Monatsarchiv für September 2012

 Ältere Beiträge

Zerlegt

Sonntag, 30. September 2012

Als investigativer Blogger werde ich nicht müde, meiner geschätzten Leserschaft auch sol­che Einblicke zu vermitteln, die sie andernorts nicht geboten bekommen.

Zerlegt

Der sehr gute Minen-Behälterspitzer uni DPS-600 besteht aus sieben Kunststoff- und drei Metallteilen und ist rasch zerlegt und zusammengesetzt.

Kunstvolle Präsentation

Donnerstag, 27. September 2012

Schreibgeräte lassen sich auf vielfältige Weise präsentieren. Eine alte und auch heute noch beliebte Möglichkeit ist die sog. Aufsteckkarte, auf der die Stifte durch Gummibänder ge­halten werden (siehe z. B. das erste Foto unter „Paperworld 2010 (1)”). Besonders präch­tig sind diese Exemplare der Schwan Bleistift-Fabrik, deren Alter ich aufgrund ihrer an den Jugendstil erinnernden Gestaltung auf gut 100 Jahre schätze.

Kunstvolle Präsentation

(Bilder anklicken, um den oberen Teil vergrößert anzuzeigen)

Die Geschichte des Unternehmens geht zurück in das Jahr 1865, als Gustav Adam Schwan­häußer die zehn Jahre zuvor gegründete Bleistiftfabrik Großberger und Kurz übernahm. In Anlehnung an den Namen des neuen Eigentümers machte man 1875 den Schwan zum Markenzeichen, und so ziert dieser natürlich auch die Aufsteckkarten.

Kunstvolle Präsentation

Bei der dritten Karte spricht mich vor allem der asymmetrische Rahmen an.

Kunstvolle Präsentation

Danke an Herbert R. für die Scans!

Formenspiel

Mittwoch, 26. September 2012

Formenspiel

Pfiffig: Die oben konkave und unten konvexe Schrift an der Fassade der Dombauhütte Köln.

Römisch Linkskursiv (3)

Freitag, 21. September 2012

Meine Suche nach den Ursprüngen der früher in topografischen Karten genutzten Schrift „Römisch Linkskursiv” dauert an. Nach zwei Beiträgen mit allem, was ich bis jetzt zusam­mentragen konnte, hatte ich nun das Glück, von meinem Leser Herbert R. Scans von vier Seiten der „Musterblätter für topographische Arbeiten des Königlich Preu­ßischen General­stabs” in der 11. Auflage aus dem Jahr 1904 zu bekommen. Diese sind hauptsächlich des­halb interessant, weil sie frühe Muster der linkskursiven Schrift sowie Beispiele für ihren Gebrauch zeigen, die in der ersten Ausgabe von 1818 (Nachdruck 1989) noch nicht ent­halten waren. Dies lässt vermuten, dass die „Römisch Linkskursiv” im 19. Jahrhundert Ver­breitung fand.

Römisch Linkskursiv

Seite VI der Musterblätter enthält Schriftmuster. Die „Römisch Linkskursiv” gibt es dort als „Rückwärts liegende Kapitalschrift” (Majuskeln, Großbuchstaben) und „Rückwärts liegende römische Schrift” (Minuskeln, Kleinbuchstaben). Da es je nach Bundesland und zuständigem Amt eine eigene Form der „Römisch Linkskursiv” gab, finden sich Abweichungen zu ande­ren linkskursiven Schriften. – Zu sehen ist hier auch eine mir bisher unbekannte schraffierte Variante.

Römisch Linkskursiv

(zum Vergrößern anklicken)

Wie die anderen erfreut Seite VII durch ihren Visualisierungsstil.

Römisch Linkskursiv

Das Diagramm zum Schraffierungsverhältnis der Böschungen hat es mir besonders angetan.

Römisch Linkskursiv

Auch wenn mich diese Blätter mit ihrer Ästhetik sehr ansprechen, so will ich mich nicht in zahlreichen Ausschnitten ergehen, sondern es hauptsächlich bei denen mit der „Römisch Linkskursiv” belassen (weitere Details könnten Inhalt eines anderen Beitrags werden). – Seite III mit den Gewässern ist sicher die aufwändigste …

Römisch Linkskursiv

… und natürlich die mit den Anwendungsbeispielen für die „Römisch Linkskursiv”.

Römisch Linkskursiv

Hier fallen einige Unterschiede zur den Schriftmustern auf: So hat z. B. das f eine Unterlän­ge, die meisten Buchstaben einen geschwungenen Auslauf und das e einen gekrümmten Überlauf.

Römisch Linkskursiv

Römisch Linkskursiv

Neben dem zweistöckigen a gibt es (wegen der Buchstabenhöhe?) das einstöckige, und das K hat gleich eine ganz andere Form. – Hier der einzige Auftritt der schraffierten Aus­führung:

Römisch Linkskursiv

Nicht minder bemerkenswert ist Seite VII mit den Wohnstätten und deren Umgebung.

