel-5 “Premium” Model Rotary Shar­pener A5PR”.

  1. Leider kann ich kein Japanisch.
  2. Mit einer Ausnahme: Beim BR-05 hat sich der Knopf zum Verstellen der Spitze gelöst; seitdem hält er nicht mehr richtig.

Komfortabel aufschieben

25. Juni 2014

Wer ein papierbasiertes Planungssystem nutzt, kennt das Problem nur allzu gut: Aufgaben, die man gerne und lange vor sich herschiebt, müssen immer auf den nächsten Tag über­tragen werden. Das nervt, und wer die alten Einträge nicht entfernt, läuft zudem Gefahr, sich dem unerquicklichen Anblick der langen Geschichte der betreffenden Aufgabe auszu­setzen. Ich habe eine Lösung, zu der man lediglich eine Haftnotiz braucht, und zeige sie am Hobonichi Techo.

Komfortabel aufschieben

Man faltet die Haftnotiz so, dass sie das Lesebändchen umschließt, und notiert auf ihr die aufzuschiebenden Aufgaben. Wechselt man nun zum nächsten Tag, so wandern die Auf­gaben mit dem Lesebändchen automatisch mit. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass man diese Aufgaben irgendwann doch erledigt, lässt sich die Haftnotiz rückstandsfrei entfernen und durch eine neue ersetzen.

Farbstifte mal anders

25. Juni 2014

Bemerkenswert: Der finnische Künstler Tuomas Markun Poika macht Vasen aus Farbstiften. Seine Serie „Amalgamated” entstand in Zusammenarbeit u. a. mit Faber-Castell. – Danke an Andreas Weinberger für den Hinweis!

Yo no bi

23. Juni 2014

In der lesenswerten Besprechung des Hobonichi Techo bei Pen&Design fiel mir folgendes auf:

The Planner is thoughtfully designed, able to be employed for a multitude of tasks, and a pleasure to use. The more I used, the more I started to appreciate it, and to feel that it truly belonged to me. It truly does exemplify the Japanese concept of ‘Yo no bi’ - or ‘beauty through use’.

Schönheit durch Gebrauch? Da dachte ich natürlich sofort an die Spuren, die so manchen Gegenstand in meinen Augen schöner werden lassen, und meine Freude über das Altern z. B. des Etuis für den Spitzer Janus 4048. Doch woher kommt „yo no bi”1?

Yo no bi

Eine kurze Recherche ergab, dass dieses Konzept aus der Mingei-Ära der späten 1920er und 1930er Jahre stammt. Ihr Begründer Yanagi Sōetsu (1889–1961) hat die Volkskunst-Bewegung in seinem 1972 veröffentlichten Buch „The Unknown Craftsman” beschrieben und darin auch die japanische Sicht auf das (Kunst-)Handwerk gewöhnlicher Leute sowie den Umgang damit untersucht. Wenn ich es richtig verstanden habe, tragen dieser Philo­sophie zufolge zur Schönheit eines Gegenstands nicht nur seine Gestaltung und die Ge­brauchsspuren, sondern auch dessen sinnlicher Aspekt und sein Gebrauchswert bei (was ein wenig an das Arts and Crafts Movement erinnert).

Zurück zum Hobonichi Techo: Auch ich erlebe, dass er mir mit zunehmendem Gebrauch im­mer besser gefällt – ein Empfinden, das ich bisher nur bei sehr wenigen Gegenständen hatte2.

  1. „Yo no bi” besteht aus den Kanji-Zeichen 用 (yo), Gebrauch, und 美 (bi), Schönheit. – Die der japanischen Sprache Kundigen mögen über kleine Ungenauigkeiten hinwegsehen, mich aber bitte auf grobe Fehler hinweisen.
  2. Aber trotz allem: Die schönsten Dinge im Leben sind keine Dinge.
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