Römisch Linkskursiv

Ich wünschte, mit den Augen eines Kulturhistorikers oder mit denen eines mit der Ge­schichte seiner Profession vertrauten Kartografen schauen und noch viel mehr entdecken zu können.

Römisch Linkskursiv

Danke an Herbert R. für die Scans!

Geheimschrift

Donnerstag, 20. September 2012

Geheimschrift

Verborgene Schrift an einer Fassade in Bickenbach/Bergstraße

Krasin, Moskau

Donnerstag, 20. September 2012

Einen reich bebilderten Bericht über die letzte Bleistift-Fabrik der ehemaligen UdSSR gibt es unter „Old Pencil Making Factory” auf English Russia.

Danke an Laszlo Szell für den Hinweis!

IBM Electrographic

Mittwoch, 19. September 2012

Einer der meistgesuchten Bleistifte der vergangenen Jahrzehnte ist der IBM Electrographic. Aber warum? Und was hat es mit diesem Stift auf sich?

IBM Electrographic

Bereits im 19. Jahrhundert versuchte man, Handgeschriebenes maschinell zu reproduzie­ren. Die dazu entwickelte Maschine konnte die elektrische Leitfähigkeit von Zeichen auf ei­ner Oberfläche erkennen, und so erstellte man die Vorlagen mit isolierender Tinte auf lei­tendem Beschreibmaterial (frühe Systeme nutzten Stanniol-beschichtetes Papier)1. Erfolg mit der Maschinenlesung hatte jedoch erst IBM mit der IBM 805 Test Scoring Machine, die im Jahr 1937 markteingeführt wurde. Die IBM 805 maß den Widerstand von Bleistiftmar­kierungen an definierten Positionen auf dem Papier und verglich das so erkannte Muster mit einem in der Maschine hinterlegten Schlüssel, womit sich z. B. große Mengen von Prü­fungsbögen automatisch auswerten ließen2. Diese unter dem Markennamen „Mark Sense” eingetragene Technik wurde später noch für andere Zwecke genutzt, u. a. zum Stanzen von Lochkarten entsprechend der Markierungen (IBM 513 und IBM 514). 1962 kam der IBM 1230 Optical Mark Scoring Reader auf den Markt, der die Zeichen anhand ihres Re­flexionsgrades oder ihrer Lichtdurchlässigkeit las3; 1963 wurde die IBM 805 vom Markt ge­nommen. – Was also lag näher, zu der Technik auch gleich die Bleistifte zum Ausfüllen der Bogen anzubieten?

IBM Electrographic

Zunächst ein kurzer Blick auf die Gestaltung. Das runde „Globus”-Logo auf der Rückseite wurde 1924 eingeführt und war bis 1946 in Gebrauch. 1947 kam das erste Logo aus drei Großbuchstaben, zuerst im Font Beton Bold. Die Variante auf den Schmalseiten und der Vorderseite – ebenso wie der Text darunter in der City Medium von Georg Trump – beglei­tete IBM ab 1956; ihr folgte 1967 die Ausführung mit den dreizehn waagrechten Streifen (1972 kam die Form mit acht Streifen). Kurz: Die Rückseite4 passt zum Corporate De­sign bis 1946 und die Vorderseite zu dem ab 1956. Die gezeigten Stifte stammen also ver­mutlich aus der Zeit zwischen 1956 und 1967.

IBM Electrographic

Das Dutzend des IBM Electrographic, das ich vor kurzem ergattern konnte, hat alters- und lagerungsbedingte Spuren: Die Karton-Banderole ist vergilbt, die ungespitzten Enden man­cher Stifte sind etwas angestoßen und die Radierer sind hart. Ein paar Bleistifte sind leicht gekrümmt, was ich auf Fertigungsmängel zurückführe.

IBM Electrographic

Der sechsflächige Bleistift hat einen Durchmesser von 7,6 mm (Schlüsselweite 7 mm). Die Kombination aus schwarzem Lack, weißem Prägedruck, silberfarbener Zwinge und rotem Radierer macht sich gut, doch bei näherem Blick zeigen sich Mängel, die den Eindruck trü­ben: Der Lack ist zwar dick, aber uneben, und die Schrift von mäßiger, schwankender Qua­lität, denn manche Buchstaben laufen zu oder ineinander. Zudem sitzen einige Minen nicht ganz zentrisch – ein Mangel, der im Gegensatz zu den oben genannten den Gebrauch des Bleistifts beeinträchtigt. – Ich gehe davon aus, dass IBM die Bleistifte zugekauft hat, aber es gibt nichts, was auf den Hersteller hinweist; sogar die Blindprägung fehlt.

IBM Electrographic

Das Holz, dessen Farbe und Maserung für Zeder spricht, bekommt im Handspitzer eine ver­gleichsweise rauhe Oberfläche, macht im Kurbelspitzer (hier: der Carl Decade DE-100) aber eine gute Figur. Die 2,4 mm dicke Mine, die ein wenig fettig wirkt und keine ganz saubere Abgabe hat, schreibt sich leicht und glatt. Sie ist nur mäßig wischfest, aber recht homo­gen, sehr gut schwärzend und bemerkenswert gut radierbar. Ihre Spitze hält nicht lange, denn die Mine ist weich; der subjektive Härtegrad entspricht etwa dem des STAEDTLER Mars Lumograph 4B.

IBM Electrographic

Es gab mindestens zwei Varianten des IBM Electrographic, wie dieses Foto zeigt. Neben der sechsflächigen (oben) war auch eine runde (unten) mit einem Durchmesser von 7,5 mm auf dem Markt; mehr zu dieser unter „IBM Electrographic pencil” bei pencil talk5. Danke an Stephen für dieses Exemplar!6 – Man beachte die Unterschiede der für die Beschriftung genutzten Fonts. Während der untere der City Medium entspricht, so weicht der obere mit seinen Rundungen deutlich ab.

IBM Electrographic

Der IBM Electrographic hat zweifellos seinen Reiz, und wer Spaß an historischen oder unge­wöhnlichen Bleistiften hat, wird auch an ihm Gefallen finden.

IBM Electrographic

Und wie ist es um die für das „mark sensing” so wichtige Eigenschaft, nämlich die elektri­sche Leitfähigkeit, bestellt? Ich konnte es nicht lassen, dies rasch zu prüfen.

IBM Electrographic

Die Leitfähigkeit ist definiert als σ = I/U × L/A mit I = Stromstärke, U = Spannung, L = Abstand der Kontakte und A = Querschnitt des Leiters. Für die einfache qualitative Be­trachtung reicht es zu wissen, dass σ proportional zum Kehrwert des Widerstands (R = U/I) ist. Dazu habe ich mit dem IBM Electrographic eine Fläche gut abgedeckt und dies zum Vergleich auch mit dem STAEDTLER Noris B und dem STAEDTLER Lumograph 4B gemacht; an gleichgroßen Stücken daraus habe ich dann den Widerstand bestimmt.

IBM Electrographic

Normiere ich nun 1/R (IBM) = 1/Ω, so erhalte ich für 1/R (Noris) = 0,11/Ω und für 1/R (Lumograph) = 0,77/Ω. Dies bestätigt zwar die signifikant bessere Leitfähigkeit des IBM Electrographic gegenüber dem Noris B, setzt ihn aber nicht nennenswert vom Lumograph 4B ab7. – Unklar ist, ob die Mine noch andere, für den Prozess wichtige Eigenschaften auf­weist (z. B. für die Abfrage der Markierungen über die Bürstenkontakte in der IBM 805) und ihre Rezeptur in Zusammenarbeit mit IBM entwickelt wurde.

IBM Electrographic

Bei der Beschäftigung mit diesem Thema kam mir noch ein ganz anderer Gedanke: Wäh­rend die Schrift eines Bleistifts normalerweise von einem Menschen gelesen wird, so war die des IBM Electrographic für die Verarbeitung durch eine Maschine gedacht. Der Bleistift als Mensch-Maschine-Schnittstelle – das finde ich reizvoll.

  1. Douglas W. Jones: Counting Mark-Sense Ballots.
  2. Siehe die Broschüre „Scoring Examinations the Electrical Way”, mit der IBM das Verfahren bewarb.
  3. Dieses Verfahren wird als Optimal Mark Recognition, kurz OMR, bezeichnet.
  4. Als bekennender Typoholiker kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass die ersten beiden Absätze des Textes in der Futura gesetzt wurden.
  5. Darüber hinaus gab es noch 1,18 mm dicke Minen; siehe „IBM Electrographic lead” bei pencil talk. – Es gab von IBM auch Elektrographik-Tinte, und mit speziellen Ausführungen des IBIS 130 sowie des Pelikan 140 bediente Pelikan den Elektrographik-Markt.
  6. Dieser Stift hat einen erheblich besseren Lack; gut möglich, dass er auch über eine höher­wertige Mine verfügt (ich habe ihn noch nicht getestet).
  7. Elektrotechniker mögen mir das sportliche Vorgehen nachsehen.

Montag, 17. September 2012

⅜

Giachino, Joseph W.; Beukema, Henry J.: Engineering Technical Drafting and Graphics. Chi­cago: American Technical Society, 3. Auflage 1972.

 1 2 3 Nächste

Diese Website nutzt Cookies. Wenn Sie weiter auf dieser Seite bleiben, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie zu, diese Cookies zu verwenden. Mehr Informationen erhalten Sie im Datenschutzhinweis.
OK